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Amtliches Verkllndigungsblatt des Kreises Marbmg

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

DieObetijejflltbe Seltne i erldieitu fetbemei wöLentttch. Bezugsmet» monatllrti

Für an»rallenbe Nummer« infolge Streit» »»er elementarer Cteignilte

22 Mk.

*/» 117 kein Ertetz. «erlag von D-. L. Hfrerotv. Druck ver Univ^>Bu»vruckerei von SU« Hl Itztz Ang. Red,, Markt 21*3. Reinioted>et 55, Postsidecktonto: Nr. 5015 Amt

Wrnr--t a. Main.

Zur Ermordung Rathenaus

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und erklärt, nach der Serfaffena ftefie jedem Abgwckmten

.Kber' eure alle, die zum Schutz wahrer Freilx-it und bürget-

daS Recht zu. stinen Dlatz einzunehmen (Zurufe:

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der erste Druck vom 2htSü*.' von uns genommen ausgestalten tm sozialen Oki fit. Mein Mahnruf Bieberach: S-orgt dafür, tznst im »rutschen Lande Mordatmosvdäre zurückgebt. war vergeben». Ick

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die Mörder zu rechnen unterfangen, und edc Partei, die für Edeale ficht, von welchem Boden aus st« auch den Kampf führe, wird von Natur aus jede Gemeinschaft mit solchen Mitteln weit von sich weisen. Was die Mörder durch ihre Tat an lln

Pa schallS Pauls-

' glück über das Land bringen, kann unermeßlich fei t; ste führen es kaltherzig an den Rand von Kata­strophen, dis st« nicht ermesse« wollen »der können. Wenn sie glauben, politisch gehandelt zu haben, so find sie von bodenlosem Irrsinn befallen. -Es ist eine alte Erfahrung, daß solche Taten stets den Er­folg drr Reaktion nach der Gegenseite für sich haben, daß man manchmal versucht ist, daran zu denken, datz die Tat von Leuten ausgeführt ist, die das gerade wollen. Das Attentat der neueren Zeit ist wohl in der Hauptsache auf russisch-anarchistischem . Boden heimisch gewesen, aber auch bei uns hat politische Verblendung schon hütet zur Waffe ge­griffen. Man denke an Hödel, Nobilin«, Kullmann

den nur ist, ton ke

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( narrt» Cbarakter, ausaezetch«

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V- -chrer dem Pl geheim! Kiniste- «vgeort

Minister seit gesd gomplo' Larson,

Sinne beherrschten,, so mutz man dies sehr bezeich- eenu finden. Es ist darum zu wünschen, teft die ruchlosen Mörder bald ihrem Richler zugrfüfrt werden und restlose Klarheit die dunkle Tat erhellt Reinlichkeit des politischen Lebens ist die selvst-

sch-ll schastli..

nct tu feinem tdeattsttsck ccrtrt'tetcn Streben. Er war von vornebmer und rubiaer toefinmtna und ein Vor­bild der VlliLttreue. Sein Verlust ist LberuaS fcbroet für uns zu erfeven. Eine reinliche Scheidung zwi­schen Rennblifanern und Andersdenkenden ist drin­gend notwendig. Cbne einer Partei die Schuld an der Tat zuuifchreiben. ist doch zu sagen, dost fett Mo­naten die deutschnationale Prelle die politische Sei» drnschase in einer Weife anzuspornen sucht, wie eS unverantwortlich ift Nationale Phrasen sind nicht nationale Gesinnung. Sie vergiften nur unsere Ju­gend. Auch gegen die welche die Rcichssarben be­schimpfen. sind schwere Strafen auszusprechen. Negt- mentSseiern ms gen in ruhiger-r Zeit ftattsinden. Dai Zentrum ftebt treu zur Verfassung und fleht feben ot« Verbrecher am Staatsrecht an, der Hand am egt zur gewaltsamen Aenderung der Bersasiung. Darum verlangen wir heute von den Parteien ein klare« Be­kenntnis für oder wider die Republik. Wtr im Zen­trum sind stolz daraus, seit dem Besteden der Reo»» bitt »le ch« der Regierung «nsaetreten »u sein. D»

erhob, waren aber doch recht lückensatt, mich die gegen die Staaisantvaltscho' thenau ist einer der Besten aus unserer .

