Sie dürfen es
nicht als Ihr Geheimnis betrachten, dah Ei« Ihre Kleider, Blusen, Gardinen, Strümpfe usw. mit deu
h weltberühmten^HaitMame'sFarb««^, Marke »Fuchs- köpf im Ster»“, selbst färben, weil diese die besten find, sondern Sie muffen es auch all' Ihre» Freundinnen und Bekannten erzählen.
Zweites Blatte
Nr. 200
Sonnabend, 26. August erntieg 1922
LlAil-RiiÄIiS.
Die Berliner Verbandlungen. — Unangenehme Wahrheiten für Poinear». — Eine Gcgenrechnut.g. — Der Gründ für Amerikas Ablehnnng. — Das warnende Beispiel Oesterreichs.
' I.
Während die Reichsregieriing unter völlioem Ausschluß der Oeffentlichkeit mit den beiden nach Berlin gesandten Vertretern des Entschädigungsausschusses. dem Engländer Bradburtz und dem Franzosen Maue- lere, über die von Deutschland ncichgesiicktc Stundung verbandelt, geht in der ganzen Welt ein große- Rätstl- raien vor sich darüber, was nun eigentlich werden soll vnd ob Poineare mit seinen Forderungen nach „proönk tiren Pfändern" durchdringen rorb. Erfreulicherm-iie har es den Anschein, als ob R ichsfinanzminister Tr Eiern,e§ und Reichskanzler Dr, Wirth den beiden Herren keinen Zweifel baKüer gelassen haben, das, von einer Beschlagnahme der B rgwerce im Ruhrgebiet und der Dtaatswälüer im Westen ebenso wenig die Red? sein könne, wie von einer Auslieferung des Goldbestandes der ßteichsbank Allerdings verlautet auch, daß die Reichsregierung von sich aus Gegenvorschläge gemacht hat, vnd das stimmt immerhin bedenklich. Man darf nicht vergessen, daß Dr, Hermes seinerzeit in Paris bereits Zugeständnisse über die Kontrolle der gesamten Finanz- tzebarung des Reiches gemacht hatte, die in weitesten Kreisen Entrüstung hervorgerufen hatten. Wenn sich die Zugeständnisse, von denen setzt die Rede ist, in dieser Michtung bewegen und noch weiter gehen sollten, so würden Reichskanzler Dr. Wirth und Reichssinanzmiiu- ster Dr Hermes im Reichstag einen, sehr schweren Sturm in bestehen haben, auch in den Reihen der eigenen Partei. Aus diesem Grunde muß verlangt werden, daß die Reichsregierung ohne Anhörung und Genehmigung des Reichstags keine bindenden Zusagen macht. Eine jede der in Frage stehenden Maßnahmen wäre nur eine teilweise Befriedigung der völlig überhaupt nicht zu befriedigenden Rach- und Haßsucht Frankreichs, könnte ober an der Zahlungsunfähigkeit Deutschlands nicht das Geringste ändern. Uebrigens ist dieser Eledanke der Pfänder nichts Neues, sondern ein Räckgreifen auf alte französische Praktiken in moderner Form. Es sei hier nur an die berüchtigten Reunionskammern Ludwigs XIV erinnert, deren Tätigkeit gleichfalls nur em Vorwand zur Losreißung des linken Rheinufers vom Deutschem Reich war. Eine andere Form war öer Rheinbund Napoleons. Heute wird solchen Bestrebungen nach Macht- erweiterung ein wirtschaftliches Mäntelchen wngehängt. und mau mimt Pfand, was man dauernd besitzen möchte. Dieses wirtschaftliche Mäntelchen besteht. Larin, daß Poineare in seiner jüngsten Rede zu Bar-le- Dur Deutschland vorgehalten hat, es habe bisher überhaupt nur vier Goldmilliardcn. davon nur eine in bar, als Kriegsentschädigung bezahlt. Demgegenüber macht zu- nächst die „Deutsche Allgemeine Zeitung" eine Gegen- rechnung auf, in der sie nachweist, daß Deutschland bereits einschließlich aller Entschädigungskosten für vertriebene Auslanddeutsche und des Unterhalts der Besatz- »ngsheere insgesamt über 38 Milliarden Goldmark bt rahlt hat. Die indirekten Leistungen Deutschlands, die im Verlust großer Teile deutschen Bodens, deutscher M- fatzgcbiete, durch den Ausverkauf deutscher Wertpapiere vnd deutschen Grundbesitzes, durch Verminderung der deutschen Erzeugungs- und Verbrauckskrast entstanden find, erreichen eine noch weit größere Höhe, können aber in Ziffern gar nicht genau berechnet werden. Jedenfalls kst die in London festgesetzte Höchstsumme von 132 Milliarden Goldmark längst getilgt, obwohl sich die Finanzsachverständigen der ganzen Welt einschließlich Frankreichs schon damals darüber klar waren, daß man dvn dem geschwächten und verkleinerten Deutschland eine solche Leistung nicht erwarten dürfe. Es märe dringend iu wünschen, daß die Reichsregierung auch amtlich mit entsprechenden Ziffern und Tatsachen die Verleumdungen vnd Verdächtigungen Poincares widerlegt.
