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Wer

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habe sofort geantwortet, datz eine derartige Er- mächtigung nicht gegeben werden könne. Man habe Gründe zu der Annahme, datz die gleiche Ant­wort in London und Rom gegeben worden sei.

Marburg Mag. hm 3L 3uli Heuert.

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhefsischej Oberhessen

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fi« Loeitje|ii|d>e SeitunV etiditlnt fetbsstal<6entlit6. - »rzugsor-ir monatlich

32 Mk Für austallettbe Nummern infolge Streits ooer elementarer Ereignrue

«» 177 kein (Eiiafc. - Verlag von Dr. 6. Hitzerotd. - Druck der Univ-Bu»druckerei von

U Ml Igtz, Bug. Koch, Atarki 21,23. Fernsprecher 55, Posticheckkonto: Nr. 501s Amt

Frankfurt a. Main.

Sn ImzWA MW.

Die Note, durch die Frankreich eine Herab­setzung der Ausgleichszahlung ablehnt, ist jetzt im Wortlaul. bekannt. Es ergibt sich daraus mit noch grötzerer Deutlichkeit als aus der Znhaltsan- igabe, datz die französische Regierung ihre Ableh­nung in die denkbar schroffste Form gekleidet hat. Es ist wirklich ein starkes Stück, der deutschen Re­gierung zuzumuten, datz sie ihre Hand für eine in­ternational« Brandmarkung deutscher Staatsange­gehöriger leihen soll, die nach Ansicht Frankreichs ihren ausländischen Schuldverpflichtungen nicht in -der richtigen Weise nachkommen. Zn einer Zeit, in der der deutsche Finanzzusammenbruch vor der Türe steht, sollte man für die Schwierigkeiten der Lage auch in Frankreich Verständnis haben. Es handelt sich ja keineswegs um einen Verzicht auf die Ausgleichsfordernng, sondern um ein weniger rasches Tempo des« Ausgleichs, wie es nach allge­meiner Auffassung dem deutschen Zahlungsvermö­gen entspricht.

Bemerkenswerter aber als der Mangel an fach­lichen Gründen ist an der französischen Rote ein anderes Merkmal. Die französische Regierung hat ihre Entscheidung ohne jede Fühlung­nahme mit den andern in Betracht kommenden Mächten getroffen. Denn für die Arsgleichszah- kungen kommen auch Belgien, England und Ita­lien in Betracht. Von diesen andern Ländern scheint Belgien für die deutschen Gründe volles Verständnis zu haben. Es geht von der richtigen : Auffassung auf, datz die Ausgleichszahlungen j nicht durch den Gerichtsvollzieher eingezogen wer- ' den können, während man über die Herabsetzung der deutschen Entschädigungszahlungen verhandelt. Diese letzt, «nannten Zahlungen gehen vor, und solange nicht eine endgültige Entscheidung über ihre Höhe getroffen ist, haben die anderen Zah­lungsverpflichtungen zurückzustehen. Frankreich kehrt sich an solche Erwägungen nicht. Soll dies rin Vorspiel des eigenmächtigen Vorgehens sein, mit dem man in Paris wieder droht? Will man namentlich einen Druck auf London ausüben, um e-, den französischen Wünschen gefügig zu machen? Es wäre ja nicht das erste Mal, datz man inner­halb der Verbündeten einen Streit auf Deutsch­lands Rücken austrägt.

lleber den Inhalt der deutschen Antwort glaubt derLokalanzeiger" feststellen zu können, daß in der gestrigen Besprechung in der Reichs- kanzlei die Lage als außerordentlich ernst bezeich «et wurde. In den Kreisen der Reffortchefs sehe man keine Möglichkeit, der ultimativen Forde­rung der Rote irgendwie zu entsprechen. Das Reichskabinett werde vermutlich antworten müffen, daß die Reichsregierung gänzlich außer­stande sei, die erforderlichen Mittel zur Ve- gleichmig der bisherigen Monatsraten aufzu­bringen.

