Einzelbild herunterladen
 

w3 N^etzentwurM Aber btt Setreßxttmtoge als erster Punk ein von den Abg. Müller Franken, Becker-Hessen, Hergt, Crispian und Erkelenz, Leicht und Genossen ein gebrach ter Entwurf über die Sicherung beweglicher Sachen in Oberschlesien. Nach dem Entwurf ist das Reich bemüht, diejenigen beweglichen Sache«, die aus Anlaß der Abstimmung oder der Besetzung Schlesiens ganz oder 3. T. aus öffentlichen Mitteln für Zwecke der im Abstimmungsgebiet untergebrachten «terolli- irrten Kommissionen unb Truppenteile und für Zwecke des Reichs der Länder, der schlesischen Gemeinden oder sonstigen SAbstverwaltungskörpern oder Orga­nisationen geschaffen worden sind einstweilen in Be­sitz zu nehmen und eine Sicherstellung durch die Polizeibehörden bis zur Klarlegung der Eigentums­verhältnisse zu veranlassen. Das Verfügungsgebot endet mit dem Eigentums erwerb durch das Reich, mit der Freigabe oder mit der rechtskräftigen Feststellung des Eigentumsanspruches. DaS Reich kann zur An- meldung von Eigentumsansprüchen an den von ihm in Besitz genommenen Sachen mit einer Anmeldefrist Von einem Monat auffordern. Wird ein Eigentums- anspruch verspätet angemeldet, so fleht dem bis­herigen Eigentümer gegen das Reich lchiglich ein Anspruch auf Entschädigung in Gold zu. Ueber die höhe dieser Entschädigung entscheidet im Streitfälle die FeststellungSbehörde in Oppeln. Der Reichsschatz­minister ist ermächtigt, Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetz zu erlassen. Das Gesetz tritt mit dem Tag« seiner Verkündigung in Kraft und tritt mit dem 31. März 1903 außer Kraft.

Aus dem besetzten Gebiet.

Köln, 19. Ium. Die Verhandlung deS Pr^efftZ gegen SmeetS wegen Beleidigung der Kölner Polizei, die am Freitag vertagt werden mußte, wurde heute rert= gesetzt Das Gericht fuhr mit der BttoeiSaufnahme fort, nach deren Schluß der Vertreter der Anklage fünf Monate Gefängnis beantragte. DaS Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis, die mit den früheren Strafen zu 8Mo»aten und 2 Wochen Gefängnis zustrnmengeschoben wurden. Das Urteil betonte, daß auch nicht die Spur von einem Wahrheitsbeweis geliefert sei.

lleitzMckwt ter teifliten ÄWne gegen Sröner.

Berlin, 19. Juni. Veranlaßt durch die vielfach in allen Wirtschaftskveisen lautwerdenden Klagen über die S^rkehrSpolitik der Reichsbahnen hat Minister Groener vor einiger Zeit in einem Rundschreiben an den Reickisverband der deutschen Industrie, den In­dustrie und Handelstag und sämtliche Handelskammern seine Tarif- und Vcrkchrspolitik zu rechtfertige» ge­sucht. In eingehender Darlegung tritt setzt der ReichSverband der deutsche« Industrie den in diesem Rundschreiben ausgestellten Behaup­tungen deS ReichSverkehrSmintsterS im einzelnen entgegen. Wenn insbesondere Minister Groener auf die reibungslose Abwicklung des Verkehrs in de« letzte» Woche» Hinweise, so müsse mau erst die Verkehrsgestaltung im kommenden Herbst abwarten, wenn man glauben solle, daß die vetriebsschwierig- toten jetzt überwunden seien. Die deutsche Industrie scheine einer kritischen Lage entgegenzutreiben. Solle die Krisis überwunden werden, so dürfe sich der Forde- rang der Stunde: Verringerung bet Selbstkosten und Erzielung der größtmögliche» Wirtschaftlichtot auch die Reichsverkehrsverwaltung nicht verschließe«.

Politische Tagesnachrichten.

Berlin, 17. Juni. Die Desetzesvorbereitung rn über die sogenannte Provinzialautonomi« führten die Etaatsministerien nunmehr zur Fest­stellung der Gesetzesvorlage. Der Entwurf fleht für alle preußischen Provinzen und damit auch für Oberschlefie« eine weitgehende Berücksichtigung der Selbständigkeitswünsche bet Provinz vor, insbeson­dere auf dem Gebiete der kulturÄlen Sonderart. Der Entwurf wird in kürzester Frist zur Veröffent­lichung gelangen.

