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AmUiches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (das früher knrhefstfche) Oberhessen
ür. 220
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57. m 1922
Havensteins Rrrckkehv.
9n Streit um die Meerengen.
Ablehnung des englischen Vorstohes.
£* n, 18. Sept. Die Reuter-Note do»! 6o: ’ _ t-cr di« Haltung der britischen Negierung im., . j.--griechischen Konflikt erregt größtes Aufsehen. „Weekly Mspatch" zufolge ruft nW Trans- Portabteilung des Handels amtes ihre Beamten im Knsammenhange mit den Berftärkunaen für die Dardanellen aus ihrem Urlaub zurück. Die Blätter weisen stuf die ungünstige Aufnahme hin, die der in der Reuter-Not« erfolgte Appell der britischen Regierung in Frankreich und Italien gefunden hat.
„Daily Mail" schreibt, die Erklärung der britischen Rfgitrung werde auch in England ungünstig bcnr- irilt. Man sei hier der Ansicht, daß die offiziell« Erklärung parteiisch und vorsätzlich dazu bestimmt lei, den äußerst verhängnisvollen und kostspieligen Krieg zu fördern. Der provozierende Versuch, Bulgarien gegen die Verbündeten zu stellen, werde besonders mißbilligt, wobei darauf hingewiesen werde, daß Bulgarien offiziell seiner Ansicht Ausdruck gab. neutral zu bleiben, wenn der griechisch-türkische Krieg auf Europa überareifen sollte Daß die Regierung an die Dominions appellierte, militärische Kontingente für einen neuen Krieg nach der Türkei zu entseiden. hab? allgemein ein? Bestürzung erregt. Es beständen Anzeichen, daß das Ernichen der Regierung in Kanada und Südafrika kühl ausgenommen sverdc. Das Ersuchen an die Griechm, an der wirksamen Verteidigung der neutralen Zone teitzunehmen, werde gleichbedeutend mit der Parteinahme zu Gitnsten Griechenlands gegen die Türkei erachtet, ein Schritt, der die ernstesten Folgen ans die mohammedanische Bevölkerung Indiens und Aegyptens haben werde. Es bestehe kein Zweifel, daß da? überragende Interesse Großbritanniens und oer Per- stündeten an der Freiheit der Meerengen durch Verhandlungen geregelt werden kann'-. Wenn das britische Publikum einsehe, btt6v England in einem neuen Unnötigen Krieg gestürzt werde, so werd« tich ein ü b e r wältigender Protest gegen die Pläne der Negierung geltend machen. „Daily Mail" drückt die Hoffnung ans, daß die Dominions sich glatt weigern werden, sich in ein neues katastrophales militärisches Unternehmen verwickeln zu lassen, das nur oem Zwecke dienen soll, Lloyd Georges nichtwi-dergutzumachmde Fehler zu decken. Wenn Mustavha Kemal die Maritzalinie und Wrianopel fordere, so sei dies in der Stunde des Sieges nicht zu viel.
„New Statesman" schreibt, es sei bedaueriich, daß sich England in den Händen eines Premierministers beende, der so gut wie nichts vom Orient wisse und «ine? Außenministers, der die Lage vollkommen kenne, aber nicht wisse, wie sie anzupacken sei. Die Politik der Regierung habe das britische Ansehen und den britischen Handel geschädigt und Griechenland ruiniert. England werde Zugeständnisse an die türkischen Forderungen machen müssen und zwar bis zu bem Punkte teo die rechtmäßigen Interessen und der Friede Europas in Frage kämen.
Die „Times" schreibt: Die halbamtliche Erklärung der britischen Regierung bildete den Hauptgesprächsstofi der diplomatischen und politischen Kr ise Londons. In weiten Streifen sei der drohende Ton der Erklärung bedauert worden. Italien habe der britischen Regierung witgeteilt, daß es an irgendwelchen Angriffs- oder Ber- leLigungSmaßnahmen gegen die Kemalisten nicht teilnehmen werde. Es sei wahrscheinlich, daß die französische Regierung beschließen werde, wenn sie dies nicht bereits getan habe, ihre Streitkräfte in Konstantinopel und in ter neutralen Zone nicht zu vermehren und eher eine ab- vartende als eine tätige Haltung einzunehmen.
„Evening News" berichtet, daß eine Darlegung der ^französischen Regierung über die Haltung gegenüber 1>et türkischen Krise nach London gesandt worden ist. Zn dieser Darlegung bekräftigte Poincare, daß Frankreich mit Großbritannien zusammen auf dec Aufrechterhaltung der Neutralität der Meerengen bestehe Es tet-rbe jedoch der kriegerische Ton der offiziös von der britischen Regierung veröffentlichten Erklärung iwri t Mißbilligt.
