Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhesfische) Oberhessen
m. 207
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Sie Berlailfmioen mit Belgien.
Beginn diese Woche.
Berlin, 2. Sept. Zn der Reichskanzlei fand heute eine Chefbesprechung statt. Der aus Paris znrückgekehrte Staatssekretär Schröder erstattete Bericht über die Verhandlungen mit dem Entschä digungsausschuß.
Aus der Regierung zugekommenen Nachrichten ist bekannt geworden, daß die Vertreter der belgi- schen Regierung Delacroix und Bemelmans zu Anfang der nächsten Woche in Berlin eintreffen, um die Verhandlungen mit der Reichsregierung wegen der auszustellenden Schatzwechsel aufzunehmen.
Die in Aussicht genommene Fortsetzung der Besprechungen mit den Parteiführern wird ebenfalls zu Anfang der nächsten Woche stattfinden.
Belgische Bedenke«.
Brüssel, 1. Sept. Rach einer Meldung der Agence Belge wird die vom Entschädigungsausschutz einstimmig getroffene Entscheidung in Belgien int allgemeinen mit Genugtuung begrützt. Nur in gewissen Kreisen scheint man zu glauben, datz Belgien die Kosten der Lösung zu tragen haben werde. Man erklärt in diesen Kreisen, datz bis zum Ende des Jahres Belgien keinerlei tatsächliche Zahlung erhalten würde und datz es ihm unmöglich sein werde, sich hinsichtlich der Pfänder mit den. Deutschen zu verständigen. Demgegenüber wird betont, datz alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen seien. Die Note des Entschädigungsausschusses enthalte folgenden Satz: -„Diese Echatzscheine werden durch ein Gold- > e p o t in Belgien oder einer genehmen ausländischen Bank sichergestellt." Es sei allgemein bekannt, datz man die durch ein Eolddepot garantierten Bonds leicht diskontieren könne. Wenn es aber Diskonte gibt, gibt es auch effektive Zahlungen. Es sei sicher, datz dis belgische Regierung mit Unterstützung der Verbündeten alle gewünschten Matznahmen treffen werde, um sich eine effektive Zahlung zu sichern. Es verlaute überdies, datz Ministerpräsident Tehunis schon Delacroix, Bemel- mans und Bankiers, die mit nach Berlin reifen werden, angewiesen habe, in Ermangelung eines Golddepots nur gute Bürgschaften anzunehmen, welche die leichte Diskontierung der deutschen Echatzscheine ermöglichen.
Die B-korgnisse des Herrn Klotz.
Paris, 2. Wie der „Temps" mitteilt, hat der f-öhere Finanzminister Klotz an Poincarä einen Brief gerichtet, in dem er die Regierung fragt, ob die in der Entscheidung des Entschädi- gungsaussch fes erwähnte . etwaige Herabsetzung der deutsch-« Schuld" die französische Forderung berühren könnte. Der Ministerpräsident werde in seiner Antwort hervorheben, datz nach dem eigenen klussvruch der Entscheidung des Entschädtgungsaus- lchnffes jede „etwaige Herabsetzung der deutschen schuld" der „vorherigen Zustimmung" der verbündeten Regierungen unterordnet sei. Die französische Regierung verliere die Znteresicn des Landes nicht aus den Augen.
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Den französischen Politikern um Poincare wird es nach und nach schwül zu Mute, nun sie an ihrem Ziel, Deutschland zu erleb.gen, beinahe angekommen sind. Der Entschädigungsausschuß selbst hat jetzt di? deutsche Kreditun.vürdigkeit ausdrücklich festgestellt und damit die von französischer Seite immer wieder vor- gebrachte Behauptung von der Zahlungsfähigkeit Deutschlands (mit seiner Industrie Scheinblüte) Lügen tzestraft. Robert de Jouvenel hat Recht, wenn er im „Oeuvre" sagt, Deutschland arbeite zwar, aber e? arbeite sich in den Ruin hinein; der Versailler Vertrag richte Deutschland zugrunde, mache aber niemals Frankreich bezahlt. Diese Einsicht scheint allmählich in Frankreich Boden zu gewinnen Man sucht daher verschiedentlich die Schuld an dem Versailler Vertrag den Engländern zuzuschieben unter Berufung auf Amerika. Im „Matin" zitiert dessen Leiter Lauzanne, den amerikanischen Delegierten an der Friedenskonferenz der erklärt hat: „England war es, das nicht zuließ, daß eine vernünftige Reparationssumme festgestellt wurde." Ter Franzose stellt jede französische Mitschuld am Zustandekommen des Versailler Ertrages in Abrede und hält den Eiigländeru vor, s i e hätten alle finanziellen Bestimmungen des Vertrages auf- und durchgesetzt; Frankreich habe nur gehorsam Heerrsfolge geleistet. Und was die Losung: „Deutschland wird zahlen!" anbe- langt, so sei sie englijcher und nicht sranMcher Herkunft.