3n der französischen Note bemerkt der .Lokalanz." «. a.: .Wir haben nicht mehr die Wahl. Das Ende mit Schrecken ist bereits in Greifnähe gerückt. Die ^rfüffunciSVoIitif tft, tote bet Demokratenführer Kotyein schon vor fast einem halben Jahre schrieb, längst Katastrophenpolitik geworden. TieVoss. Ztg." sagt, die deutsche Regierung könne die französische Forderung unter keinen Um­ständen annehmen, weil bte Politik der Er- siillintg. woran sie sesthalte, sich sonst in eine Politik »cr 2 e l b st z e r st ö r u n g verwandeln würde. TicDeutsche Allg. Zeitung" bezeichnet den Schritt Frankreichs als eine sinnlose Willkür. T-te .Germania" äußert sich:Man darf nicht vergessen, daß sede Verschlechterung der deutschen Mark eine Hcrabdrückung der deutschen Lebenshaltung bedeutet. Es gibt aber auch hier eine Grenze, wo dir Hun­gersnot die Menschen zum Wahnsinn treibt. Es kann niemand von uns verlangen, daß wir Selbst­mord verüben. Es kann sich leicht eine Situation ent­wickeln, in der die Regierung erklären mutz, datz sie trotz aller Beinübungen nicht mebr imstande sei, irgendwelchen Reparationsverpflichtungen für die nächste Zeit nachzukommen." Der .Vorwärts" ver­langt, daß man, wenn man auch durch Zentralisierung der Devisen den Markkurs nicht dauernd stützen könne, bemüht sein mützte, Markbeträge, die Anlage in Gold­werten suchen, zu fesseln, indem man eine Goldanleihe aufnimmt.

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Der Monte Ast.

London, 29. Jule. In seiner gestrigen Rede vor den nonkonsormistischen Geistlichen sagte Lloyd George «. a.: Ich war in Paris der erste, der im Rat der Zehn vorschlug, dass der Völkerbund einen wesentlichen Tell des Versailler Vertrages bilden solle. Der Völkerbund ist ein wesentlicher Teil der Maschinerie der Zivilisation, iker Buchstabe tötet, aber der Geist ist Leben. Wenn man Mut dem Buchstaben traut, wird daS Töten wieder be­ginnen, Wen» der Wahnsinn einmal ansgebrvche« ist.

6nÄ WfistWtfli . .

Wen KsnWttziMl.

Die Verbündeten zur Verteidigung Konstantinopels bereit.

P a r i s, 29. Juli. Nach demTemps" hat die griechische Regierung vorgestern Frankreich, Eng­land und Italien eine Note zum griechisch-türki- chen Konflikt überreichen kaffen. Das Blatt be­zeichnet folgende Stelle der Note als wesentlich:

Die griechische Regierung sieht sich genötigt, die Maßnahmen zu ergreifen, die zur Beendigung des Konfliktes am besten geeignet sind. Griechenland wird jedoch immer bereit sein, gemeinsam mit den Verbündeten jeden Friedens­vorschlag zu prüfen, der aber nur dann verwirk­licht werden kann, wenn die Türkei die gemein­samen Veschlüffe der Siegerstaaten vollführt, ohne ausweichen zu können."

DerTemps" schreibt hierzu, wenn Griechen­land gegen die Türkei Gewalt anwenden wolle, sei das nur an drei Stellen möglich: einmal an der kleinasiatischen Front, dann in der Gegend von Konstantinopel und endlich in Kanstantinopel s e l b st. Es handle sich nur noch darum, an wel­cher Stelle der griechische Generalstab loszuschlagen beabsichtige. Es lägen zahlreiche Anzeichen dafür vor, daß er Konstantinopel besetzen wolle. Sobald dieser Plan bekannt geworden sei, sei er Frankreich und Italien als ni cht an­gängig erschienen. Die französische Regierung habe ihre 'Auffasiung in London zum Ausdruck gebracht. Cie sei der Ansicht, datz keinerlei An­griffe auf Konstantinopel geduldet werden dürften und datz ihnen, wenn nötig, mit Gewalt Wider st and zu leisten sei.

DerTemps" glaubt, datz die italienische Re­gierung derselben Ansicht ist. Eie habe wie Frank­reich und England Truppen in Konstantinopel und stehe auf dem Standpunkt, datz gegen jeden Angrei­fer Gewalt angewendet werden mützte. Die fran­zösische Regierung habe ihr« Ansicht auch in Athen mitgeteilt.

Athen, 29. Juli. Der britische Geschäftsträ­ger hat bei der griechischen Regierung Vorstellun­gen gegen den Plan eines Vorgehens gegen Kon­stantinopel erhoben.

London, 30. Juli. Reuter meldet aus Malta: Ein Bataillon Infanterie hat Befehl er­halten, nach Konstantinopel zu gehen.

Griechisches Befehungsgefuch.

