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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen
J'tt SnseigenDtei« beträgt kür ben 9 gefp. Zellenmtlltmeter 1.50 3RL, amtlicke und w , ausm. Anzeigen 2.00 Ml. Andere Spaltenbreiten entipredjenb. Bei schwierigem Satz *»7 Aflnffi 50% Anschlag. Spät einlan-ende ober ben Raum über Seite einnehmende An-
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9er Sieg der Bürgertums in Anlien.
In einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung' Mailand heißt es:
Der bisherig« Verlauf des atlkwmeinen Ausstandes belehrt die Urheber, daß ein völkischer Streik in Italien ohne großes Risiko nicht mehr durchgrführt, tocibtn kann. Mit der Proklamation und Stillegung einiger Betriebe ist es nicht aetan. Die sozialistische Presse stellt auch diesmal die Aktion als einen Erfolg bat. Aber sie weiß, daß die auss äußerste geschwächte Partei nicht mehr manchen derartigen Erfolg verträgt, denn in Italien wird trotz Streikparole, Drohungen und .Hindernissen gearbeitet. Das Bürgertum klagt und jammert nickt, während die organisierten Arbiter die Arme verschränken und feiern, sondern es greift selbst zu, legt Hand an und zerbricht das Arbeitsmonopol der Sozialisten durch das Beispiel. Nie war Mailand belebter als heute. Ter Verkehr der Großstadt pulsierte o kräftig, daß der geheime Streikausschuß ratlos wie vor einem Wunder steht. Die Straßenbahner, die Prätorianer des soziasistisch-kommunisttfchen Regimes, streikten bei jeder Gelegenheit, und der Bürger fügte sich dieser Fatalität, heute fahren d>'e Straßenbahnwagen ohne Straßenbahner auS den hallen von Faszisten bedient, mit den nationalen Farben geschmückt, vom Volk als nicht wegzichispiit'erende Wahrzeichen des bürger- licken Sieges begeistert begrüßt. Auf Schritt und Tritt begegnet man den Spuren des bürgerlichen Triumphes. Sckon gestern kümmerten sich wenige um die Streikaktion, heute lacht jeder darüber. Die Kraftprobe ist entschieden. D'.e Macht der Sozialisten, di« durch diesen Generalstreik bestätigt werden sollte, hat 'ick als Ohnmacht erwiesen. Vielleicht bedurfte es noch dieser Erfahrung, um die Sozialistenführer davon rn überzeugen, daß den Interessen des italienischen Proletariats nicht mehr mit Entlschließungen und Massenstreik, sondern nur durch ehrliche soziale Arbeit gedient werden kann.
Diese Vorgänge sind nicht nur für Italien be- merkenLiuert und beachtlich.
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Das Urteil eines unabhängigen Ministers.
Der sächsische Innenminister Lipinski (U. S. P ) hielt kürzlich in einer von der Beamtengrupve der unabhängigen sozialdemokra'.ischen Partei Groß- Leipzigs einberüfenen Versammlung eine Rede, in der er nach einem Bericht des „Leipziger Tageblatts" u. tu ausführte: Es gibt überhaupt kein Streikrecht. Die Gewerbeordnung äußere sich hierzu nur insofern, als sie den Streik als ökonomisches Machtmittel nicht verbiete, das jedoch nur im äußersten Falle Anwendung finden dürfe, wenn alle anderen Mittel versagt hätten. Für die Beamten käme der Streik aber überhaupt nicht in Frage, da sie in einem demokratischen Staate lebten, der für sie sorge. Das von ihnen mitgewählte Parlament und die demokratische Staatsversassung müßten genug vertrauenswürdige Faktoren sein. Nur Vertrauen könne den neuen Staat in seinem Bestände sichern. Leider <gebe es aber noch viele Beamte die sich in den neuen Staat nicht einfügen könnten und die als „Sandstreuer"' Sabotage an der Staatsmaschine trieben. Ta er diese „Sandstreuer" als Innenminister in seinem Beamten- apparat nicht hab« dulden können, hätte er durchgreifende Veränderungen vornehmen müssen. Dir höheren
e »OderheWche Zeltun- erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 82 Mt. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooet elementarer Steignifie kein Erlatz. — Verlag non Dr. L. Hiueroth. — Druck der Unio.-Buchdruckerei non 2ol>. Äug. Koch. Markt 21.23. — Rerniprether 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Mair.
