P-
•» $
K
■ c?
H
4Ä r W M h sck
M 8 fei p;'<
4
V*, Ä
U
W
s i
Ai
_xr6 ’
A!
Amtliches Verkündigungsdlatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (bas früher kurheffifche) Oberhessen
Marburg
Fmln, Sei 1. StMl« 6‘räÄSt S«w
1922
Schei-img.
Keine bcDinjun^Iofe Buiiiiiiiig
innerer Anleihen
-T6'<-
i
Wiederherstellung erachtet werden
unter Berücksichtigung der Äonlolibittang der finanziellen Lage,
2. Um für die Vorbereitung and Durchführung der in dem vorerwähnten § 1 angekündigten Mahnahmen die notwendig« Zeit zu schaffen, wird der Entschädigungsausschutz als Begleichung der Barzahlungen, di« am 15. August und 15. September 1922 fällig find, und, falls nicht in der Zwischenzeit andere Bereinbarungen getroffen find, als Begleichung der darauf folgenden Barzahlungen, die zwischen dem 15. Oktober und dem 15. Dezember 1922 fällig werden, deutsche Schatzbons mit sechsmonatiger Laufzeit, zahlbar in Gold, annehmen, Bons, die mit Garantien aasgestattet sind, über die di« deutsche Negierung und die belgische Regierung, für die die Barzahlungen bestimmt find, fich einigen werden und, fall» keine derartige Bereinbarung zustande kommt, garant- tiert werden durch Deponierung von Gold bei einer auswärtigen Bank, zu deren Wahl Belgien seine Zustimmung gibt.
Herabsetzung als für die seines Kredit» notwendig würde, c) Währungsreformen, d) Aufnahme äuherer und
Der tschechisch-südslawische Bündnisvertrag. Der ischechoslowakische Ministeroräsident begab fich am Mntwocü nach Marienbad. wo er mit Mtnisterprüst- dlnt Pasitsch die letzten Punkte des tschechoslowakisch- «üdilaivischen Bündnisvertrages vereinbarte. Der Lertrag wurde unterzeichnet. Benesch ist nach Prag zurückgekehrt. . -
z-kdnMW les HeitowirlWstales.
Der Verfall der deutschen Währung.
Berlin, 31. Aug. Der wirtschaftspolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtsch aftsrateS nahm eine Entschließung betreffend die Ursachen und Folgen des Verfalles der deutschen Währung und di« zu seiner Bekämpfung anzuwendenden Mittel einstimmig an. Es heißt darin:
Die Hauptursache des Zusammenbruches der Mark- tvährung ist die immer wieder erneute Berzögeruna c'cr Zahlungsfähigkeit Deutschlands und einer angemessenen Regelung der Reparationsfrage mit ihren wirt gastlichen und politischen Folgen. Es ist für Deutschland unmöglich, mit seiner durch den Versailler Friedens- " erfrag so stark geschwächten Wirtschaftskraft die Passivität deiner Zahlungsbilanz zu überwinden und gleichzeitig außerordentlich hohe Leistungen an das Ausland aus- "isübren. Die Mittel zur H-ilung der erkrankten deutschen Volkswirtschaft müssen den Krankheitsursachen entsprechen. Die Vorbedingung für das Gelingen aller Maßnahmen '-ur Festigung des MarkkurseS ist ein Aufschub der Barzahlungen und Anpassung von Menge und Art der Cachlieferungeu an die Bedürfnisse und die Leistungs- 'Shigkeit der deutschen Wirtschaft sowie der deutschen Zahlungsbilanz. Im einzelnen scheinen folgende Maßnahmen geeignet, von innen heraus die deutsch,. Währung zu kräftigen, wenn die äußere Hilfeleistung damit Hand in Hand gebt:
Ms zur Deckung des Bedarf? und die zweckmäßigste Verwendung der Ernte fördernde Maßnahmen werden empfohlen: Unterstützung der Bestrebungen durch Lieferungsverträge zwischen den Erzeugern und un- mittelbaren Verbrauchern sowie deren Organisationen die Kartoffelversorgung zu erleichtern und zu verbilligen »nd das Fernhalten aller überflüssigen Zwischenglieder wie Aufkäufer von Gemeind-n. Werken und Betriebsräten vom Kartoffelmarkt. Der Verbrauch ist so zu beeinflussen, daß weniger lebensnotwendige oder gar überflüssige Verwendungszwecke erst Berücksichtigung finden, wenn die elementaren Bc.dürü nisse befriedigt sind. Mit den schärfsten Mitteln ist al'ei /überflüssige Luxuskonsumzu unterdrü cken. Der Ausschank von Schnaps und Champagner in öffentlichen Lokalen sollte sofort verboten werden. Die beschämend hohe Zahl der Likörstuben, Bars, Dielen und Schlemmergaststuben ist durch zweckentsprechende Besteuerung und durch schärfere Handhabung der Kon- zessionscrteilung und -Entziehung, gecwbenenfalls auch durch Derbotsbestimmungen herabzudrucken. Wie- bti innere Verbrauch, so ist auch der Ein- und Ausfuhrhandel unter den Grundsatz zu stellen, daß aller entbehrliche Konsum zu verhindern ist. Von der Steuergesetzgebung ist eine größere Einfachheit und Uebersichtlichkeit zu verlangen. Sie ist außerdem von der toten Last der übertrieben hohen Verwaltungsausgaben zu befreien. Der Ausschuß we-st darauf hin, daß gleichzeitig größte Sparsamkeit im Reichshaushalt, Ueberführung unproduktiver Kräfte zu produktiver Arbeitsleistung und Beseitigung des Deft- rits in den Staatsbetrieben erreicht werden müssen Mle Handels-, finanz- und währungspolitischen Maßnahmen, zur Aufhaltung des Währungsverfalles müssen wirkungslos bleiben, wenn sie nicht von energische Anstrengungen begleitet werden, den Kern des liebels, soweit dieser innerwirtschaftlicher Natur ist, zu beseitigen, nämlich den allzu geringen Betrag der deutschen Produktion auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens. Kein Vorurteil, kein Profitinteveis-, kein politischer und kein wirtschaftlicher Glubenss.rtz darf uns höher stehen als die Notwendigkeit, durch erhöhte Arbeitsleistungen das Volk und die Heimat vor dem Versinken in Elend, Unkultur und Versklavung zu retten.
Hm lie Mderung 1er Mltnngea.
Wien, 31. Aug. In der gestrigen Sitzung der Interparlamentarischen Union verurteilte M o u t e t ^Frankreich) ftn weiteren Verlauf feiner Ausführungen zum Thema Einschränkung der Rüstungen die Steigerung der militärischen Ausgaben. So wurde beispielsweise in Frankreich der Haushalt für die Land- und Seestreft- kräste von 920 plus 4000 Millionen auf 5 Milliarden Franken erhöht. Gegen die allgemeine Wehrpflicht wandten sich hierauf Maddison (England) und ein Delegierter Ungarns. Letzterer erflärte, die allgemeine kZehrpflicht müsse überall abgeschafst, andernfalls überall zugelassen werden. Gothcin (Deutschland' 'ührte aus: Ebenso wie das ftanzösische wurde auch dis rutsche Volk durch den Ausbruch des Weltkrieges überrascht. Es gebe nur einen Weg, den Krieg abzuschaffen: bas sei ein« Verständigung über das Maß der Rüstungen, aber in Bezug auf die Rüstungen müsse Gleichmäßigkeit herrschen. Bernstein (Deutschland) krftisierte die gegenwärtigen Zustände in Ungarn. Apponhi Ungarn) trat Arnstein in längeren Ausführungen entgegen. Hierauf wurde die Entschließung Moutet und der Antrick Maddison angenommen. Ferner wurde beschlossen, die Punkte der Tagesordnung parlamentarisch« Kontrolle der auswärtigen Politik, koloniale Mandate und Völkerbund an die nächste Konferenz zu verweisen.