Paris, 30. Juli. DerPetit Parifien" mel­det, der griechische Geschäftsträger in Paris habe gestern formell um die E e n e h m i g u n g für seine Regierung nachgesucht, Konstantinopel besetzen zu dürfen. Die französische Regierung

ist es zu spät Das schlimmste was es gibt, ist F u c ch t. Es gibt manche Nation, die nichts glauben will von dem, was eine andere sagt. Sie fragt:Was hat die andere vor? Sie will uns täuschen!" Wenn erst einmal ein Zündholz in die überall Herumliegenden Ex- vloswstoffe fällt, dann wird es keinen Zweck haben, die Böllmbnndssatzunq zu schwingen. Darum muß ein neuer Geist pulsieren. Da" Explosivmaterial muß hinter Schloß und Riegel gebracht werden, und ebenso die Leute, die Zündhölzer hineinwerfen. Eine neue Ge- nemlion wächst heran, welche die Kriegsschrecken nicht durch machte, und der vom Ruhm des Krieges erzählt wird. Diese Generation wird die Entscheidung haben. Man muß ihr gegenüber den Krieg seines Glanzes entkleiden und auf seine Abscheulichkeiten Hinweisen. Man muß dieser neuen Generation erzählen, was auf einen Krieg folgt unb was zu leicht vergessen wird. Rußland sank in die Tiefe und sinkt bei krampfhaften Anstrengungen immer tiefer. Deuts chland klammert sich verzweifelt an den verdorrten Ast seines entwerteten Geldes. Wenn dieser Ast bricht, daun bleibt nur übrig, Deutschland der Gnade Gottes anzuem- psehlen.

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Deshalb sollte Lloyd George so schnell wie möglich dahin wirken, daß Deutschland rasch und ausreichend geholfen wird, damit dieser dürre Ast nicht bricht. Aber statt dessen schiebt man die Londoner Konferenz, auf der besprochen werden soll, was zu tun ist, immer weiter hinaus und stritt Deutschland schroffe Noten mit An­drohung von Zwangsmaßnahmen zu. Folge: Doüar- kurs über 600.

Ein deutsch - luxemburgischer Zwischenfall. Die .Montagspoft" erfährt aus Brüssel, datz bU dortigen Blätter über einen schwere« Zwischenfall an der luxemburgisch - deutschen Grenz« berichten . Zwei Schmuggler, die von deutschen Beamte« verfolgt wur­den, überschritten die Mosel und verschwanden »ach Luxemburg. Die deutschen Zollbeamten schosse« von der deutschen Sette auf die Flüchtlinge und töteten einen luxemburgischen Bauer.

Paris, 30. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel dauern die griechischen Lan­dungen in Rodosto an. Die gelandeten Streitkräfte werden auf 25 000 Mann geschätzt. Eine griechische Patrouille, die in die neutrale Zone eing rdrungen sei, sei nach kurzem Gefechte von türkischer Gen­darmerie zurückgewiesen worden.

Berlin, 29. Juli. Der Korrespondent des Daily Telegraph" weist darauf hin, datz die kema- listische Armee nach Nachrichten aus zuverlässiger und unparteiischer Quelle sehr demoralisiert sei und datz die Zahl der Fahnenflüchtigen sich bestän­dig vermehre. Die Kemalisten ersehnten eine aktive militärische Unterstützung durch die Bol­schewisten; daher sei auch ein Anwachsen der Kommunisten in Angora zu verzeichnen. »-'

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Ueberflntz im Ausland, Mangel in Deutschland.

Berlin, 29. Juli. Der Reichskohlenrat trat heute unter dem Vorsitz des Bergrats Kleine zu­sammen und nahm zunächst den Bericht über die Lage der Kohlenwirtschaft entgegen, der von Berg­hauptmann Bonnhold erstattet wurde. Im An­schluß daran empfahl der Berichterstatter die An­nahme einer Entschließung des Reichskohlenver­bandes, wonach der Reichskohlenrat und der Reichskohlenverband das vom Entschädigungsaus­schutz für die Monate August bis Oktober festge­stellte Lieferprogramm an Kohle für unverein­bar mit der deutschen Kohlenlage halten, nament­lich infolge des Rückganges der deutschen Stein­kohlenförderung infolge des Verlustes Oberschle­siens. Ferner wird in der Entschließung auf die Kohlennot in Deutschland und den Ueberflutz im Ausland, sowie auf di« widersinni­gen Transporte von deutscher Kohle ins Ausland und englischer Kohl« nach Deutschland hingewiesen. Zum Schluß wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Regierung dieses Programm ablehnt. Der Redner schlug vor, diese Entschließung möglichst heute noch dem Reichskanzler zu überreichen. Die Entschließung des Reichskohlenverbandes wurde einstimmig ange­nommen.

