Einzelbild herunterladen
 

i

GW

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (das früher knrheMchej Oberhessen

V-

Mr. 136

DieOdettzelsijch« Zeit»«'" eridietet Itcbsmal wöAetitllÄ. Lezugsvrrir monatli* 99. Mk. güt ausfaUeelw Kammer» infolge Streik» o6e*,«lementam EreigaM» ket» Ersatz. «erlag nee Dr. L. -ieerotd. Dtock der llnto-«»ä>dr»ckerei mm 3o6. Lag. Äo* Markt 2128. Nernipreeber 55, Posts»eckkonto: Nr. 5015 Lr»t Fra»kiurt a. Mat».

Marburg Mag. Mi 13.3ml Brachmead.

Der Laretgenorei, »«trägt tüt di« Sgeip. Zeile oder der«» Raum 1 Mk. für de« Mtllt- meter, «mtUige und auswärtige 1.30 Mk. Lader« Soalteabrett«, »ach e«tipre<e«it6r? Berechaaaa. Spät «talautead« oder vea Raum über */, Sette rtaardmeade An« «iaen ftttfi wir berechtigt, »ach der Tertwaltenbreite zu setze» »ad »» berechne». Soge». Netlawr» berechnen wir die Lol..Zetl« mit 9.00 Mr. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei »uetoiift darch die Eeschästssteile »ad Bermittlaag der Lage­bor, 1 Mk. Sondergebübr.

57. Md, 1922

Morgan zur Anleihrfraß«.

Paris, 11. Juni. Morgan hat gestern Abend >vr seiner Abreise der Presse eine Erklärung abge- Dchen, iir der er sagte:

AlS er die Einladung der ReparationSkommission |nni Eintritt in den AuleiheauSschuß erhalten habe, habe er zunächst gezögert. Da er aber empfunden habe, tag die Angelegenheit für Eurvpa, tmb wegen ihrer Handelsbeziehungen mit Europa, auch für die Bei' einigten Staaten von so ungeheurer Wichtig, ke i t fei, daß er die Einigung nicht habe ablehnen Annen, so sei er in rein privater Eigenschaft mit her Hoffnung nach Paris gekommen, etwas Posi. kiveS zu erreichen. In der ersten Sitzung deS An- lerheauSschufseS hab« er auSeinandergesetzt, daß in den Lwinigten Staaten lei» Interesse für eine deutsche Anleihe an sich vorliege, jedoch-erkenne man in den Vereinigten Staaten mehr und mehr, daß die eigene Wüte Amerikas in gewissem Grade von derjenigen her alliierten Länder abhänge, die ihrerseits wiederum in hohem Grade von der Wiederherstetl'tng des deutschen faebittf abhängig seien. Morgan kübele dann wött- fid) die auch im gestrigen Schlnßbericht des An- keiheauSschusseS ausgestellten beiden Bringungen für hie Beteiligung Amerikas an einer deutschen An- leihe cmf:

Morgan kam damit auf den bekannten Schrift- wechsel zwischen dem AuleiheauSschuß und der Re- Parationskommission zu sprechen. In der Zwischen« peil erfolgten in Paris offizielle Erklärungen in dem Sinne, daß der Anleiheausschuß versuche, den Be- trag der deutschen Reparativ»Sverpslichi ungen herab An setz en und daß die französische Regierung dies nicht dulden könne. Aber die Kapitalsbe« träge der Anleihe seien daher auch nicht er- , feiert worden. Zur Debatte habe nur die etwaige Begehtng der Jab reszahl ungsn gestanden. !ßm tveitkren Verlause war Morgan dann zu dem fw> hanerlichenSchluffe genötigt, daß die deutsche Anleihe nntcr den obwaltenden Umständen dem amerikani- scheu Kapitalmärkte nicht angeboten und oh diesen nicht ausgenommen I»erden könnte. Morgan «Kröte schließlich, er sei jetzt bereit und werde eS »ich weiterhin sein, alles in seiner Macht St.bende zu tun, um zur Lösung der Fragen beizutragen, denen das Wirtschaftsleben Europas gegenüberstehe, aber er «ebme au, daß diese Lösung, insofern sie nicht von einer ' ' tt-onalen deutschen Anleihe unter amen« Sim'.. .nligung abhängig sei, nicht ohneeine »ltR.emeine Regelung der ReparationS« frage und nur als der Bestandteil einer solchen Rege­lung möglich sei. Zweifellos schließe die Regelung hics. r Frage die Erledigung zahlreicher anderer Fragen im s ch- ,dic zwischen den Regierungen geklärt werden «üßieu, damit als erste Vorbedingung die erforderliche Lniiiüligkeit zustande komme.

