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Berlin, 13. Sept. Der Ausschuß des Reichs wirt­schaft srats für Landwirtschaft und Ernährung beschloß tritt 10 gegen 6 Stimmen, die Regierung zu ersuchen, die für die Ablieferung von Saatgetrride im Vorjahre giftig gewesenen Vorschriften wieder in vollem Umfange angu- wenden. Zur Frage der Kartoffelverforgung der Beamten beschloß der Ausschuß einstimmig, daS ReichSernLhrungS- ministerium zu ersuchen, den verhängnisvollen Folgen äer selbständigen Kartoffelvcrsorgung der Beamten ent­gegen zu wirken »ich sich auf die Krcdftgewährung zu be­schränken.

Berlin, 15. Seift. Durch eine Bekanntmachung deS Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft wird mit Rücksicht auf die ungünstige Wirtschaftslage bi? Ein­fuhr einer Reihe weitever entbehrlicher Lebens- und Ge­nußmittel gesperrt. Es handett sich dabei um Dat» teln, Austern. Seeschildkröten, Seekrrbse, Seemuscheln, Schnecken, Schildkröten, Froschkeule», Zuckerwerk, Früchte, mit Branntwein zubereitet oder in Brannkvein eingelegt sowie seine Taseläpsel. Tafelbirneu und Edelobst.

Der Reichslandbund erläßt eine Erklärung, in der er betont, unsere Wirtschaftslage erfordere unbedingt eine Steigerung der inländischen Produktion. Um die Landwirtschaft dazu in die Lage zu setzen, müßten ihr an« gemessene Preise für ihre Produkte und Kredite für die Düngerbrschaffung gewährt werden. Der Reichslandband rmvsiehft ferner Kartoffeftieferungsverträge, Fracktener- «Lßigung und völlige Freigabe des Znlanoszuckers.

Die beiden soziatistischen Parteien und die Berliner Gewerkschaften hatten 20 Volksversammlungen einberusen, nm gegen die Teuerung und den Wucher zu protestieren. Die Versammlungen verliefen, abgesehen von einigen kom­munistischen Störungsversnchcn, ruhig. Nur in Moabit wurde die Beisammtung von Kommunisten gesprengt. Mehrere Bersammlungsteilnehmer wurden schwer miß­handelt, sodaß die Schutzpolizei eingreifen mußte.

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ffln hmmimillMet W»h«hilHMM.

Berlin, 15. Sept. Korrespondenzmeidungen zu- folge soll im Westen DeutWands mit dem Ausbruch eines Eisenbahnerausstands zu rechnen sein, den die Kommunisten gegen den Willen der gewerk­schaftlichen Organisationen der Eisenbahner schüren. Die kommunistischen Agitatoren stellen die Forderung nach Gewährung einer einmaligen nicht rückzahlbaren Wirtschastsbeihilft auf. Einer weiteren Meldung zu­folge soll die Eisenbahnarbeiterschaft im Rheinland auf verschiedenen Bahnhöfen bereits in den Ausstand getreten sein. Im Reichsverkehrsministerium hält man jedoch, wie die Matter mitteilen, die Meldungen für übertrieben. Man nimmt mit Bestimmtheit an, daß es den kommunistischen Hetzern nicht gelingen wird, die führende Rolle unter den Eisenbahner zu spielen.

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die kommn- nistischen Eisenbahnarbeiter im beschien Gebiet bferritg mit der Rheinlandkommission Fühlung gc- nommen haben.

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Sie Notlage her Nelle.

Ml? nicht wegen des Kutschers. Wir wecken auch danach trachten, daß wir «inen neuen Wagen bekommen, in den man ehrlicherweise und anständig erweise einsteig»» kann Gewisse Weg« der auswärtigen Politik gehen wir unter keinen llmständen, dazu gehören Pie zwei- Wege, die Seidel varschlug. Es gibt noch einen dritten Weg, der weder nach Rom noch nach Genf führt, das tft der, daß wir zusammenarbeiien, um mit unferrr eigenen Keift zu versuchen, uns achtunggebietrnd in die Welt zu stellen, damit wir uns solange am Leben erhalten, bis die große Stunde der Befreiung und Berwftk'ichung des An­schlusses an Deutschland kommt. Jeder andere Weg ist ein Abweg.

Frankreich.