Es wird interessant sein, zu h'lrm, was die Engländer dazu sagen. Für Deutschland sr.ilich ist es ziemlich gleichgültig, wer an seiner Vernichtung schuldiger ist. Die Hauptsache ist, daß cs zugrunde gerichtet ist. Die eigene Schulll spielt freilich auch eine Rolle.
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NMWil.
Die Abstimmung über das Verbleiben bei Preußen.
Veuthen, 3. Sept. Heute fand in Oberschlesien die Volksabstimmung darüber statt, ob Oberschlesien künftig preußische Provinz oder ein selbständiger Gliedstaat im Rahmen des Deutschen Reiches werden soll. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen stellt die Abstimmung ein überwältigendes Vertrauensvotum für Preußen c-ar. Zn den Städten war die Beteiligung rege, auf dem Lande etwas schwächer.
Oppeln, 3. Sept. Nach dem jetzt vorliegenden Endergebnis der Volksabstimmung über die Autonomiefrage stimmten 513 126 für das Verbleiben der Provinz Oberschlesien bei Preußen und .50400 für die Autonomie Oberschlesiens.
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Der MUerM lkMrkM
Verhaftungen und Verkehrsbefchränkungen.
B e r l i n , 2. Sept. Wie die „Vosi. Ztg." zu dem Zwischenfall in Oberkaffel erfährt, ist der Ermordung der beiden belgischen Soldaten ein Streit in einer Wirtschaft vorausgcgangen, der vielleicht mit einem Verbrechen im Zusammenhänge steht. Um 3 Zhr nachts f«**» ^wngttMumiu
noch Licht in einer Wirtschaft in Oberkaffel, in der er eine Anzahl Zivilpersonen und zwei belgische Sergeanten vorfand. Aus der Aufforderung, das Lokal zu verlaffen, entwickelten sich Streitigkeiten, in deren Verlauf der eine belgische Sergeant geg:p die Büffetftau und den Wirt tätlich wurde. Die inzwischen alarmierte belgisch? Wache nahm einige Verhaftungen vor; sie verhaftete u. a. den belgischen Oberleutnant Teters, der dem Wirt zu Hilfe gekommen war. Als der beteiligte deutsche Polizei beamte eine Stunde später in einer anderen Ee- ,end patrouillierte, wurde er von einer belgischen Patrouille verhaftet, weil der Sergeant, mit dem er den Zusammenstoß gehabt hatte, und ein diesem zu Hilfe kommender belgischer Posten inzwischen erschossen worden waren.
Paris, 2. Gerat. Nach einer Havasmeldung aus Brüffel hat man gestern in Oberkaffel den stellvertretenden Bürgermeister, den Polizeikommissar, den Echankrairt. bei dem der Zwischenfall ffch ereignet hat, seinen Sohn und zwei deutsche Polizei- beamte verhaftet, die sich in der Schenke in dem Augenblick befanden, als die Wache eingrisf. Außerdem hat die interalliierte Rheinlandkommis Hon jeglichen Verkehr zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens untersagt. Die Straßen werden von Patrouillen durchzogen.
Deutsches Bedauern in Brüssel.