Pressesttmmen.

Die franzSstsche Presse zur Entscheidung der Bankier».

Varis, 12. Juni. ES ist begreiflich, datz die ftanzösische Prefle iw, jeder Weise auS dem Bericht des -Smeihekomitees, indem für das Scheitern der Snleiheverbandlungen Frankreich offen alS er schuldige Teil bezeichnet ist, alle anderen möglichen Gründe für das Mißlingen der Anleihe her- anSzuronstruteren versucht. In den Hintergrund ge­rückt wird möglichst der Gedanke der Möglichkeit, dgß in Folge des französischen Widerstandes die nötige Einstige Atmosphäre, der ein Anschneiden des Repara- SonSproblems vorangcben müffe fetzt noch fehle. Wenn mt chetnige BlStter nach der gewohnten Art und Weife von einem moralischen Sieg zu sprechen versuchen, er­klärt z. B. daS .Journal- im gleichen Atemzug, datz der gestrige Tag für Herrn Bergmann ein materieller Lieg bedeute. Bemerkenswert ist der Kommentar es »Echo de Paris-, daS erklärt, daS Dokument be­handle nicht nur Deutschlands und Frankreichs Lage, sondern es erschwere darüber hinaus Frankreichs Stel- Mng in London und in Washingwn, währenddem es den deutschen Widerstand gegen den Vertrag von Ver­sailles schüre. .Der Bericht der Bankterkouseren.; tft trotz dem Vorwand, ein finanzieller Rapport zu sein, «in Manifest mit rein politischem Charakter. Es stellt das Begehren auf, Deutschland werde freiwillig zah­len, wenn vorher seine Lasten herabgesetzt werden. Das Gutachten gelange also zu rein politischem Resul- tot. Man setzt Frankreichs Aktionsplan die grössten Hiudernksse entgegen. Deshalb weisen wir eS zurück. -

Die ,81 bett6- erklärt, an diesem mißglückten 'Versuch, in der Revarattonsgeschtchte sei nicht der Ver­sailler Vertrag, sondern einfach die Reparationskom­mission schuld, die sich von Anfang an den Anleibever Handlungen dieser Art hätte entgegensetzen sollen. Herr Dubois, der Präsident der Kommission kommt atibt sehr schlecht weg. ES wird ihm der Borivurf gemacht, entweder die Lage nicht recht erkannt zu bä­hen oder wlrlleicht aus allzugronem Entgegenkommen heegnvber bAn englischen Kollegen Bradbury sich auf diesen Weg eingelassen zu haben. Diese Attacke gegen den Präsidenten der Reparalionskommisston ist nicht -dazu angetan, dessen Stellung zu befestigen, die schon kor geraumer Leit als ziemlich schwankend bezeichnet Hoorde, ist. , >------

Ab schüttelungSversuche.

Paris» 12. Sunt. Der ,Temps- verteidigt stch dagegen, datz das Anleihekomttee die Schuld an dem geaenwärllgen Mitzersolg Frankreich ausbürdet, wäh­renddem niemand davon zu sprechen wage, datz Wa­shington, da« eine interalliierte Dchuldenabschüttelung nicht gewährte die Verantwortung trage. Der .TempS- macht dann folgenden Vorschlag: Die RevarationS- kommission mutz eine internationale UmrrfuchungS- kommtsston ernennen, die während einiger Wochen die Anleihemöglichkeiten wetterprüfeu solle und der Re- paraiionskommtssion Bericht erstatten würde über die dei-tsche Zahlungsfähigkeit und bte Kreditoverattonen. Jeder Gläubiger Staat, fowie die hauvttächlichsten neuttalen Staaten sollen in diese Kommission 2 Mit­glieder entsenden, je einen Beamten des Finanzmini­steriums und je einen Bankier. Damit würde man sowohl die für Zollangelegenheiten kompetenten Per­sönlichkeiten. sowie bte für Kredite Maßgebenden ver­einigen. Da« Komitee hätte an Ort und Stelle, näm­lich in Deutschland eine Untersuchung anzustellen.

