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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher knrhefsifchej Oberhessen

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57. Mo.

1922

Jlt. 227

Bit Srienlhiit.

Das kemalistische Kriegsziel.

Paris, 26. Sept. Nach einer Meldung der £6-,1-000 Tribüne" aus Konstantinopel hat Kemal .len Vorschlag, Thrazien bis zu seiner endgültigen lAuteilung oder einer Abstimmung unter die Ver­waltung des Völkerbundes oder Frankreichs zu pellen, abgelehnt. Er bestehe darauf, daß die Nationalisten sofort Thrazien übernehmen.

Vorbereitung eines Waffenstillstandes.

Paris. 26. Sept. Nach einer Meldung des »Newyork Herald" aus Konstantinopel wurde gestern die Konferenz der Oberkommissare zur Herbttsähmng eines Waffenstillstandes eröffnet. Der ameri­kanische Kontreadmiral Bristol wohnte ihr als Be- pbachter bei. Tie Konferenz werde die sofortige Ein- , • Peilung der Feindseligkeiten verlangen. Zur Abhaltung von weiteren Sitzungen in Marmara werde sie sich tvahrscheinlich vertagen: dort sollen dann die tür- stschen und die griechischen Vertreter gehört werden.

Befürchtung von Unruhen in Konstantinopel.

London, 26. Sept. Der Konstantinopeler Sonderberichterstatter der „Daily Mail" drahtet, - tort werde die Befürchtung gehegt, daß die Volsche- wiken, deren Organisation in Konstantinopel weit verbreitet sei, Unruhen Hervorrufen würden, in der Hoffnung, einen Ausbruch der Feindseligkeiten her- i keizuführen, bevor ihre türkischen Genossen' von ihnen getrennt würden. Flugschriften in türkischer Sprache, worin die Türken aufgefordert werden, s alle" Engländern und zaristischen Russen in Kon- ' Panti'nopel den Hals abzuschneiden, würden in kroßer Zahl verbreitet.

*' P-kkr is, 26. Sopb. Nach einer Havasmeldung Ki*? iistanttnopel sind Lady Harrington und die

V ■- von 16 höheren Offizieren gestern abgereist = e'!c Trauen der übrigen Offiziere reisen am 27.

S: ptember.

’ F Der Anspruch der Skussen.

I London, 26. Sept. Der Pariser Bericht- Mt;iattcr der „Morning Post" meldet, dort herrsche die Ansicht vor, dah es schwierig wäre, den Anspruch der Russen, zur Orientkonferenz zugelassen zu wer­den. abzulchnen. Die bolschewikische Negierung sei ja auch in Genua und im Haag zugelassen worden.

i Außerdem habe Ruhland sicher ebensoviel Recht wie Sudslawien.

i \ A Die „Times“ meldet aus Konstantinopel, die Kcmalisten seien durch Vertrag verpflichtet d-rauf zu beharren, daß die bolschewikischen Regie-' rungen auf der kommenden Friedenskonferenz zu- sclassen würden, und es bestehe Grund zu der An­nahme, daß Moskau fordern werde, daß alle drei Rätestaaten, Georgien, die Ukraine und Moskau vertreten seien.

* Reuter meldet aus Konstantinopel, man sei dort der Ansicht, daß die Bolschewiken zweifellos ihren ganzen Einfluß für eine Ablehnung der Vor­schläge in die Wagschrle werfen würden, da sie sicher erkännten, daß ein Uebereinkommen eine bal­dige Spaltung zwischen Angora und Moskau be­deuten würde.

Die Flüchtlinge von Smyrna.

Paris, 26. Sept. Nach einer Meldung f^wyork Herold" aus Smyrna gaben die türkischen xvilwrden den Verbündeten und Amerikanern bis run 1. Ott ober Zeit, die 50 000 noch in der Stadt zurück- gebliebenen Flüchtlinge forizuschaffen. die dann tllttg Leibenden sollen wegen Nahrungsmittelmangels be- portiert werden.

Weitere englische Verstärkungen.

L o n d o n, 26. Sept. Morgen werden drei Ba­taillone Infanterie nach dem Orient abgehen. Die Hschseezerstörerflottille wird zurückgezogen, um ebenfalls in das östliche Mittelmeer gesandt zu den.

