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Amtliches VeMndigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen

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Marburg Sonn«* imi 6.3tii Heuert.

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57. gehe

1922

A« AbMÄ.

jßon Dr. Otto Hugo, Mitglied des Reichstags und i des Rcichswirtschaftsrats.

I Das Verbrechen im Grünewald hat den Ver­zweiflungszustand des deutschen Volkes weiter zur Siedehitze gesteigert. Jedem Freunde von Volk und Vaterland lieh die Tragödie der Irrungen, die zu diesem Morde führte, das Blut in den Adern stocken. Aber es ist unser Verhängnis, dah die p o l i t i s ch e Blindheit, die primitive politische Begabung unseres Volkes nie den Weg finden kann, der zur Beruhigung der kranken Nerven, son­dern nur immer den, der tiefer ins Verderben fährt. Wenn eins not tat, angesichts der neuen seelischen Erschütterung des schwerkranken Volkes, |e wäre es das Signal zur Sammlung aller staats- rrhaltenden Geister und Kräfte gewesen. Statt­dessen eine weitere- *-e Zerklüftung des

deutschen Volkes.

Ich will hier von den Verordnung« schweige», die erlassen wurden, obschon auch sie sich einsei­tig gegen den rechten Teil des Bürgertums richten und nicht gegen jene Gegner der Verfassung, die im kommunistischen Lager nur darauf warten, die Macht in die Hand zu bekommen, um mit nie gekanntem Terror ihr kommunistisches Diktaturregi­ment auch in Deutschland aufzurichten. Fluch den Mördern an Rathenau, aber wehe denen, die jetzt dem Kommunismus die Bahn frei machenI Das Signal von Darmstadt sollte alle schrecken, die bis­her, ob Bürgerliche, ob Sozialisten, die Chorführer waren in der Verleumdung des Grundsatzes, dah alle Frevler gegen die Ordnung gleich sind, wo sie auch stehen.

Wer nicht blind ist, muh es sehen, bCti- ' ir mit der Stimmungsmache der letzten Tage ------- mungslos dem Abgrunde zustreben. Wir nicht mehr weit von dem rusiischen Schicksal ent­fernt. .Auf der einen Seite erheben verfasiungs- widrige Kräfte Haupt und Hand, um nach der Ge­walt im Staate zu greifen. Die Forderungen, die die Gewerkschaften aufgestellt haben, sind nichts als die Mittel zur Herbeiführung der Diktatur, die gxm Bolschewismus führt. Wenn die mehrheits­sozialistische Partei sich diesen Forderungen unter­ordnet, so werden die Forderungen dadurch nicht demokratisch, sondern di« Partei verrät die Demo­kratie und beugt sich dem bolschewistischen Diktatur­verlangen. Politisch vollzieht sich die Entwicklung bei uns in parallelen Bahnen wie in Rußland. Dort hatten die Menschewiki, die russischen Mehr- heit'sozialisten, eine Zeitlang das Regiment ausge- 3ht und in dieser Zeit die Voraussetzungen geschaf­fen, die der Minderheit der Bolschewisten die Mög­lichkeit zur Machtergreifung und der Durchführung chres blutigen Terror-Regiments verschafften. In Deutschland sind die Mehrheitssozialisten nicht zur alleinregierenden Partei geworden, aber sie sind trotzdem eifrig am Werke, die Staatsautori- t a b z u b a u e n, die Demokrati« zu vernichten und die parlamentarische Vorarbeit für die Wegbe­reitung des Kommunismus zu besorgen. Wie Demokraten und Mehrheitssozialisten in Darmstadt den Demonstrationszug eröffneten und die Protest- Versammlungen veranstalteten, hernach aber die Kommunisten die Macht gewannen, di« Masten wei­ter zu terroristischen Ausschreitungen zu führen, so kann die Blindheit, mit der in Deutschland Stützen der Verfastung und der Ordnung niedergelegt wer­den sollen, nur dahin führen, dah diejenigen die Macht gewinnen, die über Demokratie und Sozia- Lsmus hinweg das Diktaturregiment auftichten wollen.