Allgemeine Beunruhigung.

London. 12. Juni. Der Bericht de« BanNer- ansschusses erregt hier große« Aufsehen. Die Blätter weisen in Telegrammen aus Parts ans bte dort erzeugte Beunruhigung bin und geben all- gemein ihrer Besorgnis darüber Ausdruck, datz durch die Schwierigkeiten deS AnleibeproblemS die Frage deS deutschen Verzuges wieder in den Vorder­grund trete. In den Leitartikeln der Prelle wird der enge Zusammenhang zwischen der Reparatton«- fiage und der Frage der interalliterten Schulden bervorgebobrn.

In einem Leitarttkel schreibt die .Times-, der Nr- teilssprtrch der Mehrheit des BantterausschuffeS laute allgemein zu Gunsten einer Herabsetzung der deutschen Reparationsleistungen und verbntkden sei damit ein Vorschlag zur Regelung der internationalen Schulden. In dem Memorandum des BaukierausschulleS sei dem französtschen Standvnnft tu wenig Gerechtigkeit widerfahren: eS wäre tu wsin- scherr gewesen, datz kn der Deutschland gegenüber ent« genommenen Haltung viel grötzere Strenge gewaltet hätte. Die Aussichten Mr die nnmlttekbare Znkrtnst seien beunruhigend. Die Frage des Moratoriums hänge wieder in der Schwebe.

Der Pariser Berichterstatter der .Times- schreibt, wenn Derrtschland klug sei. so werde eS zeiaen, datz e» sein Möglichstes ine. um kein Kavital <ms dem Zu- 'ommenstrnr»>*8 Banft-i-M>S'chii^e? tu kistwa-"-. Die Da<-tter» f*TgweTt nicht dieTflr tot wetttre tt^b-^erun- oen zu. ES werde angeregt, datz eine internattono'e Kommission, die sich auS zwei Vertretern der Glänbi aerstaaten und 'Nerttetern der darrvtsächltchsien ne'ttro fett Staaten »rilammenfetzen würde, gebeten werden solle, Deutschland zu besuchen; diese Kommission soll" nach einer forgfälttgen llnters'.lchnng emen madgeven- den Bericht über die deutsche Zahlungsfähig» kett und darüber auksiellert, wie Deuttchland durst' eine Kredtfodere-'lon aedolken We-Den fBnne.

London, 12. Juni. Der .06 fern ei' meldet ans Pari-, Frankreich siebe tatsächlich einem Beschlutz deS übrigen Teiles der Wett reoenfibet nab dcr Versailler Pertra» abgeäudert wer­den mülle. CS bestehe die Gefabr, datz die Mehrbett im sranzöstschen Parlament, die der Unterstützung einer unwissenden öffentlichen Meinung sicher sei. Boincare zu einer Aktion zwinge, die seine eigene Vernunft ver­mieden bätte. Es sei fedoch unwahrscheinlich. datz eine solch« Aktion das Ruhrgebiet berühren werde. Sie werde jedoch möglicherweise In der Besetzung näber zu Frgnkreich gelegener Zollhäuser bestehen.

DaS Norchclisfeblatt .Weeklv DtSvats»' be richtet aus Patt«, man batte eS jetzt für unvermeidlich, datz die deutsche Regierung um eine Ausdehnung de? Moratoriums nächtlichen werde. ES sei klar, dab nur. wenn die Alliiert-n zusamntenwirften, Deutschland be wooen werden könne, seine Schnttten ,n btnben

