Die Kanzlerrede im Reichstag.
Seim M itt IE-nMt Sertrro. 121. Sitzung som 29. Mui.
Auf bei Tagesordnung lieht als einziger Punkt: Entgegennahme einer Erklärung der ReichSregierung.
Präsident L S b e eröffnet die Stzunq um 2l/< klhr und erteilt dann dem Reichskanzler das WoR.
Reichskanzler Dr. Wirth: Ueber bie Pariser Bee- Handlungen. die jetzt in vollem Gange sind, können hier im Plenum weitere Mitteilungen noch nicht gemacht werde«. Wir wiederholen an dieser Stelle de« tiefgefühlten Dank an daS italienische Volk und die ita- lienischen Staatsmänner für daS, was sie während der Genueser Mauseren» für die Welt getan baden. Die Genueser Konferenz sollte «in Weltkongreß sein und alle Völker sammeln, die zum Teil einander kriegerisch zegen- stehen. Diese Ausgabe ist zunächst wesentlich eingeschränkt worden durch daS Fernbleiben Amerikas. Dann wurde das Programm der Konferenz so reduziert, daß sie nicht mal di« europäische Krise in ihrer Gesamtheit behandeln konnte und daß die herrschenden Völker nicht einmal in den offiziellen Sitzungen die Wahrheit über dir europäische Krise hören konnten. Aber trotzdem das Programm reduziert worden ist, müssen wir allen denen dankbar s«n, die mit »Sher Energie den ursprünglichen G danken, die Völker zusammen? uführen, über die Wochen der Genueser Konferenz hinausgrtragen baden. Es ist vwiß kein ungewöhnlicher Vorgang, wenn ich Englands Führer für dieses Durchhalten der Kon- ferenz nicht im Namen des deutschen Volke» allein, sondern aller Völker, dir in Bedrängnis sind, den Daul anSspreche. (L-bhafter Beifall bei den Mehrheitsvorteien.' Trotz aller Schwierigkeiten hat die Konferenz einen großen Vorteil gebracht, bet darin liegt, daß wir zum ersten Mal auf einer Konferenz als Kl «'ich berechtigte erschienen sind. (Lachen recht») I« vielen nicht offiziellen llnterrümngen mit fremden Staatsmännern ist auch da» Reparationsproblem erörtert worden. *tie offiziellen Resolutionen, die da» Ergebnis der Genueser Konferenz biwen, werben für unS und hoffentlich auch für die anderen Staaten bie Richtlinie« der Politik bi firn. Wir hoben Politik gemacht im Sinne der europäischen Verständigung. Mr waren gleichberechtigte Mitglieder der hochpolitischen Kommissionen und Nntrrkom- missionen, und e» ist un» gelungen, hier einen sran- zöfislhen Vorstoß obzuwehren, der uns aus die Rolle der Heinen Staaten in der neutralen Welt beschränken wollt« . E» hat sich im Verlauf der Debatte herauSge- ftellt, daß neben dem Begriff de» Obersten Rate- sick
eine neue Union
gebildet hatte, der Bertreter der einladenden Mächte ange- hörten, und e» stellte sich heran», daß die einladenden Mächte mit Rußland Verhandlungen begonnen hatten, toten wir mit größter Sorge «ntgegensehen mußten. Das war kein Irrtum bet deutschen Politik, sondern pflicht- gemäße» bandeln, daß wir selbständig versucht haben, die russische Frage zu löse«.
Der Vertrag von Rapallo ist ein ehrliche», aufrichtige» FriedenSwerk. ein wirklicher Friedensvertrag ohne Sieger und Besiegte, die vollkommene Liquidierung der gegenseitigen Forderungen Wtrier Länder au» dem Kriegszustände. Diejenigen auf der Gegenseite, die stch am meisten über den Vertrag erregt haben, haben durch ihre eigene Politik »um Zust-nde- kvmmen dieses Vertrages am meisten beigetragen Unbedingt «ar eine neue Formulierung der gegenseitigen Beziehungen erforderlich.
