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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
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Anzeiger für (das früher kurhesiifche) Oberhessen
Jir. 175
Xie ,A'i>ert)e||i|d>e Zeitua erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugsoretr monatlich 25 Ml. Für ausfallende Nummer« infolge Streik» oder elementarer TreigniNe kein Ersatz. — Verlag von Dr. L. Hitzerotd. — Druck der Univ^Buchdruckerei von 2oh. Lug. Koch, Markt 21.23. — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt o. Main.
Marburg Jreitag, Den 28. 3iiO {»eitert
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57. TM 1922-
BermittlNgsakliW -es MsM-enten.
400 Millionen Mark Einmarkstücke, für 600 Millionen
LIesd Stotge über MM.
„Rußland hat den erste« Schutz getan.
London, Hl. Jui.. 3« der Unterhausaussprache von gestern über die Haager Konferenz hielt nach Lord Robert Cecil Llotzd George eine Rü>e. in der er u.a. sagte, die Konteren- bedeute einen merklichen Fortschritt zu einer endgültigen Regelung. Die Wickerherstelldng des Frieden- in Eurova und der Ordnung in der Welt lasse sich nur Schritt für Schritt erreichen. Man sei heute ftllzu geneigt zu vergessen, daß d»r geißle aller Kriege erst vor drei Jahren beendet worden fei. Es sei bereits rin bedeutender Fortschritt gemacht worden. Die Ansicht Lord Robert Cecils, daß die Zustände sich verschlimmert hätten, könnte er nicht teilen. Die Erklärung Clynes, daß England teilweise an dem Unglück Rußlands schuld sei. sei historisch unhaltbar. Rußland habe den ersten Schuß getan, und Rußland habe auch als erste Macht den Krieg eingestellt. Die englische Regierung habe Kerenski jede Unterstützung gewährt und e- sei nicht ihre Schuld, wenn er keinen Erfolg gehabt habe. Einig« Mitglieder des Hauses schienen der Ansicht zu sein, es gebe eine russische Regierung, di« ganz Rußland ourch den Willen des Volkes beherrsche, und England habe sich bemüht, Aufstand und Bürgerkrieg hervorzurufen. Tatsache sei, daß die bolschewistische Regierung durch einen Staatsstreich ans Ruder gekommen sei. Es liege kein Beweis dafür vor, daß da? russische Volk jemals diese Regierung gewünscht habe, es habe sich nur unter dem Druckeder Gewalt gefügt. Lloyd George fuhr fort, wenn cs möglich wäre, zu einem Abkommen zwecks Beschleunigung des Wiederaufbaues zu kommen, so würde dies für Rußland und England von Vorteil fein. Die furchtbaren Zustände in Rußland könnten sich nicht bessern, wenn Rußland nicht die zivilisierte Welt zu Hilfe rufe; geschähe dies nicht, dann würden in Rußland Zustände w.ic in der Urzeit Platz greifen. Rußland entbehre Maschinen aller Art, landwirtschaftlicher Geräte usw. England wäre geholfen, wenn es derartige Bestellungen erhalten könnte. Die Zusammenarbeit liege allo im bcider- stitigen Interesse. Fraglich sei nur. ob diese Zusammenarbeit möglich sei. Die Behauptung Clynes. daß die politische Anerkennung Rußlands zur Wiederaufnahme der finanziellen, wirtschaftlichen usw. Beziehungen führen würde, sei geeignet, Rußland zu täuschen. Selbst wenn der beste verfügbare Botschafter nach Rußland geben würde, würde ihm kein Bankier oder Kaufmann ' folgen, wenn nicht die notwendigen Bedingungen her- gestellt seien. Der große Vorteil der letzten Haager Konferenz sei gewesen, daß Rußland zum Verständnis der tatsächlichen Verhältnisse erzogen würde. Es handele sich nicht um die Frage de? Privateigentums, sondern hm die Frage der Sicherheit für die britischen Arbeiter und für das britische Kapital. Rußland müsse den früheren Besitzern ihr Eigentum wiedergeben oder s'e entschädigen. Wenn Rußland zustimme und seine Ver- pftichtungen loyal erfülle, dann werde es Zeft für bk diplomatisch)« Anerkennung sein.
