Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhesfischej Oberhessen
Nr. 209
rte ^Dbetheifiitb« Beitun- ' erscheint ledtemal roödjentlidL — Sejugsoteis monatlich 75 Mk. ohne Zustellungrgebiihc. Für auefaDenhe Stummer« infolge Streiks ooet elementarer Gieigniiie leie Lrlatz. — Bering non Dr. T. hiNeretd. — Druck der Univ^Butbdruckerei von 3ob. Lug. Koch, Mar?» 2123. — Setnipte<6et 55, «oft» fcheckkonto: Rr. 5015 Ämt Frankfurt a. Main.
Marburg
MM. tei 6. StHmter
Scheid iuz.
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57. MO.
1922
Nnkliltze SnllWswiBlilit.
Da« Stinnessche Sachliefernngsadlommen.
Berlin, 4. Sept. Der Vereinbarung zwischen VtarqmS be Luberfac und StinneS ist zu entnehmen:
MS Vermittlungsstelle für die Ausführung der Sachlieferungen dient die Aktiengesellschaft für Hoch- - und Tiefbau in Es sen gemäß dem Abkommen von Wiesbaden und Berlin. Diese Gesellschaft ist besonders im Aufbauwesen erfahren und hat unmittelbare Beziehungen zu der deutschen Industrie, die für den Aufbau in Frage kommt. Die Hoch« und Tiefbau A.-G. ist berechtigt, für die allgemeinen Unkosten und den Nutzen einen Aufschlag zu berechnen, der in keinem Falle 6 Prozent des Preises übersteigen darf, den sie in Deutschland für di« gelieferte Ware bezahlte. Der Betrag dieses Aufschlages wird in der Summe miteinbegriffen, die Deutschland für die tatsächlichen Sachliefernngen gutgeschrieben wird. Die in Deutschland geprüften und abgenommenen Materialien dürfen in Frankreich nicht zurückgewiesen werden. Die H. U. T. A.«G. wird unter ihrer Verantwortung die Bestellungen gemäß den bestehenden Vorschriften der deutschen Regierung verteilen.
Stinnes erklärt, daß es zur verstärkten Lieferung von Baumaterialien, wie Zement, Ziegelsteine, Kalk und Dachziegel nötig sei, daß ein bestimmter Prozentsatz der monatlich von Deutschland an Frankreich gelieferten Kohlenmengen freigegeben werde, ein Prozentsatz, der dem für die Fabrikation dieser Materialien unbedingt nötigen Verbrauch« entspricht. Die Verteilung dieser Kohlen auf die der« süaedenen Betriebe wird Sache der Firma Hugo S.mneS in Verbindung mit dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat sein.
Lubersac erllärt, daß die Voraussetzung für eine wirksame Durchführung der Sachliefernngen ist, baß der Preis der deutschen Materialien, die den französischen Lagern in den zerstörten Gebieten zu« geführt werden, auf keinen Fall den Preis der ent- sprechenden von dem französischen Markt gelieferten Materialien übersteigen darf, da die Kriegsentschädigung der französischen Geschädigten demgemäß festgesetzt würde. Die Dauer der bevorstehenden liebe» «inkunft entspricht derjenigen der Abkommen von Wiesbaden und Berlin, doch müssen di« Verträge, welche gemäß dieser dlbkommen geschlossen sind, auf jeden Fall den Vcbingungen der genannten Abkommen erd» sprechend 'ausgeführt werden. Sollten Schwierigkeiten bei der Ausführung einer der Bestimmungen der gegen- wänigen Vereinbarung eintreten, oder sollte höhere Gewalt die Ausführung hindern, f'o werden Lubersac «nd Stinnes mit groß er Beschleunigung zusammenkommen, um sich über die zu ergreifenden Maßnahmen zu verständigen.
Wie die „Zeit" hört, kehren die französischen Bevollmächtigten demnächst zu neuen Verhandlungen nach Deutschland zurück.
