Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
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Marbuvg DoMlÄM. dni 17. Aimsl Erntiug.
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57. m 1922
Wort des Mzlers on $oincore.
M wirt der MUSdismW«M»tz tun ?
Der Ministerrat billigt die Haltung PoincarFs.
Paris, 16. Aug. Nach einer offiziösen Havas- Meldung über den heutigen Ministerrat in Rambouillet dauerte dieser am Bormittag von 10 Uhr bis kurz vor 1 Ahr. Dis Minister nahmen nach- «ittags die Beratung wieder auf. Am Bormittag «stattete Poincarö über die Londoner Berhand- tungen und die Gründe ihres Abbruchs Bericht. Der Ministerrat hat seine Haltung gebilligt swd sich mit ihm solidarisch erklärt.
Der von Havas ausgegebene amtliche Bericht besagt, daß die Nachmittagssitzung des Minister- rstes um 4y2 Uhr zu Ende gegangen ist. Es wurden die verschiedenen Möglichkeiten beraten, die eintreten können, je nach den Beschlüssen, die der Entschädigungsausschutz saht. Nach dem „Jntran- stgeant" ist es sicher, datz der französische Vertreter im Entschädigungsausschutz Dubois unter den gegenwärtigen Umständen von seÄtern ausschlaggebenden S t i m m r e chj ^pls Borsihen- der bei den Beratungen über die Stundung Gebrauch machen wird. Der „Temps" vertritt in einer anscheinend beeinflutzten Notiz den Etand- puntt, datz die Stundung auch dann als abgelehnt gelten muffe, wenn Belgien sich der Stimme enthalte.
SBte das „Journal des Döbats" mitteilt, wird ler Entschädigungsausschutz zusammentreten, um kn Wortlaut der Antwort an Deutschland festzn- Jtfcen. Es sei jedoch nicht sicher, datz er diese Ant- »ort sofort an die deutsche Regierung abgehen lassen werde. Vielmehr habe es den Anschein, datz die Delegierten die Richtlinien ihrer Regierungen, insbesondere die der französischen Regierung, ab- fcarten werden.
Rücktritt Dubois'? — Eine Rechtfertigungsnote Poincarös.
Paris, 16. Aug. Nach dem „New Pork He- mlb“ verlautet, datz der französische Vertreter im kntschädigungsausschutz Dubois, wenn er nach feinen Instruktionen annehmen müsse, datz der Eni- ^ädigungsausschuh gegen den französischen Stand- punkt sei, zurückreise und so die ganze Entscheidung kber die Stundung aufhalten werde. Das Blatt fegt hinzu, zunächst würde diese Verzögerung Deutschland zugute kommen, aber sie würde auch Poincarö in seinen Bemühungen, Belgien und Italien für die Unterstützung Frankreichs zu ge- ttinnen, nicht behindern.
In gutunterrichteten Kreisen sei gestern Abend erklärt worden, datz T h e u n i s für eine neue Konferenz eintrete, die in nächster Zukunft in Brüssel stattfinden solle. Frankreich und Belgien würden äutzerste Anstrengungen machen, um Amerikas Teilnahme an dieser Konferenz zu sichern. Eie würden zu diesem Zweck das Versprechen ab- gebcn, datz keine Entscheidungen getroffen werden würden. Es verlautet, datz Poincarö heute den verbündeten Regierungen und den Vereinigten Staaten eine neue Note zugehen lassen wolle, worin <r den französischen Standpunkt auf der Londoner Konferenz auseirrandersetzen werde.
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SSttWM.
i-.e polnische Raubversuche.
Berlin, 16. Aug. Rach hier vorliegenden amt« 8ch?n Nachrichten hat der polnische Kommissar neuer» dings der Grenzkommission, die mit brr Grenzziehung ku Oberschlesien beauftragt ist, Forderungen vorzelegr, fee sich auf Zuteilung mehrerer Becgwerksschächte an Polen und zahlreiche andere Veränderungen der De. TtarfütionSIinte zu Gunsten Polens beziehen.
