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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen

Nr. 211

TttDberbe|RI<be Zeitung erscheint ledbsmal wöchentlich. Bezugsorei» monatlich 75 Ml. ohne Zustellungsgebühr. Für ausiallende Nummern infolge Streiks ooet elementarer Ereianiiie lein tttias. Verlag von Dr. T. Htserotd. Druck der Uniru-Buchdruckeret oo» 3oh. »ua. Roch. Marti 21 23. Herniprecher 55, Polt» ld;etffonte: Nr. 5015 8mt Frankfurt a. Main.

Marburg

Sreilao, iei 8. Smlmitt

Scheidmg.

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57.8M

1922

Die grieWt Giharmee oelMOtn?

Die Türken 40 Kilometer vor Smyrna.

Paris, 7. Sept Nach einer Havasmeldung aus Adana wird aus Angora gemeldet, daß die griechische Südarmee von den. kemalistischen Truppen in der Gegend von Salihli umzingelt und, wie es heiße, nach Widerstand gefangen genommen worden fei. Balikessir und Sarn- brrghi feien von den Kemalisten besetzt worden. Die türkischen Vorhuten befänden sich nur noch rund 40 Kilometer von Smyrna entfernt. Die grie­chischen Verluste beziffert man bisher auf 50 000 Mann, davon seien 15 000 gefangen genommen worden.

Adana, 7. Sept. Der türkische Vormarsch wird in allen Abschnitten fortgesetzt. Die griechische Niederlage tritt immer deutlicher hervor. Das Ge­rücht von dem Fall Ala Schehirs, das alte Phila­delphia, bestätigt sich. Desgleichen wird die Wie- deraufnahme der Kampfhandlungen im Bezirk von Neander gemeldet. Die im Rückzüge befindlichen Griechen mußten die Höhen auf dem Nordufer des Flusses aufgeben. Türkische Kolonnen sind bereits in der Nähe von Oedemisch eingetroffen, wo sie den Rückzug der griechischen Division bedrohen.

London, 7. Sept. Reuter meldet aus Smyrna, daß seit der Ankunft der Kriegsschiffe die allgemeinen Dorratslager Frankreichs, Groß­britanniens und Italiens von Marinetruppen der betreffenden Nationen besetzt wurden. Tie Lage des griechischen Heeres scheine sehr ernst zu sein. In gut unterrichteten britischen Kreisen toirb erklärt, daß der baldige Fall Smyrnas als unver­meidlich angesehen werde. König Konstantin habe Athen verlassen. Die Hoffnung auf die Einstellung der Feindseligkeiten müßte von der Standhaftigkeit der Griechen abhängen, dem türkischen Vormarsch Einhalt zu tun.

Daily Mail" berichtet, daß die Griechen, ver- ßärkt durch eine neue Armee, die in aller Eile aus Thrazien nach Kleinasien gebracht wird, versuchen werben, den letzten verzweifelten Widerstand den vsts-rückenden Türken entgegenzusetzen

Der türkische Vormarsch geht vorsichtig von- statten. Mustafa Kemal hat einen Tagesbefehl an seine Truppen erlaßen, in dem er bekannt gibt, daß lebe Belästigung von Christen mit dem Tode be­straft wird.

Bestätigung bet Gefangennahme des griechischen Oberbefehlshabers.

Paris, 7. Sept. Rach einer Havasmeldung »us Konstantinopel bestätigt es sich, daß der griechische Oberbefehlshaber T r i c u p i s am Abend des 2. September in der Umgebung von Uschak von den Kemalisten gefangen genom- »en worden ist

London 7. Sept. Reuter meldet aus Kon­stantinopel zu der Nachricht, daß der griechische Oberbefehlshaber, sein Stab und ein Korps- kcmmandeur gefangen genommen worden seien, man halte es für möglich, daß sie in die Hände von türkischen Irregulären gefallen seien. Eine weirere Reutermeldung ans Konstantinopel besagt, aus Angora werde berichtet, daß Tricupis und verschie­dene Generäle am Abend des 2. September von türkischen Truppen gefangen genommen worden seien und nach dem Hauptquartier der kemalistischen Streitkräfte gebracht wurden, wo sie als East von Mustafa Kemal Pascha sich befinden. Nach der Be­setzung von Oedemisch ist ein türkisches Kavallerie- korps van 2000 Mann in der Richtung Smyrna vor- Jerückt.