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Die Blätter messen dem zwischen Stinnes und Marquis Lubersac abgeschlossenen Wtcverausbau-Ler- trag größte Bedeutung bet. Die »Bost. Ztg." betont, daß die Abmachungen wohl kaum ohne die ausdrückliche Zusrirumnng der französischen Regierung gcnof- fni sein können und daß insbesondere Poincare zu den Verhandlungen mit Stinnes seine Z u st t m - mung gegeben haben muß. Nach den Informationen des Blattes wurden auch von der französischen Eisenindustrie Verbindungen mit den deutschen Industriellen gesucht. Von deutscher Seite habe man sich grundsätzlich zu solchen Verhandlungm Bereit erklärt, jedoch müßte als Voraussetzung die Hoffnung dienen, Veränderungen in der Besetzung der R'oeinlande Oer» beizuführen. Die Fortsetzung der bisherigen Methode würde die Behinderung gemeinsamer wirtschastltcher Betätigung sowohl in technischer als auch in politischer Beziehung darstellen. — Der „Lokalanz." schreibt, der erste Eindruck, den man von diesem Vertragsabschluß erhalten habe, sei jedenfalls insofern günstig, als hier vidi ich einmal unmittelbare praktische Arbeit «mgestrebt und nach den Faktoren zu urteilen, die dabei beteiligt sind, auch verbürgt werde. Im ,Vor- >värt§* findet der Vertrag ein« scharfe Ablehnung. Das Abkommen verteuere künstlich alle Lieferungen zu Gunsten weniger Privatproduzenten und einiger beut» lchcr Finanzgroßmächte und zerstöre so für die nächsten Jahre jede Hoffnung aus eine sparsam« Wirl- iclwft.
Ankunft der Belgier in Berlin.
Berlin, 5. Sept. Die Vertreter bet belgischen Regierung sind heute in Berlin angekommen. Innerhalb der Reichsregierung fand heute noch ;eine Beratung über die den Belgiern zu machenden Vorschläge statt. Morgen wird Staatssekretär Bergmann zurückerwartet, der nach dem Abschluß ter letzten Berliner Verhandlungen über Paris »ach London gereist war, um mit den dortigen Finanzkreisen Fühlung zu nehmen. Man erwartet von ihm ganz bestimmte Anregungen für eine Lö- -lung des Garantieproblems. Es erscheint eine Mit- tvirkung englischer Finanzkreise bei dieser Frage lsticht »nmößlidj. ■- -
Erklärungen MMurys.
Paris, 5. Sept. Einer Havasmeldung zufolge empfing Sir John Bradbury gestern Abend die Pariser Vertreter der britischen Presse. Er sagte u. a.: Die Frage der Garantien für Schatzbonds interessiert ausschließlich die belgische und die deutsche Regierung. Indessen würde es für das Interesse Deutschlands und für die Interessen der Republik nachteilig sein, wenn für einen beschränkten Teil der jährlichen Zahlungen die Goldreserve der Reichsbank in Anspruch genommen würde. Im Augenblick könne von einem britischen Beitrag zur Herstellung des notwendigen Earantie- fonds nicht die Rede ein. Bradbury führte weiter aus, ohne eine Herabsetzung der gesamten Entschädigungssumme oder eine Herabsetzung der jährlichen Zahlungen während einer gewissen Periode könne der Kredit Deutschlands nicht wieder hergestellt werden, und ohne eine Wiederherstellung werde das Finanzsystem Deutschlands und mit ihm die Hoffnung auf Entschädigung zusammenbrechen. Gegenwärtig sei es dringendste Aufgabe, daß die Reform der inneren Finanzen Deutschlands mit Energie in Angriff genommen werde. Die Entschädigungszahlungen in bar und in Naturalien würden im Augenblick auf einen derartigen Betrag vermindert, daß es möglich sei, sie aus dem Budget zu befriedigen.
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Die Ausgleichszahlungen.
Paris, 5, Sept. Wie aus einer Mitteilung des „Jntransigeant" hervorgeht, ist wegen der nächsten' fälligen Ausgleichszahlung Deutschlands keine Schwierigkeit zu erwarten. Die französische Regierung beabsichtigt nicht, einzügreifen. Das Blatt teilt noch mit, daß von den französischen gegen Deutschland vorliegenden Ausgleichsforderungen in Höhe von 1202 Millionen nur noch insgesamt 150 Millionen strittige Forderungen ausstehen.
Einberufung bc8 Auswärtigen Ausschusses.
Berlin, 5. Sept. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist von seinem Vorsitzenden für Freitag einberufcn worden. Für die Besprechung mit ven Partcifübrcrn in der Angelegenncit der Entschädigungen ist ein bestimmter Zeitpunkt noch nicht festgesetzt worden.
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Protell der NlumMiMr gegen die ZtilMMrböle.
