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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurhessische) OSerheffen

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Di«Oheröeifijibe Zeitun eriibeint jeibsmal wömtntlidi. L«zugspr«ls monatlich 22 Mk. Für ausfalltnbe Nummer» infolge Streits ooer elementarer EreignM« kein Eria». Leria« von Dr. T. Hinerot». Druckder Univ^Buckdiuckerei non Jod. Äug. Kock. Marti 2123. Rerniprediet 55, PokiiLecktonlo: 9lt. 5015 Amt Frank'nrt a. Main.

Marburg greitag, Den 23.3uni Brachmond.

-r,. An-eigenorets veträgt für die 9 gefp. Zeile oder deren Raum 1 Mt. für den Milli­meter, amtliche und auswärtig« 1.30 Mk. Andere Spaltenbreiten nach entbrechender Berechnung. Spät «inlautend« oder den Raum über l/t Seite einnehmende An- .einen bad wir berechtigt, nach der Terttpaltenbreite »u letzen «nd ,u berechnen. Sogen. »«Hamen berechnen wir die Tol.-Zeile mit 9.00 Mk. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Lustunft durch die (SeidiäftsiteUt und Vermittlung der Ange­bote 1 Mk. Sonderzebühr.

57.gaM M

InWk HWif.

232. Sitzung vom 22. Juni.

Vor Eintritt In die Tagesordnung wird ein Dringe ltchkettSantrag der Unabhängigen auf Einleitung einer allgemeinen Fina>nzreform nach bestimm­ten Leitsätzen sofort einer Kommission überwiesen.

ES folgt die Besprechung der gestern begründeten aussenpolitischen Interpellationen.

Abg. S tanmp fer (®.) erNStt, das, seine Partei bemüht sei, im Verein mit den ausländischen Bruder- Parteien daS schamlos gebeugte Recht am Rhein und «n der Saar wieder herzustellen. Die Sozialdemo- rratie billige deshalb die ErNSrung der ReichSregie- rung. Die Gefahr einer Lostrennung dec Rheinlan- pes sei wohl im allgemeinen nicht gross. Bedenklich aber sei das Auftreten gewisser rheinischer Landwirte, welche in ihrem Kampf gegen die Getretdeumlage sogar Verbindung mit der Interalliierten Kommission fuchten. Schurken, die in der Wahrung ihrer be- gusseogistischen Interessen vor Landesverrat nicht zu- Ailkschreckeu, gibt es in tedem Stande. Das beweist ein Schreiben des GrofiagrarterS von Oldenburg vom 12. April ISIS an den damaligen Minister deS In­nern LSbell, in dem er erklärt, dass er trotz der Hun­gerblockade ivegen der vielen unangenehmen Verord­nungen 500 Morgen Getreidefelder nicht bestellen wolle.

Abg. Gothein (Dem.) bedauert, dass der deutsch- nationale Redner Dr. Reichert die Würde so wenig bewahrt habe. Auch seine Partei halte die Sachliefe- Mngsabkommen keineswegs für ideal, sehe in ihnen aber doch einen Fortschritt gegenüber dem Zustand nach dem Londoner Ultimatum. Ueverhaupt sehen wir seit London zweifellos eine gerade Linie deS Fortschritts vor uns. Auch der Spruch der Anleihe- kommisston sei ein Vorteil für unS, da er gegen die französisch-militaristischte Politik sei. Er bezweifle aber ob Dr. Reichert durch seine Rede eine fiir die Anleihe günstig« Atmosphäre geschaffen habe. Redner polemisiert sodann gegen die Ausführungen Dr. LcviS nnd tritt der Illusion entgegen, als ob die Reichen allein die Forderungen der Entente erfüllen tonnten, ein Wegsteuern des Kapitals führe zur Stillegung der Produktion. Ohne die Erhöhung der Arbeitszeit im Ruhrrevier würde die Produktion an der Kohlen- Zrmut zugrunde gehen. Damit würden auch die An- ieiheausstchten sehr vermindert. An der letzten gro­ßen Teuerungswelle sei die unerträgliche Tarifpolistk schuld. Der Völkerbund dürfe sich nicht länger zum Wittel für das furchtbare Unrecht machen, das unserer deutschen Bevölkerung im Saargebiet angetan werde.

