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DI« „Oocrtzessische Settun ■ " erscheint sechsmal wöchentlich.
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Der Prozeß gegen ble Sozialrevolutionäre, Van- dervelde sprach in Paris in einer Veranstaltung der .Liga für Menschenrechte" über den Moskauer Prozeß gegen die Sozialrevolutionäre, bet der er die Rechte der Verteidigung habe niedergelegt werden müssen. Vandervelde kritisierte gewisse Sowjet-Organisationen, insbesondere den ganze» Justizapparat, und forderte eine entschlossene Einigung des internationalen Proletariats gegen eine eventuelle Vollstreckung ungerechter Urteile.
Der Berliner Buchdruckerausstand.
Berlin, 1. Juli. Bon den Berliner Zeitungsverlegern und Vuchbruckereirn geht dem Wolff- Büro folgende Nachricht zu:
Am gestrigen Tage ist in Berlin ein allgemein r Zeitungs- und Buchdruckerstreik ausgebrochen. Die Arbeiter verlangten eine sofortige 30prozentige Lohnerhöhung, die von den Arbeitgebern mit Rücksicht darauf abgelehnt werden mutzte, datz die Löhne reichstariflich geregelt stnd und neue, für das ganze Reich geltende Lohnverhandlungen bereits auf den 11. Juli anberaumt waren. Hierauf trat die Arbeiterschaft unter Bruch des Tarifs in den Streik, nachdem bereits einige Tage vorher die Belegschaft in einzelnen Betrieben tarifbrüchig geworden war.
Infolge des allgemeinen Ausstandes der Berliner Buchdrucker ist heute keine Morgenzeitung er- chienen. Rur das „Nachrichtenblatt der Berliner Arbeiterschaft" wurde — von der Gewerkschafts- kommission — herausgegeben. Wie das Nachrichten - blatt mitteilt, haben sich die Vertreter der christlichen Organisationen und des Eutenbergbundes dem Buchdruckerausstand angeschlossen. Das Reich:.- arbeitsministerlum ist der gleichen Quelle zufolge bemüht, vermittelnd zu wirken. :
am Volkstänzen und an der »schweren und zähen Arbeit" bezetckmet, die seine, die Deutschnationale Volks- partci, »aus dem Boden des Rechts und der Berfas- snng für die Wiedergeburt Deutschlands leiste." Der Wahnwitz, der in irregeleiteten jungen Köpfen Wurzel gefaßt zu haben scheine, als ob solche ruchlosen und ehrlosen Taten in'irgendwelchen Kreisen Anerkennung siitden köimten, müsse mit Stumpf und Stiel ausgerot- tel werden. Die Deutschnattonale Volkspartei tue nach dieser Richtung in ihrer Organisation alles, was sie könne. Helfferich sordert Admiral v. Schröder aus, im Offizierverbaitd in gleicher Weise zu wirken; es müsse gesagt und neu in die Köpfe gehämmert werden, daß die Verbände des alten deutschen Offizier- korps einen jeden ächten und verfehmen werden, der durch feige Mordtaten den bisher blanken Ehrenschild des deutschen Ofsiziers nicht nur beschmutzt sondern für alle Zeiten zerschlägt.
Helfserichs Bedrohutig im Reichstag.
Die Tatsache, daß eine Anzahl von linksstehenden Abgeordneten in der Sitzung vom 24. Juni unter dem Eindruck der Meldung von dem Mord an Rachenau versuchte, Dr. Helfferich aus dem Saale zu drängen, erfüllt nach der „Deutschnationalen Parteikorrespon- denz" den Tatbestand des § 105 des Strafgesetzes. Danach wird „mit Zuchthaus oder Festungshaft nicht nitter 5 Jahren bestraft" „wer es unternimmt, Mitglieder einer gesetzgebenden Versammlung des Reiches oder eines Bundesstaates aus dieser gewaltsam zu entfernen". „Es muß erwartet werden", so erklärt das offizielle Parteiorgan, „datz die Staatsanwalt- sckfaft eingreist und bei der Schwere der begangenen Straftat wegen der Immunität jener linksstehenden Abgeorduetn die Strafverfolgung nicht unterlätzt. Die deutschnattonale Fraktion wird zunächst abwarten, was die zuständigen Behörden tun werden, den Fall aber sicher nicht ruhen lassen."