men worden. Er war ein uutadelhafter ein Mann von hohem Gedantenflug und

si st i Minister Dr. Rathenau ist den Kugeln ruchloser gf M rder zum Opfer gefallen. Es wird keinen Men- z, schen geben, der nicht Hellen Abscheu empfindet vor gt _ der abgrundtiefen Niedrigkeit derartiger Taten, Last gleichgiltig, zu welchem politischen Bekenntnis s i ch

hie h rrsch

«ritz laffei

236. Sitzung vom Sonntag, den 25. Juni. 12 Udr.

Bei starker Besetzung deS Saales und der Tribüne wird die Sitzung zur Besprechung der geftri» gen Erklärung der Retchsregteruug «w 12% Uhr eröffnet. Bor Eintritt in die TageSordnunK rNört PrSstdent Löbe. die in der gestrigen vormtt- tagssttzung de« Reichstages vorgekommenen TSrttck» tdten seien in einigen Zeitungen falsch dargestelU wordru.

«bg. WelS (Soz.): Wut und Hatz vermitzte Heri Helssrich am 23. Juni in der Rede RatdenauS. Wut und Hatz, sanaiischer Hatz, haben setzt ihre Opfer gc fordert. Zu Wut und Hatz auSrufend, haben organi fierte Mllrdörbanden ein MenschenlLben aeföHt. bn-* sich opferwillig und ganz in den Dienst feiner Volkes und Baterlandes gestellt hat. Tie deutfchvöMsche feiert ihre Erfolge. (Zuruf: Wullel) und die De kernng unseres Landes rieht da« Unkraut hoch, ccu durch die wüsteste Hetze gefSt ist. Dieser Jude war ein so guter Deutscher, wie nur fe einet in Deutsch­land geboren wurde. Dieser Jude war ein wabrer Christ, weil er durch die gefallen ist, dte sich fo nen­nen und jetzt Mörderbanden bewaffnen und besolden, Demagogie sind die vSMschen Kundgebungen, durch welche UrteUslose und Leidcnfchastliche notgedt"- zu Ausschreitungen verleitet werden. Die D. > nationalen haben niemals die Deutschvölkischen schüttelt, au« deren Reiben die Mörder gewn sind. Darum machen wir die Deutschnationale Dc Partei verantwortlitd für den Mord. Helsserich w-'l der Lührer der persönlichen Setze gegen Erzberge' biS zu dem Tage, wo ErzSerger tot am Boden la< Das Hütte ihn zur Vorsicht mahnen sollen bet feine Hetze gegen die Regierung von Nathcnau. Ein Monr wie Helfserich, der unser Bott in so tiefes Unglück gestotzen bat, möge endlich aus dem politischen Lebe« verschwinden; das ist der einzige Dienst, den er dem Vaterlande noch erweisen kann. Wit verlangen rück­sichtsloses Vorgeben gegen die militaristischen Gebeim- organffatwnen, gegen die monarchistischen Kund­gebungen von Militürs und gegen dteienigen. weicht dafür haftbar sind. Der Prozetz Killinacr und da« Auftreten der Staatsanwaltschaft in Metern Prozetz war der erste Fall für den Slaatsacrichtshof. Aus keinen Fall darf die Verordnung gegen die NnkSge- richtete Arbeiterschost angewandt werden. Heute ist die schwatz weih-rote Fahne zur Mördersahne gewor­den. Die Geldgeber der Mörderzentraie müllen nn- schödlfch gewacht werden. Wir haben fetzt die Be­weise. datz in mehreren Stödten Mörder geworben wurden. Der Bruder des Ertbergermörders, Tillellen, bat einen Agenten geworben, ihm da« Bild seines Bruders gezeigt mit den Worten: .Das ist mein Brssdercheit, er hat das erste Schwein gekehlt' (stür­mische Entrüstnugskundgebungen) und ibm 3000 Jt gegeben, damit er einen Herrn nach Gaffel begleiten solle. Für uns bestebt kein Zweifel, datz das der­jenige war, der Scheidemann beseitigen w *

Abg. Marx (Ztr ): Wir sind in einer Aera der politischen Morde, wie sie die deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte nicht mehr gekannt bat. Hierzu kommt, datz die Töter ton beute höheren kulturellen und gesellschaftlichen Schichten angrhören. Die Vor-

licher Austestung bereit sind, auf: Schützt die Republik L"nb unser treues gutes Vaterlandl (Stürmischer BeiiaU und Händeklatschen).

Abg. Dittmann (11): Zur Geschäftsordnung: die Zentrale der Unabhängigen Partei bat verbürgte Nach­richten. bafc der feige Mord Signal zum Sturze her Repriblik -st. In der ersten Nacht nach der E-moro«, ^ eines Ministers sollen die B»narchistisch-militär>scken Verschwörer ohne weitere Benochricktigung losschla^cn.

