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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

i i.

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m. 191

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

TieOberdelfijchk Zettun- er (die int iertismal wöchentlich. Lezugsvreis monatlich 32 SRI. Für ausfallende Stummer« infolge Streits ooet elementarer Lreigniiie teilt Eriatz. Verlag von Dr. L. hitzerotd. Truck der Univ.-Vnchdruckerei non 3oh. Aug. Koch, Markt 2123. fterniprecber SS, PoMchecktonto: Str. 5015 Amt Frankfurt a. Main

Marburg MM. de« 16. MH ernthti».

Ter Hmeigenureie beträgtür den 9 geip. ZeUeamillimeter L50 2Rt, amtliche und aus». Anzeigen 2.00 SRI. andere Spaltenbreiten entwrechend. Lei schwierigem Satz 50ol Kuiichlag. Spät einlautenbe oder den Staunt über *1, Seite einnehmende An- zeiae« werden nach der lejtipaltenbrette berechnet. Re Namen die Lol.-Zeile 15.00 Ml. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und.

Vermittlung der Angebote 3 Ml. SondergedSbr.

57. M

1922

Rm MMaslmHt.

J- Der Dollar über 1000.

Berlin, 15. Ang. Unverzüglich hat dir Börse die Folgen au» dem Abbruch der Londoner Set» Handlungen gezogen: An der Börse stieg der Dollar unvermittelt über die Taufendmark-Erenze und erreichte fast einen Kurs von 1100.

London, 15. Aug. Der Finanzredattenr des Evening Standard" schreibt: Der neue Sturz der Mark auf 4600 für das Pfund Sterling fei natür­lich auf das Auseinandergehen der Londoner Kon- ftrenz zurückzuführen. In diesem Zusammenhang müsie jedoch darauf hingewiesen werden, daß kein tatsächlicher Bruch erfolgt sei und daß die Auf­fassung bestehe, die Verhandlungen würden mit mehr Aussicht auf Erfolg zu einem verhiiltnis- mßig baldigen Zeitpnntt wieder ausgenommen werden.

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9m Mn-MWMitt.

t* Berlin, 15. Aug. An dem Dollar-Tbcrmo- meter ist der wirtschaftliche Zustaich des Deutsch«« Reiches untrüglich abzulesen. WaS aber diese Be­trachtung so ullgebeuer bitter macht, ist die Tatsache, datz wir die wirtschaftliche Fieberkurve nur mit ganz kleinen und unwesentlichen Unterbrechnngen mtch ein­mal nach unten geben sehen, während sie in ibrer letz­ten Wirkung immer und immer wieder zu geradezu phantastischer Höbe klettert.

Es fehlt vielfach die Möglichkeit, tote Zahle« leben­dig zu machen und ihre Bedeutung'durch schlutzß^- gernde Betrachtungen zu erhärten. Aber die Zahlen nutz Ziffern, die das Dollar-Thermometer anzeigt, sind für jedermann verständlich. Es ist auch interesiant, schon tm täglichen Leben zu beoba.bten, wie eine förm- lt Oe T-ollarpshchose die breitesten Schichten er­griffen hat, wie das Gespräch nicht nur der Wirtschaft fcr und Politiker, sondern der einfachsten Hausfrau, ja selbst schon der Jugend sich immer und immer wie­der nm den Dollar dreht, wie man förmlich in Dollar« deikkt.

Hier einige Gegenüberstellungen: Am Tage de§ Kriegsausbruchs tm August 1914 galt der Dollar 4,20 M. In den ersten Tagen des Augnst 1922 streifte er die Grenze von 900 MX Das bedeutet eine 225fadie W-nsteiaernng des Dollars, aber auch eine ebenso graste Entwertung der Mark, die jetzt noch zugenom- «eu hat.

Wetter: Vor einem Jahr wurden tn Oesterreich für den amerikanischen Dollar genatt lo viel österreichische Kronen bezahlt, tote jetzt deutsche Mark uufgetoandt werden müssen. Und heute nach einem Jahr -ab« man tn Wien über 40 000 Kronen für einen einzigen Dollar. Ob wir nach einem Jal>r auchfe weit" sein werden? Wie oft haben wir gehört, und oft hat man ' tzs uns auch von berufenen Kreisen gesagt, daß wir tn Deutschland bei dem viel regeren Jndustrieleben »fo weit' nicht kommen würden, tote es in Oesterreich >' wir baden immer und im

mcr wieder festftellen können, dass wir fast haarscharf lediglich um ein Jahr hinter der österreichischen Ent­wicklung zurückgeblieben sind. Alles, was bet uns in­zwischen geleistet wurde, bat nicht verhindern lön- ven, datz wir auf JahreSspanne dem österreichischen Zerfall gefolgt sind. Die Aussicht, das; der Dollar 40 000 Papiermark kosten könnte, so zwar, datz der Tausendmarkschein 10 Psg. wert ist, sollte unS die Lage vor Augen führen, in die wir btueinsteuern.