Aus den Ausschüssen.
Der Rapallo-Vertrag im Auswärtigen Ausschuß angenommen.
Berlin, 1. Juli. Der Auswärtige Ausschuß des, Reichstags, an dessen Sitzung der Reichskanzler teil» nahm,, genehmigte den Rapallo-Vertrag.
Die Untersuchung gegen Minister Hermes.
Berlin, 1. Juli. Der Reicüstagsausschuß zur Untersuchung gegen den Reichsminister Hermes hielt eine vertrauliche Sitzung ab, über die der Vorsitzende Abg. Fischer-Köln mitteilt: Der aus sieben Mitgliedern bestehenden f>6. Ausschuß zur Untersuchung gegen Hermes sprach sich mit feckzs Stimmen dahin aus, datz er auf Grund der von ihm angestellten Untersuchungen keine Veranlassung gegeben sieht, dem Retchs- toO zu empfehlen, gegen Hermes vorzugehen.
Fortgang der Kämpfe in Irland.
London, 1. Juli. Die Dubliner Aufständischen haben sich jetzt in bet Hauptstraße der Stadt vec- chanzt und zwar in einem Gebäudeblock von zweihundert Meter Frontbreite, wozu einige große Hotels gehören, die von den Gästen geräumt werden mußten. Tie Aufständischen sind eifrigst damit beschäftigt, diese Gebäude zu befefttgen und einen Tunnel zwischen ihnen zu graben. Alan glaubt, daßdeValera dort das Kommando führt. Die Freistaailer Halten die gegenüberliegende Straßenseite besetzt. Während nachts ruht, wurde die Ruhe heute früh durch den Angriff eines Panzerautomobils auf die Freistaat- Trnpp-n unterbrochen. Diese erwiderten das Feuer heftig. Darauf explodierte eine Mine unter der Straße in der Nähe des Automobils, ohne jedoch diesem Schaden zuzufügen. — Der Stabschef der Frei- 'taatler ließ bekanntmachen ,daß Plünderer sofort er- chossen würden. Heute früh ergaben sich fünfzig Aufständische in der Nähe der „Four Courts". — Bei den gestrigen Kämpfen gab eS zwölf Tote und über hundert Verwundete.
In DrvghHa wurde gestern heftig gekämpft, wobei die Eisenbahnbrücke gesprengt und damit die Verbindung Dublins mit dem Norden abgeschnitten wurde. Auch aus den Otten der südwestlichen Grafschaften werden Angttffe auf die Fveistaatler gemeldet.
DaS irische Parlament hat sich bis zum 15. Juli vertagt.
kein Erlaß. — Serio« von Dr. T. Hitzeroti,. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Soh. Aug. «och. Markt 21/28. — Kernivrecher 55, Posilchecklonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt c. Main.
In der Besprechung der Reichsregierung mit de» Vertretern der Landesregierungen kam zum Ausbruch, daß die bayerische Regierung den Ausnahmegesetzentwurf in seiner vorliegenden Fassung nach wie vor ür unannehmbar hält.
Magdeburg, 1. Juli. In der Stadtverordnetenversammlung wurde die Mitteilung genlacht, daß die vom Magistrat beschlossene Nmänderung zahlreicher Straßennamen, wie Kaiserstraße in Republikstraße usw., vom Regierungspräsidenten wegen ihres polittschen Sinfa-grunbed der Zuständigkeit des Polizeipräsidenten entzogen tooiixn sei. Der Minister des Innern oll die letzte Entscheidung geben. Nur die Königs- tratze wurde in Rathenaustrrße umgetauft. Ein noch unbekannter Straßenzug erhielt den Namen deS seiner- zeit ermordeten bayerischen Abgeordneten Gareis.