Deeverbrook wendet sich in einem sensationell ausgemachten Artikel in seinerSunday Erpreß- ge­gen jede Anleibe an Deutschland unter der Begründung, Deutschland sei bankerott. Er be- btntWft, bte Inflation in Deutschland mülle weiter- «eben und der Krach sei unvermeidlich. Bevor der Bankerott Deutschlands liguldtert sei, werde Deuttcb- land nicht in der Lage fein, neu zu beginnen. Deutsch land Geld leiden würde bedeuten, datz man daS Geld in die Gosse werfe. Die einzige Quelle, von der die deutsche Anleibe gezeichnet iverden könne, würden die zwei Milliarden Dollar sein, die vermögende Deuttche ans Deuttchfand he-anSre'^-ucai-tt und tm Ans'onve angelegt hätten. Beaverbrook verlangt, datz sich Grotz- btttarmien von Europa zurückziebe und seine ganze Energie auf die HilfSguellen deS brittlchen Marfte« und auf die großen Märfte AmettkaS und de« Offen? verwendet. ES würde ein Verbrech«» für einen britt fck'en Staaksmann fein und ein Fehler auf Setten bc5 brittfchen Volkes, Anleihegeld nach Berlin zu fenbett, das unmtttelbar vor betti Krach stehe, von dem ganz Europa widerdallen werde.

.Daily Telegraph' vetnerkt: Der Befchluß der Bankiers werfe eine sehr ernsthafte unmittelbar praktische Frage auf: Er bedeute, datz daS Einkommen, das zwischen Deutschland und der Reparationskommis-, sion vor zwei Wochen erzielt wurde, zu Boden falle, 'denn die deutsche Regierung habe die Annahme diese? Abkommens und ihr Versprechen, ihren FinanzhauS- 6aft unter alliierter Aufsicht in Ordnung zu bringen, vno einer internationalen Anleihe für Deutschland a k>- ''ängig aemackst. Wan müsse fetzt wieder der Gefahr vom 31. Mai und den schwierigen und gefährlichen Fragen der Sicherung der deuttche» Zahlungen Mr das lanfcnbe Jahr und der im Friedensverttag vorge- fchenen Sankttonen ins Augen sehen. Man könne nur hoffen, datz die letzten Erfahrungen die alliierten Re- cternngen gewappnet hätten gegen die Möglichkit einer offenenBekämVftin-g ihrer Politik bei der Behandlung einer Frage, die Berlin zweifellos bis zum Aeutzersten auszubeuten versuchen werde.

Sir Philipp Lloyd Gream«, btt Sekretär deS britischen UeberfeehanbeisgmreS, ber M8 einer bei

beibett Lauptvertieter Großbritanniens an der Haa«er Konferenz teilnebmen wirb, schreibt dagegen in der .Snnbey Times', England brauche den amerikanischen Markt.

Det .Sunday Expreß" nennt den Bericht des AnsschuffeS eine Bemerkung Mr Frankreich und einen sensationellen Angriff auf die Halmng Frankreichs zur Frage der deutschen Reparattonen. Der Plan der deutschen Anleihe sei infolge der hals­starrigen Hgltung Frankreichs von den Bankier- end­gültig aukgegeven worden. DaS Memoran- bitnt der BankierauSfchusseS werfe den ganzen Tadel Mr den Mißerfolg auf Frankreich. Von hervorragen­der Seite erfahrt das Blatt, daß die Bankiers P o i n - car# eine Möglichkeit geben wollten, von feinem hoben Roß berabzusteigen. Außerdem will das Blatt willen, daß Morgan und Herr B e r gut a n n eine kleine Anleihe kür Deuttchland vorgefchlagen hätten. Der druttche Vertreter habe erklärt, eine Anleibe an Deutschland tot gegenwärtigen Augenblick würde zwecklos sein, da sich die Hauvtglänbtaer DeuttchlandS auch nicht in Ueb-reinsttmmung befänb n, Moraan fei der Ansicht gewesen, es sei in den Vereinigten Staaten augenblicklich kein Geld Mr Deuttchland vorhanden, da da« veriügbai« wr die Finanzierung der Ernte ve- nSttgt werde. Saut .Sunday Erpreß- ist die ernste Seite der Frage die, datz man jetzt er- warten müsse, daß die Franzosen er­klären würden. Deutschland habe seine Beipflichtungen em 81. Mai nicht er­füllt.

Paris, 1L. Juni. Me derTemps" erfährt, wird das Garantiekomftee sich Ende dieser Woche zur Einrichtung des vorgesehenen Kontrolldienstes nach Berlin begehen. Die Kontrvllmoßnahmen müßten zum Gegenstand von Einzelberatungtti zwischen der deut­schen Regierung und dem Komitee gemacht werden.

----

5if 511»« fiwltrtnj.