Paris, 15. Sept. Wie derPeift Pansien" mit» teilt, hat der Miuisterrat beschlossen, daß das steuerfreie Einkommen in Paris vou 6000 auf 8000 Franken er­höht werden soll. Für die kleinen Städte wird das steuer­freie Ezistenzminimum von 4000 auf 6000 und für die mittleren State von 5000 auf 7000 Franken heraufgeletzt werden

Wie die Morgenblätter melden, ist von heute an in Pans der Milchpreis von 80 auf 90 Centimes erhöht worden.

Wie die Morgenblätter mftteilen, ist in der gestrigen Sitzung der Finanzkommission mitget-ilt worden, daß bis zum 1. Juli 1922 28 514 Beamtenstellen aasg-gebeu worden sind.

Politische Tagesnaf ri 'fen.

Die sächsischen Neuwahlen. DaS sächsische Gesamt- mtniftcrium bestimmte den 5. November als Tag für die Neuwahlen zum sächsischen Landtag.

Die evangelische Kirchenverfammlung nahm ernen Antrag Mumm aus Wiederherstellung der alten Verfasiung deS OberkirchcnrateS tn namentlicher Abstimmung mit 102 gegen 87 Stimmen an.

Die Notlage der Städte. Ter erste Bürgermeister von tt ü st r t n erklärte in der Sladwerorditetensttzung, die wirtschastltche Not der Stadtverwaltung fei so arob, daß die Sadt nahe vor der Zahinngsunsählg- keit stehe.

8 itungSvcrbot. Die Tageszeitung .Das bavrrsche Vaterland' ist wegen einer Beleidigung des Reichs­kanzlers für drei Tage verboten worden.

Auer und Areo. In einer Nürnberger Bertrauens- männerversamm<ung der S.P. D. wurde deryret- l-cft- zufolge einstimmig ein Antrag angenommen, der den Larrdesvorstand der bayerifchen Sozialdemokrat e beauftrag:, den Abgeordneten Auer wegen feines Verhaltens dem Grasen Areo gegenüber die schärfste Mißbilligung auszusprecken und ihn aufzuforvern, fein Amt als Landesvorsttzender ntederzulegen.

Ein unberechtigtes Verbot. Der Landrat res Landkreises Bochum bat sämtlichen dem Kreiskrieger­verband angeschlosfenen Kriegervereinen verboten, Kameraden und Veteranen mit Ehren zu Grab» zu geleiten. Er hat darüber hinaus verfügt, daß Ver­sammlungen nur nach vorheriger polizeilicher Anmel­dung und nur mit Hut, ohne Orden und Ehrenzeichen stattsinden dürfen. Diese Auffassung steht 'm Wtder- .spruch zu einer Zusage, die der Minister des Innern dem Vräsidenten des Deutschen Retchskrtegerbunves .Kysfhäuser' gegeben hat.

Berlin, 15. Sept. Nach langwierigen Verhand- kungen im Reichswirtschaftsministerium hat die Zei­tungsdruckpapierindustrie den Sevtemkerchreis für 100 Kilogramm Druckpapier von 8400 auf 6850, für das Formatpavier auf 6900 Mark herabgesetzt, nach­dem die Zellstoffindustrie den Preis für den zur 5vr- stelung von Zeitungsdruckpapier erforderlichen Zell­stoff von 8840 auf 6750 Mark für 100 Kilo er­mäßigt haft«. Ferner haben die Truckpapierverbände von den verschärften Zahlungsb^ingungen, nach denen die Hälfte der Monatslieferungen am 5V der Rest beim Eingang der Rechnung zu begleichen war, Abstand genommen und sich zur Einräumung eines ZahlungS- ziele« von 2 Wochen bereit erklärt. Hierzu teilt der Verein deutscher Zeitungsverleger mit, daß der Sep­temberpreis sich um mehr als 415000 Mark für den Doppelwaggon höher stÄlt als der Angustpreis und nunmehr das 340fache deS Friedenspreise? beträgt. (Der Preis von 70 Mk. eca. war ja überhaupt das, tormtt die Zeitungen für den September als Höchst- grenze gerechnet hatten. In den ersten Tagen dstfts Monats wurde aber bekannt, daß die Fabriken sogar 84 Mt. für das Kilo verlangten; diese letzte Steigerung haben sie also nicht halten können. Cca. 70 Mark für 1 Kilo Papier genügt aber andj> um der Presse das Leben fast unmöglich zu machen.)