Berlin, 5. Sept. Zn der am 2. und 3. September in Weimar abgehaltenen Vcrstandssitzung des Vereins deutscher Zeitungsverleger (Herausgeber der deutschen Tageszeitungen) ist folgende Protestentschließung beschlossen worden:
Namens der von ihm nahezu ausnahmslos vertretenen politischen Tageszeitungen Deutschlands hatte der Verein deutscher Zeitungsverleger anläß lich der Beratungen über das Gesetz zum Schutze der Republik der bestimmten Erwartung Ausdruck gegeben, die Handhabung der Bestimmungen des Gesetzes werde die auf die besondere Eigenart der Verhältnisse und die Aufgaben der deutschen politischen Tagespresse unbedingt erforderliche Rücksicht nehmen. Diese Erwartung ist getäuscht worden Die Verwaltungspraxis sprach vielmehr in zahlreichen Fällen Verbote auf Grund des Gesetzes aus, ohne daß nach der lleberzeugung der Sachverständigen der Presseorganisation der gesetzliche Tatbestand für ein Verbot vorlag. Da die bisher bei den beteiligten Regierungsstellen unternommenen Schritte ohne Erfolg waren, sieht sich der Verein deutscher Zeitungsverleger mit seinen das ganze Reich umfassenden Kreisvereinen genötigt, die ge- amte Deffentlichkeit auf die Verhältnisse aufmerk- am zu machen. Das bisherige Vorgehen der Verwaltungsbehörden muß in nächster Zukunft zu einer Ilnterbindung jeglicher wirkungsvollen kritischen Besprechung, zu schließlicher Unfruchtbarkeit des politischen öffentlichen Lebens und völliger Lähmung jeder öffentlichen Betätigung aller Volkskreise führen und damit der Verfassung des Reiches die Grundlagen entziehen. Angesichts dieser Gefahren rufen die bevollmächtigten Vertreter der deutschen Zeitnngsverlegerschaft, besonders auch die den Regierungsparteien nahestehenden Zeitungen die Regierungen und Parlamente zu beschleunigter Abhilfe auf.
Anschlag gegen die nllniinWe MnWamllle.
Paris, 5. Sept. Wie der „Temps" aus Bukarest meldet, ist dort ein Anschlag gegen die königliche Famllie entdeckt worden, der während der Krömuigsftieriichkeiteri ausgeführt werden sollt«. Die
Urheber seien verhaftet. ES seien ehemalige bulgarische Offiziere. Sie hätten ein vollkommenes Geständnis abgelegt und vor allem zugegeben, daß dir bei ihnen entdeckten Explosivstoffe dazu bestimmt waren, die Tribüne der königlichen Familie und der Diplomaten auf der Rennbahn während des Rennens in die Lust zu sprengen. ■
Sie Mestm ter Stinten.
Andauern des türkischen Bormarsches.
London, 5. Sept. Die Presse beschäftigt sich eingehend mit der durch die Niederlage der Griechen in Kleinasien geschasfenen Lag«. Reuter meldet aus Athen, General T r i c u p i s habe General Hadjanestos als Oberbefehlshaber in Anatolien ab gelöst, zum Generalstabschef sei Dusmanis ernannt worden.
Aus Smyrna meldet Reuter, daß der türkische Vormarsch auf der ganzen Front ununterbrochen andauert. Die griechischen Truppen ziehen sich kampflos zurück. Auf dem Rückzug werden die Städte und Dörfer verbrannt. Tausend« von christlichen Flüchtlingen nähern sich der Stadt Smyrna. Die Lage ist sehr ernst.
Dir .Times' schreibt, es könne nicht mehr länger Zweifel darüber herrschen, baß die Griechen in Kleinasien eine Katastrophe erlitten haben. Die Griechen seien töricht gewesen, aber sie hätten direkte Ermutigungen von den Verbündeten erhalten. Die Griechen seien auf Veranlassung der Verbündeten in den Krieg gezogen, und man habe ihnen große Versprechungen gemacht. .Daily Telegraph- schreibt, es bestehe nicht die geringste Neigung, den vernichtenden Charakter der griechischen Niederlage tn K.emasien zu verheb len. Wenn die Angora-Regierung nicht geneigt sei, die Vorschläge der griechischen sie- grerung anzubörcn, so beständen doch gute Gründe, daß die Regierung von Angora sich enigegenkommenb zeige» würde gegenüber gemäßigten Worten aus Rom und Paris in Anbetracht der Tatsache, daß der große Sicg der Türken Mcht zuletzt auf die ausgezeichneten Geschütze der Franzosen und vte ausgezeichneten Luftfahrzeuge der Italiener zu- rückzusühren sei. Cs sei sicher, daß die BedMgungen Mustapya Keutal Paschas schwer sein werden. Jetzt, wo er einen so überwältigenden Sieg davongelragen habe, würden seine Bedingungen zweifellos weuer- gehen. Tie griechische Niederlage in Kleinasien bedeute in Wirklichkeit, daß der Friede jetzt geschlossen werden müßte mit einer siegreichen und nicht mit einer geschlagenen Türket.
