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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhesiifchej Oberhessen

Ht 213

TieDberbelRltbe Zeitung erscheint irchsmal wöchentltt. Dezugsvreis monatlich 75 Dkl. ohne ZufteNungsgebiihr. Für ausialienve Nummern infolge Streiks ooer elementarer Lreigniiie kein Lrmg. Verlag non Dr. T. Hisero td. Druck der Unio^BuLdruckerei oonSod. »ua. Ko». Mark» 2123. - ^ernjprecher 55, «oft» ildeckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg fflontai, in 11. September Schewiug.

Der Smeigenprei» beträgt für den Sgefp. Zeilenmillimeter 2.50 3JiL amtliche und au sw Anzeigen 3.30 'M. Andere Spaltenbreiten entfprrchend. Bei fchwieriarm Sah 50*/. Auiichlag. CvSi einlau,ende oder den Raum über */. Seit» einnehmende An« ,eigen werden nach der Textwaltenbreite berechnet. Reklamen die Col.-Zeile 25.00 ML Jeder Rabatt eilt als Barradatt. Sei Auskunft durch di« Geichäftsstelle und Vermittlung der Angebot« 3.00 ML Sondergebühr.

57. m 1922

Die Berliner BerWlnWu beendet.

Die lürten In Gmnrnn.

Die griechische Besatzung gefangen genommen.

Paris, 9. Sept. sHavas.) Die Türken besetzten Smyrna.

Paris, 10. Sept. Das Marineministerium .'Mf"":ng eine Depesche aus Smyrna, nach der Smyrna durch die 2. türkische Kavalleriedivision be- i-'-t morden ist. Alles verlief ruhig und ohne die geringste Unkorrektheit der türkischen Truppen.

Ter 2. Kavalleriedivision folgte die 5. Division.

Havas berichtet über die Einnahme Smyrnas, daß die in der Stadt befindliche griechische Armee von den Türken gefangen genommen worden sei. Auch sei es den Griechen nickt gelungen, das in Smyrna angehäufte Kriegsmaie -al zu retten.

Paris, 9. Sept. Die Demobilisierung der ;riechischen Truppen wird sofort nach der Räumung Kleinasiens stattfinden. Nur einige der jüngsten Jahrgänge werden unter den Fahnen bleiben. Die Polizei in Athen ordnete die Schließung aller Eing- spielhallen und Tanzlokale an.

Den Plättern zufolge sind die ersten Schiffe mit Truppen aus Smyrna im Piräus angekommen. In ganz Griechenland herrscht Rule. Der König hat eine Botschaft an das Volk erlassen, in der er zur Einigkeit und Disziplin ermahnt.

3'ie Truppen werden auf die Inseln Samos und Mytilene gebracht, wo sie sofort demobilisiert wer- veN sollen.

U> Million Flüchtlinge.

Paris, 9. Sept. Nach einer Hanasmeldung -chäht man die Zahl der in Smyrna und anderen Häfen Kleinasiens cingetroffenen Flüchtlinge auf eine Halbs Million. Sie befinden sich, wie man sagt, in einem bedauernswerten Zustand.

Athen. 9. Sept. Die griechische Regierung ließ den Gesandtschaften der Vereinigten Staaten. Großbritanniens, Frankreichs und Italiens mit­teilen, daß christliche Flüchtlinge aus dem Inneren Kleinasiens verzweifelt und vom Hunger gepeinigt, der Küste zuströmen. Sie rief die Hilfe der Mächte zu deren Beschützung und Unterstützung mit Leb?" - - ---n.

-chische Kabinettskrise.

Athen, 10. Sept. Kalcgeropulos ist bei der Kabinettsbildung auf Schwierigkeiten gestoßen und lat seinen Auftrag dem König zurückgegeben

König hat da "auf den früheren Oberkommisiar - Konstantinopel, Triandafyllakos, mit der Kabi- »ettsbildung betraut.

Friedensvorschlage.