F . n.
Wenn Poineare in seiner Rede sich in der Hauptsache einer maßvollen Sprache bedient hat, so hatte er un
mittelbar zuvor in Thiaueourt eine beinahe unflätig zu nennende Schimpf- und Hetzrede gegen Deutschland los gelassen. Ihm ist alsbald sein Spießgeselle Barthou in gleicher Tonart gefolgt und beide haben wiederum in stärksten Worten von der alleinigen Kriegsschuld und den Aransamkeilen der Deutschen gesprochen. In der großen Rede Poineares aber stand neben der Forderung au' Besitzergreifung deutscher Pfänder auch eine Auseinandersetzung mit England, die von großer voliiischer Bedeutung ist. Natürlich beteuerte Poineare unablässig bi Friedfertigkeit Frankreichs und feinen Wunsch, das Bund ms aus der Kriegszeit.aufrecht zu erhalten Gleichzeitig aber drohte er England unverblümt mit selbständigem Vorgehen, wenn es sich nicht den französischen Wünschen aus weitere .Zerstückelung Deutschlands fmen sollte. Dieser Teil der Rede hat in England ein begreifliches Ecke geweckt und der „Daily Chroniele", das Organ Lloeid Georges, antwortet trocken, daß mit solchen Mitteln das Einvernehmen zwischen beiden Ländern nicht gerade gefördert werde. Mit ganz geringen Ausnahmen wendet sich die gesamte englische Presse mit großer Schärfe gegen Poineare. Auch hieraus ergibt sich von neuem, daß sich eine Neuorientierung in der Welt vollzieht. Für Englands Haltung bleibt dabei nach wie vor Amerika maßgebend. Der Balfoursche Vorschlag, der aus eine gegenseitige Streichung der Kriegsschulden unter den S3er6ünbeten hinausläuft. bat zunächst in Amerika zu einer schroffen Ablehnung geführt. Das Gleiche gilt für einen unabhängig davon i.Tiernontmenen Versuch Frankreichs, in Amerika Erlaß seiner Krieasschuld durch Par- mentier zu erreichen. Dieser ist nach sehr kurzem Aufenthalt in Washington unverrichteter Sache wieder nach Hause gefahren, angeblich um sich neue Instruktionen zu fielen; voraussichtlich wird er nickt nach Washington zurückkehren. Der Grund für das kühl abweisende Verhalten Amerikas ist sehr einfach. In osnziö'en Ans lassungen des Staatssekretärs Hoover, wie in Aeußerun- gen der Senatoren Vorah und Mc Cumlier ist den Franzosen abermals kurz und bündig vorgehalten worden, daß Amerika nicht daran denke, auch nur einen Dollar Kriegsschulden zu erlassen, solange in Europa unter bei Führung Frankreichs Militarismus und Iw perialismus den bankerotten Ländern Lasten aus erlegen. die sie selbst in besseren Zeiten auf die Dauer nickt zu tragen vermöckten. Mit erfrischender Oste,,, herzigkeit ist wiederum den Franzosen gesagt worden, daß sie immer noch nicht das Washingtoner Abkommen übn die Beschränkung der Rüstungen ratifiziert, geschweig *enn dessen Ausführung in Angriff genommen fiafceii Frankreich hält noch immer ein Heer von 800 000 Manu unter den Waffen, vermehrt ständig sein Kriegsmaterial und seine Flotte, baut Flugzeuge. Unwrseeboole und Geschütze in unbegrenzter Zahl. Daneben verschlingt der Unterhalt der Besatzungsbeere im Westen Deutschland- Unsummen. Wenn das ganze hierfür ausgegebene Geld für produktive Zwecke verwendet worden wäre, wäre Europa nicht bankerott, sondern alle Schäden des Krie ges wären läng st beseitigt. In diesem Fall, darin herrscht in Amerika Udfiereinftimmung, wären die Vereinigten Staaten sofort bereit, alle Kriegsschulden zu streichen, und das würde eine entsprechende Entlastung Deutschlands bedeuten. Aber die Amerikaner werden keinen Pfennig hergeben, solange sie nicht die Ge währ haben, daß in Europa Rübe und Arbeit. Frieder, und Ordnung wieder Einkehr halten.
