■£
M.
s U
7X
M Ä 4_-
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Nr. 155
Die »Oberhesstsche Zeltuni erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugsvreis monatlich 25 Mk. Für ausfallende Rümmer» infolge Streik oder elementarer Greigniiie kein Ersatz. — Verlag von De. C. Hitz er» td. — Druck der Univ^Duchdruckeroi von Joh. Bug. Koch, Markt 2158. — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Ämt Frankfurt a. Main.
Marburg
»M ben 5. M
Heuert.
Der ÄnieigeiWteie beträgt für den 9 gefp. Zeilenmillimeter 155 ML, amtliche und ausw. Bnzeigen 1.S0 Mk. Andere Spaltenbreiten entsprechend. Bet schwierige» Satz 25°/, Aufschlag. Sviit einlautende ober de» Ramn über */, Seite einnehmende Anzeigen »erden nach der Textspaltenbreite berechnet. Äenanten die Tol^Zeile 12.00 Mk. Zeder Rabatt gilt als Darrabatt. Bei Auskunft durch die Teschäft»stelle und Bernitttlung der Angebot, 1 Mk. Sondergebühr.
57. m 1922
Bflß
i Der »MW Mord in der MM.
Der Mord am Rttchsminister Rathenau erfüllt jeden. Geuischen mit tiefstein Abscheu. Die ermitiielten und festgenommeuen Täter, fall- sie e3 tatsächlich fein sollten, M unreife, meist sehr jugendliche Burschen. die im Kistand geistiger Verschwommenheit, befangen von irren Borstellungeu, sich der unhellvollen Folgen ihrer Schänd- itt nicht bewusst gewesen sind. Die Verwilderung und Ber- Hetzung unserer Zeit haben, neben anderen Verbrechen, auch dies« Untat erzeugt. Ties zu bcfltwu aber ist er, wenn sie in Partei- und klassenpolllischer Hinsicht zu einseitiger Innenpolitik und zur schrankenlosen Verhetzung auSgenuht wird. Wir sind ein zur Zeit kmnkeS, von förmlichen Kieberschanern befallener Volk, bas als erst« und wichtigste Bedingung zur langsamen Genesung Ruhe und Gleichmäßigkeit braucht. Wird daS deutsche Volk aus dieser Bahn, zu welcher sich bereit? leichte Ansätze zeigten, toirber herausgeworfen, dann kommt es so bald nicht mehr hoch. Dauerube Unruhe» im Lande, maßlose Lasten, unerträgliche Lehensbeding-
engen werden die Wirkungen sein. Die Ententefeinde und Hf russischen Bolschewisten werden sich diese Lage zur Förderung ihrer Zerstörungsabsichten zu Nutze mache«. ’, War der feige Mord an Rathenau überhaupt ein politischer Mord? Die Antwort hat zu lauten: „Nein." Warum nein? Der politische Mord aeht darauf hinaus, tetr die Geschichte beweist, daß die Mörder durch ihre blutige Tat «in ganze? System ausrotten wollen, indem sie den Mann, die Persönlichkeit fällen, von der sie glauben, daß sie di« Stütz-.' ist. lieber Persönlichkeit und Wesensart Rathenaus fei hier nichts gesagt. Die Gegenwart steht jetzt noch allzusehr unter dem Eindruck ber Mordtat, und ist zu wenig von den Ereignissen abgerückt, als daß sich über die Richtigkeit oder den Trugschluß der Außenpolitik Rathenaus auch nur mit einem Schein von Sachlichkeit abschließend urteilen läßt Erst die Zukunft der „ErfüttunMtelitik" wirb daräber zu entscheiden haben, ob sie wirklich das deutsche $o't auS dem Abgrund seiner Not hrauZzuführen der- _wig. Indessen eine Tatsache steht für jeden, der jingetrübt vom Parteihaß, gerecht und fachlich zu urteilen fick bemüht, schon jetzt fest. Mit dem Tode Rathenau? ist da? System nicht gebrochen: denn die Polllik, die man in Deutschland eittgeschlagen hat, toirb auch ohne Ratt,-euau weitergehen, wie sie eiugelellet worden ist. Ganz abgesehen von dem Wahnsinn des Mordes und von dem sittlichen Tiefstand seiner Täter, muß di« Tötung Rathenau? einen neuen Riß durch unser gepeinigtes Volk tun und kann die Spaltung nur noch vertiefen, die zur Freude unserer hohnlacheicheu Außenfeinde durch Deutschland geht, namentlich wenn ber Irrsinn dieses Mordes parteipolitisch und einseitig «tsgebeutet wird.