Hierzu wird von maßgebender Stelle bemerkt, dieser polnische Vorschlag ist für Dcittscblano selbst- jb.rständlich völlig unannehmbar. Tas Genfer lAblommen vom 15. Mai 1922 ist unter der den beiden ch.rttagschließenden Patteien bciannlen Voraussetzung ickerschlossen worden, vast die damals bereits gezogene '-Demarkationslinie keine wesenllichen Aenderungen ,»»hc erfahre, würde. Die von den Polen neuerdings ttuifl'te Grenzlinie würde die Demarkationslinie er» Hei!ich abändern, würde weitere Strecken deutschen ''Beitet?, die Milliardenwerte in sich schlüßen, vom Deutschen Reiche abtrennen. Es muff von der Rrenzkommisüon erwattet toerben, daß sie die po.
en Forderungen mit Entschiedenheit zurück« I ibrijen wird.
* Der Wirrwarr im polnischen Eisenbahnverkehr.
Breslau, 16. Aug. In Polnisch-Oberfchleslen Moosen mit jedem Tag die Stockungen im Eisonbahn- Mrrteür. Uni den UnrcgelmStzisteften im Zugverkehr Woi>chen Deutsch» und PolmichOberschtepeu einiger
maßen abzuvelfe«, sollen vom 1. 9. ab die Züge aus Deutschland mit deutschen Lokomotiven bis nach Kctttowitz durchgesührl und eine Anzahl deutscher Eisenbahnarbeiter in Kattowitz ftationiert werden.
AkMStsm her Sri!» in Sonern-
Auflösung des Landtags?
München, 16. Aug. Die Münchner Blätter be- fchäfttgcrt sich in ihren heutigen Auslassungen mit den heute Bormittag begönneren Besprechungen der Fraktionen der Bayerischen Sollöpartei und der Bayerischen Mittelharte!. Wie die „Münch. Ncucst. Nnchr." melden, hat sich die Lage inzwischen weiter verschlimmert dadtkrch, da- heute im Landtag eine grafte Abordnung von örtlichen Parteiführern und Vorständen der vaterländischen Organisationen aus dem Oberland und aus Schwaben erschienen und teil icife sogar in drohender Form die Ablehnung der Berliner Abmachungen und die Aufrechterhaltung dvr bayerischen Verordnung verlangte. Bon einzelnen Rednern wurde die Forderung dcS sofortt- gen Rücktritt- der Regierung und der LaudiaoSauflSfung vertreten. SMe das Blatt weiter aus Avgeordnetenkreifeu hört, behebe dort die Auffassung, das« bei dem gegenwärtigen Stand der Dinae e.ne Lösung der Krise kaum anders als durch die Auflösung des Landtags mögllch sein wird.
Der baftcrifdx OrdnnngSbiock bat an den Mmister- piäsidcnten Grafen Lerchenfeld ein Schreiben gerichtet, mit der Aufforderung, d«S bayerische Volk durch Volksabstimmung um seine Meinung zu befragen.
In Augsburg nahm eint Versammlung nationaler Verbände und Vereinigungen einstimmig eine Entschließung an, w-^cho der Enttäuschung über die unzureichende Verl üifl der bayerischen Landesinteressen durch den sesigcn Ministerpräsidenten Ausdruck gibt und den Rücktrtt des Grafen Lerchenfeld fordert.
Nach der .Bayer. StaatSztg." bat der Bauernbund seine Zustimmung tu den Abmachungen Bayerns mit dem Reich erteilt.
München, IT. Aug. An der gestrigen Kundgebung gegen da- Berliner Abkommen nahmen über 60 006 Menschen teil. ES kam zu leinen Zwischenfällen.
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Keine Hille siir WeneiH.
