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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffischej Oberhessen <

Jlr. 215

i'ieCberbeifiltbe Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugsvreis monatlich 75 Mk. ohne Zustellungsgebühc. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse tei« Erjag. Verlag von Dr. C. Hinerotd. Druck der Untv.-Buchdruckerei von Job. Sua. Red). Markt 2123. Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Mllwoch. »en 13. SevlmSn

Scheid ing.

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57.3M

1922

!mlW SriegsiMe.

Hinweis auf Englands Stellung in Mesopotamien.

, Paris, 12.9. Der Vertreter der Angora-Regierung .Ferid Bey erklärte in einer Unterredung mit dem Berichterstatter desDaily Expreß", die einzige Hoff­nung für den Frieden im Orient fd, daß die britisch« Regierung der bedingungslosen Rückerstat- tungAdrianopelsandie Türken und die R ä u - münz Konstantinopels durch die Verbündeten zustimmen weide. Wenn di« britische Regierung dies tue, dann könne eine Konferenz stattfinden, und dann konnte die Türkei die Internationalisierung der Meerengen und Fragen wie daS Verbleiben der Engländer in Basra und anderen Städten Mesopo­tamiens, wo England Interessen habe, erörtern. Tie Türken erheben keine Ansprüche auf Mesopo­tamien. Wenn die englische Regierung es aber ablehne, den türkischen Anspruch auf Adrianovcl und d«r türki­schen Souveränität über Konstantinopel zuzustimmen, so mürbe die Türkei Mesopotamien über­rennen und alles tun, was in ihrer Macht stehe, um den britischen Interessen entgegenzutreten, um die kritische Herrschaft im Osten zu behindern. Die einzige Hoffnung für Großbritannien auf Ruhe im Osten seh wenn es sich die Türken zu Freunden mach«. Tie Türkei strecke England die Hand hin, es sei Englands Sache, sie zu ergreifen.

Die Kundgebungen 'n Konstantinopel.

Paris, 12. Sept. Nach Havas-Meldungen aus Konstamtnopel stnd bei den dortigen Kundgebungen anläßlich der türkischen Siege nachts etwa 300 Pri­smen trotz pokl-etlicher Absperrunasmasznabmeri in Pera eingedrungcn. Die nicht gesicherten Schaufenster wurden ohne Unterschied der Nationalität der Be­sitzer durch Stockfchläge und Steinwurs zerstört. Die Stadt ist jetzt ruhig. Man fürchtet aber, daß die bol- fchewtstnchcn Elemente, die sich in Konstantinopel aushalien, die Umstände ausniitzen werden, um neue Unruhen hervorzurufen. Jnfolgedefs m sind Matznah- mcn ergriffen worden; fo verbot der Oberbefehls­haber der verbündeten Streitkräfte in Konstantinopel jegliche Kundgebungen und untersagte den Verkehr auf den Straßen nach dem Eintritt der Dunkelheit. Wer gegen die Verordnungen verstoße, werde vor ein Kriegsgericht gestellt.

London, 12. Sevt. DieTimes" meldet aus Konstantinopel, daß bet den türkischen Siegesfeiern an verschiedenen Stellen Fenster etngeschlagen wor­den seien, so bei der rumänischen Gesandtschaft, der griechischen Milttärmisston, dem französischen Post­amt, dem Eredtt LyonnaiS nnd der französischen Offiziersmcsse. Ein Grieche sei getötet worden.

Die nationalisttschen Kundgebungen in Konstanti­nopel nehmen immer mehr z« und richten sich immer merklicher gegen die Regierung deS Sultans.

Eine etwaige Abdankung des Sultans zu Gunsten des Thronfolgers würde nach derDaily News" wahr­scheinlich den endgültigen Abschluß einer Union zwi­schen Konstantinopel und Angora bedeuten.

Die Rückwirkung des türkischen Sieges.

London, 12. Sept. Aus Kairo berichtetDaily Expreß", daß der Sieg der Kemalisten große Desrie- digung in Aegypten hervorgerufen habe. In Alexandria haben zahlreiche Prozessionen stangcsun- den. Bet einer derartigen Kundgebung wurde ein großes in der Mitte gebrochenes Kreuz herumgetra- gen.

London, 12. Sept. DieTimes" berichtet, daß außer der Vermehrung der britischen Luftstreitträfte in Mesopotamien auch die militärischen Garni­sonen aus Gründen der Vorsicht infolge der allgemei- ncn Lage verstärkt werden. Sowohl britische als auch indische Truppen werden dorthin geschafft werven. Die Auswirkung der türkischen Stege tn Kleinasien sei deutlich und komzliziere eine an stch schon schwie­rige Lage.