Auch in wirtschafticher Beziehung ist der Abbau der Widerstandskraft auf dem Marsche. Hier sind ts zum Teil innerpolitische, zum Teil steuerliche Mahnahmen, die zur Erschütterung der Wirtschaftskraft führen, die unsere Unter­nehmungen lebens-, konkurrenz- und arbeitsfähig zu erhalten vermöchte. Zum überwiegenden Teil sind es die Eewaltmahnahmen der Entente, die Ausprestung und Ausbeutung der deutschen Arbeit, die Zertrümmerung unserer Währung, die unsere deutsche Wirtschaft zur Ohnmacht verurteilen. Je­denfalls ist die gesamt« deutsche Wirtschaft weniger denn je gerüstet, innerlich widerstandsfähig sozia­listischen oder kommunistischen Experimenten gegen­über zu sein. Ist der Erfolg für den Umsturz poli­tisch auf dem Marsche, so wird er aii<* wirtschaft­lich nicht ausbleiben. Dieser Erfolg wär? der r e st- lose Zusammenbruch, wie wir ihn in Ruß­land sehen, wäre das C h a o s, das zunächst einigen Nutznießern der kommunistischen Clique, wie wir cs bi Rußland erlebt haben, Vorteile bereiten mag, Nach der restlosen Aufzehrung aller Wirtschafts- wert« aber die vollständige Verelendung

des deutschen Volkes und, dreimal sei «s unter­strichen, inerster Linie verdeutschen Ar- beitermassen bedeutet. Wer blind diesen Din­gen gegenüber ist, der gehe nach Ruhland hin, und er wird bald sehend zurückkehren.

Der zusammengebrochene deutsche Industriestaat ist nicht leicht wieder aufzurichten, es sei denn, dah di« Unternehmungen die billige Beutedesaus- ländischen Kapitals werden und der deutsche Arbeiter den Zustand seiner politischen Machtstellung von heute eintauscht gegen die hilf­lose Abhängigkeit von dem ausländischen Kapital. Wir sehen, wie in Rußland die Jndustriewirtschaft nicht wieder aufgebaut werden kann, wenn nicht die auswärtigen Kapitalmächte ihre Hand dazu bieten, und diese Kapitalmächte werden die sozialen Be­dingungen auch für die russische Arbeiterschaft dik­tieren, oder sie bleiben fort. Für Deutschland wäre nach dem Zusammenbruch das Fortbleiben das Schlimmere für das Schicksal der Arbeiter- maffen, weil bei uns drei Viertel der Bevölkerung in den Städten lebt und bei zusammengebrochener Wirtschaft auch dann lebensunfähig ist, wen» selbst alle Schätze, die irgendwo in Deutschland vor­handen sind, für die Masten freigemacht würden.

Die Stunde ist ernst, die Gefahr ungeheuer. Man faßt sich an den Kops und fragt sich: Soll wegen der Bande der Meuchelmörder, deren rest­lose Ausrottung Aufgabe der Polizei des Staates ist, das ganze Volk gefährdet und dem Elend in den Rachen geworfen werden? Noch ist es Zeit zur Einkehr für das deutsche Volk und seine Parteien, noch ist es Zeit, der falschen Nutzanwen­dung den Rücken zu kehren und Staatsverfassung und Ordnung zu erhalten, dah nicht die Mächte der Vernichtung die Ueberhand gewinnen über die Mächte des Aufbans, die im deutschen Volke im' verhängnisvollen Ringkampfe begriffen sind. Ueberwindet den Hah! Deutschland darf nicht sterben!

SdllMW.

Beuthen, 5. Juli. Zahlreiche Deutsche, die sich aus Polnisch-Oberschlesien gestern zu beit Feierlich­keiten anläßlich des Einzugs der Reichswehr nach Beuthen und Gleiwitz begwen hatten, wurden von den Polen verprügelt, an der Fahrt nach Beuthen verhindert bezw. bei der Heimkehr von Beuthen von den Polen miWandelt.

Peiskretkcham, 5. Juli. AlS am Montag eine französische Kolonne die Stadt passierte, um sich nach Tost zu begeben, fiel plötzlich ein Schutz. Die Franzosen hielten sofort und erwiderten das Feuer, aus Revolverkanonen. Es wurde großer Schaden an- angerichtet. Das Haus eines Maschinenfabrikanten wurde gänzlich zerstört. Me bisher feststeht, wurden insgesamt sechs Personen erschossen. Nach ungefähr dreistündiger Beschießung zogen die Franzosen nach Tost weiter

Die Zukunft Oberschlefiens.

