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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurheffifchej Oberhessen
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TU »Obertzessijlhe 3eUtte-r erscheint sechsmal wöchentlich. — Lezngsvrris monatlich 22 Mk. Für auefalltnbe Stimmern tifolg« Streiks ooet elementarer Ereignisse fflv ISA kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Kttzeroti». — Drnckderllniv^-ubdruckerei von
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Frantturt a. Main.
Mavb«rg
JöMrslas. den 28. M VenchneoeDch»
Der Lnretgenvrei, beträgt für di« S aelp. Zelle oder deren Kaum 1 Mk. für den Millimeter, amtliche und auswärtig« 1.80 Mk. Luder« Svaltenbreiten «ach entsorechender Berechwrng. Spitt etnlaurntDe oder Bei Lau« über Seit« einnet>me*lx Ln- »ig«n sind wir berechtigt, «ach der Textivalteavrelte itt setzen «nd z« berechn««. Sogen. Reklamen berechnen wir di« Tol.-Zeile mit MO Mk. Jeder Rabatt gilt al» Larrabatt. Lei Auskunft durch die Delchäftsktell« und Vermittlung der Angebote 1 Ak. Sonvergedüdr.
57. z-lirh 1922
Die Täter» sind festgestellt.
SeMer ReWaz.
139. Sitzung vom 26. Sinti, 1 Uhr.
Präsident Lvbe geben« zunächst des furchtbaren Ltfenbahnnnglücks auf dem Nordring und spricht den. Berwundeien und Hinterbliebenen der Getöteten das »etictd deS Reichstage? aus. Die Abgeordneten hatten sich «Hoben.
Der Nachtragse!at für 1922 wird in alle» »ret Lesungen angenommen mit einer Entschlie- tzuug die sozialen Beaimenzulogen der Geldentlver- tung auzupassen. Ebenso wird endgültig angenommen der Gesetzentwurf über die Erhebung der ßlatisttschen Gebühren für den Warenverkehr mit dem Auslände und eine Verlängerung deS S t setze» zur vorübergehenden Herabsetzung oder :«Kshebung von Zoll bis zum 30. 6. 1923. DaS Ge- fetz über Abstrctchungen vom Vicrsieuergesctz geht an den BolkSwirtschaftsausschutz. Ein Zusatzabkommen I» dem deutsch-polnischen Abkommen über Ob er sch le sie« wird endgültig angenommen, deS- gkcichm die Abkommen über Erleichterung deS Grenzverkehrs uiti> über berg- und hüttenfiSka- llschos Etgewtuiu. Es folgt die zweite Beratung deS Gesetzentwurfes über die Arbeitszeit im Berg- b«a uni« Lage. Der «nsschutz hat da» Gesetz auf alle Gruben ausgedehnt. Die allgemein durch Tarife festgesetzte Arbeitszeit soll bindend sein. Ueberstuudn können durch allgemein verbindliche Tarifverträge vereinbart tve^den.
Abg. Stöcker (»3 beantragt, das Gesetz auch aus die Salinen auszudehnen und die Schichtzett aus längstens 7 Stunden festzusetzen.
Retch»«beilsminister Braun erklärt sich mit den «usschutzbeschtüssen einverstanden, bekämpft aber di« kommunistischen Anträge, die zu einer Produktions- Hinderung führten mid die Turchsssbrung des Gesetzes verzögerte«.
Abg. Piper (11.) und Abg. Jauschek (S.) Mmmten den Ansschutzbeschlüssen zu. Die Vorlage Wird tu der Ausschufzfassung in zweite» und dritter Beratung angenommen, dazu eine AusschufumisStte- Wng, die eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit auch für die Angestellten verlangt. ES folgt die zweit« Beratung des Arb ei t sn a ch wris gesetzes. Die Regierung will die gewcrbSmüstige Stellenvermittlung tem 1. 1. 1931 verbieten. Der Ausschuss will keine gelverbSutäkige Stellenbermittler neu konzesstontereu und die vorhandenen der Aufsicht der Arbcttsnach- wcisämter unterstellen. Weiter bringt die- Vorlage den Zwang zur Errichtung öffentlicher Arbeitsnachweise und für die Arbeltgeber den Zwang zur An- Meldung offener Stellen. Als Arbeitsnachiveise werde« eingesetzt die öffentlichen Arbeitsnachweise der LandeSümter für Arbeitsvermittlung und alS Spitze da- RetchSamt für Arbeitsvermittlung.