Französische Truppen haben stch nach Brussia be­geben, das immer noch von den Griechen gehalten wird, um dort die Christen zu beschützen.

Griechische Grausamkeiten.

London, 12. Sept.Daily Telegraph" schreibt, daß ans dem Innern Kleinasiens eingetroffene Ameri­kaner berichten, daß die Grieck>en auf ihrem Rückzug furchtbare Grausamkeiten an den mohamme­danischen Bewohnern der Städte, vor allem tu Addtn, verübt haben.

Die Lage in Smyrna.

Paris, 12. Sept. Nach einer Havasmeldung aus Smyrna ist General N u r e d d i n Pascha zum Gouverneur der Stadt ernannt worden.

Man meldet, daß südwestlich von Smyrna auf der Halbinsel Pschesma wenig beträchtliche grie­chische Streitkräfte der kemalistischen Ilrmee noch gewissen Widerstand leisten. *

Adana, 12. Sept. Mustafa Kemal Pascha ist in Smyrna angekommen.

London, 12. Sept. Reuter erfährt, daß nach einein gestern spät aus Smyrna abgesandten Tele­gramm alle britischen Untertanen, die die Stadt zu verlassen wünschten, eingeschifst worden sind. Ent­gegen anderslautenden Nachrichten bleibt das bri­tische Konsulat geöffnet und wird durch eine bri­tische Marineabteilnng besetzt.' Nachdem der tür­kische Oberbefehlshaber Garantien für die Auftecht- rrhalftmg der Ordnung und den Schutz der Inter-

Wen verlangt GlWnterlegNg.

... III I _ III. .11 __________ J_ IHM

In Weimar: Bürgerliche 24, Sozialisten 10, Kommunisten 5 Sitze.

In Apolda: Bürgerliche 18, Sozialisten 6 Sitz».

In Jena: Bürgerliche 26, Sozialisten 21 Sitze.

In Gera: Bürgerliche 26, Sozialisten 27 Sitze.

eine »MWHkim 3orö?mg.

Brüssel, 12. Sept. Wie die «gence Belge mitteilt, hat der belgische Ministerpräsident, der seine in Brüsiel anwesenden Kollegen über die Lage auf dem Laufenden gehalten hatte, beschlossen, von Deutschland die Bezahlung der am 15. August nnd 15. September fälligen Zahlungen mit Schatz­scheinen zu verlangen, die durchi n Gold­depot sichergestellt werden sollen, das in einer der belgischen Regierung genehmen Bank hinterlegt werden soll. Heute Bormittag noti­fizierte der Außenminister dem deutschen Geschäfts­träger Dr. Landsberg den Beschluß der belgischen Regierung.

Der BrüffelerTemps"-Korrespondent meldet, daß nun alles davon ab häng en werde, ob Deutsch­land seine Beipflichtungen erfülle oder nicht. Zn Brüffeler offiziösen Kreisen glaubt man jedoch an eine Ablehnung Deutschlands. Der Entschädigunys- ausschuß hätte sodann die Verfehlungen Deutsch­lands festzustellen, und man nimmt dem Brüffeler Temps"-Korrespondenten zufolge an, daß diese Verfehlung einstimmig festgestellt werden würde, weil es nickt möglich sei, die Laufzeit der Wechsel von sechs Monaten auf ein Zahr zu verängern.

Di? deutschen Etatsfekretäre in Paris.

Parts, 12. Sept. Wie derTemvS" meidet. 0nd die Staatssekretäre Fiscvcr und Bergmann beute von Berlin kommend bter eingetroffen, um dem Entschädigungsausscbuß angesichts der Mr den 15. September bevorstehenden Sitzung dw von ihrer Re­gierung verlangten Erklärnriaen abzugeben. In die­ser Sitzung soll die Lage gevrüst werden, die sich aus der Weigerung Deutschlands ergibt, die von Belgien verlangten Garantien fflt die Schatzbonds mit fecbs- monaliger Lauffrist zn geben, die als Bezahlung für die deutsche Fälligkeit vom 15. August bis 15. Sep­tember ausgehändigt werden müssen.

Die belgische Forderung, die dentschen Zahlungen mit Schatzscheinen durch die Uebersührung von Gold ins Aus­land zu sichern, findet bei den Blättern allgemeine Ab­lehnung.

