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Kf. 187

Oberhefstsch« Zeitun > etjdjtint Sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 3? Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer (Eteigntfie fein Eriatz. Verlag von Dr. T. Hitzerotd. Druck der Unio..Bu»druckerei von 2ob. Lug. Koch, Markt 2123. Reinipiecher 55, Postlcheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg greilag, in 1t. Ägoit

Erntinz.

Der Anteigenvrei, beträgt für den S geh,. Zeilenmillimeter 150 SRt, amtliche und ausm. Anzeigen 2.00 Mk. Andere Spaltenbreiten entiprechend. Bei schwierigem Sah 50°/, Aufschlag. Spät einlaurende oder den Raum über >/, Sette einnehmende An­zeige» werden »ach der Textspaltendreite berechnet. Reklame» die Tol-Zeile 15.00 Mk. - Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Lelchäft»stelle und Vermittlung der Angebote 3 Mk. Sondergebühr.

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

57. m 1922

BeMbW Her WWW in London.

Kmdgebiim d» RMgsrMkile«.

' Berlin, 10. Aug. Der Reichspräsident hat zum Jabrestag der Verfassung nachstehende Kundgebung tv lassen:

Vor drei Jahren hat sich das deutsche Volk am 11. Au-mst seine Verfassung gegeben, das Fundament seiner 'Zukunft. Diesen Tag wollen wir trotz aller Not der Regenmart mit Freude und Hoffnung begehen, und an ibm Mollen wir unsere Liebe »um Vaterland bekunden. Deutschland soll nicht zugrundegehen! Das ist unser Schwur, solange wir atmen und arbeiten können. Mr wollen keinen Bürgerkrieg und kein« Trennung der Stämme. Wir wollen ein Rech t. Die Verfassung gab «ns nach schweren Kämpfen ein Recht. Wir wollen den Frieden. Recht soll vor Gewalt gehen. Wir wollen Freiheit. DaS Recht soll uns die Freiheit bringen. |Btr wollen Einigkeit. Das Recht soll uns einig ^pisammenhalten. So soll die Verfassung uns Einigkeit, -Recht und Freiheit gewährleisten. Einigkeit und Recht und Freiheit! Dieser Dreiklang ans dem Liede des Dichters 'tzab in den Zeiten innerer Zersplitterung und Untcrdrück- Ang der Sehnsucht aller Deutschen Ausdruck: er soll auch jetzt unseren harten Weg zu rittet besseren Zukunft begleiten. Sein Lied, gesungen gegen Zwietracht und Willkür, soll nicht Mißbrauch finden im Parteikamps, es soll nicht Kampfgesang derer werden, gegen dir es ge­richtet war: es soll auch nicht dienen alsAnsdruck natio tmlistischer Neberhebung, aber so, wie einst der Dichter, 'so lieben wir heute Deutschland über alles' In Erfüllung seiner Sehnsucht soll unter schwarz-rot- bolbencn Fahnen der Sang von Einigkeit und Recht And Freiheit der festliche Ausdruck unserer vaterländischen Gefühle sein. Auf viele Jahre noch werden für «ns srile die Festtage des Staates zugleich Tage gemeinsamer Morgen sein. Unter den furchtbaren wirtschaftlichen Molgen der letzten Ereignisse leiden nicht nur unzählige Volksgenossen. Deutsches Wissen und deutsches Können die Quellen unserer besten Kraft, sind schwer bedroht .Die Rrichsregierung hatmirdreiMillionenMark ffii Zwecke der Wissenschaft, Kunst und Handwerk aus den Mittel» zur Verfügung gestellt, die der Reichstag »um Schutze der Republik bewilligt hat. Zur Hebung de- MolkSgesundheit durch Spiele im Freien wird eine weitere Million bereitgestelü. AuS der Gering­fügigkeit dieser Summen spricht die Not unseres Landes. Schwere Stürme sind über die junge deutsche Revublll in den letzten Wochen dahingegangen. Unsere Einig- frit, unser Recht und unsere Freiheft wurden bedroht Sic werden noch weiter bedroht fein. Wir wol­len nicht verzagen. In der Not des Tages wollen ton uns freudig der Ideale erinnern, wofür toir leben und wirken. Der feste Glaube an Deutschlaichs Rettuno Lud an die Rettung der Welt soll uns nicht verlassen. Es lebe die deutsche Republik! Es lebe das deutsche Vater­land! Es lebe das deutsche Volk!