Sie Sage in 5mgmo.

London. 7. Sept. Reuter meldet aus Smyrna von gestern Mittag: Die Lage tritt in ein kritiches Stadium ein. Admiral Brook hat verschiedene Kauffahrteischiffe der englischen Zivilbevölkerung »ur Verfügung gestellt. Die eventuelle Einschiffung wird durch Zerstörer geschützt werden. Die Fran­zosen und Italiener haben zum Schutz ihrer Unter­tanen Marinetruppen gelandet und ihre männ- slichen Untertanen zum Dienst in einem Freikorps ,vufgerufen. Griechische Truppen aus Thrazien und venizelistische Offiziere sind eingetroffen, und man Mit, dem Vormarsch der türkischen Truppen Widerstand entgegensetzen zu können.

Die Städte Casiaha und Magnesia stehen in Nammen. Britische Marinetruppen besetzten die Gewerke und das Gebäude der türkischen Na- *w%albanf in Smyrna.

Vor beut Wasfenstillftanb?

Paris, 7. Sept. Havas meldet aus Konstan­tinopel: Der hiesige französische, englische und ita­lienische Dragoman «Härten bei Regierung von Angora, daß Griechenland die Räumung von Klein­asien unter der Bedingung des Abschlußes eines sofortigen Waffenstillstandes annehmen würde. Im Falle der Annahme würden die Parlamentäre in einer neutralen Zone zusammenkommen, um die Bedingungen festzusetzen.

Befürchtung von Unruhen in Griechenland.

Paris. 7. Sept. Nach einerTemps"-Mel- dung aus Athen versichert man in unterrichteten Kreisen, daß die griechische Regierung die Möglich­keit ins Auge faße, die Demobilisierung der Armee nach der Räumung von Kleinasien auf der Insel Chios vorzunehmen, um eventuelle Unruhen zu vermeiden, zu denen die Demobilisierung bet Truppen in Athen unb in den Garnisonen im Innern Griechenlands Anlaß geben könnte.

Kabinettsrat in London.

London, 7. Sept. Gestern Mittag hat ein Kabinettsrat unter dem Vorsitz von Lloyd George stattgefunden, an dem sämtliche Minister mit Aus­nahme von Balfour unb Fisher, die in Gmf weilen, reilnahmen. Es wurde die griechisch-türkische Frage erörtert. Es verlautet, daß vor einer Stabilisie­rung der Lage in Kleinasien nur eine geringe oder keine Intervention erfolgen kann, abgesehen vom Schutz der britischen Untertanen und der Verhin­derung von Metzeleien. Allgemein herrschte die Ansicht vor. daß die Verbündeten das Ergebnis ab­warten müßten.

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ZttjMSm h»r dknIft-ftlMn NrhM'NMN.

Berlin, 8. Sept. Wie die Blätter miiteilen. hat der gestrige Tag in den deutsch-belgischen Ver­handlungen über die Garantien für die Schatz­wechsel keinen weiteren Fortschritt gebracht. Vemel- mans habe sich weniger optimistisch als gestern aus­gesprochen und es für wahrscheinlich gehalten, daß die Unterhandlungen länger dauern würden, als et ursprünglich vorausgesehen habe. Nach einer Mit­teilung des ,.B. T." sind in der Nachmittagssitzung zu den Verhandlungen auch hervorragende Ver­treter der deutschen Industrie, unter ihnen Hugo S t i n n e 5 unb Generaldirektor Cuno hinzu­gezogen worden, um an den Beratungen bet Frage teilzunehmen, ob und unter welchen Bedingungen es möglich sei, die deutsche Industrie bei der Lösung des Garantieproblems heranzuziehen.

London, 7. Sevt. Renier meldet mt3 Berlin, das- die gestrige Zusammenkunft der belgischen Dele­gierten mit dem Reichskanzler Dr. Wirth und Minister L-ermeS gezeigt nabe, dass der deutsche und der vel- gstche Ausgangspunkt identisch seren. Beide Seiten hätten daher gute Hoffnungen, dass ein Nebereinkom- men erzrelt werden kann. Benrelmans erklärte in einer Untcrrebuna mit einem Vertreter des Reurer- Büro, was Belgien wolle, seien wirksame Garantien. Es bestanden immer noch aewiste Schwierigkeiten, er sc' jedoch zuderstchtlich, das; sie überwunden werden würden. Er persönlich sei optimistisch bezüglich des Ergebnisses der Verhandlungen, die, wie er erwarte, am Samstag abgeschlossen werden könnten. Die Ver­handlung in der Garantiefrage werde einen Aufschub von sechs Monaten er neben, während dieser Zeit wür­den dann Vorbereitunaen actroffen werden können Mr eine Mnfiige grosse Konferenz, die durch die letzten Entscheidungen des Entschädigungs-Aus­schusses etngeleitet werde.