Die deutsche Regierung kann, schreibt derLokrl- Anzeiger", sich nicht mit einer Lösung des Stundün

effen aller Ausländer in der Stadt gegeben hat, sind die britischen Marinepatrouillen zurückgezogen worden. Es steht außer Frage, daß die Interessen der britischen Untertanen nut den britischen Be­hörden anvertraut werden.

Die Nhnw der Verbündeten.

London, 12. Sept. Sir Frederic Maurice drahtet derDaily News" aus Konstantinopel, daß zur Hervorhebung der Solidarität französische und italienische Truppen sich den britischen Truppen auf der Halbinsel und der asiatischen Küste der Darda­nellen angeschloffen haben. Britische Kriegsschiffe aus Smyrna sind in Tschanak, der engsten Stelle der Dardanellen, eingetroffen. Kemal "Pascha steht demnach einer gemeinsamen Demonstration der Verbündeten gegenüber. Auf diese Aktion der Ge­neräle wird bald eine Erklärung der Regierungen folgen.

DieTimes" meldet, daß die verbündeten Komz miffare in Konstantinopel der Angorarsgierung mitgeteilt haben, daß die Verbündeten unter keinen Umständen irgendeine Verletzung der neutralen Zone durch di« kemalistifche Armee dulden werden.

Wie Reuter weiter berichtet, sind Mitteilungen zwischen den verbündeten Regierungen ausgetauscht worden bezüglich der allgemeinen Linie der Politik, die befolgt werden soll, und es kann angenommen werden,' daß keinerlei Abweichung von der all­gemeinen Linie der Pvlitik gegenüber der Türkei, die am 1. März auf der Konferenz der AuHen- minister in Paris festgesetzt wurde, stattfindet. Es ist bereits durch eine gemeinsame Mitteilung klar gemacht worden, daß keinerlei Verletzung der neu­tralen Zone durch die Kemalisten gestattet wird. Line Mitteilung über die allgemeine Politik ist nicht notwendig, da diese unverändert bleibt. Be­züglich der vorgeschlagenen Konferenz für den nahen Cften ist die britische Regierung, obwohl die Notwendigkeit für den Zusammentritt einer solchen Konferenz zu einem baldigen Zeftpuntt anerkannt wird, der Ansicht, daß der Augenblick für irgendein« Erörterung euf der durch die Konferenz von Ve­nedig vorgeschlagenen Grundlage nicht günstig ist. Die verbündeten Regierungen werden eine Klärung der militärischen Lage abwatten, bevor sie irgend etwas Endgültiges in der Art einer allgemeinen politischen Konferenz vorschlagen.

Problem? einverstanden erklären, die keine Lösung ist, treil sie noch immer Leistungen von nns fordert, denen wir nicht gewachsen sind. Bei solcher Lage muß mm schon feststellen, daß alle Mühe, eine der deutschen Finanz- und Mrtschastslage cntsvrechende Neuregelung unserer Reparationsverpflichtungen zu erreichen, u m - sonst ist.

DieDeutsche Tageszeitung" schöbst die einzige Hoff­nung, daß ei nicht zum Aeußersten kommen werde, daraus, daß durch die scharfe Zusvitzung der Lage im Orient es selbst Frankreich im Augenblick nicht er« l'ünfdjt sein könne, eine Reparationskrise mit allen Folgen, die dadurch für die Beziehungen zwischen Eng­land und Italien entstehen, durchzusechten.

DieGermania" stellt fest, daß nicht nur von deut­scher Seite, sondern auch von einsichtigen und maß­gebenden Persönlichkeiten deS Auslandes anerkannt wor­den ist, daß eine solche Lösung für uns nicht in Frage kommen kann.

Für dieBoff. Ztg." ist die Forderung unannehmbar und' undiskutabel. Der Rcichsbankpräsident habe sich nur unter der Bedingung zur Garantierung der Schatz- wechsel bereit erklärt, daß die Schatzwechsel von 6 auf 18 Monat« verlängert würden. Alle Möglichkeiten einer zufriedenstellenden Regelung der Garantiefrage seien durch den unerwarteten Beschluß Belgiens zerstört worden

Nach Ansicht desB. T." ist die Reichsregierung ich an deshalb nicht in der Lage, das gewünschte Golddevot zu hinterlegen, weil die Reichsbank vor kurzem auf Wun'ch der Verbündeten in ein autonomes Unternehmen umge­wandelt worden ist, was zur Folge hatte, daß der Reichs- regierung kein Eingriffsrecht in ihren ©'trieb mehr zustehr.