v * >
Ueber die Verhandlungen, die der Anhörung des deutschen Vertreters im Ausschuß voraufgingen, teilt „Oeuvre" mit:
Bradburh war durch die unnachgiebige Haltung Poinrar^s gezwungen, für die Gewährung eines Aufschubs ohne Pfänder einzutreten. Er verhielt sich den Unterhandlungen gegen über teilnahmslos. Delacroix versuchte den Plan Theunis' wieder auszn- nchmen. Darauf teilte der zweite amerikanische Vertreter, der den Beratungen als einfacher Beobachter beiwohnte, zur Unterstützung des Plans Theunis mit: Wenn Amerika nicht in der Lage sei, im Augenblick in die Verhandlungen einzugreifen, so berefte es sich fedenfalls vor, im November bestimmte Vor- schlage zu machen. Ein Entwurf, der die Rechte Belgiens wahren mürbe, die einzigen, die eigentlich auf dem Spiel stünden, würde das weitere der Zukunft überlassen und erscheine chm deshalb bemerkenswert. Dubois erklärt«, daß der Plan Theunis' nicht verdien«, in Erwägung gezogen zu werden. In diesem Augenblick war die Erregung des Ausschusses aufs höchste gestiegen, und die Einstimmigkeit schien her- gestellt zu sein — gegen Frankreich. Dann wurde der deutsche Staatssekretär Schröder eingeführt.
Amerikanische Einigungsversuche.
Paris, 81. Aug. Der „Jntransigeant" bestätigt. daß der amerikanische offiziöse Vertreter bei dem Entschädigungsausschuß persönlich bei einzelnen Delegierten Schritte unternommen hat, um eine Einigung herbeizuführen. Es sei aber nicht richtig, daß der amerikanische Vertreter auch nur im mindesten Maße finanzielle 3Ritu»rtuafl Ame
rikas in den europäischen Angelegenheiten^ Hub erhoffen lassen.
Die Antwortnote.
Berlin, 1. Sept. Der Entschädigungsaus- fchutz hat dem Kriegslastenausschutz gestern Abend über die von ihm getroffene Entcheidung folgende Rote übergeben:
Der Entschädigangsausschutz beehrt fich, anliegend der deutschen Regierung seine Entscheidung Nr. 2119 als Erwiderung des Schreibens zu übersenden, das der Reichskanzler an ihn am 12. Juli gerichtet hatte. Ta der Entschädigungsausschutz di« von der deutschen Regierung beantragte Stundung nicht bewilligen zu sollen glaubt, hat er nicht fik angezeigt «rächtet, in diesem Augenblick über die von der deutschen Negierung in Betracht gezogenen Vorschläge sich zu äuhern, die die genaue Aus, führung der vom Entschädigunzsansschutz vorge- ichriebenen Kohlen- und Holzliefcrungen sicher» sollen. Der Entschädigungsausschuh behält sich aber das Recht vor, die Inkraftsetzung ähnlicher Ab» machungen wie die von der deutschen Regierung vorgeschlagenen zu fordern, wenn in Zukunft di« Kohlen- und Holzlieserungen nicht in zufrieden» stellender Weise ausgeführt werden.
Hierauf folgt die gemeldet Entscheidung.
ZmnzöM Semleilimo Der EMHeiduno.
