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Amüiches VerLndigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (das früher kurhesstsche) OberHessen

5h. 148

TieOderheisijche Zeltun rrjchcim irSsmal wöchentlich. Sejuggpteie monatlich 22 Mk. Für auriallrnLe Stemmet« infolge Streik, euer elementarer Ereignisse kein Erietz. Verlag von Dc. L. Hitzerot». Druckder Unie.«eu*v-tMdetti tu I«l>. Ang. Koch, Markt 2143. Kernisrecher 5», Vosifchecklonto: fit. 5015 Amt Frankiurt a. Main.

Marbuvg Sieiistoo, den 27.3mi

Brachmonv.

BWBamMiugäagg»

Tei Snieiaenstei» oeträgt für die 9 gesp. Zeile oder deren Staunt 1 Mk. de» Milli­meter, amtliche und auswärtig« 1L0 Mk. Andere Spaltenbreite« nach entivrechendter Berechnuna. Spät einlaureaee oder de« Raum überJt Seite einnehmende An­zeige» itne wir berechtigt, nach »et leifipaltenbteite *u fegen «nd z« berechnen. Sogen. Reklame« betemnen wir die Lol.-Zeil« mit 8.00 Mk. Zeder Äaoatt gilt als Saiiabett Sei Answnft durch die Selchüftsftelle «nd Vermittlung der Ange- bete 1 Ml. Sonder,«büdr.

57. m 1922

JeMn Mfiss.

836. Slbutigtiom2 6. Sunt, mittags 12 Uhr.

Die Verlage, durch welche da- Wohuungs- mangelaesetz bis zum 31. Dezember nächsten Jahres verlängert wird, wird in allen drei Lesungen ange- nemnren, ebenso das Gesetz über Kündigungsbe­schränkung zugunsten Schwerkriegsbeschädigter und her Entwurf über die Erhöhung der Patent- amtlichen Gebühren.

Es felgt die »weite Beratung des Entwurfes zur Ber- käugerung der Pachtschntzvrdnung. Der Ans­chuß schlägt verschiedene Aeuderungen vsr. Der von der Regierungsvorlage für Grundstücke unter fünf Hektar vorgesehene Ausschluß der Pachtkündianu« wird vom Ausschuß auf Grundstücke bis zu zehn Hektar ausgtdehnt. In Zweifelsfälleu soll den Pachteinigunqsämtern die Entscheidung zustebeu.

Reichsarbeitsminister BraunS wendet sich gegen earifle AbäuderungSauträge, die von ver,chiedeuen Parteien eiugegangen find. Dem Grundgedank-n einer Verpächter- schuhe» stehe d« Regierung nicht ablehnend gegenüber; aber er fei mich schon in der Vorlage gegeben.

Abg. Dr. David (So$.) hofft, daß die tnt Aus­schuß beschlossene Ausdehnung des sozialen Pachtschutzes auf Wirtschaftsland bis zu sechs Hektar bestehen bleibe. Er beantrage eine Erweiterung de4 Pochtichnhes insoweit, daß das Deputat landwirtschaftlicher Arbeiter bis zum Ahlems de» Wirtschaftsjahres dem Deputanten zur vollen Nutzniesun« verbleibt

Abg. -agemaun (Z.) wSnicht einen größeren Spielraum für die Vertragsfrriheit, empfiehlt mehre« dahingehende Abänderuugsanträgr und fordert weiter eine Anpassung der Pachtverträge an die Geldentwertung noch vor Ablauf der Pachtverträge.

Abq. Horn (11.) unterstützt den sozialdemokratischen Antrag.

Abg. K» r e l l (Dem.) tritt für einen demokratischen Antrag ein, der den mittleren Bauern, die während bei Krieges ihre Wirtschaften verpachten mußten, die Mög­lichkeit gebe» will, ihre eigene Scholle wieder mit den in­zwischen erivachsenen Söhnen selbst zu bebauen. Wenn diese Möglichkeit geschaffen wird, könnten die Demokraten auch für die zehn Hektar Pachtsckatzgrenze stimmen. Sonst inüßten sie diese Grenze auf 711t Hektar htrabsetzen.

Wv Gildemeister (D.Vvt.) fordert streng p«ri- 'i Vfii» Anwendung der Pachtschutzordnung. Die Be- enteil seiner Partei gegen die 10 Hektargrenze seien noch nicht beseitigt. Deshalb werde sie für den demokratischen Antrag auf 71/* Hektar stimmen

Abg. Heidemann (Kom.): Der Laudwucher, der die H<niptsch«ld an den LebenSmittelpreilen trägt, wird durch die Borlage nicht beseitigt.