Lloyd George schloß, er hoffe, daß die russische Regte kung keine Dieideutige Antwort geben werde. Dann fei mich an der Wiederherstellung des normalen Lebens in Europa nicht mehr zu zweifeln. Jetzt herrsche bereits ein b'sferer Geist. Bezeichnend sei, daß jedesmal, wenn die G- fahr eines Abbruches im Haag bestand, und es habe einige Leute gegeben, die diesen Abbruch wünschten, alle Grenzstaaten Rußlands, die noch vor kurzem gegen Rußland rüsteten und teilweise mit ihm im Kampfe lagen, für die Fortsetzung der Konferenz eingetreten seien. Dieser neue Wille zur Zusammenarbeit sei sehr wertvoll und auf dieser Grundlage würde der Weltfried« und die Wohlfahrt wieder hergestellt werden.
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W We allen Elends.
Der Vertrag von Versailles.
München, 27. Juli. Ter amerikanische Finanz- tnann Frank Vanderlip führte einem Mitarbeiter der „Münchener Neuesten Nachr." gegenüber au): Nicht der Krieg ist di« Ursache der großen Verluste, sondern die Natur des Frieden-von Versailles. Ver sailles erwies sich für die Sieger ebenso verderblich wie für die Besiegten. Deutschland muß in kurzer Zeit zusammenbrechen, wenn nicht radikale Aenberungen sein« Reparations- lasten vorgenommen werden. Tie unlösbare Schwierigkeit liegt in der absoluten Unfähigkeit Frankreichs, eine vernünftige Herabsetzung dies« Last erörtern. In Deutschland wird baldigst eine sehr ernste und wachsende Beschäft igung-losigkeit «tnsetzen, di« zn- sammenfättt mit bet Preissteigerung und der zunch Menden Inflation. Ihre Wirkungen müssen sich aus- ttsen in Straßenrevolten und sozialem Chaos. Noch im Juni hätte eine internationale Anlech, die Sttuatioi retten können. Deutschlands Bankerott zieht unweigerlich den Bankerott Frankreichs nach sich
D« Reichspräsident hat gestern bte Mitglieder der Ktndcrhtlfsmission der Quäker empfangen, um dem Amerikanischen Hilfswcrk nochmals den Dank des deutsche« Volke- auSzuspreche«.
Sin Ms nn hei Mti LMM».
Berlin, 27. Juli. Auf Grund der gestrige« Beratungen der Reichsregierung und der heute ftattfindenden Besprechung mit dem Reichskanzler und dem Reichstagepräfidenten hat sich der Reichspräsident entschlossen, an den bayerischen Ministerpräsidenten Graf Lerchenfeld einen Brief zu richten, in dem auf den Ernst der eingetretenen Lage hingewiesen wird. Heute Rachmittag sand eine Kabinettssttzung statt, in welcher der Wortlaut des Briefes mitgeteilt wurde. Der Brief wird dem bayerischen Ministerpräsidenten morgen früh übergeben.
Die „Vosstsche Zeitung" will aus dem Inhalt des Schreibens des Reichspräsidenten mitteilen können, daß in dem Briefe der große Ernst der Lage dqrgeleot werde, der durch die bayerische Verordnung geschaffen worden sei. Das Schreiben ent, halte keine direkte Aufforderung an die bayerisch« Regierung^ die Verordnung zurückzuziehen, aber Wendungen, die es dem Münchener Kabinett nahelegen, seinen Entschluß aus eigener Initiative zu fassen und zu verwirklichen.
Nach einer Mitteilung des „Vorwärts" ist die Veröffentlichung des Schreibens des Reichspräsidenten nach Verständigung mit der bayerischen Regierung für Freitag Abend geplant.
Wie die Blätter über die Stimmung in München melden, sei man dort ziemlich hoffnungsvoll über die Wahrscheinlichkeit einer Verständigung mit Berlin.
Abttmaüge ZMiehml; der Londoner Konferenz?
London, 27. Juli. Die „Times" versichert» in ministeriellen Kreisen werde davon gesprochen, daß die Zusammenkunft des englischen und französischen Ministerpräsidenten wegen der italienischen Minister, krise und des Ruhebedürfnisses bei englischen Minister, die eine anstrengende Parlamentssaison hinter sich hätten, vielleicht erst im September stattfinden würde. Auch der politische Korrespondent der „West- minster Gazette"' spricht von der Möglichkeit, daß Poincare später als vorgesehen, vielleicht erst im Sep- tkmber, nach London kommen werde. Deutschland tofitbe in diesem Falle für die Entschädigungszahkungen im August ein Aufschub gewährt weisen. Die französische Regierung werd« diesem Aufschub zustimmen, denn ein neuer Sturz der Mark würde dir französischen Frauken mit sich ziehen.