Warum Amerika W teilen miH.

Keine moralische Führerschaft in Europa.

München, 29. Juli. Der amerikanische Fi­nanzpolitiker Frank Vanderlip erklärte einem Mit­arbeiter derMünchen-Augsburger Abendzeitung", daß Amerika vor der neuen Präsidentenwahl keine entscheidenden Schritte untern«hvien werde, und zwar einmal, weil eben die Wahlen bevorständen, dann aber auch, weil in Europa keine moralische Führerschaft vorhanden sei. Das europäische Problem laffe sich nicht fest greifen, und es wäre zwecklos, dem europäischen Wirtschaftsleben finanzielle Jnjettionen durch kleine Anleihen zu geben. Amerika werde solange zurückhalten, bis eine Lösung gefunden sei. Ueber den Eesamteindruck befragt, gab Vanderlip zu, daß er sehr pessimistisch denke, einfach'" deshalb, weil Amerika, bevor sich die Lage in Deutschland und Europa nicht zur Klarheit durchgerungen habe, nicht eingreifen könne. Frankreich habe vor einem erstarkenden Deutschland Angst. Je mehr Deutsch­land sich wieder auf eigene Führ zu stellen ver­möge, umso größer werde die Ang st Frankreichs. Der Repräsentant dieser deutsch- französischen Einstellung sei P o i n c a r 6. Eng­land dagegen wolle dem Weltmarkt neues Leben einflötzen und die Weltwirtschaft über die Welt­politik stellen. Der Exponent dieser englischen Auffasiung sei Lloyd George. Vanderlip meinte, datz sich zwischen diesen beiden Eryonenten niemals werde «ine Brücke schlagen lassen, sonder« e» bleibe nur noch die Revision de, Versailler Friedens. Amerika wolle keine, Volke, und keine, Landes Feind sein, aber dort, wo moralisch« Führerschaft fehle, könne auch Amerika nicht helfe«.

Btt MHI MM 1911

Zum Gedächtnis und zur Mahnung.

In seiner großen Reichstagsrede vom 6. Februar 1888 sagte Bismarck: .Wenn wir in Deutschland einen Krieg mit der vollen Wirkung unserer National« traft sichren wollen, so muß eS ein Krieg sei, mit dem die ganze Nation einverstanden ist. ES mutz tut Volkskrieg sein. Es mutz ein Krieg fein, der mit der Begeisterung geführt wird wie der Krieg von 1870, wo wir ruchlos angegriffen wurden. Dann wird daS ganze Deutschland von der Memel bis zum Boden­see wie eine Pulvermine aufbrennen und von Ge­wehren starren, und es wird kein Feind wagen, mit diesem furor teutonteus (mit dieser deutschen Wut), der stch bei dem Angriff entwickelt, anzubinden."

Bismarck hat mtt geradezu seherischer Kraft vor» ausgeschaut und vorausgesagt, wie es in den erste« Augusttagen 1914 gekommen tft Nicht wir 6 ab en den Krieg entfesselt, wennschon wir chn an Rutzland und Frankreich erklären und Belgien zur Einfalls« Pforte nehmen mutzten, woraus sich die KriegSer» klärung Englands gegen uns ergab. Es ging uns vielmehr, wie es einem sriedferttgen Wanderer ergeht, der von zwei Räubern angefallen wird, die den An- grift von langer Hand her forgsälttg vorbereitet haben. Auf der Ostfront batte Rußland vorzeitig mobil gemacht, um stch auf Deutschland und Oester­reich-Ungarn zu stürzen, verbunden mit Frankreich,, das sich, dem Vertrage gemätz, von Westen her <uw schickte, über Deutschland herzttfallen. Im Hinter- gründ aber lauerte England mit dem Angrift Gegen Deutschland. So haben die Eroberungssucht Ruß­lands. die Rachegier Frankreichs, der Neid England- den Weltkrieg verschuldet. Wir Deuttche aber handel­ten lediglich in der N o t w e b r. Dieser grundlegend« Gedanke drängt stch bei der Erinnerung an die ersten Augnsttage 1914 mit überzeugender Gewalt ans und kann heute gar nicht eindringlich genug betont werden.

Der Geist vom August 1914 war der gleiche Wie der vom März 1813 und vom Juli 1870. Damals, im März 1813, stammte das Volk des schwachen, steinen, auSgesogenen Preußens bis zum letzten Mann empor, um das Joch des französischen Eroberer- und Bedrückers mit Waftengewalt abzuschütteln. Im Just 1870 aber galt eS, endlich den Ucbermut und die Streitlust der Franzosen zu brechen und den Reif der deutschen Kaiserkrone, den Ring der deutschen Einheit im Feuer der Schlachten zu schmieden.