Paris, 10. Sept. Der italienische Eeschäfis- iräger hat eine Note seiner Regierung über' reicht, in der sie die französische Regierung ersucht, sich mit ihr und der griechischen Regierung zu ver­ständigen und Vertreter zu einer Konferenz in Ve­nedig zu entsenden, die die Grundlagen für einen eventuellen Dorfrieden zwischen Griechenland und der Türkei finden solle und zu der auch Vertreter Griechenlands und der Türkei eingeladen werden fallen. Der italienische Vorschlag empfiehlt den Kriegführenden die Einstellung der Feindselig­keiten, um die Arbeiten der Äonfereng zu er­leichtern.

Ein Schritt zur Erlangung von Waffenstill­standsbedingungen wurde von den Verbündeten euch bei der Regierung von Angora unternommen. Wenn die Antwort Angoras annehmbar ist. könne die Konferenz in der Mitt« der zweiten September­hälfte beginnen.

Die Konferenz von Venedig zwecklos?

London, 9. Sept.Daily Erpreß" erfährt, daß We vorgeschlagene Waffenstillstandskonferenz kn Venedig nicht stattfinden wird. Die britische Regierung sei der Ansicht, daß die Lage des grie­chischen Heeres derartig sei, daß die Konferenz keinen Zweck haben könne. Wenn ein Waffen­stillstand vereinbart würde, würden die Bedin- ßungen wahrscheinlich in Jsmid festgesetzt werden.

tone Witte?

Englische Truppen am Marmara-Meer.

Paris, 10. Sept. DerPetit Parisien" mel­det, es seien Telegramm« eingegangen, wonach die griechischen Behörden int Bezirk Bigha an der vjiatischen Küste des Marmarameeres und der Dar­danellen die Gegend verlasien hätten und durch englische Kontingente ersetzt worden seien. Die Nachricht sei bisher noch ohne amtliche Bestätigung, «ber das Blatt glaubt zu der Erklärung ermächtig: iu sein, daß wenn sie richtig sein sollte, sie di« erfor- ftige Entsendung von französischen Kontin- fieatai ta diese Gegend zur Folge haben würde.

fein tfiWenb« 6*1$.

Um die Verlängerung der Lauffrist de, Schah­wechsel.

Berlin, 9. Sept. Die Besprechungen mit den Vertretern der belgischen Regierung in der Frage der Schatzwechsel ist beute zu Ende geführt worden. Ein abschließendes Ergebnis ist noch nicht er­reicht. Während in wesentlichen Pun'ten eine Eini­gung erzielt werden konnte, hat die Frage der Verlängerung der Lauffrist der Schatz­wechsel über 6 Monate hinaus Schwierigkeiten er- yeben, da die Verlängerung nach der Aufsasiung der belgischen Regierung über den Rahmen der Ent­scheidung des Entschädigungsausschusses hinaus, geht. Die belgischen Vertreter werden morgen Mittag nach Brüsiel zurückreisen, um ihrer Regierung Bericht zu erstatten. Sie betrachten ilr oben umschriebenes Mandat augenblicklich als be­endet. was jedoch einer Wiederaufnahme der Verhandlungen nicht entgegensteht.

Verschiedene Blätter sprechen die Hollnung auS. befj nicht der Eventualentscheid des EntickÄngungsausschusscs, die Hinterleaunq von 270 Goldmillionen an einer aus­ländischen Stelle, automatisch in Kraft treten möge, 'andern weitere Verhandlungen Nachfolgen. D eBois. Ztg." rechnet mit der in den letzten Wochen eingetretenen wesentlichen Besserung der politischen Lage.Lokal- anzeiger".Kreuzzeitung" undDeutsche Tageszeitung" geben ihrer starken Enttäuschung Ausdruck. D-eGer­mania" hebt unter den Dunklen, worüber keine Einigung erzielt wurde, die Garantie durch di: Reichsbank hervor und die eventuelle Hinzuziehung der deutschen Industrie als Garanten. lieber die Politik der Reichsbank erführt dieDeutsche Allg. Ztg.", daß es sich nickt um den Abbruch .sondern um einen Aufschub infolge eines rein formellen Einwandes bandelL

Eine (Mw -er Reichskanzlern.

