Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (das früher kurhessifchej Oberhessen
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Paragraphen an Paragraphen »ufammensetzen. die der Welt einen »virklich dauernden Frieden gewährleisten." Europa habe keine wirklich große Politik, londern eh« Politik der Termine. Die Politik der Termini
l'ie „DbethejRldie Zeitung' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 75 Ml. ohne Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereigniiie kein Lriatz. — Verlag von Dr. L. Htuerotd. — Druck der llnir^'?uchdr»ckerei von Jod. Aua. Koch. Markt 21 28. — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Kt. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Marbuog
Freitag, den 15. September
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Französische Blätter berichten, daß in der französischen Politik ein Umschwung eingetreten sei, gnb ,es sei.sehr wenig wahrscheinlich, daß der Ent- schädigungsausschutz die von gewissen französischen Kreisen gewünschte« Maßnahmen ergreifen werde, über daß die Verbündeten daran dächten, ein« Operation mit bewaffneter Gewalt gegen Deutschland torchzufiihren. Man stehe vor einer neuen politischen Aera der Besprechungen. Von einem Umschwung in der französischen Politik oder einer Aera neuer Verhandlungen läßt aber folgende offiziöse Havas-Mitteilung nichts merken:
Morgen, am 15. September, läuft die Frist ab, die Deutschland zur Bezahlung von 1(M) Millionen Soldmark (Raten für August und September) ge- »ahrt worden ist. Man nimmt in gewissen Kreisen «it Sicherheit an, Deutschland werde noch im letzten Augenblick diese Zahlungen leisten. Sollte das nicht geschehen, so wird Belgien, für das die 109 Millionen bestimmt find, nicht verfehlen, üver- «orgcn dem Entschädig« ngsausschuß von der Weigerung Deutschlands Mitteilung zu machen. Der Ausschuß wird dann nichts weiter zu tun haben, als die Nichterfüllung der Bestimmungen des Bersailler «ertrag, durch Deutschland sestzustellen. Sobald das geschehen ist, wird es Sache der verbündeten Negierungen sein, die Maßnahmen zu ergreifen, die sie für nötig erachten. Was die Zahlung der Privatschulden an die Ausgleichsämter betrifft, so ist bekannt,- daß Deutschland lediglich 500 000 JA von den 1,5 Millionen Mark, die es zu zahlen hat, »nbietet. Die Berbündetrn haben in London beschlossen, daß in einem derartigen Fall zu Zwan->s- «c.ßnahmen zu schreiten wäre. Poincar« wird sich nlso über diese» Punkt mit den Verbündeten ins kenehmen setzen.
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London, 14. Sept. Der Pariser.Berichterstatter der „Times'' schreibt zu den Erörterungen zwischen Bergmann und den Vertretern des Entschädigunzsans- ^husses es seien so gut rote keinerlei Anzeichen irgend «:ner bem'niihenden Krise vorhanden. Man sei noch öer Ansicht, daß ein Kompromiß erzielt werde And daß sich keine Notwendigkeit ergebe, Teursch- land als vorsätzlich in Verzug zu erklären und zur «niOLnbartg von Zwangsmaßt ahmen ÜberzugeheN- Wie fieberhafte Erregung, die die Verhandlungen vor swei Wochen angenommen hatten, sei nicht mehr vorhanden Es könne sich natürlich rasch ein Sturm erbebem, aber augenblicklich herrsche eine bemerkenswerte Arche.
Zu dem Vorschläge, daß die gesamte Entschädi- dungsfrage an den Völkerbund verwiesen werden soll, ter eine wirtschaftliche Abteilung chesitzt, erführt der Berichterstatter, es werde für nicht unwahrscheinlich hrhaltrn. daß Lloyd George selbst diesen Vorschlag ir. Genf machen wird. Der Präzedenzfall Oesterreich bk.rde angeführt. Man sei der Meinung, daß der Völkerbund als unparteiische Körperschaft durch d.ie fiebern ahme dieser^Anfgabe einen großen internationalen Sieg davontragen könnte.
