Einzelbild herunterladen
 

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

Anzeiger für (bas früher kurheffifche) Oberhessen

Die ^OderheM^lhe Zeitun? erscheint sechsmal wöchentlich. Be-ugsvieis msnatlicb

25 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse

fflf InA kein Ersatz. Verlag von Dr. L. Hitzerotd. Druck der Univ.-BuchdruLerei von 2oh. Aug. Koch, Markt 2L23. Kernjorecker 55, Vostschecktonto: Nr. 5015 Amt

Frankfurt cu Main.

Erstes Blatt.

im

politischen Entscheidungen als eine Einheitlichkeit Verhandeln und Handeln in Erscheinung treten.

Fischer und Kern ist bisher erfolglos ge- Eine greifbare Spur wurde bisher nicht ge- Gs ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß Mördern gelungen ich aus der Einkreisung

Die Eisenbahntarife tu England sollen a6 L Ang. nm 12)4 Prozent herabgesetzt werden.

Belobigung wegen «Selbstbeherrschung^!

P a ri s, 14. Juli. Der Präsident der Republik hat an den Kriegsminister einen Brief gerichtet, durch den er ihn ersucht, allen Offizieren, Unter­offizieren und Mannschaften der beiden Jäger­bataillone, die der Besä'- ngstruppe in Ober­schlesien angehörten, seinen Glückwunsch auszu­sprechen, weil sieunter besonders schwierigen Um ständen ein gutes Beispiel von großem Patriotis­mus und Selbstbeherrschung" gegeben hätten.

mörder blieben, fanden, es den

Die Regierung des Freistaates Hessen hat lautLok- Anz." bei der Filmvberpnisungsstelle den Antrag gestellt, gegen das KinofpielFridericus Rex" das Wider- rusverfahren auf Grund des Lichtspielgesetzes einzuleiten, weil es di« Ordnung und Sicherheit gefährde. Wie das Blatt weiter hört, wurden die Kommandeure ztveicr seinerzeit in Jüterbog übenden Regimenter, deren Mann­schaften sich an den Ausführungen für den Fridericus- Film beteiligten, ihrer Stellung enthoben.

Monti) polnischer MiniltemiWeut?

Warschau, 14. Juli. Nachdem der Staats­chef auf die Bildung der neuen Regierung ver­zichtete, hat sich der Hauptausschutz des Sejms zu einer Sitzung versammelt, in der er beschloß, seinen Kandidaten zum Ministerpräsidenten zu nennen. Gewählt wurde Korfanty mit 219 gegen 206 Stimmen. /-j, ,

Die Julirate bezahlt.

Wie dieDeutsche Mg. Ztg." hört, ist bet Bat. betrag für die Sntschädigungsleistungen für Juli in Höhe von 32107 397 Goldmark an den EntfchSdi- gungsausschuß abgeführt worden.

Die Haager Konferenz.

Haag, 14 Zuli. Heute fand noch eine Sitzung des Unterausschusses für die Kredite mit den Russen statt. Der britische Abgeordnete S) o u n g sagte, die unversöhnliche Haltung Rußlands habe ein« weitere Besprechung der Kveditfragen unmöglich gemacht. Litwinow erwidette, daß nur der nichtrussische Unterausschuß schuld habe an dem Mißlingen der Konferenz. Avezzano sagte, daß auch der nichtrussische Unterausschuß nicht unver­söhnlich sei und die Tür noch nicht geschloffen habe. Wenn die Ruffen neue Tatsachen oder neue Vor­schläge mi^'teilen hätten, so wäre jetzt Zeit dazu. Litwinow antwortete, daß die Ruffen keine neuen Vorschläge zu machen hätten. Nach kurzer Aussprache wurde die Sitzung geschlossen.

MglMer Wo auf Millemt.