Der Kanzler verliest den Wortlaut des Artikels 116. der Rußland all« Rechte ans dem Versailler Vertrag vor- behält und fährt dann fort: DaS ist die verhängnisvolle, politisch bedentsame Klausel, die unS vor die v'lichtm ästige Notwendigkeit stellte, mit Rußland zu einem Ausgleich zu kommen. Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen ist nur die Bekräftigung der bereits feit einem Jahre bestehenden vertragsmäßigen wirtschaftliche» B'ziehungen. Lloyd George hat in seiner Unterhaus rede den Vertrag von Rapallo einen „großen Irrtum" unb einen „politischen Fehler" Deutschlands bezeichnet. Es kommt aber auf den Äandpunkt an, den man in der -uropäischen Politik einnimmt, ob der Vertraa wirklich ein Irrtum obr ein Fehler war. Wenn, wie Lloyd Georg-, sagte, die Stimmung in Genua zu dem Vertrag führen mußte, dann liegt der Fehler nicht auf unserer Seite Lloyd George hat auch die Welt gewarnt. daS deutsche und das russische Volk nicht zur Verzweiflung zu tret-
Frage der Aufnahme Deutschlattds tu deu DSlkervu::d zu erwägen. In einer Anfang Mai stangefundenen Sitzung de» Völkerbundrates fet diese Frage untersucht worden. ES verlautet, daß der Völkerbund tflt Ne Aufnahme Deutschlands sei, vorausgesetzt, datz eS Aufrichtigkeit und guten Willen in der Frage der Reparationen am 31. Mat zeige.
Poinca.6S Reise nach London.
PartS, 29. Mat. Dem .Echo de Parts" wird aus London berichtet, datz wävrend des Aufenthalts Poincares in London vom 17. btS 19. Junt eine Besprechung mit Lloyd George srattfinden werde. Der französische Botschafter werde stch wahrscheinlich Ende der Woche nach Paris begeben, um die Formalitäten zu regeln. ES fei wahrscheinlich, datz Potncars an einem 16m zu (5Urea to EhequerS gegebenen Frühstück teUnehmen werd«.
ben. Der Vertrug von Rapallo schließt aber keine Absichte« irgendwelcher aggressiver Art in sich. Er will mir eine« Strich unter die Vergangenheit mach««. Bei den Arbeitern der ganzen Welt hat dieser Vertrag als das erste große FriedenSwerk nach dem Kriege Anerkennung gefunden ES bedeutet auch keine Einmischung in die innere« Verhältnisse de» andere« Lande«. Der vertrag bat kein geheimes Zusatzabkommen irgendwelcher Art. -twa militärischer Art. Mr b absichtigen bee grnz-n Vertrag in der nächste« Zeit Ihnen mit der Bitte am die verfassungsmäßige Genehmigung vorzulegen.
Unsere vermittelnde Tätigkeit in Genua ist sowohl von Rußland, wie von de« West- mächteu anerkannt worden. Mr haben versucht eine Brücke »wischen der östliche« und der westlichen Auffassunz liitutnop» ßnzlpWz mitt vnuvA ui gvq uuig$ uRwfPj nt Werk durch eine Tagung bet Sachverständigen im Laag fortgesetzt wird, sind wir bereit, wenn eS gewünscht wird aber n n r. wenn eS gewünscht wird, unsere selbstlose Bet- mitt^trolle aufrichtig und ehrlich fortzusetzen Ein T o tzr o 6fi't der Gedanke deS GotteSsrieden«, bet so groß und erhaben, tote bit Genueser Konferenz selbst, in der vorgeschlagenen Form kür da» deutsche Volk pfit schmerzlich gewesen wäre. (Lebhafte Zustimmung > Es ist kein GotteSfrieden, wen« man anderen Völkern Europa» den Frieden diktiert, do» deutsche Voll aber der SanklionSpolitik ou»gesetzt läßt. Die Welt ist noch nicht reif dafür, einzusehen, daß die Utbcttoinbwng wirtschaftlicher Krisen mit Gewalt unmöglich ist. Trotzdem begrüßen wir die zustandegekommene Treu« Dei in kleiner Form al» einen wichtige« Schritt vorwärts Auch wir wolle« gern dabei helfen, den Gedanktn deS Weltfriedens einer festen Gestalt zn,nfübrtn. Soll d«S aber geschehe«, so brauche« wir Sicherheit dafür, baß in der Reparation-stag« nicht immer da« DamolleSkck>wrn einet Politik auf Termin über un< hängt. Wir bitte a Sie, unsere Politik zu nnterstütze«, die »um Ziele bat. eine Befrieduug Europa« und damit wirllichea Frieden für da« deutsche Volk zu erziele». (Lebhafter Beifall bei de« Mehrheit-Parteien.)