LllWWkl mi> Mit.
। Weimar, 8. Juli. Wie vom thürinZischcii Ministerium mitgeteilt wird, wurde anschließend an die Ergebnisse der Untersuchung des Mordes an Rathenau Befehl erteilt, alle Mitglieder der an der Verschwörung beteiligten Organisation 0 zu oer- haften. Es ist bereits eine große Anzahl von Verhaftungen erfolgt, wobei wichtiges Beweismaterial gefunden wurde, das jedoch im Interesse der weiteren Durchführung der Untersuchung einstweilen noch geheim gehalten wird.
Dresden, 2. Juli. Die nachgenannten VSteine und Verbände sind mit allen ihren Bezirken «nd Ortsgruppen verboten und aufgelöst worden: Organisation O, Landesverband der Vereine mr tional gesinnter Soldaten, Bund der Eetreuea, Verein Kleinkaliberschützen, Freikorps Oberland, Verein Stahlhelm.
Jena, 2. Juli. Der Hochschulriug Deutscher Art zu Jena wollte am 30. Juni einen Vortrag des Vorsitzenden des Deutschen Hochschulringes, Wilhelm Zieh (Berlin) veranstalten, der sich mit dem augenblicklichen studentischen Verfassungskampf und der Einigung in der deutschen Studentenschaft bc- fasien sollte. Der Eemeinderat Jena verbot au drahtlichen Bescheid des thüringischen Ministeriums des Innern den Vortrag unter Uebergehung von Rektor und Senat der Universität Jena. Ferner wurde von derselben Stelle die sofortige Auflösung des Hochschulringes Deutscher Art verfügt. Der Vorsitzende des Hochschulringes hat persönlich im Reichsministerium des Innern Protest gegen das Vorgehen der thüringischen Regierung erhoben.
Hamburg, 2. Juli. Laut Mitteilung der Polizeibehörde sind auf gründ der Verordnung zum Schutze der Republik 20 nationale Vereine und Ver- b ndungen verboten und aufgelöst worden.
N e w y o r k, 2. Juli. * Nach einer Meldung des „New Pork Herald" wird die Untersuchung gegen den deutschen Staatsangehörigen Petersen, der an Bord des Dampfers „Präsident Taft" als blinder Passagier verhaftet worden war, fortgesetzt. Petersen soll Schiffsangehörigen gegenüber ge äußert haben, er habe Kenntnis von dem beabsichtigten Mordanschlag auf Rathenau gehabt. Er will während der Krieges Flieger in Zeebrügge gewesen sein.
Die Mordwaffe a«fgefunden.
Marburg MM, heil 3.3eli Heueri.
Berlin, 1. Juli. Der Abteilung I a des Ber- » liner Polizeipräsidiums ist es gelungen, die Maschinenpistole, mit der Rathenau erschosien wurde, a u f z u f i n d e n. Die Waffe hing in der Tannenhecke eines Gartengrundstückes in der Tep- litzerstraße in Berlin-Schmargendorf. Die Pistols ist noch mit 24 Schüßen geladen. Beim Eigentümer i _ .des schon vor einigen Tagen beschlagnahmten Mord- •ut05, dem Fabrikanten Johannes Küchen- h» e i st e r zu Freiberg in Sachsen, förderte eine jetzt von sächsischen Beamten vorgenommene Durchsuchung ein umfangreiches Waffen- und Munition - lasier zutage. Es wurden gefunden: 2 Minenwerfer, 6 schwere, 4 leichte Maschinengewehre, 150 Gewehre' 30 Kisten Munition und eine telephonische Ein Achtung. Die Waffen waren in einen Schacht eingemauert.
Plünderungen in Senftenberg.