RelchSardettsmtnister Braun: Die Vorlage Masst keinen neuen großen Kamps mit einem neuen Manttenbeer. Die Zahl der Arbeitsnachiveise wird e8er vermindert. Massgebend sei der Grundsatz voller Parität »wischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ; n«d den Schutz der Atinderbetten: Die Vorlage be dmwe- rtnet wesentlichen Fortschritt. Die Arbettsver- miMtlng werde unentgcktltch. Wegen der. Im Herbst M befürchchachen «rbeiMwstgkett sei das Gesetz «nent- dehrllch.
Abg. Kaiser (Soz.): Wir freigewertschaftlich or- ganisterten Arbeit« glauben, daß eS nach den vielen Vorarbeiten möglich sein müsse, daS Gesetz rasch zu erledigen. Nicht verständlich ist eS, das! die Htrsch- Dnnckerschen und die chrtstltchen Gewerkschaften ihren etgrnen Minister im Stiche gelosten habm. Redner vmtzsieblt Abänderung der Anträge, dle ein Verbot d« gewerbsmäßigen Stellenvermittlung schon vom L 1. 1925 ab verlangen. Der Landwirtschaftliche Betrieb dürfe nicht, wie der Ausschuß wolle. von b« Meldefrist ausgenommen werden.
Abg. Esser (&): DaS Gesetz sei ein geeigneter unterbau für die kommende ArbeitSlosenverflchening. Sin Monopol der öffentlichen Arbeitsnachweise Würde einen gesunden Wettbewerb verhindern, der nur nützlich wirken könnte. Von den Ausfchntzbeschlüsten könne das Zentrum nicht abgehen. Die Einhettiichkeit in ter Arbeitsvermittlung werde durch die Landesämter gewährleistet. DaS Gesetz sei ein Instrument zur Herstellung deS Wirtschaftslebens.
Abg. «ufdäuser (U.): Im AuSschutz habe eine Stimmenmehrheit gegen die Stimmen der arbeitet» Parteien eine Vorlage zustande gebracht, die durchaus atcht vereinbar sei mit dem neuen Kurs der Tamm- tmtfl der Republikanischen Arbeiterschaft gegen de« Kind, der rechts steht.
Reichsarbeitsmtnister Braun: In den Parteien, die die AuSschutzveschlüste gefaßt habe«, sttzen auch re- pulNikanische gesinnte Arbeit«.
Abg. Rtetzberg (Dntl.): Ein Monopol für öffentliche Arbeitsnachweise würde unerträglich sein. Dem Handwerksmeister muß die Möglichkeit gegeben sein, sich die geeigneten Kräfte hrecmzuziehe«. Die Svbrstec^nvermitilung und die Berufsb«atung müssen VA den Innungen und den Handwerkskamm«« bltiben.
Abg. Dr. Most (D. Vp.): Die künstliche Schaffung eides Monopols der öftentllchen Arbeitsnachweise würde einer einheitlichen Regelung d« Sache schaden. Rddner stimmt den Ausschutzbeschlüsse« zu.
Abg. Dr. Fick (Dem.): Am beste« würde sich d« Apparat des Arbeltsnach, elsewesens völlig auf dem gfcben der Selbstverwaltung aufbauen. Wir möchten die aus den Organisationen d« Arbeitgeber und Ar- tettnehmer herausgewachsenen Arbeitsnachweise nicht beseitigen. Darum stimmen wir den Ausschutzbe- schlüssen zu. Die Häutung der vielen Instanzen sagt Mts nicht zu. Wir werden der Vereinfachung znstim- men. Den Meidszwana lebnen wir ab.
Abg. Schirmer (Bahr. Vp.): Das Gesetz darf nicht zu einer Schematisierung und Bürokrattsterung führen. Die Freiheit der Persönlichkeit mutz unange- ttplet bleiben. Wir müssen Verwahrung dagegen ein- fcgcn, daß sich die Vertret« der soztalisttschen Par-
Berlin, 29. Zu«'. (Smtii*.) Nachdem die Abteilung I a des Berliner Polizeipräsidiums bereit» am Dienstag den zur Ermordung des Ministers Aathenau benutzten Kraftwagen r fttelt und im Berliner Polizeiprästdium fichergestellt hatte, ist es ihr jetzt gelungen, die Mordtat in »ollem Umfange aufzutlärr« und die Täter festzuftellen. Die Tat« find:
1. Dechow, Ernst Werner, 21 Jahre alt, in Berlin geboren und zuletzt in Berlin wohnhaft, 1,78 Meter groß, dunkelblond, gescheiteltes Haar, voller Mund, bartlos, runde, Kinn, gesunde, frische, gebräunte Gesichtsfarbe, schlanke Gestalt. Meldung: grauer ZaSettanzng, lange Beinkleider, weifte« Filzhut.