Pari-, 18. Sept. Die „Liberte" schreibt: Was die englische Regierung von den Verbündeten verlangt, ist eine »ililärisck« Unternehmung im Orient gegen eine muselmanische Macht. Ist das klug? Entspricht das unseren Interessen und denen Europas? Man muß zuerst die Rkqlichen Rückwirkungen auf Syrien und Ma- wklo ins Auge fassen und dann auch die weiter abliegen- ten auswärtigen Komplikationen berücksichtigen. England scheint z. B. auf eine Intervention Rumäniens zu tähleu. Wenn Rumänien ». B. viel treiter als am «c-porus beschäftigt wäre, wäre das nicht eine groß- «rline Gelegenheit für die Russen, sich Beßarabien wieder- ^nehmen? Das ist nur ein Fall von Verwicklungen, Re ein treten können, aber es genügt, um eine kalte Antwort der ftanzösischen Regierung aus die kriegerischen A'if- Wäungen aus London und den Wink an Europa und an Jte Welt zu rechtfertigen, daß Frankreich keine Sollten für derart abenteuerliche und unüberlegte Unter- tehmungen hat. Nach dem „Journal des Debats", ixt5 ” der Orientfrage stets eine besondere Stellung einnahm, Mte das Londoner Kabinett vollkommen recht Es ver- ~S>igte nicht egoistische, sondern allgemeine Interessen.
Blatt weist auf die furchtbare Feuersbrunst in iytjriia hin und meint, es sei das Natürlichste, anzri- ^rhmen, daß die kemalisttschen Soldaten im Versolgungs-
iluinMnm ter 6toWel iM hie ReiWM.
Berlin, 18. Sept. Nach der Rückkunft des Reichsbankpräfidenten Havenftein fand heute Nachmittag eine Kabinettsfitzung statt, in der die Frage der an Belgien auszustellenden Schatzwechfel behandelt wurde. Havenftein teilte mit, daß die Reichsbank nunmehr bereit fei, die sechsmonatigen Schatzwechsel, fällig vom 15. 2. bis 15. 6. 1923, mit ihrer Unterschrift zu versehen. Das Reichskabineti nahm die Erklärung Havensteins entgegen und beschloß, der belgischen Regierung sofort entsprechende Mitteilungen zu machen.
Die Blätter begrüßen den von dem Reichsbank- präsidenten Havenftein in London erzielten ErfrKg als eine wesentliche Entspannung unserer außenpolitischen Lage. Da zu wiederholten Malen betont worden ist,> daß die Neichsbank nicht gewillt sei, einen Teil ihres Eoldbestandes zu verpfänden, so halten es die Blätter für selbstverständlich, daß die Besprechungen in London unter dieser Voraussetzung geführt worden sind. Die „Boss. Zig." schreibt: Da nunmehr die Forderung der belgischen Unterhändler, von der deutschen Regierung Schatzwechsel mit nicht länger als sechsmonatiger Laufzeit und mit der Unterschrift der Neichsbank zu erhalten, erfüllt ist, muß der Konflikt über die Tarantiefrage als beendet und die von dem Ent- fchädigungsausschuß verlangte Einigung zwischen Deutschland und Belgien als erzielt angesehen werden. — Auch der „Vorwärts" glaubt aus der bisherigen Haltung der belgischen Regierung, die sich anerkennenswert versöhnlich und sachlich gezeigt babe, schließen zu können, daß sie sich mit dieser Lö-
eifer und erregt durch den Anblick der Verwüstungen, die, wie man sage, die griechischen Soldaten bei ihrem ungeordneten Rückzug verursacht hätten, sich hier gerächt hätten ohne auf die Mahnungen des türkischen Oberkommandos zu hören, und daß sich das Feuer dann langsam weiter verbreitete. Wenn die Kemalisten morgen in Konstantinopel einzichen sollten, wie jetzt in Smyrna, bann würden sich dort wahrscheinlich dieselben Schreckensszenen abspielen. Das sei ein Grund mehr für die zivilisierten Mächte, die Ordnung an den Meerengen -ufrecht zu erhalten.