Berlin, 2. Sept. Der deutsche Gesandte in Brüffel, Landsberg, hat der belgischen Regierung fe.in Bedauern über den Vorfall in Oberkaffel zum Ausdruck gebracht und gleichzeitig erklärt, daß die deutsche Regierung sich ihre Stellungnahme bis zum Vorliegen des Unterfuchungsergebniffes vorbehalte.
Zeitnngsverbote.
Köl n, 2. Sept. Durch eine Verfügung der Interalliierten Rheinlandkommission vom 1. September ist das Erscheinen der „Kölnischen Zeitung" vom 7. bis einschließlich 10. September verboten worden. — Die „Sozialistische Republik" ist von der Besatzungsbehörde vom 7.—11. 9. unter der Anschuldigung der Beleidigung des ermordeten irischen Generals Collins verboten worden.
Düsseldorf, 2. Sept. Der französische Besehls- habD Simon hat die „Freiheit" für den Niederrheinkreis auf 8 Tage verboten, weil das Blatt den gemeinsamen Aufruf der kommunistischen Parteien Frankreichs und Deutschlands gegen den Vertrag von Versailles veröffentlicht hatte.
Saarbrücken, 3. Sept. Der Völkerbundsrat hat beschlossen: Das Mandat des Herrn Dr. Hektor aus Caargemünd als Mitglied der Regierungskom- missioit wird fiir die Dauer eines Jahres,-beginnend ab 20. September 1922, erneuert. >
Die zunehmende Entwertung der Mark veranlaßte dir badische Regierung, die Taxen für'bie Neubewtllt- (11110 und Ausdehnung der AuseuthaltSerlaubrns für Ausländer zu verdoppeln.
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Eine preußische Verordnung zur Bekämpfung des Wuchers.
Berlin, 2. Sept. Wir der amtliche preußische Preffedienst mitteilt, hat das Ministerium des Innern eine Verordnung erlassen, nach der vornehmlich die Preisgestaltung der notwen- digsten Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie Fleisch, Zucker, Fette, Milch, Brot, Kartoffeln, Eier, Obst, Gemüse, Kleidungsstücke jeder Art, Wäsche. Schuhwaren sowie Holz und Kohlen fortlaufend und eingehend zu ü b e r ro a ch e n ist. Zu diesem Zweck sollen bei den Erzeugern und Händlern sowie auf den Märkten und in den Betrieben und Geschäften die Preise der in Betracht kommenden Gegenstände nach den matzgebendm Grundsätzen der Preisberechnung, insbesondere nach den G e - 'tehungskosten, nachgeprüft werden. Wo die Vorschriften über Preisschilder und Preisverzeichnisse bereits aufgehoben worden sein sollten, sind diese wieder sofort in Kraft zu setzen. Ihre Durchführung ist — unter Berücksichtigung de: Dalutazuschläge für Ausländer streng zu überwachen. Bei der Entgegennahme von Strafanzeigen ans der Bevölkerung haben tie Polizeibehörden jedes Entgegenkommen zu jei- <‘en und angezeigte oder sonst festgestellte Wucher- säll» mit äußerster Beschleunigung der Strafvollstreckungsbehörde mitzuteilen, um diese nach Möglichkeit in den Stand zu setzen, die Schuldigen einer schnellen Bestrafung entgegenzuführen. Endlich ist dahin zu wirken, datz die Preisprü- ungsstellen ihre wichtige Aufgabe mit Tatkraft wieder aufneßmen nnh
Die »Voss. Stfl.' weist guf die Tatsache bin, datz sich der Zucker auf dem Wege vom Fabrikanten bis zum Käufer um das Sechs- bs Siebenfache verteuert und datz sich eine der arötzten Zucker-Fabriken -mit einer bekannten Schokoladen F'-ma in ein festes Lieferungs-Verhältnis eingelassen bat. In diesem Zusam- menbang weist das Blatt weiter darauf hin, datz Eier „in geradezu skanlösem Matze" zur Herstellung von Eierkognak verwendet werden.
Die Unruhen in Eberswalde.