Berlin, 11. August.

<gez.) Ebert, Reichspräsident. »

.. Dle^neue Verfassung des Deutschen Reiches wurde von der Nationalversammlung in Weimar am 31. Juli 1919 mit 262 gegen 75 Stimmen beschlossen und am 11. Aug. vom Reichspräsidenten in Schwarzburg unst.r Gegenzeich­nung von zehn Rrichsministern urkundlich vollzogen. Mit ilirer Verkündung im Reichsgesetzblatt am 14. August ist sie in Kraft getreten. Durch Art. 178 wurde die Bis- marckische Verfassung vom 16. April 1871 aufgehoben Dem Reichstag liegt gegenwärtig rin Antrag der drei Kr-alitionSparteien vom 7. Juli d. Js. vor:National- friertag des deutschen Volkes ist der Verfassungstag (11. August)." Von der Fraktion der Deutschen Volkspartei ist am 13. Juli der Antrag gestellt worden:National­feiertag des deutschen Volkes ist der Tag der Rcichsgrün- bung (18. Januar)". Sie hat sich dabei von der Erwägung leiten lassen, daß in der Geschichte des deut­schen Volkes die Tat der Reichsgründung selbst das immerhin noch größere Ereignis darstcllt, daß ohne sie auch nicht die Weimarer Verfassung hätte geschaffen werden können, daß gerade unter den inneren und äuße­ren Stürmen der jüngsten Zeit von allen staatserhal­tenden Parteien Reich und Reichseinheit als die not­wendigsten Lcbensbedingungen für die Zukunft unseres Volkes anerkannt winden, daß somit wohl erwartet wer­ben dürfe, all« Volksgenossen zu einer einheitlichen Stimmung aus diesen Tag als Nationalfeiertag zu vereinigen.

Der Verfassungstag hat auch ohne Reichsgesetz an- gefangen, sich durchzusehen, und keinem vernünftigen Menschen wird es cinfallen, etwa ihn zu sabotieren. Zwar werden viele an diesem Tage nicht aufzubringen vermögen, was sie unter heiliger Begeisterung vater­ländischer Feicrtagsstimmung verstehen, was sie inner­lich u;td äußerlich erlebt haben am 18. Januar, am 22. März,, am 1. April, am 18. Oktober. Aber das schließt nicht aus, daß man der Weimarer Verfassung Achtung rntgegenbringt und in ihr die geschichtlich gegebene Grundlage des Kolks- und Staatslebens auf absehbare Zeit würdigt und an ihrem Aufbau mitarbritct, um aus ihr das Letzte hcrauszuholen, was zur Rettung und »um Wiederaufbau des Vaterlandes herauszuholen ist.

DirTägliche Rundschau" setzt sich in einem Aussatz für den Schutz der Verfassung ein, für die jeder ein­treten könne, auch wenn er nicht überzeugter Republikaner, sei. Ein vernünftiger Staatsmann werde sich sagen, daß eine für ibn persönlich nicht erfreuliche Verfassung besser sei als gar keine. DerLokalanzeiger" betont, man werde sich hübe» und drüben in der Erkenntnis einigen,

daß die Freunde der alten Verfassung und die Freunde der neuen Verfassung sich in der Sorge um Staat und Reich zusammenfinden können, trotz aller Gegensätze, die die Ereignisse in den letzten Jahren in ihren Reihen aus- gerissen haben. Wenn die Feier des 11. August in diesem Geist getragen sein sollte, so könnte ihr rin wvhltättger Einfluß auf unsere Volksstimmung, beschie- den fein.

Die SetüiiihiOHflo mit Sagern.

Berlin, 10. Aug. Tie Verhandlungen der Reichsregierung mit Vertretern dec bäuerischen Re­gierung wurden heute Abend abgeschlossen. Das Er­gebnis wird morgen Vormfttag in einer Schlußsitzung sestgelegt werden.

DieB. Z. am Mfttag" erklärt, es könne gesagt werden, daß die bisherige Aussprache beiderseits in durchaus einigungsbereitem Geist geführt wurde.