310 m, 17. Juni. In Anbetracht dessen, daß der als neues Botschaftsgebäude ausersehene Palazzo Vidoni dauernd nicht beziehbar fein wird, erwarb die deutsche Regierung vorbehaltlich des Rückkauftechtes des italienisehe« Staates die in kurzem beziehbare Billa Wolkonsky bei der Porta San Giovanni. Die finanzielle Regelung erfolgt im Zusammenhang mit der Entschädigung

Das Wasser kommt!

* Vornan von A rthnr Winckler-Tannenberg.

24. Fortsetzung.

&

Mich läßt Du malen?"

< '5t fragte <S und sah dabei so glücklich aus.

»Ich so wie das MSel jcht ist, wollen wichs haben, nicht wahr, Mutters

Frau Therese neckte.

Schön wärt-, Johann. Wird «S denn auch mache», tarnt er was?" '

Der Alte lachte.

JD6 er was kann, müßtest mal mit hinaufkomm en. Was da an Bildern ist. Und schöne Bildes es ist, «cks ob sie lebten. O> ja, er kann was. tzätch selbst nicht geglaubt, daß der GunterSbacher Bauernsohn das könnte. Und wien Fürst wohnt et Ist doch n kurioses Volk, das der Künstlet niemand weiß, wovon es lebt und dann machts noch große Pracht her. Aber können kau» der Werner was, Augen wirst Du machen. Mutte«"

Und wo, Vaters begann Toni wieder »muß ich mit Mutter dort hinaufkommmy oder**

Hardt kraute sich im grauen Haare

Sollt meinen, wir hatten hier im Hanse Watz genug. Das mit dem Hinaufklettern gefällt mir nicht, wird auch Muttern zu viel werden. Hm, dann und wann könnt Ihr ja mitkommen, aber zehnmal. Es ist viel. Zehnmal sollst Du sitzen, hat er gesagt. Daß ich nicht dran dachtt ihn zu fragen. Freilich, er muß wohl bid mitschlcppen, wenn er Hierher lammt, aber fragen härt' ich chu müssen." ;

für das PShere Bokfchaftsgedäude, de» gfafrjf Caffarelli, durch den italienischen Staat.

Aenderuug der WahllretSeintettm»

Berlin, 17. Sm* Wie die Teluuio» aus Part» mentartscbeu Kreisen erfährt, »« der SieichStnnemutni- ster Dr. Köster die Vertreter der Parteien zu einer ve- spreebung am nächste» Dienstag ein geladen, die sich mit der ev. «enderung der jetzigen großen Watzlkreis- eintetlung befasse« wird.

LiulSradiLüe Demonstration gegen die deutschen Kampfsptele.

Die U. G.P. und die Kommunistisch« Partei veran­stalteten am SamStag im Lustgarten zu Berlin eine Kundgebung der Arbeiter-Sportler gegen die am Sonntag beginnenden Deutschen Kamp- fesspiele. von 7 Bersammlungsplätze» in den Außenbezirke» zogen die Arbetterfpottler in größeren und kleineren Trupps, zum Teil auch mit Musik, zum Lustgartem I» allen Zügen wurden rote Fahnen mit­geführt sowie Tafeln mit Snschttsten wie: .Dte Kampf- kpiele sind die Generalprobe der Gegenrevolution, .Die Arbetterfpottler gehören in die Kampffront des Proletariats" usw. Die Mehrheitssozialdmokraten hatten eine Beteiligung an der Kundgebung ab gelehnt.

Spaltung de» deutsche» Beamtenvundcs.

In Gegenwart von 62 Delegierten, die 13 Be- amtenverbSnde vertraten, fand am 16. 6. in Leipzig die Grürwung de» Allgemeinen deutschen BeamtenbundeS statt. Da es fich im wesent­lichen um Verbände des Deutschen BeamtenbundeS bandelt, die in ausgesprochenem Gegensatz zu der Be- amtenpolltik dieser Spitzenorganisation stehen, so ist damit auch gleichzeitig die Spaltung de» bisherigen Deutschen Bearmenbundes vollzogen.