DieGermania" und derReichsbote" werden vom 1. Oktober ab nur noch einmal täglich er­scheinen. Die mittleren Berliner Zcitungsverlage schei­nen bereits grundsätzlich die Zweckmäßigkeit einer sol­chen Einschränkungsmaßnahme anerkannt zu haben, und wenn sie noch nicht allgemein und mit sofortiger Wirkung im Berliner Zeitungswesen durchgeführt wird, so liegt das in der Hauptsache daran, daß zwei führende Verlagshäuser, Mossr und Ullstein, sich vor der Hand noch nicht im klaren sind, ob sie ihre Blätter ebenfalls nur einmal täglich erscheinen lasten sollen, doch dürfte die Entwicklung dahin führen, daß in ein bis zwei Monaten die einmalige Erscheinnngsweise bei der tzesamten Berliner Tagespreise Geltung gewinnt.

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Deutsch-Oesterreich.

Sie Parteien zur Politik der Regierung.

Wien, 15 Sept. Im Nationalrat erllärte Bauer i da der Finanzplan zufammeugebroben sn. hätte es für die Regierung, deren ganzer Rcg'erungsinbalt so sckmählich endete, nur noch eins g,geben: zurückzu­treten. Der Redner der Großdeutschen Vollst» rrtei Dinghofer, erklärte, seine Partei werde uubÄmot kür die Aufrechterhaltung der Selbständigkett und Unrt- ►injriflfrit Oesterreichs ein treten. Die Partei billige daher die Haltung des Bundeskanzlers. Dinghosee iprack sich für die wirtschaftliche Annäherung an Nachbar­staaten aus, aber unter Ablehnung ieder politischen Bin­dung. Die großdeutsche Volkspartei hafte an der For­derung nach Eingliederung in das Deitt'che Reich fest. Den Anschluß an andere Nachbarn lehne jic aber ebenso entschieden wie Bauer ab. Graf Ezernin würdigte die von ihm als verdienstvoll bezeichnete Politik des B.'.rdeskanzlers. der Oesterreichs Interessen im ganzen Anclande gesichert habe. Renner erllärte anknäpfrnd an den Avvell des Bundeskanzlers an die Parteien: Die Sozialdemokraten sind bereit, in ocr Not des Vaterlandes siit den übrigen Parteien zusammenzagehe« und £cRr für das Land zu bringen. Diese dürfen aber nicht so auf- Sefißt werden, als erklärten sich die Ssiinlbönofcaten Seteii in die Regierung einzutrete«. Der Argen paßt

ßikdknbm tut die WeMe WlkWastthilse.

Generalfeldmarschall v. Hindenburg sandte folgenden Brief an die Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft:

Ick habe von den Pläv->r und B-ttchtm der studen­tischen iv'rtschaftlichen Selbö^-it'e du-ch eigene Handirbeik, Zusammenschluß zu gemeinsamen Speisnngs- und Ver­kaufseinrichtungen, Arbeitsvermittlungsstelkn Werkstät­ten und Borsckmßkasfen Kenntnis genommen und habe n-u Fronde nick, Genugtuung gesehen, oaß der gleiche tapfere Gellt selbstloser Hingabe in drn oeullchen Studenten nn- rermindert weiterlebt, den ixe während des Weltkrieges io rft bewiesen haben, wo sie mit den anderen Bolls-i« rossen in Begeisterung und selbstloser Hingab» Lsib unt Leben für das Vaterland emg.'pcht haben. D> Ent- ,ckleff?nheit. mit der die deutsche« Studenten den Kamvs gegen die schwere wirtschaftliche Not ausgenommen Heven, zeigt, daß die Lebenden der Toten würdig >strd. Bor allem ist es als ein Beispiel für das ranze Volk zehr zu begrüßen, daß die S'udenten selbst in ihrer schweren Rot jeden, Gd.ivken an Almosen ober des S'rbvorlasfens auf andere ober den Staat streng ablhnen und daß ft- sich, ni. es jungen deutschen Männern seit jeher eigen war, niu terlspev ans eigene Kraft und irf die Kraft, die in dem kameradschaftlichen Zusammenschluß liegt. Ich sehe in diesem Verhalten der deullchen Studentenschaft ein hoff­nungsvolles Zeichen für bi«. Z.-.onst. das in schwerster Zeit neuen Mitt gibt. Die Mine und Arbeiten der , Wirllchaltshilfe der Deutschen Studentensch-aft" sollten mit allen Mitteln von jedeiis einsichtigen Freund» d? Vaterlandes gefördert wachen Meiner perfonl'chea' Unterstützung darf die deutsche Studentenschaft auf diesem Wege gewiß sein. (gez.) d. Hindenburg.