Noch stets hat sich bisher unfehlbar der vernichtende Ensx-tz der Politik geltend gemacht. Hier der Be­weis: Unmittelbar nach 6em wirtschaftlichen und Po­litik ll>en Zusammenbruch tm November 1918 stand der Dollar noch kaum mtf dem Doppelten seines Frtedens- werwS, auf etwa 8 ,4t. Nachdem all das Furchtbare an blutigen Aufständen vorübergegangon war und nachdem inzwischen der vernichtende Vertrag von ver- lailles gestossen wurde, stand der Dollar knapp auf dem vierfachen deS Friedenswertes, auf etwa 16 M. Tas war etwa Juli 1919. Ein Jcchr später tm In« 1920 notierte der Dollar bereits 42 X. im Juli 1921 auch noch erft 80 X heute fällt eS uns nicht schwer, dieses Wörtchenerft* zu schreiben, obwohl eS sich da­mals bereits um eine zwanzigfache Verschlechterung des Markwertes bandelte. Wiederum ein Jabr später und zwar in diesen Tagen sehen wir den Dollar aus über 1000 M klettern!

Die Lage ist so, datz wir es am wenigste« tn der Hand haben, den Dingen Einhalt gebieten. Und doch wäre eS verfehlt, wenn totr tatenlos tn dnmvker Resignation oder gar Verzweiflung verharre«. Wir sollen es uns auch abgewöbnen, auf »das grotze Wun­der" zu warten, ettoa auf den enalikch sran-ösischen Zusammenstoh oder auf den guten Onkel aus Amerika. Wir müssen, so viel an nnS liegt, selber Hand mit «wiegen zu einer Bessern««. Freilich werden nnS alle Bemühungen nach dieser Richtung bin täglwb, ja stündlich schwerer gemacht. Aber wir müssen doch vor allem Sorge dafür ttagen, datz wir allmählich wieder zu einer normalen Wäbrnna ntrückkedren könne«. Je­denfalls müssen die Vorarbeiten dafür heute schon ge­leistet werden. Zur Einführung der Soldwäbrrma ist freilich noch ntefet die Zett gekommen. Aber eS bleibt Noch ernstlich zn überlege«, ob nicht die ReichSreoie- Wng mm daran gehen soll, die Währungsreform da­durch in die Wege zu leiten, datz tn Gold zahlbare Zahlungsmittel, also etwa Schatzanweisungen oder Schatzwechfel anSgegeben werden. Man mützte aus diese Weise die Sachwertreserven wirtschaftlich heran kiehen, sie produktiv nutzbar machen, sie gewissermasten als Pfänder für die Sicherheit dieser Zahlungsmittel e!erlegen. Der Stand des Dollar-Thermometers

8t, daß Gefahr tm verzage Ist. Um einen Totkran- <ett $« retten, muß dar Ae «Herste aufgeboten werden.1

Nach dem Scheitern der Konferenz.

ItiWwg nnl lie ünsM^ralt.

Berlin, 25. Aug. Die deutfchen Botschaften in London, Paris und Rom und die Gesandtschaft' in Brüssel haben den beteiligten verbündeten Re­gierungen am 15. August eine Rote übergeben, in der es heißt:

Mit gleichlautenden Noten vom 14. Juli hatte die deutsche Regierung gebeten, eine Neuregelung für die Verpflichtungen Deutschlands aus dem Ausgleichsverfahren zu treffen. Auf diesen Antrag ist eine Entscheidung bisher ihr nicht zugegangen. Die deutsche Regierung befindet sich hinsichtlich der Deckung des Devisenbedarfs für ihren dringendsten Bedarf in einer feste schwierigen Lage. Seit dem 14. Zuli ist die Mark wn einem Hundertstel aus ein Zweihundertstel des Friedcnswertes weiter ge­sunken. Es ist der dcutsü^n Regierung daher beim besten Willen nicht möglich, die am 15. August fällige Rate von 2 Millionen Pfund zur Verfügung zn fielen. In ihrer Note vom 5. August hat die deutsche Regierung der kranzösilchen Re-neruna er­klärt, dah sie auch für den Fall des Ausbleibens einer gemeinschaftlichen Entscheidung der betei­ligten Regierungen bestrebt sei, ihre verttagliche Verpflichtung im Rabmen ihrer Leistungsfähigkeit zu ersüüen. In Uebereinstimmung hiermit, und um eine Verständigung in der Frage der Aus­gleichszahlungen zu erleichtern, auf welche sie den größte« Wert legt, wird die deutsche Regierung unter Zurückstellung der sich aus der Devisenlage ergebenden schweren Bedenken den von ihr mit ihrer Note vom 14. Zuli unter günstigeren Ver­hältnissen angeüotenen Pauschalbetrag von 509 000 Pfund feen beteiligten Regierungen zur Verfügung stellen. Sie hat feie zuständigen deutschen Stellen mit entsprechenden Weisungen versehe«.