Berlin, 11. Sept. Reichskanzler Dr. Wirth hielt gestern Nachmittag anläßlich eines Empfanges »es oberschlestschen Hilfsbundes beim Reichspräsi­denten eine Ansprache, in der er auf die politische Lage Deutschlands und insbesondere auf das Ent- Ichädigungsproblem einging. Die tiefe Bedeutung der Entschädigungsfrage lieg« darin, den Gedanken ds Wiederaufbaus Europas in der Welt aus den Händen der Rachepolitiker hinllberzufchieben auf das Gebiet, wo eine nüchterne, wirtschaftliche,

Wie die Agentur Havas aus Angora meldet, bat die Nachricht von der Landung englischer Trup­pen an der Küste des Marmarameeres Erstaunen hervorgemfen, Man sei in Angora der Ansicht, daß diese Besetzung nur bis zur Ankunft der kema- listischen Truppen dauern könne. Andernfalls werde die türkische Armee gezwungen sein, sich dem Aufenthalt der Truppen auf kleinasiatischem Gebiet zu widersetzen.

Französische Infanterie in Brnffa.

Konstantinopel 10. Sept. Die franzö­sische Militärbehörde hat die Regierung von An­gora davon in Kenntnis gesetzt, daß sie zum Schutz der Bevölkerung zwei Kompagnien Infanterie nach Brüssel sende.

Abdankung des Sultans?

Paris, 9. Sept. Wie das .Petit Journal" aus London erfährkt, soll der Sultan Mehmed V. die Ab­sicht baden, zugunsten des Thronfolgers Medschidie mtf den Thron zu verzichten.

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Aus dem besetzten Gebiet.

Die neue Nationalhymne bleibt verboten.

Paris, 10. Sept. (Havas.) Man weiß, schreibt derMatin", daß das Reich beschlossen hat,Tentsch- land, Deutschland über alles" als National­hymne einzuführen. Da dieses Sieb im Rheinland verboten sei, wandte man sich an die Rheinlandkom­mission. In Beantwortung einher amtlichen Mittei­lung der Reichsregierung durch den Reichskommissac hat die Hohe Interalliierte Rheinlandkommission ein­stimmig beschlossen, ihr Verbot nicht zurückzunehmen. Sie hat erklärt, daßDeutschland, Deutschland über alles", das vier Jahre lang in den Ohren der Be­völkerung des besetzten Frankreichs und Bttgiens ge­klungen habe als ein Lied aggressiven Charakters be­trachtet werde, das den Geist der Eroberung und der Herrschsucht atme, der sich von den Ufern der Maas bis zur Etsch ausdehnen möchte. Die Verbündeten ziehen daher vor, aus Gründen der Sicherheit Eu- ropas diese Gebärde der Herrschsucht zu beseitigen.

rechnerische Erwägung die Vorherrschaft hat. Trotz der gemachten Fortschritte werde dieser Gedanke immer wieder verdunkelt. So habe die belgische Regierung eine Einigung in der Frage der Ver­längerung der Schatzwechsel vorläufig unmöglich gemacht, weil sie sich an den Buchstaben der Ent­scheidung des Entschädigungsausschusies klammere und erkläre, über die Lauffrist von 6 Monaten nicht hinausgehen zu können. Was helfen Deutschland aber Schatzwechsel auf 6 Monate, die im Februar nächsten Jahres, wahrscheinlich in der s ch w e r st e n Zeit, die Deutschland durchzulaufen hat, fällig werden. Noch einmal also seien politische Er­wägungen vor die ökonomischen getreten. Deutsch­land und die deutsche Wirtschaft könnten jedoch nur tragen, was ökonomisch möglich ist. Bis diese Er­kenntnis in Europa sich durchgerungen habe, müße Deutschland alle staatliche Energie aufbringen und in einem Zusammenwirken aller Kräfte von Nord und Süd als einige Nation die schwere Aus­gabe meistern. Im Vordergrund aller deutschen Sorgen steh« das große Problem der Erhaltung der deutschen Nation.

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W übliche SonnlWlebe Wmrss.