Reise de, Reichsbanlpräfidenten nach London.
Berlin, 14. Sept. Reichsbankpräfident Hohenstein begibt fich heute nach London, um dort «it der Bank von England die Fragen z« be- ßirechen, die fich auf die in den Verhandlungen mit d-n Vertreter» der belgische» Regierung bereits berührte» eventuellen Garantien von engNfcher Beite für die von Deutschland an Belgien zu zebendem Schatzwechsel beziehen.
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FmMch« MMmal.
Paris, 14. Sept, lieber den heute in Ram- bouillet abgehaltenen Minifterral, der von elf bis ‘/.l Uhr dauerte, ist folgender Bericht bekanntgegebeu teorbnt
Ter Ministerpräsident hat den Ministerrat über die auswärtige Lage unterrichtet. Er Hai «einen Kollegen von den Verhandlungen Kenntnis gegeben, die zwischen der. belgischen Delegierten und der deutschen Aerlerung bezüglich dec Bezahlung der nächsten Fälligkeiten stattgcfunden haben. Er hat chnen weiter dic Richtlinien zur Kenntnis gebracht, die er infolge des scheiterns dieser Besprechungen der französischen Delegation im Entschädigungsausschuß gegeben hat. Diese Richtlinien sind einmütig gebilligt wordenn. Ter Ministerpräsident hat dann seine Kollegen mit den Ereignissen, die sich in Klei na sie n abspielen, befaß». Aus seinen Vorschlag hat der Ministerrat ein« ftmmig die Politik festgelegt, die verfolgt werden soll, tot bte Durchführung eines dauernden Frieden- im Vrient zu versuche». j
Sn flrinitlrio!.
Die militärischen Operationen beendet.
Parts, 14. Sept. Nach einer Meldung des „Journal deS Debats" aus Konstantinopel betrachtet man die militärischen Operationen in Kleinasien als beendet. Nur die 1. griechische Division leistet noch nördlich von Brussa Widerstand. Sie soll fich aber m einer sehr kritischen Lage befinden.
London, 14. Sept. Reuter meldet aus Smyrna, daß die Ordnung in der Stadt vollkommen wieser hcrgestellt ist. Die türkischen Behörden haben alle nötigen Maßnahmen ergriffen, um die Flüchtlinge in ihre Heimatsort« zurückzubringen. Zu diesem Zivecke wird vor allen Dingen die Eisenbahnlinie Smyrna- Uschak wieder hergestellt.
London, 14. Sept. Reuter meldet auS Kon- stantinovel, daß die Stadt Konstantinopel an Mustapha Kemal Pascha ein Telegramm gesandt habe, tn dem sie ihre Befriedigung über den Sieg des nationalistischen Heeres ausdrückt.
Paris, 14. Sept. Havas meLet aus Angora, die Nationalversammlung habe einen Kredit von vier Millionen türkischen Pfund für die Lebensmitteloer. soroung der griechischen Gefangenen, die in Angora eingetrosfen sino, bewilligt.
Bestärkung der englischen Truppe« in Konstantinopel.
London, 14. Sept. Einer Reutermeldung zufolge fährt heute ein Bataillon Infanterie aus Malta mich Konstantinopel ab, während sich weitere britische Truppen in Bereitschaft halten. Mit dem Eintreffen dieses Bataillons wird die britische Vesahungsstreitmacht in Konstantinopel aus t Bataillonen Infanterie, 1 Pri^ade Feldartiflerie und 1 Kavallerieregiment bestel/en.
Malta. 14. Sept. Der Kreuzer „Kentaur" mit Mmriat Kolly und seinem Stabe an Bord ist nach Konstantinepel in See gegangen. Das Susser-Regi- mcnt hält sich mit weiteren Truppenteilen zur Ein- fchiisung bereit.
Paris. 14. Sept. Wie der „Matin" meldet, verläßt General Fr euch, der an den Feierlichkeiten zur Erinnerung an bi« Marneschlacht teilgeuommen hatte, sofort Paris, um sich als Militärinspektor nach Konstantinopel zu begeben.