Senftenberg, 1. Juli. Nachdem es hier schon am 29. Juli zu Plünderungen gekommen war. denen eine Anzahl Läden und Kaufhäuser der $*- kleidungs-, Schuh- und Lebensmittelbranche zum Opfer fiel, wurde in der letzten Nacht das Kaufhaus der Wohlfahrtsgesellschaft der Grube Ilse vollkommen ausgeraubt. Was nicht mitgeschlepnt > «erden konnte, wurde vernichtet. Der Landrat des Kreisers, Freter, und der Regierungspräsident Bartels aus Frankfurt a. d. O. waren unausgesetzt leit 6 Uhr früh bemüht, die Leute zur Vernunft zu wingen, doch umsonst: vor ihren Augen wurden die Plünderungen fortgesetzt. Roch in der Nacht waren rwei Hundertschaften bet Schutzpolizei von Kottbus >ach Senftenberg abgegangen, sie kamen jedoch z • spät.
Aufruf des Kultusministers.
..Berlin, 1. Juli Der amtliche preußische Presse- Aenst teilt mit: Der Minister für Wissenschaft, Kunst t j**1“ Volksbildung Dr. Boelitz erläßt einen Ausruf, s f® dem er olle diejenigen, die an der Erziehung de: Jugend Mitarbeiten, auffordert, ihr Bestes einzusctzen, «mit die furchtbare Verwilderung der sitt- «tchen Begriffe wirksam bekämpft werde. ,Mehr als je, heißt es in dem Aufruf weiter, tue der Mugend Erziehung not. Es stt sinnles, wenn der beronwachsenden Jugend Fachwissen aller Art eingeftößt ;£erf>e und darüber der Mensch und die sittliche Gesamt- berfönlichkeit vergessen werde Besonders macht der Minister die höheren Schulen, aus denen die künftigen F Führer des Volkes hervorgehen, auf die ernste Ber-
•antnoduna aufmerksam und stellt hierbei folgaid.n Grundsatz aus: Es muß der herantvachsendrn Jugend zur Selbstverständlichkeit werden, daß geistige Kämpfe nur mit geistigen Waffen, nicht mit brutaler Gewalt ausgekämpft werden können, und daß sachliche Meinungsverschiedenheiten und der Gegensatz in den Weltanschaunw- igen die Achtung vor der Person des Gegners nicht mindern dürfen.
Die christlichen Gewerkschaften gegen erneute ArSeitsruhe.
B e r l i n , 2. Juli. Der deutsche Dewerkschafts- bund richtet an seine Mitglieder folgenden Aufruf:
Die sozialdemokratischen Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten und die drei sozialistischen Parteien fordern erneut zur Arbeitsruhe für Dienstag den 4. Juli auf. Der deutsche Eerverkschafts- bund lehnt eine Beteiligung an dieser abermaligen Lahmlegung des Wirtschaftslebens mit Entschiedenheit ab. Ein solcher sinnloser Mißbrauch der gewerkschaftlichen Machtmittel schädigt das Volk, er vergrößert nur unsere schreiende Not, und dem Schutz der Verfassung und der Sicherung des allgemeinen Rechts wird damit nicht gedient. Christliche Arbeiter, Angestellte und Beamte, erweist Euch erneut als ein Ordnungsblock der deutschen Volksgemeinschaft.
Deutscher Eewerkschaflsbund gez. Stegerwald
Bei der Dienstagskundgebung soll die Bannmeile streng beachtet werden. Die Kundgebung wird sich diesmal im Westen Berlins abspielen. Den Mittelpunkt bildet die Kaiser-Wilhelm-Ee- döchtniskirche. Von dort aus werden die Demonstranten nach Beendigung der Versammlung in breiter Front den Kurfürstendamm entlang bis zum Bahnhof Halensee bewegen,' dort ist, wie es in dem Aufruf heißt, die offizielle Kundgebüng zu Ende.