Die .Times- berichtet, die griechische Regterung habe einge sehen, daß eine Fortsetzung der Verretdi- gungKleinasiens nicht mehr in Frage komme, da sich das griechische Heer in einem Zustand der Auflösung befindet. Es würden jetzt gemeinsam mit den Verbündeten Schritte unternommen werven, um den Rückzug des gttechischen Heeres mit tnöglidjft wenig Verlusten zn ermöglichen. Auch würden Maßnahmen zum Schutze der christlichen Minderheiten erörtert. Der Zweck der Entsendung britischer Kriegs- schisse nach Smyrna fei, energische Unterstützung vei der Aufrechterbalmng der Ordnung während der Räumung zu bieten. Man erkenne an, daß Griechenland einem sehr ernsten Problem gegenüverstehe, da es plötzlich vor die Nücklehr einer geschlagenen Armee und aller Wahrscheinlichkeit nach anch einer großen Anzahl von Flüchtlingen zu gleicher Zell gestellt werde und für diese Füttorge ttesfen müsse. Amy sei
7 besorgt wegen der augenblicklichen poliitichen Lage in Athen selbst.
Der Sonderbettchterstatter der .Daily NewS" schreibt, daß gestern zwischen Vertretern der brltifchen, französischen und italienisckien Reglernng Erörterungen über die Herbeiführung eines Waffen st tkl- st a n d c s im grleünsch-türklschen Kriege stattgefunven haben. Es verlautet daß bei diesen Verhandlungen vollkommene Uebereinstimmung zwischen den Mächten zu Tage getreten sei. Man nehme in amtlichen Kreisen an. daß die Haupibedingnng eines Waffenstillstandes die Räumung Kleinasiens durch die Griechen sein werde. Es sei wahrscheinlich, daß die Angora-Rcgie- rung, von ihrem Steg- erfüllt, fordern werde, daß die Griechen auch Thrazien a n f g e b e n. Es sei jedoch sicher, daß die Mächte in dteier Frage nicht nachgeben werden. Das Blatt berichtet Wetter, tn amtlichen griechischen Kreisen in London glaube man, daß das griechische Heer Kleinasien in etwa drei Wochen geräumt haben werde.
Die Verluste der Griechen.
Paris, 4. Sept. Haoas meldet aus Angora, im Gebiet von Eskifchehir feien ungefähr 200 Geschütze erbeutet worden. Der Fall der Stadt Uschak bestätige sich. Der Verlust der Griechen wird auf etwa 12 000 Mann geschätzt 5000 in der Schlacht bei Aftum-Karahissar, 500 in der Schlacht bei Eskifchehir, der Rest bei anderen Angriffen.
Parts, 5. Tept. HavaS meldet aus Athen: Dte gttechischen Truppen haben einen feindlichen Angriff in der gebirgigen Gegend nordöstlich von Brussa siegreich zurückgeschlagen.
Nach einer amtlichen Meldung aus Athen hat das 1. gttechische Armeekorps, von dem man keine Nachricht hatte, sich westttch von Nschak mit dem GroS der griechischen Armee vereinigt,
Ak MWlir der KMimWimter."