Paris, 27. Juli. Einer HavaS-Meldung zufolge gibt man in London als wahrscheinliches Datum für die Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Pohicarb den 7. August an; di« französische Regierung wird zweifellos mit diesem Datum zufrieden sein. Sie erhebt auch keinerlei Widerspruch gegen die Teilnahme der italienischen und belgischen Vertreter, hält es aber für unumgänglich notwensig, daß eine Lösung bezüglich des Stundungsantrages bis zum 15. August zustande komme.
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Ei« englischer Zahlungsentwurf.
London, 27. Juli. Der diplomatische Korrespondent dcS .Daily Telegraph" schreibt: Der französische Botschafter besuchte gestern daS Auswärtige Amt, brachte aber keine Antwort Voincares auf die Note Balfours vom Dienstag. Man erwartet tn- deffen, daß die französische Antwort beute in London etntrisst. Wenn Poincare mit Lloyd George zusammentreffe, werde er gewahr werden, daß nicht er allein einen klar gefaßten Plan für ein neues Gut- schädigungsabkommen mitbringe. Es werde sich iciaen, daß britische Minister und Sachverständige gegenwärtig in gfeiefier Weife beschämst sind, einen konkreten und umfassenden Entwurf berznstellen, der nicht die Interessen Großbritanniens und Frankreich?, sondern die aller Verbündeten berücksichtige. Die .größte Schwierigkeit fsir eine baldige internationale Zusammenkunft liegt in der Erwägung, daß, selbst wenn im Gegensatz zu früheren Erfahrungen die tlaiicnische Ministerkrise am Ende dieser Woche gelöst sein fr ffte, der italienische Minister kaum früher als eine Woche später in London eintreffen könnte und außerdem dann noch unvorbereitet fein würde.
vorläufig Irin« Einberufung de» Reichstag».
Berlin, 87. Juli. Die Frage einer Einberufung de» Reichstages kann, wir von maßgebender Stelle erklärt wird, erst zur Erörterung gestellt werben, wenn bi« Bermittlu nqSaktion, die d«r Reichspräsident in dem Meinungsstreit zwilchen der Reichsregierung und der Landesregierung Bayerns zu unternehmen gedenkt» dunhgeführt sein wird. Dann wird der Arlt-sten. rat deS Reichstages, dessen Zusammentritt etwa Mitte nächst« Woche erwartet werden kann, über bk Einberufung beraten.
Nordbayern und bte Pfalz.
München, 27. Juli. Beim Emvfang bet nord- bayeriskben Bürgermeister dnrck den Ministerpräsidenten Graf Lrrchenkelb, bem ber Minister be$ Innern Schwitzer beiwohnte, erklärte ber Wortführer der Abordnung, infolge der herrschenden Unklarheit über bi; Absichten ber Regierung und der Regierungsparteien sei w den nordbayerischen Städten eine tiefgehende Erregung zntstsnden. Er wies auf bi« Gerüchte hin, bte über bte Loslösungsabsichten hort verbreitet waren. Auf Grunb der neuen Tatsachen erachtete ber Wortführer eine filn- nmo insofern als gegeben, als bte Besorgnisse über bte Msicht einer Loslösung vom Reiche jeher Grundlage entbehren. Er beznchnete ferner die Fortsetzung bet ein» geleiteten Aufklärungsarbeit als erwünscht, um Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten.
Ludwigsbafen, 27. Juli. Eine Anzahl pfälzischer Bürgermeister bat sich gestern mit bet besondere o Lage ber Pfalz beschäftigt unb als Ergebnis ihrer Beratungen eine Abordnung nach München entsandt, btf dort bte Besorgnisse ber Pfalz vortragen soll. — 95t: die „Pfälzische Rundschau" schreibt, hofft man. daß in München der Lage der Pfalz in weitgehendem Maße Rechnung getragen werde, um eine pfälzische Sonderp»litik unter allen Umständen zu vermeiden.
sprechende Antwortnote ber französischen Regierung sei bereits abgegangen. Der „Temps" behauptet, ber Beschluß sei gefaßt worden aufgrund des Mangels an gutem Willen, den Deutschland bei ber Durchführung bei Ausgleichsverfahrens und her Anerkennung der Forderungen an den Tag gelegt habe.
