r>
*
L -r
4
Ms fc Ä
A
h
1?1
=6 ' >
W
-■-y O | K M M
P 3
Anzeiger für ldas früher kurheffifchej Oberhesfen
Der Anzeigenpieis beträgt für be« Sgesp. Zeilenmillimeter 2.00 Mk., amtlich« und
Marburg
ausw.
Sr. M
1922
Krnting.
s
nietgenpteis Betragt tut De« »ge|p. detienmtuimetet 2.00 ixt., amtliche und ,
_ Anzeigen 2.65 Mk. Andere Spaltenbreiten entsprechend. Bet schwierige« Satz SJ 7a||M
_ , . n. än0/„ Auiichlaq. Spät einlaufende oder den Raum über */, Seite einnehmende An- "I«
Joaierrt. toi 31. AM g-gM LVL................ " "'......
: k „OberhesMlde Zeitun erscheint sechsmal wöchentlich. - Bezugspreis monatlich 75 'Off. ohne Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge Streits ooet elementarer Ereignisse kein Eriatz. — Verlag von Dr. L. HiNerotd. — Druck der Unio^Buchdruckerei von 3oh. Lug. Koch, Markt 21 23. — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
mltenbreite berechnet. Reklamen di« Tol.-Zetl« 25.00 . .. ... Zarrabatt. Bet Auskunft durch die Seschäftsstelle und
Vermittlung der Angebote 3.00 Mk. Sondergebühr.
$or der EMeidm.
Paris, 30. Aug. Havas meldet, der Entschü- digungsausschutz werde sich wahrscheinlich am Donnerstag'entscheiden. Wird Deutschland, so heißt es in der Meldung weiter, schließlich die Pfänder annehmen, die die französische Regierung verlangt? Gewisse Persönlichkeiten glauben weiter daran. Zn diesem Falke würdkn'keinerlei Schwierigkeiten mehr bestehen. Sollte es aber nicht der Fall sein, so wäre die einzige Lösung, die im Einklang mit dem Versailler Vertrag stehe, die A b l e h n u n g der Stundung und die Feststellung einer Verfehlung Deutschlands. Die Bewilligung der Stundung ohne die von der französischen Regierung verlangten Pfänder könne kaum ins Auge gefaßt werden. Sie hätte ibrigens zur Folge, der französischen Regierung ihre Handlungsfreiheit wiederzugeben, denn es kennte nicht die Rede davon fein, daß Frankreich etm feiner in London eingenommenen Haltung zu- rückweiche.
London, 30. Aug. Der Pariser Bericht- ' «statter des „Daily Telegraph" meldet: In Kreisen, die am fähigsten sind, einer Meinung Ausdruck zu geben, herrscht die Ansicht, daß eine Mehrheit für den britischen Vorschlag, auf die Zahlungen bis zum Ende dieses Jahres ohne die Auferlegung »euer Bedingungen zu verzichten, nicht gefunden »erden wird. Dies würde eine Niederlage der tritsichen These bedeuten. Daraus würde jedoch kkber keineswegs folgen, daß das Ersuchen um eine Stundung damit abgclehnt ist.
Die Nhnw Amerikas.
New York, 30. Aug. „Newyork § er alb" erfährt *t$ Washington^ Hattnng sehe ein, daß die Bereinigten Staaten schließlich an dem Plan zur Lösung der europäischen Wirtschaftsentwickelung trilnehmen toärben, doch soll seine Ansicht sein, daß die Zeit für etu doller und formelles Vorgehen noch nicht ge- tnnmen sei. Harding wünsche aber, baß bekannt tocrbe, daß Amerika die Entwickelung aufmerksam »erfolg«. Tie Zeit für die Teilnahme Amerikas werd« kommen, wenn die aus den englisch-französischen Dif- ! serc izen entstandene politische Gärung sich gelegt habe. | Die England glaube die amerikanische Regierung, • M eine gründliche Herabsetzung der deut- Aschen Zahlungen die Vorbedingung für eine vernünf- - tige Lösung ist Die amerikanische Regierung beabsich- I tige nicht, Hoover nach Europa zu schicken.