। Maulung -k5 Ssltons?

0 i i 5, 26. Sept. Die „Daily Rems" läßt sich «us Konstantinopel berichten, daß der R ü ck t r i t t >es Sultans um so wahrscheinlicher erscheine, As bereits der Eroßwesir, der Außenminister und «er Innenminister der Regierung des Sultans zu- rückgetreten sind.

Havas meldet aus Konstantinopel: Der Groß- Desir hat die kemalistische Regierung davon in Kenntnis gesetzt, daß die Konstantinopeler Regie­rung in keiner Weise derjenigen von Angora im Wege stehen möchte und daß ihre Mitglieder des­wegen bereit seien, ihre Entlastung einzureichen. Dkan glaubt, daß Mustapha Kemal annehmen und «inen Gouverneur noch Konstantinopel entsenden Idird.

Nm Ncktzmi ött neiMtn Zm.

Paris, 26. Sept. Türkische Kavallerietruppen sollen am Montag neuerdings bei Tschanak, und zwar diesmal mit Artillerie ausgerüstet, in die neutrale Zone eingerückt sein. Während bei dem letzten Vorstoß die türkischen Kräfte auf ungefähr 1000 Mann geschätzt wurden, spricht man diesmal von 3000 Mann. Der englische General Harrington hat, sobald er von diesem Vorfall in Kenntnis ge­setzt wurde, den Vertreter Kemals in Konstanti­nopel ersucht, bei Mustapha Kemal den Rückzug der Kavallerie zu verlangen. Er hat zugleich für diesen Rückzug eine angemessene Frist festgesetzt, die es ermöglicht, auf jeden Fall Kemal Zeit zu lassen, diese Order zu erteilen. General Harrington soll nunmehr über eine größere Anzahl von Flugzeugen erfügen, .die ihm eine militärische Verteidigung er­leichtern sollen. Auch der französische Ober­kommissar soll ermächtigt worden sein, bei Mu­stapha Kemal vorstellig zu werden, um zu verhin­dern, daß aus diesem Zwischenfall weitere Konflikte entstehen.

Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel haben gestern die Oberkommissare über die Frage der Verletzung der neutralen Zone beraten. Der französische Oberkommissar habe Mustapha Kemal Pascha anempfohlen, die Räumung der neutralen Zone anzuordnen.

Der türkisch« Kommandeur ersuchte um eine längere Frist als 48 Stunden, um mit seinen Vor­gesetzten in Verbindung treten zu können.

Es wird die Hoffnung ausgedrückt, daß die Be­wegungen der türkischen Truppen auf Befehle zu­rückzuführen sind, die vor Empfang der Note der Verbündeten erteilt wurden ober daß sie eine un­abhängige Aktion eines Unterbefehlshabers be­deuten.

Eine Reutermeldung besagt, daß das heraus­fordernde Verhalten der Türken, die in die neutrale Zone von Tschanak zurllckgekehrt sind, diesmal mit Maschinengewehren, eine ernste Bedrohung für die friedliche Regelung des Orientproblems bedeute.

Nach einer von den Dardanellen stammenden Nachricht, die nicht bestätigt ist, sollen die Türken Feldgeschütze in der Richtung auf Erenköj abschicken.

Sie Lage in Griechenland.

Paris, 26. Sept. Nach einer H avasmeldung aus Athen find die letzten Sitzungen des Kabinettsrates ziemlich bewegt verlaufen. Schließlich hätten sich die Minister dattn geeinigt, bei Venizelos durch einen seiner Verwandten, Chattlaos, anzufragen, ob er bereit wäre, sein Land bei den diplomatischen Verhandlungen über den nahen Osten zu vertreten. Es stt ganz un­wahrscheinlich, daß der ehemalige Ministerpräsideizt sich dazu bereit erklären werde. — Nach einer vom „Temps" veröffentlichten Meldung aus Athen soll ChattlaoS den Auftrag des Kabinettsrats abgelehat hoben, eine Antwott, durch die die Frage der Ab- d a n k u n g des Königs aufgeworfen würde.