Internationaler Bergarveltettongretz.

Der internationale christliche Bergarbeitettongreß tu Snnsbruck prüfte am 16. und 17. Juni die Berichte auS den einzelnen Ländern. Allgemein wurde »um Ausdruck gebracht, daß die Sohlenindusttte schweren Zeilen entgegengehe. In einem Referat des Saar­ländischen Delegierte« wird ausgesprochen, daß die Reparatiouskoblenlast unbedingt fallen gekästen wer­den müßte. Am Schluß der Beratungen über diesen Punkt wurde die Entschließung gefaßt, den Vorstand des christlichen Bergarbeiterverbandes mit der Prü­fung der Frage zu betrauen, wie die Kohlenproduktwn Europas auf eine günstigere Grundlage gestellt werden könnte.

Jttckienisch-jnsvflawischer Zwischenfall.

Rom, 17. Juni. Sn Durazzo wurde der Dol­metscher deS italienischen Konsulats von albanischen Gendarmen verhaftet. Man führt die unfreundliche Haltung der Behörden Nordalbaniens auf außenpoli- stsche Einflüsse zurück. Die italienische Regierung hat Protestiert mW Genugtuung velangt.

--*--

Unpolitische Tagesnachrichien.

Danzig, 17. Juni. Auf der Cchichauwerst ist heute der für Rechnung des Norddeutschen Lloyd erbaute Personen- und FrachtdampferColum­bus" von Stapel gelaufen. Der Feier wohnte« außer den Leitern des Norddeutschen Lloyd die Ver­treter des Danziger Senats unter Führung des Präsidenten Sahm und der deutschen Hochschule bei. Der Präsident des Norddeutschen Lloyd Hei­neken wurde gestern von der technichen Hochschule zum Ehretldoktor ernannt. Beim Ablauf erreichte wegen des verhältnismäßig schmalen Wassers ' <*» stark gebremste Schiff sein Element zunächst nur mit etwa einem Drittel seiner Länge. Mit hydrau­lischem Druck und Echlepperhilfe wird am Zuwasser­bringen gearbeitet.

Herrnhut (Sachsen), 17. Juni. Der hiesige Ort und die Herrnhuter Brüdergemeinde begehen heute ihr rvvfLhrige» Bestehen. An; diesem Anlaß find h«lte und morgen ahlreiche fest liche Veranstaltungen geplant.

Deutsche Fußballmeisterschaft.

Anläßlich der Eröffnung der Deutschen Kampfsptele fand am Sonntag im Stadion im Grünewald das Entscheidungsspiel em dir deutsche Fußballmeister­schaft zwischen dem seitherigen Inhaber dieses Titels dem 1. F.E. Nürnberg und dem Hamburger Spott- Verein statt. Nach einer Gesamtspieldauer von 8 Stun­den und 10 Minuten war die Entscheidung «och immer nicht gefallen, sodaß fchließlich der Schiedsrichter den außerordentlich hartnäckig gefühtte» Kampf wegen Uebermüduug der Spieler und Einbruch der Dunkel­heit abbrechen mußte. DaS Spiel muß nunmehr noch einmal ausgetragen, dezw. fortgesetzt werden.

Mn neues Attentat kn Hamburg.

Hamburg, 19. Juni. Gestern abend gegm %12 Uhr wurde an dem Fenster der Wohnung des kommunistischen Lürgertagsabgeordneten Jfcwll- mann ein« Handgranate zur Entzündung gebracht, die einen gewaltigen Lärm verursachte und das Fenster zertrümmerte. Anscheinend war die Hand­granate mit Zeitzünder versehen.

Wie der Alte noch so mißmutig vor sich' hinredete, stieß Toni einen Jubel ru- an»:Vate^ da ist er schon, sieh nur, sieh." Damit stand sie am Fenster. Die andere» traten mit in die Nische. Draußen über den Mesenhang, im Hellen Glanze der vormittags- sonne schritten zwei Männer, Werner Leuthold, ein braunes Hvlzkästchen am Lederyento U der Linken, einen langen Stock in der Rechten, kam daher und hinter ihm Phllipp Lemke, mit beladener Gebirgshucke.

Die Dreie im Hardthause lachten und winkten. Jetzt sah der Maler fitv nahm ben Stock mit in die linke Hand und schwenkte mit der rechten den Hut.