L Fischer, auch Bogel genannt, Spitzname Pecheur, früherer Aufenthaltsort Flöha i. Sa., aus Chemaitz, nicht älter als 25 Jahre, 1,75—1,78 Mtr. groft, hellblond, hohe Stirn, braune Augen, Hakennase, spitzer Mund, bartlos, blasses, schmale», aber gesunde» Cestcht, schlanke Gestalt, sächsische Mundart. Kleidung: blau«, zweireihiger Saecoanzug, gelbe Halbschuhe, gelber Led«mantel, weiftet Hals- kragen. lange Krawatte.
8. Knauer, auch Körner «nd Kern genannt, gleichfalls nicht älter al» 25 Jahre, 1,73—1,75 Mtr. groß, hellblond, hohe Stirn, blaue Augen, Sattelnase, bartlos,- spitzes Kinn, breites Gesicht, gebräunte gesunde Gesichtsfarbe, kräftige, breit
teten als sie alleinigen Arvettervertret« mtS fiebert. Wir stimmen dem Gesetz im Ganzen zu.
Abg. Malhahn (Komm.): Wir Arbeit« werden die arbeiierfelndliche Tendenz des Gesetze- bald durchschauen.
Die Wcltcrberatung wird auf Freitag 1 Uhr vertagt. Außerdem: Getreideumlage «nd kleine Vorlagen.
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‘ 15 4. Sitzung vom 28. Juni
vormitftgs 11 Uhr. f Der Gesetzentwurf übet eine Erhöhung ber Beamtenbezüge wird in «fier und zweiter Lesung erledigt. D« Gesetzentwurf Sb« die Errichtung eines Prvsinzial-Synodal-Berbandes Posen-Westpreußen gebt an den Hauptausschuß. Es folgt die erste Lesung des vom Staatsrat totgefegten Gesetze- zur Anßerkrafb- srtzung der Altersgrenze.
Abg. Ne «man »-Magdeburg (Soz.) will die Mtersgrenze bestehen lassen.
Aba. Oelze (D-natt.) erkennt die Berechtigung deS Swatsrats zur Vorlage von Gesetzentwürfen an. Besondere Gefahr bestehe für die Berlin« Universität, da auswärtige Gelehrte einen Ruf nach Berlin wegen des Altersgrenzengesetzcz nicht mehr annähmen.
Abg. Lichtenstein (U.) meint, gerade die Ereignisse der letzten Tage hätten die Notwendigkeit des Ueberalterungsgesetzes gezeigt.
Abg. Metz e r - Erfurt (D. Bpt.): Noch rüstige Beamte zur Untätigkeit zu verurteilen, bedeute eine ungeheure Härte.
Abg. Barteld--Hanuover (Dem.): Das Gesetz dürfe nicht aufgehoben werden, denn eS fich«e den, Beomtenanwärt«» die Unterbringung.
Finanzminister Dr. ».Richter: Die Alfersgrenze habe mit der Politik nichts zu tun.
Die Ausspvache üb« den Finauzetat wird fortgesetzt.
Abg. Berndt-Stettin (Dem.): Jetzt heißt er Republik od« Chaos! Rücksichtsloses Durchgreifen ist unbedingte Pflicht d« Regierung. Ein Disziplinar- recht muß geschaffen werden, durch das die reaktionäre Beamtenschaft rücksichtslos beseitigt wird.