Abg. Müller (Soz.) beantragt öfirntlichen An­schlag der Rede des RrickSkanzlerS

Abg. Wolf Hoss mann (U.) dehnt dies au» auf die Rede des VräsLeuten.

Mit Ausnahme der Dmtlcknatiomtten «ud der Stete heil der VoiiSvrrtei stimmen sämtliche Eorttieu den Anträgen zu.

Nächste Sitzung 81/* Uhr.

Schluß gegen 4 Uhr.

Sitzung vom 3 .Joni, nachmittag- 7 Uhr.

Der Sitzungsbeginn verzögert sich bis 8 Ubr. Die Tribünen find stärker besetzt als in drr Voemittags- sitzuns. Auch die Diplomaten wgr ist voll besetzt.

Präsident Löbe gibt zu einer Erklärnua das Wort dem Reichskanzler Dr. Wirth.

Rrichsknazler Dr. Wirth verliest eine» Ausruf, den wir an anderer Stelle veröffentlichen.

Die Reichsregierung bat oem Rmchspräiide»ten empiohlen. von seinen verfassnuginätzigen Rechten des Artikels 48 der Rcichsveriassung Gebrauch zu machen. Der Reichspräsident, der sofort nach Berlin zurück- gekehrt ist, hat sah entschlosien, eine Lcrüronuug zum Lchugr der R.pudirk zu ertasien, durch die auigruuü üe- ÄrtilelS 48 der Reichsvermsiung der AuSnabmezufiand verhängt wird, flBwt der Linke» werden mit besonderem

gäbet,

« erklä>Jn bet Samstagsnummer konnten rrit nut ygQ Wtem Teil unserer Leser noch von einer schweren oefallertuttat Kenntnis geben: Der deutsche Nutzen

sNöcker nicht). Der Präsident ist verp'lichfet tedem Abgeordneten döefes versassungsmäßigc R-'ckt zu sichern.

Von neuem ertönen daraus stürmische Rust von allen Seiten aus Helsstrich toi. Der Reichskanzler Wirtb verläßt darauf seinen Platz und redet beruhioend aus die Helsserich umstehenden Kommunisten und Uimb- hängigen ein. Ihm wird zugerusen:Sie sind das nächste Opfer, Herr Wirth!" Präsident Löbe bittet daraus, die Ehrung bei Toten droh nicht unmöglich zu machen. Ihm wird zugerusen:Wir können dte Ehrung des Toten koch nicht in Gegenwart seiner Mürber vornehmen!" Wir wollen erst wissen, was Hrlsterick bei Ltzbetger und jetzt wieder getan hat."Man soll den Provokateur hinauiwersen." Dann tritt etwo-s Nutze ein und der Präschent kann darnul das Wort ergreifen.

Präsident Löbe führt «ui: Was diese Szene herrvr- gen:stn hat. ist eine Tat ton solch ungeheuerlicher Grau» fcmfait und Roheit, datz sie nns das Blut in den Adern auftoafien macht. Wer waren die Meuchel- Mörder? (Stürmische Zuruse ton der gesamten Linken: Dort sitzen fit!") Ich brauche der Trauer und dem Entsetzen, daS dieser Moch hervorgerusen hat, nickt Ausdruck zu geben, aber ei steht mehr auf dem Spiel-, aus dem Spiele steht das deutsche Land, das deutsch? Volk und die deutsche Ehre. Die Täter haben einflußreiche Helfer. (Ton den Kommnnisten wirb bei diesen Worten lärmend auf die Rechte hingewiejen.) Hier hat eine Presse bewußt gehetzt, bis zu dem Attentat auf Sckride- mann, daS nicht gelungen ist uns -s scheint kein Schutz bogegen zu geben. Die Täter haben Helfer, die sie ver- schwinden lassen und immer toiroer von neuem schützen. Einer nach dem anderen wirs ialtblütig ennotixt. DiewS- mal hat der MordfraN tun Mann getroffen, der auf dem besten Wege war, dr Fäoe» wieoer anzuknüpfen, die der Krieg zerrissen hatk, rind der dabei den ersten Erfolg

würfe gegen die Justlz. wclcke der Abgeordnere «el- namentlich

'wie es bisher gegangen ist. geht es nicht mehr! (Stür­mischer Beifall und Händekletschen im Eaa! und ruf Tribünenl. Wir werden Unsere Republik sobald

Marburg $loil«g. Stil 26.3mi Brach «and.