Unter Ablehnung aller Mänderungsanträge wird die Vorteere nach den Ausschustbefchlüsseu OUgenom- me N, el'-nla auch in dritter Lesung.

^Daraus wird um <*/i Uhr nachmittags die^Sitzung abgebrochen, weil die Aufibahrung Rathenaus im Sitzungs­saal e vorbereitet werden soll. Präsident 85be wird den Zeitpunkt der nächsten Sitzung bestimmen.

Nächste Sitzung, wahrscheinlich heute Abend 8 Uhr, deutsch polnisches Abkommen

2 c. 8 Sitzung vom 26. Juni 8 Uhr abends.

Die Sitzugn findet im große« Saale des Ober­geschosses statt wegen der im PlenarsitzungSsaal bereit» zur Tnruerfeier für Dc. Rathenau getrossenen Vor- ber« hingen.

Auf der Tagesordnung steht der Gejebentwurs detresfend Bereiubarnng der deutschen und pol­nischen Regierung mit der Interalliierten Kommission für Oberschlesien. Die Vor­lage enthält als wesentlichste Bestimmung, daß bie vom Oppelner Sondergericht wegen Vergehesn gegen die alliier­ten Mächte Verurteilten den Rest ihrer Strafen in Ge- sängnissen des besetzten rheinischen Gebietes abbüßen dürfen.

Die erste Lesung begründet Gesandter von E ck a r d t, welcher auSführt: Die Vorlage ist deswegen so eilig, weil es sich um einen Teil deS mit der interalliierten Kommission abgeschlossenen Uebetgabeabkommens handelt. Die interalliierte Kommission habe nur unter der Voraus­setzung zugestimmt, daß die Ratifikation ko schnell als möglich erfolgt und auch gedroht, daß daS Los der Ge sangenen sonst eine ungünstige Wendung nehmen würde. Wir handeln also aus einer Zwangslage heraus. Die jetzige Lösung ist nicht befriedigend, aber immerhin besser, als das, womit man uns drohte. Damit schließt die erste Beratung.

D'i Vorlage wird auch in zweiter und dritter Beratung And in der Gesamtabstimmuug ohne Erörterung ein­stimmig angenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Kleine Vorlagen, Nachtragsetat über Gehaltserböhung der Beamten, Ge tzreideumloge, Arbeitsnachweisgesetz.

Präsident Löbe teilte mit, daß nach einem Beschluß deS NettestenausschusseS am Freiiag und Samstag Voll­sitzungen stattfinden würden, daß aber die ganze nächste Woche sitzungsfrei bleiben werde, >veil sonst die Zwangs- «nleihe, die Novelle zum Einkommensteuergesetz und zum Gchschaftssteuergesetz. sowie daS Gesetz zum Schutze der Republik und das Amncstiegesetz nicht erledigt werden ßönnten. Endgültige Beschlüfte würde der Aeltestenrnt «rst am Freitag fassen.

t Schluß gegen 9 Uhr.

Milfttt Lmdlsg.

153. Sitzung vom 26. Juni, 11 Uhr vormittags.

Btzeprästdent Dr. Porsch teilte kurz nach 11% Uhr dem Haufe mit, daß die Eröffnung noch nicht er­folgen könne. Um l43 Uhr werde der Minister des Innern eine Regierungserklärung zur Verordnung des ReichSprästdenten abgeben. Darauf werde eine Pause von einer Stunde eintreten, während der die Fraktionen Stellung zur RegierungSeMärung nehmen können.

IM. Sitzung vom 26. Sunt, 414 Uhr nochm.

Auf der Tagesordnung steht die Enigegennnahme einer Regierungserklärung in Bervindung mit mehreren Anträgen, die stch mit der Reichswehr und der Schutzpolizei befassen, sowie mit der Auf­lösung der monarchistischen Organisa­tionen.