Oesterreichs Not ist auf- höchste gestiegen; soforttgc finanriclle Hilfe ist notwendig, soll das Land nicht in furchtbarstes Chaos gestürzt werden. Die österreichische Regierung hat sich daher durch ihren Londoner Gesandten an die dort versammelten Ministerpräsidenten gewandt und um Kredilhilfe gebeten. Einstimmig lehnten die Konferenzteilnehmer eine derartige Hilfe ab. Schiiessltch kam man Überein, den Völkerbund zu beaustragen, die Lage in Oesterreich zu untersuchen und überwies die Detlkschrift der österreichischen Regierung dem Völkerbund alS Material. Die Not Dentsch-OesterreichS rührt von der unglückseligen Gestaltung diese- in St. Germain geschaffenen lebens- unsahigen Staatsgebiidcs her. Die wichtigsten deutsch- österreichischen Industriegebiete bat man den Tschechen ausgeliefert, andere vom völkischen Standpunkt au3 besonders wertvolle Bestandteile des Landes hat man bett Italienern zugesp-rochen. klebrig geblieben ist der groge Wasserkopf Wien, dessen Bedeuttmg früher darin lag, datz er Verwaltungszentrum eines grossen Reiches war. Dazu kommen noch einige Länder mit überwiegend landwirtschaftlicher Bevölkerung, die ie- doch keine Ueberschussgebiete sind. Mit der Schaffung eines derartige» .Staates" hat der Feindbunst auch die moralische Verpflichtung übernommen, ihn lebensfähig zu erhalten, zumal er ihm den einzigen Ausweg der Rettung, den Anschluss an Deutschland, verwehrt. Tie Staatsmänner aber, die Oesterreich tn sein Unglück gestürzt haben, überlassen eS seiner Pein und beauftragen de» Völkerbund, Erhebungen anzustellen.
Ausstände.
Berlin» 16. Ang. Der Ausstand bei einzelnnen Agenturen des A T. B. ist, wie nunmehr seststeht, dadurch veranlaßt worden, daß von unbefugter Seile zu agitatorischen Zwecken seine gröblich irreführend.' Mitteilung über die Stellungnahme des Zcutralver- bandes der Angestellten verbreitet woroen ist. Ter Vorstand des Aentralverbanvcs hat jetzt alle Beteiligten darüber aufgeklärt, daß er otn wild«» Ausstand aufs entschiedenste mißbilligt und daß die Ausstärbigen keine Unterstützung zu erwarten haben. Mit Ausnahme einiger weniger Plätze ist dir Arbeit schon heute Mrtag in vollem Umfange wieder ausgenommen worden.
Leipzig, 16. Aug. Der Arbeitgeberverband für das Gastwittegewerbe hat beschlossen, wegen des KellnerausstandeS sämtliche Kastwittsberriebe »äftre'iö der Messe geschlossen zu halten, da es sich herans- gesteltt habe, daß die Terrorakte sich zurzeit 6er Messe verstärken werden.