Abg. Erminger (Bahr. Vvt.) betont die Einig­keit des ganzen Volkes mit der Reoierung in der Ver­urteilung des Unrechts, das tm Rheinland und im Saargebiet dem deutschen Volke und der deutschen Wirtschaft angetan werde. Bei dem Sachlieferungs­abkommen sollte die Regierung darauf achten, das! auch die süddeutsche Wirtschaft dabei zu ihrem Recht komme. Wie lange gedenkt der Reichskanzler noch den Versuch der Erfüllung fortzusetzenk Wolle er von Devisenleistungen absehen nnd sich nur auf Sach­leistungen beschränkens Habe er auch einen Plan oder wolle die Regierung einfach fortwursteln? Daun würde das deutsche Volk ähnlichen ErschöpsungS- delirien ausgesetzt sein, wie wir sie fetzt bei dem un­glücklichen Oesterreich begimten fäften. Die Parteien der Erfüllnngspolitik würden bald zugeben müssen, hast der Beweis für die Unmöglichkeit der Entente- sorberungen durch die an den zuckenden Körper des derttscken Volkes vorgenommcnen Vivisektionen er­bracht sei.

Abg. Hompel (Z.) stimmt den Sachlirfentngs- Ubkommen zu, betont aber, dass damit das Repara­tionsproblem noch nicht gelöst fei, auch eine auswär­tige Anleihe bringe nickt die Lösung der Fragen, son­dern nur eine Mehrarbeit des deutschen Volkes. Be- Illglich des ferner bedeutungsvollen und schwierigen Problems der Frage der Bolksernährung mühten wir eine Mittellinie zu finden suchen, welche den Inter­essen der Erzeuger und denen der Konsumenten ge­reckt werde. Darum müsiten wir in dieser schweren Zeit daS Einigende voranstellen. (Beifall.)

Abg. Dr. Breitfckeid (U.)t Seitdem die Fran­ken mehr mit der Peitsche als mit dem Zuckerbrot He Besetzung der Rheinland« ausüben, sind die Shm- patvien für Frankreich dort aus den Nullpunkt ge­sunken. Weder mit Gewalt nock durch eine vo'ksab- stimmung kann heute das Rheinland von Deutschland losgerissen werden. Viel schlimmer stebt eS an der Saar. Wir erbeben schärssten Einspruch gegen eine derartige Gewaltpolitik. Dort feiert das sranzösiscke Industrie-Kapital seine schlimmsten Triumphe. Red- imer verlangt, daß Deutschland Oesterreick gegenüber wenigstens wirtschaftlich aveS tut, um dieses heroisch kämpfende Volk z uunterstützen. Er stimmt den Sach- Sachlieferungsabkommen im Interesse einer Verslän- Hgung zu.

Abg. Dauck (D. Vp.) protestiert gegen die Be Handlung des Reichstages beim Abschluss deS Wies­badener Abkommens. Dies wäre durck die Umwand­lung der Geldleistungen in Sachleistungen ein Vor­teil, wenn diese Sachleistungen unserer WirlsckaftS- Traft angepasst würden. Dies sei aber nickt der Fall Es würde ja doch über uns als die Schwachen rück stcktslos blnweggegangeu. Das zeigten die Rhein­lande nnd das Saargebiet. Mit der Erfassung der Sachwerte würden nur die Klassen gegeneinander ge­hetzt. Arbeitgeber und Arbeilnebiuer gehörten zusam­men. Des Einen Verderb sei auch der des Andern. Im Rahmen des Unmöglichen führten Abkommen nkcht vorwärts, sondern verzögerten die Kaiatlropbe nur um ein Geringes. Deshalb lehn« seine Panel die Verträge ab.

Gegen 7 Uhr wird die Weiterberatung auf mor­gen nachmittag 2 Uhr vertagt. Ausserdem: Kleine Anfragen und Vorlagen.

Der zu Beginn der Sitzung dem Ausschuss über­wiesene Antrag der Unabhängigen fordert, dass alle der KörPerfchastSsteuer unterliegenden Körperschaften ihre Kapitalanlage um ein Drittel zu erhöhen und dieses Drittel dem Reich abzutreten haben. Auf je­des inländische Grundvermögen wird zugunsten des Reiches an erster Stelle eine Grundschuld in Höhe eines Viertels deS angegebenen Wertes eingetragen. Vom Erbrecht sollen die Verwandten bet dritten und folgenden Stufe ausgeschlossen sein und für den Relchssiskus ein gesetzliches Erbrecht eingeführt wer­den. Bei Erbansällen über 100 000 Goldmark erhält das Reich einen Erbansptuch auf den Ueberschuss.