Berlin, 5. Juli. Die Vorbereitungen für di« Abstimmung in Oberschlesien über di« Autonomie­frage find im Reichsministerium des Innern ab­geschlossen worden. Als Tag der Abstimmung ist der 3. September in Aussicht genommen worden.

Ausstände.

Berlin, 5. Juli. Zum Streik im Zeitungs- gewerbe wirb von unterrichteter Süle mitgeteilt, daß der inoffizieÜe Meinungsaustausch zwischen beiden Parteien unter Vermittlung des Reichsarbeitsmini- steriums andauert.

In der heute abgehaltenen Versammlung der Funk­tionäre der Berliner Buchdrucker ist das Erscheinen derArbeiterpresse" beschlossen worden. Infolgedessen sindVorwärts",Freiheit undRote Fahne'' wieder erschienen.

Die Arbeiterschaft in den Buchbindereien, Ge- schöftsi üchersabriken und Briesumschlagfabriken ist laut Vorwärts" heute früh in den Streik getreten.

Stetti n, 5. Juli. Der Streik der Schiffs- maschinistcn, Cchiffsiiigenieurr und Schiffstechniker hat sich auch auf Stettin ausgedehnt. Auch der See­bäderdienst ruht.

Bernburg, 5. Juli. In Bernburg und Um­gebung streiken die Landarbeüer. Der Lartdarbeiter- verband wendet sich gegen diese Streiks, die auf bnn- munistische Einflüsterungen zurückzusühren sein sollen. Notstondsarbeiten werden nm zum kleinen Teile verrichtet.

Erhöhung des Brotpeises in Berlin. Der Magistrat Sei!in Hal beschlossen, für die Zett vom 10. 7. ab den Preis des auf Marken ausgegebenen BroteS auf 17.50 Mark und der Schrippen auf 60 Psg. herauszusetzen. Die Erhöhung ist im wesentlichen durch eine Steige­rung der Löhne und sonstigen Perfoualkosten, sowie durch die erhebliche Verteuerung der Kohlen bedingt.

Weitere schwere Ausschreitungen.

MWimO In Mm.

Der Stadtrat als Geisel festgenommen.

Z w t ck a u, 5. Juli. Anschließend an die Kund­gebung entwickelten sich gestern Abend im Innern der Stadt und bis vor die Kaserne der Sicherheits­polizei lebhafte Stratzenkampfe, die mehrere Opfer forderten. Die Demonstranten, die das Rathaus stürmten, um die Polizeihaupt­wache zu entwaffnen, bemächtigten sich der darin befindlichen Waffen. Darauf wurde Schupo ein­gesetzt, um den Marktplatz zu säubern, wobei die ersten Schösie fielen. Ein Arbeiter wurde durch einen Bauchschuß getötet. Die Demonstranten gaben gleichfalls Feuer und verwundeten eine Anzahl Polizeibeamten zum Teil schwer. Später zog die Meng? vor die Kasern« und forderte die Polizei zur Herausgabe der Waffen auf. Dies« twrbe verwei­gert, worauf sich eine neue Schießerei entspann. Die Demonstranten erlitten sehr schwere Verluste. Auch von der Schupo wurden mehrere Man« verwundet. In das Stadtkrankenhaus wurden 18 Verwundete eingeliefert, darunter 10 Arbeiter und 8 Polizei- beamt«. Einige Verwundete befinden sich im La­zarett. Ein Polizeibecrmtcr ist heute Nacht gestor­ben, so daß im ganzen zwei Tote zu beklagen sind. Die hiesigen Zeitungen erscheinen nicht, weil der Allgemeinausstand erklärt wurde. Ein Aktionsausschuß setzte den Stadtrat von Zwickau alsEeiselfest.um dadurch von der Negierung die Zurückziehung der Schupo, zu rezwingen.