Hamburg, 5. Sept. Die Konferenz der Er» nahrnngs- und Landwirtschastsminister, die hier Montag und Dienstag unter dem Vorsitz des Reichsrnnifters Fehr tagte, hat eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:
Da in Deutschland nach dem Verlust wertvoller landwirtschaftlicher Gebiete noch weniger als früher genügend Nahrungsmittel erzeugt werden können und Deutschland namentlich auf dem Gebiete der Versorgung mit Brotgetreide, Futtermitteln und Fetten in hohem Matze auf die Einfuhr angewiesen ist, kann eine wirkliche Besserung hinsichtlich des Standes der (Ernährung wie hinsichtlich der Preise bei dem heutigen Stande der Produktion nicht ohne Äenderung der allgemeienn wirtschaftlichen Lage Deutschlands eintreten. Voraussetzung hierfür ist in erster Linie die Befreiung Deutschlands von Gern Druck übermäßiger Bar- und Sachlieferungen an die Entente. Die Ministerkonferenz ist einmütig der Ueberzeugang, daß alle Maßnahmen ge- troffen werden müssen, die auf eine sparsame und zweckmäßige Verwendung der vor Han» denen Nahrungsmittel im Inlands Einfluß haben können und daß auch auf eine erträgliche Preisgestaltung hingewirkt werden muß. Sie spricht sich daher für ein Verbot der Herstellung von Starkbier und im Übrigei für die Einschränkung der Bierherstellung aus. Sie hält es weiter für notwendig, daß die Verwendung von Inlandszucker für Liköre und bei der Herstellung von Branntwein. Schokolade und Süßigkeiten alsbald verboten wird. Sie hält es weiter für notwendig, in dem demnächst beginnenden neuen Zuckerwirtfchaftsjahre Maßnahmen dahin z« treffen, daß der inländische Zucker in erster Linie der Bevölkerung zum Mundgebrauch zugeführt wird. Auf dem Gebiete der Brotverforgnng muß die Umlage in ihrer gesetzlich festgelegfen Höhe durchgeführt werden. Die Konferenz verschließt sich dabei nicht der Tatsache, daß bet der Festsetzung der Preise für das Umlagegetreid« der Geldentwertung und den jetzigen Produktions- foften Rechnung getragen werden muß. Van den Strafandrohungen muß unnachsichtftch Gebrauch gemacht werden gegen die, die andere auffordem, sich der Ablieferung der Umlage zu widersetzen. Die Konferenz emvfiehlt weiter eine Prüfung, ob durch eine allgemeine Herabsetzung des Aus- in a h l s a tz e s für freies Getreide Ersparnisse gemacht werden können. Die Ausgestaltung der Kinderspeisungen, der öffentlichen Speisungen und Abgabe von Lebensmitteln an besonders Bedürftige zu ermäßigten Preisen wird geprüft werken müssen.
Gegen das Schlemmcrunwesrn.
Berlin, 5. Sept. Das preußische Ministerium des Innern veröffentlich: heute ein« Verordnung gegen das Schlemmerunwesen. Der Sinn der neuen Maßnahme ist. den Verbrauch in Gasthäusern, Dielen, Bars usw., der über eine jeweils in den einzelnen Ortschaften von den Behörden fest',usetzende Höchstgrenze hinausgeht, durch eine gestaffelte Steuer zu erfassen und die aus dieser Steuer eingehenden Gelder Fonds zuzuführen, die der Lebensmittelversorgung der unbemittelten Bevölkerung zugute kommen sollen.
Breslau, 6. Sept. Das Polizeipräsidium bat die Polizeistunde für Likörftuben und Schlcmmerlokale auf 10 Uhr abends festgesetzt.
Di« Erwerkschaftssührer beim Reichskanzler.
Berlin, 6. Sept. Die Gewerkschaftsführer unterstrichen in der gestrigen Besprechung mit dem Reichskanzler die von ihnen vor 14 Tagen dem Reichskanzler gemachten Vorschläge und bedauerten, taß bisher nur auf Teilgebieten entsprechende Maß« nahmen von der Reichsregierung durchgeführt seien. Insbesondere betonten die Eewerkfcbafts» »c-rtreter, daß zur Verhinderung des wirtschaftlichen Chaos eine zwangswirtfchaftliche Regelung in einer neuen Form nicht zu umgehen fei. Die Gewerkschaften legten auf folgende drei Vorschläge nachdrücklichst Wert: 1. Verschärfung der Wuchergesetzgebung, unter keinen Umständen dürfe von den Behörden der sogenannte Wiederbefchaf- fungspreis im Handel und den Produzenten erlaubt werden, 2. Einschränkung des freien Börsenhandels, 3. Ablehnung der Forderung der Landwirtschaft nach Erhöhung des Preises für Umlage« getreibe. lieber diese Frage soll Ende dieser Wcchc unter Hinzuziehung des Ernährnngs- und Wird fchastsrninisters eingehend gesprochen werden.
Di« TeuenmgSknrv« Im «ugufl.
* Berlin, 5. Sept. Dte Reichstcuerungszisfer für die Lebenshaltungskosten stieg nach den Erhebungen des Statistischen ReicstSamls über die Aufwendungen für die Ernährung, Heizung, Beleuchtung und Lotz-