—♦—
kle tötMen Amße weiter erfelnrei®.
Die rückwärtige« Verbindungen der Grieche« bedroht.
Paris, 30. Aug. Nach Berichten aus Adana tvird aus Angora gemeldet, daß der Vormarsch bet .Sorten im Abschnitt von Menderes andauert. Im Abschnitt von Afimn-Karahissar haben die Türken ,Binau-Pascha besetzt. Bei der Einnahme von Asiun- Karahissar wurde eine griechische Division »al>ezu vernichtet. Im Abschnitt von Eski- Schrhir machten die Griechen einen erfolglosen Gegenangriff und gingen dann auf die Stadt Eski Schehir zurück, verfolgt von den türkischen Truppen. .Im Abschnitt von Jsmid besetzten türkische siiegende Kolonnen die Stadt Biledschik und marschieren jetzt auf Znrgnöl. Die Städte Uarhirsar und Wisir-Köprü wurden von den Türken besetzt.
Eine Konstantinopeler Meldung sagt: Die Rück- wörtsbewegung der griechischen Armee infolge der Ein- »ahme von Afiun-Karahissar hat eine Tiefe von an- »ührrnd 60 Kilometer erreicht.
Aus Athen wird gemeldet: Der König ist am Tknstag in Athen einegtroffen und hat mit Guniris und dem Kriegsminister über die Lage beraten. Der Ministerrat hielt darauf eine lange Sitzung ab und be- jchl.'ß, Stratos und Theotokis unverzüglich nach Cn yrna zu entsenden, wo sie mit dem General Ha- hinnesti eine Besprechung haben werden.
London, 30. Bug. Die unerwartete türkische Offensive gegen die Griechen erregt in der englischen Presse großes Aussehen. „Daily Mail" weist darauf ? £n, daß der Verlust von Afiun-Karahissar für die Kriechen die Abschneidung der Bahn zwischen Liujsa, wo sich die Basis der Nordarmee befindet »nd Smyrna, die Basis der Südarmee bedeute. Die Türken sollen zehn Divisionen mit je 5000 Mann Jur Verfügung haben und reichlich mit Artillerie bnd Munition versehen sein.
Einem Telegramm der „Daily Mail" aus Smyrna Gefolge benutzten die Türken neues französisches Artill.eriematerial, sowie Schuellseuergeschütze. Tie türkischen Flugzeuge machten verschiedene Bor- pöße, wurden jedoch von den griechischen Flug- heugeu vertrieben. Dem genannten Blatte znjplg-
K
'glaubt man in Konstantinopel, daß das Ziel der türkischen Offensive die Vertreibung der Griechen aus Smyrna ist. Die „Morning Post" meldet aus Konstantinopel, daß die Kemn- listen eS verhinderten, daß Nachrich:en aus Smyrna dnrckkamen. Sie hatten sogar den Fischerfahrzengen untersagt, den Hafen zu verlassen. In nationalistischen Kreisen wird erklärt, daß die Offensive eine Antwort auf die geplante Konferenz von Venedig sei und daß die Regierung von Angora jetzt den Ge- danken auf weitere diplomatische Verhandlungen verworfen habe. Die Stellungnahme Lloyd Georges für Griechenland in seiner Unterhausrede und die Verweigerung einer Audienz für Fethy Bey, dem Vertreter der Regierung von Angora, habe den letzten Anstoß gegeben.