Magdeburg, 5. Juli. Hebet die Vorgänge in Sornmerscheubuvg, dem Gute des Rittergutsbesitzers Grafen Gneisenau im Kreis Neuhaldcnsleben, wird weiter berichtet: Im Anschluß an die Demonstration sammelte sich eine große Menschenmenge an, die auch Zuzug aus Helmstedt erhielt. Die Kundgebungen galten insbesoichere dem unbeliebten Gatsverwalter Rittmeister a. D. v. Rosenberg. Ein Teil der Menge begab sich in das Schloß um die Entlassung der Gutsver­walters zu verlangen. Während dieser Verhandlungen fiel ein Schutz, dessen Ursprung bisher noch unanf- gellärt ist. Als mm die Berhan- rlnden eiligst aus dem Schlosse zurückkehrten, steigerte sich die Err-gung der Menschenmenge, die sich inzwischen noch vergrößerte. Eine Abteilung von 20 Schupo, die telephonisch herbei­gerufen worden war, wurde sofort umringt und ent- w a f f n e t. Inzwischen soll an einer anderen Stelle ans dem Schlosse geschossen worden sein, wobei es drei Tote und zehn Berichte gegeben haben soll. Da- rauf drang die Menge in das Schloß ein, verprügelte die darin stationierten zwei Schupobeamten und plündert«. Rosenberg soll schwer mißhandelt und nach anderen Nachrichten getötet worden sein. In der Nacht soll eine weitere Verschärfung der Lage einge- treten sein. Dir zusammengeströmte Menschenmenge wird ans 20 bis 30 000 Peersonen geschätzt.

Magdeburg, 5. Juli. Zu dem Neberfall in Sommerschenbnrg wird noch ergänzend berichtet, daß bei der Schießerei ein Kind getötet und sieben Personen verwundet worden seien. Die Schießerei dauere noch fort.

Peine, 5. Juli. Anschließend an die gestrigen Kundgebung, di« ohne Zwischenfall verlaufen ist, be­gab sich eine Anzahl Teilnehmer, vornchmlich Arbeiter vom Bau am Mittellandkanal, die von auswärts nach Peine gekommen waren, nach dem Festplatz der Schützengefcllschaft, die dort ein Preisschießen abhielt. Nachdem es bereits am Nachmittag Schlägereien ge­geben hatte, unfernafar. am Abend em größerer Trupp einen Ansturm auf das Zelt der Schützengildr, wobei es zu schweren Zusammenstößen kam. Die Sanitäter verbanden 38 Personen, 10 wurden ins Krankenhaus gebracht. Etwa 20 Kanalarbeiter wurden.verhaftet. Noch in der Nacht traf Schupo aus Hannover ein.

M a n n he i m, 5. Juli. Die gestrigen Kundge­bungen zum Schutze der Republik sind nicht so ruhig verlaufen, wie eS ursprünglich den Anschein hatte. An verschiedenen Stellen der Stadt ist es vielmehr zu Ausschreitungen gekommen, sodaß die Polizei ein­greifen mußt«. Tin Trupp Demonstranten drang in einen Wasfenladen ein underbeutete" eine Kiste mit Revolvern und Munition. Polizeibemnte wurden verschiedentlich mißhandelt und verletzt. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen.

Freiburg, 7. Juli. Bei der gestrigen Kund­gebung in Angen am H'ohentwirt kam es durch un­lautere Elemente zu Ausschreitungen. Während die Meng« vor dem Hause einer früheren Offiziers demon­striert^ wurde aus dem Nachbarhaufe, das von einem Major Scherer bewohnt »vird, auf die Menge ge­schossen. Mehrere Demonstranten «litten schwere Ver­

letzungen. Bei dem sich «ntspinneuden Tumult Mttta Major Scheuer erschossen. Die Ruhe wuße wiße, hergestellt.

Waldenburg, b.Juli. Sei benge|irige»ftenfc« gedungen zum Stütze der Republik ist es pt Z». sammenftößen mit der Polizei gekommen, die schüetzllch scharf schoß. Ein Arbeiter wurde getötet.

Lübeck, 6. Juli. In der heutigen Bürgerschafts­sitzung wurden die sozialdemokratischen Anträge wo­nach verschißene dynastische Straßennamen in Straßen­namen der Republik umgewandelt und demLübecker Anzeiger" der Charakter al» amtliches Blatt ent­zogen Meßen soll, gegen die Stimmen bet Bürgerlichen angenommen. Di« Ätzung endete mit einem Tumult- akt bet Kommunisten, die die im Saale befindliche« Vüsten von Moltke und Bismarck e-g^ffin enfc unter dem Jubel der Tribüne auf eeeM

nieteten.

Verhaftungen in Gera.

