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Jit. 186

»OberheWch« Zeituni" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 32 Mk. Für ausfallend« Nummern infolge Streik, oder elementarer Ereignifie kein Ersatz. Verlag »an Dr. L. Hitzero td. Druck der Univ.»Buchdrnckerei von 2oh. Ang. «och. Markt 21/23. Kernjprecher 55, Postscheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Donnerstao. im 10. AM

Ernting.

Der »n«igenvrei, deträgt ftt dr« 9 gefp. Zeilenmillimeter 1L0 Mk., amtlich« und aus«. Anzeigen 2.00 Mk. Andere Svaltendreiten entsprechend. Bet schwierigem Satz 60*1, Aufschlag. Spät einlautende oder den Raum über lJt Sette einnehmende An­zeige» »erd«« nach der Ie$th>oltenbtelte berechnet. Reklamen die Tol.»Zeile 15.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al* Barradatt. Set Auskunft durch di« Seschästsftelle und Vermittlung der Angebot« 3 Mk. Sonvergedübr.

57. Mn

1922

Welte Sauen.

** Bert in, 10. Aug. Die Nachrichten, die gestern sgus London eintrafen, klangen wie gefährliche Alarm- «eldungen. Lloyd George hatte erklären lassen, der Bruch der Entente stehe bevor und sei wahrscheinlich nicht mehr zu vermeiden. Italienische und belgische Stimmen lie­ßen sich in ähnlichem Sinne vernehmen und nur aus Paris vernahm man eine etwas mildere Tonart, etwa nach der Weise: ei ist alle- halb so schlimm. Welches Bild ergibt sich, wenn man hinter die Kulissen dieser äußeren Stimmungsmache zu schauen versucht?

1 Es ist gar kein Zweifel, daß die Gegensätze ztvischen Frankreich und England diesmal außerordentlich tief gehen und daß sie auf einer großen Lin« in die Ersch-i- Ming treten, die von dem Rhein bis nach Kleinasien reicht. Es scheint auch nach allen den Erzählungen, die an die Oeffentlichkeit gedrungen sind, in den Londoner Besprechungen recht heiß hergegangxn zu fein. Mer von einer solchen Kampfstimmung bis zum wirklichen Bruch der Entente ist doch noch ein sehr weiter Schritt. Bisher ist schon häufig genug die Lage innerhalb der En­tente kritisch gewesen. Aber immer wieder hat das Kompromiß über die Krisis hinweggeholfen. Denn tbenso wie Frankreich fürchtet auch England da» unge- |fige(te und ernstliche Aufeinanderprallen der Gegensätze, die sich am Konferenztisch mitunter in sehr heftigen Wor­ten entladen. Ein solches Auieinanderprallen wäre wirk­lich der Kampf, und in einer Zeit, in der sich auch dir so­genannten Siegerstaaten des Weltkrieges unter schweren finanizellen Schwierigkeiten krümmen, legen sich der Kampsbegeisterung von selbst schon Zügel an. .

Die Töne, die wir gestern aus London vernommen haben, gehören nun einmal zum diplomatischen Handwerk. Man braucht nicht näher auf die Frage eingehen, ob ein unheilbarer Riß in dem Gebäude der Entente für uns von Vorteil wäre: sich auf ihn zu verlassen, würde jeben- falls auch bei dieser Gelegenheit für alle diejenigen, die sich einen Vorteil von ihm versprechen, mit einer s ch w e - !ren Enttäuschung enden: denn zwischen Frankreich And England ist trotz aller Meinungsverschiedenheiten ^uoch immer eine Verständigung zustande gekommen, veil beide Staaten noch viel zu tief in die Beziehungen verstrickt sind, die der Krieg zwischen ihnen geknüpft hat. Mag Lloyd George auch noch so bekümmert über die Abhängigkeit der englischen Politik von Frankreich seuf­zen er hat bisher noch nicht den Mut besessen, die Fesseln zu brechen und wird sich auch diesmal nicht dazu ausschwingen. Was wird die Folge fein? Daß die Lon­doner Konferenz das deutsche Stundnngsgesuch, wenigstens für eine gewisse Zeitspanne, bejahen wird, kann nun 'wohl schon als sicher annehmen; denn auch Frankreich verschließt sich nicht der Notwendigkeit, fürs erste in der bisherigen Erpresserpolitik eine Pause eintreten zu lassen. Aber die Kehrseite der Medaille wird vermutlich stonzöfifchc Prägung aufweisen.