Die Tragödie der russischen Sozialrevolutionäre naht sich ihrem End«. Die Bolschewisten haben die Männer, die die Revolution entfachten, die Bewegung dann aber nicht mehr meistern konnten, „teattionättt" Umtriebe und „arbeiterfeindlicher" Handlungen beschuldigt. Das Revolntionstribunal wird die Führer der Sozialrevolutionäre nunmehr aburteilen, und es besteht kaum noch ein Zweifel darüber, daß dieses „Gericht" zu eine« Todesurteil gelangen wird. Ucber die Zusammensetzung Und das Verfahren des Revolutionstribunals ist in Deutschland eine heftige Pressefehde zwischen ter Sozialdemokratie und den Kommunisten entbrannt. Letztere verteidigen selbstverständlich ihre Geldgeber, und die „Rote Fahne" verlangt sogar den Tod derjenigen Sozialrevolutionäre, die an den Ausständen der letzten Jahre gar- nicht teilnehmen konnten, weil sie int Gefängnis saßen, nur weil sie die Handlungen ihrer Parteigenossen hinterher billigten. Der „Vorwärts" wend ft sich gegen ein derartiges Ansinnen und gibt feinen Ausführungen die weniger geschmackvolle als treffende Ueberschrift „Bluthunde". Die unabhängige Sozialdemokratie entsandt« sogar zwei Rechtsanwälte, Dr. Rosenfeld und Dr. Liebknecht, nach Moskau, um die angeklagten Sozialrevolutionäre verteidigen zu lassen. Beide sahen aber da- Auslichtslose ihres Beginnens ein und kehrten noch vor Beendigung der Verhandlungen wieder nach Deutschland zurück.
Was in Moskau vor sich geht, ist ein hohn auf jede Rechtsprechung und bedeutet weiter nichts, als di« brutale Ausübung der Macht der Bolschewisten gegen politisch' Andersdenkende. Der össeutliche Ankläger Kry- lenko bezeichnet das Revolutionstrtbunal selbst als „Organ des Klasjen^ampses der Arbeiterklasse". Die Sozialdemokraten können hier an einem Beispiel sehen, wohin eS führt, wenn man die Rechtspflege in die Hand von Politiker» legt und diese ihre Gegner aburteilen läßt,
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Moskau, 5. Aug. Gestern wurde im Kreml Ke allrussische Konferenz der kommunistischen Partei eröffnet« In der Eröffnungsansprache sagte Kamenew, Lenin gewinne nicht nur seine Gesundheit zurück, er sei tatsäch^ lich bereits gesundet.
Am 5. August fand unter dem Vorsitz deS Pfarrers Hell-Perlan ein Wahlkreisvertretertaa des Wablver- f>nnM Oberbapern-Sck-vaben der Deutschen Volksvo.rsii in München statt. Die mehrstündigen Verhanblnrmen, an denen auch der Führer der Partei, Dr. Strese- mann, teilnahm, endet-n mit der einmütigen Annahme der nachstehenden^ Entschließung:
„Der aus allen Teilen Südbaperns stark besuchte Vertretertag des Wahlkreises Oberbayern-Schwaben der Deutschen Volksvartei (Nationall'berale Partei) spricht nach den die zielklare, verantwortungsbewußte Politik der Deutsch-« VolkspaÄft in überzeugender Weife dar- legenden Ausführungen des Parteiführers Dr Strese- mann diesem fein volles Vertrauen aus. Er dankt ihm kür die staatsmännische Leitung der Partei, insbesondere für seine und der Reickstags,rakpon tatkräftige, auch von ander-r Seite als erfolgreich anerkannte Vertretung der bäuerischen Belange bei der V-rabsch'edung des Ke keßes zum Schutze der Republik. D r Vertretertag begrüßt die Bildung der Arbeitsgemeinschaft d-'r Milde und siebt in ihr die Voraussetzung für eine Besserung der parlamentarischen V-rbältnisse und der politischen Lage im Reick. Der Vertret rtag vertraut, daß die Regierung Lerchenseld bei voller Wahrung der bayerischen Interessen nichts unternimmt, was den Bestand des Reiches und die Geschlossenheit des deutschen Volkes gt- sührlen könnte."