'Kurzer Prozeß." sagte der Schultheiß,Das hckb' ich gern. Mau weiß gleich, tmrmn man ist. Hat sich ben ganze« Krempel, den er braucht, auf- gepackt unb ist losgezogeu."

,Hier bi» ich" sagte Werner, ,chott ist Fräutou Toni, wo soll die Sache vor fich geh«? Guten Morgen."

Er reichte die $anb allen dreien. Da» vor aller so fröhlicher, selbstverständlich daß niemand ga kriti­schem Besinnen kam. Nur Toni, sch« an sich hearutee- küickend, sagte:Aber so wie ich bin?"

Hacht sah die Tochter an. Wie sie glühte in Freude und Lush in beiden schöner, als durch Putz und Schmuck.

So wie Du bist, denk ich Was sagt der Maler?"

Der Maler stand in Schau« versunken. So in der Schönheit der Glücks, in der frischen Bewegtheit ihres Wesens wollte er sie sesthalteq ffl» sein Bild.

So, wie sie ist," bestätigte er.

Der Mutter drmaendem Wunsche wurde das Zn- gestäuduir gemacht, daß sie äse Schürz, gutf im tirfirnnl bssäfc aäU acht mrf»

i__£ £j_

« > - -

lilbtfli

Die Schlacht bei Höchst a. M. nahe vor den Toren Frankfurts am 80. Ium 1622, also vor gerade 300 Jahren, gehört zu ben EutscheidungSkämpfeU *8 30- jährigeu Krieges. Da sie auch auf die Schicksale der Jandgrafschast Hessen-Kassel, im besonderen auf Marburg und Umgebung, einen wichtigen Einfluß anSgeübt hat, geziemt es sich wohl, des Ereignisses an dieser Stelle zu gedenke u.

Am 6. Mai 1622 schlug der kaiserliche Feldherr Tilly Sei W i m p f e n am Neckar an der Spitze der auS Oester- reichern, Bauern, Spaniern bestehenden Truppen der katholischen Liga den Markgrafen Georg Fried­rich von Badrn-Durlach, einen eifrigen Partei- gänger des Pfalzgrafen Friedrich V., den die Böh­men zum König gewählt hatten. Tilly hatte diesen Für­sten aus dem Weißen Berge vor Prag geschlagen und biS in sein rheinisches Stammland verfolgt. Rach der Niederlage des badischen Markgrafen bei Wimpfen stan­den für den Pfalzgrafen, das Haupt der protestantischen Union, der Graf Ernst von Mansfeld und der Herzog Christian von Braunschweig im Fest». Mansfeld beschäftigte sich einstweilen damit, anS der Gegend von Darmstadt in das Elsaß einzubrecheu und nach der Kriegssitte damaliger Zeit die kaiserlichen Be­sitzungen durch Raub und Feuer zu verwüsten, Christian, ein junger Mann von 22 Jahren, protestantischer Bischof von Halberstadt, eine abenteuerliche Natur im Sinne der Landsknechtatt des 30jähttgen Krieges, eine Mischung zwischen dem alten Rittertum und ben politischen wie kirchlichen Strömungen seiner Seit, hatte in Westfrl-n ein Soldheer geworben, das fich durch Krieg ernähren sollte Im April 1622 plünderte er die reichen Bistümer Münster unb Paderborn. Es ist bekannt, daß er zu Paderborn die silbernen Standbilder deS heiligen Libo­rius und der Apostel einschmelzen und zu Talern mit der Aufschrift umprägen ließ:Gehet hin in alle Wellt Gottes Freund, der Pfaffen Feind."

Jetzt konnte eS für Ehristian nur noch eine Lösung geben, nämlich so schnell als möglich in die Pfalz zu ziehen und sich mit den Truppen deS Pfalzgrafen inb Mansfelds zum Schlage gegen Tilly zu vereinigen. Statt dessen wollte Christian zuerst das kurmainzische Gebiet auf dem Eich «selb heimsnchen und dann durch Hessen- Kassel an den Main ziehen. Hierdurch verlor er viel Zeit, umsomehr als der Landgraf Moritz von Hessen- Kassel, der zwar ein Anhänger der Union war, ihm aber doch den Durchzug versagte, weil et für die Sicher­heit feiner Untertanen von ben Plünderungen trab Mord­taten der Scharen Christians fürchtete. Moritz bot die Volkswehr zur Verstärkung seiner stehenden Truppen auf und zwang daher ben Halberstadter, das kasselsche Ge­biet im Osten zu umgehen. Christian plünderte im Etchsseid. drang über Ascha in die Abtei Fulda ein, die er brandschatzen ließ. Durch die »berhessifchen Lande de» Landgrafen von Hessen-Drmftabt, der fich, obwohl Protestant, zur Sache des Kaisers bekannte, erreichte er über AlsfeldSchotte» die Gegend von Sttbda, wo er am 12 Juni eintraf.