Ministerprästdent Braun gibt der Entrüstung Ausdruck Über die feige Mordtat, der einer der besten zum Opfer gefallen ist. Der Schlag treffe mit gleicher Wucht die Länder, namentlich Preußen, die auf Ge­deih und Verderb mit dem Reiche verbunden seien. Kaum ein Mann habe sich so hingebend in den Dienst des Vaterlandes gestellt wie dieser Mann. Gerade seine Fähigkeit, ruhig leben zu verstehen, sei es zu verdanken, daß der Hatz zurücktrat, und datz wir auf dem Wege waren, den Versailler FriedenSvertrag ab- geändert zu erhalten. Dieser Fall zeige besonders, tvohtn wir gekommen seien. Könnte eS so weiter gehenk Bisher habe es gerade Deutschland ausgezeich­net, datz der politische Meuchelmord nicht zur politi­schen Waffe wurde. Ten rechtsstehenden Kreisen sei dies Vorbehalten geblieben. Sicher gehörten die Mord- buben einer weitverzweigten Organisation an. Mit­schuldig seien dietenigen, die ihre reichen Mittel dazu aufwenden. Somit müsse der Kampf denen gelten, die diese Atmosphäre erst schaffen. Ich rufe alle, die ein Serz haben für unser armes Vaterland, auf, die Regierung in diesem Kampfe zu unterstützen. Wir müssen zn Mitteln greifen, die wir lieber verntieden wissen möchte, und er lasse keinen Zweifel, auch den auSführenden Organen gegenüber, datz sich diese Maß­nahmen lediglich gegen die rechtsstehenden Gruppen richten, die den Meuchelmord bgünstigen. Der Mini­sterpräsident schließt mit dem Rufe: .Kamps gegen alle Feinde der Republik."

Minister des Innern S e v e r i n g: Dieser Mord bedroht unser WirffcbastSleden wie der Kappuisch. Roch schweben in Berlin die Verliandlnngen der Berg­arbeiter. Eine Hoffnung hinsichtlich deS Ueber- schichten abkommens habe ich seit dem Morde an Rathenau nicht mehr. Wir bedürfen aber die­ses Ueverschichtenabkommens, wenn wir das Revara- ffoilSabkommen halten und du Hausbrand sicherstellen wollen. Dazu kommt eine neue Gefahr. Versprengte Selbfffchutzkolonnen haben die Ruhe und Ordnung in Schlesien derart untergraben, datz Vertreter der So­zialdemokratischen Partei beim StaatSminifierinm und beim RelchskaLinett vorstellig geworben sind, um den Ausnahmezustand für Oberschlesien zu verlangen. Die AnsfübrttngSbesttmmungeu sind beute früh an die Oberpräsidenten weitero-geben wor­den. Die Provinzialbehörden können nicht im Zwei­set fein, datz diese Maßnahmen nur gegen rechtsradikale Stellen anzuweuden sind. Verboten werden alle Regimentsfeiern nnd die für den 28. pfuni geplanten FriedenSverirags- kundgebttnoen. Die Verordnung wird nicht auf dem Papier sieben bleiben. Ich spreche nicht vom Kampfe gegen die Rechtsparteien, sondern vom Kamps« gegen jeden Verbrecher, der sich mit parteipolttlfcher Etikette schmückt. Der Minister schließt, auf Zwischenrufe der Kommunisten antwortend: 'Sie haben kein Recht, un­seren Uten Willen anzuzweifeln. ES gibt Dinge, über die man nicht redet, sondern die mau ausführt. Die Republik ist in ihrem Bestände gesichert, wenn wir zusammensteben. (Beifall.)

Abg. Hetlmann (Soz.): Die Mordtat war ein Ausfluß der Judenhetze. Geist und Geld der Mord­buben stammt aus den rechtsstehenden Kreisen. Nun wird ein neueS Gericht für die bisher vollkommen versagenden prentzischen Gerichte geschaffen. Das ist angesichts der Uebergrifse gegen foztakdemokratische Versammlungen die höchste Zeit. Die Zustände in der Reichswehr ersüllen uns mit ernsterer Sorge als den ReiSswehrminister. Die schwarz-weitz-rote Reich swebrfahne mutz im Jntereste der Reichswehr selber beseitigt werden. In unse­rem Jnstizmintsterium herrscht noch der alte bürokra- f»d>e Geist der Kaiserzeit. Wir brauchen ein neues DiSziplinarrecht zur Befetttgung unzuver­lässiger Beamten. Die Amnestie mutz bald mtsgefübrt und landesgesetzlich erweitert werden. Sie darf aber nicht gemeinen Verbrechern wie Hölz zu­gute kommen. Wir müssen die Mordatmospbäre überk winden und unS i.mt Schutze dr Republik zusammen- scharen. Auf zur Talk