Der Betrag von 500 000 Pfund ist dem briti­schen und dem französischen Ausaleichsamt nach dem Verhältnis ihrer Krcditsalden überwiesen worden.

Die volle Ausgleichsrate binnen vier Wochen.

^London, 15. Aug. Der Sachverständigen- ausschuß der Konfernz nahm gestern ein Gutachten, an, wonach Deutschland die nächste Summe von zwei Millionen Pfund Sterling zur Begleichung von privaten Schulden a« die Verbündeten inner­halb vier Wochen bezahlen soll. Hiernach soll, dcm Gutachten zufolge, das Abkommen über die Zahlung außer Kraft treten. Schließlich empfiehlt das Gutachten, daß die verbündeten Regierungen für die von Deutschland zu leistenden Zahlungen Sonderabmachungen treffen sollen, die der Zustimmung des Entschädigungsausschusses be­dürfen.

Ein Telegramm des Reichskanzlers.

London, 16. Aug.Daily Telegraph" be­richtet, Staatssekretär Bergmann habe aus Berlin ein Telegramm erhalten, worin mitgeteilt werd«, datz der Reichskanzler außer Stande wäre, einer schwereren Finanzkontrolle als der mit dem Garantieausschutz vereinbarten zuzustimmen. Für eine weitere Ausdehnung der Kontrolle würde im Reichstag keine Mehrheit zu haben sein. Die letzten Abmachungen mit dem Earantieaus- schutz wären von dem Reichstag nur unter der Be­dingung gebilligt worden, datz damit die Sache endgültig erledigt wäre.

Die letzte Sitzung.

Ls n d o n, 15. Aug. Infolge des Abbruches der Konferenz werden die französischen und italieni- chen Delegierten morgen London verlassen. Bevor )ie Konferenz am Nachmittag zusammenbrach, ver­achte der italienische Außenminister C ch a n z e r das Aeutzerste, um die Meinungsverschiedenheiten zwischen Poinc»r<f und Lloyd George zu unter­drücke«. Sein Vorschlag, die Konferenz um 55 Wochen zu vertagen, wurde von den britischen Vertretern vollkommen angenommen, aber die stanzösischen Vertreter machten zur Bedingung, daß Deutschland die während dieses Zeitraumes fällig werdenden Raten bezahlen soll. Schanzer und Lloyd George waren anderer Ansicht, erklärten aber, sie seien bereit, zuzustimmen, daß der Ent­schädigungsausschuß darüber entscheide, was Deutschland während dieses Zeitraumes bezahlen oll. Tie Franzosen waren damit nitht einverstan­den, worauf die Verhandlungen ihr Ende fanden. In einer Schlußrede brlonte Schanzer, datz die Entschädigungen nicht getrennt von den Kriegs­

schulden der Verbündeten in Erwägung gezogen werden könnten.

Enttäuschung feer Belgier.

Paris, 15. Aug. Die belgischen Minister Jasper und Theunis haben dem Sonderbericht­erstatter desIntransigeant" erklärt: Wir sind enttäuscht, wir hofften, dah diese Konferenz zu einem Ergebnis führen werde. Die Welt leidet unter dem Eindruck der Ungewißheit, in der sie lebt. Belgien, das die wirkliche Lage genau kennt, bat das Bedürfnis, den Horizont von den drohen­den Wolken zn befreien, die einem Anleiheplan d<m Weg versperren. Sobald Deutschland wieder zu Atem gekommen sein wird, wird es wirkliche Zahlungsfähigkeit besitzen. Das gibt einer An­leihe günstigere Durchführungsmöglichkeiten. Da­rauf müssen wir jetzt unsere Anstrengungen richten.

Abreise fee, französischen Abordnung.

Paris, 16. Aug. Die französische Abordnung ist gestern von London abgereist, ohne daß Lloyd George ihr das Geleit bis zum Bahnhof gegeben hätte.

Kabinettsfitzungen.