Finanzminister Dr. v. Richter: Bei d« Berg- und Hüttenverwaltung sind wir auf dem Wege, diesen Zweig aon rein kaufmännischen Gesichtspunkten ans zu leiten. In d« Angelegenheit der Möbelverkäufe in der München« Gesandtschaft hat He« v. Schellen das Disziplinav- versahren gegen sich beantragt. Die Auseinandersetzung mit dem Hause Hohenzollern wird durch eine Borlage geregelt werden, die dem Landtag zugeht. Ei« Eut- oignung kann der Landtag nicht einseitig aussprechen; deshalb hofft ich »och imm« enf einen Vergleich. Die Auseinandersetzung mit dem Hause Hohenzollern wird in objektiv« Weise vorgenommen. Der Rücktritt Bachems bedeutet feinen System wechsel. Durch einen Prozeß wArde auch das Ansehen der Staates leiben. Der Nachwuchs an Verwaltungsbeamten läßt übrigens zu wünschen übrig. Ein parlamentarisches System können wir in ber Verwaltung nicht eiuführen. (Wachscrwe Unruhe links). Das parlamentarische Regime belastet die Ncgierungsform, wenn fie nicht getragen ist mm einem Staate sachverständiger Beamtet. (Beifall 6c der Deutschen Vvlkspartei, Zwischenrufe Luks).
Abg. König: Man sollte eine solche Siebe tos einem republikanischen Minister nicht für möglich halten. Noch sind 7b bis 80 Prozent ber Beamte» Reaktionäre,
schultrige Gestalt, mecklenburgisch« Dialekt. Kleidung: blauer zweireihiger Saccoanzug, schwarze Stiefel, weiftet Stehkragen, kleine schwarze Krawatte, Filzhut.
Die drei Genannten gehören der Organiation C an und waren früher Angehörige der Brigade Ehrhardt. Der unter 3 genannte Knauer (Körner, Kern) war während des Kapp-Putsches bei der sog. Stabswache der damaligen Kappschen Reichskanzlei tätig. Festgenommen sind die drei Täter bisher noch nicht. Eie haben sich aus Berlin entfernt. Da Re nach den polizeilichen Feststellungen zur Zeit der Tat nicht Uber große Geldmittel verfügten und auch keine Pässe besaßen, ist damit zu rechnen, daß die Täter sich im Inlands aufhalten. Fischer ist am Sonntag abend mit dem V-Zirg 8.35 Uhr nach Halle abgefahren. Die beiden »«deren habe» vermutlich am Dienstag Berlin verlassen und sich nach Norden begeben. Eine Anzahl weiterer Personen, die btt Mittäterschaft überführt sind, sind von der Berliner politischen Polizei bereits verhaftet worden.
Berlin, 28. Juni. Zm Interesse der Förderung der polizeilichen Ermtttlungen zur Auf- kliirung des Mordes an Rathenau ist es stnichens- roert, sämtliche Eingaben, die sich auf die Angelegenheit beziehen, unmittelbar an Ober- regierungsrat Weiß im Berliner Polizeipräsidium zu richten, der vom Oberreichsanwalt mit der Führung der polizeilichen Ermittelungen beauftragt wurde. < *
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Notwendig ist eine firundliche Reform der Bsamlen- beftldnng. Die Staatsnotwendigkeit liegt vor, zur Ent- eifinung der Museen und Schlösser zu schreiten.
Abg. Ebersbach (D-natl.): Bezüglich bet Hohen- solfetn warten wir die Borlage ab. Das Beamten- shstem ist ber Reform bedürftig. Die Rechtsstellung ber Beamten ist durch die Zwangspensionierungen usw. so unsicher geworden, daß sie sich in bet Republik verraten «nd verdmft fühlen. Die Rechte der Beamte« müssen unter alle« Umständen gewahrt werden.
Abg. Dr. Kelle (D.Bpt.): Wir bedauern de« Zusammenstoß der Linken mit dem Finanzminist«. Man muß sich bemühen, auch andere zu verstehen. Das Mißtrauen muß aufhören. Einen Grund der Erregung Boten die Ausführungen deS Ministers nicht.
Abg. Ulmer (ll.): Mr haben heute daS schöne Äed vvm Finanzminister gehört, der sich als Reaktionär schlemmst« Art gezeigt hat. Die Auseinanderfttzung mir den Hohenzollern ist durch die Borgänge der fetzten Tage in ein neues Stadium getreten. Dem Königs Hause keinen Pfennig! (Zischen rechts).
Abg. Predt (Wirtschaftspartei): D« Finanzmimst« hat durchaus sachlich gesprochen. Die Auseinandersetzung mit den Hohenzollern hat mft RatheuauS Ermordung wirllich nichts zu tun.
Abg. Lüdemann (Soz.): Mr müssen zur praktischen Arbeit zurückkehten, aber auch alles vermeiden, was als Schwäche der Republik ausnelegt werden könnte.