Beifall die Bestimmungen begrüßt, ivonach Lkjchiiuvsiw« gen der Republlk und der schwarz-rot-goldenen Reichs« flagge bestraft werden sollen. Als der ReichSlonzlep mitteilt, daß bet neu eingerichtete Staatsgertchttz- i> o f für die Republik dem Reichsgericht angeghebert wer­ten soll, kommen von der äutzrrstcn Linken Rufe den Enttäuschung, die sich in Beifall umwandeln, als nut- geteilt wird, datz neben drei BcrusIrichtem vier wn dem Reichspräsidenten ernannte Laienrichter den StaatSge- richtshof bilden sollen. AuS der zioeiten Verordnung werden mit besonderem Beifall von der Linken die Stellen begrüßt, die das V e r b o t der auf den 28. Juni einberufenen Kundgebungen gegen den Friv- densvertrag und das Lerbot aller Biegt/ mentSfeiern autbrücken.)

Präsident Löbe erbittet und erhält die Ermächtigung die nächste Sitzung auf morgen, Sonntag mittag 12 llf einzube rufen.

Schluß 8'/e lthr. -

T«r Anzeigenorei» Beträgt für die!) gefo. Zeile ober beten Raum 1 Mk. für ben Milli­meter. amtliche und euswärttae 1.30 5ML Andere Soaltenbreite» nach entipte-benbet Berechnung. Spät etnlau enlx oder den Rannt übet */t Sette ehtnebmeeee An­zeigen and wir berechtigt, nach der lertivaltenbtette je jenen und zn berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wtr die Cof-Zetle mit 9.09 Ak. Jeder Rabatt gilt aU Barrabatt. Lei Anetnnft durch die Ceenbäftsftelle und Vermittlung bet Ange­bote 1 Mk. Sonbetgebübt.

E*. mit ihren Attentaten auf Kaiser Wilhelm und B«s- ' -trlk. Die Erinnerung ist nicht ganz unangebracht, ei. '$$ man auch damals die Verbrecher Parteien un die -UeDockschötze hängen wollte, die in der Opposition standeil7Üb> was diese damals weit von sich wieim.

Na" ch unbeglaubigter Meldung soll der Kanz­ler ei .nein französischen Korrespondenten, der :«*.= setzt^^ausrief, man sei ja in Deutschland seines Lt- mehr sicher, erregt gesagt Haben, daran . ' jerfr'en die Zustände schuld, die die Zwang'--

Deitlltt WW«S.

Der Beginn der 1. SamstagS-Sitzung verzögerte fick unter der Nachwirkung des Attentats aus Rathenau. Hm 12 Uhr 20 kam es int Sitzungssaal« zu einem Handge­menge, bei dem der devtschvolkSparieilicke Abgeordnete Schoch auaegrisfen und aus dem Saale vertri'ben wurde. Um 12 Uftt 30 erscheint Präsident Löbe und bemerkt' Ich kann d« Sitzung no»ch nicht eröffnen, da der Aeltestenrat noch nicht beisammen ist. Ich muß aber dringend bitten, daß Tätlichkeiten in diesemaafr unterbleiben, (glroße Unruhe links und forigesetztr Zwischenrufe: Raus mit den Mördern.) Ick möchte afk Parteien bitten, den Sitzungssaal zu verlassen, bis br Sitzung anb-raumt ist." Eine ganze Anzahl Abg ordnetrr kolgt der Mahnung des Präsidenlen: eS bleiben av-r immer noch erregte Gruppen im Saole zurück tim 12 Uhr 40 Minuten ist die Sitzung immer nock nickt eröffnet. Zu diesem Zeitpunkte kommt durch eine Seiten- tflr der Abgeordnete Unter! ei tner (U.) mit einem Stmutz von Rosen und EichenblSttem mit einer langen seidenen Schleife in schwarz-.veifi-ro^en Farben. Er ruft habti laut in den Saal:Dieser Strauß ist für den Abgeordneten Helfserich abgegeben worden!" Darauf, er­hebt sich lauter Widerspruch, g Bon allen Seiten w cd gerufenVstii. die Mörderbaude!" Die Schleife trug die Inschrift: Herrn Helsferich, dem Berteidiger deutscher Ehre! Der Strauß koll von den Mitgliedem bei deutsch süd-amerikanischen Sollmtenbundes wegen der gestrg-m Rede dem Abqeordnelen Helfserich Überbracht worden fein. Um 1 Uhr 15 Minuten entfernen die Diener M>n den Tribünen alle diejenigen Personen, die sich nickt über ihre Person answeiscn können. Der Nnntiu? ParzekL erschien als Tonen des divlemstilÄen Korps brüte vormittag im Reichstage, nm dem Reick?kanzlrr im Namen des diplomatischen KorpS das Beileid an­läßlich der Ermordung des ReiKsministerS Rathenau auSzusprrchen.