Paris, 14. Juli. Um 11% Uhr heute Vor­mittags bei Schluß der Parade gab eine Person an der Ecke der Champs Elys6es und der Avenue Ma- rigny aus der Menge heraus drei Revolver- schösse auf den Polizeipräfekten ab, der dem Wa­gen Millerands vorausfuhr. Die Menge stürzte sich auf den Angreifer, der übel zugerichtet wurde. Dann eilte sie auf den Wagen des Präsi­denten der Republik zu und rief:Fahren Sie nicht weiter! Man hat soeben geschaffen!" Millerand, der infolge des Rollens der Wagenräder nichts von dem Anschlag gehött hatte, gab den Befehl, weiter zu fahren.

Der Angreifer, Gustave B o u v e t genannt Ju­venil, ist 20 Jahre alt, Zeichner in einer Auto­mobilfabrik und gehört der kommunistischen Partei an. Er ist schon zweimal vorbestraft und erklärte, geschaffen zu haben, um die Aufmerksamkeit auf die Lage des Proletariats zu lenken.

Nach einer weiteren Meldung erklärte der Täter, er habe Millerand treffen wollen, um ein Beispiel zu geben. Durch das Feuer dos Revol­ver» wurde eine Dame leicht «gesengt.

WkMmWoft Mchei 5.0. end H. 5.$.

Berlin, 14. Juli. Die sozialdemokratische Reicbs- tcg. fr. k o.r u d die der i n bhän ig n Svz alde okr ti haben am Freitag nach Vorbesprechungen der beider­seitigen Fraktionsvorstände in getrennten Sitzungen den überstimmenden Beschluß gefaßt, sich zu einer Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokra. tischen Reichstagsfraktionen zusammen­zuschließen. Dieser Beschluß wird im Laufe des Sonnabend der Regierung und den Reichstagsparteien offiziell bekannt gegeben werden.

Ueber die Ausführung des Beschlusses werden sich lautVorwärts" die beiden Fraktionsvorstände im Laufe des heutigen Tages ins Benehmen setzen. We das Blatt schreibt, ist es Zweck der Arbeitsgemein­schaft zwischen den beiden Fraktionen, das Maximum an möglichster Einigkeit zu verwirklichen. Die Selbst- st ä.n d i g k e i t der Fraktionen und der hinter ihnen ft.'benben Organisationen bestehen weiter. Alle Wahr­scheinlichkeit spreche jedoch für die Annahme, daß mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Weg zur dauernden Einigung betreten werde. Die Arbeits­gemeinschaft dürste immer mehr bei den schwebenden

Verbot linksradikaler Zeitungen in Bayern.

Berlin, 14. Juli. Die kommunistischeNeue Zeit" in München und dieNeue Arbeiterzeitung" in Augsburg sind wegen Stellungnahme zur Rede des bayerischen Ministerpräsidenten v. Lerchenfeld verboten worden.

Marbrrrg 5wW, den 15.3uli Heuert.

England.

London, 14. Juli. Lloyd George teilte im Unter­laufe mit, die Regierung werde bei der Abstimmung am nächste., Montag die Vertrauensfrage stellen. Es bandelt sich um den von 279 Mitgliedern des Unterhauses unterzeichneten Antrag, wonach ein besonderer Ausschuß zur Berichterstattung darüber ernannt werden soll, tveldje Veränderungen gegebenenfalls notwendig pno. um sicher zu stellen, daß Auszeichnungen u|w. nur als Belohnung für öffentliche Dienste gewährt werden.

Der Korrespondent der Preß Association in Cork erklärt die Meldung von der Verkündigung der Republik in Cork für falsch.

Die Verfolgung der Mörder.

Berlin, 14. Juli. Die Verfolgung der Minister-

- - Aus- dem besetzten Gebiet.

Sven Hedins Urteil über Deutschland.

DerBerl. Lok.-Anz." veröffentlicht ein Schrei den des schwedischen Forschers Sven H.e d i n übe: das Unrecht am Rheinlande. Darin wird die Po­litik Frankreichs als wahnwitzig und selbst­mörderisch bezeichnet. Es gelingt freilich, so heißt es weiter, ein Land und Volk gewaltsam zu zer­treten, solange die Uebermacht so groß ist. Aber da. für wächst der Haß und gedeiht die Rache ftir die Zukunft. Jedes Unrecht, das gegen ein Volk be­gangen wird, fällt früher oder später auf den über­mütigen Sieger zurück. Solange das Rheinland und andere Teile des Deutschen Reiches in dieser Weise zertteten werden, kann Deutschland nicht ge­nesen. Einigkeit und Zusammenhalten in Deutsch­land ist die Hauptsache. Solange Partei­kämpfe leben, hat Deutschland keine Zukunft.