Man wird versuchen, Deutschland über diesen Ausgang hinweg zu trösten. Man wird sagen, die Beschlüsse der Kndoner Konferenz sind nur eine vorläufige Lösung. Ti" .gründliche, auf die Dauer berechnete Lösung kommt erst jim Herbst. Von einem solchen Tröste will ober in ;D/n.schland niemand mehr etwas wissen. Bis jetzt >haben diese Etappen, die uns angeblich der vernünftigen Lösung entgegenführen sollten, uns nur immer tie'er in die Abhängigkeit und in die Not hineingeführt. Auch Von der Londoner Etappe wird man kaum etwas anderes stgen können. Eine wirkliche Wendung zum Besseren kenn erst dann eintreten, wenn eine Abkehr von der ^bisherigen Politik sichtbar wird. Solange e» aber Frankreich immer wieder gelingt, den roten Faden seiner verblendeten Haßpolitik in das diplomatische Geweb? der Ententebesprechungen einzuflechten, solange wird auch das Urteil über die Konferenzen, die einander folgen, dasselbe bleiben: eine andere Nummer, aber derselbe Faden. Aus dem Wirrsal der wirtschaftlichen und ftnanzieklen Schwierigkeiten, an denen ganz Europa krankt, gelangen wir auf diese Weise nicht ins Freie

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Sie Berliner Bertcnölnnnen

Berlin, 9. Aug. Der bayerische Ministerpräsi- ,tent ist heute SRorgen in Begleitung der Minister iDr. Schweyer und Dr. Gürtner in Berlin ein» getroffen, um die durch den Brief des Reichspräsi- (benten angeregten Verhandlungen über die Gesetze zum Schutze der Republik und die bayerische Verord­nung aufzunehmen. Graf Lerchenfeld hat den Reichspräsidenten und den Reichskanzler besucht. Um 11 Uhr haben die Verhandlungen in der Reichskanzlei enter Vorsitz des Reichspräsioenten begonnen. An den Verhandlungen haben anher den bereits genannten bayerischen Ministern der bayerische Gesandte v. Preger, von den Reichsministern neben dein Reichskanzler der Reichsjustizminister; der Reichs­minister des Inneren, der Reichswittschaftsminist-r »nd der heute aus Bayern zurückgekehrte Reichs­ernährungsminister teilgenommen. Die Aussprache hat Dch über den ganzen Komplex der zwischen dem Reiche tnd Bayern zu behandelnden Fragen erstreckt. Sie teilt- am Nachmittag in Einzelbesprechungen zwischen den beteiligten Ressorts fortgeführt.

Wie die Matter mitteilen, dauerten die Be- Duechungen der bayerischen Minister Tt. Schweyer Ach Dr. Gürtner mit den Reichsministern Xs, Köster

und Radbruch gestern abend bi» in die Abendstunden hinein.

Nach einer Meldung derDeutschen Allg. Zeitg." wird die bayerische Kommission am Freitag wieder in München erwartet, wo sie dann den Ministerrat und den Vertretern der Regierungsparteien Bericht er- statten wird.

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WWIeimz 6« AnMllmm im Ellatz

Pari», 9. Aug. DemJournal" wird aus Straßburg berichtet- daß einem dort eingetroffenen Befehl zufolge die ausgesprochenen Ausweisungen der Deutschen bis auf wetteves aufzuschieben seien. Für die Durchführung der Maßnahme waren bereits 50 Pol'zeiinspeftoreu bereitgestellt, da man schon heute Abend den Beginn der Ausweisungen erwartet hatte.

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Mmlch lottert die Wider jnriitf.

Paris, 9. Aug. Nach dem Londoner Sonder- berichterstatler des ,.Jntransigeant" wird die Konferenz ehe die Teilnehmer auSeinandergehen, sich noch mit der österreichischen Finanzlage beschäftigen. Die gestern eingegangene Note Dcfterreid£, in der die Regierung erkläre, fie werde die Landesverwaltung den Ver­bündet cn übergeben, wenn Oesterreich nicht die Pfänder zurückerhalle> die man ihm genommen babe, habe die Verbündeten zum Nachdenken veranlaßt. Na­turgemäß fürchte man, vor einer entsprechenden Lage auch in Deutschland zu stehen.

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Wien, 9. Aug. Etwa 400 arbeitslose Metall­arbeiter veranstalteten heute Mittag, weil ihnen die Höhe der Unterstützung zu gering erschien, eine Kund- gebung In Vertretung des verhinderten Bundes- Ministers für soziale Verwaltung nahm ein Beamter die Wünsche der Demonstraitten zur Kenntnis.