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Gin Segenzug.
Paris, 27. Juli. Dem „Journal" wich aus Berlin gemeldet: Di« deutsch« Regierung sandte mehreren Nachbarstaaten eine Verbalnote des Inhalts, daß nach ihrer Ansicht die Entscheidungen der Botschafterkonferenz üb« die deutsche Luftfahrt ebenso auf ausländische Flugzeug« Anwendung finden, die etwa deutsches Gebiet überflögen. Infolgedessen verbiete Deutschland ein Eindringen in die deutsche Luftfahrzone allen ausländischen Flugzeugen, gleichviel welcher Nationalität, deren Motorstärke Aber dir für die deutschen Flugzeuge festgesetzte hinanSgehe.
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-lM WeiMimWmW.
Berlin, 27. Juli. In Verfolg der in diesen Tagen im Bergbau bewilligten Lohnerhöhungen hatten die Organe der Kohlenwirtschaft heute neue Kohlenpreisfestsetzungen vorzunehmen. Es wurde einstimmig beschlossen, die Lohnerhöhungen und sonstigen Zuschläge für Material ufto. durch Preiserhöhungen nach dem bisherigen Schlüssel abzugelten. Dementsprechend tritt für das Ruhrrevier eine Preiserhöhung von 205.40 Mark netto je Tonne Fettförderkohlc ein, die einschließlich Steuern usw. eine Erhöhung um 305 Mark brutto bedingt. In ber gleichen Weise erhöhen sich bte Preise für rheinische Rohbraunkohlc um 28.60 Mar? unb für borrige Briketts um 112.50 Marh beides netto und für die mitteldeutschen und ostelbischen Reviere um 59.50 bczw. 178.50 Mark netto. Die Erhöhungen treten am 1. August in Kraft.
Aus dem Neichsrat.
Berlin, 27. Juli. Der Neichsrat.stimmte einer Verordnung zu über Gewährung von Beihilfsdarlehen zur Förderung des Wohnungsbaues, die durch die Darlehenssätze an die Gemeinden verdoppelt werden sollen, ferne.' bte Abänderung der Arzneitaxe mit Rück ficht auf die Geldentwertung und der Erhöhung dec TageS- und Uebernachtungsgelder für die Reichsbeamten. Der Reichsrat genehmigt« ferner die vom Reichstag vorgeschlagene Echöhung der Tagegelder der Abgeordneten von 5000 auf 10000 Mark monatlich.
Mark Dreimarkstücke und für 800 Millionen Mark Fünfmarkstücke hergestellt werden.
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MilAItWt MAiÄttM.
Von unsttrm volkswirtschaftlichen Mitarbeit«.
Die Statistik der deptschen Außenhandels im Monat Juni zeigt gegenüber dem Vormonat eine Zunahme der Einfuhr um zwei Milliarden Mark und der Ausfuhr um 3,1 Milliarden Mark. Das klingt zunächst recht günstig, obwohl auch im Juni immerhin noch ein Einfuhrüberschuß von mehr als 4 Milliarden Mark vorhanden ist. Aber noch wesentlicher ist es, daß bei den fortgesetzt steigenden und auch schwankenden Preisen bl« Wertstatistik heute nur wenig zuverlässige Schlüsse zuläßt. Zieht man ab« di« Mengenstatisttk heran, die andere große Mängel hat, so ergibt sich eine Zunahm« der Einfuhr um 2,2 Millionen Doppelzentner unb ein Rückgang bei Ausfuhi um 2,1 Millionen Doppelzentner. Erwecken bie Vergletchszahlen bet Wertstatistik einen zu günstigen Eindruck, so ist der der Mengenstatistik vielleicht zu ungünstig. Denn di« Zunahme der Einfuhr sowohl, wie der Rückgang der Ausfuhr wird hier wesentlich dadurch beeinflußt, daß wir km Juni 4,6 Millionen Doppelzentner Steinkohle mehr eingeführt unb 1,7 Millionen Doppelzentner weniger ausgeführi haben. Die Kohle spielt aber in bet Mengenstatistik natürlich eine weit größere Rolle als in bet Wertstatistik. Man barf also aus biefen Ergebnissen bet Hanbels- statistik nut sehr vorsichtig Folgerungen für bte Entwicklung unseres Außenanbels ableiten.