Konstantinopel, 30. Aug. Aus Angora wird gemeldet: Die letzten Nachrichten bestätigen den Beginn einer türkischen Bewegung im Abschnitt von Nikomedia in einer Frontbreite von 20 Kilometern. Die Griechen weichen vor dem Angriff der Türken zurück und lasten Gefangen«, Waffen und Munition im Stich. Ihre Verluste find bedeutend. Diese Eefechtshandlungen werden jedoch in Angora nicht als allgemeine Offensive betrachtet, sondern als Erkundungsangriffe. Die türkischen fliegenden Abteilungen gehen weiter in Richtung auf Brust« vor. Wenn dieser Vormarsch weiter geht, laufen die griechischen Truppen Gefahr, von rückwärts abgeschnitten zu werden.
Die Steigerung Der WnbnWarise.
Erhöhung der Personentarife am 1. Oktober und 1. Dezember. *
Berlin, 30. Aug. Die zweite Vollsitzung des Reickseifenbahnrates wurde heute Vormittag im großen SitzunHssaal des Potsdamer Bahnhofs durch Staats- sekretär Stieler eröffnet. Dieser führte aus, daß man leicht geneigt sei, über alle Tarifmaßnahmen zu klagen, well man eben die absolute Höhe der Sätze zu beklagen habe. Mit der Uebergabe der Bahnen auf das Reich steht diese durch die Geldentwertung bedingte Steigerung der Frachtsätze nicht im Zu- sammenhang, und die Aufrechterhaltung der Tarif- Hoheit der Länder, die jetzt beim Reiche ruhe, hätte dir Wirtschaft vor solchen Tarifsteigerungen nibt ge- schützt. Sie hätte aber Süddeutschland die Staffeltarife nickt gtbrachi, womit die Reichsbahn den Interessen dieser Rcichsteile habe entgegenkommen können. Stieler bat die Mitglieder des Reichseisenbahnrates gegenüber der Wahrung der Landesinteressen die Interessen des Reiches und der Reichsbahn nicht zurück- treteu zu lassen und in ihren Kreisen aufklärend zu wirken.
lieber den Antrag auf Hörung der Landeseisenbahn, räte vor Beratung im Reichseisenbahnrat, der angenommen wurde behielt der Reichsverkehrsminister sich die Entscheidung vor. Generaldirektor Silverderg betonte, die Gefahren dieser an und für sich selbstverständlichen Entschließung, da die wirtschaftlich schnellebige Zeit auch schnelle Entschließungen in der Tarispolitik der Reichsbahn verlange. Die Beratung in den Landeseisenbahnräten dürfe ;u feinen Verzögerungen in der Einführung von Tarifmaß. nahmen der Reichsbahn führen.
Ter Reichseifenbahnrat nahm die Vorlage bet Reichsbahn hinsichtlich ordentlicher Tarifklasten an. Tie Vertreter der Industrie betonten, daß die Selbstkosten der Reichsbahn die untere Grenze für jeden Taris bilden müßten. Lediglich dem Vorschlag der Reichs- -bahn zum Ausnahmetarif für Kohlen, der eine geringe Entlastung der nahen und ein« mäßige Belastung der weiteren Entfernung bringen sollte, stimmte der Reichseisenbahnrat nicht zu. Zum Schluß gab der Reichsderkehrsminister die Erhöhung der Personentarife der Reichsbahn zum 1. Oktober und zum 1. Dezember bekannt. Letztere bringt eine Tariferhöhung von 60 Prozent zu dem Oktobertarif. Obwohl die einheülichen Sätze der 4., 3., 2. und 1. Klasse sich dann mts 72, 108, 180 und 340 Pfg. für 1 Kilometer belaufen werden, mußte zugegeben werd», daß diese Sätze nicht entfernt mit der Geldentwertung Schritt gehalten haben. Mtt der Annahme eines An» trags, ber Reichsverkehrsminister möge wohlwollend die Möglichkeit weiterer Erleichterungen im Vorort-, Berufs- und Bildungsverkehr prüfen, schloß die Sitzung.