Der „Petit Parisien" schreibt: Ms «5 sich zu wiederholten Malen um eine militärisch« Besetzung des Ruhraebiets durch die französischen Truvpen handelte, erhielten wir von der anderen Seite de? Kanals Mahnungen zu Mäßigung, Klugheit und Kaltblütigkeit. Man wie? uns auf die Gefahren des Vorgehens hin; man wies uns darauf hin, Deutschlaich nicht zur Verzweistung zu brin- aen. Heute sind wir an der Reihe, unsere englischen Freunde inständig zu bitten, im Orient mchts zu überstürzen in einer Stunde, in der Frankreich England soeben die groß« Genugtuung gegeben hat, sich mit ihm bezüglich des Grundsatzes der Freiheit und Neutralisierung der Meerengen einig zu erklären. An uns ist es jetzt, von England zu verlangen, daß eS die Türken nicht zur Verzweiflung treibe. Im Jahre 1914 hat die Furcht vor Rußland die Türkei zu dem Wahnsinn getrieben, sich in die Arme Deutschlands zu. werfen; eS darf nicht sein, naß die Furcht vor der englischen Besitzergreifung Konstantinopels sie heute indie ArmeRußlands treibt, was uns früher oder später einen neuen Unruheherd und einen neuen europäischen Krieg bringen würde.
Auch der „Temps" zeigte sich gestern über die Reuternote sehr erstaunt und schreibt, daß die von der englischen Regiening eingenommene Haltung nicht dem entsprech«, was man nach der Antwort Frankreichs hätte erwarten sollen.
Die Haltung Amerikas.
London, 15. Sept. „Sundap Expreß' berichtet aus Newyork, daß dort den Berichten aus dem Orient das größte Jntereste entgegengebracht iverde. Die Vereinigten Staaten erblickten in jedem Versuch Mu- stopha Kemals, nach Europa überzusetzen, eine große Gefahr. Man erwarte ein soforttgeS Eingreifen Amerikas in die Crientirife nach der Rückkehr Hughes am 24. September.
Die Kleine Entente. —
London, 18. Sept. Der serbische Minister des Aeußern hat nach einer Besprechung zwischen dem König von Serbien und Poincare sowie Ferid Bey, Lord Hat- dinge und dem Pariser Berichterstatter der „Snndah Erpreß" erklätt, die serbische Regierung sehe bi« türkischen Erfolge mit Besorgnis an und würde jedes Vordringen der Türken nach Europa als ernste Bedrohung aussasicn. Er selbst fahre beute nach England und werde die Frage mit Lloyd George und Lord Eurzon erirtern.
Die griechische Regierung ließ Südslawien und Rumänien eine Note zugehen, in der auf die Gefahren der Nenderung des derzeitigen Zustandes auf dem Balkan hingewiesen wird.
Sofia, 16. Sept. Die Bulgarische Telegraphen- Agentur ist ermächtigt, die Meldung, nach der Bul-
sung zufrieden geben wird, und hofft, daß diese Lösung eine gewiffe Stabilisierung des Markkurses zu Folge haben werde. ,
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Der Streitpunkt drehte sich lediglich um die Laufzeit der deutschen Schatzwechsel, die Belgien für die nächsten Monatsraten als Zahlung annehmen soll. Während Belgien nicht über sechs Monat» hinausgehen will, verlangte die Reichsbank, um Bürgschaft leisten zu können, eine Laufzeit von achtzehn Monaten. @3, muß nun in London eine Regelung gettoffen worden fein, d:e der Reichsbank di« Unterschrift unter die Schatzwechsel ermöglicht.
Aller Voraussicht nach finbet die Annahme ihre Betätigung,'daß die Verbündeten zurzeit durch brennende Interessen an die Ereignisse im nahen Orient gebunden sind und deshalb der deutschen Entschädigungsfrage «ine gewisse Sibonz-it gewähren. Sollt« sich die Verw-cklung der belgischen Verhandlungen nunmehr lösen lassen, sc wäre es aber verkehrt, das Weitere nun in Ruhe und Selbstzufriedenheit abzuwarten. Tatsächlich kann Deutschland die Vereinbarung mit Belgien nur dann weiter helfen, wenn sie der Uebergang zu «iner Regelung der Entschädigungsfrage und zu einer Herabsetzung der deutschen Entschadigungspflicht ist. Anderenfalls würde die Fälligkeit der Wechselschnld int nächsten Jahre Deutschland nur umso härter treffen, da es dann außer der Wechselschnld noch die Forderung des unerbittlichen französischen Gläubigers befriedigen müßte.
10 Millionen Eoldmark Abschlagszahlung.
Berlin. 18. Sept. Den Blättern zufolge überwies die deutsche Regierung zehn Millionen Goldmark, oie aufgrund der letzten gemeinsamen Note der Verbündeten als Abschlagszahlung auf die fäll';en Ausgleichszahlungen in Höhe von 28,4 Millionen zu zahlen waren, tni A'isgl«! bsämtern der Verbündetm.
garten eine Truvvenansammlung an der tbrazischen Grenze dorgenommen habe, amtlich zu dementieren. Im grieclstsch-türkischen Konflikt werde Bulgarien Neutralität bewahren.
