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Amtliches Verkundigungsölatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessischej Oberheffen

Nk. 214

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Marburg Dienstag. Den 12. Sevtembn

Scheid ing.

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57. Wkg.

1922

Mch dn Ginnolime Gmptnas.

Das gesck'lagenr griechische Heer.

London, 11 Sept.Daily Mail" meldet aus Smyrna, daß die griechische Armee vollkommen diSzi- PllnloS geworden fei und auf ihrem Rückzüge alles eingcäfchert habe. Nur die zweite D.vifion habe sich Verteidigt, habe sich aber gegen die Gesamtheit der türkischen Kräfte nicht behaupten können.

Angora, 11. Sept. (HnvaS.) Die Griechen haben die Stadt U s ch a k und die Dörfer in der Um­gebung in Brand gesteckt.

-fi Typhus und Cholera in Smyrna.

r_ Paris, 11. Sept. Wie Havas aus Adana mel­ket, geben die letzten Nachrichten aus Smyrna folgendes Bild von der gegenwärtigen Lage der Slavt: Beim Beginn der Besetzung durch die Türken war die Um- Iprfmtq voller Flüchtlinge, die weder Obdach noch Nahrung hatten. Man forderte ans den angrenzenden Gebieten schleunigste Ueberseudung von Lebensmitt-ln nach Smyrna. Außerdem ersuchte der türkische Platz­kommandant um sofortige Ueberseudung non Medizin, Krankenpflegemitteln und Krankenpstegepersonal, nm den Kranken in den Hospitälern zu helfen. Außer Typhus herrscht in der Stadt Cholera. Während h« griechischen Besetzung haben die Griechen diele Denkmäler und Häuser zerstört.

Athen, 11. Sept. Den Blättern zufolge hat das erste Schiff mit Truppen aus Smyrna den P.'.äus err-icht. Die Ausschiffung der Truppen voll­zog sich in größter Ordnung. In ganz Griechen­land herrscht Ruhe.

Westeren Meldungen zufolge kam eS in Smurna noch, der Einnahme durch die Türken verschiede tt° lich zu Schießereien und Plündereien, Mit Unter« Atzung englischer Matrosen gelang es dem türkischen Oberbefehlshaber, die Ordnung wieder herzustellen.

' Mustapha Kemal Pascha und ein« Anzahl Mit- gkider der türkischen Nationalversammlung haben sich stach Smyrna begeben.

Zurückziehung der Griechen ouS Thrazien?

London, 11. Sept. Reuter meldet aus Kon- kianttnopel. in maßgebenden Kreisen glaubt man, das) 'die griechischen Truppen von Tschataldscha und anve- f ten Bezirken Thraziens zurückgezogen werken ! würden.

V Gerüchtweise verlautet, daß die englische Flotten- dasis von Konstantinopel nach Lemnos verlegt wor­den Ist.

!i Botschaft König Konstantins.

Paris, 11. Sept. Nach einer Havasmeümnz au? Athen bat König Konstantin eine Botschaft an das soolk gerichtet, in der er erklärt, die tavfere siegreiche griechische Armee mit ihren seit zehn Jahren siegreichen Fabnen sei von einem Unglück heimgesucht worden, dis nicht ohne Beispiel bei Armeen nach einer langen Kriegs- deriode fei. Dieses Unglück das jetzt unerwartet ge­kommen sei, verringere in keiner Weise die Tavserkeit und den Ruhm der griechischen Armee. Im Gegenteil, rs sei Pflicht jedes Staatsbürgers, dieses Unglück stand­haft und mutig ju ertragen, wie es einem patriotischen und mutigen Vmke zusteht. Er als König werde alles tun, was ihm die Verfassung gestatte und die Inter« effen des Landes verlangten.