Paris, 3t. Aug. Die Agentur Havas veröffentlicht einen Kommentar zu dem heutigen $er fchlutz des Entschädigungsausschusses:
Die Entscheidung des Entschädigungsausschusser wird in französischen politischen Kreisen im all« gemeinen günstig beurteilt. Die Auffasiung geht dahin, daß sie, wenn Glicht in ihrer Gesamtheit, so doch in den wesentlichen Punkten der vom Ministerpräsidenten Poincarä ständig vertretenen These -mtspricht. Durch die Ablehnung des Antrages del britischen Delegierten und den darauf gefotzten Be- fchlutz. die Entscheidung über das von Deutschland . ausgesprochene Stundungsersuchen aufzuschieben, rat der Ausschutz in zwei aufeinanderfolgenden Abstimmungen entsprechend den ständigen Erklärungen des Ministerpräsidenten Poincar^ anerkannt, datz es unmöglich ist, dem Verlangen der deutschen Regierung zuzustimmen. Demnach ergibt sich folgende Lage' Deutschland wird verpflichtet sein, die vorgesehenen Zahlungen binnen einer sehr kurze» Frist zu leisten. Wenn es sich dieser Pflicht entziehen sollte, wird der Ausschutz genötigt sein, eine absichtliche Nichterfüllung festzustellen, die den Der, bündeten das Recht geben wird, isoliert oder in ihrer Gesamtheit zu Zwangsmatznah men zu schreiten. Somit erscheinen bei einer ersten Prüfung der Rechte Frankreichs und seine vollständige Aktionsfreihert in der Zukunft gewahrt. Indessen wurden einige Vorbehalte bezüglich verschiedener Punkte gemacht, die infolge ihres Mangels an Deutlichkeit eine genaue Prüfung erfordern. Der Wortlaut des Beschlusses ist am Abend dem Ministerpräsidenten Poincarä mitgeteilt worden. Dieser wird ibn morgen dem unter dem Vorsitz des Präsidenten Millerand ins Elyf^e einberufenen Ministerrat unterbreiten.
Der Vorsitzende des Entschädigungsau^chusies »mpfing nach Schluh der Sitzung die französischen Journalisten und erläuterte ihnen die Entscheidung Werde Deutschland die von Belgien geforderten Garantien verweigern, so würde der Entschädig gungsausschutz auf Grund des Friedensvertrages berechtigt sein, den Mächten eine absichtliche Verfehlung Deutschlands bekanntzugeben, und diese, mürben dann die notwendigen Zwangsmatz»? nahmen beschließen.
Serotnnoen in
Berlin, 31. Aug. Der Reichskanzler hat । beute Nachmittag im Beisein der sämtlichen in Berlin anwesenden Reichsminister die Führer der Reichstagsfraktionen der Deutschnationalen Volkspartei, Deutschen Volkspartei. Demokraten, des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei, Scqial- demokraten und unabhängigen Sozialdemokraten empfangen, um sie über die außenpolitische Lage, insbesondere die Verhandlungen zu unterrichten, die in Berlin zwischen der Reichsregierung und den Mitgliedern des Entschädigungsausschusies geführt wurden. Im Anschluß an den Vortrag des Reichskanzlers machten die Minister Schmidt und Braun» ergänzende Mitteilungen. Rach hyyt ,
Bis Gilt 1922 limntitttr WtzwrWl löt Stillen.
Paris, 31. Aug. Frankreich und Belgien haben im Entschädigangsausschutz gegen di« Ee- währang einer bedingungslosen Stundung gestimmt. England stimmte dafür; Italien enthielt sich der Abstimmung.