Ein Spitzel d:r Franzose«. Die Münchener Polizei verhaftete einen gewissep Pasquier alS Spitzel, der flch am Montag zu' einer Versammlung der Pfälzer Landsleute Zutritt verschaffen wollte. Pasquier ist Mitglied der Rheinlandkommisston. Die Polizei stellte fest, dast Pasquier sich in München weder angemeldet, noch - die Genehmigung um Aufent- valtsbewillifung eingedolt hatte. Es wurde dem Amtsgericht zur Entscheidung über die Hastfrage iibertokicn. Bet der Vernehmung ergab «S sich, datz PoSquier aus Noppenheim im Unterelsatz und vor dem ßikce Oesterle hieß. ... ..
SM» vor ton WWgMWMch.
MfM neun VMMunm mit bei Jibrtritflti.
Paris, 30. Aug. In der heutigen Sitzung des Entschädigungsausschusses gab der deutsche Bevollmächtigte Staatssekretär Dr. Schröder fol- gende Erklärung ab:
Die Reparatümskommission bat der deutschen Regierung anheimgestellt, sich vor ihrer Entscheidung noch mündlich zu äußern. ®:e deutsche Regierung hat von dieser Gelegenhett gern Gebrauch gemocht und mich zu diesem Zwecke hierher entsandt. Ich werde mich kurz fassen. Durch die Ermittelungen,die das Garanti.'- komitee in Berlin anstellte und durch die Informationen, die überdies von Mitgliedern der Revarationskommis- ston in Berlin eingezogen wurden, ist d« Reparatwns- kommisiion eingehend über die Sage Deutschlands unter--? richtet worden. Ich möchte zurückgreifen auf die 8er«* bandlungenn, die Minister Hermes im Mai hier geführt hat. Damals wurde in einer schwierigen Sage die Sö-ui-.g gefunden 1) für die Gesundung des deutschen Reichs- bausbaltes, 2) für die Uebcrwochung der deutschen Finanzen durch die Reparationskommission. Die Forderungen die die RevarationskoMmrssion für die Gesundung beS beutftben Reichshausbaltes ausgestellt batte, bestanden vor allem darin, daß die schwebende Schuld auf den Stand vom 31. März d. I. beschränkt bleiben sollte zuzüglich der Erträge, die für D visenzahlungen ausgrund des Vertrages von Versailles oufgewandt werden Dn Zuwachs sollte zunächst durch eine innere Anleihe beglichen werden. Die deutsche Regierung hat diese Lösung- unter der Voranssehung angenommen, daß ihr in angemessener Frist eine ausreichende äußere Anleihe bewilligt würde. Diese Anleihe ist leider bisher noch n i'kffV^K- staube gekommen. Trotzdem bat die deutsche Regierung unabhängig hiervon aus die Einschränkung der schwebenden Schuld hingearbeitet. Trotz des steigenden Dollar- knrses hatte sie folgende Erfolge: Für Devisenzahlungen waren bis zum 30. Juni 21,5 Milliarden Papiermark aufzuwenden. Die sckwlchende Schuld hatte bis zum 30. Juni gegenüber dem 31. März nur um 23 Milliarden zugenommen, sodaß der Nettozuwachs durch langfristige Schatzanweisungen gedeckt werden konnte. Minister Hermes batte die Einnahmen aus Zöllen und Steuern für 1928 auf rund 148 Milliarden Papiermark geschätzt, aber in den ersten vier Monaten sind bereits mehr als 70 Milliarden Papiermark eingegangen, sodaß mit einem Jahresertrag von mehr als 210 Milliarden Paviermark gerechnet werden konnte. Dazu tritt das Ergebnis dw Zwangsanleihe mit zunächst 40 Milliarden Papicrmark im Jahre 1922. Die Ueberwachungsmaßnahmen sind in gemeinschaftlicher Verständigung zwischen dem G.r- rantiefomitee und der deutschen Regierung in Berlin ausgearbeitet worden. Der erwartete dauernde Erfolg der Maßnahmen ist durch zwei Mfttel vereitelt worden, die außerhalb des Machtbereiches der deutschen Regierung liegen, nämlich einmal durch das Mißlingen der Beratungen des Anleihekomitees und dann durch die Ermordung Rathenaus. In weniger als zwei Monaten ist der