Tie Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft ist die Spitzenorganisatton der örtlichen Wirtschafts- körper. Der anerkannte WirtschaftskSrper an der Universität Marburg, der der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studnttenschast angeschlossen ist, ist der Verein Studentenheim e. B. Der Verein Studenten­heim veranstaltet augenblicklich eine Werbung fn oen landwirtschaftlichen Bezirken unserer Umgebung, um für seine zwei Nudentenküchen, in denen täglich über tausend Studenten essen, Kartoffeln, Mehl, Hülfen- früchtg, Gemüse, Fett, Eier und Obst kostenlos zu erhalte«. Möchte der warm« Appell Hindenburgs auch dazu beitragen, Herz und Hand für di« Marburger Studenten zu öffnen und möchten alle Landwirte unserer Umgebung die Worte des großen deutschen Mannes beherzigen.

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Bericht des Kapitäns.

Hamb u rg, 15. Sept. Der Kapitän, die Offizier« und ein Teil der Mannschaft des untergegangenen! Dampfers .Hammonia' sind heute mittag von Southampton in London eingetHoffen.

Nach einem Bericht der HamburgAmerika-Lini« erklärte Kapitän hoefer, daß das Schiff vor seiner Reise in Hamburg gedockt, vollständig überholt und ordnungsmäßig ausgestatftt worden war. Ab Vigo herrschte schweres Wetter. Das Unglück ist auf V o l l- laufe« des Laderaumes in zurückzuführen, «us dem das Waffer trotz der besonders leistungs­fähigen Pumpanlag« nicht entfernt werden konnte. Die Vermutung der Zeitungen, daß das Unglück durch Undichtigkeit der Luvkohlenpforten verursacht worden sei, ist unzutreffend, da auf diesem Wege keine Waffer- mengen in das Schiff eingebauten sind. Möglicher-

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' weise hat daS Schiff <m* einen treibenden Gegm- stimd' aufgeschlagen, roofr.r spricht, daß am Abend de? 8. ein besonders heutiger Stoß das Schiff erschütterte. Sobald «rkonnt worden war, daß das eingedrungenr Wasser Gefahr bringen könnte, dampfte das Schiff «ach Vigo zurück. Hilfe wurde drah'loS erbeten. Beim Eintreffen der ersten Schiffe wurde mit dem Ausbooten der Passagiere begonnen. Ent­gegen der bestimmte« Weisung der Schiffsleitung sprangen einzelne Paffagiere vorschnell in die Boote und brachten so 3 Boote zum Kentern, wobei ver­mutlich mehrere Personen den Tod fanden. Im übrigen wurden die Paffagiere trotz schweren Sturmes «nd hoher See in geordneter Weise ausgeschifft. Nach- dnn die Passagiere das Schiff verlassen hatten, sollte der englische DampferSaldier Printe" ba3 havariert« Schiff nach Vigo schleppen, was sich aber als unmöglich erwies. Die noch an Bord zurückgebliebenen Mann- ichaften wurden von dem englischen DampferSin» fauns Castle" geborgen. Wenige Minuten, nachdem der Kapitän als letzter das Schiff verlassen hatten sank die ,Kmnmonia". Die bei dem unsichtigen Wetter und dem herrschenden schweren Sturm besonders schwie­rige Hftfelkistnng der englischen Dampfer kann nicht hoch genug anerkannt werden.

Marburg und Umgegend.

Marburg, 16 .September (Scheiding).

* Polizeiliches. Gestohlen wurden hier am 14. d. Mts. in den Mendstunden in einem Gasthaufe unter erschwerenden Umständen einer Stütze 1 Karton mit Kleidnngs- und Wäschestücken und Schuhen im Werte von 60 000 Mark. Als Täter kommt ein Ebepärchen in Frage, welches in dem Gasthaus wohnte, sich ins Frem­denbuch als Monteur Alfred Schäfte und Fran, wohn­haft in Hagen, eintrug und heimlich verschwand Der Ehemann ist 26 Jahre alt, 1,65 groß, kräftig, bla!'? Gesicht, spitzes Kinn, blonde Haare uno deSgl. gestutzten Schnurrbart. Er hat starke O-Beine und sino die Unter­schenkel besonders schief. Bekleidet war er mit dunkel­braunem Anzug rind braunem Hut mit grünem Band. Die Ehefrau ist 30 Jahre alt, 1,68 groß, schlank, schmal, blasses Gesicht, schwarzes Haar, vorne hoch frisiert und ist bekleidet mit buntkarricrter Bluse, blauem Tuchrock und schwarzem Astrachanmautel.

