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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhesfen

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Die »Oberheistjche Zeitun" «rscheint !«chsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 32 Ml. Für ausfaüende Nummern infolge Streik» ooer elementarer EreignMe kein Ersatz. Verlag von Dr. T. Hitzero td. Druck der Univ^Buchdruckerei non geb. Lug. Koch. Markt 21,23. StemiviertieT 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Sienstao, den 15. August

(Ernttag.

Der Anreigenorei, beträgt fit den 9 gesp. Zeilenmiüimrter L50 8RL amtliche und au sw. Anzeigen 2.00 Mk. Ander« Spaltenbreiten entsprechend, »ei schwlertge» Satz cno/ Aunchlaa SvSt eiitlaurenBe oder den Raum aber */, Seite einnehmeude An» -eiaen werben nach der Textspaltendreite berechnet. Reklame» di« Tal.'ZeUe 15M «tk -keder Rabatt gilt als Barradatt. Bei Auskunft durch die Deschästsstelle »ad Vermittlung der Angebot« 8 Mk. Sondergebübr.

57. m

1922

Die LMmr Mmuz oelWtert.

Sie ZneiiibiMW mit Saonn.

Sie Haltung der bayerischen Parteien.

Berlin, 14. Ang. In der Besprechung des bay­rischen Ministerrates, die am Sonnabend mit den Führern der Koalitionsparteien stattfand, ist nach dem 53. T." folgendes Ergebnis erzielt worden:

Tie Fraktionsführer haben erklärt, nicht für sich «nein ihre Zustimmung zu dem, was in Berlin ab- tz-macht wurde, geben zu können. Da der Landtag zur- ytt nicht versammelt ist, werden die Fraktionen dec kealitionsparteien am Mittwoch und die Landesaus- schüss. der Parteien am Donnerstag Entschließungen fassen. Soweit sich bisher zeigte, herrscht keine -roße Zufriedenheit mit der Abmachung.

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Nach einer Münchener Meldung desLok. Anz." Niti der bayerische Kultusminister die Richtlinien des -ieichsministcrs des Inneren in den bayerischen Schulen nur mit Vorbehalt einer Einschränkung an« webmtn. "

Im Reichsministerium des Inneren ist man laut T." mit der Organisation des Reichskrimi - «alpoizeiarnltes angelegentlich beschäftigt. Es dürfte im engsten Anschluß an das bisherige Reichs- bmmiffariat für öffentliche Ordnung errichtet werden And düfeö vielleicht ganz in sich aufnehmen. Bis znm 1 September srllen auch die neuen Reichsdisziplinar- -erichte über eingerichtet und in Tätigkeit gesetzt »erden.

Kritik der Bayerischen Volkspartei.

M ü n ch c n, 14. Aug. Die Korrespondenz der Baye­rischen Volkspartei nimnrt- ht einer besonderen Ausgabe, p dem Berliner Protokoll eingel>end Stellung. Es wirb, fcstaestellt, daß Graf Lerchenseld einen achtbaren und Außerordentlich dankenswerten Erfolg davongetragen habe, dies dürfe aber nicht hindern, das Berliner Protokoll Unter die kritische Sonde zu nehmen. Beim Reichs- kiuünalgcfetz seien zweifellos sehr wesentliche Verbesse­rungen erzielt worden. Es düxfe aber nicht übersehen Werden, daß grundsätzlich ein Recht des Reichskriminal- pvlizeiamtes zum unmittelbaren Einschreiten bestehen Aeioe. Im Reichsbeamtengeseh seien erhebliche Besse­rungen und Milderungen erzielt worden. Den Kern­punkt des Streites und des Protokolls bilde aber der im kepublikschutzgeseh vorgesehene Staatsgerichtshof. Vom dnyerischen grundsätzlichen Rcchtsstandpunkt ans sei man für das Kompromiß eines süddeutschen Senates niemals p erwärmen: wenn man es überhaupt als annehmbar empfehlen nwlle, so könne dies nur unter dem Gesichts- Mnkt geschehen, daß das Republikschutzgesrtz nur ein hcfrlltttes Schutzgesetz ohne dauernde Wirkung sei. Was hie Erklärung der Reichsregierung über die Sicherung der. Lrndeshoheitsrechte in der Zukunft anbelange, so mögen fee ganz leidlich erscheinen. Es werde aber auf die Auf- fvsiung ankommen. Die Sicherung gegen neue Ucber- »rifse scheine vorerst in der abgegebenen Erklärung nicht p liegen. Es würde wohl den Parteien die Zustim- Auna, wenn es überhaupt zu einer solchen kommen sollte, p dem Berliner Protokoll wesentlich erleichtern, wenn die Erklärungen der Reichsregierung etwas b e st i m m t e r formuliert wären und wenn sie sich verpflichten würde, keine Hoheitsrechte der Länder ohne Zustimmung eines jeden einzelnen zu schmälern, auch wenn dazu d:c Keichsversassung eine Handhabe bieten würde und wenn sie sich ferner verpflichten würde, alles zu tun, um das Gesetz zum Schutze der Republik möglichst bald wenig­stens in der gegenwärtigen Form mit dem den Charak­ter eines Ausnahmegerichts tragenden Staatsgerichts- hvses zu b c fe i tg e n.