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ImWkk Mlofl.

153.<stbung, 11 Ubr.

Der Antrag des HauptaussckusseS, zur B e m p s u ng der Hungersnot in Rußland, insbesondere zu­gunsten der D utschen, dem Roten Kreuz 5 Millionen, Mark zur Verfügung zu stellen, wird angenommen Und ^dann die Beratung des Haushalts b<8 St aatsministeriumS fortgesetzt.

MinistervrSfLent Brann: Die Läge van der Mein- schuld Deutschlands must vernichtet werden. In diesem Kampf muß man sich aber auf daS tatsächlich Beweisende beschränken. Dann werden wir auch im Reiche eine geschlossene Front des deutschen Volkes zusammenbringen. Die wichtigsten Kronzeugen gegen die Alleinschuld Deutsch- kands sind der englische und der frühere italienische Ministerpräsident. Lloyd George hat offen ausgesprochen, daß Deutschland für den Krieg nicht verantwortlich zu machen sei. Redner appelliert an da- Land, mit geräusch­vollen militärischen Feiern und Veranstal­tungen. in denen das frühere Regime gefeiert wird, Zurückhaltung zu üben. Diese seien nicht dazu angetan, den Haß des Auslandes, dem man hier gestern als daS größte Hindernis für eine Revision des Versailler Ver­trages bezeichnete, abzubauen. Die deutsche Bevölkerung im besetzten Gebiet, besonders auch im Saargebiet, muß schwer darunter leiden. Wir verfolgen die Kampfe der saarländischen Bevölkerung gegen die Bedrückung mit größter Anteilnahme. Wir werden sie in dem Kampfe um das Volkstum stützen. Der französische Fmnken rollt am Rhein, aber die rheinische Bevölkerung läßt sich nicht wankend machen. Versuche, diese Gebiete von Preußen loszureißen, werden scheitern. Wenn auch in Oberschlesien neue Grenzsteine gesetzt werden, die geistige und kulturelle Gemeinschaft unseres Volkes läßt sich nickt zerreißen. Obcrschlesien bedarf jetzt der Ruhe, liebet die Gestaltung des Staatswesens wird es demnächst zu entscheiden haben. Hoffentlich werden die Oberschlesier einsehen, daß ihre wirtschaftlichen und kulturellen Interessen bei Preußen liegen. Ein neuer Staat wäre treber zum Nutzen Deutschlands, Preußens noch Oberschlesiens. Redner schließt mit einem Appell an die Volkspartei, ein scharfes Auge daraus zu haben, daß nicht deutschnational gesinnte Beamt« sich volks- varteiliche Färbung geben, um sich ihre Stellung zu erhalten.

Abz. Schulz-Neukölln lK.l verlangt Beseitig, na der preußischen Vertretungen in München sowie be?- Staatsraats und bekämpft die Koalitionspolitik, weil die Interessen der Arbeiterschaft dabei vollkommen unter die Räder kämen.

Abg. S ch We rin g (Z.): Es ist erwiesen, daß Deutsch land eine ausgesprochene Friedenspolitik betrieben habe. D'r Fechenbach-Prozeß hat geradezu klassische Zeugu'si« dafür gegeben. Aber die Kriegslügensrage dürfe nicht zur Parteisache gemacht werden. Redner gibt namens seiner Fraktion eine Erklärung ab, in der er gegen das uns auf- gezwungene Bekenntnis der Allein,chuld Deutschlands, welches das Fundament des Verpiller Vertrages bilde, Stellung nimmt.

Abg. Nippel (D.-natl.) gibt feiner Freude darüber Ausdruck, daß die Aussprache hinsichtlich der Cchust>- lüge zu einer erfreulichen Einigkeit geführt hat. Seine Pa'rtei störe keine Demonstration der Linken, oie vater­ländischen Demonstrationen würden aber dauernd ge­stört. Könne man sich da wundern, wenn ein Pfeil auf een eigenen Schützen zurückpralle. Als es der. So.ial- Demokratie schlecht ging, konnte Scheidemann den Offi­zieren nickt warm genug danken, daß sie ihm aus dec Patsche halsen. Heute hat er das alles vergessen. Ein starkes unversehrtes Preußen ist daS alleinige Rückgrat unseres deutschen Volkes.