«bg. M Ülker-Franke« (So».): Da« Ergebnis von! Genua mußte bescheiden sein, weil unter dem Druck bet französischen Regierung die wichtigste« Probleme, vor allem da- Reparationsproblem. gestrichen wurden. Mr frbauern bie gehässige Art vartbouS gegenüber Deutschland. Cun andere« Ländern ist anerkannt worden, daß die Wurzel alle« Nebel« der Berfailler Vertrag ist. Der Abschluß de« deutsch-russischen Abkommens hat seine Ursache darin, daß in Genna selbst gegen den Geist von Genua verstoßen wurde. (Sehr richtig.) Lloyd George sieht heute ein, daß Europa nur durch den Wiedec- aufbau Rußland- gesunde« kaum Die Brück nach dem Osten kann dieser Vertrag bilde«, wenn er verb-iud-n wird mit der VettvagSerfüllung nach Westen. Wir Sozialdemokraten würden jede Regierung stürzen, die e» wagen wollte, militärische Geheimabkommen abzu- schließen Die Entente könnte solche Geheimabkommen durch einen wahren Völkerbund verhindern.
Abg. Marx (ßtr.): Der bescheidene Fortschritt von Genua hätte nicht erreicht werden könne«, ohne d« Koalitionspolitik. (Beifall bet den Mehrheitsparteien. Lachen recht«.) Mr schließen un« dem Dank an da» italienisch f Volk an und gedeuken besonder» dankbar de« lebhaften Interesses da» bet Papst «u einem friedensördernden Erfolg der Genuakonseren» genommen hat. Rur der angestrengten Tätigkeit der Herren Rathenau. Stinnes und anderer ist e» einigermaßen gelungen, den im Ausland herrschenden Nebel der Unkenntnis über Deutschlaubs wirtschastliche Lage zu zerstreuen. Deutschland hat als einziger von allen Staaten eine praktische Beute von G"nna hcimgebracht, in dem Vertrag von Rapallo. Ein, enge Verbindung mit Rußland ist von uns wiederholt gefordert worden. Wr begrüßen den Vertrag wegen seiner großen wirtschaftlichen Bedeutung unb danken bet Regierung für ihre schwierige und erfolgreich: Tätigkeit in Genua.
Um 4 Uhr wird die Weiterberatung auf Dienstag 2v.hr vertagt. Dienstag Vormittag 11 Uhr: Beratung des deutsch-polnischen W kommens von Genf.
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Am Mittwoch sollen alle noch »u erledigende» sozialpolitischen Gesetz« und btt deutsch-dänische Betrag verhandelt werden. Am 29. Juni wird der Reichstag zum Besuch der Deutsche« Gewerbeschau nach Müncheu und im Anschluß hieran nach Oberammergau {obren.
Die ZerMiLLg vdrrWelienr.
Noch einer Meldung des „Lokalanz." auS Breslau liegt nunmehr der Besetzungsplan der Polen für de : an Polen abzutretend en Teil Lberschl slens vor. Di? Uebernohm« der Eisenbahnen soll am 5. und 8. Juni, bet Postämter am 8. und 9. Juni erfolgen. Die übrigen Verwaltungsbehörden sollen am 10., di? Polizeireviers am 15. Juni in die Hände der Polen über- gehen. Dem Vernehmen nach rücken als ecstealliirte Truppen die Franzosen ab, denen bie Italiener anb zum Schluß dir Engländer folgen werde«. Tie militärische Besetzung von Kattowitz durch di« Polen ist füx bat 10. Juni vorgesehen.
M £igt m MWM 6M in Stiegt
München, 29. Mai. Im Bayrischen Landtag stand heute eine Interpellation der Baur. Mittels riet wege» bet Lüge von bet Schuld Deutschlands am Kriege tut Beratung, in der darauf Bezug genommen wurde, bei durch den Eisnerprozeß bie Voraussetzungen von der Schuld Deutschland» am Kriege vor Gericht sich eil hinfällig erwiesen hätten unb gefragt wird, ob die bayrische Rimknmg bereit sei, hei der ReichSregierung daraufhiuz»» ivtrken, daß diese dem Ausland« die sich ergebend««. Schlußfolgerungen darlege, die öffentliche WMtmng der ganzen Welt aufkläre und schließlich die Revisio« de» Versailler Vertrage» fordere. Rach Begründung bee Interpellation erklärte Ministerpräsident Graf 2er* che nseld, daß e» heute vor allem auf die Einheitsfront im eigenen Lande ankomme. Der EiSnerprozest habe zur Widerlegung des CatzeS von der AlleinfchÜL Deutschlands am Kriege die allerbüudigstm und schiag* kräftigsten Behtof» beia-hrachl und dazu beigetragen, bie Zahl bet Deutschen, bie in bietet Einsicht noch abfeit» standen, auf ein Minimum herabzudrücken. Die Regierung habe bereits Anordnungen dabin getroffen, daß daS Urteil des Schöffengerichts sowie daS stenoaravhische VerbandlungSprotokoll baldigst veröffentlicht und der ReichSregierung übermittelt werden. Die bayrische Regierung sei übrigen- bereits mehrfach an die Regierung de» Reiches wegen einer aktiveren Stellung« «ahme kn der KriegSschuldsrage vorstellig go* worden. Sie beabsichtige, die ReichSregierung dringend »« ersuchen, ffit möglichst wirksame Verwertung im Auslande Serge »u tragen.
