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1922

Amtliches VeMndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhefsen

Marburg greitao, den 38. M

Brachmonv.

DieOberheWche Seihte V' «jcheiut sechsmal wöchentlich. Lezugsvrei» monatlich 25 ML Für ausfallende Kumtient infolge Etreils ooer elementarer Ereigniff« «r. 151 kein Ersatz. Verlag eon Dr. T. Httzerotd. Druck der Unio.-BuLSruckerei von

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MiNM «16 AMMW«. .

ES kann nicht verwundern, daß die Feststellung des ersten Beamten der Republik d«S Reichskanzlers, der Feind stehe rechts, sowie di« wiederholten Versiche­rungen von Regierungsseitr, die neue Ausnahmever- vrdnung werde ausschließlich gegen rechts an- gewendet, kn den aufgeregten Masse» den Gedanken haben Wurzel schlagen lassen, daß es «ine notwendige Unterstützung der Rlgierungsweisung fei, wenn man gegen diese Äs Feinde vor aller Welt festgestellten Kreise von sich aus aggressiv vorgehe. Herr Tr. Wirth kann auch nicht im Zweifel darüber gewesen sein, welche Wirkung seine Worte haben würden und mußten, und die anderen Vertreter der Regierung und Parteien, die im gleichen Sinne wir der Reichs­kanzler svrachen und schrieben, ebenfalls nicht.. Tie Ausschreitungen haben sich auch sp gehäuft, daß man nicht gut von Ausnahmesällen reden kann. Außer den bereits mitgeteilteu kam es « *. auch in Bautzen, Bischofswerda, Ebersbach, Jena zu schweren Zwischen- fSUen.

In Bautzen wurde der Schriftleiter derBantze- «er Tageblattes" herausgeholt, auf einen Wagen gesetzt und durch die Straßen der Stadt gefahren. Auch ein Bautzener Geschäftsmann wurde aus einen Wagen ge­laden. Er wurde gezwungen, ein rotes Schild mit der Aufschrift:Meder mit den Meuchelmördern" zu tragen. Jn Ebersbach holte man den Mitinhaber derOber- lau sitzer Tageszeitung" au? seinem Betriebe und zwang ihn, mit einem Schild im D.'mvnstrationSzua mitzu- marschieren. Desgleichen wurden verschiedene Fabrikan­ten gezwungen, sozialistische Ansprachen zn halten. In Bischofswerda drang man tu die Druckerei des Sächsischen Erzähler»" ein und holte die Leute aus dem Betriebe. Auch dort wurde Schaden angerrchtet. In Jena ist die Menge in baS KorpshauS der Studen­tenschaft Thuringia eingedrungen und hat von der dann erschienenen Polizei verlangt, daß sie das HauS nach Waffen durchsuche: es wurde aber nichts gefunden. Zn Tätlichkeiten kam es infolge der Besonnenheit der Stu­dentenschaft nicht, nur wurde die Verbindungsflaggr heruntrrgerissen und vernichtet. In Gera wurde gegen die Stimmen der Bürgerlichen beschlossen, den Hinden­burg-Matz von jetzt ab in Rathe nau-Platz »Ml zutaufen. Besonders schwer waren die Ausschreitungen in D a r m sta d t gegen die volkSparteickchen Abgeordneten Dr. Dingeldey und Dr. Osann. Die Deutsche Vollsvartei in Darmstadt richtete deswegen ein Tele­gramm an den Reichskanzler, in dem sie fragt:Was gedenkt die Regierung zu tun, um das Bürgertum nicht vogelfrei zu machen? Oder ist Aufruf: Feind steht rechts" Ursache solcher unerhörten Vor­gänge?" An Dr. Strrsemann wurde folgendes Telegramm gesandt:Bitten dringend Protest gegen A^r- gewallrguNg des Bürgertums. ZdichsLutztrr ist benach- richligt von Erfolg seines AufrufsFeind steht rechts".