Berlin, 2. Sept. Nach einer Meldung.des „Lo.-Anz." ist die heutige Nacht in Eberswalde ruhig verlaufen. Die Aussprache zwischen den Ee- raerkschaftsfübrern und den städtifchsn Behörden ergab die Zusicherung der Gewerkschaften, datz alles getan werden solle, um in den Betrieben für die Aufklärung der Arbeiterschaft zu sorgen. Diese fordert verschiedentlich die Zurückziehung der Berliner Schutzpolizei und ein Schießverbot für die Eberswalder Polizei.
SorWöoe bes Mtetagtt.
Merlin, 2. Sept. Die Geschäftsstelle des Deutschen Städtetages teilt mit:
Infolge der dringenden Sorgen tim di« Volksernäh- rnng während des kommenden Winters war der Er- nährungsausschuß des Deutschen Städtetages gestern nach ^alle einberusen worden. Auch die Vertreter verschiedener Reichs- und Staatsministerien waren zugegen, darunter Staatssekretär Heinrich vom Reichsernäbrungsministe- rium. Es zeigte sich, daß die Stadtverwaltungen durchweg vom besten Willen beseelt sind, um mit ihren Kräften wnb Mitteln gegenüber der Valntablockade zn helfen, wie einst gegenüber der Kriegsblockad«. Doch können sie in ihrer g-genwärtigen furchtbaren Finanz- not zu diesem Zweck nicht das Geringste unternehmen, ohne die Gewährung der nötigen Geldmittel von Reich und Staat. Alle jetzt öffentlich erörterten Hilfsmaßnahmen, bte natürlich bedeutend« Kosten — mindestens Vorschüsse — verursachen, sind und bleiben ohne sinan- nelle Re-chs- oder Staatshilse gänzlich undurchführbar. Die Fürsorge könnte sich auch immer nur aus tiejenigen Kreise erstrecken, die sich nicht durch die Anpassung ihres Einkommens an die veränderten Verhältnisse selbst helfen können, vor allem auf öie Armen die Sozial- und Kleinrentner und die Militärrentner 'Kriegsbeschädigte und KriegShinterbli-beneV Diesen aber wird vielfach wirkungsvoller geholfen werden können durch Naturalien, einschließlich Heizstofse, als durch Barunterstützungen. Die Veriorgung durch fertiges Essen in Form von Massenspeisungen lselbst wenn der Staat und das Reich die nötigen Zuschüsse zahlen) wurde nach den reichen Erfahrungen aus vielerlei Gründen übereinstimmend als durchaus unwirtschaftlich bezeichnet. Jedenfalls würde es sich nicht empfehlen, etwa neue Einrichtungen ;n schaffen. Nur die Erhaltung der Mi'telstandsknchen wurde als ein dringendes Bedürfnis für gewisse Bcvölkcrungskreise übereinstimmend befürwortet. In der Kartofsclversorgung haben die StL>te schon seit dem Vorjahre sich von eigenen Geschäften zurückgezogen und das Feld dem sachverständigen Handel und den Verbrauchergenossenschaften geräumt, die vielfach organisatorisch und durch Kreditgewährung unterstützt «verden. Nur in einigen wenigen Städten soll eine gewisse Notreserve von der Stadt» Verwaltung eingelagert werden. Die gleichmäßig« Verteilung der nächsten Zuckerernte unter die Bevölkerung wird zunächst in der Form erstrebt, die eine
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völlige Zwangsmäßigkeit vermeidet. Mit der vefchrän» fang der zuckerverarbeitenden Luxusindustrie ist na» selbstverständlich einverstanden. Die Seefisch Versorgung ist in der Hauptsache eine Kohlen frag«: entsprechende Anträge sollen gestellt werden. Ts wurde noch ei» ganze Reihe anderer städtischer Ernährungssorge» erörtert, der Grundton war aber der, daß neue Laste« und neue Ausgaben von den Städten nur getragen werde« können, wenn die notwendigen Geldmittel von Reich und Staat bewilligt werden, da die Städte völlig am Ende ihrer Kräfte anqelangt find, wenn nicht endlich einmal die Gemeindesinanzrejorm vcrwirkücht wird.