London, 11. Sept.Obs.rver" beschäftigt sich mit der Frage, ob König Konstantin im Interesse feines Landes in elfter Stunde abdanken werd«. Jeden­falls glaubt man, daß die Königin keinerlei Elmvendungen gegen eine Abdankung zu Gunsten des Kronprinzen haben würde. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß Kenizelos einem Rufe aus Athen Folge leisten Verde, wenn er von dem zum Könige ausgerufenen Kron­prinzen gerufen werde. Dagegen sei es zweifelhaft, ob «r sich bereit finden würde, wieder mit König Kon­stant u zusammen zu arbeiten.

Das neue griechisch« Kabinett.

Paris, 11. Sept. Nach einer Haoasmelduirg ®ui Athen hat das neue Kabinett gestern den Gib »eftsstet. Dem Kabinett gehört kein Mitglied dcr venizil-stischen Partei an. Der Ministerpräsident hake erklärt, daß das Kabinett sich als über den Parteien stehend betrachte, ©eine Haupt sorge werde es sein, streng die Ordnung aufrecht zu erhalten und dic nationalen Interessen aus der FriÄwnskonseren.; zu verteidigen.

Aufruf Mustafa Kemals.

Angora, 11. Sepll Mustafa Kemal Pascha hat an das türkische Volk einen Aufruf gerichtet, in dem es heißt:

.Unsere Offensive, die am 25. August in Form einer großen Schlacht begonnen hatte, dmrerte fünf Tage. Der Mut, die Schnelligkeit und die Helden- hastigkeit der Armeen der Regierung der großen Ra- ttonalversammlung haben es ermöglicht, das Gros der Trnpven unfern grausamen und hochmütigen Leinde zu vernichten."

Der Aufruf fchließt mit beit Worten: .Untere Na­tion kann Vertrauen in die Zukunft haben, und wir können sicher fein, daß unsere Armee zu dem Triumvv den Weg finden wird, den sie sich vorgezeichnet hat." Paris, 11. Sept. Rach einer Havasmeldung <Ä3 Angora hat die türktfche Nationalversammlung 4« Generalstabschef der kemalisttfchen Armee, Lrtvftr Pascha, zum Marschall ernannt.

Sie Haltung der Erotzmijchte.

London, 11. Sept. Verschiedene Blätter melden, innerhalb der nächsten Tage werde eine Zusammen­kunft der verbündeten Diplomaten statt finden, um die durch den türkischen Sieg geschaffene Lage zu erörtern, insbesondere im Hinblick auf die Bedrohung Konstantinopels. Es seien bereits Besprechungen ein« geleitet worden. Weiter wird gemeldet, daß die Ver- kündeten dft Antwort Mustapha Kemal Paschas an das griechische Ersuchen um Waffenstillstand abwanen.

Ter Pariser Berichterstatter derSunday Times" meldet von amtlicher Seiten wenn es zur Erörterung d-r Friedensbedingungen kommen werde, werde Frank­reich wohl die türkischen Ansprüche in Thrazien unterstützen, jedoch auf der Aufrechterhaltung der Freihe it der Meerengen bestehen. Frankreich sei ebenso entschlossen wie England, daß Der miet« nationale Charakter der Meerengen bestehen bleiben müsse.

TieTimes" schreibt, in britischen RegierungS- kreisen verhehle man sich nicht den äußersten Ernst d c r L a g e. Man glaube in amtlichen Kreisen, es fei wefentlich daß die Verbündeten den Türken ohne Verzug eine geschlossene Front gegenüberstellen. Mvstapha Kemal Pascha habe vielleicht die Hoff­nung, England, Frankreich und Italien gegeneinander auszuspielen. Er würde j^och zögern, die drei Mächte gemeinsam herauszufordern. Tie britische Regierung bleibe entschlossen, auf der Aufrechterhaltung der Frei­heit der Meerengen um jeden Preis zu bestehen. Ter Zusammenbruch der griechischen Streitkräfte in Sntona habe zu keinen neuen Verhandlungen mit Frankreich geführt. Es bestehe auch kein Anzeichen, daß das britische Kabinett einberufen werden um die letzten Ereignisse zu erörtern.