Dee ,I?atioualiib. Koruchwudeuz" macht zu beu- Thrma:Mord und Partei Hetze" folgende bemerkens­werten Ausführungen:Di: schweren Ausschreitungen in Karlsruhe und Darmstadt zeige» mit erschreckender Deutlichkeit, wohin es führt, wenn die au sich b-greif­liche Erregung in eine bestimmte Richtung gedrängt und so geschürt wird, daß irgendwo und irgendwie eine Explo­sion erfolgen muß. ES ist dir allerhöchst« Zeit, daß mit der einseitigen Ausbeutung des scheußlichen Verbrechens an Dr. Rathenau, noch ehe überhaupt völlige Klarheit über die Urheber deS Verbrechens selbst geschaffen ist, ein Gude gemacht wird. Es ist auch die höchste Zeit, daß sich die Führer der sozialdemo­kratischen und der demokratischen Partei darauf besinnen, lvas für U n h e i l angerichtet wird, wenn man dir politischen Leidenschaften der Massen weiter anfiieitscht. Bei den sehr ernsten Ausschreitungen, uamxnt- lkch in Darmstadt, zeigen sich die Folgen einer so zmübetlegten Handlungsweise in aller Schärfe. Di« Kundgebungen waren von Sozialdemokraten und Demo­kraten veranlaßt, von denen sich die letzteren wieder einmal beflissen zeigten, den anderen den Rang ablaufen zu wollen. Daß dann bie politischen Führer die Herr­schaft über die Massen verloren und in diesen tft.yrate die Oberhand gewannen, die alles andere als gesetz- und ordnungsliebend sind, beweist die Tatsache, daß die Führer der Deutschen Volksportei in ihren eigenen Wohnungen mißhandelt, die gesamte Einrichtung zer trümmert, volksparteiliche Zeitungen und die Geschäfts- Kelle erbrochen und zerstört wurden, daß es schließlich fit einem Zusammenstoß mit der Polizei kam und daß »ock mehr Blut geflossen ist. Soft es wirftich noch immer nicht genug sein der Opfer von Mord, Gewalt «nb Aufruhr? Ebenso muß aber auch von derDeutsch nationalen Partei verlangt werben, baß sie sich jetzt mit größter Entschiedenheit von den Kreisen und Organisationen los- fugt, "die auf der anderen Seite mit zur Vergiftung unsereS öffentlichen Lebens Leit ragen, und ihre Reihen gründlich säubert. Es muß nicht nur der Regierung im Reich und den Regierungen ber Länder, sondern allen Bürgern des Deutsche» Reicher und der deutschen Republik die Möglichkeit gegeben werden, sich zu wc« stehen und zusammen zu schließen im Kampf gegen alles, was nur auf Zerstörung und Bürgerkrieg sinnt." Me Deutschnational: Volkspartei hat bereits vor einigen Lagen erneut «inen deutlichen Trennungsstrich Zwischen sich und unverantwortlichen rechtsradikalen Elementen gezogen, indem sie erklärte:Gegen jeden, ter Gewalttaten predigen, gut heiße» oder sich etwaige»

Organisationen anschlicßen sollte, über deren Ziele in dieser Hinsicht Zweifel bestehen könnten, istrücksichtS- l » s d« r A u s s ch l u ß aus unserer Partei zuLewirkc»." Diese Stellungnahme billigen sämtliÄ' der Partei nahe­stehenden Zeitungen. So erklärt dieDeutsche Tages­zeitung", daß es solch« Elemente in einer Partei, bie wie kaum eine andere in Deutschland auf der Grundlage von Recht und Ordnung auf gebaut ist, nicht geben dürfe. Der Parteivorstand der Deutsch-, nationalen VolKpartei hat alle Miederungen der Partei ersucht, sofort genau nachzuprüftn, ob einzelne Mit­glieder der Partei Organisationen angehören, welche verfast: ugs- oder gesetzwidrige Ziele verfolgen. Sollten solche Parteimitglieder sich finden, so seien sie un­verzüglich aus der Partei auszuschließen.

Da die Reichsregierung in erster Linie die Auf­rechterhaltung der Ruhe und Ottmung obliegt denn ohne beide kein Aufbau, darf erwartet werden, daß alles getan wird, um Ausschreitungen und Gewalt­taten zu verhindern, von welcher Seile fix auch kommen mögen.