Spione und Landesverräter.

München, 14. Juli. Das Münchener Volksge- richt verhandelte unter Ausschluß Oer Oeffentlichkeit gegen fünf Personen, di« wegen Spionage uns Landes­verrats angellagt sind. Der Hauptschuldige, der 19- jährige Daktylograph Fottier aus Lüttich, der von dem Spionagebüro beauftrag! toorben wgr, Material über Geheimorganisationen zu sammeln und die vater- ländischen Bereinigungen zu überwachen, wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Zwei andere An- gellagte erhielten je 4 Jahre Zuchthaus, ein weiterer Angeklagter 3 Jahre Zuchthaus, während ein fünfter freigesprochen wurde. In der Utteilsbegründung wurde sestaestellt, daß in Aachen ein fremdes Büro mit aus­gezeichneter Spionageorganisation und Spionc^eschule besteht.

h erausznkommen. und einen beben lenden Vorsprung zu gewinnen.

DerLokalanz." berichtet aus Worms: Tie Wormser Kriminalp.'liz'i benachr'chngte die Gen­darmerie, daß bei Psiffligheim zwei Radfahrer in der Richtung nach der Pfalz beobachtet wurden. Das Aussehen stimmt mit der Beschreibung der Mörder Rathenaus überein. Entsprechende Maßnahmen sind getroffen worden.

Weiter wurde von Landjägern eine Spur gefunden, die nach Hannover führt. Bei Peine stießen die Verfolger auf zwei Männer, auf die die Beschreibung 6er Kleidung der Täter paßte. Als sie angerufen wurden, flüchteten sie und gaben einige Schüsse aus ihre Verfolger ab. Die Landjäger erwiderten das Feuer und verwundeten einen der Flüchtlinge. Trotz­dem gelang es ihnen zu entkommen.

Hamburg, 14. Juli. Der Oberreichsanwalt hat von den 26 durch die Hamburger Polizei festge­nommenen Angehörigen der Organisation C 8 wieder in Freiheit seHen lassen.

W der 6* Mfi einer öinno.

♦♦ Berlin, 14. Juli. In den nächsten Tagen ^eljcn wichtige Entscheidungen auf dem Spiel. Es unter­liegt keinem Zweifel, daß auf dem parlamentarischen Bo­den des Reichstages abgesehen von den Kommunisten und dem linken Flügel der Unabhängigen niemand zu einem Konflikt drängt. In der sozialdunokratischen Reichstagsfvaktion gehen nur ein paar Heißsporne, zu denen auch Herr Scheidemann gehött, mit den Krisenstistern zusammen. Daraus ertlärt es sich auch, daß im Reichstag selbst die Verhandlungen kaum noch den Stempel einer anormalen oder besonders erregten Stirn unmg an sich tragen. In den Ausschüssen geht es mit demerlenswerter Sachlichkeit zu, und im Menum regt sich außer den berufsmäßigen Schreiern der äußersten Lin­ken niemand mehr auf.