Dollar von etwa 300 auf über 2000 Mark gestiegen, das englische Pfund von etwa 1300 auf etwa 10000 Mark. Eine solche Entwicklung macht jede Hoffnung auf Eindämmung der schwebenden Schuld für absehbare Zell zunichte. Nun wird von maßgebenden volitischen Kreisen des Ausländes der Vorwurf erhoben, baß der Zusammenbruch der Mark von Deutschland selbst absichtlich herbeigeführt worden fei, um sich der Reparation zu entziehen. Dieser Borwurf richtet sich vor allem gegen gewisse Interessengruppen Solche Politik wäre Selbstmord, denn die Ver- mchtung der Mark führt unmittelbar auch zum Absterben der Industrie. Eil mag zutreffend fein, daß viele Einzelpersonen in Deutschland sich hn Besitz von Devisenbeständen befinden, aber die darüber auftretenden Schätzungen sind übertrieben. Die Masse des deutschen Volkes ist bctn Schicksal der Papiermark abhängig. Schon heute kann man sagen, daß das gesamte mobile Kapital Deutschlands vernichtet ist Bedenft man, daß heute das Verhältnis der G»ld- ,nark zur Papiermark mindestens wi: 300 zu 1 ist, so wird ohne weiteres erkennbar, daß auch die Besitze« deutscher Aktien in ihrem Geldkapital ungeheuere Einbußen erlitten haben. In Wahrheit ist die Vernichtung des Markkurses auf die außenpolitische Sage und die immer längere Verzögerung einer praftischen Solang der Reparationsfrage zurückzusühren. Eine Heilung kann nicht durch Zwang, Drohung oder Diktat herbeigeführt werden, sondern durch eine Wiederherstellung des Vertrauens auf der Grundlage der Verständigung und der Zusammenarbeit.
Zn der Nachmittagssitzung führte Staatssekretär Dr. Schröder aus:
Als bei den informatorischen Besprechungen mit Sir John Vradbury und Herrn Mauclöre deutscherseits der Vorschlag gemacht wurde, die Holz, und Kohlenlieferungen durch privatrechtliche Vetträge unmittelbar mit den Lieferanten zu sichern, hatte vorher mit einem gerade in Berlin anwesenden Vertreter der Kohlenindustrie gesprochen werden können, der grundsätzlich einverstanden war. Die Anregung der deutschen Regierung geht dahin: Es
sollen feste Lieferungsverträge zunächst bis Ende 1923 über die für diese Zeit festgesetzten Beträge in der gleichen Weise abgeschlossen werden, in der sonst im geschäftlichen Verkehr solche Lieferung-- verträge abgeschlofien zu werden pflegen. Es würden hierbei insbesondere auch die im geschäftlich.« Verkehr sonst üblichen Sicherungen vorgesehen werden können. Ein solches Verfahren würde eine?- kehr erheblichen Unterschied gegenüber dem bis-, herigen darstellen. Bisher mutzte die deutsche Regierung die von Zeit zu Zeit durch den Entschädi gungsausschuh festgesetzten Lieferungen auf bi; Produzenten verteilen und von ihnen die Lieferung fordern. Eine solche Forderung konnte mit den privaten sonst übernommenen Verpflichtungen für Lieferungen kollidieren, und e» konnten sich infolge« ' dessen bei der Disposition über die produzierte« Mengen für die Produzenten erhebliche Schwierig» feiten für die Möglichkeit der Entschädigungs- lieferungen ergeben. Wird dagegen ein unmirkb barer Lieferungsvertrag von den Produzenten si>- sort für die sämtlichen Lieferungen bis Ende 1923 übernommen, dann haben die Lieferanten bei der Uebernahme sonstiger Lieferungsverpflichtungen liefe von ihnen freiwillig übernommenen privtt, rechtlichen Entschädigungsverpflichtungen von vorn, herein zu berücksichtigen und können ihre gesamten Dispositionen hiernach treffen. Dann ist eine unmittelbare und bedingungslose Gewähr der Durchführung gegeben ebenso wie für jeden anderen «- privatrcchtlichen Licferungsventrag.