Die Ausschreitungen in Darmftabt.

Darmstadt, 29. Sunt Der FtnanzauSlchiV her* Kammer beschäftigte sich gestern mit den Ausschreitun­gen. Die Abgeordneten Dingeldey und Oscum er­hoben die Fordcrnng nach nachdrücklicher Genugtuung. Der Ausschuß drückte fein tteffteS Bedauern Uber die Vorgänge aus und brachte den betroffenen Abgeord­neten seine Teilnahme zum Ausdruck.

Das Ministerium des Innern erläßt einen Ausruf an die Einwohnerschaft der Stadt Darmstadt, in dem cS zur Ruhe und Besonnenheit mahnt. Dte Strafver­folgung der Täter fei cingelettet

Heute Nacht wurden in dem Geschästshause deS so- zialdenwkratischen .Hessischen VolksfreundeS" zwei Fensterscheiben etngefchlagen. Die dort stationierten Schupoleute bemerkten später verdächtige Geräusche und stiegen über die Mauer des angrenzenden Bank- bauses Nauheim. Der Hausmeister der Bank, Kurz, Vielt sie für Einbrecher und hetzte den Hund auf sie. Die Schupoleute meldeten, daß Polizei da sei und forderten ihn wiederholt auf, den Hund zu­rückzurufen. Da dies nicht gefchah und der Hund auf den einen Beamten «indrang, schoß dtefer auf den Hund. Die Kugel streiste den Hund, prallte auf dem Pflaster ab und traf den Hausmeister so unglücklich, daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Prügelfzenen in der KSniaSberger Stadtverordneten­versammlung.

Königsberg, 29. Juni. In der Stadtverord­netenversammlung kam es zn stürmischen Tumult­szenen zwischen Mitgliedern der äußersten Linken und der deutschnationalen Fraktion. Von der linken Sette wurden zu Beginn der Sitzung Rufe tote: »Mörder- banbei-, .Mordgesindel!" gegen die Deutschnationalen gerichtet. Als ein deutschnattonaler Stadtverordneter einen solchen Zuruf mit dem Vortours der Feigheit gegen den radikalen Wortführer erwiderte, drangen zahlreiche sozialistische Stadtverordnete aus diesen Stadtverordneten einv wodurch sich Raufereien entspannen, die den Vorsteher zur Unterbrechnna der Sitz«»» zwangen. Der deutschnationale Abgeordnete der den Zuruf gemacht batte, verließ den Sitzungs­saal. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verlangten die Deutschnationalen, daß aus der Stadtverordnete der Linken, der dte beleidigenden Zurufe gegen rechts gerichtet hatte, den Saal verlasse. Als darauf nichts geschah, verließen sämtliche Deutschnationalen den Sitzungssaal. Die von den Demokraten beantragte Beileidskundgebung fr Ratbenau wurde einstimmig angenommen. Bei der Beratung deS Antrags der Linken über Beflaggung deS Magistratsgebäudes. so­wie Entfernung der Büsten des vormaligen Kaisers und Ludendorsfs ergab sich Beschlutzunfähigkelt.

Weitere Ausschreitungen.

Berlin, 29. Juni. In Minden und Obern- kirch kam es anläßlich von KunöoebuNgen für die Republik zu großen Ruhestörungen. In Minden drang ein großer Trupp von Demonstranten in Privat- bäuser, Gastwirtschaften, Banken und Läden ein und forderte unter Androhung von Gewalt die Ausliefernng sämtlicher Kaiferbikder und sckwarz-weiß-roten Fahnen. Die erbeuteten Fahnen und Bilder werden dann auf dem Marktplatz verbrannt.