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Fremdenfeindliche Ausschreitungen in Konstantinopel.

London, 11. Sevt. Wie die Abendblätter mel­den, ist infolge der Entfachung des türkischen Krtegs- gclstes durch den kemalistifchen Sieg in Kleinasien ein ernster Angriff von türiifefien Agitatoren auf Auslän­der einschließlich Engländer in Pera unternommen worden, bei dem mehrere Perfonen umS Leben kamen. Die Türken benutzten Revolver und Steine. Die Fenster zahlreicher brittfcher und sranzösifcher Kauf­läden des brittfchen Biertels wurden zertrümmert. Die Polizei war machtlos.

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Deutsche Note an den Wlerbmd.

Zurückweisung der ponifchen Verdächtigungen.

Genf. 11. Sept. Der Leiter des deutschen Kon­sulats in Genf LegationSrat Dr. N a f s e, überreichte heute dem Generalsekretariat des Völkerbundes im Auf­trage der Reichsrrg'erung folgende Note:

Der deutschen Regierung ist aus der polnischen Presst der Wortlaut einer Note der polnischen Negierung an den Völkerbund bekannt geworden, in der die polnische Regie­rung eint Reihe heftiger Anschuldigungen gegen deutsche Regierungsorgane wegen angeblicher Unterdrückung der polnischen Minderheiten in Deutsch-Oberschlesien, Ost- vreußen und dem übrigen Deutschland richtet. Hin­sichtlich Oberschlesiens an dessen Minderheitenschutz allein ein Interesse deS Völkerbundes gemäß dem Genstr Ab­kommen vom 15. Mai 1922 besteht, hat di« deutsche Regierung die Ehre, darauf hinzuweifen, daß sie die frag« lichen Vorwürfe als in jeder Weis« unberechtigt und haltlos zurückweifen muß. Die deutsch« Re­gierung behält sich vor, dem Völkerbund eingehendes Ma terial vorzulegen, aus dem die Haltlosigkeit der polnischen Behauptung hervorgeht, was übrigens auch durch das Zeugnis des Herrn Präsidenten Calonder sowie des Präsidenten Kaeckenoeek leicht nachzmveistn ist. Im übrigen muß die deutsche Regierung daran fest­halten, daß bi« Beschwerden der polnischen Minderheiten auf dem durch da? Genfer Abkommen vom 15. Mai 1922 vorgezeichneten Instanzenweg erledigt werden.

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Sie MW« des Mttturs Sinus.

Berlin, 11. Sept. (Amtlich.) Trotz der bereits am 9. September der Presst übergebenen amtlichen Er­klärung, wonach entgegen dem Artikel in der Morgen­ausgabe derRoten Fahne" vom 3. September bL* Verhaftung des Redakteurs Janus nichts mit Presse­angelegenheiten zu tun hat, wiederholt ein Teil der Presse diese irrtümliche Auffassung. Um jedes Mißverständnis zu beseitigen, erklärt das Polizeipräsidium nochmals fol­gendes:

Das Polizeipräsidium steht ebenfalls wie die Presse aus dem Standpunkt, daß die Pressestelle für jeden Journa­listen ein neutraler Boden stin muß, und daß ein Jour­nalist. der in Ausübung seines Berufes sich im Polizei­präsidium aufhält, bei solcher Gelegenheit seiner Fest­nahme nicht ausgesttzt sein darf. In der Tat wurde auch im vorliegenden Falle gegen diesen Grundsatz nicht ver­laßen. Im Falle Janus war wed-'r die preise polizei­liche Dienststelle der Mteilung la noch die Pressestelle des Polizeipräsidiums beteiligt. Vielmehr wurde Janus in einem Strafverfahren wegen unerlaubten Waf- eubesitzes von der Abteilung la vorgeladen. Das in

Frage kommende Verfahren wurde von dieser Abteilung auf Grund einer Anzeige des Ainus gegen eine brüte Person eingeleitet. Die Aufforderung an Janus, auf dem PolizeivräsLium zu erscheinen, ist daher von keinem Beamten erfolgt, der irgendwelche Presseangelegenheiien bearbeitet.