DerVorwärts" betont, daß der Weg, auf den sich die belgische Regierang begeben hat. zu den schwersten Verwicklungen führen kann. Er wirst die Frage auf, ob Deutschland der Papiermark auch noch die letzte dünne tzwlddecke nehmen soll. Dadurch würde dem Währungs­verfall von neuem die Tür geöffnet werden.

Die Ausführung des StinncS-AvkommenS.

Parts, 12. Sept. Das Aktionskomitee der zer­störten Gebiete nahm gestern die Erklärung des Se­kretärs Toucedame über die Vorschläge der deutschen Arbeiter verbäicde bezüglich größerer Lieferungen von Malertal für den Wiederaufbau der befreiten Gevlete entgegen. Das Aktionskomitee fordert die beutKüen Arbeiterorganisationen auf, Delegierte zu cni- feuben, damit diese, mit den nötigen Vollmachten ver­sehen, in Parts mit dem ANionskomttee verhanveln fönnen.

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Daily Ehronicle" schreibt: Es ist notwendig,, ein« klare Sprache zu führen. Ein bedeutender Teil der Pariser Preffe spricht von dem türkischen Sieg, als ob es sich dabei um einen Triumph für Frank­reich handle. Wenn diese Blätter die offizielle Po­litik darstellen, so wäre dies das Ende der Entente. Frankreich kann der Türkei im Krieg helfen und sie ermutigen, aber es kann nicht gleich­zeitig die Entente aufrecht erhalten. Frankreich kann zwischen der englischen Freundschaft und der Freundschaft der angriffslustigen Türken wählen. Aber Frankreich kann nicht beides zugleich haben.

London, 12. Sept. Reuter meldet aus Malta: Zwei britische Batterien haben den Befehl erhalten, sich zum Abtransport nach Konstantinopel bereit zu h-alten.

Rumänien unv Sstvflawien sollen eingreifen.

Paris, 12. Sept. Rach einerMattn"-Mewung ans Belgrad unternahm der grtecbifcbe und englische Gesandte bei der südslawischen und der rumänlfcftcn Regierung einen Schritt, der die Jnterventton Süd- slawiens und Rumäniens im griechisch-türkischen Konflikt tm Sinne der Aufrechterhaltung des Status quo auf dem Balkan verlangt.

London, 12. Sept.Daily Expreß" meldet aus Konstantinopel, daß die Türken in der Gegend der Meerengen Karassi ttnb Baliskri besetzt haben. Tie türkische Presse fordert Ktteg, falls die Dardanellen nicht freigegeben herben und daß die Türken mit den Spitzen der Bajonette den Ftteden diktieren sollen.

Die Wmm MnMIn.

In Eisenach erhielten bei den Stadtratswahlen die bürgerlichen Patteien 21 Sitze, die Sozialisten 18. Bei den Kreisratswahlen: Bürgerliche 16, Sozialisten 9, Kommunisten 2 Sitze; und zwar: Laudbund 9, Zentrum 2, Deutsche Volkspartei 2, Mitielstandspattei 2, Beamtengruppe 1, Mehrheitssozialisten 6, Unab­hängige 4, Kommunisten 2.

Weiter erhielten bei den Kreisyatswahlen:

In Meiningen: Bürgerliche 16^ Sozialisten9, Kommunisten 4 Sitze, urb zwar' Landbund 7, Deutsche VolkSpartei 6, Deutschnationale 2, Demokraten 1.

I» Sonneberg: Bürgerliche 11, Sozialisten 14 Ätze.

In Saalfeld: Mirgerliche 11, Sozialisten 12 Sitz«. -

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Erklärungen des ReWMrs.

O e 111 n , 12. Sevt. Der Reichskanzler gewährte gestern mehreren ausländischen Preis Vertretern eine Unterredung über, den Verlauf der Verhandlungen mit Belgien, in der er bemerkte:

Die autonome Retchsbank bat sich loyal zur Verfüg­ung gestellt und sich berät erklärt, bie Schußwechsel zu unterschreiben unb damit zu garantieren. Sie stellt allerdings die Bedingung, daß die Laufsrist fifrr sechs Monate hinaus verlängert werden müsse. Dis war notwendig für ein nach kaufmännischen Gesetzen unb nach kaufmännischer Ehre handelndes Bankinstitut, weil die Reichsbank eine Summe von 280 Millionen Gochmark nicht innerhalb sechs Monaten einlöfen könnte. T« wirtschaftlichen und technischen Nachweise hierfür wur­den den belais^'n Vertretern mitqeteilt und auch den ver- bÄndeten fRen. rangen bekanutgrg'ben. Ferner war de deutsche Regierung bereit, mit der Industrie und den deutschen Privatbanken Verhandlungen Über eine subsidare Sicherheit anzukuüvfen und auch die berrrtS bestehende Führung mit dem Auskinde, besonders mit England wegen Uebernahme eines Teiles der Garanina zu einem positiven Ergebnis zu führen. Die kaufmännische Grundlage für bas Abkommen mit Belgien im Sinn« veS Beschlusses bet Rcparationskommission war also g t« geben Wenn eS nur noch imirmännitoen Grund­sätzen gegangen wäre, wäre am letzten Samstag ei« Ab­schluß erzielt worden. Wr hätten davon eine wesentlich« Besserung der wirtschastlichen unö der vvlitiscke» At­mosphäre zu erwarten gehabt. Die Mark hätte sich aller Wahrscheinlichkeit nach gebessert und wäre auf Monate hinaus stabil geworden. D utschland hätte sich für den fen teeren Winter cinridjlen können, und mit aller Ruhe hätte man die Vorbereitungen für uie große Reparations­konserenz treffen können, von der die Ruhe EurovaS; abhängt. Leider ist dies alles in Fruge gestellt worden, weil die belgische Regierung an dem Schema des Beschlusses bcr Neparatwnskomm'ssion sestgehalt.'n hat, der von sechsmonatigen Schatzwechseln spricht. Ich hnn die Entscheidung der belgischen Regierung nicht Triti», fieren, sondern nur bedauern, weil sie weder unseren Interessen noch den Interessen der allgemeinen curo- väischcn Sache dient.

Ich kann nicht glauben, daß sich die Reparations»' kommission der Regelung widersetzt hätte, wie sie in den Verhandlungen mit den belgischen Vertretern vorgesehen, war unb wie sie von biesen selbst als möglich betrachtet) würbe. Die Reparatiouskommission Hal ei auch jetzt noch in der Hand, die belgischen Bedenken zu beseitigen,' indem sie in die Verlängerung der Lnlifiristen ein teil-', ligt. DirS wäre die einfachste Lösung der Lage. Aber' man dars keine Zeit verlieren, denn in dem Zustande,' in dem sich Deutschland befinbet, bedeutet jeder Tag eine Verschlechterung der Finanzlage unb damit eine Verminberu ng bet Reparationskraft. Die belgischen Vertreter haben bemerkt, baß f-e das größte Interesse daran haben, die Verschlechterung der Mark auszuhalten. Dies wollen auch totr. Aber, wenn dies erreicht werden soll, wenn vermieden werben soll, daß die Entwertung der deutschen Valuta irreparabel wird, so bars fein Tag mehr verloren werben. Die deutsche Regie­rung ist zu jeder Regelung bereit, die sie nach geroisfen- hafter Prüfung vor dem deutschen Volke vertreten kann, aber sie müßte es ablehncn, Verpflichtungen auf sich ja nehmen, von denen sie überzeugt ist, daß sie n i ä t ge­leistet werden können unb daß sie auch gar nidjt her Förderung des Hauptzieles bienen, nämlich der end­gültigen Lösung der Reparationssrage und damit der endlichen Beruhigung Europas und der Welt.

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Die WM, der MoeSiiM

Roch immer 1520 Milliarden Fehlbetrag.

Berlin, 12. Sept. Ter Reichsrat nahm bie neuen Sätze der Post-, Telegraphen- und Fern­sprechgebühren ohne Erörterung einstimmig an. Tie Erhöhungen sind so geblieben, wie sie auf Grund der Berhandlungen des Reichspostbeirats bekannt geworden find. Es wird also ein einfacher Fernbrief vcm 1. Oktober absechsMark kosten.

Der Reichspostminister bemerfte nach Annahme biefer Dorlage u. a., daß damit der Fehlbetrag der Reichspostverwaltung nicht gedeckt sei. Es fei rechnungsmäßig noch ein Fehlbetrag von 1520 Milliarden. Wenn auf eine Erhöhung der Zei­tungsgebühren verzichtet worden ist, so geschah dies mit Rückficht auf die ungeheure Not der Presse. Bei Briefen und Drucksachen sei die Post außerordentlich maßvoll gewesen, weil sie nicht durch überspannte Gebühren den Verkehr er­drosseln wolle. Es sei der Post nahegelegt worden, auf «in Porto von 10 zu gehen, man habe aber darauf verzichtet, weil nach den Erfahrungen der bisherigen Tarifpolitik eine Verkehrsabwanderung in größerem Umfang eingesetzt hätte. Weiter be­merfte der Minister: Als wir im Januar die Tarif« .erhöhung berieten, durften wir auf einen erheb«