Finanzminister Dr. v. Richter: Alle müssen zusammenstehen zum Schutze der Zustände, die wir uns in der Verfassung gegeben haben. Es gilt jetzt, die Interessen dies« Republik zu schützen, gleichgültig, wie der Einzelne zu ihr stehen mag. Leute, die ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben, «hne polittsch hervorgetreten zu fein, kann man nicht deshalb auf dft Straße setzen, damit fie einem Demokraten Platz machen.
Abg. Ulmer (U.): D« Finanzminister hat mit keinem Wort gesagt, daß « auf dem Beben der Verfasinug steht. Er bat sich als unfähiger Beamt« erwiesen. — D« <8kcft wird bewilligt, ebenso ber Etat des Landtages nach der Ausschußfassrmg. ES folgt die dritte Beratung deS GefetzeniwurftS bettesiend Aufwandsentschädigung für die Mitglied« des StaatsrateS. Nach kurzer Debatte wird die Abstimmung üb« mehrere hrerzu vorliegende Anttäge bis Dienstag auSgesetzi.
Um k'/i Uhr vertagt sich das Haus. R ächste Sitzur^ Montag mittag 1 Uhr: Etat der allgemeinen Finanz- 'Verwaltung, Aufbesserung des Diensteinkommens der Geistlichen fceiber Konfessionen und anderes.
Aus den Ausschüssen.
Berlin, 28. Juni. Der BcrfassungSausschuh des preußischen Landtages trat heute in die Beratung der dem Ausschuß überwiesene« Anträge über den Schutz der Republik ein. Man beschloß, am kommende« Samstag in die materielle Sitzung einzutreten. Voraussichtlich wird auch am Sonntag eine Ausschnß- sitzuug statt finde«.
Berlin, 28. Imst. Im Hans halt saus schuß des ReichAageS starck heute bte Regierungsvorlage üb« die nut den Gewerkschaften vereinbarte« Teuerungszulagen zur Beratung. Angenommen wurde Para- grayh 1. wonach «6 L 6. zum Grundgehalt die Diäten und der OrtSzuschlag, smoeit diese Bezüge ben Betrog von insgesamt 10 000 LTark nicht übersteige«, ICO Prozent und im übrigen 105 Prozent als Teserungs- zuschlag dezahü werden. L» kn Linberzuschläg« wird
eine Teuerungszulage von 10<y» gewährt. Paragraph t, der die Erhöhung der DienswuswandSgeld« regelt, wurdet ebenfalls angenommen. Durch 8 3 soll der RcichSmimster der Finanzen in die Lage verfttzt werden, in ganz be- sonderS begründeten Fällen beim Versage« anderer Mittel) zur Lindnung d« Not d« Beamten und der Soldaten der Wehrmacht helserck eingreisen zu können. § 3, ben für den Zweck ber eben bezeichneten Vorschußleistung dem ReichSfinanzminister bis zu 100 Millionen Mark! zur B«fügung stellt, wurde vom Ausschuß angenommen,^ ebenso § 4, der erklärt, daß daS Gesetz mit bem auf seine Sterkünbigung folgenden Tage tu Kraft tritt Damtt soll die ReichSregierung in die Lage versetzt werden, die Auszahlung b« Mehrbeträge mit größter Beschleunigung vornehmen zu fihtnen. D« Haushaltsaus- schuß bewilligte bann bie von der Reichsregierung aus- -lesteklten Richtlinien betreffend die Gewährung einer« jederzeit wid«ruflichen Ministerialzulage an sämtliche- planmäßig Angestellten, sowie die vorüb«gehend be-. "chäftigten planmäßigen und außerplanmäßigen Beamten' d« Reichsministerien, d« Büros des ReichsprS^benten, des Reichstages, der Reichskanzlei, bes Rechnungshofes des Deutschen Reiches, des Reichssinomzhofes, des PeichSr gerichtS und deS Reichslvmmissariaks für die besetzte«, rheinischen GebieL. Angenommen Wurde schließlich eine" Entschließung des Abg. Stückten (Soz.), gemäß bet vom Ausschuß festgestellt wird, biß aus ber Annahme •ber Ministerialzulagen Konsequenzen für aitbere Behörden sich nicht «geben. Zum Schluß wurden die Richtlinien über dft Eftwährung der Kinderbeihilfen in den gesetzlich nicht geregelten Fällen gemäß ben Vorschlägen ber Reichsregierung bewilligt. Hiernach kann- im Falle des Bedürfniss«; auf Antrag allen Reichs-! beamten und Soldaten eine widerrufliche Beihilfe Kind« vom vollendeten 21. bis 24. Lebensjahre bewilligt werden, tvenn sie. sich noch in d« Ausbildung für einen Lebensberus befinden und wenn sie nicht eilt eigenes Einkommen von mehr als 4000 Mark jährlich haben.