Australische Truppen nach den Dardanellen.
London, 18. Sept. Die englisch« Regierung fährt fort, ihre Truppen an der Orientfront zu verstärken. Flotte und Landtruppen vor Smyrna und den Dardanellen haben bedeutenden Zuwachs er- l-alten. Die australische Regierung hat auf die Einladung der englischen Regierung sich bereit erklärt, sich an den Truppenverstärkungen an der Darda- nellensront zum Schutze der Meerenge zu beteiligen.
Die Haltung der Angora-Regierung.
Paris, 18. Sept. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Konstantinopel erklärt nie ana- tolifche Agentur, daß Angora die Freiheit der Meerengen zwar grundsätzlich zugestehen, jedoch von der Regelung von Einzelheiten im Benehmen mit den beteiligten Mächten abhängig machen werde.
Einer Blättermeldnng aus Konstantinopel zufolge schreibt das dortige Blatt „Aksamin", daß die K« na- listen für den Augenblick die neutrale Zone nicht an» greifen rcütctn. Tie Verbündeten müßten ihnen j-doch ocn Frieden geben, den sie fordern. Andernfalls fei ein K^ieg mit den Verbündeten sicher
Rach Meldungen aus Konstantinopel soll das -.ürkische Hauptguartier 4—5 Divisionen in Stärke von 15 000 Gewehren in der Richtung auf Zsmid in Marsch gesetzt haben.
Russisch« Hilfe beim Bormarsch auf Konstantinopel.
London, 18. Sept. Die „Times" meldet au5 Riga, angesichts der letzten türkischen Operationen hätten die Bolschewisten eine außerordentlich« Kon- ferenz des revolutionären Ministerrates einberufen, bei der Trotzki den Vorsitz führe. Die Verhandlungen seien geheim, es weroe jedoch versichert, daß die Konferenz beschlossen habe, unverzüglich alle Streitkräfte der kaukasischen Republiken, die russischen im Kaukasus befindlichen Streitkräfte und die Sowjetsiotte im Schwarzen Meere zur Aktion vorzubereiteu. Ein Korps sei bereits an der Grenze der asiatischen Türkei ausgestellt unb bereit, Mustapha Kemal beim Vormärsche auf Konstantinopel zu Hilfe zu kommen. Anderen Meldungen zufolge verpflichtet ein Ben rag zwischen Moskau und Angora die Sowjetregierung, mit den türkischen Nationalisten bei der SBiebetgetoinnung der Dardanellen zusammenzuwirken, wofür Rußland als Kompensation die völlige Handelsfreiheit im Schwarzen Meere erhält. , ,
Die Lage in Sm.;rna.
Paris, 18. Sept. Nach einer Meldung des „Jncransigeant" aus Smyrna soll es dort noch 300 000 Menschen geben, bä darauf warten, daß sie abtranA- portiert werde«.
Nach einer Havasmeldung aus Athen haben fr am zösische und italienische Schiffe gestern ungefähr 10000 Flüchtlinge aus Kleinasien gelandet. Der armenische Mscyof, dessen Ermordung durch einen Kemalisten gemeldet worden war, fei heil in Athen angekommen Tie griechische Regierung habe die Verstärkung bet Truppen an der thrazischen Grenze beschlossen. Tie aus Kleinasien kommenden Flüchtlinge sollen von jktz? an nach Kreta und den anderen Inseln geschickt werden.
Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel begibt sich der französische Oberkommissar nach Smyrna, um den Schaden, den die französische Kolonie erlittet hat. festzustellen und dann an Ort und Stelle bie. Maßnahmen zu prüfen, die zur Unterstützung bet französischen Staatsangehörigen und Schutzbefohlenen ergriffen werden können.
Englische «abincttsberatungen.
London, 18. Sept. An der heuttgen Sufam menlunft des britischen Kabinetts, die zwei Stundet, dauerte, nahmen Marine-, Militär- und Suftfa&rt« fachverständige teil. Die Besprechung wird beute nach« mittag wieder ausgenommen werden. Die Blätter er» klären, die Behauptung, daß das britische Kabinett einen prostn Konflikt mir der Türkei vorbereite. für vollkommen unbegründet. Man suche durchaus keine« Krieg. Kein Krieg sei geplant, und man erwarte auch nicht, datz Kemal Pascha es zu einem Kriege komme« lasse.