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Bi» AinmllMW aas WMtingtn.

Berlin, 14. Aug. Zur Ausweisung dentftber »eishsangehöriger ans Elsaß-Lothringen wird der 53. Z. a. M." aus Appenweiler gemeldet, daß die Ausweisung diesmal besonders hart grivesen sei. Freitag früh wurden die Opfer dieser unerhörten Repressalien sozusagen aus dem Seit herausgeholt ,nd ins Polizeilokal geführt. Als lästige Ausländer wußten Männer und Frauen bis 75 und 80 Jahren, von denen ein Teil feit 40 Jahren in Elsaß-Lothringen fctt und dort die Heimat gefunden hat, das Land binnen 48 Stunden verlassen. ES waren zumeist Aroeiter, Angestellte, Kellnerinnen, daneben Geschäfts­leute, also Menschen, die sich um alles andere als um die hohe Politik kümmern und unmöglich jene notorisch schädlichen deutschen Elemente sein können, deren Aus­weisung nach der Zusage Poincares allein in Betracht kommen sollte, e

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Die brutale Ausweisung deutscher Reichs- Angehöriger aus Elsaß-Lothringen noch vor Ablauf der gesetzten Frist, lediglich weil die deutsche Rr- gierung nicht mehr imstande ist, die ihr auferlegten Zahlungen zu leisten, ist ein neuer Beweis dafür, daß Frankreich gar keine Zahlungen von uns will, |o nötig es sie auch brauchen könnte. Deutschland darf auf keinen Fall wieder in die Höhe kommen, lottfomt muß zertrümmert werden diesem

politischen Ziel gegenüber müssen alle wirtschaft­lichen Rücksichten schweigen. Frankreich weiß, daß es die Macht hat, seine Vergewaltigungspolitik fortzusetzen, und es macht davon Gebrauch mit einer Gewissenlosigkeit, die jeder Beschreibung spottet. In ihrer Protestnote, die noch schärfer und kräf­tiger hätte ausfallen und die französische Brutali- rät in ihrer ganzen Nacktheit vor der gesamten zivilisierten Welt hätte bloßstellen sollen, verlangt die Reichsregierung Entscheidung durch ein Schieds­gericht. Wie die Antwort der französischen Regie­rung ausfallen wird, kann man sich denken. Sie wird dieses Ansinnen abweisen und in der Anwen­dung von Gewalt fortfahren, weil niemand in der Lage und gewillt ist, ihr in den Arm zu fallen. Wenn der Völkerbund den Schatten einer Daseins­berechtigung besäße, hätte er den Protest der Reichsregierung gar nicht abgewartet, sondern selbst gegen die offenkundige Verletzung des Völker­rechts, gegen den Bruch aller Verträge und Ab­kommen, gegen diesen Hohn auf alle Gefühle der Menschlichkeit, schärfsten Einspruch erhoben. Aber abgesehen davon, daß er ganz unter französischem Einspruch steht, ist er ebenso ohnmächtig, wie wir selbst. Heute entscheidet nicht das Recht, son­dern die Ma ch t das Recht ist auf unserer Seite, aber die Macht hat Frankreich.

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Lvkd MAN f.

Londog, 11. Aug. Lord Northcliffe ist heute gestorben.