Abg. Preuß (Dem.): Solang? die Besatzung im Nheinlande steht, solange die äußeren Grenzen des Reiches bedroht sind, läßt sich das preußische Problem nicht lösen.

Abg. Dr. Brest (Mrtschastspartei) fordert Weiter­verleihung des Eisernen Kreuts.

Ministerpräsident Braun tritt dem entgegen. Mit der Ordensverleihung müsse jetzt endlich Schluß gemocht werden. In Oberschlesien, wo nock viele Nichtschl fier anwesend seien, sei die Belehrung von Ruhe und Be- 'onnenheit dringend erforderlich Ter von den Kommu­nisten so scharf bekämpfte Grenzschutz würde gerade durch diese Partei znm Kampfe gegen die deutsche Regierung gewonnen werden.

Abg. Heil mann (Soz.) lehnt die Schuldlüge ab in dem Sinne, daßSchulo Absichtlichkeit" bedeute, die Fahrlässigkeit" fei aber nicht bestreittwr. Die Re­volution sei auch ohne Revolution gekommen. Der Staatsra! sei ein mißglücktes Experiment.

Aack weiteren Ausführungen der 2I6gg. Kloft (Z.), Franken (11.) und Dr. Kell« (D. Vpt.) wird die Weiterberatung auf Freitag vormittag 11 Uhr vertagt.

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Berlin, 22. Juni. Das Reichskabinett trat gestern nachmittag unter dem Vorsitz des Reichs­kanzlers zu einer Sitzung zusammen. Die Vorlage des Reichsfinanzministers Uber die Erhöhung der Beamtengehälter, die etwa 20 Prozent beträgt und am 1. Juni in Kraft tritt, wurde angenommen. Sodann beschäftigte sich das Kabinett mit der Neu­wahl des Reichspräsidenten. Der Reichskanzler machte davon Mitteilung, daß er bereits in nächster Zeit mit den Parteien in Besprechungen über die Festsetzung eines Wahltermins eintreten wird.

Die von der Korrespondenz verbreitete Nach­richt, datz noch in dieser Sitzungsperiode dem Reichs­tage ein Gesetzentwurf zugehen wird, der die näheren Bestimmungen über die Neuwahlen ent­halten soll, ist, rote verlautet, irrig. Eines solchen Gesetze» bedarf es nicht mehr, nachdem bereits eine Vorlage vom 4. Mai 1020, die die näheren Aus­führungsbestimmungen über die Wahl enthält, ge­setzliche Kraft erlangt hat. Es bleibt jetzt nur mehr übrig, datz der Reichstag den Termin festsetzt.

Aus den Ausschüssen.

Berlin. 22. Juni. Der NcickstagsauSschnß für Sozialpolitik erledigte den Gesetzentwurf über die Arbeitszeit in den Steinfo5tenbergiwrfen. D"r Ent­wurf macht die tarifliche Regelung der Arbeitszeiten zur gesetzlichen Grundlage, in der Weise, daß auch die durch die allgemein verbindlichen Tarifverträge setzt gelten­den regelmäßigen täglichen Arbeitszeiten nicht erhöht werden können. Im Reichstagsansschuß für Steuerfragen wurde der bat tfd) nationale Gegen- entwurf des Gesetze» Über die Zwangsanleihe ab­gelehnt. Eine ausführliche D'battt eutsvoun sich darüber- ob der SSctrag, den die Zwangsanleihe erbringen soll, auf den Gegenwert von ei irr Milliarde Gold festzusetzen sei, oder in dem entsprechenden Betrage in Papiermark. Der Neicksfinonzminister war der Auffassung, daß e? nicht erforderlich sei, den Ertrag der Zwangsanleihe im Gesetz­entwurf zahlenmäßig zu begrenzen, da eine solche Be­grenzung bereits im Gesetz über die Aenderungeu im Finanzwesen stehe. Der Reichsfinanzminifler erklärte, daß er starke Bedenken habe, für die Errechnung der Höhe den Gegenwert von einer Milliarde Goldmark den in der Zukunft liegenden Stichtag zu Grunde zu legen, weil dadurch eine riesenhafte Devisenspekulation geradezu gezüchtet werden würde: dagegen könne ec sich mit der Festlegung eines bestimmten Papiermilliarden- betrages einverstanden erklären.