P a rk s, 8. Juni. Wie aus dem Haag gemeldet wird, haben bisher 12 Staaten die Einladung zur Konferenz offiziell angenommen. Der Termin für die Teilnahme an der Konferenz ist neuerdings um mehrere Tage verlängert worden. Im Friedens­palais herrscht bereits lebhafte Tätigkeit.

Frankreich« Forderungen für den Haag.

Paris, 10. Juni. Der französische Gesandte im Haag, B e n o i ft, der als Vertreter Frankreichs an den Verhandlungen im Haag vor der Aussprache mit den Ruffen teilnehmen wird, wird in der Er- öffuungsstßung am 15. Juni den Antrag stellen, daß das rufflsch« Memorandum vom 11. Mai annulliert werden müffe und daß eint internationale 'lnter- suchungskommisston, wie ste auch von Amerika ver­langt wird, nack Rußland geschickt werde« soll. Von her Annahme dieser beiden Anträge hängt die wei­tere Teilnahme Frankreichs an" den Haager Ver­handlungen ab.

Britische Aittwort auf da« sranzisfische Memorandum.

London, 12. Juni. Die britische Antwort auf das französische Memorandum vom 2. Juni über die Haager Konferenz besagt, wie Reuter meldet: Das französische Memorandum scheint auf einer Begriffsverwirrung zu beruhen und zeigt auch keine Vertrautheii mit dem, was auf der Genueser Konferenz behandelt worden ist. Die Haager Konferenz soll eine ' Sachverstän- digenkonferenz sein. Die britische Regierung beabfichtigt nicht, Vertreter irgend eiues anderen Tharakters oder mit irgend einer anderen Eigen­schaft dorthin zu entsenden. Die Tatsache, daß die beiden britischen Hauptvertreter parlamentarisch; Untersekretäre find, ändert diesen Grundsatz icht. Beide sind Sachverständige, der eine in Finauz- fragen, der andere m geschäftlichen Angelegen­heiten. Sie sind keine Bevollmächtigten. Jede Abmachung, die sie treffen, mutz der Regie­rung zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Re­gierung hat nicht die Absicht, politische unb diplo­matische Vertreter zur Vorkonferenz zu ernenne». Die Regierung ist entschieden gegen den französi­schen Vorschlag, daß das russische Memorandum vom 11. Mai zurückgezogen wird. Die Fragt der Zffrücknahme des Memorand»ms wurde in Genua nicht ausgeworden. Das Verlangen nach Zurück­ziehung würde eine neue Bedingung einführen, die nicht vorgesehen war, als man sich in Genua über die Haager Konferenz einigte. Die Regierung 'st dagegen bereit, den französischen Standpunkt c-.'lten zu kaffen, daß die Resolution von Genua für dke Resolutionen im Haag g^und- l eg end sein muß. Die Regierung lehnt weiter die franzöfische Behauptung ab, daß ausländische Antragsteller nicht das Recht haben sollen, ihr oon Rußland konfisziertes Eigentum zurückzuverlangen. Sie besteht aber darauf, daß eine wirkliche Ent­schädigung geleistet wild. Di« Regierung gibt zu, daß der sicherste Weg für Rußland, seinen Wohl­stand wieder htrzustellen und Kapital $t erhalten, der wäre, datz man denjenigen, welche in der Ver­

gangenheit Rußland Hilfe leisteten, di« Rückkehr |» ihren Unternehmungen ermögliche. Der franzö­sische Vorschlag, nach dem ein« nkchtrusfische Kommission, ohne die russische Delega« tkontndasVertrauenzu ziehen, einen voll« ständigen Wiederaufbauplan für Rutz- land ausarbeiten und ihn nachher c/e Ulti­matum präsentieren solle, hieße, die Zwecke der Haager Konferenz lächerlich machen. Die Beratungen mit den russischen Dele­gierten und die Zusammenarbeit mit ihnen ist durchaus notwendig, wenn die Haager Konferenz praktische Ergebniffe zeitigen soll. Die britische Re­gierung wünscht, auf der Haager Konferenz die Frage der russischen Schulden, des Privateigentums und der Kredite zu erörtern und als Sachverstän­dige mit Sachserständigen zu unterhandeln. Wa­dis Rückgabe des konfiszierten Eigentums angeht, muß es entweder den früheren Eigentümern zurück- erstattet oder voller Ersatz geleistet werden. Ruß­land kann von privaten Darlehnsgebern nur Kre» dite erhalten, wenn diese die gebotene Sicherheit für ausreichend halten.