Am 15 Juli 1865 erblickte in dem irtänhifefien Städtchen El velizÄ» ein Mann das Licht der Welt, der nicht nut das getarnte englische Zeitungswesen revo­lutionieren sollte, sondern auch als Leiter des englischen Provapandadienstes wäbrend des S8etffriege§ einer der gesäbrl chsten Feinde Deutschlands wurde: Alired Cbar- les William Hannstoortb. Der Vater, selbst Advokat, bestimmte ihn zur iuristischen LaufLahn, doch Netannci und Talent wiesen Alfred Harmsworth zum Jour- nalistenberuf. Mit 17 Jahren war er bereits ein gut- bezahlter, festangestellter Redakteur, mit 22 Jahren kaufte er sich eine Wochenschrift, und mit 30 Jahr-n gründete er eine eigene große Tageszeitung, dieDaily Mail". Harmsworth erwies sich aber nicht nur als tüchtiger Journalist, der es verstand volkstümlich zu schreiben, und dem Geschmack der Masse entgegenzukommen, son­dern auch als hervorragende: Kausmann. Er forderte für sein Blatt nur einen halben Pennv und ruinierte dadurch die anderen Zeitungen, die sich nur dadurch vor dem völligen Bankrott retten konnten, daß sie sich ankaufen ließen. So wurde Harmsworth Besitzer der Times" und anderer Blätter und damit einer der mäch­tigsten Männer Englands. 1905 machte ihn König V>uard zum Lord Northeliffe und Mitglied des Oberhauses. ' *,

Während des Krieges wurde Lord Northeliffe zmn Leiter des englischen Propagandadienstes ernannt. Er erwies sich hier als glühender Feind Deutschlands, -der es verstand .fast die ganze Welt von der Verworfen­heit der Deutschen zu überzeugen. Northcliffes Ptopa- gandamitt.kl waren verhältnismäß-'g einfach. Es wur­den immer wieder dieselben Lügen über deutsche Greueltaten und Hinterhältigkeiten in die Welt hinans- geschrieen, kurze, einprägsame Formeln wurden ausgestellt und den Menschen cingehämmert. Deutschland hatte Northclisse einen ebenbürtigen Propagandachef nicht ent» gegenzusetzen. Der Versuch Erzbergers, im neutralen Ausland für die deutsche Sache zn werben, darf als gänzlich gescheitert angesehen werden.

Northeliffe war auch ein warmer Verehrer Frank­reichs. Als der Krieg sich seinem Ende zuneigte, stellte auch erseine" Friedensbedingungen ans, die er in der Times" veröffentlichte. Frankreich sollte nicht nur Elsaß-Lothringen wieder erhalten, sondern auch große Entschädigungssummen. In der Begründung, die den Northcliffschen Friedensbedingungen beigegeben war. hieß es wörtlich.Es kann keine Rede von derEhre" des deutschen Volkes sein. Wenn es um die Bedingungen feilscht oder tückisch und hinderlich in deren Ausführung ist, wird unser t-escs Mißtrauen in seinen Geist und feine Beweggründe bestehen bleiben."

Während des ganzen Krieges war die Northeliffe- Presse eine der festesten Stützen der englischen Regierung. Als aber Llosid George ansing eine selbständige eng­lische Politik zu treiben und sich von dem französischen Triumpswagen zu lösen, versagten ibm d e Northelisse- Blätter nicht nur die Gefolgschaft, sondern kündigten ihm offene Fehde an. Lloyd 6-eorge nahm den Kamps aus und sperrte derTimes" die amtliche Nachrichten- ouelle. Eine zeitlang hörte man dann nichts mehr von Lord Northeliffe. Dieser dachte aber keineswegs daran, seine deutsch-feindliche Propaganda einzustellen. Er reiste nach dem Rhein und veröffentlichte eine Reihe ge­hässiger Berichte über das Leben in Deutschland. Ge­dacht waren diese Aufsätze zweifellos als Einleitnag zu einem neuen großen Propagandafeldzug gegen Deutsch­land. An der Wejterverfolgung dieser Pläne hinderte ihn aber der Ausbruch des Wahnsinns, dem er nun erlegen ist. Mit Northeliffe ist eine der markantesten Persön­lichkeiten des Weltkriege? verschieden, die durch ihr Orga­nisationstalent und ihre vor nicht? zurückscheuende Skru­pellosigkeit der Sache unserer Feinde wertvollste Dienste geleistet hat. .

Seirnti miMM.

London, 14. Aug. (Reuter.) Die Konferenz ist an der Entfchädigungsfrage gescheitert. Die Lollkonserenz verhandelt jetzt über die Lage Oester­reichs.

Wie der Berichterstatter von Havas erfährt, scheint es nunmehr sicher zu sein, daß die Konferenz auseinander gehen werde, ohne einen gemeinsamen Beschluß über die Stundung gefaßt zu haben.