Tilly befand fich zwischen zwei Feuern: Mansselo zwischen Darmstadt nnb dem unteren Neckar, Christian in der Wetterau. Wohl wissend, daß fich die Heerführer der flnion nur schwer m gemeinsamem Handeln ent­schließen unb sich einander uuterordnen würden, beschloß der kriegserfahrene Tilly, sofort auf Christian loSzugehen und ihn zur Schlacht $u stellen, bevor er den Main überschreiten koirate. Daher entsandte Tilly 6000 Mann spanischer Trappen den Neckar abwärts auf Heidelberg mit der Absicht, Mansfeld am Neckar festzuhalten, während er selbst mit dem Hauptteil des HeereS über Miltenberg Aschaffenburg nach Hanau rückte. Noch hätte Christian Zeit gehabt, durch Eilmärsche die Gegend von Frankfutt tu erreichen und dort vor dem Herankommen Tillys den Main m überschreiten. Allein er opferte wiederum Zeit damit, daß er die hanauischeu, darmstädtischen, nas- sauischen, frankfuttischen, kurmainzischen Ortschaften ohne Rücksicht auf die Partei anSplündette und über Homs bürgOberurselKrorcherg auf Höchst ausbog, wo er den Main zu überschreiten gedachte. Allein der Brücken­schlag über den Fluß kostete viel Zett, da die Stabt Frankfurt sich neutral erklätte und erst nach langer Verhandlung gegen schweres Geld da« notdürftigste BrückengerSt verkaufte. Die Brücke wurde in der Frühe deS 20. Juni fertig.

Inzwischen aber war Tilly m Eilmärschen heran- gekommen, die Stadt Frankfurt im Norden umgehend, hatte das feste Schloß RKelhcim an der Nidda am Frühmorgen des 20. gestürmt und ging auf Christian los. der nun nicht mehr über den Main ausweichen konnte, da die schlechte Brücke durch die Abfahtt der Wagen 'roch gespertt war. So kam e» am Vormittag zur Schlacht. Christian hatte das befestigte Städtchen Höchst als Schutz der Brücke hinter fich und stellte feine Trappen, etwa 15 000 Mann mit nur 3 Geschützen, nordöstlich Höchst in Schlachtordnung auf, rechts auf die Nidda, Imt3 auf den Sossenheimer Bach gestützt. Tilly hatte 22000 Mann mit 15 Geschützen. Durch das Attilleriefener der Ligi­sten hart mitgenommen, machten die Braunschweiger einen Vorstoß, um a»S dem viel zu engen, durch Gräben und

Gebüsche eingeschränkten Gelände herausuzkommen. Alles die Ueberzahl und hxsiere Durchbildung des Tillyschc« Herres erhielten die Oberhand. Die Schaven Christian» hxnrbqn volkständlg geschlagen und eilten in wirrer Flucht der Brücke zu. Viele wurden in ben Kluß gedrängt unb ertranken. Der vorsichtige Tilly wollte sich erst der Festung Höchst bemächtigen, versäumte daher die Möglichkeit, ben Furch einzuholen unb restlos zu tier- nichteu. Die Befttzung des Schlosse« wurde bis auf ben letzten Mann nieder gehauen, angeblich gegen den Willen Tillys, der ihr freien Abzug zugsfichert hatte. Anderes besagt da- Gedicht Henningers über die Schlacht bei Höchst, wo es heißt, daß Tllly sein Versprechen wieder zurückgenommen habe:

Da zieht der grimme Feldherr ein finsteres Gesicht: !

Mit Kriegern schloß Vertrag ich, mit Priestermördern nicht!