Wie sich erwarten ließ, haben die Verhandlun­gen zwischen dem Grafen Lerchcnfeld und Vertre­tern der Reichsregierung sehr rasch zu einer Grund­lage geführt, auf der man nicht nur den gegenwär­tigen Konflikt beseitigen, sondern auch für die Zu­kunst Sicherheit gegen ähnliche Fälle schaffen kann. Das letztgenannte Ziel ist für Bayern das wich­tigste. Zu diesem Zwecke verlangt es, daß in Zu­kunft über verfassungsmäßig festgelegte Hoheits­rechte der Länder vom Reichstag nicht verfügt wer­den darf, wenn nicht die Länder und deren Parla­mente ausdrückliche Zustimmung dazu geben. Eine Abänderung der Verfassung in diesem Sinne ist zurzeit nicht möglich, da sich der parlamentarische Weg sehr langwierig und schwierig gestalten müßte. Die Lösung wird deshalb voraussichtlich darin ge­funden werden, daß die Reichsregierung öffentlich ihre Zustimmung zu der bayrischen Forderung er­klärt und die großen Parteien des Reichstages sich in öffentlichen Erklärungen anschließen. Kommt eine solche Lösung, wie sie am Donnerstag beabsich­tigt war, zustande, so würde Bayern darin eine ge­nügende Sicherung für die Zukunft erblicken. Die Beziehungen zwischen den Ländern und dem Reich wären damit auf eine feste Grundlage gebracht. Was die Meinungsverschiedenheiten über das Schutzgesetz anlangt, so wird voraussichtlich der bayrischen Regierung die Sicherheit gegeben wer- den, daß in bestimmten Fällen der Oberreichsan­walt von der im Gesetz vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch macht, die Anklage dem zuständigen Staatsanwalt zur weiteren Verfolgung zu über­weisen. Damit würde auch im Rahmen des Schutz­gesetzes die Rechtsprechung in den wichtigsten Fällen in bayrischer Hand bleiben. Bei dem Reichskrimi- nalgesetz handelt es sich darum, Bayern einen be­stimmten Anteil an der Exekutive zu geben, ohne daß dadurch die Reichszuständigkeit gefährdet wird. Es ist erfreulich, daß der innerpolitische Konflikt vor seiner Lösung steht. Angesichts unserer außen­politischen Lage war ein anderer Ausweg auch nicht denkbar. '

TMMeil gegen die SoMmMM.

L o n d on , 10. Aug. Reuter meldet aus Riga: Der Moskauer Oberste Gerichtshof sprach gestern über die Hauptführer der Sozialrevolutionäre das Todes­urteil aus. Es handelt sich um 11 Personen. Der allrussische Zentralvollzugsausschuß hat beschlossen, das Todesurteil zu bestätigen, aber die Ausführung mrfzuschteben, die indessen zu einem baldigen Zeit­punkt stattfinden solle, falls ' die Sozialrevolutionär-, weiterhin ihre Gewalttaten und Spionage gegen die Sowjet regierung nicht cinstellen sollten.

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London, 10. Aug. Reuter meldet aus Riga, die Sowjetregierung lehne es ab, den Erzbischof Ben- jamin aus Petersburg zu begnadigen, der wegen Ein­spruch gegen die Enteignung von Kirchenschätzen durch die Sowjetregierung zum Tode verurteilt wurde.

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«zug der Griechen vor MtontinoM

Paris, 10. Aug. Havas meldet au3 Kon­stantinopel: Der kommandierende General der Gen- damerie von Konstantinopel meldet, daß die griechischen Truppen an der Grenze der Demarkationslinie bei Tfchataldscha den R ü ck z u g a n t r e t e n. Die schweren Geschütze von Torium werden nach Adrianopel ge- VW. ______

Der frühere PrivatsekretSr des bayerischen SH« niflcrprasidenten Kurl Eisner, namens Felix F e ch e n- bach, ist auf Grund eines Haftbefehles des Mün­chener Volksgerichts verhaftet worden. Er wird nach Bayern gebracht werden. Der Grund der Haltung ist unbekannt.

tönt »m fionlernij.

London, 10. Aug.Evening Standard" zu­folge unternimmt Lloyd George anstrengende Ver­suche, um eine Regelung zustande zu bringen. Er blieb daher heute in enger Fühlung mit Poincarä und den Häuptern der übrigen Abordnungen. Es wird erklärt, daß die Grundlage dieser Besprech­ungen der Plan sei, Deutschland eine teilweise Stundung zu gewähren, um über den 15. Aug., dem Zeitpunkt der nächsten Zahlung, hinwegzukom­men, und daß die Sachverständigen versuchen wer­den, ihren Bericht in der Art des Berichtes des Entschädigungsausschusfes zu verfasien. In einer neuen Konferenz, die gegen Ende August oder Anfang September stattfinden soll, wird die­ser Bericht unterbreitet werden. Wenn eine neue Konferenz beschloffen werden sollte, werde sie wahr­scheinlich außerhalb Englands stattfinden.