Mohammedanische Siegesfreude.
London, 14. Sept. Den Blättern zufolge werden die türkischen Siege von den Mohammedanern ganz Indiens gefeiert. Die mohammedanischen Mitglieder des indischen Staatsrates und der gesetzgebenden Vcesammluizb sandten ein Telegramm an Lloyd George und den Vizekönig, in dem sie dringend er- suchtn, die augenblickliche Gelegenheit zu benutzen, um eine Vereinigung zwischen dem brifischen Reiche und der mohammedanischen Welt zustande zu bringen. Sie halten es für wesentlich, daß Thrazien einschließlich Adrianopels und Konstantinopels sowie der Meerengen dcm türkischen Reich zur lick erstattet werde.
Daily Mail" meldet aus Kairo, daß die A eg y p - t e r große Freude über den türkischen Sieg und die Wiederbesetzung Smyrnas ausdrücken. In den Moscheen werden Dm:kgebete dargebracht. Viele GlüF- wunschbotschafen werten an den Sultan und Mustapla Kemal Pascha gesandt.
Paris, 14. Sept. Nach einer Havasmeldung aus Kabul wurde dort anläßlich der Siegesfeier der Türkei, ein Feflgottosdienst abgehalten. Der Emir von Afghanistan erklärte den Tag zu einem offiziellen. Feiertag und sandte an Mustapha Kemal Pastbo ein langes Glückwunschtelegramm.
Die Gefahr für Indien und Mesopotamien.
London, 14. Sept. „Daily Mail" meldet aus Konstantinopel, daß das brifische Ansehen unter den Mohammedanern in den letzten Tagen einen ernsten Rückschlag erlitten habe, nicht nur in der Türkei, sondern im ganzen Osten. Bei den Türken komme deutlich ein neuer militärischer Geist zum Vorschein, der freilich nicht so sehr gegen Großbritannien wie gegr: die Griechen gerichtet sei, die von den Türken als Werkzeug Großbritanniens betrachtet werden. Die Türken seien zu der Anscht gelaingt, daß sich Großbritannien mit seiner Unterstützung der Griechen t«r° rechne und daß die britische Politik stets einer entschlossenen Opposition, die von Gewalt begleitet sei, nachgeben werde. Eine solch Ansicht sei für Indien und Mesopotamien gefährlich.
Die thrazische Frage.
Londo n, 14. Sept. Der politische Bericht- erstatte', der „Westminster Gazette" schreibt, die britische Ansicht, die in den int März gemachten Vorschlägen zum Ausdruck gebracht worden sei, widersetze sich nicht einem Kompromiß, das den Türken einen Gebietsteil in Thrazien geben würde. In gut unterrichteten politischen Kreisen verlaute jedoch, daß die Wieder- einsetzung in Adrianopel keinerlei Unterstützung von
Großbrritannien erhalten werde. Das Recht der Balkanstaaten, auf der Friedenskonferenz vertreten zu sein, weroe nicht in Frage gestellt. Diese Beteiligung werde dosfentlich als Ächerheitsventll dienen. Infolge der gespannten Sage fei man in London der Ansicht, daß die Konferenz sobald wie möglich zn- sMnmentrelen solle.
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6ine Mimede bes SeiteWets.
Gegen die Politik der Termine. — Arbeit und Einheit.