Ergreifet denn, Soldaten, die gottvergessene Brach Ergreift sie, macht sie nieder, denn Blut nur sühnet

«luch K

Sir alte mußten fallen bis aus den letzten Monn, Daß rauchend durch dir Straße der Strom bei L

Blutes rann "

Mit einem Verlust von 5000 Mann enttarn Christian, et selbst auf einer Furt, über den Main und zog durch die Waldungen am Sübnfer auf Bensheim ab, wo er sich mti. ManSfeld vereinigte. Zu spät machten sich die bei­den Führer Vorwürfe, fich nicht schnell genug gegenseitig unterstützt |u haben. Sie zogen ins Elsaß und wichen später über die Mosel in die Niederlande an8. Tilly eroberte Heidelberg und Mannheim unb bezog Winter« raheunterkuuft in der Wetterau.

Die Schlacht bei Höchst, in der die Ligisten angeblich nur 1500 Mann verloren haben wollen, entschied über Schicksal der Union. Sie löste sich auf, der Pfalzgraf verlor sein Land, die Liga war Herrin in ganz Sübt- deutschland. Für die Landgraffchast Hessen-Kassel erfolgte daS bittere Nachspiel im Jahre 1623. Landgraf Moritz wurde jetzt von der Liga angegriffen, fein ganzes Land von TillyS Heer unter harter Plünderung besetzt, er selbst zum Rücktritt von der Union gezwungen. Auch wurde ihm fein Anteil an bei oberhessischen Erbschaft, die ihm 1604 durch ben Tod seines Oheims Ludwig in gefallen war, abgenommen. So fiel damals Mar­burg und Gegend an Darmstadt, worauf die Uni­versität vorübergehend nach Gießen verlegt wurde. Erst nach langen Kümpfen und Zwistigkeiten kam Marburg durch Vergleich 1648 an Hessen-Kassel zurück. F. I.

-------- ~ f

Die deutschen Schützenvereine.

Vom Schützenveretn wird uns geschrieben: Ti. deutsche» Schützenfeste haben in ihrer Eigenart von jeher eine besondere Anziehungskraft aus geübt. Die Schützen aus allen Volkskreisen in den Vereinen sich zusammenfindend konnten und können in ihren Idealen und Uebungsmeisterschaftm auf allgemeine- Interesse in Vergangenheit und Gegenwart rechne--.

Die Schützenfeste gehörten zu den volkstümlichsten Festen und auch unsere Marburger Schützenfeste froren Volksfeste tm wahren Sinne.

Der 1862 hier neu gegründete Schützenveretn hatte als ältesten Vorläufer tm 15. Jahrhundert den Verein von Marburger Armbrustschützen, der Freischietzen ver- anstalttte und diese in der damaligen festfrohen Zeit mit größeren Festlichkeiten verband. Nach Ettindung des Schtetzpulvers, traten an die Stelle der Armbrust« schützen die Michscnschützen.

Es wird uns von herrlichen Schützenfesten auf de« Kämpfiasen in Marburg gegen Ende des 17. Jahr­hunderts berichtet, an denen der Landgraf mit feinem Hof, die gesamte Bürgerschaft und die Studenten teil« nahmen. Wertvolle Preise und stnnige Erinnerungs­zeichen waren von vielen Familien gestiftet, die bei dem Freischietzen den besten Schützen ungeteilt wurden. Spätere Landgrafen verboten die Schützenvereine und untersagten die Freischietzen. Das Jabr 1848 brachte wieder gröbere Freiheit; überall bildeten stch vo« neuem Turn- und Schützenvereine. Die Scheibenstände des Marburger Schützenvereins wurden damals auf dem HansenhanS unter der jetzigen Försterwobnung Bergeriefttet Ms jedoch 1850 die Truppen deS deut­schen Bundes einmarfräterten, mutzten alle Vereine, die Mafien führten, diese ans dem Rachause abliesern, die Marburger Schützen und Turnvereine wurden wieder aufgelöst. Erst als 1860 Herzog Ernst von Koburg-Gotha für die deutschen Tum- und Schützen- Vereine eintrat, wurden wieder überall Schützenver­eine gegründet, so auch in Marburg tm Jahre 1862 der seitdem ununterbrochen bestehende Marburger Schützenverein. Er ist mit feinen Vorläufern mit der Geschichte der Stadt und den Familien der Stadt ver­wachsen, wie kein anderer Verein. In den Mitglieder­listen a«S den früheren Jahrhunderten finden will zahlreiche der jetzigen Familiennamen unserer Stadt wieder.