Verhaftung wegen Landesverrats. Der unabhängige sozialdemokratische LandtagSabgeordneie Emil Schuler, Redakteur des .Sozialist", wurde auf Anordnung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen Landesverrats und Verrats milttättscher Geheimnisse ve r b a f l e t. Der Landesverrat wtrd in einem kürzlich im .Sozialist" erschienenen Aussatz .Waf^nfunde und Arbeiterschaft" erblickt. Dem Hinweis aus seine Abgeordneteneigenschaft wird mit der Bemerkung begegnet, datz es sich um. ein Ertappe« «uf frischer Tat pandl^
Die Selsen ber SwWitit
Berlin, 16. Aug. Reichskanzler Dr. Wirth erklärte heute Abend vor einer Anzahl Vertreter ausländischer Zeitungen über den Stand bet Entschädi- gnngsfrage:
Die Konferenz in London sei unter Umständen zu Ende gegangen, die noch größere Unsicherheit in der europäischen Lage zurücklasse als vorher bestand. Boa der ersten Drobnote, der französischen Note vom 26. Juli 1922, hätte der Dollar noch auf 450 gestanden, er sei nachher bis auf 800 gestiegen. Nach bet »weiten Drohnote vom 5. August sei er auf fast 900 und nach dem Abbruch der Londoner Konferenz auf 1050 gestiegen. Tas zeige die wirklichen Ursachen des Marksturzes. Wenn demgegenüber Poineare versucht, Deutschland zu beschuldigen, daß es die systematische Entwettung ber Mark verfolge, so würden ihm das außerhalb Frankreichs wenige glauben, und selbst in Frankreich nehmen viele Einsichtige diese Behauptung nicht mehr für ernst. Die Folgen des Marksturzes für Deutschland seien: Vernichtung des Betriebskapitals der deutschen Industrie, Erlahmung der Produktion, weitere Verelendung breiter Volksschichten, Zerstörung 'des Haushaltsgkichgewichts Absperrung der nötigsten Le- bensmittel- und Rohstoffzufuhren, Ausverkauf ber Lagerbestände, Hungersnot, Verzweis lungSau»- brüche der Massen und UnterhSlung jeder Regierungsautorität. Mit der Beschuldigung, daß angesichts dieser Folgen eine Regierung ober die Führer der Privatwirtschaft auf den Sturz der Mark hinarbciten sollen, werde Poineare keinen Glauben finben. Kein wahres Wvrt ist auch an seiner Behauptung, daß Deutschland der Tschechoslowakei eine Änkifce von 4 Milliarden Mark angeboten habe. Weder von der Regierung, noch von den Banken sei ein solche« Angebot gemacht worden. Unwahr sei auch, daß Deutschland Banken in Dänemark und Rumänien gegründet habe, um den Lerürus der Mark im Ausland zn erleichtern. Nur in Holland hat sich die deutsche Finanzwelt an einigen Bankunternehmungen beteiligt, weil der Zwang vorgelegen habe, jo nach dem Kriege den Anschluß an die internationale Wirtschaft wieder herzustellen. Gegenüber der Behauptung Poincares, Frankreich brauche rne Beteiligung von 60 Prozent an der deutschen chemischen Industrie, um die Herstellung von Giftgasen zu verhüten, weise die deutsche Regierung darauf bin. daß die durch den Friedensvertrag vorgesehenen Kvntrollmögllchttiten von den verbündeten Mächten mehr als genügend auS- genutzt würden. Poincarö wolle nur unter diesem Borwand in die Geschäft-verfahren der deutschen Industrie eindringen n«d
ihre Konkurrenz beseitigen.
Zn diesem Zweck greife er auch das sonst so heilig gepriesene Privateigentum an, dessen Nichtanerkennung man anderen Ländern als Verbrechen gegen die europäische Zivilisation anrechne. Heute fei die Mack auf ein 250stel ihres Friedens wertes gesunken. Dadurch seien Ankäufe ausländischer Zahlungsmittel auf dem Devisenmarkt für Barzahlungen an die Verbündeten unmöglich. Hätte London zu vernünftigen Ergebmffcn und dem notwendigen Zahlungsaufschub gesübtt, so stände der Dollar vielleicht wieder auf 400 ober 500, und das Vertrauen der Welt in die Kreditfähigkeit Deutschlands wäre wieder vollständig heegestellt, so aber sei zunächst die internationale Anleihe zerschlagen, die allein Frankreich heute Barmittel hätte bringen können, und Frankreich schiebe dieses Ziel selbst immer wieder hinaus. Noch einmal habe Poincarä den