Strafkammer. Im weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung, die sich vis In die Nachmfttagsstun- de« hinzcg, hatte sich ein junger Mann wegen Be- ttnges zu .;er antworten. Allem Anschein nach wollte et, wie es jetzt üblich ist, möglichst schnell reich wer­den. Er kaufte ein Haus, war jedoch nicht im Stande, dte gewünschte Anzahlung zn leisten. Dieses Geld pumpte er zum Teil unter allerhand Angaben bet ver- schiedencn Leuten zusammen und nachher kam die Sache heraus. Das Haus wurde wieder verkauft und die Gläubiger erhielien einen Teil des Geldes wieder. Der Untcrnehmungslulttge wurde in eine Geldstrafe von 6000 M genommen. Bei der folgenden Sache erschien nochmals der zuerst Wegen des Wäschedieb- statzlS zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilte Man«. ES wurde ihm ferner zur Last gelegt, bei einem Einbruch Zigarren, Zigaretten, Kleidungsstücke ufW. mitgenom­men ru haben. Der Angeklagte, der in der Nähe do« Trepla verhaftet wurde, batte damals nicht nur die Zigarre», sondern auch ein vollständiges Dtebeswerk- zeug, Dietriche, Chloroform, einen Revolver u|W. tn seiner B-bansung. Der als Zeug« vernommen« Be» stoblene erkannte di« Zigarren akS die seinigen an, während der AnoeNagte fest versicherte, daß «in Un­bekannter töm diese in Treysa im Wartesaal verkauft hab«. Auch bezüglich der anderen Sachen machte er ähnliche Angaben. Der Staatsanwalt beantragte unter Einbeziehung deS ersten Urteils eine Gesamtstrafe von 6*4 Jahren Zuchthaus. Das Gericht kam jedoch zu dem Ergebnis, daß der volle Beweis Wegen deS Diebstahls nicht erbracht sei, daß es sich um gestohlen« Zigarren handle, sei sicher. Deshalb muffe Wegen der e-flen Anschuldigung auf Freisprechung erkannt Wer­den und nur eine Bestrafung Wegen des unbefugten Waffenbesitzes erfolgen. Diese lautete auf 1 Monat GefännglS. Auf die Frage deS Bestohlenen, ob et feine Zigarren Wieder mitnehmen könnte, trat der An- gcftagte, der in Haft behalten Wurde, enirMtet vor und bedauptcle sein Etgentiimsricht mtt den Worten:Die Zigarren habe ich doch gefonft, die gehören mtt.» Ihm Wurde klar gemacht, daß diese doch nicht in fein Eigentum übergehen, sondern vorläufig beschlagnahmt bleiben. Mit dem Zlgarrenrauchen im Zuchthaus war <8 also nichts. Die letzte Sache Wurde hinter ver- schloffenen Türen verbandelt, denn es handelte sich um ein Sittlichkeitsvergeben.

* Obstverkaufs-Vermittlungsstelle. Um (Megenfrat zum Bet- und Ankauf von Obst zn geben, Iiat bet Vorstanb des Obstbau-Beteins für den Kreis Mar­burg btschsosst«, die ObstverkaufS-Vetinittl.»ngsstelle deS Vereins in diesem Iaht wieder in'igk-'t Weten zu ifljlrn Als Tage für die BerkanfZvetmittlnng sind bet 27. und 29. September angesehen. Lokal: Staktfäle. Näheres wird noch im Anzeigenteil Sefnrnt gegeben.

Versetzt. Hauptmann Müllet, Kompaniechef bet 16 <JSget-'Kamv., ist als Genetakstabseffizirr in das ReichSMehr-Ministermm nach Bersin versetzt.