Nach dem Beschluß über das Stundungsgesuch Deutschlands nahm der Entschädigungsausschutz -unstimmig folgende Entschlietzung an:
Der Entschädigungsausschutz beschließt über das neue Stundungsgesuch vom 12. Juli 1922, berücksichtigt dabei, datz Deutschland jeden Kredit nach innen und autzen verloren hat, datz die Mark auf 3/1000 ihres Wertes gefallen ist und entscheidet:
1. Der Entschädigungsausschutz verschiebt den Beschluß über das Gesuch, wie es von Deutschland gestellt worden ist. bis er den Plan einer radikalen Reform der öffentlichen Finanzen Deutschlands .fertiggestellt hat, der folgendes vorsieht:
a) Gleichgewicht des Haushalts,
b) für den Fall, daß die im Entfchädigungsaus- fchßltz vertretenen Regierungen vorher ihre Zustimmung gegeben haben, die etwaige Herabsetzung der auswärtigen Schuldenlasten Deutschlands in dem Matze, wi« ein« solche
Der Anzeigenpreis betrögt fttt den Sgesp. Zeilenmtllimeter LOO Mk amtliche und ausw Anzeigen 2.65 Mk. Andere Spaltenbreiten enliprechend. Bei ichwiertaem Satz 5» o/„ «ufichlaq. Spät einlanrende oder den Raum übet Ji» Seite einnehmende An»
- o - ltenbreite berechnet. Reklamen di« Col.-Zeile 2.>.00
,ull ______;abatt. Bei Auskunft durch dir Geichäftsstell« und
BetmUHun» der Angebote 3.00 Mk. Sondergebühr. j
Die jObetbeffiitbe Zettun ■" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 75 Mk. ohne Zustevungsgebiihr. Für ausiavende Nummern infolge Streiks ooei elementarer Ereigniiie kein Eriatz. — Derlag von Dr. T. Hinerotd. — Druck der llniv^Luchdruckerei von Job. Aug. Ko», Markt 21.23. - p.ernjprecher 55, Poft» fchrckkonto: Ar. 5015 Amt Frankfurt a. Alain.
Der Wiederaufbau der deutschen Schiffahrt. Der Norddeutsche Lloyd hat seinen abgeltefcrtcn Dampfer »Prinzessin Irene" von England zurückgekaust. — Auf der Hamburger Werft von Bloüm u. Votz lief der Acne Personen- und Frachtdampfer .Usambara" der Kcutsch-Ostasrika-Ltnie (8000 Tonnen) vom Stapel.
3um 2. etpitmitr.
Don Dr. Otto Everling, Md. R.
Sollen wir uns heute wirklich daran erinnern, bah ß vor einem halben Jahrhundert einen Tag gab. da bit flocken von Turm zu Turm durch? Land frohlockt»» ibn Jubelsturm: Frankreichs Kaiser gefangen! Die Ein- ischeidungWlacht geschlagen! „Welch eine Wendung durch Voltes Fügung!"
Roch seh« ich bi« leuchtenben Augen des Batres, der kn Mer Freude dem rheinischen Knaben die auch dem Kinde faßbare Kunde vorlaS: noch ist man nicht 60 Jahre alt, und schon ist daS durch ©etv.n gewordene Deutsche Reich fast vier Jahre zusammengebrochen. Sedan scheint uns heute nichts »eiter zu sagen als bit Herz- quälende Tatsache, baß in unserem armen kurzen Leben bas deutsche Doll einen solch herrlichen Aufstieg und ‘einen solch tiefen Fall erlebte. Der Sedantag ist der Trauertag Deutschlands geworden, dem man seine Mehr geraubt, seine Ehr« befleckt, seine Grenzen ver- Iftiimmett, seine Selbständigkeit angetastet, und dem man setzt eben seine Lebensmöglichkeit, feint Wirtschaft, zerschlagen will. Jetzt kann auch der Stumpflinnigste, dessen Herz unter deutscher Schmach nicht blutet, an feinem Magen verspüren, was es für ein Volk heißt, wehrlos der Willkür preisgegtben sein.
j Hat uns Sedan wirklich weiter nichts zu sagen, als diese bittere Trauerbotschaft?