UL
Trotzdem soll oder vielmehr muß im Herbst de? Jahres ein neuer Versuch zur Regelung der Gesamt- schuldenfrage gemacht werden, und Frankreich hat dabei vorgeschlagen, eine Konferenz aller Mächte einzubcrusen. die einander von dem Weltkrieg her Geld schulden. Wenn diese Konferenz überhaupt zustande kommt, was fehl fraglich erscheint, soll sie in Brüssel statt sinken Ihr Zustandekommen ist deshalb fraglich, weil unter den obwaltenden Umständen die Teilnahme Amerikas höchst zweifelhaft ist, und ohne Amerika hat sie überhaupt keinen Zweck. So wird wohl das Verhängnis weiter feinen Lauf nehmen. Der Dollar hat bereit? den Kursstand von 1900 Mark überschritten Was für unheimliche Folgen das hat, erleben wir in Deutschland täglich und stündlich am eigenen Leibe. Wenn der Win-
3m Schatten.
Original-Roman von Erich Ebenstein.
(Nachdruck verboten.)
Urheberrecht 1921 durch Greiner & Co., Berlin W. 30.
' 33. Fortsetzung.
»Ja. Hast du etwas dagegen?"
. „Im Gegenteil. Nichts könnte mit lieber sein. Weiß ich dich dann doch geborgen ..." Er warf den Kopf zurück und zog Isolde stürmisch in feine Arme.
»Eine Last nimmst btt mir vom Herzen, Mädel — wie groß, weißt du gar nicht!"
Tann, als Isolde ihn befremdet ansah, fuhr er hastig fort: „Nun aber sage mir, ob Fritz etwas über Brigitte in Erfahrung brachte? Er wollte ja nach ihr forschen."
„Ja, aber bloß um mich zu ärgern. Er ließ mich auch glauben, daß er mit ihr in Verbindung stehe, doch hat er sie in Wahrheit nur einrnar flüchtig vus der Straße gesehen und sich nicht weiter um sie bekümmert."
„Sch<K>e. Es läge mir viel daran, zu wissen, wo sie ist."
„SSarum?"
Dppach erzählte, daß ihm Halban berichtete. Aber Isolde hörte nur mit halbem Ohr zu.
„Ah, dazu habt Ihr Euch entschlossen?"
„Ach laß sie doch. Papa, wo immer sie ist! Ich -bin so froh, weim wir sie nicht mehr sehen müssen! 'Sage mir liebes ob du nun gleich mit mir hinaus iln die Villa Carmen fahren kannst. Ich glaube, du bist dort sehr nötig. Sie haben alle den Kopf verloren vor Schreck über Johannas entsetzliches Lnde."
„Ja. Ich soll -zwar zu einer Sitzung, aber in jdiesem Fall wird man mein Fernbleiben wohl eiit= kchuldigeu müssen."
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In der Billa Carmen hatte alles tatsächlich den Kops verloren. Frau Osterberg lag mit hysterischen Krämpfen zu Bett, die Mamsell schoß wie ein aufgeregtes Wiesel hin und her, weinte, zankte, schalt auf „diesen Mörder" Baranek und erllärte im selben Atem, der Johanna sei nur ihr Recht geschehen, währen!- die Dienerschaft scheu und verstört umher stand. Denn es hieß, der Polizeikommissar, der sich mit seinen Leuten in einer der Parterrestuben amtlich niedergelassen hatten würde sie alle der Reihe nach verhören.
Die Eingänge zum Park und Haus waren von Schutzleuten besetzt. Ai'ßeichalb des Parkgitters drängte sich eine Menge Neugierig r. die nun die Hälse reckten, als Oppach mit seiner Tochter von der Stadtbahnstation kommend in den Park einbog.
Oppach runzelte die Stirn und ein nervöses Zucken lief über sein Gesicht.
„Scheußlich, diese ganze Aufmachung! Ich finde es taftlos von der Polizei, mein Haus wie einen Verbrecherschlups zu besetzen, bloß weil es zufällig der Schauplatz eines Eifersuchtsdramas war! Laß uns eilen, daß wir unter Dach kommen!"