Halle, 29. Juni. Eine Reihe von nationalen Verbänden hat an die preußische Staatsregwrung eine Erklärung gerichtet, in der es it. a. heißt: ,^Jrt den letzten Tagen sind in Hall« anständig gekleidete Bürger obne besonderen Grund überfallen. Leute, die das un- uoliiische Abzeichen des Stahlhelms, des Jinchgeuftchen Ordens und anderer Verbände »der auch nur das Band des Eisernen Kreuz?) trugen, blutig geschlagen worden. Rotten junger Leute durch zogen die Stadt, um Jagd zu machen auf Studenten und andere Mitbürger, von denen verschiedene niedergeknüppktt vom Platze getragen werden mußten, »bne daß ausreichender polizeilicher Schutz wirksam wurde. Selbst städtisch« Sickerheits- beamte wurden tätlich angegriffen. Solch« Zustände müssen die allgemeine Unsicherheit erhöhen. Sie be­deuten feine Gleichberechtig ^rg der Staatsbürger, son­dern di« Ansliefwmng des besonnenen Bürgertums an die Straße." Wie in derHaileschen Zeitg." be­richtet wird, wurde in einer geheimen Versammlung am 26. Juni, an der 70 bis 100 Kommunisten teil­nahmen, beschlossen, de» Hauptmann a D Werner vornStahlhelm" in Halle, sowie den Polizeimajor Gärtner von der Schutzpolizei in Hall« zu ermorden.

München,, 29. Juni. Wie bieMünchener Neuesten Nachrichten" mitteilen, ist kurz vor Redaktionsschluß bekannt geworden, daß in ber Nacht auf Donnerstag von kommunistischer Seite ein Anschlag aus das Blatt geplant war, ber mit der Sprengung des Tores am Färber-Graben eröffnet werde» sollte.

MMr ml MllltHet. H

Wie in einem Teil der gestrigen Auflage und. Durch Sonderblatt bereits mitgeteilt, ist in Frank­furt (Oder) einer der an der Ermordung Ra- thenaus Beteiligten, der 21 Jahre alte Ernst Wer­ner T e ch o w, der Führer des Kraftwagens, ver­haftet worden. Inzwischen sind noch wettere Ver­haftungen erfolgt:

Berlin, 29. Juni. (Amtlich.) Die der Teil« nähme an der Ermordung Skathenaus überführten Personen, die von der Abteilung In des Berliner Poliperpräsidiums ermittelt und feftgeuommen wurden, find:

der Kaufmann Richard Schütt in Berlin und der Kaufmann Franz D lest eil« Berlin, die Be­sitzer der Autogarage, in der der zur Mordtat, be­nutzte Kraftwagen untergebracht war,

der Eyrnnasiasi Gerd Tech»« in Berlin, der Student Willy Günther in Berlin, der Eymuafiap Heinz Stubeurauch in Berlin.

Gerd Techow ist der Bruder des ergriffene« Mittäters Ernst Werner Techo». Gerd Techow, Günther und 6tnf-*rtaa* waren Mitwisser bezw. Urheber des Mordpleues. Schütt und Diestel waren Mitwisser bezw. Begünstiger des Morde». Die Festnahme weiterer Teilnehmer an der Mordtat steht zu erwarte«.

Der amtliche 1 preußische Pressedienst meldet weiter:

Der Berliner Polizei verhaftete den Leutnant ber Reserve und Studenten der Rechte W. Gün­ther, dem nicht nur die Mitwisserschaft, sonvrrn auch die Beihilfe zum Mort« an Rathenau nachgewiesen wurde. Günther war sowohl bei den Vorbesprechungen, die stch um den Plan des Mordes drehten und di« in einem Berliner Vorort stati- fanden, anwesend, als auch den Tätern in jeder Weise behilflich. Er machte für den Mörder Techow bie Garage ausfindig, in der das von auswärts kommende Automobil, das bet der Mordtat benutzt werden sollte, untergebracht werden konnte. Wie bet amtliche preußische Pressedienst weiter meldet, soll Günther Mitgli^ verschiedener rechtsstehender Organisationen sein. In seinem Besitz seien Briefe von Helfferich, Ludendorf, Jagow und Westarp ge­funden.