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Sie MWMen SerWtagen.

Paris, 11. Sept. Wie derTemps" aus Brüssel nteLet, haben die aus Berlin zurückqekehrten belgischen Delegierten heut« eine lange Besprechung mit den Ministern Theunis und Jaspar gehabt.

London, 11. Sept. DieTimes" meldet auS Brüssel, daß dir Abreise der belgischen Delegierten auS Berlin nicht als endgültiges Abbruch »er 93er« Handlungen ungesehen werden dürfe. Die Delegierten seien zurückgekehrt, um sich mit ihrer Regierung zu beraten. Ministerpräsident Theunis werde dem morgen stattsindenden Ministerrat die Angelegenheit unter- breiten.

Steife bet Staatssekretäre Bergmann und Fischer naä Paris.

Betlin. 1L Sept. Staatssekretär Bergmann, der Vorsitzende der deutschen Krtegslastenkommtssion in Paris und Staatssekretär F i s ck e r sind tm Aus- trage der Reichsregierung nach Parts abger-tft. Sie tollen sich bem Enffchäbigunasausschuß zur Ver­fügung hatten, fall? biefer bei einer eventtiellen noch« maligen Beratung bei Zahlungen an Belgien brutsche Vertreter zu hören wünscht.

Die Notlage der Prelle.

Berlin, 11. Sept. Ter Reichspräsident empfing beut« eine Reihe ZeitunqSverleger, um mit ihnen bi« Notlage der deutschen Presse zu erörtern. In ein- gebender Aussprache wurden die Gefahren der Lage dorgelegt und alle zur Abwendung deS drohenden Zusammenbruchs zu treffenden Maßnahmen erwogen.

Cassel, 11. Sept. Der Verein deutscher Zri- tungsverleger aller Kreise Mitteldeutschlands, der in diesen Tagen in Magdeburg eine Gedenkfeier anläß­lich des 25jShrigen Bestehens abzuhalten gedachte, macht bekannt, daß diese Gedenkfeier infolge der katastrophalen Wirtschaftslage der deutschen Presse nicht stattfinden wird. Schon heute beklage der Verein den Verlust einer großen Zahl Mitglieder, die ein Opfer bet Presse- not geworden seien. Das Eingehen weiteret Zeitungen in Mitteldeutschland stehe bevor. Diese im össent- liden, wirtschaftlichen und politischen Interesse äußerst bkffagenSwcrte Tatsache verbiete eS, auch nur für eine Stund« stillzustehen und Rückschau zu halten. Ter Verein hat auf den 17. September eine außer­ordentliche Generalversammlung zur Aussprache über die wirtschaftlich« Soge des Zeitungswesens nach Halle einberufen.

Magdeburg, 11. ^ept. Die hier tagende Ar- Üntsgerneinschatt der städtischen Nachrichtenämter It.it folgende Entschließung angenommen: Di« Arbeitsgemein­schaft der städttschen Nachrichtenämter nimmt mit leb Haftern Bedauern Kenntnis von der zunehmenden Not der deutschen Presse, die sich in dem Sterben zahlreicher vielfach alter und angesehener Zeitungen äußert. Die Ar­beitsgemeinschaft. deren Mitglieder auf Grund eigene Erfahrungen den hohen Wert der Presse für unser gesamtes öffentliches Leben erkannt baben. bebaue^ insbesondere auch, daß Staat und Reich keine wirksam« Maßnahmen ergriffen haben, um ein« weitere Verschärfung der Notlage zu verhindern. Di Arbeitsfachgemeinschast erwartet mit Bestimmtheit, daß nunmehr wenigstens im letzten Augenblick Regierungen und Parlamente diejenigen Schritte unternehmen wer- ben, die geeignet sind, den deutschen Bedungen d« Fort existenz zu ermöglichen.