L o n d on, 26. Sept. Aus Athen meldet Reuter, es sei b 'schlossen worden, Venizelos wegen seiner Hal­tung gegenüber dem augenblicklichen Regime keiner­lei osfizielle Mission anzuvertrauen. Der Premier­minister erörterte die Lage mit dem König Der Preueierminister wird wahrscheinlich an der Spitze der griechischen Abordnung auf der Friedenskonferenz er­scheinen.

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wckMM oon RMMhrWM. Linksradikale Agitation.

Berlin, 26. Sept. Die „Rote Fahne" ver­öffentlichte am Montag einen längeren Bericht über Vorkommnisse bei dem in der Festung L ö tz e n lie­genden Truppenteil der Reichswehr (3. Bail. Jnf.- Regt. 2). Die Darstellung der „Roten Fahne" scheint im großen und ganzen zuzutreffen. In einem von der Heeresleitung herausgegebenen Be­richt heißt es, daß etwa ein Drittel der Mann­schaften der drei Znfanteriekompagnien am 10. Juli eine Versammlung veranstaltete und dann geschlos­sen und teilweise bewaffnet nach der Kaserne zog, um seine Forderungen auf Dienstentlas­sung der Unteroffiziere und Zahlung der rückständigen Teuerungszulagen vorzubringen. An­gesichts der festen Haltung des Restes der Kom­pagnien ließen sie sich jedoch in der Kaserne wider­standslos entwaffnen und festnehmen. Bei einem Rädelsführer routb«.., sogenannte Pro­grammpunkte gefunden. Diese enthielten u. a. die Forderung auf Entlassung monarchistischer Offi­ziere und Mannschaften, Aufnahme von Verbin­dungen mit arbeitenden Eisenbahnern usw. Neben der politischen Verhetzung habe besonders

die Fremdheit und Langeweile in der kleinen ostpreutzischen Garnison dazu beigetragen, bei den Leuten Unzufriedenheit hervorzurufen. Ferner wird vom Reichswehrministerium erklärt, daß seit dem Rathenaumord eine verstärkte kommu­t', i st r s ch e Agitation unter der Reichswehr getrieben wird.

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Scharfe deutschfeindliche Rede des sranzöfifchrn Vertreters.

* Genf, 26 Spt Dw Völkerbundsversammlung trat heute in die Besprechung der Anträge der dritten Kommission (Abrüstung), darunter diejenigen über den Garantievertrag und die Jouvenel-Entschließung über die Entschädigungsfrage ein. Lord Robert Cecil begründete in einer langen Rede den Kommissions- bettcbt, indem er einen ausführlichen Ueberblick über die bisherige Tätigkeit des Völkerbundes in der Ab­rüstungsfrage gab und vor allem für die Garantie- Verträge eintrat die allerdings nicht zu Defensiv­bündnissen alten Sttles werden dürsten.

I o u v e n e l (Frankreich) trat in einer l angen, sehr Pathetisch gehaltenen Rede für den Garantteverirag und für seine Entschließung ein. Die von den la- teinischen Staaten und auch von Polen vertretene These wolle sich nicht ausschließlich an den allgemeinen Pakt halten, sondern erwarte den wirksamen Schutz von Sonderabkommen. Denn diese Völker wüßten, daß es zwei Mächte gebe, deren Einvernehmen sie Gefahr bleibe: die eine geheimnisvoll.und un- kontrollierbar, die vielleicht künftige Angriffe aorbe reite, und die andere, die chr die Kadres dazu liefern könne. Die Mächte müßten also besondere Abkommen schließen, damtt die Schwachen nicht auf Gnade und Ungnade imperialistischen und abenteuerlichen Regie- Hingen ausgeliefert blieben. Jouvenel stellte di- Ideale der französischen Revolution den machtpolitischen A ik- fassungen Deutschlands entgegen, wie sie Bismarck mit dem Wort „Macht vor Recht", Bethmann Hollweg mit feinen. Wort vom „Fetzen Papier" und auch Nietzsche vertreten hätten. Es müßten daher auch die B.gttffe vernichtet werden, die dl« Invasion herbei- gesühri hätten.

Jouvenel schloß mit bet Erklärung, daß während des Krieges Frankreich die Deckungsgruppe für die Kultur abgegeben habe, daß es das Recht verkörpett uiid den Frieden gerettet habe. Jetzt müsse die Mensch­heit Frankreich zurufen: Frankreich, Ich bin zur Stelle!