KonlNlüMW Soröereituüoen
Eine kommunistische Agitation wird, wie aus Olmütz berichtet wird, seit längerer Zeit in den Olmützer Kasernen betrieben. Die Militärbehörden sind darauf aufmerksam geworden, als Angriffe gegen Munitionsmagazine vorbereitet wurden. Den Behörden wurde auch vertraulich zur Kenntnis gebracht, daß die Kommunisten am Mittwoch vor der Eröffnung der Nationalversammlung eine große Aktion vorbereiten. Daraufhin wurden die wichtigsten militärischen Objekt unter strenge Bewachung gestellt.
Die Putschabsichten der tschechischen Kommunisten werden in Zusammenhang mit großen kommunistischen Aktionen gebracht, die in Deutschland für die nieste Zeit 'erwartet werden. Auf solche läßt die allerorts bemerkbare erhöhte Agitation der Kommunisten schließen. So nehmen die Teilausstände im mittelsächsischen Industriegebiet immer mehr politischen und terroristischen Charakter an. In Limbach sind am Freitag aus sämtlichen Betrieben die Arbeitswilligen teilweise mit Gewalt herausgeholt worden,
in zahllosen Straßenkundgebungen mit roten Fahnen und Sowjetsternen Lust zu machen.
Zusammenstöße in Charlottenburg.
Berlin, 3. Sept. Heute Nachmittag km» e» in Charlottenburg zwisckfen jugendlichen kommu» nistischen Demonstranten und Schutzpolizeiboamten zu Zusammenstößen, bei denen nach den bisherige« Feststellungen vier Personen verletzt wurden. Mehrere Züge von Mitgliedern des kommunistischen Iugendbundes kehrten von Pichclsberge nach Char- lottenburg zurück. Am Bahnhof Witzleben wurde »in Installateur, der ein Hakenkreuz getragen haben soll, von der Menge verfolgt. Sie stürmte seinen Laden und plünderte ihn aus. In der Sophie. Charlottenstraße wurde durch den langen Zug der Demonstranten der Verkehr der Straßenbahn lahm- gelegt. Als der Führer des ersten Wagens durch den Zug hindurchzufahren versuchte, wurde er von einem Ordner des Zuges daran gehindert. Als ein Schutzpolizeibeamter den Ordner mit Hilf« mehrerer Kameraden nach der Wache im Polizeipräsidium brachte, versuchten Demonstranten, den jungen Mann zu befreien, beschimpften die Beamten, lchlugen mit Fahnenstangen auf sie ein und warfen mit Flaschen. Die Menge, die inzwischen auf mehrere Tausend angewachsen war, bedrängte die Polizeibeamten immer mehr, so daß diese von ihrer Waffe Gebrauch machen mußten. Bus der Menge fielen mehrere Schüffe. Es erschienen Beamte mit Karabinern, worauf sich die Demonstranten «ach und nach zerstreuten.
Das WuuMrld.
Die im 76. Jahrgang erscheinende demokratisch« „Breslauer Morgenzeitung" st llt mit dem Ablau' des September ihr Erscheine» ein.
Ferner haben ihr Erscheinen eingestellt: „Offen» bcch-r Generalanzeiger", „Neue Fri d-.erger Zeitung, „Bernbnrger Zeitung" und „Anhalter Generalanzeiger'^.
Die welsische .Hannoversche Landes zei- t u n g" (66. Jahrgang) erscheint nur noch wöchentlich einmal.
Die Zeitungen in Glauchau, Lugau, OelSnitz, Lichtenstein, Waldenburg und Meerane haben sich zusammengeschlossen und geben unter dem Name« „Westsächsische Gemeinschaftszeitung" ein gemeinsames Organ heraus.
Ter Zeitschriftenverlag C. G. Vogel in Pößneck hat sich infolge der wirtschaftlichen Not der Presse zu Betriebseinschränkungen gezwungen gesehen; er hat infolgedessen 100 Angestellten gekündigt. j. , ,
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Der Papierpreis für September ist endgült^ eu| 85 Mark das Mo festgesetzt worden.
Die neue Nationalhymne. Der Reichspräsident bch in einer Verfügung bestimmt, datz e«t1prec6ei> dq Kundgebung vom 11. August 1922 6U Reichswehr das Deutschlandlied als Nationalhymne -M MWkH hat.