Noch Schluß der Sitzung deS Aeltestenrates tritt der Reichstag um 5 Uhr zu einer Trauerkuudgebung zusammen, m der aiirfi der R ichstanzler das Wo-!' ergreisin wird. Um 7 Uhr «brnds tritt dann daS HauS erneut zusammen, um dir Mittrilungen der R-viemno über die zu ergreifenden Me.stnobmen angesichts der gegebenen Lage eutgeg^nz.-! vehmen. In einer kitung am Sonntag mittag 12 Uhr wird der Reichstag zu den von der Regierung mitgeteilten Maßnahmen Stellung nehmen.

Zweite Sitzung deS Reichstages vom 2 4. Juni nachmittags 3 Uhr.

RathenauS Gtu61 atr Ministertisib istfchwarz umflort auf seinem Platze li-gt ein Keiner hrircr Strauß von Rosen mit einem Trauerflor. Sämtl'cke Mitglieder deS Kabinetts haben am RegienmgStisck Platz genommen. Als um 1/< nach 3 Uhr der M^ardnete Helsferich in Begleitung seiner Freu ick- den Sltzungs- sgül betritt, wird er von den Kommunisten und Un- 'bböngigen AbOeordneten mit stürmstcheu Rusen empfan­gen:Hinaus mit dem Mörder!" Helsferich nimmt auf feinem Stuhle Platz. Die Kommunisten und Unab- hängigen stürmen darauf mit wütenden Ruten auf Helsfe­rich loS, der durch einen dichten Rin» der um leinen Platz flehenden deutschnationalen Aboeocknerin geschützt wird. Präsident Löbe kann sich mit Mühe bei den fortwährenden Lärmen und Rufen verständlich machen

V f£T Entente bei uns erzeuge. Es nützt n'cht'-, 'findet, towl «en zu verschNetzen. Hier liegt in der Tat tztMszien dere Grund. Unsere täglich schlimmer wer-

-» Autg yät schafft immer aufs neue ans der Bahn grf.lrcKahne verzweifelte Existenzen, zu jeder Tat Bi f«: drijxsihafst einen moralischen Sumpf, oaeie« la-i S»':äfen giftigsten Hafies, niedrigster Gesinnung auf- sik«t^ Die Unsicherheit aller Zustände, die Ge- 8n ffenlosigkeit des Einzelnen, die Derrohung der gend hat überall einen Umfang angenommen,

aufwies. Sie haben dem Manne ihren Dank aus­gesprochen, der sich persönlich eingesetzt Hai, nm dem Lande und dem Bolle zu dienen. Sir haben Ihr Brileid bezeugt der betagten Mutter, betdeutsche Patrioien" den Sobn vor die Füße teaten. Möge daS deutsche Boll auch diesen Stoß überwinden. Die Abgeordneten der Linken brachen nach Skenbiguug dieser Rede i» den Rus tu3:ES lebe die Remiblik!