W eiterhin befaßte sich der Vertretertag mft der durck die Drohung Poineares geschossenen Lage und faßte hierzu folgende Entschließung: „Der Vertretertag begrüßt die Einmütigkeit der Regierung und der Parteien in der Zurückweisung der Drohungen Frankreichs. Er vertraut, daß. das deutsche Vo.k der ihm angebtobten Gewaltpolitik feinen einmütigen, unbeugsamen Willen zur Ber teidigung seiner unveräußerlichen Rechte auf den Fortbestand eines politisch und wirtschaftlich selbständigen Deutschland entgegensetzen wird."
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Der Mzed stoen W So^alreooliitionöte.
Moskau, 7 Aua. In dem Prozeß gegen die angeklagten Sozialrevolutionäre erwiderte der Ankläger am 3 August auf die Ausführungen der zweiten Gruppe ''er Angeklagten. Zum Schluß warf er die Frage des Strafausmaßes auf und sagte, von dem Standpunkte der Rützlichkeit oder Gekährftckkeit der Angeklagten sei diese Frage bereits durch die Ausführungen von Gotz, Hendelmann und Timoftew gelöst, die erklärt hätten, daß sie, 'orange sie leben, so handeln würden wie früher und daß von ihnen weder Widerruf noch Gnade zu erwarten sei. „Was soll man nach diesen Erklärungen tun? Ich er- kläre ganz ruhig: Blut muß hier vergossen werden, damit es in Zukunft leit Blut oder weniger Blut gebe." Handelmann polemisierte dann namentlich gegen die Ausführungen Krylenkos, der behauptet hatte, daß die Beschuldigten auch weiterhin und mit denselben Methoden wie ftüher den Kampf gegen die Soivjetmacht sühren würden. Die Angeklagten stellten sich den Kampf in Zukunft in anderen Formen vor, als in der Form des bewaffneten Kampfes. Die Ausgabe der Partei der Sozialrevolutionäre beruhe in einer allmählichen mühsamen Arbeit zum Zwecke der Erziehung der Arbeitermassen. In dem Augenblicke, in welchem her Wille der organisierten Masten zum wahren Ausdruck komme, werde der Bolschewismus genötigt sein, ben Grundsätzen der Demokratie zu wcicken. Gotz erwiderte auf die gegen die Partei ber Sozialrevolutionäre erhobenen politischen Anschuldigungen, welche Bucharin und Krylenko vorgebracht hatten. „Wrr haben nie aus ben bewaffneten Kampf verzichtet uns ttHtocn auch nie aus ihn verzichten. Der Kampf muß aber in verschiedenen Formen geführt werden. Im gegenwärtigen Zeitpunkte stehen wir aus dem Standpunkte, daß wir auf bewassueten Kamps und Ausstände verzichten." In der Bormittags- i'tzung vom 4.August forderte der Vorsitzende des Gerichtshofes die Beschuldigten auf, eine Erklärung abzu- geden, wie sie sich verhalten würden, falls der Gerichtshof sic sreisprecheu würde. Es sn wichttg zu wissen, ob die Beschuldigten den Kampf gegen die Sowjetmacht fsrtsetzen würden. Hieraus sprachen Donskst. Ugov und Timofjew, der erklärte: ,.2Sir kämpfen gegen Euch als Leute der Zukunft." Zlobin erklärte er könne kein Versprechen geben, daß er sich in Zukunft nicht an den Parteiarbeiten beteiligen würde. Nahezu dieselbe Erklärung gaben alle übrigen Beschuldigten ab, wob« sie aus ihre revolutionären Verdienste in der Vergangenheit hinwiesen.