* Vlatzmnslk der Garnisonkavelle findet morgen von H--12 Uhr mittags auf bem FtiebrichSvlatz statt. Musikfolg«: 1. Aus großer Zeit: Matsch d. Sitlinger. 2 OuvertüreDie biebisch« Elster" v. Rossini. 3. Fan­tasie a b. OvetDer fliegenbe Holländer" v. Wagner. 4 Herbstweisen, Walzer v. Waldteufel. 5. Zwei Fansaitn- märsche: e) Unterm Kyfshäuser v. Schröders b) Hie gut Sranbenburg alle Wege ». Henrion.

* So« Wochenrnarkt. Mr haben nichts ge- ;»be«, aber gehört, daß 250 Mark für Butter und 12 Mark für Eier bezahlt wurden. In den Gaffen und Gäßchen nebenan soll mehr bezahll worden lein. Auf dem Markt selbst, mußte die Polizei gegen zu hohe For­derungen einfchrnten. HandkäSchen kostete« das Stück ie «ach Größe 58 Mark, Käsematte 2628 Mark das Piund Gemüse «nd Obst wurde in Hülle und Fülle sngeboten. Weißkraut kostete 3,50 Mark, Ro'kraut 58 Mark, Wirsing 56 Mark, Spinat 5 Mark, Mohreii 4 Mark, Blattgemüse 22,50 Mark das Pfund. Salat der Kopf 12 Mark, Kohlrabi 12 Mark das Stück. Gurken, große 1015 Mark, mittlere 38 Mark, tleine 1,50 Mark das Stück. Für Bohnen, die natürlich weniger am Platze waten, bezahlte man 5- 8 Mark. Kürbis 1,50 Mark das Pfund. Die Obstpresje waren io verschieden, wie die Güte der Ware. Gute, gepklüstte Taseläpsel kosteten 58 Mark das Pfund, ebenso Birnen, geringere Sorten 24 Mark, Riesen-Zwei'chea 6 -8 Mark, Taselzwetschen (gepflückte) 45 Mark und Schüt- lekzwetschen 3Mark das Pfund. Manchmal gabS auch Gelegenheft, bflliget anzukommen. Alle übrigen Sachen hielten die stftherigen Preise. Zwischen Verkäufern und Käufern kam es ost zu lebhaften Auseinandersepungen.

:: Hachborn, 16. Sevt. Dem Sägewerksbesitzer Schneidet hier wurden in vergangener Nach; mehrere Treibrremen gestohlen. Auf die Ermittelung der Täter ist, wie aus der Anzeige ersichtlich, eine hohe Belohnung ausgesetzt. f >

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Sonnabend.

Gardeverein: Versammlung.

Sonntag.

Liederkran,: Herren-Ausflug, 9,32 Hauptbah»h«f.

Kaffee Quentin: Ab 4Uhr Tanzkräu-che«.

Waldecker Hof: Ab 5 Uhr, Alte Poft Mib Leehodk ab 8 Uhr Künstlerkonzert.

S kützenpfuhl: Kirmes. i "

Brieftaubenverein Richt Hofen: 3 Versammlung »ich

Tauzkränzchen bei Jauernick (Marbach). ,

Kurhaus Marbach: Erntefest. j

Minimax-Feuerlöfchprobe: 12 Uhr Kämpfrafe«.

An beiden Tagen.

Zentral-Thcater: Millionenschiebet und der Schatz btt' Nuteten. j

Lichtspiele, Bahnhofstraße: Die Raubzüge bet Tote», kopsfsieger.

U. T.: Seepiraten, 3. Teil.

IirHH, Spiel unb Sport

Morgen treffen sich auf dem Getmani a-Speripka^ \ am KaffWeg im Liga-Gesellschaftsspiel Spiel- und Sport-Club Dillenburg und R. Sp.»B^ Gernfania 08. Germania tritt in Neuaufstellung an, da durch Ausscheiden von Spielern die Mann- schäft ergänzt werden mutz. Die Mannschaft spielt voraussichtlich in folgender Aufstellung: Schatter; Emmlcr, Lotz: Schneider Th., Merlau, Schneider H.; Röll, Rohtmcmn, Schmalz, Kuhl K., Birchmannt, Dillenburg verfügt ebenfalls über.eine sehr spiel« starke Mannschaft, was die lertztrn Resuftate gege» süddeutsche Vereine beweisen, «s ist somit mit einem' spannenden Kampfe zu vechneiu In Anbetracht deS am Nachmittag stattfindenden Lokattresiens 188t fegen B. f. B. findet dieses Spiel vormittags 10,15 Uhr statt.