Gera, 5. Full. Bei einer Haussuchung heim' dentschvölkischen SchFtz- und Trtitzbund wurde eine ganze Anzahl sehr bemfteuber Schriftstücke borge hm- den und der Vorsitzende des Bundes, Oberpostselreh r Faßhauet, hier, verhaftet. Mit ihm wurden noch zwei Beamte des Telegraphenamtes in dieser K?ne< legenheit verhaftet. Bis fetzt wurde ftstgestell- '4 Gera der Sitz der Zentrale für Thüringen war ' r« ner hat sich aus den vorgefundenen Tchriststüe c- geben, daß frühere hochangestellte PersSnltchkciü ,aS Unternehmen finanziell unterstützten.

Der Anschlag auf Harde«.

Berlin, 5. Juli. (Amtlich.) Wie bekannt, ist der Mordanschlag auf Harden nicht auf einen selbst­ständige Entschluß der beiden Täler zurückzusühren, sondern sie sirtd zu der Tat durch hinter ihnen sichende rechtsradikale Persönlichkeiten bestimmt worden. Die Ermittelungen der Berliner politischen Polizei ergaben, daß die HnücrmLnne: in Oldenburg sitzen. Mehrere dorthin entsandte Beamte haben darauf in Oldenburg Durchsuchungen und Verhaftungen vorgenommen.

SmmmIWe Sortenme eines Bltimutos.

Halle, 5. Juli. Ein Aufruf der Funktionär« der kommunistischen Partei fordert bk Arbeiter I« den Betriebe« auf, mit allem Nachdruck di« For. deruug zu stellen, daß der Allgemeine Deutsche Ee, werkschaftsbund und die Arbeiterparteien sofort eie kurztcfristetes Ultimatum an die Reichsngi«, rung richten sollen, ob sie die Forderung des Ber­liner Abkommens vom 23. Mai rücksichtslos durch, führen wolle. Sollte die Regierung keine befriedi« gende Antwort und keine genügende« Garantien für die Durchführung der Arbeiietforderunge» orbotz, so hätten die Spitzenorganisationen durch Erklärung des Allgemeinausstande, der gesamte, Arbeiterschaft Deutschlands die Forderung«« d«rch» setz««.

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DieRote Fahne" veröffentlicht einen Aufruf bet Zentrale der K. P. D. an bar kämpfende Proletariat, in dem zum Schluß gefordert wird: Sofortig? S-» Haftung aller monarchistischen Führer, sofortige Unin- drückuug aller monarchistischeu Verbände, sofortige» Verbot aller monarchistischen Hetzblätter, fokortiz« Säuberung aller Behörden, insbesondere der Reichs­wehr und der Gerichte von den Monarchisten «ud Amnestie für alle proletarischen Kämpfet.

Eine Erklärung Hindenburgs.

Hannover, 5. Juli. DerHannoversche Kurier" veröffentlicht eine Erklärung des General« feldmarschalls v. Hindenburg, in der er grund­sätzlich zum politischen Morde Stellung nimmt. In der Erklärung heißt es:

Auch der politische Mord bleibt Mord. (Et ist doppelt verwerflich, weil er nicht nut ein Menfchan- leben vernichtet und mehr oder weniger große Kreise in Trauer und Sorge versetzt, sondern auch die ruhig« Entwickluno des Staates gefährdet. Je mehr dieser der Gesundung bedarf, desto größer ist da; Verbrechen. Deutschland ist sehr krank. Wer will es sterben lassen?. Es bedarf zur Genesung dringendst der Eintracht. Wer will Zwietracht säen? Der Mord ist feige. Wer will feige sein? Sicherlich keiner, der fein Vaterland mit kühlem Kopfe, aber mit warmem Herzen treu und selbstlos liebt.

Aenderung be8 SrbfchaftSsteucrgefetzeS. Im Steuer- ausfchutz des Reichstages wurde die Aenderung des Erbschaftssteuergefetzes beraten. Die Deutsche Volks- Parrei erklärte, daß sie das Zwangsanlethegesetz nut gleichzeitig mit einer Revision der Erbswasrs- steuer beraten werde. Tie §§ 29 des ErbschaftS- steuergesetzes wurden ausgegcben. Damit ist dte ge» famtc Rachlaßsteuer gestrichen.