Reichskanzler Dc. Wirth: Wochen find vergangen, da versammelten stch in Genno die Vertreter aller Nationen, da rauschten die Reden der Staatsmänner, der ebemals feindlichen Staaten an un ren Ohren vorbei. Da erhob sich unter Freund Dr Rath-.mau und aus seinem Munde kamen edle Worte, getragen von höchster Huma- mtärer Eesinuung. Seine Worte bet Berständigung haben auch die Herzen derer erobert, die un3 bis dahin viellrickt in starker Wneigung gegenüberstandeu. Man bat seinen Watten in Metern Palazo Reale mit größtem Jntereste gelauscht uno ein nie gehörter rausche über Beifall dankte dem Manne, der über die GrenzpsLhle seiner Nation hinaus der Welt den Weg der wirtschaft­lichen Berständigung und damit zum Frieden gesägt hat. Nun liegt er tot vor uns. Lr fiel nicht nur für sein Self, er fiel um die Menschenversöhnnng Wehe aber Denen, die dieser groste Werk der Bersöhnung durch diesen Mord störten. Da? Werk darf nicht unterorvchen werden, denn er ist daS Werk der Rettung unteres Volkes, aber auch der Rettung von ganz Europa. Qtetoifi hat Dr. Ratl>enail viele Gegner gehabt. Ick weiß nicht, auf wessen Gegnerschaft gestost-n ist. Ab»r ti»u dem Augen­blick an. ice er öffentlich tu den Dienst deS deutjchen BolleS und der deutschen Republik tret, hatte er nicht nur Feinde, da hatte er Todfeind-, lZurufe links: Helffe- ,rick!l ^D-eseS Werk. daS er fick rergetetst hat. die Kriiunj des deutschen Volkes unter oer EtaatSform der nnbul darf durch diesen Mord nicht unterbrochen werd-n (Brisaklst Im G-genteil. alle republikanischen Deutschen, die eS gut meinen mit dem Baterlande und ihrem Buklee, wecken aus diesem Mortz dte größte Kraft schöpfen, mit denen ab,»rechnen, die unterem Bolle ben Tod bringen wollen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen vom Zentrum bis zu den Kommu­nisten). Die Arbeiterschaft hat in den bitteren Tosen. kt> das ChsoS über sie himoegging. keinem, der ber alten Stoalsform treu gebll ben war, auch nur ein Haar gekrümmt. Gegen die Männer, die in diesem neuen Staatswesin dienen, Wick ein flfift mit Millonen Gels in daS Volk hineingagoffen. Bon Königsberg bis Kon­stanz bedroht eine Mordhetze nufer Bsteriand.Ä't tote Freund, den wir kannten, hat gegen dte, ote ihn als Förderer der Revrrbll? und Bahnbrecher einer 8er- ständigung der Völler angegriffen haben, nie ein Wie« Mott gesprochen. Er hat nicht nut mit den Lipper» verziehen, er hat auch mit dem Herzen allen denen ver- ziehen, die ihn geschmäht hatten. Er war eine kindliche Seele. Nock gestern hat er den ihm angeWtencn Schutz neuerdings abg-lehnt. Wenn wir einen StaatSrnnni- und Freund verloren haben, wenn das Volk einen große» Sonn verlort bat. wollen wir au3 dieser entsetzlichen Tet noch daS Eine lernen: Verehrte von rechts, fo

Schul' t für die Zukunft zittern lStzt. Dem deutschen Btftnfoolfe ist F l der Autorität jedes Gefühl für fiti- anf.jli; uriteres Wartung, die Ehrfurcht überhaupt ver^ kankenh^wnach Igen. An die Stelle des Religiösen ist r * iton getreten mit seiner ganzen ^"urz.l-

| ^?In holll. Und daran find in der Tat die nn- ,ren Drangsale schuld, die der Feindbund, ber uns einen Völkerfrieden versprochen hatte, uns täg> ftch , ?ieu auserlegt. Taten von der Ruchlosigk'it, »ie \! sie am Samstag erlebten, werfen grelle erfrier1 lichter, woher die Mörder auch gekommen sind.

r&^9 Volk wird der Regierung nie die Gefolg- versagen, wenn sie mit allen Nitteln die

verständliche Vorai: * g für das Gedeihen des Volles, ebensosehr ...... die Achtung vor der po- irischen Anschauung auch des Gegners. Zu beidcm A«j hat unser Volk tm ganzen durchaus noch die Kraft, i \ Noch ist es n'cht reif für Balkan- oder russische Po- I *ffi litik, von welcher Seite auch sie geführt werden e <tzg,mös«. - V

Sicherheit von Leben und Eigentum, die Grundlage jeder Kultur, gewährleisten will, das ist die innerste Forderung jedes Deutschen nicht erst nach solhen Verbrechen. Eines geht fteilich nicht an. datz nan für Wahnsinnstaten Parteien verantwortlich macht, die irgendwie den Ermordeten einmal bekämpften. Das wäre das Ende jeder politischen Freiheit und führte letzten Endes zu Lenin »der Napoleon. Jeder Fanatiker hätte es in der Hand, eine Opposition rls ne verbrecherisch zu stempeln. ,

(Ei Was sich im Reichstage anschlietzend cn die Tat Bo^dgespielt hat, ist schon ein weiter Schritt aus rot,,/ sem Wege. Wenn die Kommunisten und Un- kelh hängigen, die Freunde der Praxis und Theorie

Benins, eine Zeit lang das Parlament in diesem

erdl