Der sozialistische Aufruf schließt mit der Drohung' „Sollte auch diese Demonstration des Volkswillens nicht znm schnellen Sie ge führen, so werden wir weitere Parolen folgen lassen". Dazu schreibt die „Köln. Zeitg.": Aus diesen und anderen Kundgebungen von linksradikaler Serie geht hervor, daß man dort erschlossen ist, seinen Willen sofort mit allen Mitteln durchzudrücken. Was versteht man unter dem „schnellen Siege"? Geht der verfassungsmäßige Laus vcs Gesetzentwurfs zum Schutze der Republik nicht chnell genug? Will man der demokratischen Erledigung mit Gewalt, selbst auf die Gefahr eines Bürgerkriegs, nachhelfen, und hat dann noch den Mut, bas „Volks- willen" zu nennen? Einstweilen greift man zu dem ebenso unheilvollen wie untauglichen Mittel des General- streiks und der Demonstration. Wie solche Hetze endet, ist nie vorauszusehen: jedenfalls wissen die Führer, daß große Gefahren dahinter lauern, die einen Gard erreichen können, wo sie nicht mehr zn bannen sind. Und was kann mit diesem Mittel erreicht werden? Nichts. Eine sozialistische Diktatur wird sich der wahre Volktzwille, die Deinokratie, heute ebensowenig wie früher gefallen lassen, und uattonalistische Fa- nattker, verblendete Ghmnasiasten ans Studenten, Leute, denen Rathenau zum Opfer gefallen ist, wird nun mit solchen Mitteln auch nicht bekehr:-::. Die Ansichten solcher Unternehmungen sind also in jedem Falle nur ungünstig."
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Unhaltbare Vorwürfe.
Zu einer im „Vorwärts" erschienenen Veröffentlichung eines früheren Mitglieds der Organisation C namens Felix Clans, der die Deutschnationaft Volkspattei beschuldigt, politische Verbrecher begünstigt zu haben, erklärt Abgeordneter General v. Gallwitz, Claus habe sich als steunngs« und beschäftigungslos nm Unterstützung beworben. Gallwitz betont, er hab- ihn nicht für verdächtig gehalten, sonst hätte er ihm feine Hllse verweigert. Der Abgeordnete Jandrey habe den jungen Mann mttergebracht. Weiter versichert Gallwitz er habe erst vor einigen Woähen zum erstenmal etwas von einer Geh-irnorgamsation C erfahren, und zwar durch die Zeitungen. Der Hanptgeschäftsführer der Deutschnationalen Partei erklärt zu den Angaben des Claus, am 10. November "1921 sei einem „Emil Radatus" der Betrag von 60 Mk. vusgezahlt worden, dieser habe angegeben, er komme vom okxrscklesischen Selbst- schütz unb gebrauche 60 Ml. Reisegeld, um zur Be- erdigung seiner, Mutter ?n fahren. DaS Geld fei ihm ans reinem Mitleid gegeben worden.
Von der Hauptgeschäftsstelle der Dentschnationalew Bvlkspartei werden verschiedene Schriftstücke veröffentlicht, die beweisen, daß die von dem amtlichen preußischen Presiedienst behaupteten „gesellschaftlichen und politischen Beziehui!gen"des verhafteten Willy Günther zu hervorragenden Mitgliedern der Dentschnationalen Volks- vatttt in Wirklichkeit nicht im Entferntesten bestanden haben. Wie mitgetei(t, ist Günther, der als Unteroffizier entlassen wurde, aus der Dcutichnationalen Volkspattei bereits vor fast l1/« Jahren ausgeschlossen worden. Auch :on einer Mitarbeiterschaft bei der „Deutschen Tageszeitung" kann keine Rede sein.
Der Standpunkt Helftettchs.