Berlin, 14. Sept. In der heutigen Eröffimngs- sitzung der 43. Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelstages, der u. a. der Reichskanzler, der Reichswfttschastsminister und der preußische Landwirt- schaftsminister beiwohnten, ergriff nach etnleitenfcen Worten des Präsidenten Franz v. Mendelssohn ter Reichskanzler zu, eyter längeren Ansprache das Wort. Zur Zeit sei angeskDMder jüngsten belgischen Förderungen nicht der Augenblick, Stellung zu nehmen zu den ganzen Fragen der europäischen Wirtschaft und der Entschädigungen. ehe nicht im Schoße bet Regierung bte Entscheidung gefallen sei. Er warne davor, bie politischen Ereignisse der lebten Tage mit Krisengerüchten zu begleiten, die das Gefährlichste seien, was man sich denken könne. Mit innervvlitischen Krisen löse man weder das inner- noch das außenpolitische Problem. Die Regierung hr.be zu führe n. Sie gehe einen klaren und bestimmten Weg. Eriveise sich ihre Methode nicht als gangbar, so sei eS Sache de? Parlaments, eine andere Regierung an die Spitze zu stellen, die dann mit einem neuen, aber ebenfalls bestimmten Programm her- vortrete. Er sei gekommen, um hier vor Vertretern alter t-usichen Gaue. Stämme und Länder die aufrichtige Mahnung zur Besonnenheit und zum Besinnen auf die tatsächliche Lage, auch auf die wirtscha^- lichen Notwendigkeiten, auZzusprechen. Diese Mahnung richteten wir ja an die ganze Well, insbesondere an unsere ehemaligen Gegner im AuSlande. Es wäre aber auch am Platze, sie an daS ganze deutsche Volk zu richten. I-derzett biete die Regierung die .Hand zur Verständigung mit den Ländern und Gemeinden und mit jeder Stelle des össentljchen Lebens in Deutschland. Das B.- streben. die Schwierigkeiten der Lage zu überwinden, bürte niemals begleitet fein von ultimativen Drohungen Jede innerdeutsche Schwierigkeit müsse überwunden werden in dem vollen Bewußtsein, daß das erste, was zu retten gälte, die Einheit des Vaterlandes sein müsse. Sie als letztes kostbarer Gut der großen ruhmreichen Vergangenheit. die wir nicht schwächen wollen, biuüberzuretten in dir neue politische Entwicklung, sei dar Wichtigste. Er wisse, daß er mit seinem Bekenntnis zur Einheit denen Freude bereite, die aus dem 9iheinlanb, aus Oberschlesien, aus Schleswig-Holstein und anderen Grevzstaaten unseres Vaterlandes kommen. .Ziel und Leitstern der deutschen Außenpolitik sei die Verpflichtung, unser Volk ir.’t Brot zu versehen, es zu bekleiden und zu behausen. Erst Brot für das beullLe Volk, dann Entschädigungen! Dieses Wort habe überall Verständnis gefunden, wo an die Stelle des blinden .Halles der Wille zur ökononsischen Verständigung getreten sei. Worte feien aber wirkungslos und würden ihr Ziel oer- ieblen, wenn im deutschen Volke nicht die politischen Kräfte vorhanden seren, sich zu sammeln zur vereinigten Tat, um bie Schwierigkeiten zu überwinden.
Der Reichskanzler wieS darauf hin, daß et sich von den Führern von Handel und Industrie stets habe beraten lallen, betonte aber, wenn man feinen Rat gebt, müsse man auch alles ausbieten, um in den großen entschei- dungsteichen Stunden mitzuhelfen und mit die Verantwortung zu tragen. Die Organisierung des Krieges gegen den Hunger müsse nicht nur eine Gruppe, vielmebr das ganze Volk, das ganze Deutschland dazu bereit sin- d»n. bie brobenben großen sozialen Gefahren abzuwehren. Dieser Kampf gegen den bera Volk brobenbe« Hunger sei nicht nut ein großer Dienst für ba5 deutsch? Volk, sondern auch für ganz Europa und Oie ganze Welt. D e VorauS- sitzung für jeden Fortschritt des deutschen Volkes im Dienste Europas und der ganzen Welt, nämlich die glückliche Führung bet beutschen Außenpolitik, hänge aber von der wirtschaftlichen Einsicht unserer ehemaligen Gegner ab Es sei in den letzten Monaten gelungen, die Nebesschwaden der wirtschaftspolitischen Unwissenheit bei ihnen zu zerstreuen. Hier und dort befänden sich aber in Europa und der ganzen Welt immer noch Menschen, bie meinten, ein Volk für sich allein könne zu Zahlungen gezwungen werden, die, wie jedes Kind sehe, ökonomisch