Die Verbandspiel« der A, B und C-Klaffe «ehmea voraus sichtlich am Sonntag de« 24. d. MS. ihr«« Anfang.

Betreffs der Gau- bezw. Kreisliga-Spiele wird itoä Beschluß des Verbands-Vorstandes abgetvartet. I« Hessische« Kreis sowie Kreis Südhaitnover «hmea Mi Spiel« morgen ihren Anfang. ~

6roMmr in DaMaöl.

Darmstadt, 15. Sejtt. In der chemische« Fabrik don Merck brach heute vormittag kurz nach 6 Uhtz ein Gtoßseuer aus. DaS Feuer entstand im fevfsex Mittelbau und griff auf die ganze Fabrik ftbert Gegen 9 Uhr mußten die Feuerwehren der Umzebuutz alarmiert werden einschließlich der Frankfurier Feue» wehr. Ein Feuerwehrmann wurde durch Sturz vo« einer Leiter schwer verletzt Das Feuer ist ie dem Drogenbau ausgeb rochen, der große Lager räeme ent­hielt, di« mit trockenen pflanzlichen ausländische« Stoffen von erheblichem Werte «ngefüßt Waren. Die Fa^rikfenerrvehr versuchte zunächst b«i Brandes Herr zu werden, jedoch fand dieser in dem trockenen Pffru»! zeumaterial reiche Nahrung, zudem entstaiid die Gefahr^ daß durch Funkenflug daS Feuer ein« größere Aus-, dehnung gewinnen konnte. In seiner größw« Aus«! dchnuno gewinnen konnte. Automobils Wage« «nfr Eisenbahnzüge brachten die aus ben brennenden Ge­bäuden geretteten Rohmaterialien in Cicherh.it. Gegen Mittag konnte daS Feuer als auf seinen yect1 be­schränkt angesehen werden. Die Feuerwehr ist »eiter** hin eifrig mit Löscharbeiten beschäftigt Ter Cchnde« beläuft sich auch viel« Millionen. Wie wir hören, will die Firma Arbeiterenllassungen während des ge- störten Betriebes durch fofort energisch in Angriff genommene Umstellung des Fabrikationsbetriehes ver­hindern. Heber di« Ursache des Brandes läßt sich' nichts Bestimmtes sagen. Selbstentzündung «scheint ausgeschlossen. Bon maßgebender Seite röfc an Brandstiftung nicht geglaubt, die Ursache ist tg» noch unaufgeklärt

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Letzte Nachrichten.

Volksentscheid in Thüringen?

Gera, 16. Sept. Es bestätigen sich die Gerächte, '» von bürgerlichen Kreisen in Thüringen)ritte in die Wege geleitet worden sind, um einen v,lks« entscheid zur Auflösung des Landtages zu wer» anlassen.

Deutsch« Rot« au Polen.

Berlin, 16. Sept. Der deutsche Gesandte ifl| Warschau Rauscher hat dem polnischen Außenminister eine Not« überreicht, in der die von der pOln-schen Negierung an den Bölkerbundsrat gerichtete scharf« Note über die Lage der polnischen Minderheiten ini Deutschland als eine Unfreundlichkeit gegenüber Deutschs land bezeichnet wird.

Ultimatum au Kemal Pascha?

Amsterdam, 16. Sept Ans London wird i> richttt: Nack Schluß bet gestrigen englischen Kabinetts-, sihung wurde bekanutgegcben, daß 3 Möchte sich tag'.« geeinigt haben, ein Ultimatum an Lemal Porch« zu senden, in dem daraus hingewiesen wird, daß fit auf die Beibehaltung der gegenwärligen Admachu igen bestehen muffen, bis man dauernde Abmachungen durch die bevorstehende Fri<8>enskonferenz getroffen habe.

Berlin, 15. Sept. Der Parteitag der De'lt'ch- nat'onalen Bolkspartei findet am 25., 26. und "27, Oktober in rlitz, nicht in Breslau, statt.

München, 16. Sept Der kommunistische Ab« geordnete Eisenberger ist nach dreijährige« Festungshaj! in LandSbeog a. Lech toicber aus der H rft eatlaffkn worden. Gestern Abend hat er im Kindl-KrLer wieder za seinen Parteigenossen