Dreiteilung der Garantien?

Berlin 7. Sept. Von amtlicher Seite ver­lautet, es werde über eine Dreiteilung ber Garantien für die deutschen Schatzwechsel beraten. Oiese sei so gedacht, daß eine Gruppe englischer Banken einen Teil der Summe garantieren werde (man spricht von 100 000 000 Eoldmark), daß mel­iere 100 000 000 Goldmark von der deutschen Reichsregierung garantiert werden sollten und für ten Rest die deutsche Industrie eintreten werde.

Der Vertrag StiMs-Lnhersat.

Daris, 7. Sept. In einer Unterredung über Abkommen, das er mit Stirines unterzeichnet hak, erklärte be Silberfac: Der beratende Ausschuß erklärte sich mit dem neuen Abkommen befriedigt. In Bezug auf die Materiallieferungen rechnen wir damit, von Deutschland nächstens Lieferungen von 1 500 000 Kubikmeter Holz für den Wiederaufbau zu erhalten. Man muß den erfolgten Materiallieferungen odiel wie möglich die deutsche Arbeitskraft einver- lciken. Tie fünfprozentige Provision, dir von der deutschen Industrie gefordert werde; sei in den Preis mit einbegriffen, und «3 Würbe abgemacht, daß die

verlangten Preise niedriger oder ebenso hoch sind, wie die der französischen Konkurrenz, de Lubersac er» klärte, das Stinnes die feste Absicht habe, die Klauseln deS Vertrage» streng durchzuführen, sonst hätte er den Vertrag nicht unterzeichnet.

Petit Parisien" schreibt über den Vertrag de Lubersac-StinneS, ein neues Zeitalter in der An­wendung de» Versailler Vertrages fei durch diesen Vertrag eröffnet worden. Was an diesem Vertrag neu sei. fei, daß eS sich um einen kaufmännischen Vertrag handele, der von beiden Seiten mit Zu­stimmung der Regierungen vorgefchlagen woroen sei. Sowohl die deutsche als auch die französische Re­gierung wären durchaus nicht in der Sage gewesen, einen derartigen Vertrag zu einem glücklichen Ende zu führen. Wenn die Geschäftswelt, die § anbei?« und Jndustriewelt da« Interesse der beiden Nationen in fester Weise mit Hilfe der Zeit miteinander verknüpft haben werden, dann wird die moralische Entwaffnung folgen können. Die Geschäftsleute sind es, die über den Abgrund, den der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich geschaffen hat, die erste Brücke ge- worseu haben.

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Die MkerbundstWlng.

Genf, 7. Sept. Die heutige Sitzung der Volkerbnndsverfammlung war zum größten Teil der österreilbischeu Frage gewidmet. Sowohl Nausen-Norwegen als Motta-Schweiz traten lebhaft zu Gunsten einer Aktion ein. Motta be­zeichnete als deren Voraussetzung die Erhaltung der Integrität und Unabhängigkeit Oesterreichs. Gras Mensdorf -Oesterreich bedankte sich sür die kom­mende Hilfstätiakeit des Völkerbundes und sprach di« Hoffnung ans. daß es in diesen Tagen zur Tat kommen werde. Im weiteren Verlaufe unterstützte Lord Robert Cecil die Forderungen Danzigs, trat für das Mitbestimmungsrecht der saarländischen Bevölkerung bei der Wahl des saarländis.chen Mit­gliedes der Regierungskommisfion und beantragte Prü­fung der Sage bet deiiticben Minderheiten in Polen. Motta schloß sich den Forderungen Cecils an, wo­nach der Völkerbund sich mit den Hauptfragen der Stunde beschäftigen muffe unb wies auf den Ernst des Entschadigungsprollems und des Markstnrzes hin. Zu Beginn der Atzung sprach Ishij-Japan seine Ge­nugtuung über die Ergebnisse der Washingtoner Kon­ferenz aus.