Paris, 14. Aug. Havas erfährt von seinem Sonderberichterstatter in London: Die Zusammen­kunft, die heute Vormittag stattgefunden hatte, hat um 11 Uhr begonnen und rvar um 1 Uhr 45 Mn. zu Ende. Lloyd George, Poincarä, Theunis, Schanzer und der japanische Baron Hayashi waren anwesend. Die Chef» der fünf verbündeten Abord­nungen haben über die Möglichkeit beraten, einen gemeinsamen Beschluß über das deutsche Verlangen nach einer Stundung zu fasten. Die Chefs haben darüber beraten, die Entscheidung auf 3 Monate aufzuschieben, aber schon jetzt Deutschland eine Stundung zu bewilligen. Poincarä hat sich formell der Bewilligung einer Stundung ohne Pfänder widersetzt. Es konnte so kein Ein­verständnis erzielt werden. Die Dele­gierten haben sich getrennt, indem sie erklärten, sie wollten noch einmal über die Lage nachdenken, jedoch ist keine neue Zusammenkunft festgesetzt worden. -

Der Berichterstatter desTomps" in London meldet, die italienische Abordnung habe den Zu­sammentritt einer großen interalliierten Konferenz in drei Monaten vorgeschlagen, die die Erörterung der Entschädigungsfrage in Verbindung mit der Frage der interalliierten Schulden und die Frage der Entschädigungsanleihe wieder aufnehmen solle. Lloyd George habe erwidert, daß er zustimmen würde unter der Bedingung, daß die Stundung ge­währt wird. Darauf habe Poincarö eingeworfcn, er könne der Stundung seine Zustimmung nicht geben ohne die verlangte Kontrolle der staatlichen Forsten auf dem linken Rbeinufer und der siskali- fchen Gruben im Ruhrgebiet.

London, 14. Aug. Wie gemeldet wird, wer­den Vorkehrungen für die heute Abend bezw. mor­gen früh erfolgende Abreise der auswättigen Delegierten getroffen.

Londo n. 14. Aug. Der Zusammenbruch der Konferenz wird in der Abendpcese ausführlich erörtert. Die Blätter betonen, daß die Haltung Poincaras in der Frage der Kontrolle über die deutschen Staats- srrsten und Bergwerke zum Bruch geführt habe Llond George habe im Einverständnis, nicht nur der bei­t'scheu Minister, sondern auch der übrigen verbündeten Staatsmänner einen äußersten Versuch unternommen, um zu einem Einvernehmen zu gelangen, jedoch ohne Erfolg. Poinrare habe sich unnachgiebig ge­zeigt. Ter Abbruch der Konferenz ist als eine ernste Gefährdungl)erEntente anzufhen, ins­besondere angesichts der äußersten Feindseligkeit und Bitterkeit der französischen Presse bei ihrer Erörterung der britischen Haltung gegenüber dem ftanzösischcn Plan. Lloyd George sei äußerst enttäuscht über die Wendung, die die Ereignisse genommen haben. Er Hobe stets die Schwierigkeiten der Stellung des fran- zösischen Ministerpräsidenten einges Heu und habe aus alle Att versucht, zu einem Kompromiß zu gelangen, der für alle annehmbar war und zu gleicher Zeit Poincares Stellung gestärkt hätte.

Poincars forgt vor.

Paris, 13. Aug. Havas meldet aus London: Poincar«? hat sich mit Louis Dubois in Verbindung gesetzt, damit er die notwendigen Vorbereitungen treffe, im Falle die verbündeten Regierungen nicht in der Lage wären, vor dem 15. August, dem Tage des nächsten Zahlungstermines, der deutschen Re­gierung eine Entscheidung über das Stundungs­verlangen zugehen zu lasten. Wenn der Entschädi­gungsausschuß der deutschen Regierung die Ant­wort zum ursprünglich festgesetzten Zeitpuntt nicht erteilen könne, verstehe es sich von selbst, daß die Rechte der Verbündeten vollkommen vorbehalten seien. Es könnten nach dieser Richtung keine Schwierigkeiten entstehen.

Di» englische Politik.

Pari-, 14. Aug. Der Londoner Bericht­erstatter desPetit Parifien" ersährt, Lloyd Ge­orge habe im Kabinettsrat am Sonnabend die Lage wie folgt gekennzeichnet: Wir haben mit

einer Reihe französischer Lorschläge zu hm, K denen eine Gruppe von Maßnahmen zu dem Zweck« vorgesehen ist, auf Deutschland einen Druck aus« zuüben, um es dadurch zur Erfullnng feiner Zah« lungsverpflichtungen zu zwingen. Nufere eigen« Politik bezweckt dagegen, Deutschland durch Ver­nunft zu einem freiwilligen Zusammen­arbeiten mit den Verbündeten bei der Durch­führung des Versailler Verttages zu bestimmen. Auf diese Grundsätze, die das Fundament der eng­lischen Politik bilden, können wir nicht verzichten

London ,14. Aug. Der politische Berichterstatter desDaily Chronicle" teilt mit, daß der englische Widerstand gegen die Beschlagnahme der deutschen Staatsforsten und Bergwerke na. auf der Ansicht beruht, daß im Falle der Beschlagnahme der Berg, werke die deutschen Bergarbeiter wahr­scheinlich in den Ausstand treten würden. Dos SliMMnMW im MWigllM

MM.