Durch die zweite Lesung des Gesetzes zum Schutze bei -kepublik im Reichstag ist dem Entwurf die Eigenschaft eines Ausnahmegesetzes genommen worden. De: Reichsjustiz- hnimster hat durch eine ausdrückliche Erklärung die Zweckbestimmung des Gesetzes sowohl gegen rechts wie gegen links festgelegt. Unter den Schlußbestim- mungen findet sich eine Abänderung des Strafgesetzbuches, durch die unterschiedlos alle Männer des öffentlichen Lebens unter besonderen Sckutz gestellt werden. Die Bemühungen der sozialdemokratisch"» Fraktion und der Kommunisten, dem Gesetz durch ihre Anträge wieder eine einseitige Zweckbestimmung gegen rechts zu geben, fino durchgängig gescheitert. Auch die unetträgliche Fas­sung des ß 5, die der Teilnahme des Reicksaerichtes an dem Staatsgerichtsho' die denkbar engste Grenze zog, ist beseitigt worden, wenn auch die Bestimmung, die an ibre Stelle tritt (3 Reichsgerichts'.äte. 6 Laienrichter), die Regierungsvorlage noch nicht erreicht. Für den Aus­gang der 3. Lesung ist es entscheidend, ob die Sozialdemo­kratie sich mit dieser Gestaltung die in der 2. Lejun z feeren ihre Anträge erfolgte, absinden wird, d. h. ebenso endgültig darauf verzichtet, das Schützgesetz als ein Aus- uahm'gese, gegen rechts abzustempeln. Leistet sie samt den Un 'Hniigen diesen Verzicht, so wird e? nmbrschein- Ktf) auch einem ansehnlichen Teil der Deutschen Vocks- Partei möglich sein, für das Gesetz zu stimmen Vor- dedingung dafür ist allerdings, daß der soguianutc Sprengungsparag rapy, der erlaubte Vereine, Versau mlungen und Kundgebungen gegen gewalttö'ch- Störi:.rgen schützen soll, endgültig Gesetz wird. Die Sozi ckd-nnokraten haben gerade diesem Paragraphen hei­lig widerstrebt. Es scheint aber, daß sie sich mit d?m Inhalt pes Paragraphen abfinden wollen, wenn man ihn aus dem Schutzgesetz herausnimmt und zu einnn Bestand­teil des Strafgesetzbuches macht. Eine iostche Lösung wäre für alle Teile annehmbar.

Das Ergebnis der 3. Lesung bleibt aber im voraus unberechenbar, da man nicht wissen kann, wie weit die .Beruckfä^rkt der Unabhängigen geht, für das abgeänderte Gesetz zu stimmen. Die Entscheidung darüber hängt natürlich aufs engste mit der Frage der Reg! ? ugs- bildung zusammen. Und gerade hier stellen sich wegen des bis jetzt unlösbaren Zusammenhanges der varla- ment arischen Lage mit der Aktion der Gewerkschaf- le n die größten Schwierigkeiten ein. Bestehen die beiden sozialdemokratischen Fraktionen gemäß dem Ge- tm-.r'chastsvrogramm auf ihren Anträgen zum Schutz- oefefe. so ist die parlamentarische Krisis da. Man rechnet mressen mit einer solchen extravaganten Haltung der

;demokratischen Fraktionen nicht mehr, und des- ha-b liegt die größere Krisengefahr in der Forderung, faß die unabhängige Fraktion in die Regierungsgeme-n /..'s-ft ausgenommen werden soll. Hier würde es bei einer A..ftechter Haltung dieser Forderung wohl auf Biegen und Brechen gehen. Die bürgerlichen Koalitionspatte'en bk-Ten in ihrem Widerstand gegen den außerparlamen­tarischen Druck unbedingt fest. Es nutzt auch nichts, ihnen durch dieFreiheit" vorzusckreiben, daß nicht die Ge­werkschaften die treibenden Kräfte seien, sondern die beiden ß>zio!demokratischen Fraktionen. Jedermann weiß, daß die neue Verschärfung der Krisis nur durch das Eingreifen der Olewerkschaften erfolgt ist. Dieser Umstand ist nicht nut das Kennzeichen der Sage; sondern auch die Quelle der eigentlichen Gefahr. Denn die Gewerkschastssührer find in der letzten Zeit immer mehr die Ge hrten geworden. Sie haben der fortschreitenden Radikalisie­rung der Massen Zugeständnisse gemacht, und ihr letztes, scharfes Vorgehen rühtt klüglich von der Furcht her, d«ß die Massenbewegung ihnen über den Kopf Wachfen Sinne, wenn man der Straße nicht zeigt, daß etwas geschieht. Hier handelt es sich um unberechenbare Grö­ßen, und deshalb ist die parlamentarische Sage und der zweifellos vorhandene Wille zur Verständigung nicht Entscheidend. Wahrscheinlich wird Dr. Wirth den Vcr- ifttd) machen, den Wind der Massenbewegung dadurch ak>- miangen, daß er sein Kabinett ohne Zutun des Reichstags durch Persönlichkeiten erweitert, deren Ernennung eine Festigung des Glinchtziewichts nach rechts; Knd nach links bedeutet. Der Reichspräsident wird über diesen Plan zu entscheiden haben. Ob damit die Re- ^ierungskrisis zu beseitigen istt fcLctöt ebenso eine offene* Krage wie das Ergebnis der endgültigen Abstimmung über das Gesetz zumSchutze der Republik.

' Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß der Un« Mhangige Dr. Hilferding (ftüher Chefredakteur der Freiheit") Wiederau fbauminist« und bei deutsche Bot­schafter i» Amerika, der »ach Berlin berufen ist, Dr. fciebfelbt Außenminister wird. Dr. Wiedftldt steht «r Deutschen Volks Partei nahe. Nach, cnderen Mrldnn-

soll Dr. Hilferding Rc. hsfinanzminister, Dr. jRerme« Wiedemnfbamninistrr werde».

Der Arbeitsplan bi« z» de« Ferien. '

Berlin, 14. Juli. Der Aeltestenrat des Reichs-j tages ^stimmte die Verteilung der Arbeiten bis zum Schlüsse des gegenwärtigen TagungsabschnitteS. Die, Ausschußberatungen über das Reichskriminalgesetz söllen, am Sonntag so beschleunigt werden, daß Montag die Zweite Beratung des Gesetzes erledigt werden kann. Für Dienstag bleiben die dritten Sesungen aller zu berafri schiebenden Gesetze übrig. Am Dienstag sollen dann die Arbeiten vor der Sommerpause abgeschlossen werte».

Das Bearnten-Bllsnahrnegesetz.

Berlin, 14. Juli. Der Rechtsausschuß des Reichs tages erleb»gte heute den Gttetzentwurs über die Pflich­ten der Beamten zum Schutze der Republlk in zweiter Sefung. Angenommen wurde ein Zentrumsantvag, ben, AusdruckHerabsetzung" der Republik durchMiß­achtung" zu ersetzen und weiter eine Entschließung, welche die Regierung ersucht, dafür zu sorgen, daß int Dienste bei Behörden keinerlei parteipolitisch» Propaganda betrieben w'tt>. Angerwmmeft wurde ferner ein Zentrumsantvag, Bestimmungen, welch« die Richt« in ber Bemessung der Strafe einengteu. za streichen. Die Lisziplinarkuumern feilt» bestehe»

LtMtt Helfet«. v

Lbl. Sitzung vom 14. J»li.

Der Gesetzentwurf üb« bet Schaffung eines Frel» Hafen- t» Kiel wird nach länger« Aussprache, t» der auch die gleichberechtigte» Wünsche von Flensburg und Wilhelmshaven bespreche» würben, in alle» drei k Befunden angenommen.

Der Gesetzentwurf, ber ben 11. August al» zweite» Ratioualfeierteg einseht unb entsprechende Beflaggung der öffentlichen Ge­bäude sowie Schulfeiern versieht, wird dem RechtS- ausschuß überwiesen.

Das Gesetz gegen die wirtschaftliche Notlage bet Dresse geht an ben volkswirtschaftlichen Ausschuß, bat Disziplimrrgesetz für die Wehrmacht wirb bem Aus­schuß für btt Militärgerichtsbarkeit überwiesen.

Die zurückgestellte Abstimmung üb« de»-vom RrichS- rat angefochtenen Gesetzentwurf über Teuerungsmaßnah» men für Militärrentner ergibt die einstimmige Annahme, ber abgeänderten Vorlage.

' Es folgt die zweite Beratung ber Entwürfe geye» I Preiswucher und Schleichhandel. .