Fragen wir die Allehnneisterin, »re Geschichte, «ch dem Wesen und Zweck politischer Morde, so tritt Ans die Tatsache entgegen, daß die politischen Mord« tfrr Taten, bte mit Recht oder Unrecht für fouSc gehalten werben, so alt wie die Menschheit selbst >iub Ihr« Zahl ist unbegrenzt, allen Zeitaltern, allen Böl Jem, allen Kulturstufen war der politische Mord eigen. Wir wollen nicht auf die zu vielen Tausenden und Abcr- tausenden zählenden Familienmorde de? Altertum? an kn Höfen orientalischer Fürsten und der römischen Soifer, an die gewohnheitsmäßigen Mordtaten des Hofes js Bozanz zur Zeit ber Oströmer und an gleicher Stelle s» Stambnl unter den osmanischen Sultanen eingehen, teo der Mord bi? in di« neueste Zeit bte regelrecht« Lrdrumg ber Thronfolge zeitweise gewesen ist. Der kbeutenbfte politische Mord ber Geschichte ist ja wohl die Erdolchung Cäsar? durch die republikanischen Ver- schtvorenen unter Brutus und Cassius. Sie glaubten, Cäsar zu fällen und mit ihm bie senkende Republik H retten — es war zu spät: au? der Asche CäsnrS stieg das Kaisertum mit zwingender Folgerichtigkeit empor. In der deutschen Geschichte tritt uns die Ermordung Hermanns de» Befreier», de» hochgemuten Siegers in der Teutoburger Schlacht «nd des Retters ks Deutschtums aus dem Römerjoche entgegen. Er ßel dem Neid und ber Habersucht der Stammhäuptlinge tom Opfer, die ihm feinen wohlerworbenen Ruhm nicht gönnten, sondern fein ehrliches Streben nach deutscher Einheit mit der Anschuldigung wegen Herrschsucht verwechselten — ein frühe? Anzeichen dafür, daß Un- Auigkeit und Streitsucht der alte Fehler de? deutschen LolkswesenS sind. Di« Tat Wilhelm Tell», der BH am grausamen Landvogt rächte «nd hiermll die Befreiung der Schweiz einleitete, hüllt sich in sagen» staftes Dunkel und ist geschichtlich nicht beglaubigt, so schön sie auch von Schiller ausgestaltet wurde. Aus kr neueren Zeit möchten wir die Ermordung Wallen» Sein» durch Unterführer seiner eigenen Heere hervor- sieben, angestiftet durch den Wiener Hof, dem der ehr» Heizige Feldherr des Dreißigjährigen Krieges unbequem I« werden begann. In ber französischen Revolution M abgesehen von anderen zahlreiche, Meuchelmorden, #orat, ber blutgierigste und sittenloseste der Schreckens- Mnner, durch den Dolch ber Charlo tte Corday. ttomt hatte sich gerühmt, daß „noch 200000 Köpfe Ar Befestigung bet Republik fallen müßten." Daher Vonbte das MA>chen, für Deale Freihell schwärmerisch »Meistert, diese» Scheusal töten zu sollen — ein politischer Mord, bet zu verstehe« war. „Sie ist größer als Brutus", ■ef der Abgeordnete Adam Lux, als sie mit freudigem Mvlz da» Blutgerüst betrat Sui wurde für dies« Worte Mich darauf hin-erichtet. Gegen das System der Maktio« wandte sich der Mord an dem russischen Agenten «tzebue durch den burschenschastüchen Schwärmer Sand Mannheim. 23. März 1819), woran? sich erst recht der «nck der Reakamr in Deutschland entwickelt«, um bis *548 anzuhl-^ren, Mordtaten unklarer Köpfe waren
Des gestrigen Kundgebungen.