Nach demB. T." wurde in der Nacht zum Dienstag im Berliner Westen ein Helfer der Mör­der verhaftet. Er leugnete zunächst jede Mittäter­schaft ab, als man ihm dann plötzlich mehrere seiner vorher verhafteten Freunde gegenüberstellte, wobei er sich in schwere Widersprüche verwickelte, brach der Mann zusammen und gestand alles. Durch das Ge­ständnis wurden die Spuren der Mörder klar auf- gedeckt. Seine Aussagen führten bereits zur Wie- derverhaftung des Kapitänleutnants v. Killin- g e r in Preerow.

Wie dasselbe Blatt mitteilt, wurde KapitLn- leutnant Tillessenin das Polizeigefängnis ein. geliefert. Es sei ihm gelungen, sein Alibi für die Zeit des Mordes an Rathenau ziemlich einwandfrei nachzuweisen, er werde aber noch in Haft behalten, da angenommen werde, daß er den Anschlag auf Scheibemant entweder ausführte ober begünstigte.

Der Chef der politischen Polizei, Oberteg's- rungsrat Dr. Weih, teilte demB.T." mit, daß es einer von ihm nach Stettin entsandten Fahnbungs- kolonne gelungen sei, einen bet Mittäter an bem Ministermorb namens Werner Botz zu verhaften. Der Verhaftete ist ein früheres Mitglied der Ma­rine und wat der Polizei feit Dienstag als Mit­täter bekannt.

Den Blättern zufolge sprechen alle Anzeichen da­für, datz bie Fahndungsbeamten ben beiden ent­flohenen Mördern Vogel und Knauer dicht auf den Fersen find.

In den gestrigen Nachmittagsstunden erfolgten wieder zahlreiche Verhaftungen von Leuten, die die Morbpläne mit ausgearbeitet haben unb den Tä­tern bei ihrer Flucht irgendwie behilflich gewesen sind. Die Pläne sollen, wie dasB. T." mitteilt, schon zu einer Zeit beraten worden sein, als sich Tr. Rathenau zur Genueser Konferenz begeben hatte.

Der in Berlin verhaftete Student Willi Gün­ther soll Privatsekretär Lubendorffs unb Mit­arbeiter bet Deutschen Tageszeitung" gewesen fei». Günther steht ebenfalls tm Verdacht, seine Hand

bei der ErmoÄrung Erzberges im Spiel gehabt haben. '

Die Blätter melden weiter, daß nach einer Mel düng derDüsseldorfer Nachrichten" gestern der be den Böhmischen Werken in Düsieldorf-Oberkaff« angestellte Ingenieur Kamertz unter dem Verdoc'. der Mittäterschaft an der Ermordung Rathenau verhaftet worben sein soll. Auch in Hirschberg if ein Jngenieuteleve unter bem btingenben Verbuch ber Mittäterschaft an ber Ermotbung Rathenau, verhaftet worden.

Geständnis Techows. " '

Der als Mittäter bei der Ermordung Rathenau, in Frage kommende Ernst Werner Techow ist be der Abteilung k«. des Berliner Polizeipräsidium! am Mittwoch unb Donnerstag einem eingehende. Verhör unterzogen worden. Im wesentlichen 's er g e st a n d i g. Er gibt zu, von dem Morbpla, gewutzt unb bei der Mordtat den Kraftwagen ge« lenkt zu haben.

Wie die Blätter über die Vernehmung des Stu^ deuten Techow, der das Auto der Mörder Ra^ thenaus steuerte, mitteilen, leugnete der Verhaftet» anfangs jede Beteiligung an der Fahrt. Erst al« seine in Schutzhaft befindliche Mutter ihm gegen^ übergestellt wurde, gelang es ihren Ermahnungen und Tränen, aus be^ ein Eestänbnis herauf zubringen. Irgend, Angaben über bie beiden' anderen Täter zu machen, weigerte sich Techow.