Sie schritten hastig zwischen den Rasenflächen hin, denen di eFrühlingssonno bereits einen leisen Schimmer von jungem Grün verliehen hatte.
Plötzlich stieß Isolde einen leisen Ruf ans und wies auf eine Männergestalt, die drüben an den Glashäusern auf- und abschritt.
„Fritz ist da, Papa! Gewiß hat er irgendwie erfahren, was hier vorgefallen ist und kommt, um mich zu beruhigen!"
Sie ließ den Arm chres Vaters los und lief quer über den Rasen Heitzmann entgegen.
„Nein, ich hatte keine Ahnung von der Bescherung hier," sagte Heitzmann ein paar Minuten später,, als ie Arm in Arm längs des Palmeuhauses hinschlen-
,Berten. „Eure Mamsell hat mir die Mordgeschichte erst erzählt. Na, ich hoffe, du denP nicht mehr daran, Liebling, und regst dich über fremder Leute Schicksal nicht zwecklos auf?"
ter mit Nahrungs- und Heizungssorgen eintritt, werden wir schwere Erschütterungen zu gewärtigen haben, und niemand kann Voraussagen, ob mir imstande lein werden, auch das zu überstehen Inzwischen kämpft Oesterreich feinen Todeskampf zu Ende. Es ist vielleicht kein Zufall, daß gleichzeitig mit den Herren Bradbnry und 91?andere der österreichische Bundeskanzler Seipel in Berlin weilte. Seine Anwesenheit zollte Engländer und Franzosen daran erinnern, daß sich Deutschland auf demselben Wege zum Abgrund bewegt, de:. Oesterreich bereits nahezu vollendet fiat Es ist doch ein jammervolles Schauspiel, wenn man dieses arme Zerstückelte, verstümmelte Land mit seinen 5 Millionen Einwohnern langsam verhungern läßt uno mit leeren Versprechungen tröstet. Es ist am Ende angelangt, uni . leine Regierung versucht jetzt noch einmal den Stein ins Rollen zu bringen, indem sie in Prag, Berlin und Rem nach Anlehnungsmöglichkeiten kuckt. De Anwesenheit Seipels in Berlin soll dazu dienen, bi* einzig mögliche Rettung Oesterreichs durch den Anschluß an Deutschland nochmals anzuregen Es tfl voranszu- sehen, daß abermals dieser Versuch an c-r krankhaften Furcht Frankreichs vor jeder etädvng D utschlands scheitern wird, und auch in Rom w'cd man kaum imstande sein, dem unglücklichen Nachbarn zu Helsen. Dann njirb die Regierung Seipels zurückircte.r, und die Folge ist in Österreich das Chaos. Es wftd sich dann die Unmöglichkeit fierausstellen. überhaupt noch eine Regierung zu bilden, die noch eine Art von Aufte fit erhaltung der öffcntlichm Ordnung gewährleisten könnt', und Oesterreich verfällt unrettbar dem Bolschewismus. Mit Trauer und Scham im Herzen müssen wir n,sehen, wie unsere Brüder an der Donau diesem anscheinend unentrinnbaren Geschick verfallen. Es zeigt uns den Weg. au? dem wir uns befinden. Wied man rechtzeitig die Gefahr, die man wohl' erkannt hat, noch zu bannen wissen? Das ist sicher, wenn Deutschland dem Beispiel Oesterreichs bis zum bitteren Ende folgt dann reißt es Frankreich, Italien und England mit in die Tiefe.
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BirlWIW WAlÄttW.
Von unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.