Aendermg der ReiMMesetzes.

Der Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Retckstoahlgesetzes ist dem Reirvsrat zugegangen. Die Retcysregterung ist bet der Aufstellung des Entwurfs davon ausgegangen, daß die Zett für eine große Re­form des Reickstagstoahlreckts hinsichtlich der Wahl­kreise, der Methode der Bewerberaufstellung und der Verteilung der Abgeordnetensitze aus die einzelnen Mahlvorschläge noch nicht gekommen ist. Der vor­liegende Entwurf beschränkt sich daher in der Haupt­sache daraus, nach den Erfahrungen, die bei den letz­ten Wahlen zum Reichstag und zum preußischen Landtag gemacht worden sind, eine Vorschrift wahl- technischer Natur abzuändern, die Verpflichwng zur Uebernahme ehrenamtlicher Tätigkeit bet der Durch­führung der Wahlen genauer zu regeln und den Er­satz der gemeindlichen Wahlkosten zweckmäßiger zu ge­stalten. Außerdem aber ändert et die Wahlkreis- einteilung in einer Reihe von Fällen ab, indem, er einige übergroße Wahlkreise (Westfalen-Nord, Westfalcn-Süd, Hessen-Nassait und Bayern) im Einverständnis mit den beteiligten Ländern so verkleinern totff, daß auf jeden durchschnttilich Ich Millionen Einwohner entfallen. Eine Ausnahme ergibt sich für Berlin, daS mit Rücksicht auf die Bildung von Groß-Berlin mit seinen vereinigten Vor­orten zusammen den neuen 2. Wahlkreis bildet, der die jetzige Stadtgemeinde Berlin mit 3 803 770 Ein­wohnern umfaßt und auch einen eignen Wahlkreis­verband bildet. Die nach der Wegnahme der frühem Berliner Vororte übrigbleibenden Telle der frühem Wahlkreise Potsdam 1 und Potsdam 2 werden zu einem Wahlkreis Potsdam zufammengefaßt, der mit dem unverändert bleibenden Wahlkreis Frankfurt an der Oder den Wahlkreisverband Brandenburg bildet. Der deutsch bleibende Teil Qberschlesiens bil­det einen eignen Wahlkreis, der mit den ntederschlest- ichen Wahlkreisen einen Wahlkreisvcrband Schlesien bildet. Sachsen ist in Zukunft in die drei mtt den gleichnamigen IdretShauptmannscbaften zusammen- fallenden Wahlkreise Dresden-Bautzen, Leipzig und Cdemnitz-Zwickau geteilt, die zusamnten den Wahl­kreisverband Sachsen bilden.

Ausstände.

B e r I i n, 9. Aug. Der Straßenbahnerausstand in Stettin dauert bereits über vier Wochen. Am Mon­tag und Dienstag ist es wieder zu schweren Zu­sammenstößen gekommen. Mehrfach wurden Araßenbahner verprügelt und durch Messerstiche der- letzt. Zahlreiche Straßenbahnwaaenfenfler wurden durch Cteinwürfe zertrümmert. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen.

Barmen, 8. Aug. Der Ausstand des Buch druckereihilfspersonÄS ist nach achttägiger Dauer be­endet worden.

Danzig, 9. Aug. In Sen Kreise« Danziger Niederung und Danziger Werder hat ein großer Teil der Landarbeiter wegen Lohnforderungen die Arbeit eingestellt. Auf einigen Gütern fei ei bereits zu Zu­sammenstößen zwischen Arbeitswilligen und AnS- stündigen gekpmrner^ sodaß Sicherheit mehr eingreisen mußte. '

Die Londoner Krise.

LW George M Itiloeile M.

Zusammentritt de» englischen Kabinett».

Paris, 9. Aug. Havas meldet aus London: PoincarS hat heute Dormittag mtt Lloyd George und Theunis in der französischen Botschaft gefrüh­stückt. Anschließend daran fand eine lange und wichtige Unterredung zwischen den drei Ministern statt, di« noch um 11 Uhr andauerte. Datüber be­richtet der Sonderberichterstatter der Havas- agentur, Lloyd George habe von den französischen VorschlSgen bie 26 %ige Ausfuhrabgabe, die Be­schlagnahme der Zollettmahmen, die Kontrolle der Staatsgruben im Ruhrgebiet und der Domanial- forfiat am linken Rheinufer angenommen, indessen die Wiederaufrichtung der Zollschranken in den Rheinlanden und im Ruhrgebiet entschieden abgelehnt. PoincarS beharre gleichfalls un­nachgiebig auf feinem Standpunkt. Die Sachver­ständigen sollen heute nochmals die Frage der strit- tigen Pfänder prüfen. Lloyd George werde mor­gen Vormittag einen Kabinettsrat einberufen. Inzwischen werde auch PoincarS seine Kollegen unterrichten, um im Einverständnis mit ihnen zu handeln.