Die „Kreuzzeiwng" veröffentlicht einen Brief Dr. Helfserichs an Admiral a. D. v. Schröder, in dem Helssettch den polittschen Mord mft den fchätt- ften Worten Verurteilt, ihn als ruchloses Verbrechen nicht nur an einzelnen Menschenleben, fondcrn «ich
AnMmM uMWaniwtaiioea,
** Berlin, 8 Juni. Der wesentliche Eindruck/ den jeder unparteiische Beobachter von der gegen«- wattigen Lage erhält, ist im höchsten Matze besorgnis^ erregend^ und zwar deshalb, weil die unverkennbare. Neigung zu einer schneidenden Verschärfung der Gegensätze bei den Parteien der Linke» die Oberhand gewonnen hat. Morgen werden abermals i« Berlin Md «nrch wohl im Reiche sonst Kundgebungen statt-: sinden. Es sind Sieben an die Massen und im Anschluß daran Straßenumzstge geplant. Die Forderungen nach schärfster Ausnahmegesetzgeüung werden zur Staffen« Parole gemacht. Man verlangt das Verbot „monarchistischer Farben und Fahnen" und meint damit bte frühere deutsche Reichsfarbe schwarz-weiß-rot. Ma»! verlangt „Säuberung" der Regierungsstellen »nd bei' Verwaltung einschließlich der Gerichte unb meint' damit Absetzung aller Beamten, die nicht boZ «Pit«! blikanische Glaubensbekenntnis ablegen.
Mt der Durchführung solcher Forderungen wäre der schrankenlose» politischen Verfolgung Tür «nd' Tor geöffnet, und es ist zu befürchtest, datz btif Massendruck, der hinter diese Forderungen gesetzt wird, nicht vhne Wirkung auf die Regierung bleibt. Das erscheint umso bedrohliches als schon das Ausnahmegesetz, bas die Regierung im Entwurf fertig hat, die erträgliche Höchstgrenze eines politischen Aus- nahmezustandes toeit überschreitet. Es war wohl überlegt, daß man in Weimar in Zeiten, die doch gewiß unruhig waren, dem Präsidenten nur das Recht zur Ausnahme - Verordnung in die Hand gab. Hält: man Vertretern der Regierungspolitik entgegen, baf$ die Schaffung solcher Zustände ganz unbemolratifdjj ish so hort man immer den Einwand, es komme alles auf die Anwendung an. Gerade hier ist aknt Grund zu den schlimmsten Befürchtungen gegeben;' denn die Art, wie schon jetzt die zahllosen Verhaftungen und baS ganz undurchsichtige Beweismaterial zu politischen Zwecken ausgebeutet werden, erinnert an die Zeit der politischen Verfolgung, die vor etwa 100 Jahren unter Metternichs Führung in Oesterreich und Deutschland betrieben wurde. Aus der Verfolgung der Verschwörer wurde damals ein vernichtender Schloss gegen die deutsche Einheitsbewegung. Und wenn man; die politische Verfolgung in dem begonnenen Maß fottsetzt unb ihr di« Justiz dienstbar macht, so siu > abermals die schlimmsten Folgen für unser inne- polittsches Leben Au befürchten.
Ein: geg.nseitige Zerfleischung des deutsch n Volle?, zu der das Signal gegeben zu sein scheint, nimmt die letzte Hoffnung daß, die wiedererwachend.- moralische Widerstandskraft deS deutschen Volkes gegen die Sankttonspolitik zu einer Besserung führen könnte. Gewiß vffenbatt sich in dieser furchtbaren Sage die, verhängnisvolle Nachwirkung des frevelhaften Mordes, der an Rathenau verübt wurde. Aber es osfenbatt sich doch auch darin die ebenso werhängniZvolle Stoßwirkung, die von links der Entwickelung gegeben worden st. Die ^Regierung und die Regierungsparteien habe» ich mitten in diese Entwickelung gestellt. Es mag jetzt schwer fallen, sie zu hemmen, und die Regierung muß den Willen zeigen. Versäumtes nachzuholen. Aber elbst, wenn sie das tut, bleibt immer noch die Gefahr eines Konfliktes wie eine dunkle Wolke über unserer nächste» Zukunft hängen. .
Der »n;etgtnprei« beträgt fix den g gesp. Zetlenmilllmeter 1.25 Mk.. amtliche unb
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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (bas früher kurhessische) Öberhessen