Politische Tagesncuk rieten.
Keine Rettungsmedaille mehr. Der amtlich«' preußische Pressedienst teilt mit, der Minister deS Inneren habe in einer Verfügung darauf btngewlesen, daß auf Grund des Art. 109 der Reichsverfassung, der das Verleiden von Orden und Ehrenzeichen verbietet, die Verleidung der früheren Rettungsmedaille grundsätzlich nicht mehr in Frage kommen könne. Es sei in Aussicht genommen, künftig allen Personen, welche sich durch die Rettung von Mitmenschen unter Gefahr des eigenen Lebens verdient gemacht halten und denen nach den bisherigen Grundsätzen die Rettungsmedaille am Band verliehen worden wäre, die Anerkennung der Staatsregierung in Form einer Dankurkunde auszusprechen. In Fällen, wobei es sich nut um eine minder erhebliche Lebensgefahr des Retters bandelt, habe künftig- lediglich eine öffentliche Belobigung ober die Aushändigung einer Geldbeloh- mitte zu erfolgen.
Zentrum und Deutsche Bolköpartei. Die Deutsche Vollspariei ist im württembergtschen Landtag mit 4 Abgeordneten vcrtteten, kann also keine Frallion bift den, da dazu 7 Abgeordnete nötig sind. Um nun mich in den Ausschüssen verlreten zu sein, wollen die 4 Abgeordneten bet bet Zentrumsfraktton hospitieren.
Der deutsche HauSbesitzertag. wozu 700 Vertretet des 500 000 Mitglieder umfassenden Zentralverbandes deutscher Haus- und Grundbesitzervereine erschienen! wurde in München eröffnet.
Der „Völkische Beobachter" in München ist wegen grober Angriffe aus den Ministerpräsidenten Grase» Lerchenfeld auf acht Tage verboten worden.
Kuchbruüerausstand. Infolge des Ausstandes bet Buchdrucker und Setzet, die eine außertarifliche Zulage fordern, sind die bürgerlichen Zeitungen im Solinger Jndufiriebezirk nicht erschienen.
Die Rotlage der Presse. Die .Dithmarscher Nachrichten- und die Kieler kommunistische .Norddeuttch« Arbeiterzettuna" haben ihr Erscheinen emfieile«
»igelt werben na» bet Xejtipaltenbreite berechnet. Reklamen bte Tol.-Zeile 15.00 Mt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebote 3 Mk. Sonvergebühr.
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London, 7. Aug. Ein diplomatischer Mitarbeiter des .Daily Telegraph" schreibt: Bis zum Samstag '■ v.ic voraussichtliche Atmosphäre alles anders >ls hoffnungsvoll, aber die seht milden und etwas negativen, um nicht zu sagen nominellen Maßnahmen des Herrn Potncarö haben die Svannung zwischen London und Paris merklich erleichtert. Wegen der Dauer der Stundung (eine kurze Stundung wird von beiden Kreisen für zwecklos gehalten) und der Sicherheiten wird eine lebhafte Aussprache erwartet. Die Franzosen haben weitergehende Kon- trollmaßnahmen Über die deutschen Finanzen vor, als sie allgemein von den Verbündeten gebilligt werden. Großbritannien und Frankreich kommen heute zusammen mit seht weit «useln- andergehenden Ansichten, doch braucht man nicht zu verzweifeln, daß, wie bet früheren Ge- legcicheiten, eine gemeinsame Formel gefunden wird, die für beide Teile annehmbar ist, wenn nicht von den beiden Staaten, dann von ber Bevölkerung. Italien und die Donaumächte werden, wenn sie ersucht werden sollten, auf ihre Ansvrüche zu verzichten, auf die Suspension ihrer Ansprüche für 20 Jahre Hinweisen.