Aba. Winkle«- (deurschuatl.), unterbrochen von fortwährenden Zwischenrufen, Verivnnfchungen und Beschimpfftngetr der Kommunisten, führt au#: Wir haben noch vor wenigen Tagen bewiesen, daß wir eine gemeinsame Front deS ganzen Volkes herbeifüh­ren wollten. Wir stimmen mit dem MinisterprSsiden- teit Sherein ht der Verurteilung der Verwilderung der poltiffchen Sitten. Die Ermordung dieses Man­nes trifft unfer Vaterland schwer. Sie beraubt es ntdyt nur eine# in diesem Augenblick besonder# wert­vollen Ministers, sie ist geeignet, die schwersten Er­schütterungen Derhonuntten. (Erneuter Lärm, an? dem die Wsrte .Zuhälter" und .Hettchler" bervor- klinaen. Sie kommunistischen Abg. Meier. Katz und Reimtann erhalten Ordnungsrufe.) Wir werden die Regienmg in allem Notwendigen unterMtzen. Der Ministerpräsident hat sestgestellt, datz er sich nicht ge­gen eine politffche Parte wende, sondern gegen die Mörder. Die Verordnung aber richte sich nur gegen bie Rechte. Dabei weiß niemand, ob die Täter-nicht

etwa Ausländer find. (Erneuter Samt, wobei die Abg. Schulz, Katz und Scholem (Komm.) wettere Ordnungsrufe erhallen. Präsident Le inert droht, von den Machtmitteln der GeschüftSordnnng Gebrauch zu machen.) Mit Gewalt kann Ltebe zur Republik nicht erzeugt werden. Zwischenrufe, Zischen und Pfeisen linkS.)

Aba. Dr. Heß (Ztr.): Die vollständig verändert« Situation macht neue politische Mittel notwendig Es handelt stch nicht darum, daß ein Verbreche« be­gangen ist, sondern darum, tote dieses ju erklären war. Für den Mord sind nicht nur die Täter hastbar zu machen, sondern auch diejenigen, welche die Stim­mung erzeugten, aus der der Mord geboren tft Die Herren von rechts können stch nicht damit herans- reben, daß st« die Folgen dieser Hetze nicht hätten voraussetzen kömicck Der Mord am Kniebis hat nicht zur Umkebr geführt, weil er die Hetze noch ver­stärkt. Da gewinnt anch der unerhörte Mißbrauch, der von der Rechten mit Hindenburgs Person in Ost­preußen getrieben wurde, ein anderes Gesicht. Helffe- rtch rief nach dem Staatsgerichtsbof für Rathenau und am nächsten Tage ftelcn die Schüsse. Jetzt kann eS nicht mehr so weitergeben. Die Minister dr Repu­blik find kein Freiwild. Sie (nach rechts) haben un­sere Toleranz in schlimmster Weise mißbraucht. Sie haben die Hetze getrieben, weil Sie nicht verschmerzen können, daß Sie die unumschränkte Kommandoaewall in diesem Hause verloren haben. Es ist daS Gebot der Stunde, daß ein festgefügter Block der Mitte uns ans diesem Zustande befreit.

Abg. Dr. Salle (D. Vpt.): Wiv stnd keine Freunde von Ausnahmebestimmungen. Aber nach diesem surchtbaren Ereignis sind fle leider notwen­dig. Wir müssen in dieser schweren Zett deS Vater- landes zusautmenstehen Durch gemeinsame Abwehr der gegen unser Vaterland gerichteten Schläge. Wir billigen die Verordnung, rechne« aber darauf, datz das Gesetz gletchmäßtg ge­gen. alle angewendet wird, die stch gegen den Staat vergehen. (Zuruf: Warum sagen Sie nicht Republtkk) Gegen den Staat, der zufällig Republik ist. In dieser schweren Zeit muh bet innere Streit zurückgesteckt werde«, nach der Streit um die Staatsform. (Zuruf: Ein glatter Mon­archist!) Alle Freunde des Vaterlandes müssen stch setzt znsammenschlietzen, damit wir herauSkommeu aus dem Elend, das diese Verordnung notwendig macht.

Abg. Obnch (U.) protestiert gegen den Staaiö- kommiflar Welsmann, der trotz der ihm zur Ver­fügung stehenden krassen Mittel die Morde nicht zu verhindern wisse, und bezweifelt, datz die Justiz der Verordnung zur Durchführung verhelfen werde.