Jetzt kam es darauf an, zu erhalten, wa- t>l« Väter geschaffen hatten, die Probe zu bestehen und durch die Tat zu beweisen, daß das bentfette Voll an seiner Einheit. Ueberzengungskraft, Opserbereittwaft sestbielt und der großen Vorzeit wert und würdig war. Nie zuvor, auch Im Jahre 1870 nicht, stand et« so stahlhartes deutsches Heer an der Schwelle bei Krieges tote jetzt. Fast I % Millionen Mann, ständige, Reserve- und Ersatztruppen des FrontbeereSj dazu beinahe die gleiche Zahl in zweiter Linie, da­hinter noch Millionen von Wehrpslichttgen und Frei­willigen, auch die kampsgerüstete Kriegsflotte. Di« Mobilmachung rollte mit wunderbarer Genauigkeft ab, alles klappte und sttmmte bis aufs Letzte. Ein auS Stahl und Eifen gefügtes Kriegsheer mit blanke« Schild und scharfem Schwert trat kampfessroh In die Ringbahn. Ein gewaltiges Sturmeswehen brauste ditrch das gesamte deutsche Volk und er griff eS bis in die innerste Tiefe der Volksfelee. Mit Stolz konnte Kaiser Wilhelm II. sagen:Die Welt ist Seuee gewesen, wie unermüdlich wir in dem Drang und den Wirren der letzten Jahre in erster Reihe standen, um den Völkern Europas einen Krieg zwischen wn Großmächten zu ersparen. Uns treibt nicht Srod«- rungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, de« Platz zu bewahren, auf den Gott uns gestellt hat. für uns und alle kommenden Geschlechter. An die Vkstker und Stämme des Deutschen Reiches ergebt mein Ruf, mit gesamter Kraft, in brüderlichem Zusammensteden mit unteren Bundesgenossen, zu verteidigen. waS tott in friedlicher Arbeit geschaffen haben. Ich texnt keine Parteien mehr, ich kenne «nx Deutsche!"

Der Krieg war uns aufgezwunge« worden, wir mußten ihn führen, ob wir wollten oder nicht. DaS ganze Nolk war sich des heiligen und tiefen Ernstes der Stunde bewußt, aber bereit, die höchsten und letz- ten Opfer für das Vaterland zu bringen. So ging es hinein nach Belgien. Schon am 7. August war Lüttich in unseren Händen, dann folgte der SiegeSzug durch Belgien und Nordostfrankreich, während nach anfänglichem Rückzug noch im August Hinden­burg den Sieg von Tannenberg über die Russen er­rang und einen nnverwelktichen Ruhmeskranz um di« deutsche Feldzeichen wand.

Fast 4)4 Jahre lang hielt daS deutsche Volk mA dem Aufgebot höchster körperlicher, stttlicher, wirt­schaftlicher Kraft dem Ansturm der Feinde und ihrer riesenhaften Kampfmittel Stand, die stch von Jahr z« Jahr vervielfachten. Niemals hat ein Volk mehr ge­leistet. Und dennoch! Ein eisiger Reft fiel auf de« Blütenbauch des deutschen Geistes von August 1914. Gewiß baben die zehrenden Röte und Entbehrungen der langen Kriegszeit einen entnervenden Einstutz ge­übt, gewiß wurde schließlich die Ueberzahl der Feinds allzu groß, gewiß hat unsere Politik innen unh draußen manchen Fehler gemacht und die Waffe»» erfolge nicht gehörig zur Erreichung des Frieden- ge- nutzß gewiß sind uns die Bundesgenossen treulos ge­worden. Alles dteS wird zugegeben. Eine bitter- Mahnung aber klingt auS jener Zett bis anf bW heutige Stunde hindurch. Wtt haben unS in den Zeiten höchster Gefahr wiederum durch den alte« deutschen Ur- und Erbfehler von der Bahn zum Sieg­oder wenigstens zum ertrügt toen Ende ablenken lassen. Wir wurden unter einander uneinig «nh ließen der Parteiwirtschaft und der Klaffe» p o l i 11 k freien 8auf. So gewann die Wirtschaft-« ftage die Ueberhand über den großen batet« ländischen Gedanken, alles, auch daS letzte^ der Geschlossenheit zu opfern und al8 ein un- * trennbar einiges Volk den Kamps zu bestehen. Lei»