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S)er RelchsprMest in her Mtzmarl.

Kiel, 7. Sept. Der Reichspräsident hat am 4. und 6. September an den Verbandsübungen der Marine in der Ostsee teilgenommen und beim Verlassen des LinienschiffesBraunschweig" einen Funksvruch an die Reichsmarine erlassen, in dcm er ber Gewißheit Aus­druck gibt, daß die Rcichsmarine auch zu ihrem Teil an dem Wiederaufstieg der deutschen Republik mit» arbeiten werde.

Flensburg, 7 .Sevt. Der Reichspräsident ist beute Vormittag hier eingetroffen. Im Rathaus ant­wortete er auf die Begrüßung des Oberbürgermeisters mit einer kurzen Ansprache, in der u.a. ausführte: Heber das Maß der allgemeinen Rot des deutschen Volkes hinaus ist gerade Ihr Dasein hier durch die Auswirkung des Versailler Vertrages in den neuen Grenzen schwer erschüttert, Ihr Wirtschaftsleben iss ernstlich gestört, Ihr Handel unterbrochen, Ihre In­dustrie, besonders auf den Wersten schwer gefährdet Sie haben selbst mit großer Tatkraft die wirtschaftliche Umstellung auf die neuen Lebensbedingungen in Angriff genommen. Die Hilfe des Staates und deS Reiches hat Ihnen hierbei nicht gefehlt und wird Ihnen auch künftig nicht versagt feilt Aber es sind nicht die Gük't wirtschaftlichen Lebens allein, die durch den Macht- lpruch des Versailler Vertrages über die Nordmark in Not gekommen sind, auch dem deutschen Volkstum und der deutschen Kultur sind hier schwere Wurden ge­schlagen und drohende Gefahr entstanden: Deutsche Volks­genossen sind wider ihren Willen und trotz ihrer Proteste 'wn uns abg et rennt worden, und auch jetzt noch wird in den deutsch gebliebenen Tcü Schleswigs immer wieder politische Beunruhigung hineingetragen, die das Volksbewußtsein und den Gemeinschaftsgeist mancher Be­wohner dieses Landes gefährdet. Wir wollen es als unsere gemeinsame Aufgabe ansehen, mit den geistigen Waffen einer zielbewußten kulturellen Deutschtumspilegc llen Versuchungen und Verlockungen entgegenzutreten. Wir wollen in opferbereiter Arbeit die Jahrhunderte alte deutsche Kultur dieses Landes erhalten und wo es not tut, festigen. Die besten Grundlagen unse-es »offen» auf wirtschaftlichen und geistigen Mcderaufbau inb die großen Mächte der Heimattreue und

Vaterlandsliebe.

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Irland.

De Valero gefangen genommen? p

London, 7. Sept. Nach einer Reutermeldung aus Dublin ist dort aus Cork die Nachricht ein- getwffen, daß die republikanisches Führer d g V »r

feto und Erskine Clinbers gefangen genom­men worden seien,' laterer soll verwund«, sein,

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- 6wn Teuerung und Mer.

Anträge im volkswirtschaftlichen Ausschuß.

Berlin, 7. Sept. Im volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde der Antrag Gerstenberger angenommen» der auf ein Viertel­jahr ein Verbot der Herstellung von Zuckergebäck unb Näschereien von der Regierung fordert. Ebenso soll die Regierung 15 Prozent Kartoffeln als Zusatz zum Brot in Erwägung ziehen. Angenommen wurde ferner der unabhängige Antrag Dr. Hertz, gegen di« Notlage der Presse mit einer Fest­setzung von Höchstpreisen für Rohstoffe unb mir einem Snnbifat der Druckpapiererzeuger vorzu­gehen. Weiterhin wurde ein Antrag Dr. Hugo angenommen, wonach die Tabakeinfuhrsperre mög­lichst bald aufgehoben werden soll, ebenso eine Entschließung ber Deutschnationalen, möglichst bald mit dem Ausschuß für ben Verkehr mit (Betreibe in die Beratung über die Neufestsetzung des Preise» für bas Umlagegetreibe einzutreten. Weiterhin wurde eine Zentrumsentschließung angenommen, wonach die Neichsregierung möglichst bald de» Reichstag einen Entwurf vorlegen soll, der das Verbot der Fakturierung inländisch« Waren iw ausländischer Währung beim Absatz im Inland enthalten soll. Weiter wurde eine sozialdemo­kratische Entschließung gebilligt, worin die Reichs­regierung beauftragt wird, alsbald über eine Reihe Maßnahmen auf dem Gebiete der Ernährung $e«. richt zu erstatten.