Beweis erbracht, daß mit Drohungen und wirtschaftlicher Knechtung das gesamte europäische Problem nicht gelöst werden könne. Dasür gebe es nur einen Weg, auf den Rathenau in Genua hinwies, nämlich die freie unv gutwillige Verständigung von Volk zu Volk. Die Gedankengänge Ratbe- naus, der insbesondere das Problem der internationalen Verschuldung ausdeckte, waren betört, daß alle Völker ihnen zustimmen mußten. Aber wie ist sein Ruf nach Frieden aufzenommen worden? Seit Monaten hält der französische Ministervräsident Rede auf Siebe, eine drohender und verletzender als die andere, und die französische Politik begnügt sich nicht mit Worten, sie verhängt „Retorsionen", die das deutsche Volk bis in die tiefsten Tiefen erschüttern. Hunderte werden als Bettler auf die Straße getrieben, barunter Kresie, die Jahrzehnte in Elsaß-Lothringen gearbeitet haben. Man maß in der Geschichte der europäischen Völker weit zurückgehen, um Aehnliches tu finden. Hunderte zittern davor, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Das ist kein Friede, das ist bk
Fortsetzung des Krieges'
und zwar gegen Wehrlose. Tie Ausweisungen bringen eine Unruhe in das deutsche Volk, die nur noch überholt wirr, durch die allgemeine Aufregung, die der Sturz der Mark hccausbe;chworen hat. Eine ungeheure nerv ine Unruhe hat das ganze Volk ersaßt. Ich richte an alle Kreise des deutschen Volkes die ernste Mahnung, d-ftr Nervosität nicht nachzugeben. Der naheliegende Vergleich mit Oesterreich hinkt insofern, als es dort mir cm einziges derartiges gewaltiges Zentrum der Menschen anhäusung, nämlich Wien, gibt, wie wir sie in großer Zahl haben und wie schwer war es dort, die stattliche Autorität aufrechlznerhaltzen. Eine gleiche Entwickelung Würde bei ttctzs ganz andere politische und soziale
Auswirkungen habe». Ich tarne mir ein Weitertet« bet deutschen Volkes int Rahmen Unserer staatlich« CrtM nung bei völlig entwerteter Valuta schwer denken.
Die Erkenntnis, daß das ReparationSproblem eia Weltproblem darftelkt, hat besonders in der ongellöchsh» schon Welt und in Italien große Fortschritte gemach^ allein wenn ans dieser Erkenntnis keine politische» Folgerungen gqo-en weiche», geht eSwie es Deutsch, land im Kriege gegangen ist, man kam tu spät und tim» bie soziale Katastrophe für Emrppa »ich» mehr abvend«. Sieht man beim in Frankreich nicht ein, daß für jeden nüchternen BeurteLr bie Tatsache seststeht. daß Deutschland keine Goldzahlungen leist« kann? Noch einmal haben wir 10 Millionen choch» mark aufgebracht. Schon diese gehen uni ab an dem dringenden Bedarf für bie Einfuhr von Getreide. Die deutsche Regierung hat die Pflicht, zu sorgen, daß bat deutsche Volk Bro t hat für das Spätjahr und ein« schweren Winter. Ich verweise auch auf bie Folgen bei Geldentwertung für die Durchführung ber treibe» Umlage. So zerspringt alles in unserer Hand, was wir Volltisch, staatlich und sozial geschaffen habe». Ich fragt Sie, wie kann das Etaatsgefühl Wurzeln faßen im Herzen eines Volkes, wen» ber Staat nicht mehr in der Lagt ist. ihm sei» tägliches Brot z» angemessene» Preisen z» geben? Ganze »reife bei Volke« versinke» in Elend nnb Verzweiflung. Mr steh« vor einer große»
Katastrophe der europäische» Kultur, wenn man ihre Quellen versiegen läßt. Frankreich go» toinnt aus feiner Politik nichts, denn e« macht Deutschland nur reparationsunfähig. Aus bie Unmöglichkeit bei Goldleistungen muß naturgemäß die Unmöglichkeit de« Sachlieferungen folgen, die einem zeibrochenen Witt» schaftskörper ans die Dauer nicht entzogen werden können. Ich appelliere nicht an Ihre Sentimentalität, aber e« ist etwas GewalligeS, am Sterbebett eine« BolkeS zn stehen und zerrissen zu sehen, was in voll» tifcher Arbeit aufgebaut worden ist. Die Ausgabe bet nächsten Politik in Deutschland ist bie Sicherung bet staatlichen Orbnnng. An dieser staatlichen Ordnung eine! 60 Millionenvolke» ist die ganje Welt interessiert.