z B di« Ermordung Heinrichs IV. von Franlreich durch Ravaillac, dessen Tatgründe unaufgcllärt ge- bLeben sind, und bte Erschießung des amerikanischen Präsidenten Lincoln (1865), ber, nachdem der Bürgerkrieg durch die Klugheit Linzolns glücklich beendet war. der Kugel eines südländischen Fanatikers zum Opfer net Unabsehbar ist die Zahl der polillschen Mord«, der „Attentate", wie man auch sagt, in der Neuzeit: allein sieben Mordversuche gegen König Louis Philipp ton Frankreich, einer gegen Napoleon III., drei gegen Kaiser und König Wilhelm I. zwei gegen Bismarck, Dutzende gegen die russischen Zaren, worunter der Anschlag gegen Alexander II. (13. März 1881) tödlich endete. An die Mordtaten gegen die Könige Umberto von Italien Und Karl von Portugal sei erinnert. In aller Erinnerung steht die grausige Meuchelrat gegen Erzherzog Franz Ferdinand und Gemahlin (Serajewo, 28. Juni 1914), wonans sich der Weltkrieg entzündete — eines der allergrößten politischen Verbrechen der Geschichte.
Genug des grausamen Bildes! Wir sehen, daß die Zahl der polltischrn Mord« unerschöpflich ist. System- Wechsel haben sie niemals gebracht, am wenigsten in der neuesten Zeit, wo sowohl die Politik bet Fürsten tote die der Staatsmänner durch verfassungsmäßige Bahnen sestgelegt sind.
Der politische Mord ist derMrrsdruck einer UerdöS überreizten Zeit. D^-Her muß der Staat Mittel suchen und falben, diese Ueberspannnng zu beseitigen und die Wogen zu glätten. Mit Gewalt und Schreckensmaß- Mgeln ist nicht viel getan. Die Geschichte beweist vielmehr, daß Druck den Gegendruck erzeugt, und daß außerhalb der Parteien stehend« Fanatiker vor Wahnsinnstaten nicht zurückscheuen. Wenn wir jetzt schon eine Lehre aus dem Meuchelmord an Rathenau ziehen wollen, so kann sie nur in die Mahnung ausllingen: „Ruhe, Besonnenheit, Zurückhaltung von allen Seiten, Ueberwindung der Partei- gegensätz«, Einigkeit!" Bei der .Sonnentocnb» feier zu Caub 192? wurden die schönen Worte gesprochen:
„Gedenkt der Helden, bi« gefallen — Eintra cht ist eisernes Gebot! — Der Weckruf, Brüder, gllt uns Mlen: Seid einig, treu bi? in de« Tod!
8- I.
; -*---
Senter MM
2 4 3. Sitzung vom 4. Juli.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst klein« Anfragen.
Auf eine Anfrage ber Deutschen Bolksvartei wegen der Vergewaltigung und Erdrosselung der Frieda Guckes au- Idstein im Taunus durch einen marokkanischen Soldaten der französischen Besatzung, antwortet ein Re giernngsvertreter, der Täter Haber die' Tat «rngestanden. Er soll geistig gestört, und die militärgerichtliche Unter- suchung soll noch nicht abgeschlossen fein. Die Regierung hab« strengst« Bestrafung de? Täters gefordert, Schadenersatzansprüche sich Vorbehalten utu. die Entfernung der schwar-zen Truppen aus dem besetzten Gebiet verlangt.
Auf eine Anfrage der Deutschnationalen toegen der Schwierigkeiten, welche Polen denjenigen bei der Einreise in polnisches Gebiet mache, die dort Verwandten besuchen wollten, erklärt di« Regierung, daß die deutsche Gesandtschaft in Warschau Vorstellungen erhoben habe, eventuell sollen Repressalien erfolaen.
Zur zweiten Lesung des Rapalloverirages fordert Abg. Böcker (Komm.) sofortigen Abschluß eines Handelsvertrages mit Rußland, sowie Ausdehnung der Verträge auf di« übrigen Sowjetrepubliken. Der 83er» twg wird dann angenvmmen, ebenfb in dritter Lesung « ’
Es folgt bk Weiterberatung des Arbeitsnach- weisgesetzes. Bei Paragraph 46, ber bie Arbeitsvermittlung betrifft .tritt Abg. Lambach (D -natt.) für bie Beibehll' • -■ ArbellSvermittlungsstelk- des
Dentschnattonale- ngsgehilfenverbandeS ein, deffen hervorragende Tätigl-ir auf diesem Gebiete nicht nur bei den Arbeitnehmern, sondern auch bei den Arbeit- gebern Anerkennung gefunden habe. Ein« rein bürv- kmtische Gestaltung des Stellennachweises werd« niemals in ber Lage fein, in’ ähnlicher Weise ben rechten Mann an den rechten Platz zu stellen.