London, 15. Aug. Nachmittags 3% Uhr fand eine Sitzung des britischen Kabinetts statt, an der alle in London anwesenden Minister teilnahmen.

Paris, 15. Aug. Der für morgen angesetzte Ministerrat wird unter dem Vorsitz von Millerand im Rambouillet siatifinden. Er wird den Bericht Poincar^s über die Londoner Verhandlungen ent­gegennehmen, feie durch feen negativen Ausgang der Beratungen geschaffene Lage prüfen und darüber beraten, ob gegebenenfalls das Parlament ein berufen werden soll.

Die nächste Konferenz.

London, 15. Aug. Lloyd George hat der französischen und belgischen Abordnung mitgeteilt, Sir Robert H o r n e werde Washington besuchen, um Besprechungen bezüglich der Konsolidierung der englischen Schulden zu führen und daß, wenn er nach London zurückkehre, England eine allgemeine Konferenz zur Erörterung der KrieKrschulden ein­berufen werde, an der Amerika hoffentlich teil­nehmen wird. Diese Konferenz wird voraussicht­lich im November stattfinden.

London, 16. Aug. Nach einer Reutermeldung wurden sich gestern die verbündeten Minister­präsidenten darüber einig, daß die nächste Konferenz im November in Brüssel stattfinden soll.

M ülnrrikaMe Molto von der Lage.

N e w P o r k, 15. Aug. Zn amerikanischen finanziellen und politischen Kreisen wird der Fehl­schlag der Londoner Konferenz tief bedauert, weil dadurch die für Amerikas Wohlfahrt ebenfalls nötige Wiederherstellung des Gleichgewichts in Europa verzögett wird. Die Geschäftsleute er­kennen an, datz Deutschland zunächst in die Lage versetzt werden müsse, den Markkurs wieder zu beben, ehe es an eine höhere Besteuerung denke. Zu diesem Zwecke aber müsse Deutschland eine größere Außenanleihe erhalten, die eg wie­derum nicht auf Gründ des heutigen Standes der Entschädigungsforderungen aufnehmen könne. Das wisse Poincarck ebenfalls so gut wie Lloyd George. Bedeutende Finanz- und Wirtschaftssachverständige sind feer Ansicht, daß mittels eines Auffchubs der Barzahlungen bis Ende des Jahres und der Ab­gabe von 25 Prozent auf die Ausfuhr, die Lloyd George vorgeschlagen bat, diese Anleihe wahrschein­lich zustandekommen könne.

Poincarö der Unruhestifter.

Paris, 16. Aug. Der New Yorker Vertreter des »Daily Telegraph* hatte eine Unterredung mit einer Persönlichkeit, die dem amerikanischen Ka­binett nahesteht. Diese et Körte, daß Poincarch wenn er so sottfahre, feen Platz des Unruhe­stifters auf feem Kontinent einnehmen werde. Seine Politik sei ein« Politik des Unrechts. Er solle es sich wohl überlegen, bevor er den letzten Sprung ins Dunkle tun.

Niedergeschlagenheit tn Wie«. Nach einer Wiener Meldung deö .Bert. Tag-dl.' hat fich infolge der neuen sprunghaften Teuerung der gesamten vevöike- ning. «amentlk» Wiens, tiefe Niedergeschlagenheit be- müchttgt, und «les blickt mit der größten vesorgnis in Me Zukunft. Die Grotzdetttsche Partei sock die Ne- aierv.q ausgetordert hab««, das Parlament zu einer außerordentlichen Sitzung zusammennuberüfen, um über die La« zu hezatq, Md eMUeidendr Beschlüsse iu fassen. :

Mmri über feine Mhmdr Alm.

Ein Mißglückter Rechtfertigungsversuch.

Paris, 15. Aug. Ministern.äsident Poincaro hat gestern die Vertreter der Presse empfangen und erklärte: Er glaube nicht, daß Jemand die fran« zösische Abordnung anklagen wird, im Laufe der letzten zehntägigen Beratungen es an Geduld haben fehlen zu lassen. Keiner unserer Vorschläge ist angenommen worden. Unser Recht in der Enlschädigungsfrage ist jedoch unantastbar. Indem wir im Mai v. I. br.i Zahlungsplan' angenommen hatten, hofften wir, daß wir kein weiteres Entgeaenkommen zu zeigen brauchten. Aber seit dieser Zeit hat sich nicht nur Deutschland den Zahlungen entzogen, es hat auch den Beweis geliefert, daß es eint systematische Politik feer Ent­wertung der Mark verfolgt. Deutschland verfolgt mit Beharrlichkeit xi-tt Politih feie es ihm gestattet, vor den Augen Europas bankerott zu machen und fo eine neue Herabsetzung des Zahlungsplanes zu erlangen. So erklätt sich die systematische Entwertung seines Geldes. Unzweifelhaft ruiniert das Reich feinen Kredit, aber es bat bi. Verbündeten, eine internationale An- leihe zu begründen, die ihm seinen Kredit wiederum soll. Seine Lage würde dann besser sein, als die der sieg­reichen Nationen, denn es hätte nur eine schwache äußere Schuld, und seine Industrie befände sich in voller Tättgkeit. Es wurde dann den Staaten der Verbündeten in der Welt die Hegemonie wieder ab­nehmen, die sie ihm entrissen haben. Das ist der beutidje Plan.