Evening Standard" zufolge ist die Meinungs­verschiedenheit zwischen den Engländern und Fran­zosen am schärfsten gegenüber dem Vorschläge, eine Zollinie um das Ruhrgebiet und ebenso eine Zoll­linie östlich des besetzten Gebietes zu schaffen. Es gehe das Gerücht, daß Poincar<l es nicht wage, nach Paris zu gehen, ohne die Ruhr in der Tasche zu haben.

(Eli Wim 6m stMMlIW- MIW»?

Paris, 10. Aug, DerNewyork Herald" ver- ösfeutlilbt ein Telegramm seines Londoner Benrht- «rstatters, das unter allem Vorbehalt wiedcrgegebeu wird, in lem es heißt, sowohl in französischen als auch in italienischen Kreisen glaube man nicht an den von englischer Seite zur Schau getragene äußersten Ernst der Loge. Es verlaute glaubwürdig, daß Llohd George und Poincare gestern Abend unabhängig von den Sachverständigen eine tats ächliche Verstän­digung erzielt hätten in dem Sinne, daß die Konferenz die gesamte Aufgabe auf den Entschäd'- gungsausschuß abwälzen unb diesen ersuchen werde, eine Gründung zu gewähren, wenn er es für richtig halte. Die Stundung werde von produktiven Pfändern der Poincareschen Art in ab­geänderter Form abhängig gemacht, die die Konferenz heute gutheißen werd«.

Der Sonderberichterstatter der Havasagentur in Loudon meldet, heute Vormittag habe keine Sitzung der Konferenz stattgefunden. Theunis habe feine Ver­mittlungsversuche fortgesetzt. Er habe am Vormittag mit Llohd George verhandelt. Im allgemeinen halte man in Konserenzkreisen die Lage für ernst: jedoch er­kläre man in englischen und italienischen Kreisen, daß die Uneinigkeit unter- den augenblicklichen Um­ständen, abgesehen von ihren Rückwirkungen aus die französisch-englischen Beziehungen, von- keiner prak­tischen Bedeutung sei. Wenn keine gemeinsame Lösung erfolge, habe der Entschädigungsausschuß schließlich die Entscheidung zu treffen und es sei wahr- schrinttch, daß, selbst gegen den Widerspruch Frank­reichs, die Mehrheft eine Stundung gewähren werde

Das englische Kabinett.

London, 10. Aug. Das Kabinett beschloß heute einstimmig, die von den britischen Vertretern auf der Konferenz eingenommene Haltung zu billigen.

Die englische Politik geht dahin, daß Deutsch­land eine Stundung gewährt werden muß, die nicht von Bedingungen abhängig ist.

Tor Ministerrat stimmt Poincare zu.

Varis, 10. Aug. Die Minister haben heute unter Vorsitz des Präsidenten der Republik eine Tit-una ab gehalten. Der Mintsterrat hat über die auswärtige Lag« beraten, von den seit drei Tagen mit dem Ministerpräsidenten in London auSgetausch- ten Depeschen Kenntnis genommen und ihm in einem Telegramm Me einstimmige Zustimmung zu s.nnem Vorgehen in London ausgesprochen.

Keine StnÄmng ohne »produktive Pfänder".

Paris, 10. Aug. Zur Lage, wie sie heute Nach- mittag von Paris beurteilt wird, schreibt derTemps", die französische Regierung halte entschlossen de» Grund­satz, den sie ausgestellt hat, aufrecht: Seine Stundung ob« produktive Pfänder. Der Ministerrat beglückwünscht« l-Äurare für das, was er in Londqn getan habe und

sprach ihm sein Vertrauen ans. Er läßt ihm bie not- wendige Handlungsfreiheit, um ein produktives Ergebmt zu erzielen.

Die AM her öMoerMIm.

Ablehnung der französischen Vorschläge.