Abg. Re Per (Ostpreußen) (K.) wendet stch eben­falls gegen Weismann, dessen Tätigkeit gerade ein Anreiz für die Orgeschleute zu Morden sei.

Ein Vertreter deS Justizministeriums erklärt, daß die notwendigen Maßnahmen hinsichtlich der Durch­führung der Verordnung deS Reichspräsidenten be­reits veranlaßt stnd. Allerdings habe die Jnsttzver- Wallung mir ein paar Verwaltungsmaßnahmett zu treffen, während bie Hauptarbeit dem Ministerium deS Innern zufalle.

Abg. Dr. Schreib er-Halle (Dem.): Der Mord ist aus der Atmosphäre entsprungen, welche durch die rechtsstehende Presse erzeugt ist. Wir haben nicht? ge­gen eine Opposition, aber sie muß loyal sein. Wir verlangen rücksichtslosen Kampf gegen jedes Verbre­chen gegen die deutsche Republik, gleichgültig, auf wel­cher Seite der Verbrecher steht.

Abg. Dr. Bredt (Wirtschastspartet) gibt seiner Entrüstung über den Mord Andruck und betont, daß er bereits vor einigen Tagen Gelegenheit hatte, einen scharfen Strich zwischen seiner Partei und den Deutkchnatlonalen zu ziehen.

Es wird sodann nunmehr ein Schlutzantrag ange­nommen und die Anträge gemäß einem Vorschläge deS Abg. Leidig (D. Vpt.) dem VerfassungSauS- schuß überwiesen.

Mittwoch 11 Uhr: HauShali des Finauzmlnistc- rinms, kleine Vorlagen.

--*--

$« M«h.

Fortschritt in drr Untersuchung gegen die Mörder Rathenau».

Berlin, 26. Juni. Der heutige Tag ist in Berlin »tue Zwischen fälle verlausen. Die zustLudigeu Steiten halten weitgehende Sicherheitsmaßnahmen getroffen; große und kleine Trupps Schutzpolizei durchzogen bie Stadt teilweise mit Fahrrädern und Lastautomobilen. Die Nachforschungen nach ben Mörder« be? Ministers Dr. Rathenau. sowie bie Vernehmung bet sich zahlreich meldenden Zeuge« wurde eifrig fortgesetzt.

Wie die Telegraphen-Union von der mit bet Unter­suchung betrauten Stelle im Polizeipräsidium erfährt, hat ein Oberförster aus Potsdam, unmittelbar vor der Mordtat da» Aut» bet Mörder in bet Nähe des Hauses Dr. Rathenaus haften sah. «ußcrordentüch wich­tige Aussage« gemacht. Der Oberförster, der feine Hcschrabgnng zuerst in Potsdam zu Protokoll gegeben und bann cn DberregienmgSeet Dr. Weiß, ben Setter bet Untersuchung und Vorsteher ber Abteilung la des Berliner Polizeipräsidium# verwiesen wurde, hat das Auto gesehen und auch ei» ziemlich genaue Beschreibung des Wagens gegeben. Die Insassen hat er so genau be- obachtet, daß er selbst die Augensarbe ber Täter be­schreiben konnte. Selbstverstäicklich kann vorläufig im Interesse ber Feststellung noch nichts nähere» »ttgrtettt werde«. ,

Die Beschreibung des Wagens der Meuchelmörder.

Berlin, 26. Juni. Beschreibung: Neuester Typ hinten lästig mit veljenrtcm Bcrdoch macht de» Eindruck

einet Leiste mit recht breiten fiontm; Farbe: Schnwrz- blau. schwarzer sechssitziger Touren wage« mindesten» 80 LS.,- der Motor hatte «nen auffallend ruhigen Gang. Stütze-Kühler öerbaft durch et» Haube aus schwarze« Wachstuch, bie bie Fabrikmarke verbarg. 2 Notsitze, Polsterung bunletgtfi«, gerippt, anscheinend Cord, Lrou- prinzenräder, Bereisung neue Kvntinental-Eord mit Kettensignkeruug auf bet Lauffläche; 2 gelbe große Mes- ingscheinwerset, 8 Heine elektrische Laternen zu beide« Seiten der Schutzscheiben, ei» H«Pr mit Schlauch uni> Gummihall, auf dem Trittbrett rechts Behälter für die Kürbitbeleuchtung.

Untersucht»ngen te München.