Nachdem bte Abgg. «nshäuser Hl.) und Malt- Zahn (Komm.) gegen den Vorredner Stellung genommen haben, wird ber Rest des Gesetzes angenommen.
Die dritte Beratung des Gesetzentwurfes zur Ausführung deS Artikels 18 ber V-rfasinng wird ebenfalls erfebiflt, bie Gesamtabstimmung aber ausgesetzt.
Morgen nachmittag 2 Uhr: Gesetz zum Schutze bei Republik, Amnestiegesetz und Interpellationen.
Horde 4. Juli. Die Stadtverordneten Haden in ihrer gestrigen Sitzung 20 hiesige Straßen »mgetanft. Unter den neuen Strahennamen befinden Rathenanstraße, Er», beigerstrafte, Karl-Liedknecht-Straße, Rola-Luxembura-Strabe nnd sogar eine Mai-HSlz-Strntze. Die Sozialisten nnb Kommunisten, welche die Mehrheit haben, hatten diesen Dring, lichkeitsantrag eingebra-bt. Sämtliche bürgerliche Stadtverordneten Haden gegen diesen Antrag gestimmt. Weiter wurden die Kamen der Viktoria-, der Luise», und der «ilhelmschnle abgc ändert.
Dortmund. 4. Juli. Gestern Abend ist es nach einer kommunistischen Versammlung zu erheblichen Ausschreitungen gekommen. Junge Bursche» i» Wanderburschentracht zogen zum Hauptbahnhof zum Fürstenhof, zu« Römischen Kaiser und in andere Hotels, um dort die Bilder berauszn» holen, die noch an die Dlonarchie erinnern. Die alarmierte Schupo traf sofort ein, säuberte die Strafte» Mb nahm die Haupträdelsfuhrer fest.
AiMnitSM» mti MAiükM?.
Berlin, 4. Zuli. Aus dem Reiche liegen Meldungen vor, nach denen die heutigen Kundgebungen vielfach ohne jede Störung verlaufen sind, so in Magdeburg, Dresden, Braunschweig und Hamburg. Hingegen ist es zu einigen Ruhestörungen in anderen Orten gekommen. In K ö l n wurde, nachdem die Demonstration selber in vollständiger Ruhe verlaufen war, von einem Teil der Demonstranten der Versuch gemacht, die auf der Hohenzollernbrücke stehenden Denkmäler zu beschädigen. Die daran beteiligt« Menge wurde von der Schutzmann- schast zerstreut. Ebenso versuchte eine Gruppe in Magdeburg das Kaiser Wilhelm-Denkmal zu stürzen. Der Versuch wurde von der Polizei verhindert. Welter mußte die Polizei einen versuchten Angriff auf das Sparkasssngebäude mit blanker Waffe zurückweisen. Eine größere Anzahl von Verhaftungen wurde vorgenommen. Aus Stuttgart wird berichtet, daß nach der Demonstration ein Trupp von etwa 500 Personen zum Justiz- gebäude vordrang, ein Tor eindrückte und unter Vorantragen roter Fahnen in den Eefängnishof gelangten und die Freilasiung der politischen Gefangenen forderte. Die Ordnungspolizei griff ein. Die Demonstranten setzten sich aber, indem sie sich mit den im Eefängnishofe liegenden Holzkloben bewaffneten, zur Wehr. Ein Polizeioffizier und mehrere Polizisten wurden verletzt. Schließlich gelang die Räumung des Eefängnishofe».