London, 10. Aug. Die Sachverständigen haben wegen der Ausfuhrabgabe und der Abgabe aus den Zolleinnahmen einstimmig erklärt, daß hier ein vorzügliches Pfand für die Verbündeten vorliege. Das Erträgnis für das lausende Jahr wurde auf 500 bis 600 Millionen Eoldmark be» wertet, das sei zweimal soviel als die herab» geminderten Zahlungen, die Deutschland zu leisten hätte, falls es keine Stundung erhält. Der belgische Sachverständige widersprach dem Plan einer rhei­nischen Zollschranke mit dem Hinweis darauf, daß eine derartige Maßnahme den Handel aus den Rheinlanden nach Rotterdam statt nach Belgien leiten würde. Der französische Sachverständige legte dar, falls sich Deutschland einer Nichterfüllung schuldig mache, könnten die Verbündeten, wenn sie die Bergwerke und Forsten kontrollierten, leicht von der Kontrolle zur Enteignung schreiten.

Daily Chronicle" schreibt: Der Vorschlag einer Kontrolle der deutschen staatlichen Bergwerke und Forsten wurde mit drei gegen die Stimmen Bel­giens und Frankreichs abgelehnt, die übrigen Vorschläge mit 4 gegen 1 Stimme. Man hatte gestern nicht den Eindruck, daß ein Kompromiß möglich sein werde.

Lui Me Zollgrenze am Win.

Paris, 10. Aug. Der Berichterstatter desPetit Parisien" meldet: Tie Regierungschefs wie die Sach- verstündigen haben sich dahin geeinigt, daß bie Summen, die dem Garantieausschuß direkt überwiesen werden, also die 26prozentig« Abgabe und die Zoll- einnahmen, während der Dauer der Stundung von dem Ausschuß der deutschen Regierung überwiesen werden, anstatt Entschädigungszwecken zu dienen. Mrn glaubt, daß man ein energisches Druckmittel gegen die Deutschen in Händen habe, als irgendeine terri- ioeale Besetzung. Dieses in London erzielte Ergebnis sei nicht ohne Bedeutung. Warum müsse also über die Frage der Zollbarriere, deren Schaffung die französisch« Delegation am Rhein und an der Ruhr anempfehle, ein Konflikt ausbrechen? Es sei Kar, daß nicht ohne Grund dieser Plan der Zilllbarriere auf dem fran­zösischen Programm figuriere. Nicht damit zufrieden, die Beschlagnahme gewisser Einnahmequellen Deutsch­lands, die nunmehr die Zustimmung der Verbün­deten gefunden habe, vorzuschlagen, halte es offenbar die französische Regierung für unerläßlich, mbirelt zum System der Zwangsmaßnahmen zurück- zukehren, auf die Gefahr hin, die Finanzlage Deutsch­lands zu verwickeln. Man könne sich jedoch nicht verheimlichen, daß dieser zweft« Plan sämtlichen Ver­bündeten Frankreichs unsympathisch ist. Während sie in der ersten Serie der Maßnahmen einen Fortschritt erblickten, der auch die Stabilisierung der Mark bringen könne, betrachteten sie die Aufrichtung einer Zoll- Saniere tm Inneren Deutschlands als einen Rück­schritt, der zu den größten Verwickelungen führen werd«.

Der belgische Veemittlnngsvorschlag.

Paris, 10. Aug. Der Berichterstatter des Petit Parisien" erfährt, daß der ftanzösischen Ab­ordnung gestern ein Vermittlungsvorschlag unter Beteiligung Belgiens überreicht worden fei, der einen Unterschied bei der Anwendung der von Poincarä ins Auge gefaßten Pfänder vorsehe. Die Vorwegnahme einer 26 Aigen Abgabe auf die deutsche Ausfuhr würde sofort angewendet wer­den. Jene Pfänder, die den Charakter van Zwangs­maßnahmen trügen, würden erst dann in Kraft treten, wenn Deutschland sich weiter hartnäckig seinen Verpflichtungen entziehe.

Zu dem belgischen Kompromißvorfchlag erfährt dasEcho de Paris", Belgien würde zuerst den Plan über die 26 %ige Ausfuhrabgabe und die Einziehung der Zolleinnahmen vorschlagen. Wenn dies ohne Erfolg bleibe, solle die Beschlagnahmt; der staatlichen Bergwerke und der StaatswäldeH auf dem linken Rheinufer erfolgen. Als dritte Maßnahme soll dann die Errichtung der beideq Zollgrenzen in den Rheinlanden und an der Ruhr beschloßen werden, aber diesmal nicht als Mittel, um eine Zahlung herbeizuführen, sondern alts Zwangsmaßnahme. Belgien erklärt;- man dürf^ nicht zugleich von produktiven Pfänder» e«N Zwangsmaßnahmen sprechen, sondern man nuiss«