Die Rede war im Tone bedeutend schärfer als hie letzte Rede Jouvenels. Sie enthielt wiederholt direkte Spitzen gegen Deutschland und Rußland und toirfte auf fast alle Teilnehmer sen­sationell. rief aber auch auf einigen Bänken sichtbare Enttäuschung hervor.

In der Nachmittagssitzung setzte die VölkerbundS- oersammlung die Aussprache sott, ohne zu einem Ab­schlüsse zu gelangen. Fisher (England) erklätte, daß Deutschlands Mitarbeit an der Lösung des Ent­schädigungsproblems wünschenswert sei. Er teilte seine Zustimmung zu einer gemeinsamen Beratung oer Frage der Entschädigungsschulden und interalliierten Schulden mit Wenn der Völkerbund sich auch ohne Wunsch der Regierungen nicht in die Frage ein* mischen dürfe, so sei doch zu hoffen, daß, falls die Re­gierungen zu keinem Ergebnis kämen, der Völkerbund sich mit der Frage befassen würde. HymanS- Belgien griff ebenfalls sehr lebhaft auf Kttegsettuue- rungen zurück und hob nachdrücklich das Recht Bel­giens hervor, durch seine Angreifer entschädigt zu werden. Er w a r n t e ferner vor einseitiger Abrüstung.

Loudon- Holland wies auf das Interesse hin, das die ebenfalls schwer unter der Valutakrise leidenden Neutralen an der Lösung der finanziellen Probleme und der Beruhigung der Geister haben. G l m o n v - Spanien betonte den Friedenswillen seines Lander. Der persische Delegierte hielt eine längere pazifistische Rede, in der er die Einberufung einer Konferenz für die Behandlung des Fttedeusproblems forderte, aus der auch die Bereinigten Staaten, Deutschland, Rußland und die Türktt vertreten fein sollten.

Wenn Deutschland in den Völkerbund einträte.

Paris, 26. Sept. Der Genfer Korrespondent des ,Temps" verzeichnet das Gerücht, daß gewisse in Genf anwesende Pettöultchkeiten sich bei der deutschen Rc gicrung verwenden, um Deutschland zu veranlassen, dos; es sofort seine Zulassung zum Völler- vunde und seinen Eintritt in den Völkerbnndsrat als ständiges Mitglied beantrage. Der Berichterstatter erwartet für den Fall, das etwas Derartiges eintritt, eine grohe Aussprache über die bisherige Durchfüt- rnnp der Verträge durch die deutsche Regierung und die für die Zukunft erforderlichen deutschen Erklärun- gen. Deutschland würde mit einem Zulafsungsgeiuch gleichzeitig alle Proteste gegen die bestehenden Brr- träge zurükkziehen; es würde sich dann nur noch da- tum handeln, in welcher Form es sozusagen nur eine neue und gänzlich unerzwungene Unterschrift unter den Versailler Vertrag setzen könne. — ES mutz alS ausgeschlossen bewachtet werden, das; Deutschland um Aufnahme ersucht. Die Meldung ist

wohl auch nur als französischer Versuchsballon zu b» ttachten,

« • V

Die Uebergabe der Schatzwechsel.

Parts, 26. Sept. Der Entschädlgungsaus» schuß ist um 3 Uhr zusammengetreten, um von der Uebergabe der deutschen Schatzwechsel für Belgien Kenntnis zu nehmen und sie der belgischen Abord­nung zwecks Uebermittlung an die Brüsseler Re­gierung zu übereichen.

Verhandlungen über die Ausgleichszahlungen.

B e r l l n, 26. Sept. Wie die Blätter mitteilen, wird außer dem Direttor des französischen Aus«, gleichsamtes auch der Direktor b-e^. englischen Aus­gleichsamtes am 5. Oktober in Berlin eintreffen. Es soll sowohl über die Regelung der künftigen als auch über den Rest der bereits fällig gewordenen Ausgleichszahlungen von 18,4 Millionen Mark ver- handelt werden.

Das vorsichtige Amerika.