Abg. Buchhorn (D. Vp.) hat tm Landtag an das Staatsmlittstcrium die Anfrage gertchter, ob es freiet: fet, sich ffli schleunigste Einsetzung bei vom Vor­staub des Vereins beurscher Zeitungsverleger in ber Sttmng vom 2. unb 3. September zur Rettung be§ Lebens ber deutschen Presse angegebenen Mittel beim Reiche zu verwenden. Ihr Erscheinen haben einge­stellt: .Hallefche Morgcnztg.", .Aplerbccker Zrg." und .Leipziger Gericbksztg.". Die .Deutsche Fleischerztg." erscheint statt täglich nut noch 3 mal wöchenrltch, das Hirschbcrger amtttche Krefsblatt nicht mehr tm Buch­druck, sondern tn Schreibinaschtnenvervielfältigung. Die .Memelgau-Zig." In Heybekrug ist für 3 Millionen Mark tn litauische Hände übergegangen.

Die Umstellung bet staatlichen Bergwerke. In Aus­führung eines Beschlusses bc5 Preußischen Landtages, in dem das Staatsmtnistrrium ersucht wirb, über btc Neugestaltung ber Betriebe ber staatlichen Bergwerke, Hütten unb Salinen bem Landtage alsbald eine Vor läge zuzustellen. wurde im Ministerium für Handel unb Gewerbe ein Entwurf zu bem Gesetze betreffend bte Uebcrlragung ber Verwaltung unb bet Ausbeu­lung bes staatlichen Bergwerksbesitzes an eine Ak- iiengefellfchaft auSgearbeitei. Es ist beab sichtigt, für bte Vorarbeiten bet Umstellung tm Han belsministerium eine befonbere Dienffftelle einzurich- tcn, bte nach Durchführung ber Trennung zwifchen HohettS- MK Betriebsverwaltung tolebet aufgelöst

NnUeSei.

Ausnahmezustand über Kattowitz.

Katkowitz, 11. Sept. Anläßlich ber Vorgänge am 8. und 9. September hat bte Polizeidirektion ben AuSnahmrzustanb über ine ©tobt Kattowitz ver­hängt. Tos Betteten brr Straßen nach 10 Uhr abends ist nur in bringenden Fällen und nur mit einer Legiti­mation gestattet. Kaffeehäuser und Gastwirtschaften müssen um 10 Uhr, Theater, Lichtspielhäuser und Kabaretts um 9 Ubr abends schließen. Dir Haustor» müssen nach 10 Uhr geschlossen gehalten werden.

Die zuständigen 93ehörden wandten sich an den Ministcrrat mit ber Bitte, in einigen Teilen der Wojwodsckast außerord entlich« Gerichte ein« zusetzen. Jeder, der bei öffentlicher Ruhestörung, Raub, quaftfiziertem Diebstahl, Erpressung oder Brandstiftung erqvfffn wird, soll der Todes straf« vkrfallen. DaS Urleit der außerordentlichen Gerichte bedarf keiner Bestätigung und muß innerhalb 24 Stunden voll­streckt fein.

Blutige Zufammenstüß« in Biömarckhütte.