Reichsjustizminist«Dr. Radbruch wendtt sich «ege» die Attttäge d« bürgerlichen Patteien, vrelchr Weitert Milderungen mit bet Begründung verlangen, daß bei reelle Kaufmann gegen ungerechte Verfolgung geschützt werden müsse. Die Marktlage wird jetzt schon bei bet Rechtssprechung berücksichtigt, ebenso bk Wiederanschas- sungskosten und die Geldentwertung. E- sei webet empfehlenswert noch möglich, den Begriff de» übev- lmäßigen Gewinns gesetzmäßig zu saffen und i» etne inristische Form zu Bringen. Dagegen stimme « bet, Entschließung zu, welche eine Erleichterung des Wieder-, ausnahmev«fahrenS, eine verstärkte Heranziehung von Sachverständigen und Maßnahmen gegen die Preis­treiberei der Kartelle und Syndikate sordett.

Abg. Hammer (Deutschn.) sordett eine Verschär«. fung der Wucherbestimmungen, verlangt ab»r archerer- s-its für den Kaufmann einen angemessenen Zufckllaa als Ausgle-ch für höhere Kosten bei der MckeraüMaung des Lagers.

Mg Sivkovik (Dem.) empfiehlt den gemein­samen Antrag der bürgerlichen Patteien zur Annahme, ber die Feststellung verlangt, daß der Preis keinen über­mäßigen Gewinn barstellt, wenn er der Marktlage ent­spricht. Der Wiebcrbeschaffungspreis nebst den nach­weisbaren Geschäftskosten soll als Grundlage für die zuläflige Preissteigerung dienen.

A!bg. Krätzig (Soz.) lehnt diesen Antrag ent­schieden ab. da er geeignet sei, jeden Schutz der SSerf brai'.cber unmöglich zu machen.

Abg. Cuno (D. Bvt.) forbert schärfste» CF i n ] schreiten gegen den Wucher, andererseits aber Schutz-, maßnahmen für den reellen Kaufmann, der durch die veraltete Wuchervevordnnng unberechtigten Schikanen au#»i gesetzt sei !

Abg. Kort hauS (Z.) unterstützt ebenfalls ben bür-, gerlicken Antrag, ungerechte Schikanen für den wiillich reellen Kaufmann zu vermeiden. Es bestehe kein Zwei-j fel, daß die bisherige Wtichergesetzgebung durchaus ver-, sagt habe.

Nachdem sich noch die Abgg. Unterleitner (U.)| und Dr. Hirschfeld (Komm.) gegen den Versuch aus-, gesprochen haben,in dieser Zeit unverschämtesten Wu-i chers" das Wuch«gesetz abzubauen, erklätt Reichswitt-j schaitsminister Schmidt, er bedauere es tief, daß tn| der gegenwärtigen Zeit ein Abbau ber Wuchergesetzgebung; versucht werbe. Die bürgerlichen Parteien brächten hier; die Klagen von Handel unb Jnbustrie vor, fänden a!>'r keine Worte für die berechtigten Klagen d« schwerleidenden Verbraucherschaft. Ihn würden sie zu einem Man des Wuchergesetzes nicht bereit finden. Er werde alles tun, dem Wucher Einhalt zu gebieten. Wenn aber über den Mangel an Kapital für den Wiedereinkauf geklagt werde, so gebe es doch einfachere Mittel, nicht Ge­winne von 200 und 300 Prozent an die Aktionäre aus«, zuschütten, sondern Reserven anzulegen. In erster Linie müßten die Klagen der Verbraucher berücksichtigt ioerdeu, die furchtbar zu leiben hätten. (Stürm. Beifall links.) : , )

Damit schließt die zweite Lesung. Nächste Sitzung, morgen Nachmittag 2 Uhr: Reichskriminalgesetz, Beam-- ten Disziplinargesetz. Zwangsanleihe. Steunvorlage».

Der enttigerotei« beträgt fk den 9 gefo. Zetlemntlltmeter 1J5 ML, amtNcke und aus®, ««zeigen 1.00 Mk. Andere Soaltenbteiten entipredjenK Lei schwierige« Satz K7 25°/e Aurichlag. Spät einlaateabe oder bei Raum über/, Seite einnehmende An- Ul. Jlfiy» zeigen «erden na* der Textipalienbreite berechnet. SeHame« die Tol.-Zetle 12.00 äftin Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Sei Auskunft durch die SeschäftsSeüe und lU/Z Vermittlung der Angebote 3 Mk. Sondergebühr.