Hebet die Perönlichkeit des verhafteten Techout erfährt dieB. Z.", daß er der zweite Sohn verstorbenen Berliner Magistratrates Techow istH lieber die Irrfahrten Techows erfährt dieB. Z", datz er am Sonntag Abend mit dem Zug nach Hall« gefahren ist und dort bei Freunden Unterkunst fand. Am Montag Abend fuhr er von Halle nach Frankfurt a. b. Oder, wo et von Polizeibeamte» aufgespürt wurde, die erfahren hatten, datz er sich bei seinem Onkel auf einem Rittergut in der NahL der Stadt aufhielt. Das Ent wurde umstellt^ Techow verfuchte bei der Verhaftung Gegenwehr zu leisten, ergab stch aber bald der Uebrrmacht.

Die BmesMie 6er ürmitllini berietet.

Hamburg, 29. Juni. Die staatliche Pressestelle teilt zur Boöqefchichte bet Ermittelung der Mörder RalbenanS mit:

ES ergab sich bei der Untersuchung in ber Ange- legenheit der Hambierqer Sprengflosßrtteittate der be­gründete Verdacht, daß die Täter einer politische» Gekeimt Organisation angebörten. bie sich über baS ganze Reich erstreckte. Die weiteren Nachforschungen verbreitete» auch Licht über bi« Vorbereitungen zur Ausführung der Er- mvrduug Rathenau-. Die in der Angelegenheit der Hamburger Sprengstoffattentate Festgenommenen gehör­ten einer in Gruppen gefieberten Nbi-ilung an. die unter Führunng be» verhafteten Friedrich Warnecke, «ne- früheren Offiziers, standen. Unter den beschlag«! ttahntten Pavieven befand sich ein Brief Warnecke», an ben Kavitänleutnant v. Killinger Die Boch«^ staben 2 MA. SStignbe®., die auf einem beschlagnahmte» Fahnenwimpel standen, deuteten auf öw Brigade Ehr­hardt bin und verstärkten die Annahme, daß e» sich' um Angehörige bet Organisation E handelte. Tat­sächlich war. toi« ermittelt toutbe, die Abteilung Warnecke in die Organisation E. di« sich in Provinzial« und Lande-e verbänbe ordnete, «ingegliedrrt. Die Organisation hatte ein Spreng- und Mordkommando, da» die Beseitigung politischer Persönlichkeiten auszusühren hatte. Diesem Kommando gehörten n.a. auch die vom Berliner Polizei Präsidium jetzt genannten Mörder Rathenaus an. ES war beabsichtigt, etwa zwölf führend« jüdische Persön­lichkeiten zu beseitigen, darunter Theodor Wolff vom, Berliner Tageblatt" und der Hamburger Bankier Max, Warburg. Die Untersuchung ergab, daß für Diens­tag Abend ei» Anschlag auf Warburg, der bei der Gründung des Urbierseeklubs sprechen sollte, geplant Ittrr. Di« Mitglieder der Organisation verkehrten nie» mnls schriftlich miteinander. Di« Ankündigung der Kurier« erfolgte durch kurze Telegramme. Solch« toutöen bei Warnecke beschlagnahmt. MS Absender eines dieser Telegramme wurde «in Mitglieo der Hamburger Orga­nisation. das bei der Absendung des Telegramms sich in Berlin befand, ermittelt. Ferner wurde festgestellt, daß der in der Homburger Svrengstoffang:leaeuhnt fest- genvmmene Privatdetektiv Niedrig ben Auftrag er­hielt, das Automobil »n führen, das die Mörder Rath«» tktu5 benutzten. Niedrig war zur Besprechung ber Einzel­heiten der Tat nach Berlin geholt worden. Die Ham­burger Polizei konnte die Pension ermitteln, in der seine Unterredung .mit den Tätern stattgefunden hat. Auch konnte sie fcststellen. daß bas Auto von auswätt» geholt werden sollte, und daß als Bewaffnung der Mörder Pistolen und zwei Maschinenpistolen voroesehen^ waren. Die Verhandlung der Täter mit Niedrig zerschlugen Gd), weil er keinen Führerschein öe^. Es wurde ferner ermittelt, daß «uch das Attentat aus Scheide­mann von den gleichen Kreisen ausgeführt war. Der Hamburger Polizeipräsident schickte am Dienstag emeG