Berlin, 4. Juli. Heute Nachmittag hat eine riesige Kundgebung für die Forderungen zum Schutz der Republik, veranstaltet vom Allgemeinen deutschen Eewerkschaftsbund, dem allgemeinen freien Angestelltenbund (Afa) und den drei sozialistischen Parteien, stattgefunden. Man hatte nicht den Lustgartei, sondern den Auguste Viktoriaplatz in Ehar- loitenburg als Treffpunkt gewählt. Gegen 2 Uhr trafen die ersten der 18 Züge an der Kaiser Wil- Helm-Eedächtniskirche ein, doch dauerte es etwa 1% Stunden, bis alle Teilnehmer-der Kundgebungen, die den Kurfürstendamm und die anderen Zugangs- traßsn in dichten Masten füllten, zur Stelle waren. Die Menge führt schwarz-rot-goldene, rote und Vereinsfahne» mit; auf zahlreichen Schildern brachte man die Forderungen des Proletariats zum Ausdruck. OeffentlicheRedenwurden nicht g e h a 1 t ° n Gegen 3% Uhr stimmten die Masten die Internationale an und zogen singend in breiter Front den KurfLrstendamm entlang in Richtung Halensee. Viele die infolge der Anstrengungen des tundenlangen Marsches aus den Vororten und i.r- olge des schwülen Wetters in Ohnmacht i e l e n, wurden von den Arbeitersamaritern aus den Reihen getragen. Die kommunistische Partei verteilte Flugblätter mit der Ueberschrist: „Der Mord an Rathenau aufgeklärt. Was nun weiter?" Vor den Häusern des Kurfürstendammes standen vielfach Leute, welche die Erschöpften mit Master Labten. Nach etwa einer Stunde trafen die Züge in Halensee ein, wo sie sich ohne Zwischenfälle auflösten. Sämtliche Verkehrsmittel ruhten. Fast alle Geschäfte und Wirtschaften waren geschloffen.
Es kam zu Heineren Zwischenfällen, als zu Beginn des Vorbeimarsches aus dem Zuge der Ruf ertönte .Hut ab" und zahlreiche Leute, bie diesem Ruf« nicht chncll genug nachkamen, den Hut vom Kopfe geschlagen erhielten. Das Publikum mußte entblößten Hauptes den Zug an sich vorbei ziehen lassen. In Halensee erweiterte «in Bursche einen sehr hohen Kandelaber und vollzog unter tosendem Beifall ber Menge die Hinrichtung Ludendorff?, ber in Gestalt einer großen Puppe in Generalsuniform mit Haken- kreuz an dem Laternenpfahl aufgeknüpft wurde.
Magdeburg, 5. Juli. In Sommerschenburg bei Völpke drangen Bewaffnete in den freiliegenden Evtshof ein. $e kam zu einer Schießerei, in deren verlauf ein Schupobeamter, der dort zum Feldschutz kommandiert war, verwundet wurde. In den späten Abendstunden ist polizeiliche Lerstärkung von Magdeburg nach Sommkischenburg abgegangen. Auch aus verriebenen anderen Orten g-ngen Hilferufe bei der hiesigen Polizei ein.
Düsseldorf, 5. Zuli. Bei der gestrigen Kundgebung ist es pt Zusammenstößen mit der Polizei gekcnunen. Lor dem Polizeipräsidium wurden Reden gehalten. Als die Polizei den Platz säuberte, w’tioat mehrere Personen verletzt und verhaftet. Aus den Dienstgebäuden wurden die arbeitenden Beamten und Amretzellten herausgeholt. Di« Stra-
ßensch lder an der Ludendorffstraße und am Hin, denburgwall wurden von den Demonstranten ent, fernt und durch die Auffchristen „Erzbergeick' unk „Rathenau" ersetzt. j
Zittau, 4. Juli. Aus Anlaß der heutigen Kundgebung zogen auf Antrag eines Kommunisten einige Teilnehmer nach der Schützengesellschast uns nahmen dort hundert Gewehre, die sie zum Teil auf dem Marktplatz zerschlugen. Dann zeg ein Trupp vor das Gebäude der „Zittauer Morgenztg." und verlangte von dem Chefredakteur die Zurück- nahnle eines Artikels. Als diese abgelehnt wurde, gegen bei Demonstranten unter Drohungen ab und begabe.n sich zum Amtsgericht, um die Gefangenen zu befreien Bis gegen 8 Uhr abends demonstrierten die Teilnehmer an der Kundgebung vor bem Gericht. Wie verlautet, soll Landespolizei eingesetzt »erden.