Berlin, 11. Sept. Wie dasB. T." berichtet, haben in Bismarckhütte blutige Zusammenstöße statt- gefunden. Als die Belegschaft ber Bismarckhütte er­fahren hatte, daß die Lohnzahlung in polnischer .Valuta1 erfolgen sollte, zog die Arbeiterschaft vor die Villa deS Generaldirektors Kallenborn, drang schließlich in di« Villa ein und schleppte Kottenborn zum Rachaus. T«r Generaldirektor inußte schwer verletzt in ein Lazarett gebracht werden. Am Nachmittag traf ein starkes Polizeiaufgebot in Bismarckhütte ein. Di« Menge entwaffnete jedoch die Polizei. Da die Ansammlungen vor dem Direktionsgebände immer mehr an Umfang zunahmen, wurde ein« Abteilung Jnfanter ie herbeigeholt, die am Markt «in Ma­schinengewehr aufstellte. Trotz wiederholter Aufforde­rung, auSeinandeizugehen, wich die Menge nicht. Plötz­lich fielen Schüsse. Tas Maschinengewehr fing an zu feuern. Da daS Militär mit Steinen beworfen fein soll, hatte ber Kommandant ben Befehl zum Feuern gegeben. Acht Arbeiter waren tot, verschiedene verletzt. Der Betrieb ber Bismarckhütte ruht voll- ständig. r *

Die Meldung von dem Wechsel im Oppelner, Oberpräsidium wird als falsch bezeichnet.

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Der MWlig derHainmokia".

Hamburg, 11. Sept. Die Hamburg-Amerika- Linie teilt mit: Zufolge den ans Vigo erhaltenen' Telegrammen hat unser auf einer Fahrt nach Cuba und Mexiko begriffener Doppelschrauben-Post- und Oassagierdampfer .Hammonia", nachdem er Vigo als letzten europäischen Anlaushafen verlassen hatte, kaum 100 Seemeilen von dort entfernt in der Nacht auf den 9. September durch schweren Weststnrrn Be- schädigungen erlitten, deren weitere Auswirkungen das Manöverierunfähigwerden des Schiffes zur Folge hat­ten. Mehrere auf den drahtlosen Hilferuf des Kapitäns herbeigeeilte Dampfer haben sämtlich« Passagiere sowie die Mannschaft ausgenommen. Der Postdampfer ber Union Castle Line"Kinauns Kaflle" nahm 310 Passagiere an Bord, die er am Dienstag morgen in Southampton landen wird. Der DampferEuclid" landete bereits am Sonntag morgen 89 Personen in Vigo. Es scheinen außerdem Passagiere und Mit- glieder der Besatzung sich an Bord ber Dampfer Boldway",City of Chester" undSaldier $rinctM zu befinden, worüber nähere Angaben drahtlos trage*- fordert sind. Tie Agenturen der H.-A-L. in Sout­hampton und Vigo sind angewiesen, Passagiere, welch« ihre Reis« fortsetzen wollen, angemessen unterju» bringen, bis ihre Weiterbeförderung mit erster Ge- segenheii erfolgen kann. Ter DampferSaldier Prince" versuchte, als das Wetter besser war, die Hammonia", auf ber 20 Personen der Besatzung zurückgeblieben waren, zu schleppen, doch sank der Dampfer um 61/, Uhr Sonnabend abend auf 41» 56' rördl. Breite und 10° 50' westl. Sänge. j.

So nb o n, 11. Sept. Reuter meldet aus Gibraltar, daß der Dampfer ber Prince SinteSaldier Prine«", -cr sich jetzt südlich Gibraltar befindet, drahtlos mit« geteilt hat, daß er 61 Passagiere des untergegangenen HapagdampsersHammonia" an Bord hat.

Roch ein deutsckes Schiff untergegangen.

Hamburg, 11. Sept. Das deutsche Mowrfchiff .Schwalbe" ist mit feiner vier Mmm starken Be­satzung an der dänischen Küste untergegange«. Seine Spritlabung ist verloren.

Berstärkung der englischen Luftstreiikräfte in Meso- poiamien. .Daily Mall" berichtet, daß über 1000 Offiziere unb Mannschaften ber brittfchen Suftftreit* fräste Ende biefer Woche auf einem Spezialbampfer nach Mesopotamier» abfahreu werbe», -------- j

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