London, 9. Aug. Wie Reuter erfähtt, ist aufgrund der Tatsache, daß keine Verständigung zwischen den Verbündeten in Sicht ist, für morgen eine Sitzung des britischen Kabinetts zusammenbe­rufen worden. Die Minister sind in ihren verschie denen Ferienaufenthalten zerstreut. Viele von ihnen muffen eiligst aus dem Auslande zurückkeh­ren. Es wird etfiärt, daß die Lage zweifellos ernst ist. Das Kabinett wird morgen ernste Entschei­dungen zu treffen haben.

Di« vorherrschende Meinung geht dahin, daß, obwohl man noch nicht alle Hoffnung aufzugeben brauche, der Zusammenbruch der Konferenz keine Ueberraschung Hervorrufen würde.

Der Londoner Sonderberichterstatter desZn- transtgeant" kennzeichnet den Stand der Konferenz nach der Unterredung zwischen Lloyd George, Poin- car£ und Theunis wie folgt: Da jeder bei seinem Standpuntt bleibe, sei die Lage gespannter als je und der Augenblick hilflos. Es ist kein Boden für eine Verständigung denkbar", habe einer der Unterhändler erklärt. Für den Fall, daß die Meinungsverschiedenheiten nicht beizulegen seien, schreibe man PoincarS die Absicht zu, sofort das Parlament einzuberufen.

Das engllsche Ziel.

So nbon, 9. Aug. DerManchester Guadian" schreibt, offenbar seien Lloyd George und seine Rat­geber nun zu dem Schluß gelangt, daß die fr.rn- zösilchen Vorschläge nichts als eine europäische Katastrophe bedeuteten, und daß Frankreich einen Bruch anstrebe und dann isoliert vorgehen wolle

Reuter mr&et in britischen amtlichen Kreisen werde erklätt, die britische Haltung werde von mancher Sei:» als deutschfreundlich bezeichnet. Dagegen sei zu be­merken, daß Großbritannien nicht die deutschen, sondern die gesamten Interessen der Verbündeten vrr trete. Tie englische Politik wolle die höchstmögliche Summe von Deutschland erlangen. Tie Frage gehe nicht trm den Grundsatz der Entschädigungen, sondern um das beste praktische Mittel zu erlangen. Man fürchte, daß einigt von anderen verbündeten Re- cierungen vorgeschlagene Maßnahmen nicht zur Bc- zahlnuL sondern Zerstörung jeder Aussicht aus Bezahlung führen würben.

PolncarS» Forderungen.

Paris, 9. Aug. Rach demPetit Parisien" sind die von Poincavt nnterbvefteten Vorschläge folgende:

1. 26prozentige Abgabe von den durch" die deutsche Ausfuhr erzielten Eingängen an ausländischen Devisen.

8. Ausbeutung der deutschen Zolleinnahmen.

3. Abgabe von 60 Prozent de- Aktienkapftals der auf dem linken Rheinuser gelegenen chemischen und FarbenfÄmken.

4. Beschlagnahme der staatlichen Bergwerk und Wälder auf dem linken gcheinuf«.

6. Wiederaufrichtung der Zollschranke am Rhein und 1B» das Lchhrgebich

6. Erhebung der Steuern auf dem linken Rhein» nfer.

7. Stärkere Kontrolle der Reichsbank und bet» sthredene andere Maßnahmen von geringerer Be­deutung.

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Paris, 9. Aug. Nack einem Berickt desMotin" ans Loudon hat gestern der belgische Ministerpräsident Tbeu nis den_Versuch gemacht, eine lleberbrttck- ung der französischen und englischen Gegensätze herbei- zuführen. Er habe eine lange Unterredung mit Poin- care gehabt und sich dann zu Lloyd George begeben. Belgien wolle den Bruch zwischen Paris und London ver­meiden. Das Brüsseler Kabinett lege sich Rechenschaft davon ab, daß bei der augenblicklichen Lage zwei vev- schiedene Arten von Politik mit einander tu Gegeumtz geraten seien, die eint, die englische, die die Entschul­digungen Deutschlands a n n e h m e, die andere, die fran­zösische, die an Deutschlands schlechten Willen glaube. Die Grundlagen der beiden Arten von Politik feiet verschieden. Wenn Deutschland für feine anscheinende Zahlungsunfähigkeit verantwortlich sei, müffe es darunter leiden, um zu erfahren, was seine Pflicht fei Wenn aber die wirtschaftlichen Fatalitäten verantwortlich feien, bann habe Deutschland einzig und allein Zeit und Hilfe notwendig.