eine Unmöglichkeit feien. Es gebe nur einen ähnlichen Wahn, der in Europa getobt habe, den Hexen wahn. Die Aufgabe der Vorbereitung von Konferenzen und Kongressen, auf denen Leute des Handels und der Industrie, überhaupt der Wirtschaft, die Wahrheit sagen könnten, hätten wir zu lösen versucht. Der Tag bet Erkenntnis sei heraufgedämmert, aber eine Gefahr fei damit verbunden: Für Europa sei die Möglichkeit gegeben, daß, bis diese Erkenntnis sich umsetze in bi. politisch« Tat. in eine wirklich ökonomische Begrenzung der Entschädigungen, die Völker, um die es gehe, innerlich »nsammengebrochen seien und Europa in Ruinen liege. Die Gefahr sei vorhanden, daß es auch hier heißen könnte: „Zu spät!" „Aber die Pfllchi haben wir. alle staatüchen, kulturellen und moralischen Kräfte ituhuHrttn, um den Zusammenbruch unseres Volkes zu berfrinötrn, ehe diese politische Erkenntnis zur wirtfchaft- tichen Tat geworden ist. Alle, die an dem Kriege teil- »enommen haben, mässen fich zusammense-cn, um das Ende de» Kriege» noch einmal durchznipiechen und dann
aber sei eine Politik der Vivisektion Europa» Wolle man deshalb zum Ziele kommen, mässe man di» große Frage der Entschädigungen auf eine nüchterne, • rechnerische Basis stellen. Auf diese Balls werde 6t sicht von denen gestellt, die mit dem Säbel und ben Diktat Europa verwüsteten, sondern von Männern bet geschäftlichen Arbeit, der Versorgung der Welt mit Bro^ Meldung und Behausung. Die Einsicht der Staat»« männer und der Wille zur Tat müsse die Arbeit biefet /Geschäftsleute in der ganzen Well begleiten. Wir seieW deshalb allen dankbar, die mitgeholfen haben und mit» helfen werden, bie Ruinen aufzubauen und bie Wunde» oes Krieges zu heilen, ohne bereit Heilung Europa überhaupt nicht zur Ruhe kommen könne. Werden Sertrfi»» geschlossen, um bie Wunden Nordsrankteichs zu belle» und den Wiederaufbau zu fördern, so sei diese Arbeit durchaus in der Richtung und in den bisher beschrittene» Bahnen der deutschen Politik gelegen. Der Reichskanzler hob nochmals besonders hervor, daß eine ökonomisch mögliche Erfüllung da» Ergeb» S sachlicher Einsicht und Einigung sein müsse. Demgemäß sei es gewesen »ick sei es andauernd unsere Politik den Gläubigern gegenüber, das ganze Problem in bie Atmosphäre der Einsicht z» steuern. Wir wollen die Wett von den Termin- trifen befreien, die bei jedem Zahlungstermin, bei. jeder Berharcklung über Zahlung einzusetzen pflegen. Dazu iei es erforderlich, daß die internationale Mentalität nicht Mied Mal Krisen und ultimative Zustände befürchte» müsie, wenn die deutsche Reichsregierung Forderungen widerspräche, welch? uns von dem Ziele, unsere Leistungen mit unserer Leistungsfähigkeit in Einklang zu bringen, entfernen n.ib bie Herbeiführung des erstrebten wett« lichen Fsisins verzögern. „Wir glauben, auf diesem Wege zu einer ruhigeren Bethandlungsmentalität einen kleinen Schritt toetfergefommen zu fein und werden mit Geduld, mit ruhiger und fester Hand bas Steuet auch weiterhin in dieser Richtung zu führen haben." Der Weg fei klar. Es sei der Weg, den die Völker nach verlorenen Kriegen gehen müssen. Deset Weg sei nicht Schlemmerei, nicht Vergeudung des Natioualvev- mögens, er sei nur der Weg bet harten Arbeit und, wenn es fein müsse, bet harten Mehrarbeit aller Schichten. Keine Partei im Deutschen Reiche sei sich Selbstzweck, und in bem Streben nach dem RH, bet Rettung des deutschen Volkes, hätten bie Parteien auch bie eigene Existenz in die Wag schale zu weisen. Das gelte non links wie von rechts, aber insbesondere von beit bürgerlichen Parteien der Mitte. In bem Ringen um die Methode der Politik dürsten feine wertvollen Mitarbeiter in dem bl' tigen Strauß mit sinnlosen Fanatikern ihr Leben verlieren. Die Methode sei gle'chgüll'z, daS Ziel sei daS Höchste. „Im Ringen um diese» Ziel muß das ganze Boll hinter'uns stehen. Das ganz« Deutschland soll es sein: denn cs gilt di? Einheit und Zukunft des deutschen Volkes zu retten und im Lause dr» istahre wieder eine Periode deutscher Wohlfahrt herbei« zusühren."