Berlin, 22. Juni. Im Steuerausschuß.wurde z 1 des Gesetzes betreffend die Zwangsanleihe mit einem Zusatz, der die ZwanaScmfeihe auf 60 Milliarden Papier« mark sestfetzt, vom Ausschuß angenommen. Die Para­graphen 2 und 3 wurden nach dem Wortlaut brr Regierngsuvorlage ebenfalls angenommen. Hiernach be­trägt der Zeichnungspreis der Zwangsanleihe 100»/° des Nennwertes, lieber die Zwangsanleihe werden Schulo- verschreibuugen auf den Inhaber ausgegeben. Eintragun­gen in das Reichsschuldbuch sind ausgeschlossen. Zu § 4 würbe ein Antrag D.r. Becker-Hessen (D. Vpt.) ange­nommen. wonach festgesetzt wird, daß die ZwangSanleibe bis znm 31. 10 1925 unverzinslich ist. vom 1. 11. 1925 an bis zum 31. 10. 1930 in Höhe von 4»A> und vom 1 11. 1930 an in Höhe von »/-> jährlich verzinst wird Die Regierungsvorlage hatte ursprünglich nur 2'/;% resp. 4- ° zu gebilligt. Die Zins.n werden halbjährlich am 1. 5. und 1. 11. (zum ersten Mal am 1. 6. 1926) fällig. Nack Erledigung die,es Paragraphen vertagte sich her Ausschuß.

Berlin, 22. Juni. Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags fetzte die Beratung des Gesetzentwurfs über die Getreideumlage in einet allgemeinen Aussprache fort und beschloß, di« gefamien Fragen dem Unterausschuß '»u überweisen. Im Be­amtenausschuß des Reichstags teilte RegierungSrat v Hagenew mit, daß das Kabinett gestern beschloß, der Not der Beamten Rechnung zu tragen und die Berüge für Juli am 24. Juni auszahlen zu lassseu. D.r preußische Finanzmiuister traf dietelbe Anordnung und es sei anzunehmen, daß die übrigen Länder folgen werden.

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M lmm KlMtt.z.

Haag, 22. Juni. Die erste Unterkommisfion (private Eigentümer) der nichtrussischen Kommis­sion hielt heute morgen ihre erste Sitzung ab. Die Besprechungen bezogen sich auf allgemeine Fragen der Arbeitsmethode. Später fand zwischen den Delegierten ein Austausch von Meinungen hierüber statt.

Haag, 22. Juni. Ueber den Ankunftstag der russtschen Kommission ist bisher nichts Näheres be­kannt geworden. In Konferenzkreisen wird jedoch angenommen, daß Littwinoff als Vorsitzender der russischen Kommission fungieren wird.

Spandau, 22. Juni. Gestern abend landete hier im Flugzeug, von Moskau kommend, der rus­sische diplomatische Vertreter für Deutschland Kre­stinsky mit 3 Kurieren und 250 Kilo Kurierpost. Krestinsky befindet sich auf der Reise nach dem Haag, um an der Konferenz teilzunehmen.

Zu der krisenhaften Lage, in der sich unfe( Volk heute befindet, patzt es ungeheuer schlecht, wenn wir von offizieller Stelle immer wieder rosen, rote Zukunftsbilder gemalt bekommen. Herr Wirth und Herr Rathenau haben in Stuttgart wieder ein, mal in diesem Sinne gesprochen. Wenn wir nut dies und das tun, so wird die Welt . . . Das ist immer das Leitmotiv, nachdem wir nun seit meßt eien Jahren geführt werden. Gegen die einzeln^ Versprechung, die uns wird, läßt sich nichts sagen denn die Möglichkeit, datz die englische Politik odei die amerikanische aus diesem oder jenem Grund» einmal etwas tut, was auch uns nützt, ist ja nicht ganz ausgeschlossen. Will man diese Führung fceuti teilen, so mutz man sich einmal die Resultate bet etzten Jahre ansehen und mit den jeweiligen Neri prechungen vergleichen. Nun, die englische Press« jat es «ns ja attestiert, wo wir -Wirtschaftlich tehen, wohin uns die Polittk restlo.. Erfüllung geführt hat. Datz sie aber keine anderen Erfolgt zeitigen konnte, ist durchaus klar, wenn man ihr« Gründe betrachtet. Nach innen ist sie eine Politik 'ozialistischer Experimente, als ob wir das reichst! Land der Welt wären, nach nutzen eine ratlos; Würdelosigkeit, und über dem Ganzen schwebt de» berühmte Satz:Es hätte noch schlimmer kommet, können."