München, 26. Ium. Wie bie Tel. Union von zu- ständiger Sekte erfährt, werde« gegenwärtig auch in München polizeiliche Erhebungen im Zusammenhang mit der Mvrdangelrgenheit Rathenau gepflogen. ES habe« ich bisher keine Anhaltspunkte dafür ergeben, baß in dieser Angelegenheit Spuren wach München zeige«.

Verhaftungen.

Berlin, 26. Juni. Siner Meldung der

Z." aus München zufolge wurde auf Veranlaffung der Staatsanwaltschaften in Berlin und Taffel KapitSnleutnant Hoffmann als verdächtig des AnfchlagsaufScheidemannund derBe« teiligung an der Ermordung Sta­tt) e n a u s verhaftet und festgenommen.

Ferner wurde, wie aus Flensburg gemeldet wird, dort Kapitänleutnant Karl T i l l e f f e n, der ältere Bruder des am Morde Srzbergers be­teiligten Oberleutnants a. D. Heinr. Tilleffen, festgenommen.

Berlin, SS. Juni. Wie derßof.^Inj.- be­richtet, wurde der Mordverdacht auf zwei bestimmte Personen gelentt. Die Beschreibung des eine« Täters, deffenr mädchenhaftes Aussehen hervor» gehoben wird, paßt auf einen früheren auswärts wohnenden Offizier. Seine Verhaftung wurde telegraphisch verfügt, ebenso di« eine» anderen aus­wärts wohnenden früheren Offiziers, der im drin­genden Verdacht steht, mittel- oder unmittelbar mit dem Morde in Verbindung zu stehe«.

1 I *

Wie dasAchtuhr-Abendblatt" hört, werde« Spuren verfolgt, wobei Flugzeuge in Betracht kommen. Kurz nach der Mordtat soll ein Flugzeug von Staaten abgefahren sein. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß die Mörder es zur Flucht be­nutzten. Es wurden sofort Beamte ausgesandt, um festzustellen, welche Flugzeug« Staaken oder, andere Plätze verließen. Von zehn im Laufe des gestrige« Tage» verhafteten Personen wurde keine in Haft behalten.

MkkMBmr» im M.

Berlin, 26. Juni. Als Trauerkundgebung für Rathenau hat, wie im Reichsrat mitgeteilt wurde, das Reichskabinett die Anordnung getrof­fen, datz am Dienstag nachmittag von 2 Uhr ab der Büro- und Werkstättendienst ruhen soll. Der Tele­graphen- und Fernsprechverkehr und der Eisenbahn­betrieb sollen aufrechterhalten werden, aber, soweit cs der Dienst erlaubt, sollen die Beamten beurlaubt werden. Im übrigen soll von 2 Uhr bis 2 Uhr 10 Min. der gesamte Post-, Telegraphen, und Fern­sprechverkehr und der Eisenbahnbetrieb ruhen.

Berlin, 26. Juni. Di« Beamten und An­gestellten der Reichsbebörden werden morgen nach­mittag anläßlich der Beisetzung Rathenaus, soweit der Dienstbetrieb es gestattet, zur Teilnahme alt ehre geplanten Trauerkundgebungen beurlaubt.

Berlin, 26. Juni. Wegen der am 27. Juni 12 Uhr mittags stattfindenden Trauerfeier für den ermordeten Retchsminister Rathenau wird zur aus­drucksvollen Bekundung der Anteilnahme der Reichsbahnen punkt 12 Uhr mittags auf 5 Minuten der gesamte Zugverkehr auf allen Stationen und Strecken stillgelegt. Di« Angabe von anderslautende« Zeiten für diese Stillegung ist ungültig. Die mit den Reick sfloggen ausgestatteten ÄmtsgebSude flaggen am 27. Juni auf Halbmast. (Amtlich.)

Berlin, 26. Juni. Anläßlich der Beerdigung Rathenaus flaggen morgen Dienstag die Behörden im ganze« Reiche Halbmast.

* v *

Berlin, 26. Juni. Dk Leitung des Deut« schen Beamtenbunde» richtete folgende» Telegramm an den Reichskarrzler:Anläßlich der Ermordung be» Reichsministers Dr. Rathenau drückt der Deutsche Beamtenbund feine tiefste Empörung über das erneute veiabscheuungs- würdige Verbrechen an einem leitenden Staats, mann aus. Der Deut»fchr $e«mteebnnb steht fest hinter bet Ket^eresierani unb wirb fie ht «fiat zum Schutze ber Republik «ot.