Washington, 26. Eept. Der Flotten­sekretär Denby erklärte, daß keinerlei Ausrangie­rung von Schlachtschiffen stattfinden wird, bevor Frankreich und Italien den Flottenvertrag rali» fiziert haben. Die Regierung ist der Ansicht, dah die Lage int Nahen Osten einige Unterzeichner dazu bewegen könnte, ihre Pläne bezüglich der Ausran­gierung von Schiffen zu ändern, und daß es daher für die Bereinigten Staaken unklug sei, damit zu beginnen, ehe nicht alle Mächte den Vertrag rati­fiziert haben.

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Die M für Mmirh.

© e n f, 26. Eept. Wie die Blätter erfahren, ist der Zahlungsplan für die Finanzhilfe zugunsten Oesterreichs derart aufgestellt worden, daß Eng­land, Frankreich, Italien und die Tfchecho-Slowakek je 20 Prozent der von den Banken gewährten An», leihen garantieren, das heißt zusammen 80 Pro­zent. Die anderen Staaten sollen gemeinsam die verbleibenden 20 Prozent übernehmen. Frankreich und die Tschecho-Slowakei haben bereits ihre Zu­stimmung zu diesem Abkommen gegeben, während die Einwilligung Englands von der Italiens ab­hängt. Was die politische Regelung anbetrifft, fasse man immer mehr eine Neutralität nach dem Muster der Schweizer Neutralität ins Angs.

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Xenenntg trab ffltWswL

Die ZollerhShungru.

Berlin, 26. Sevt. Der Reichstagsausschutz ssir Volkswirtschaft sttmmte heute einstimmig dem Ent­wurf einer Verordnung über Zollerhöhungen zu. In der sich anschltetzenden Aussprache über den Antrag der Neichsregierung. auch den Tabakzoll zu erhöhen, erNärle Reichswtrtschaftsminister Schmidt, datz e5 sich dabei um eine Matznahme der Devisenpolitik han­dele. die nicht für die Tauer berechnet sei. Sobald sich eine Besserung in der Handelsbilanz zeige, könne der Zoll wt-der zurückgeschraubt werden. Die Be­sprechung des Antrags wurde auf morgen veriagt, damit sich die Fraktionen inzwischen noch weiter un­terrichten können.

Vorschlag einer Ra lirolroertreitte.

Braunschweig, 26. Sept. Nach einer Diät- termeldung entwickelte auf der Retchskonferenz der demokratischen Minister der Ministerpräsident von Ol­denburg T a n tz e n einen Plan über die Erhebung einer Simuraltoertrente. Der land- und forft« wirtschaftliche Grundbesitz wird, je nach der Qualttät des Bodens, in Klassen eingeteUt, und jede Klasse ver­pflicht u sich zur Ablieferung einer nach Hektar be­stimmten festen Naturalmenge. Die Veranlagung der Naturalrente, an deren Ertrag das Reich, die Länder und 6c;reiuten beteiligt sein sollen, solle erfolgen ohne Rückstau auf die Art der Bewirtschaftung und auf die Tüchtigkeit des Bewirtschafters. Diese Ab­gabe hat zur Folge, bah jeder Bewirtsümfter von Bo­den alle über den Ertrag der festen Abgabe htnaus- gehenden Erträge ungeschmälert für sich beanspruchen kann. Dos bedeuie die stärkste Anregung zur Förde­rung der Produktion.

Hilfe für die Gemeinden.

Berlin, 27. Sept. Tas preußische Staatsmini. stettum hielt eine Kabinettsitzung ab, in der es sich mit der Vorlage des Reichswirtschaftsministers on den Reichsrat über die Zuckerbewirtschaftung befaßte. Fenier wurden Maßnahmen finanzieller Arl ins Auge gefaßt, um den Gemeinden über brit chwierigen Termin des 1. Oktober hinwegzuhelfen.

Die Koalitionspatteien werden im preußischem Landtag einen gemeinsamen Antrag einbringen, toi nach zur Fortsetzung der Wohnungsbauken 3 Milliarden ans preußischen Staatsmitteln und 1.83 Milliarden aus Reichsmitteln sofott den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden sollen.

Der deutsche evangelische Pfarrertag, der vom 26. bis zum 29. September in Leipzig ftattjttldet, ist gestern feierlich xroMet worden.