Paris, 10. Sept Ministerpräsident Poincar.^ hielt bei einer Feier zur Erinnerung an die Marne- schlacht in Meaux eine Rede, in der er u. a. er- klärte: Das Brüsseler Kabinett hat Wert darauf gelegt, uns zu versichern, daß die Bedingungen, die es von Deutschland verlangen würde, nicht die Wir­kung haben würden, eine bemäntelte Stundung zu schaffen. Menn Deutschland sich den legitimen For­derungen Belgiens entziehen wolle, dann würde es sich in den Zustand der Verfehlung versetzen, und es würde uns nur noch übrig bleiben, von einer H a nd lu n g s f r e i h e i t E e b r a u ch zu ma­chen, die wir nicht aufgeben werden. Wenn man uns den Vorwurf macht, daß wir das, was man uns schuldet, verlangen und daß wir unser Recht zu scharf ausüben wollen, so werden wir demgegenüber wiederholen, daß wir auf unser« Ansprüche nicht verzichten können, ohne Frankreich zu ruinieren, und daß der Ruin Frankreichs für ganz Europa die schrecklichste Katastrophe wäre. Wenn man uns nicht bei unserer Wiederherstellung unterstützt, dann werden wir uns selbst helfen.

Es hat keinen Zweck, den Franzoien immer wiener auseinanderzu/etzen. daß daS Deutschland-Lied weit davon entfernt ist, einen aggressiven Charakter zu haben. Daß die Deutschen ihr Land über alles in der Welt stellen ist selbstverständlich, ebenso wie daS der Engländer het Franzose, bet Spanier mit dem (einigen tut. Uni­es atmet durchaus keinenGeist der Eroberung und der Herrschsucht', wenn die Tatsache unterstriechen wird, daß daS Land von der Maas bis zur Memel, von her Ctsch bis zum Belt deutschen Charakter trägt Bedauerlich ist es. daß die Gedankengänge der Rheinland Kommission sich mit denjenigen decken, mit denen das Deutschland-Lied von deutscher sozialistischer Seite ab- gelehnt und verfolgt worden ist.

Zeitungsverbote.

Paris, 10. Sept. Nach einer HävaZ-Meldung aus, Koblenz hat die Interalliierte Rheinlandkom­mission das Buch von Wilh. GisellettBor großen Katastrophen", unb die BroschüreWarum ich auf der Auslieferungsliste stehe" (Verlag von Lehmann in München) für bas beschte Gebiet verboten. Außer­dem sind folgende Zeitungen für drei Monate verboten worden:Rheinischer Beobachter",Hamburgischer Korrespondent" undMiesbacher Anzeiger".

Saft ntkaffung des Landrats SchwebeL

Der von der französischen Besatzungsbehörde kürz- llch In Kreuznach widerrechtlich verurteilte und ge- fangengesetzle Landrat des Kreises Meisenheim, Schwebet, ist am 8. September wieder freigelaffen worden. Die Besatzungsbehörde erklärte allerdings, es handele sich nur um einen .Strafaufschub",

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Deutsch-Oesterreich.

Der Setzerausstand.

Wien, 9. Sept. Die Forderungen der ausstän­digen Setzer gehen dahin, daß der Grundlohn für September von 166 000 Kronen wöchentlich um 90 Prozent zugestanden. Die Regierung bemüht sich, zu vermitteln, da sie eine Verschärfung des Ausstandes und damit die Stillegung der Bantnotenpresse be- sürchret, was unter Umständen zu einer wirtschaft­lichen Katastrophe führen müßte.

Da bei der Leistung größerer Zahlungen das Feh­le» von Banknoten über höhere Beträge den Zah­lungsverkehr bedeutend erschwert, bereitet die Ausiro- Ungarbank die Ausgabe von Banknoten übe; 600000

Kronen vor, disaber technischer Schwierigkeiten Wege« erst späier dem verkehr übergeben werden sollen. Bis dahin will die Austro-Ungarbank durch tb« Hauptanstalt die Herausgabe unverzinslicher Sicht« lastenschetne über eine Million und fünf Millionen Kronen tätigen.

SderWtfieii.

Die polnische Mißwirtschaft.

Berlin, 9. Sept, lieber die katastrophale Verkehrs- und Wirtschaftslage im polnischen Ober. Schlesien veröffentlicht ein Warschauer Blatt einen Aufsehen erregenden Bericht ihres nach Ober» 'chlesien entsandten Korrespondenten. Der Bericht stellt fest, daß 19 000 Kohlenwaggons auf den Strecken liegen und die Verkehrswege verstopfen. Er nennt die Verpflegungsverhältnisie bedrohlich, da Brot, Kartoffeln und Fleisch fehlen. Auch fehle es an Ilmlaufsgeld. Der Berichterstatter sagt: Die Eiscnbahnverhältnisie verschlechterten sich entgegen den amtlichen Meldungen in letzter Zeit so, daß Oberschlesien untmittelbar vor einer K a ta­st r o p h e steht. Wenn die Regierung nicht außer, erdentliche Maßnahmen trifft, droht unvermeidlich eine Katastrophe, und Polen wird in de» Augen des gesamten Volkes unerhört blamiert.