Tie letzte Rede Poincares hat gezeigt, daß dieser noch immer an der Auffassung festhält, die Entwertung der deutschen Mark sei durch die Vermehrung der deutschen papiernen Zahlungsmittel verursacht worden. Wir wissen aber längst, daß der innere Zusammenhang umgekehrt liegt. Durch die Entwertung der Mark infolge zu hoher Entschädigungszablungen, denen kein entsprechender Produktioneüberschuß in der deutschen Wirtschaft gegenüberstand, ist die Vermehrung der Papicr- nr-ten erst notwendig geworden. Jetzt, nachdem die Reichsregierung sich auf das Drängen der Verbündeten hin zu einer gewissen Einschränkung der Notenherstellung verpflichtet hat, fühlen wir deutlich, wie wenig uns damit geholfen wurde. Die Inlandspreise stiegen infolge her Ueberlastung linieret Wirtschaft durch Zahlungen und Lieferungen an das Ausland schnell weiter, und es machte sich daher bald ein empfindlicher Mangel an papierenen Zahlungsmitteln geltend. Das ist nicht verwunderlich. Denn die Preise sind im Durchschnitt um das Hundertfünfzigfache gestiegen. Die Kaufkraft der mehr als 200 Milliarden Papiermark, die id) an Noten im Umlauf befinden, entspricht also nur der von etwa iy4 bis !>/> Milliarden in normalen Zeiten, während wir doch früher neben 2 Milliarden Noten noch mehrere Milliarden Mark Gold und Silber im Verkehr hatten. Die Wahrheit ist also, daß wir heute nicht zu viel, sondern zu wenig Zahlungsmittel haben, und die Folge davon ist eine Geldnot und Kreditnot, die unser ge- amtes Wirtschaftsleben in erheblicher Weise ungünstig beeinflußt.
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„Jetzt nickt mehr, ba du bei mir bist!"
„Schön. Dafür will ich dir nun auch eine angenehme Neuigkeit mitteilen: Ich bin als Offizier dem Krjegsministerium zugete'lt worden, brauche als' nicht mehr zu fürchten ins Feld geschickt zu werden!"
Isolde ftatschte jubelnd in die Hände.
„Oh, wirklich? Das ist in der Tat eine Freudenbotschaft! Wie kam denn das?"
„Ganz genau weiß ich's selber nicht. Durch Lilly Klarmavn vermutlich. Sie sand schon lange, man sollte meine kaufmännischen Erfahrungen ausimtzen, dadurch würde ich die Heeresverwaltung viel mehr nützen können, als im Frontdienst. Ich fei doch in England und Frankreich gewesen und ein so ungeheuer praktischer Mensch . . ." er lachte. „Natürlich befestigte ich den Glauben in ihr. Nun scheint sie es mit Hilfe ihrer einflußreichen Verwandtschaft dvrch- gcsetzt zu haben, auch andere maßgebendere Faktoren davon zu überzeugen."
„Lilly Klarmann? Ja, aber — wie kommt sie dem, dazu?" fragte Jsrlde befremdet.
Er lachte abermals.
„Wie? Du lieber Gott, solltest du nicht wissen, daß die blonde Lllly trotz ihres alten Adels rasend darauf aus ist, in die Geldaristokratie einzuheiraren, internal die Klarmanns außer großen Ansprüchen nichts im Beutel haben? Nun — ich machte ihr im Winter ein wenig den Hof. Um dich zu ärgern — du weißt! Da fand die blonde Silit) eben unbe- chadet ihres offiziellen Patriotismus, daß es schade wäre, diese „Chance" der Gefahr auszufetzen, tot« geschossen zu werden. Sie gratulierte mir auch bereits heute morgen in einem zierlichen wappenge- chrnückten Brieflein — Beweis, daß sie- schon eh->r um die Sache wußte, als ich selbst, der ich es erst eine Stunde später im Geschäftszimmer der Eskadron erfuhr."
Nun lachte auch Isolde.
„Aber das ist ja rasend amüsant! Was wird sie ür Augen machen, wenn sie erfährt — für wen sie eigentlich gearbeftet hat!"
Allerdings scheint die gegenwärtige Hausse z» beweisen, daß di« Sorgen wegen des Geldmangels zurzeit ein wenig in den Hintergrund getreten find. Aber in Wirklichkeit beruht der Ansturm auf den Effektenmarkt doch nur darauf, daß einerseits das Ausland die entwertete Mark abstößt und dafür die verhältnismäßig billigen Effetten erwirbt, andererseits ein Teil der deutschen Produzenten das infolge des Ausverkaufs der deutschen Waren erzielte Geld nicht mehr auf dem Warenmarkt anlegt, I weil Preise und Rifiko zu hoch erscheinen. Auch die ungeheure Tevisenteuerung führt, nachdem die drohende Haltung der französischen Politik die Mark noch weiter entwertet und den Dollar auf den neuen Rekordstand von 2000 Jl emporgetrieben hat, dazu, daß ein Teil der deutschen Produttion den Einkauf von Rohstosien einschränkt und das Geld dafür in der Hoffnung auf Kursgewinne in Jndustriewerten anlegt. Das alles bringt zwar eine Hauste auf dem Aftienmarft foetoor, die den Anschein erweckt, als sei die Kapitalnot nicht mehr so groß. Aber das Ergebnis dieser ganzen Entwicklung ist ein verhängnisvoller Rückgang der Umsätze und damit der ganzen Produktion, deren papierene Wertziffern steigen, während die Mengen sich verringern. Wenn aber bei verminderten Umsätzen Unkosten und Verdienste steigen, so muß das die Preissteigerung in allgemeinster Weife fördern. Es entsteht hier ein neuer, verhängnisvoller Kreislauf der Entwicklung,, der diesmal nicht nur unserer Währung, sondern unserer Volkswirtschaft ans Herz greift.