ML n ch e n, 5. Juli. Die von den drei sozialistischen Parteien auf der Theresienwiese veranstaltet« Kundgebung l atte eine sehr starke Beteiligung. Für die verschiedenen Parteien hielten fünf Redner An- sprachen, worin auf die Gefahr hingewiesen wurde, welch« der Arbeiterschaft Bayerns durch die Sonderstellung der bayrischen Regierung gegenüber der Nkichsregierüng drohten. Die Maffen wurden zur Kampfbereitschaft und zum Schutze der Republik gegen olle „reaktionären" Bestrebungen aufgefordert. Mit Hochrufen auf die Republik traten die Maffen, die schwarz-rot-goldene und rote Fah. nen und rereinzelt Sowjetsterne mit sich fsthv. ten, den Heimmarsch an. Versuche, die Bannmeile des Landtages zu Überschreiten, wurden durch die grüne Polizei verhindert. Zwischenfälle wutchen bisher nicht gemeldet.
SiraßknISmpfe tu Dortmund.
Dortmund, 5. Juni. Bei den gestrigen Kundgebungen zerbrachen Vortrupps in verschiedenen Stadtteilen Fahnenstangen, entfernten Schild der, aus deren Aufschriften sie „reaktionäre" Tendenz herauslesen. So wurden am Hotel Fürstenhof da» aus riesigen Metallettern zusammengesetzt« Wort „Fürsten" und beim Hotel Römischer Kaisei das Wort „Kaiser" unleserlich gemacht. Nachdem die Polizei die beiden Rädelsführer verhaftet hatte, erschien plötzlich eine Menschengruppe vor dem P» lizeigefängnis und forderte die Freigabe der beide« Gefangenen, die nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt worden waren. Eine andere an die Tausende zählende Menschenmenge plünderte ein Waffengeschäft und leistete den zur Hilfe eilenden Schupobeamten erheblichen Wider, stand, sodaß diese von der Waffe Gebrauch machen mußten. Nach erfolgreichem Vorgehen mußten mehrere Hauptstraßen längere Zeit gesperrt werden. Inzwischen war die Schupo in dem im Norde« befindlichen Arbeiterviertel angegriffen worder und wurde gezwungen, von der blanken Waffe Ge. »rauch zu machen, wobei es mehrere Verletzte gab. 'hn 9 Uhr abends schien die Hauptgefahr beseitigt. Die Menge wollte jedoch nur eine Kampfruhe ein« treten lasten und ging gegen 10 Uhr abends, nach, dem die Schupo teilweise wieder zurückgezogen war, erneut tätlich vor. Die Beamten wurden deratt be> drängt, daß sie zum Schießen gezwungen war. ~',t Strahcnkampf war um 10% Uhr abends • Gange.
Protest gegen die Störungen des Wirtschaftsleben,
B e r l i n, 4. IuU. Die im Zentralausschuß der Unternehmerverbände zusammengeschlrffsenen Am« tralorganisattonen der deutschen Berufsstände haben an das Reichskabinett und den Reichstag fol« gendes dringende Telegramm gerichtet:
Der Allgemeine Deutsche Dewerkschastsbund und der Allgemeine freie Angestelltenbund legten in Verbindung mit den sozialdemokratischen Parteien di: Produ' ncn, den Handel und den Verkehr in der Reichshauptstadt und im Reiche still, um politische Forderungen durchzusetzen. Die unterzeichnete« schaffenden Verbände des Deutschen Reiches lehne« eine solche Verquickung wirtschaftlicher Kampfmittel mit politischen Forderungen mit allem Nachdruck ad. Eine solche Gewaltpolitik ist nut dazu angetan, un. rr Wirtschaftsleben erneut Erschütterungen auspl« setzen und das Vertrauen des In- und Auslandes auf die schaffende« Kräfte Deutschlands zu ver» Nichten. Wir protestteren deshalb gegen diese folgenschwere Störung des Wirtschaftslebens und erwarten von der Regierung und Volksvertretung, daß sie solchen eigenmächtige« und das Land schädigenden Handlungen mit allen zu Gebote stehende« Mitteln entgegentreten.