Weitere Tenerungsnnruhen in Kattowitz.

Ka11owitz 10. Sept. DerKatt. Ztg." zu­folge fanden wegen der Nichteinhaltung der ver­engten Vorschußzahlungen wieder ernste Unruhen statt. Die Demonstran.en verteilten sich in ®rup« pen und zogen vor mehrere Kaffeehäuser, um dort angebliche Schieber herauszuholen und zu lyn« ch e n. Ein Zuckerwarengeschäft wurde gestürmt and ausgeraubt und die gesamte Ladeneinrich« tung zertrümmert. Zn verschiedenen Woh- itungen wurden die Fenster eingeschlagen. Ein Väckerwagen wurde geplündert, Obststände um» geworfen und das Obst weggenommen.

Polnische Aushebungen.

In Poknisch-Oberschlcsien haben sämtliche nach dem neuen polnischen Wevrgesetz dtenstp Wichtigen jungen Leute Gestellungsbefehle erhalten. DaS pol« Nische Kriegsministerium bat angeordnet, daß die ob rschlesischen Rekruten nur in oberschlesischen Regi­mentern eingestellt werden dürfen.

Wechsel im Oppelner Oberprüfidium.

Nach derOberschles. Ztg." tritt der bisherig« kommissarische Oberpräsident B i 11 a zurück. An seine Stelle ist der Regierungspräsident in Marien- ©erbet Dr. Proske, ein gebürtiger Oberschlefier, zum Oberpräsidenten von Oberschlesien ernannt worden.

HnfieorWe volMe Men.

Haltlose Beschwerden gegen Deutschland.

Berlin, 9. Sept. Durch die polnische Presse wird der Wortlaut einer Note bekannt, die von der polnischen Regierung dem Völkerbunde über die an» geblichen Bedrückungen der polnischen Minderheit in Deutsch-Oberschlesien, Ostpreußen und dem übri­gen Deutschland überreicht wurde. Nach der for­mellen Seite hin zeichnet sich das umfangreiche Schriftstück durch eine im zwischenstaatlichen Ver­kehr ungewöhnliche Ausdrucksweise aus, indem es der deutschen Negierung und den deutschen Behör­den bösen Willen gegenüber der polnischen Minder, beit und die Mitwirkung der deutschen Polizei so­wie Reichswehr an den Ausschreitungen gegen die Polen deutscher Nationalität und die Anwendung eines brutalen Berwaltungssystems vorwirst. In materieller Hinsicht werden Klagen über Vertrei­bung, Mißhandlung und Vergewaltigung von' Polen aus Oberschlefien, über Unterdrückung der kulturellen Wünsche in Ostpreußen und der im übrigen Deutschland lebenden Polen deutscher Na­tionalität wiederholt, Klagen, deren man­gelnde Begründung ost genug dargeta» wurde.

Die deutsche Regierung wird die polnischen Ver­dächtigungen beim Völkerbundsrat zurückwei« sen und diesem das gesamte Material zur Ber» fügung stellen, das ihre Haltlosigkeit dartut und gleichzeitig die das ganze Zahl hindurch fort­gesetzten polnischen Gewalttaten gegen die deutsche Bevölkerung Oberschlesiens beweist. Was die polnischen Beschwerden über die Unter» orückungen in Ostpreußen und im übrigen Deutsch­land außerhalb Oberschlefiens betrifft, so stellt die deutsche Regierung sich auf den Standpunkt, daß sich die polnische Regierung an eine falsche Adresse wandte, wenn sie die Einmischung des Völkerbunde» in eine deutsche Angelegenheit herbeizuführen sucht.

Der Ton und Inhalt der polnischen Note find mit verständlich, wenn man ste als taktische« Zug Polens gegen die wiederholten berechtigte» dringenden Besck werden der deutschen Minderheit iu Polen bei dem Völkerbunde auffaßt.