'Die deutsche Regkerünghat dann sofort di; matzgebenden Vertreter der Kohlenindustrie fach Berlin zusammenberufen und hat gestern mit ihnen ein grundsätzliches Einverständnis darüber erzielt, die Verhandlungen dahin fortznführen, datz di« Lieferungen durch privatwirtschaftliche Organi» •-
sationen übernommen werden. Hierbei wurden die Formulierungen über die Einzelheiten noch nftvt aufgestellt. Man ist vielmehr davon ausgegang-». datz es sich sehr empfiehlt, diese Formulierung.« alsbald in Verhandlungen mit den abnehmenden / Stellen der verbündeten Mächte zu suchen.
Die deutsche Regierung schlägt deshalb vor, datz sofort zu diesem Zweck unmittelbare V e r h a « >« langen zwischen den abnehmenden Stellen bet verbündeten Mächte und den Lieferungssyndikate«, vertreten durch die Herren Hugo Stinnes, Peter Klöckner, Lübsen und Silverberg, unter Beteikl» gung der Reichsregierung ausgenommen werden und schlägt als Verhandlungsort Wiesbaden vor. Die Verhandlungen über die Lieferung von Holz könnten sich dann unmittelbar an die Verhandlungen über die Kohlen auschlietzen, nachdem -sie in entsprechender Weise durch Erörterungen zwischen der Reichsregierung und den Produzenten vorbereitet sind. Die Weiterführung der Verhandlungen mit den Industriellen hat natürlich nur dann einen Zweck, wenn uns der Entschädigungsausschutz wenigstens einen Fingerzeig dafür geben kann, ob überhaupt Aussicht besteht, datz man auf der Grundlage dieses Gedankens zur Gewährung des beantragten Zahlungsaufschubs bis Ende 1922 kommen kann. Man kann nicht verlangen. datz etwa jetzt schon fertige Lieferungsverträge vorgelegt werden, ohne datz man weitz, wohin derartige Verhandlungen führen. Wenn der Entschädigungsausschutz der Ansicht sein sollte, datz der ganze Gedanke der Lieferungen nicht aus- reicht, um den Zahlungsaufschub zu gewähren, so würde die deutsche Regierung nicht die genannten Industriellen zu Reisen und zu Einzelverbandlun- gen veranlassen. Es muh wenigstens eine Sicherung dafür gegeben werden, datz der Entfchädigungsaus- ichutz den Zahlungsausichub für den Fall b e w i l » ligt, daß über die Einzelheiten noch eine Verständigung erzielt werden wird. Ich bitte daher den Entschädigungsausschutz, mir zunächst eine Antwort auf die Frage zu geben, ob der Gedanke der Lieferungsverträge geeignet erfcheint, als Bedingung für den Zahlungsaufschub zu dienen. Wird diese'Frage verneint, dann hat die Verfolgung dieses Gedankens keinen Zweck. Wird die Frage grundsätzlich bejaht, so können die Einzel» Verhandlungen mit den genannten Industriellen sofort ausgenommen werden. i
Staatssekretär Dr. Schröder beantwortete bann noch einige Fragen. Um 6 Uhr verliest der deutsche Bevollmächtigte die Sitzung. !
Der Entschädigungsausschutz wird morgen eine offizielle Sitzung abhalten, in der ein einstimmiger Beschlutz gefotzt werden soll. Die deutschen Delegierten werden morgen nicht chehr «ngehütt werdeH. 1