Poincars, der Later der Lüge.
Der „Lokalanz." erfahrt aus München, daß in per dieser Tage erscheinenden Ausgabe der „Süddeutschen Monatshefte" Frankreichs Schuld am Weltkriege aufgrund der Abmachungen des russischen mit dem französischen Eeneralstabschef in den Zähren 1911, 1912 unb 1913 durch neu entdeckte Dokumente, die man der Sowjetregierung verdankt, dargelegt wird. Sie sind unwiderlegliche Beweise dafür, wie Poincar6 die Spannung zwischen Frankreich und Deutschland verschärfte. Das heft ist darum PoincarH „dem Baler der Lüge" Dewidmet,
Eros Etrteefos Mje M Berlin.
Berlin, 7. Aug. Der bayerische Gesandte v. Preger hat dem Reichspräsidenten mitgeteilt, daß der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchenseld mit dem bayerischen Minister des Inneren Dr. Schwkyer und dem Justizminister Dr. Güriner am Mittwoch früh in Berlin zwecks Verhandlungen mit der Reichs- regiening eintrifft.
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Eine neutrale Sone an der Tschataldscha-Llnle.
London, 7. Aug. Reuter meldet auS Athen: Die militärischen Vertreter von Griechenland, Großbritannien, Frankreich und Italien haben am Samstag ein Protokoll unterzeichnet, durch daS eine neutrale Zone von 3s/< Meilen Breite zwischen ber griechischen Armee urb den verbündeten Streitkräften an ber Tscha- taldscha-Linie errichtet wird.
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Berlin, 7. Aug. Dem Berliner Korrespondenien ber „Daily News" erklärte Re'cksknnzler Dr. Wirth in einer Unterredung, daß Deutschland die Euischä- dignngszahkungen nicht umgehen wolle. Es könne nur nicht nach dem Londoner Zahlungspläne bezahlen unb wünsche die Zahlungen auf einen längeren Zeitraum verteilt zu sehen. Die Methoden der Gewaltanwendung und der Drohungen könntm nicht zit einer Lösung bi3 Problems führen. Roch einige Noten, wie die letzten französischen, und der Zusammen- bruch der deutschen Währung werde vollständig sein. Ein Fehlschlag der Londoner Kon^e-enz wäre ihr vollkommener Zusammenbruch. Der Eintritt Deutschlands in ben Völkerbund sei so lange nichtaktiiell, solange uns das Wasser bis zum Nun stehe.
Dem Berichterstatter des „Newhork Herald" gegenüber erklärte Dr. Wirth, daß ber Zusammenbruch etn-r Bevölkerung von 60 Millionen Deutschen sich nicht über Nacht wieber gut machen lasse. Deutschland würde auf jeden Fall zahlungsunfähig werden, wenn die EntschädigungsverpDichtung n nicht herabgesetzt
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Berlin, 8. Aug. Im Reichskabinett wurden ßestern die non der französischen Regierung beschloßenen Netorsionsmatznahmen besprochen. Wie die Morgenblatter von unterrichteter Seite hören, lammen fü, bit Beurteilung folgende Gesichtspunkte in Betracht:
Die in Punkt 1 der französischen Rote enthalten« Weisung an die Ausgleichsämter in Paris unb Straßburg, bis auf weiteres jebe Anerkennung »entschcr Forderungen aufzuschieben, wider« spricht nicht nut dem Geiste der Gegenseitigkeit, sondern auch dem Versailler Vertrag, in dem vorgesehen ist, daß das Schuldneramt dem Gläubigeramt die anerkannten Forderungen be- kaontzugeben hat.