Direktor Urbig sprach dann über die Kreditnot. Daeinzige Mittel, daS man zur Störung der Kreditnot anwenden könnte, sei bie erhöhte Einführung der Wechsel. Aber die Vermehrung deS Wechselumlaufs könne die Krebftnoi nicht beseitigen. Diese Habe vielmehr ihre Ursache in der Verminderung des Kapitals, die durch den Verkauf unter bem Ergänzungspreis eingetreten fei. Die Gegenmittel seien stark« PrsiserHöHungen und Fakturierung in Auslandsvaluta Doch schlössen diese beiden Mittel schwere Gefahren in sich, da sie immer stärker zur Ausschaltung der Mark beitragen würben. Die Frage sei nun, wie die deutsche Industrie bei diesen Schwierigkeiten testeben könne. Entweder könne sie noch vorhandene Reserven flüssig machen, oder sie müsse sich einschränken. Die natürliche Grenze der beutschen Zahlungsfähigkeit lieg« ht dem Betrage, den andere Länder in der Lage seien, und zu borgen.
Es wurde eine Entschließung angenommen, in der auf die Wichtigkeit der Währungsstabtlisierung unt» der ausgedehnten Anwendung dM^andklswechselS hingetviefen wurde. . «sfe
*-5r. J
Gegen anslandisch« Zahlungsmittel im Inlands« verkehr.
Berlin, 14. Sept. D.t wirtschaftspolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswitlschaftstates beschäftigt« 'ich gemeinsam mit dem finanzpolitischen Ausschuß mft der Frage der Verwendung ausländischer Zahlungsmittel im Jnlandsverkeht. , Nach längerer Erörterung einigte man sich auf eine einstimmig gefaßte Entschließung, in der es heißt:
Den im Schreiben des ReichsbankdirektoriumS Pom 3 März 1922 vertretenen Bestrebungen, die Mark im innerdeutschen Verkehr nicht durch fremde Zahlungsmittel verdrängen zu lassen, stimmen bi« Ausschüsse grunb- ätzlich zu. Dle Wichtigkeit bet Erhaltung b-r Mark als Zahlungsmittel und die Notwendigkeit, fit als Wertmesser wiederHerzustetten, darf nicht dazu ksth- ten, durch verwaltungsmäßige Eingriffe in die Za^lunps- beziehungen das Wirtschaftsleben in Gefahr zu bringe» Tie Korrektur «ingerissener Mißstände muß vor allem in der Hebung der Produktion, in der Verringerung überflüssiger Einfuhr, des überflüssigem Verbrauchs und der nur dadurch bauernd erreicht '.ter Verbesserung unserer Zahlungsbilanz gesucht werden. Dir erfockerlichen Maßnahmen sollen tunlichst durch freie Vereinbarung der an Erzeugung, Absatz nnb Verbrauch beteiligten Verbände ctzieli werden. Die Negielim- «ich