Da» Ronfcrcn$erfle6iil8 eine Katastrophe.
London, 16. Aug. „Daily Chrvnicle" veröfsent- llcht eine Unterredung seines Berliner Berichterstatter» mit dem Reichskanzler Ac. Wirth. Dieser begann mit der Erllärung, daß, obwohl keine übertrieben« Hoffnungen auf die Londoner Konferenz gesetzt seien,, doch niemand ein solches Ergebnis erwartet habe. Wenn die Londoner Konferenz mit einem Siege de» französischen Standpunktes endete, hätte sie, wie angenommen werden könne, das Ende der deutschen Währung bedeutet. Das Ergebnis der Konferenz sei jedoch eine Katastrophe. Deutschland habe keineswegs die Absicht, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Zum Nachweise dafür habe Deutschland, obgleich unter den äußersten Schwierigketten, gestern die Summe von 500 000 Pfund von dem Betrage ber gestern fälligen 2 Millionen gezahlt. Wirth sagte: Wir sind bereit zum Zahlen im Verhältnis zu unserer Zahlungssähigkeit. Diese Zahlungsfähigkeit, nimmt von Tag ,u Tag ab. Der augenblickliche Zusammenbruch der Mark bedeutet eine weitere Verminderung, lieber die künftige Politik der deutschen Regierung befragt, erklärte der Kanzler: Während ber allernächsten Monate können und werden wir unsere Verpflichtungen nur insoweit durchführen. als die Sicherung ber Srotoerforgung für bie Existenz bes Volkes es zuläßt. Erst Brot für das Volk, dann die Wiederherstellung. Was wirtschaftlich unmöglich ist, muß zusammenbrechen Zn der Frage der Stundung erflärte der Kanzler, sie hätte, wenn sie von praktischem Wert sein sollte, sich auf viele Monate erstrecke» muffen. Sechs Monate waren vor kurzer Zeit noch ganz wirksam. Mit dem Fall der Mark aber würde die Stundung immer weniger wertvoll.
Zwei Denmttehibt LöluWll.
Paris, 16. Okr. Der Londoner Sondervertcht» erstatter deS .Mattn" sprtan davon, bass man Im all- gernetnen nicht glaubt, dass Frankreich ein mUttärt- iches Vorgeyen einlettet, bas es von allen seinen «er- l-ündeten trenne» werbe, da man sest davon überzeugt sei, dass cS ytervet leinen toalnen Vorteil finde» werde. Uever trott vermittelnde Lösungen werde gesprochen. Dte erste bestehe darin, dass Frcml- retch eine Konferenz aller an der GntscbädtgungSfrage interessierten Sltmatarmädjte des Vertrages von Ber» iatlles nach Paris rtnberufcn werde, um sich mit dielen über die Getamtheit des Problems auszusprecyen. Tie zweite Lösung schreib! man Vertgien zu. Man glaubt, dass bas belgtlche Kabinett vielleicht aus dte drei kommenden Gablungen DeutschlanvS, die ganz Belgien zufallen sollten, verzichtet und sie auf spS- ler vertagt, sodass der Ar.ft>ru^> Mt Frankreich selbst aus di: Barzabttingen ntv - dle Bewilligung einer dreimonatigen ©tkus;s.. yinausgeschoben würde. Man glaubt in Bari-, . ur, tn diesem Falle die sraii;ösifche Siegierung lür diese» Zeitabschnitt ans lie produktiven Pfänder, die es in London »erlangte, verzicyten werde. Der Berichterstatter will tttcht behaupten, datz dieser Gedanke auf einer ernstem Grundlage verübe. ES bandle sich vier tooW nm rtM Geheimnis der belgischen unv. fra^jsstscheq SteSiettMg.