* *

Paris, 12. Juni. DerTemps" fo:»mt in seinem Leitartikel zur Antwortnote der englischen Regierung über di« Haager Konferenz zu folgendem Schluß: Die sranzöfifche Regierung hat ost ver­lauten lassen, daß die interalliierten Kriegsschulden ein unteilbares Ganze darstellen und einer und bet« selben Regelung unterworfen werden müffen. Erst in der vergangenen Woche ist diese Wahrheit durch den Bericht des Anleiheausschuffes noch unter« fttichen worden. Daraus folgt, daß die englische Regierung, wenn sie es bereits erwogen hat, eine« beträchtlichen Teil der russischen Kriegsschulden z« streichen, offenbar entschloffen ist, auch einen be­trächtlichen Teil der französischen Kriegsschulden, der italienischen usw. für nichtig zu ettlären.

Part», 12. Juni. DasJournal be» Dubais" bemerkt kn einet offenbar beeinflußte« Notiz, bie englische Regierung sei bis jetzt die ein« zigs, bie Frankreich e!» schriftliche Antwort aus das Memorandum Pofircar^s zur Haager Kon­ferenz habe zugehen lassen. Indessen habe die fran­zösische Regierung von den meisten der übrigen ein- geladenen Staaten mündliche Zusicherungen et- balten, aus denen hervorgehe, baß der französische Vorschlag einer fast allgemeinen Billigung nicht er­mangele. Derlemps" sagt in seinem Leit­artikel, ob Frankreich an bet Konferenz im Haag teklnehmen werde, fei noch nicht Mannt. Jeden­falls wisse man noch nicht, ob fein Vertreter dort als Sachverständiger ober nach dem Beispiel bet Bereinigten Staaten als einfacher Beobachter tätig sein würbe. Die .Liberi 6 schließlich weist batauf hin. datz bte meisten bet eingelabenen £5n« bet bie Entsenbung von Sachverständigen nach dem Haag angekündigt haben. Das bedeute, daß sie sich mehr oder weniger England anschlössen.

Stockholm, 12. Juni. Zu Vertretern Schwe­dens auf der Haager Konferenz sind Staatsrat Loefgr-1 und di; Professoren Oesten und llnden er­nannt worden. Der Gesandte Adlercreutz wirb mm Bern nach bem Haag versetzt. Der ehemalige D» neralkonsul in Hamburg, Unben, jetzt Gesanbtet i« Reval unb Riga, würbe gleichzeitig zum Gesandte« in Kmvno ernannt.

9m WmiWk NmMt.

Cine Rebe Dr. Otto Sauere.

Wien» 11. Juni. Im Kreis; des ArbeittrratrÜ hielt heute Dr. Ot'o Bauer eine Siebe Über die Mitt- schafr's'lage Deutsch-Oesterreichs, die sich In den letzten Tagen durch die rasende Entwertung bet Krone äußerst drohend gestaltet hat. Bauer et» Kette, wenn die gegenwärtigen Kreditverhmtdlnnqen mit dem Engländer Poung aberma'S ergebnislos blei­ben sollten, dann müsse die Republik eine andere Anleihepolitik machen. Man müsse bau an Deutsch« lanb herantrete mit dem Vorschläge etwa lOMilliarbenMarkzur Fundierung be« österreichischen Krone zu leihen. Afttf Grund diese« Fonds könnte die Bewegung der Krone in Zusammen­hang mit ber Bewegung b« Mark gebracht werden. Ueberdies wäre eine Anleihe von 8 Milliarden not­wendig. um den österreichischen Staatshaushalt in« Gleichgewicht zu bringen und den Banknotendruck z» steppen. Die jetzig« schivere Wirtschastskttse offen­bare nur die Leöensunfähigkcit des Staates Deutfch- Orstrrreich und lasse ihm nur die Entscheidung, ent­weder große Ententekredit: oder enge winschastliche Beziehungen zu Teutschrand. Wenn dir Üreditver- Handlungen ergebnislos bleiben sollten, dann wäsft mti gewaltiger Kraft für den wirtschaftliche» jchluh an Deutschland gelLmtzj üoctöca.