Kabinettssitzungen in Paris und London.

Paris, 14. Aug. Havas meldet halbamtlich ans London, Mittwoch Vormittag werde der ftanzöfische Ministerrat in Paris zusammentreten, um die durch das negative Ergebnis der Londoner Beratungen ge- stbessene Sage zu prüfen. Poincarö werde bett frön zösisckien Vertreter, Dubois, erneut anweiscn, sich gcgci eine Stundung auszusprechen. Wenn bie belgische Re­gierung ihrem Vertreter ähnliche Weitung erteilt und ivcun bk rugttfw-n Uno tranetMkyen Mlegterlen rar die Stundung eintreten, würden die Stimmen zu gleichen Teilen gespalten fein. Da sich im Entschädigungsvus- schuß der Brauch eingefühft lxcke, die Stimme des Vor­sitzenden als ausschlaggebend zu betrachten, würde die Stimme Dubois als Vorsitzender einen Beschluß zu Gunsten der Aufrechterhaltung der durch die ttühere Entscheidung vom 13.3. b. IS. bestimmten deut­schen Zahlungsverpslichiung herbeiführen. Wenn da­gegen D.'ntschland eine Stundung ohne Zustimmung der französischen Regierung gewährt würbe, hätte die französische Regierung die von ihr für notwendig er­achteten Maßnahmen sicher bereits in? Auge gefaßt. Poincarö habe sich in diesem Punkt durch keine Beschlüsse der Konferenz gebunden, und die französische Regierung bewahre sich ihre volle Handlungsfreiheit, selbst, wen« die Stimme des Vorsitzenden nicht ausschlaggebend sein mürbe. Auch wenn bie übrigen Vertreter für eine Stun­dung eintreten, werde als Uebereinstimmung des bel­gischen und französischen VotnmS sicher die Ablehuung der Stundung bedeuten, da die erforderliche Mehrheit dann nicht zustandekomme und die Qualität der Stim­men sicher zu Gunsten der Aufrechterhaltung des Sta­tus quo ins Gewicht falle.

London, 14. Aug. Heute Nachmittag 3 Uhr 30 Min. sand eine Sitzung des britischen Kabinetts statt, an der alle in London antoefenben Minister teilnahmen.

Me neue KMerenz im Mernber?

Brüssel, 14. Aug. DieEtoile 83elge" teilt mit: Wie wir ans Londoner Konfcrenzkreisen erfahren, beabsichtigt Theunis, der Konferenz folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Die Zahlungen Deutschlands sollen bis zu einer Konferenz im November «mfge- schoben werden. Doch müßte Deutschland Versprechen abgeben, die durch Handelsnnterschriften garantiert sind. In der Zwischenzeit sollen die Garantien ange­wendet werden mit denen Frankreich wie Englaick» ihr Einverständnis kundgegeben haben. Wenn Poinrare diese Lösung annimmt, ist cs möglich, daß man sich dahin einige, zum November eine neue Konferenz ein« znberufen. Die gegenwärtige Konferenz würde aus­einander gehen.

London, 14 Aug. Der Londoner Berichterstatter desJournal" sagt, wenn die Verbündeten sich in der Unmöglichkett befinden, sich über sämtliche ftanzöfischen Forderungen zu einigen und auch über die englische« Gegenvorschläge, wenn sie also diesen Punkt vertage«, ohne über die Stundung zu entscheiden, können sie die sofortige Inkraftsetzung des Vertrages hinsichtlich bes Ausfuhrtbese und der Autonomie fordern. Anfangs Noevmber würde bann eine neue Konferenz zu­sammen treten, ans der bie Möglichkeit einer 'Stundung in Verbindung mit einer allgemeinen Liquidierung der Fragen, die die interalliierten Schulden und die Revision der Versailler Vertrages betreffen, diskutiert wird,

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(Ein «euer Vorschuß für Oesterreich.

Paris. 14. Aug. Havas berichtet aus Sxnv von: Die verbündeten Minister habe« heute Nach­mittag von 56 Uhr über die Lage Oesterreichs be­raten und beschlossen, ihm eine« eenen Vor­schuß zu gewähren. Die Frage ist zur Prüfung an den Völkerbund verwiesen worden, der den Verbündete« ein Programm unterbreiten soll.