Berkin, 28. Juni. In b« letzten Sitzung d«K 9lußenhandelsausschusseS und b« Außeu- handelsstelle. für Exporthandel wurden Kommissionen gebikdet, welche dft Herabsetzung des Devifen- ablleferungssolls ber Firmen des Exporthandels, dft Bereinheftlichung der Vorschriften über bie Valuta- fakturftrung, die Stellung der Einkausskommissare unter dem Shstem der Ausfuhrkontrolte, die Behandlung d« Firmen mit eigenen Niederlassungen im Ausland sowie die Frage, ber Verlängerung einmal erteilter Au»k«hr- bewilligungen unter dem Gesichtspunkte der Wahrung der Vertraustreue prüfen sollen. Der Mangel an Einheitlichkeit in ben Bestimmungen über dft Ausfuhr- kontrolte wurde lebhaft besprochen und beklagt. Anstelle des als Reichsbevollmächtigter auS der Außenhandelsstelle auSscheibenben Reichstagsabgeoidneten Brüninghaus wurde Rechtsanwalt Dr. b'Oleire (Berlin), Reichsbevollmächtigter der Außenhandelsstelfe für Exporthandel, gewählt mck inzwischen vom Reichs- komnkissar für bie Aus- nutz Wnsichrbewillignug in seinem Amt bestätigt.^---- --
Zum Mord.
Die Ansschreitungen.
Darmstadt, 28. Juni. Der bei den tzestrigett Ausschreitungen schwer verlchte Abgeordnete Dr. Dingeldey befindet sich auf dem Wege der Besserung' Dr. Osann konnte sich retten. Die Woh- nungen der Abgeordneten wurden jedoch total demoliert und ausgeplündert. — Die Räume der »Hessischen Landeszeitung" und des „Täglichen Anzeigers" biete« ein Bild außerordentlicher Verwüstung. Beim „Täuschen Anzeiger'" sind auch bie Maschinen stark beschädigt worden. — Nach Mitteilung der Polizei- behördcu kam bei den gestrigen Unruhen nur eine Person ums Leben.
Löbau (Sachsen), 28. Juni. Bei den gestrigen Kundgebungen anläßlich der Ermordung Rathe- naus kam es hi« zu Ausschreitungen. Dft demonstrierende Menge drang in daS Grundstück deS „Sächsischen Postillon" ein und suchte ben Verleger und den v«antwortlicheu Schriftleiter Witte, den sie schlftßlich ausfindeg machte. Als Witte eine« Schreckschuß abg -.b, fiel die Menge üb« ihn her, wobei SBitte eine Kopfverletzung davontrug. Witte wurde dann auf einem Wagen durch dft Straßen gefahren, bis er im Amtsgericht Aufnahme fand.
Worms, 28. Juni. Gestern nachmittag setzte sich ttn Anschluß an eine Demonstration ein Zug nach 'ber „Wormser Zeitung" und nach d« Wohnung deS torantwortlichen Schrif«leit«s in Bewegung, um diesem die Mißbilligung zu dem iul Montag-Abendblatt «schieuenen Anlkel „Wer sind dft Mörders zum Ausdruck zu bringen. Unter Zurufen ein« tausendköpflgen Menschenmenge und untre bei Versicherung einer Abordnung daß dfts die einzige Möglichkeft sei, eine Beschädigung deS Betriebes zu vermeiden, wurde ber Schriftleittr.veranlaßt, eine Sfr Lärmig abzngeben, daß er ben Artikel zu rück nehme und widerrufe. Inzwischen waren eine Anzahl Demonstranten in dft „Wormser Zeitung" eingedrungen. be- schädigtendieMaschineu und warfen stehenden Satz durcheinander.
Berlin, 28. Juni. Nach ben Demonsrratroc.n im Lustgatten ist es an verschiedenen Stellen bcZ Stadt zu kleineren Ausschrritunaen gekommen.