Siegesfeier In Bombay.
London, 18. Sept. Reuter meldet aus Bombay, das: der Sieg der Kemalisten von den Mohammedanern Indiens festlich begangen wurde. Der 17. September wurde als Tag des Gebetes und des Dantes begangen. Die mohammedanischen Häuser waren reich beflaggt. Prozessionen mit türkischen Fahnen zöge« unter Hochrufen auf Kemal durch die Straßen. SB« Abend fand ein Feuerwerk statt. Die Moschee« fUf mit Gläubigen angefüllt.
Athen. 18. Sevt. Die Blätter kündigen an, daß die Regierung di« Absicht hat, die Matisnalversammlunt auf zu lösen und zu Neuwahlen zu schreiten.
Der französische Gesandte protestierte bet dem Außenr Minister gegen den verleumderischen Feldzug, den ein Teft der griechischen Presse gegen Frankreich führe. Der Außenminister richtete in diesem Sinne einen Appell a« die griechischen Journalisten.
Athen. 16 Sept. Nach Blätterimldnngen tourba die letzten griechischen Abteilungen unter dem Schatz des Feuers der griechischen Kriegsschiffe gestern auf der Halbinsel Tschefchme eingeschifft. — Die Agence d'Athenel stellt fest, daß die Meldungen, wonach die türkischen Truppen 100 6 )0 Gefangene gemacht und 1000 Geschütze sowie 8000 Maschinengewehre erbeutet haben, übertrieben seien. Die Gesamtstärke der Südgrupp« der griechischen Truppen in Kleinasien habe noch nicht 100 009 Mann betragen.
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Einstimmige Ausnahme Ungarns.
Gens, 18. Sept. Die Völkerbunds-Versammlung nahm beule einstimmig Ungarn in den Völkerbund auf, nachdem der tschechoslowakische Delegierte Osusky im Namen der gesamten kleinen Entente nodi einmal in einer längeren Rede allen Bedenken gegen die Ausnahme Ausdruck verliehen hatte. Er erinnerte vol allem an tue Verstöße Ungarns gegen die Abrüstungs- Haufe! in Friedensverlrage von Trtanon, an feine Vergehen gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung -aller Staatsbürger, wobei er auch die Zurücksetzung der israelitischen Staatsangehörigen erwähmv. El erklärte aber schließlich, daß die kleine Entente für di« Ausnahme stimme, nachdent ausdrücklich festgestellt worden sei. daß die Aufnahme auf Grund der feierlichen ErHärung des Grasen Bausfy erfolge. Dtefe Erklärungen, in denen Ungarn sich verpslichtei hab«, feine tnternalionalen Verpflichtungen innezuhalten, beziehen sich, tote Osusky feststellle, ebenfalls auf di« Bervslichtungen htnstchllich der Absetzung der Habs» burgtscpen Dynastie. Präsident Edwards beglückwünschte Ungarn zu diesem Ereignis.
Im Verlauf der Sitzung wurde dann ein Schreiben Nansens verlesen, tu dem dieser anregl, ersten- den Flüchtlingen von Smyrna die in Konstantinopel ißr die russischen Flüchtlinge gefchaffcne Organisation zur Verfügung zu stellen und zweitens die 23 er« mtttlungsaktion des Völkerbundes ober ander« Maßnahmen zur fofortigen Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Griechenland und der Türi.i m ergreisen.
Sie EegelWe in Mimen.
Paris, 18. Sept. Nach einer Havasmeldung aus Sofia veröffentlicht die Presieabteilung einen Bericht, nach dem bet der Abfahrt eines Zuges ans Sofia nach Ttrnowo, in dem sich außer dem Minister deS Innern auch die früheren Minister befanden, die jetzt den OpposittonSblock bilden, es zu Kundgebungen btt Anhänger her Oppositionspartei gegen ben Minister des Innern gekommen ist. Durch diese Tat erregt, hätten auf einem kleinen Bahnbos unterwegs Anhänger der Negierung die früheren Minister festge- n o m m e n. Nur dem energischen Eingreifen des! Ministers des Innern ist es gelungen, Gewalttätt» feiten gegen sie zu verhindern. Die Manifestanten 6» ben ibre Gefangenen erst frei, nachdem sie das Versprechen erhielten, daß sofort eine autztrordentlichq Sitzung der Sobranje einberuscn und eine Entscyli^ tzung eingebracht würde, in der verlangt würde, daH di« Urheber des Unheils von 1913/14 _ nach ttneq Volksreserewdu« gewchtltch verfolgt toitoc«.