Man hat, nachdem der Weg einer noch schnelleren Vermehrung unserer papiernen Zahlungsmittel — die übrigens in letzter Zeit wieder in ziemlich lebhaftem Tempo vor sich ging, aber trotzdem mit dem Bedarf nicht Schritt halten konnte — ungangbar geworden war, eine Reihe von anderen Mitteln zur Behebung des Kapitalmangels vor- geschlagcn. Man will die Produzenten und den Handel veranlassen, wieder in stärkerem Umfange zum Gebrauch des Warenwechsels überzugehen. Dem steht aber die Tatsache gegenüber, daß bei der Unsicherheit unserer ganzen Wirtschaftslage die Voraussetzungen für einen stärkeren Kreditverkehr fehlen, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß heute in den deutschen Handel auch unzuverlässige Elemente in erheblicher Anzahl Ein. gang gefunden haben.
Es erscheint infolge der furchtbaren Not de» deutschen Volkes heute in manchen Kreisen wieder die Möglichkeit, durch Zwangsmaßnahmen des Staates auf die Entwicklung wirtschaftlicher Dinge einzuwirken, maßlos überschätzt zu werden. Namentlich die Sozialdemokratie aller Richtungen empfiehlt mit großem Eifer die Rückkehr zur Zwangswirtschaft und die Ausschaltung des freien Handels. Gegenüber dieser erneuten Agitation scheint sich der Mittelstand jetzt kräftiger zu regen. Die Klassengegensätze werden auf diesem Wege eine weitere Vertiefung erfahren. Man kann es den Angehörigen des Mittelstandes aber nicht verdenken, wenn sie hinfort nicht länger Amboß fein wollen, sondern den Kampf um ihre wirtschaftliche Existenz aufnehmen.
Kirchlich« Nachrichten,
Christlicher Verein junger Männer, Rotergraben 5. Sonntag: Beteiligung am Jagend seit in Heinebach. Abends */»9 Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, abends 1/?9 Uhr: Bibelstunde. Sonnabend, abends 1/«9 Uhr: Gebetstunde.
Sie fühlte sich nicht einen Augenblick verletzt durch den selbstsüchtigen Zynismus ihres Verlobten. Kein Gedanke kam ihr, Fritz Heitzmann mit Elert zu vergleichen, der so tapfer und freudig hknausge» zogen war, um seine Pflicht zu erfüllen.
Aber Heitzmann dachte daran und wie immer stieg dabei ein flüchtiges Mißbehagen in ihm auf.
„Dein lieber Elert würde es natürlich wieder ,Drückebergerei" nennen," sagte er spöttisch. „Indessen — ich bin nun einmal kein „Held" und finde es ent- schieden angenehmer, im Hinterland Flitterwochen zu genießen, als mich draußen zwischen den Schützen- grüben herumzutreiben!"
„Laß Elert — ich mag nichts mehr von ihm hören," bat sie. „Du hast ja ganz recht. Es ist albern . . ."
Sie brach ab und wandte sich erstaunt um. Hinter ihnen hatte jemand laut und verächtlich ausgespuckt. Es war Salbert, der alte Gärtner. Er hatte im Palmenhaus gearbeitet und durch die ofseustehenden Fenster jedes Wort des Gesprächs hören müssen. Nun "tand er breitspurig da und maß das junge Paar mit funkelndem Blick.
„Was tun Sie hier, Salbert? Und wie können Sie sich erlauben, mich so dreist anzusehen? Wolle» Sie etwas von mir?" fuhr ihn Isolde unangenehm berührt in hochfahrendem Ton an.
'Za, gnädiges Fräulein, ich toilt etwas. Um weine Entlassung will ich bitten. Wenn mögliche noch heute. Ich habe drei Söhne im Felde stehen und der vierte kommt nächste Woche zur Musterung. Ich bin stolz darauf, denn . . ."
(Fortsetzung folgt.)