Primäre sprach dann von der Note Balfours und von feiner Absicht, eine Regelung aller aus feem Krieg überkommenen Schulden vorzuschlagen, sie sei aber augenblicklich wegen des englischen Widerstandes unmöglich. Wir wollten bann, daß der EntschÄn- gungsausschuß die beabsichtigte Verfehlung Deutsch­lands feststelle, aber wir wurden daran durch die t : der englischen Regierung ergrrfvne Initiative ver­hindert, die, ohne uns vorher verständigt zn haben, erflärt hat, es sei unerläßlich, die Stundung zu be­twilligen. !Jch beeile mich hinzuzufügen, daß wir nicht der Ansicht sind, daß sie die Entente tn Ge­fahr gebracht hätte. Wir haben erklärt, daß die Stun­dung eine negative Maßnahme sei, und daß wir »hne eine Sicherheit und effektive Kontrolle nur etwas Steriles und in der Folge Prekäres unternehmen könnten. Wir haben also infolgedessen als Gegen­leistung Maßnahmen und Pfänder verlangt. Mas hat man uns angeboten? Me 26prozentige Abgabe vom deutschen Export und die Zolleinnahmen. Da­mit können wir uns nicht begnügen, well es sich um eine Maßnahme handelt, die schon im letzten Fahr ergriffen tombc und well die Haltung der eng­lischen Regierung umsolveniger erllärlich wurde, als das englische Kabinett die Verantwortung Deutschlands anerkannt hat, wie aus dem Vorwort zu den 10 Vorschlägen Lloyd Georges hervorgeP. Für jeden unparteiischen Menschen hätte die logische Folge dieses Vorworts fein müssen: die Feststellung der Ber- fehlunq. Da man eine solche Verfehlung nicht habe sesistellen wollen, habe sich die französische Dete- gation auf eine befebeidenere Forderung zurückgezo.zen. Sie erflärte, daß sie die Stundung nur gewähren könne, wenn von gewissen deutschen Gütern durch die Verbündeten Besitz ergriffen werde, die sofortige Einnahmen verschaffe, nämlich GOprojentige Beteilt- «Ung an der deutschen chemischen Industrie, Errich. tung von Zollbarrieren im Ruhrgebiet, Wiederauf- richtang der Zollbartterc im Rheinland, Einziehung der Steuern im besetzten Gebiet, Ausbeutung feer staatlichen Gruben im Ruhrgebiet und der deutschen Staatswälder..Nicht nur wurde das von englischer ©eite nicht zugeiasstn, sondern alle Maßnahmen, die wir vorgcsiblagen hotten, wurden abgeandert oder abgv- lchnt. Wir hatten zuerst von Konrollmaßnahmen ge­sprochen. Was die Reichsbank betrifft, so haben wir ungefähr eine Befri^rgung erzielt. Aber wie e5 sich darum handelte, dem Garantieausschuß in Berlin seinen Sitz zu geben, hat Lloyd George, nachdem er erklärt hatte, er billige das, nach Anhörung seiner Sachverständigen seine Zustimmung zurückgezogen. Lloyd George hat seine Kontrolle über die Ein- und' Ausfuhrbewilligungen beseitigen lassen; die Zollkon­trolle selbst wäre unwirksam geworden, weil man sich der Uebeisiedelung des GaiantieauSschusses nach Berlin widersitzte. So verhinderte man als» eine wirklmne Ueberwachemg. Was die Kapitalflucht anbetrffst, so hat die englische Regierung fich jeder ernsten Maß- nähme widersetzt und vorgeschlagen, wm möge sich einfach mit den von Deutschland verbrochenen ge­setzgeberischen Maßnahmen begnügen. Aber wegen der Kontrollmaßnahmen hatten wir die Verhandlungen richt abgebrochen Da wir jedoch glaubten, daß tie Verbilligung der Stundung eine BegünstigunD itz,