Was die Dinge nach nutzen so unglaublich »er» ähren macht, ist die Tatsache, datz dqr Deutsche, >r ich als Kaufmann, als Gelehrter und sonst so ge- chickt in andere Völker und Naturen versetzen kann der Politik seiner Gegner ganz verständnislos grj genübersteht. Er vermutet ständig, datz die Vötkcll in demselben Brei von Menschheitsbegl-»>>d«"i,-. moralischer Konsequenzmacherei sich bewegen wie et selbst. Er wird nie einsehen, datz, wenn der Fran-, zose von Gerechtigkeit spricht, er die Gerechtigkeit der französischen Sache meint, die für ihn, ntü wenn die haarsträubendsten Ungerechtigkeiten dar, stellt, einfach gerecht ist, datz der Engländer nur bei, Vorteil seines Landes kennt und dafür ruhig auch alle moralischen Werte in Anspruch nimmt, die et garnicht daran denkt, nach allgemeinen Gesichts, punkten auf ihre Richtigkeit nachzuprüfen. Mik welcher Kühnheit behauptete Lloyd George vot wenigen Tagen noch, das Eingreifen Englands iss den Weltkrieg habe nichts mit Wirtschaft und Po­litik zu tun, sei man höre! religiösen Motiven entsprungen, eine Art KreuUug gewesen. Und et verlangt, datz mans ihm glauben soll. Dak Verhalten Frankreichs ist chenie rote seit den Taten Friedrichs des Schönen und Ludwigs IV. und Naz poleons auf nichts anderes gerichtet als auf Zer­störung Mitteleuropas. Dazu braucht es den Rhein als Basis, die Randstaaten Polen, Tichecho-Slo- wakei ufro. als Rückendeckung, dazu braucht er seinen Militarismus. Die Mittel dieser Politit wechseln. Das Ziel hat Frankreich nie aus denk Auge verloren. Datz man es mit pazifistischen Mit« fein lieber erreichen würde, braucht man nicht zu bezweifen. Das Ziel aber ist und bleibt unsere Vernichtung. Was England betrifft, so interessiert eg sich für uns nur insoweit, als eine Machtsteige rung Frankreichs über einen gewissen Punkt hin, aus anhalten mutz. Ob der Punkt erreicht ist, hängt nicht, wie törichte Deutsche glauben, von uns ab, sondern von rein englischen Interessen. Das Spiel in Genua, im Haag und wer weitz, welche Kon­ferenzen noch kommen, ist nichts anderes als tte; geschickte Diplomatie Englands, Frankreich im öi««, blick auf den vorzubereitenden Kampf gegenüber; der Welt als Unruhestifter ins Unrecht zu setzen. Wir sind ganz nebensächliche Faktoren auf dieser Bühne, so wichtig sich die Herren in Genua auch vorgekommen sein mögen, und umso unwichtiger je winselnder wir erklären, datz wir ja eigentlich garnich^s wollen. Schon wird unsere einzige wirk­liche Willensäutzerung, der Vertrag von Rapallo, von den neunmal Klugen in Berlin vor dem Stirn­runzeln Frankreichs als etwas höchst Bedenkliches betrachtet. In der Tat, Politik ist eine schwere Sache.....

Da hat sich die sozialistischeLeipz. Dolksstimme" melden lassen, datz das Proletariat der Entente­staaten den deutschen Sozialismus als eine Art« Avantgarde betrachte, von der es hoffe, datz es sich die sogen.Errungenschaften" nicht von der drohen, denReattion" wieder nehmen lasse. Lehrreich, sehr lehrreich! Uns geht's schlecht. Worunter seufzen wir, auch der Arbeiter? Etwa unter der Reaktion", die doch wahrhaftignichts zu Jagen* hat, oder dem Ententekapitalismus? Warum suchen denn die französischen Genossen z. B. diesen nicht niederzuringen? Wir Deutsche haben nichts dagegen» Datz die Herrschaften den Ritz in unserem