Unzweifelhaft geht freilich aus biefen Zahlen bas Elenb unfeiei Kohlenwirtfchaft hervor. Wir förbern von Monat zu Monat roeni« 0« Kohlen, unb können boch eine entfptecheube Herabsetzung unserer Lieferungsverpflichtungen an bie Vetbünbeten nicht erreichen. Man schätzt bie Minberförberung, bie burch ben Verlust Oberschle- stens unb ben Rückgang bet Ruhietzeugung verursacht würbe, auf 3,3 Millionen Tonnen monatlich. Die Erleichterung, bie bte Vetbünbeten für bte Lieferungen vom 1. August an bewilligt haben, betragen aber noch nicht einmal 200 000 Tonnen monatlich- Da mit unsere allen Verpflichtungen nicht voll erfüllen konnten, so finb bie neuen erst recht unerfüllbar. Man hat sich in bet letzten Zeit burch bie Einfuhr englischer Kohle geholfen, was ja auch burch bie starke Zunahme ber Kohleneinfuhr im Juni gezeigt würbe. Aber auch auf bieses Hilfsmittel, bas ja ohnebies nur unter Inkaufnahme einer weiteren Verschlechterung unserer Zahlungsbilanz unb unserer Valuta angewenbet werben konnte, werben wir zunächst verzichten müssen. Der norbamerikanische Erubenarbeiterstreik hat zur Folge, baß große Mengen Kohle von Englanb nach Norbamerika ausgeführt werben, woburch bie Preise der englischen Kohle so scharf anziehen, daß sie für die deutschen Verbraucher unerschwinglich werden. Es bleibt also nur der eine Ausweg übrig, mit allen Mitteln unsere eigene Produktion zu steigern. Leiber scheinen bie WlberstSnbe ber Bergarbeiter noch immer unüberwiublich zu sein.
Den steigenben Kohlenpretsen folgen bie bei anbeten Rohstoffe unb Waren jobesmal auf bem Fuße. Neben ben Kohlen wirken aber befonbers die fortgesetzt steigenden ©iitertarlfe pteis- trelbenb. Die Reichseifenbahnverwaltung hat soeben ihren Rechnungsabschluß für das Iaht 1921 veröffentlicht, bei bas erfreuliche Ergebnis zeigt, daß statt bes veranschlagten Fehlbetrages von 10,8 Milliarden nur ein solcher von 6,9 Milliarben Mark tatsächlich erzielt worben ist. Es barf aber nicht verannt werben, baß biefer Teilerfolg keineswegs burch eine rationellere Gestaltung ber Ve- triebsfiihtung, sonbern burch eine ziemlich rücksichts. lose Steigerung ber Tarife, insbejonbere bet Gütertarife, erreicht worben ist. Man kann also auch die an sich gewiß erfreuliche Verminberung bes Fehlbetrages bei ber Reichseisenbahn nur mit einem heiteren unb mit einem nassen Auge betrachten. Denn sie erfolgt zum großen Teil auf Kosten der beutschen Volkswirtschaft unb ber Entwicklung unserer Herstellungskosten. Unb wenn auch bie verhängnisvollen Folgen biefer Preisentwicklung burch den neuen Marksturz reichlich wett gemacht worben finb, so kann bas boch nicht auf biefe Weife weiter gehen.
3!och immer wissen wir nicht, ob unb unter welchen Bebingungen wir eine Stunbung unb bamit die so unentbehrliche Atempause erhalten werben. Infolgedessen herrscht Unsicherheit sowohl an de« Devisenmärkten, rote auch an ben deutschen Effektenmärkten. Zu alledem kommt auch noch, daß bet
Ablehnung der Herabsetzung der Ausgleichszahlungen.
Paris, 27 Juli. Das „Journal des Debats" glaubt zu wissen (der „Temvs" versichert dasselbe in be- ih'mmter Form), daß die Vertreter der Ausgleichsämter einstimmig den Beschluß gefaßt hätten, ihren Regierungen die Ablehnung bes am 16. Juli gestelften dent- chne Ersuchens urfi Herabsetzung der monatlichen Zahlungen an die Ausglcichsämter von zwei Millionen auf 600000 Pfund Sterling zu empfehle«. Tine ent«
sowie die Aufwandsentschädigung des Reichtags- prä sid e n te n von 60000 Mark auf 140000 Mark. Ferner hat ber Reichsrat die Vorschläge zur Prägung von Münz««, die aus Aluminium mit 1 Proz Kupfer hergestellt werden, gutgeheißen. Es sollen für