DaS letzte Schützenfest zu Marburg wurde im Jahre 1912 abgebalten, zugleich als övjähriges Stiftungsfest des Vereins.

Infolge des sjährigen KttegS findet erst nach einem 10jährigen Zwischenraum am 2.. 3. und 4. Juli in die­sem Jahre auf dem Schützenplatz am Hanvtbahnhof Schützenfest statt. ES ist das Ganverbandsschietzen deS Sauverbands der Schützenvereine von Heffen-Naffau/ das gleichzeitta als 60fShriaes Stiftungsfest unseres Vereins gefeiert und nach alter Ueberllefentng mit einem Volksfest verbunden wird. Ueber 30 Schützen-

Werner lächelte, als ob er von der Schürze viel Notiz nehmen würde, w» ihn das Leben blühend auwehte auS rosigen Wangen unb leuchtende» Augen. Er wandte sich an Philipp und gebot ihm, seine Last niederzusetzen, lohnte ihn ab und hieß ihn heimkehren. Eine wenig benutzte geräumige Stnbe, in der mächtige Schränke standen, wurde zum Atelier bestimmt unb Werner richtete sich ein.

Eine halbe Stunde ersten er toieber im Wohn­zimmer unb erklätte, die erste Sitzung könne beginnen.

Eine Art beklommene Erwartung lag über ben drei Hardts. Es war doch etwas Gewaltiges, vor dem nie geahnte« Ereignis zu stehen, daß ein Mit- glieb bet Familie von einem Maler porträtiert werde. OrdenÜich feierlich setzte man sich in Bewegung. Ter SBattt, kraft seines größten Mutes, schritt voran, hinter ihm, leise, als scheue sie fich. fest aufzutreten, kam Dom mch zuletzt fast ängstlich die Mutter.

3«, Vater," flüsterte sie,bürjen wir denn dabei fein. Stören kni nicht?" > ,

H'ardt lachte.

$* Mutter, daS wird fich schon finde«. Wer waS kann, läßt sich nicht stören. Was, Sterner?"

Der Gefragte überhörte mit Absicht. Er setzte Toni i» die gewünschte Beleuchtung, ließ sie eine Hanb^ beten Haltung gezwungen schien, anders legen, gab ihren Ange» ein Sto, bat sie, aber nicht fest daraus zu blicke« und antwortete nur zwischendurch nebenbei der Vater.

von Störung ist tone Rebe, aber langweilig wird» Une» bald werb«. Den» zu seh« ist noch lange «richte, bitte Fräulein Touch den Kopf vor, nicht so gerdbe, nicht fe steif, leicht geneigt, als sb fte in Sebaeta säher^ in fröhlichen (Montes"

11BBEMWWI

Vater und Mutter sahen sich etwas enttäuscht an: Noch lange nicht? Sie hatte gedacht, es ginge gleich, bunt los unb man sah noch keine Farbe, nur Kohlenstifte und graue Blechtuben auf einem Tische neben der Staffelei verstreut, eine braune Holzplatte auf der ein paar Pinsel tagen und einige Flaschen mit weißgelber Flüssigkeit._

Resigniert setzten sich die Alten auf zwei Stühle an der Tür unb warteten. Niemand sprach.

Toni lächelte erwartungsvoll. Sie kam sich sehr wichtig vor und der Ellern Spannung machte ihr Spatz.

ist's recht," sagte Werner, unb der Kohten- stift mochte die ersten leichten Striche auf der grauen Leinwand. Die Alten reckte« unwillkürlich die Hälse. Dabei vermeinte» vor Andacht sie fast, in der Kirche, zu sitzen.

Und nun stiegen ganz allmählich in immer fester werdenden Umrissen Sttrn und Wange, Kinn und Hals ans dem gleichförmigen Grande, der Mund ia fröhlicher Schweifung wurde sichtbar und eine Haar­welle überm linken Ohve.

Jesus!" sagte die Mutter leise tote ein Hauch, legte sich aber erschrocken gleich die Hand auf bif Lippen. Hardt nickte ihr ernsthaft zu unb das sollte ausdrücken: ,^ch habe Dir's. ja gesagt, er kann was-- '

» (Fortsetzung felgt.)

Z %