Daß an diesem Tage vor 52 Jahren unter musterhafter Führung eine heiße Schlacht mit opferfreudigem deutschen Mut geschlagen wurde, das war nie der volle und einzige 'Grund.finstrer Sedanfeier. Und jetzt kann «s das erst recht nicht mehr ftin. Mr haben seitdem Helden kämpfen fihen in gewaltigstem Düngen von di Nvrdseeküste bis zu den Alpen, vom Ptipuss« bis zu den Karpathen, und wenn einmal dar Froschgequakc aus dem Sumpfe der Gegenwart verstummt, dann wird man erschüttert davon fingen und sagen, welch unser» ‘gle.chliche Taten in sill sichern Opfergeist zam ^Schutze der Heimat die deulfchen Männer aus allen Ständen und Gauen wider eine Wett von Feinden getan haben. Die S ch l a ch t bei Sedan, die M o l t k t schlug, hat ihre n Wert durch die Frucht von Sedan, bk Bismarck Mückle. „Wir sinb kein Bismarck", hat. neulich einer brr größten Schädlinge unserer Tag«, der machtgierige ^Politiker Poincare, gesagt. Das stimmt allerdings! Bismarck hat die Kriege nicht aus Freude an der Macht, sondern als Mittel der deutschen Einigung geführt. Und gls die Waffen entschieden hatten, da kannte er mir eine große Sorge, wirklichen Frieden zu schaffen und zu erhalten. Wer das noch nicht wußte, der kann es jetzt mit verhaltenem Atem und mit grimmigem Zorn Über die Verleumdungen unserer Feinde aus der großen Aktenverösfentlichung ersehen, die im Auftrage des Auswärtigen Amtes die Deutsche Verlagsgescllschaft heraus- tzegeben hat. Die sechs Bismarckbände sind ein überwältigender Beweis für die Aufrichtigkeit des eigenhändig von Bismarck formulierten Satzes in der Proklamation des ersten Deutschen Kaiser-: „Uns aber und Unseren Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des Reichs zu sein, nicht an kriegerische» Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Sn'edens auf dem Gebiete nationaler Wohlsahtt, Freiheii jfcnb Gesittung". Dieses Gelöbnis hat Bismarck gehalten. Die sechs Bände Men sind ein unanfechtbarer Dewcis, daß „die auswärtige Politik des Deutschen Reiches" — wie der Altreichskanzler am 3. Avril 1888 -Kaiser Friedrich III. in einer Denkschrift nachweist — ^feit dem Frieden mit Frankreich vorwiegend auf dic Erhaltung des Friedens und auf die Verhütung anti- tenischer Koalitionen gerichtet gewesen ist". Wer die -sechs Bismarck-Aktenbände nicht lesen kann, der nehme bic „Süddeutschen Monatshefte" zur Hand, und lerne dort mit und von einem bet Herausgeber der sechs Bände gestehen: „Ueber dem Wald von Akten strahlt sein sonnen- haftes Auge, das unermüdlich über dem Geschick des deutschen Volkes und dem Frieden vvn Europa wachte". * Die Wurzeln des Weltkrieges liegen nicht in deutschem Machtgelüste, sondern in den „antideutschen Koalitionen". Das wollen wir am Sedantage uns einprägen und uns und der Welt künden, es ist nicht Deutschlands Schuld and Ziel gewesen, daß nach dieser Entscheidungsschlacht so viele grausige Schlachten folgten. Es gibt kaum «ine größere Weltlüge, als bk schmachvolle Erpres- fu u g des Schuldbekenntnisses in dem fluchwürdigen Dikrat von Versailles. Wird das erst sonnenklare Erkenntnis in unserem, durch des Weltkriegs AuSgang enttäuschten, vergifteten, entmündigten Volke, dann wird Auch wieder überall Verständnis dafür erwachen, was Sedan uns war und noch heute fein kann: ein Lichtblick auS der Vergangenheit, ein Hoffnungsstrahl in dunkelster Not für die Zukunft! Völker begeistern und erheben sich an Taten und Männern, nicht an Para- xraphen und Verfassungsartikeln. Darum itrirb ein rechtes Gedenken an den wahren Wert von Sedan, an seine Ursachen und feine Folgen, weit mehr als volkspsychologisch unrichtig eingestellte, künstlich erweckte Perfossungsfeiern dazu beitragen, daß einst wieder einmal, nicht in schmerzlicher und schwächlicher Sehnsucht, si-ndern in kraftvoller, herzerhcbender Wirklichkeit in brutschen Landen das Lick erklingt: Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!