Zu Punkt 2, die Entschädigungszahlungen für deutsche Rechnung auszusetzen, ist zu sagen, baß sich Frankreich in einem Abkommen verpflichtet hat, bie Entschädigungsbeträge zu zahlen aus den Erlösen des liquidierten deutschen Eigentums. Die Einstellung dieser Zahlungen bedeutet einen Bruch dieses Abkommens.
Rach Punkt 3 dürfen die französischen Ausgleichsämter die Erlöse aus der Liquidation des deutschen Eigentums in Frankreich nicht mehr 6e anntgc6cn. Rach dem Versailler Vertrag hat aber Frankreich die Liquidationserlöse dem deutschen Ausglcichs- amt gutzuschreiben, unb zwar spätestens btei Monate nach ber Liquidation. Also auch hier liegt eine glatte Verletzung laufender Verpflichtungen vor.
Das Verbot der Möbelausfuhr aus Elfaß-Loth- ringen bedeutet einen Bruch des Baden-Badener Abkommens. Die Zahlung von 25 Millionen Franken, bie ' ntschland in biesem Vertrag übernommen hat, ' bereits vor längerer Zeit erfolgt.
Marburg Dienstag. den 8. August (Eretmg.
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Frankfurt«. M., 7. Aug. In der heutigen zweiten Sitzung des Internationalen Bergarbeiterkongresses wurde der Engländer Frank Hodge wieder zum Generalsekretär der Bergarbeiter-Internationale gewählt. Dee zum Vorsitzenden für di« heutigen Verhandlungen ge- t^ählte Engländer Smith versicherte, daß man fest entschlossen sei, im Geiste der Brüderlichkeit zur Verbesserung der Lage, in ber sich Drntschlanb befinde, zu tun, waS man tun könne. Ein Antrag bes russischen Bergarbeiterverbanbes auf Zulassung zur Bergarbeiter- Internationale würbe zunächst abgclehnt, bis bie genauen Ziele der rusiischen Organisation f es! gestellt seien.
Einen breiten Raum nahm die Erörterung eine? MBi Frank Hodge begründeten Antrages aus Internationale Vereinheitlichung der Arbeitsbedingungen ein. Die Forderung, den Bergarbeitern einen größeren Urlaub unter Weiterzahlung des Lohnes zu gewähren, begründete ein- gebend Alfred Lombard- Belgien. Da diese Forderung ben einzelnen ßänbern zur Durchführung überlassen werden soll, stimmen bie Franzosen dagegen, die eine internationale Regelung ber Frage wünschen. l
Es sinb 119 Delegierte ans Deutschland, Belgien, Frankreick. England, Amerika, Holland, Lurembura, Ungarn, Südslawien, Oesterreich und der Tschechosloivakei anwesend, bie 2108800 Bergarbeiter vertreten.
Die Monet Konferenz.
London, 7. Aug. Die heutige Konferenz bauerte 6 Stunben. Poinears und Lloyd George hielten lange Reben. Poinearö legte einen endgültigen Plan vor, von dem er wünschte, baß er geheim gehalten wirb. Dieser Plan wirb einem Ausschuß ber Finctnzminister unterbreitet werden, ber der allgemeinen Konferenz Bericht erstatten soll
Baris, 7.Aug. Havas meldet aus London: Poin- carö hatte am Vormittag eine einfiünbige Unterredung mit dem belgischen Ministerpräsidenten Theunis, die sich aus die Frage der Ausgleichsrahlungen unb deS Moratoriums bezog.
Nach dem Sonderberichterstatter ber Lavasage,itur in London erklärte nach ber ersten um 1 Uhr beendeten Konferenzsitzung Poincara gegenüber Journalisten auf deren Fragen, sämtliche Vertreter beabsichtigten zum mindesten bis heute Abend unbedingtes Stillschweigen über bie Beratungen zu bewahren.
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