Thüringische Teuerungsmaßnahmen.

Weimar, 7. Sevt. Das thüringische Ministerin« be<? Innern bat eine Verordnung gegen Preiswucher «i& Preistreiberei erlassen, in der ausgeführt wird, baf> die sprunghafte Preissteigerung die Lebenshaltung breitester Schichten ber Bevölkerung auf das schwerst« gefährde und eine drohend« Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit bilde. DaS Bestreben der Erzeuger und Händler, die Preise willkürlich nach de» höchsten Dollarstand« zu bestimmen, hab« keine Be­rechtigung, zumal d« Kaufkraft der Mark im Inland« einen der Valuta entsprechenden Tiefstand nicht er­reicht habe. Die Behörden werden vom Ministerium a»- gewiesen, di« bereits bestehende Verordnung über ben Wucher auf das schärfste anzuwenden, besonders di« Preisprüfungen auf der Grundlage der Gestehungskosten vorzunehmen. Wilde Händler sowie sonstige unzuvcr» täffige, preistreibende Erzeuger und Händler sind sofort anzuzeigeu, gegebenenfalls festzunchmen. Jeder Ange» schuldigte wird sofort nach der Tat abgeurteilt werden. Zu diesem Zwecke wird durch bas thüringische Justiz­ministerium ein summarischen Verfahren em» geführt werden.

Auf Antrag bet kommunistischen Landtagsftaküo« bat am 5. der Abgeordnete Dr. Neubauer die thüringisch« Regierung aufgeforbert, wegen der drohenden Ernäh- nährungskatastrophe sofort den Landtag einzuberufen. Im Namen der Regierung erklärte Finanzmiuister Hartmann, die Regierung wolle erst den Verlauf der Hamburger Ernährungsministerkonferen, abwarten. Wenn es dann nötig sei, werde sie den Landtag einberufen.

Unruhen.

Jena, 7. Sept. Wie die kommunistischeNeue Zeitung" berichtet, ist es in Ruhla am Montag zu ernsten Unruhen infolge des Lebensmitielwuchers ge­kommen. Die Arbeiter zogen in großen Menges vor das Rathaus unb teilten dem Bürgermeister mit, daß die Arbeiterschaft einen besonderen Ausschuß zur Ucberwachung der Geschäfte sofort einsctzrn werde. Eine Abordnung überbrachte der Regierung am nächsten Tage die Forderung auf schleunige Einbe­rufung de» Landtages. Die Fowerungen der Ar­beiterschaft lauten: Erfassung ber Ernte, Ausfuhr­verbot, Eisenbahnkontrolle. Wenn bie Regierung nicht ofort eingreife, sei noch mit viel schlimmeren Un­ruhen zu rechnen.

Mülheim, 7. Sept. Im Laufe des Vormittag» ammelten sich mehrere Trupps Kommunisten in den Straßen an, um gegen die herrschende Teuerung zu demonstrieren. Es kam zu Zusammenstößen mit der Schupch die den Rathausplatz und die Hauptstraßen der Stad: absperrte. Durch Unvorsichtigkeit entlud sich ein Karabiner.wodurch fünf Personen verletzt wurden, die in das Krankenhaus gebracht werden mußten. Bei dem hierauf entstehenden Handgemenge wurden die Demonstranten zerstreut, sodaß bald wieder Ruh« einkehrte.

Die Forderungen der Berliner Betriebsräte.

Berlin, 7. Sept. Aus eine Eingabe der Kontroll­kommission der Berliner Betriebsräte, in der vom preutztscben Ministerium des Innern und allen staat­lichen Behörden zur Linderung der dringendsten Not der arbeitenden Bevölkeruikg sofortige aufeeto*bc«titd)e Vollmachten zur Durchführung einer Reibe namvaft gemachter Massnahmen verlangt wurde, antwortete da» Ministerium des Innern in einem Schreiben, tu dem auf dir bereits ergriffenen und di« noch m btc Mcge zu Urttenöwi Massnahmen y tu gewieselt wird.