P a r i S, 9. Aug. DasJournal des Debats" schreibt über die Krise der Londoner Konferenz: Wir hoffen stark, daß Poinear^ sich nicht einjchüchtern läßt. Das wird ihm, wenn er will, nicht schwer fallen Es wird ein leichtes sein, darzutun, daß Llovd George, wenn er in dieser Meinungsverschiedenheit den Grund zu einer voll­kommenen Trennung erblickte, die ganze Verantwortung selbst übernehme für ein Ereignis, das man in Frank­reich beflagen würde, aber in keiner Weise provoziert hätte. Lloyd Georges Haltung ruiniere die Entente in einem Falle, wo Frankreichs Existenzfragen mtt im Sviele sind.

DerTemps" führt Beschwerde, daß Lloyd George, der sich doch bereit erklärt hatte, mit Poincar^ zn verhandeln durch die Presse die öffentlich« Meinung in England gegen die französische Regierung und die von ihr vorgeschlagenen Pfänder mobil zu machen versncht babe. v

DieInformation" erklärt, Poincarö habe die Pflicht, Frankreichs Rechte ans dem Versailler Vertrag in die Tat umzusetzen. Jndeffen würde man nicht erwarten, daß sein Programm uneingeschränkt Annahme finde. Man könne nur erhoffen, daß schließlich eine Verständi­gung in einigen Punkten erreicht werde.

DieLiberte" rühmt Poinrare nach, daß er sich nicht so beonem terrorisieren laffe wie einige seiner Vor­gänger. Gestützt von seinem ganzen Lande und im ein­mütigen Auftrage des Ministerrates sei er nicht einen Fuß breit zurückgewichen. Wütend, daß seine bis jetzt »n- bestrittene Bormacht «ine Schlappe erlitten habe, sei Lloyd George gleich zu der Drohung übergegangen, er habe von der Taktik Gebrauch gemacht, deren er lich schon in San Remo und anderwärts bediente und habe von einem etwaigen Abbruch gesprochen, der auch den Bruch der Entettte corbiale nach sich zöge. Wir be­flogen, schließt daS Blatt, daß der französisch-englischt Bruch sich nicht bezahlt macht. Er wäre vernichtend. Lloyd George müsse nachdenken. Er halte den wirt­schaftlichen und vielleicht auch den allgemeinen Fried« Europas in seinen Händen

Sos Urteil ter Wmwdiges.

London, 10. Aug. Reuter erfährt: Der Be­richt des Sachverständigenausfchuffes über die Vor­schläge Poincar6s ist überreicht worden. Der Aus­schuß ist zu dem Schluß gekommen, daß die Vor- schläge überhaupt keine außerordent­lichen Gelder von Deutschland ein- bringen würden. Hinsichtlich des Vorschlages, daß die Verbündeten eine Kontrolle über die deut­schen, dem Staate gehörenden Kohlenbergwerke und Forsten errichten sollten, stimmten der italienische und japanische Vertreter mit dem britischen Ver­treter darin überein, daß eine solche Maßnabme zwecklos fei, außer als Zwangsmaßnahme. Was die vorgeschlagene Zollinie zwischen dem besetzten Gebiet und dem übrigen Deutschland anlangt, so wären alle Verbündeten außer Frankreich der An­sicht, daß eine solche Maßnahme unerwünscht sei. Gegen die Anregung, daß die. Verbündeten einen Anteil von 60 Prozent an den deutschen che­mischen Produkten übernehmen sollten, erhoben die Verbündeten außer Frankreich Widerspruch and be­trachteten eine solche Garantie nur als einen Grund für Deutschland, mehr Papiergeld zu druckem

Die nächste Sitzung der Konferenz wird am Freitag stattfinden. Die britischen Minister neh­men den Standpunkt ein, daß es nicht wünschens­wett sei, irgendeine Meinung über die Lage zu äußern, bevor sie sich mit ihren Kollegen berate» haben. - - .