In der Besprechung der Interpellation führte Ad«. Sänger (Soz.) auS: Fort mit der Lüge von der ÄHeht* schnid Deutschlands am Krieges Wir find nicht schuldiger al» irgendein Volk der Welt am Kriege. Unsere Staatsmänner sind nicht schuDiger als die deS Ausland«». Eisner hat durch keine VerSsfentlichungen seht schwer wfünbigt gegen die Fordern vg objektiver Wahrheit. Dtefe knv nut dargelegt werben durch die Oe sfnu »g aller Archive, die wir Sozialdemokroten fordern.
«bg. Nie lisch (Unabh.) erllärte, daß EiSner keine Fällckung begangen habe, daß er bei seiner Kürzung auch für Deutschland belastende Dinge »^gelassen habe unb daß bet Urheber für ben Ausfall des Versailler Frieden» nicht die EiSnerscheu Veröffentlichungen, sonder» bet durch Hindenburg und Ludendorff verloreue Krieg ec* weken sei
Abg Aenderl (Komm.) meint, daß Me Hoffnung auf Aufhebung de» Versailler Vertrages sich nut aut dem Zusammengehen DeullchlandS und Rußland« ergebe.
Abg. D i r r (Dem.) führte an«, daß da« Wertvolle a» dem Ergebnis der Untersuchungen des bayrischen Landtages in der Feststellung liege, daß Falsche». Irreführende» unb Unwahres in einem welthistorischen Dokument art* Saften gewesen sei, an dessen Glaubwürdiakett die qetqt Welt glaubt« und daß dies« Glaubwürdigkeit erschüttert sei. Darin liege die Quelle für alle möglichen meittte» Wirkungen.
Abg. Graf Pestalozza (Bavr. Volks».) ist mit de» 'ochlicheu Ausführungen des Mittisterpräfidenten einverstanden und wünscht, daß die Lüge von btr Alltiaschald Deutschlands möglichst bald llargetegt werde. Er seh« in der geeigneten Verwertung deS Prozeßmaterials den Anfang zur Zerstörung dieser Lüge.
K« Seit les SMwMWm Sitslerts.
Nürnbecg,L9. Mai. Auf bet silbernen In« biläutr»feier ber katholischen Arbeitervereine hielt Reichspostministet G i e i b e r 15 eine längtve Rede^ in ber er n. a. sagte, daß er die Eh« habt, die Grüße de« am Erscheinen verhindereReichskanzlers üderfbringen zu können. Giesbens bezeichnete daS Jahr 1897 al» den Wendepunkt in brr Entwick- (ung des katholischen Arbeitervereinswei'enS und deS Schicksal» der christlichen Gewerkschaften, unb legte in seinen weiteren Ausführungen die Schwierigkeiten dar.die bi« Gewerkfschaften bis heute zu überwinden gehabt hätten. Rach ber Revolution hätten die Führer der christlichen Gewerkschaften zum Wohle des deutschen Bolkr-s segensreich beigetragen. Tie Chtistlickten Gewerkschaften hätten sich zu ihrer Stellung durchg> Hingen auf Grund einer systematischen, sachlichen nutz religiöser, nationaler Gesinnung beruhender Er« zikhungsarbeir. Ter Tank hierfür gebühre auch dem Klerus. Die Gewerkschaften brauchen auch in der v neuen Zeit dank ihren Grundsätzen nicht uwzulrrnen.
Dann ging Giesberls auf die äußere Politik über, wobei er u. a. sagte, die Schuld, daß Lei Krieg verloren gegangen, liege nicht am deutsche» Volke, fondrrn an bet ungeheuren Ueberlegenheit ber Feinde. , Die Politik während der letzten drei Jahre habe mrt eine Aufgabe gehabt, von Tag zu Tag, von Monat z» Monat alle Mittel anzuwenden, um die Sanktion«, und dergle chen zu vermeiden. Di: Verhandlungen tx Genua und Paris hätten unseren Feinden Karzemacht, daß unsere Verpflichtungen ans dem Versailler Vertrage nicht so, rote sie es wünschten, erfüllt verhex könnten. Das deutsche Volk solle sich aber nutzt täuschen, es komme so leicht nicht au» der Äsfäre hercu-s; «S werd« noch schwerere Opfer bringen müfjen. Genua habe wenigsten» die gute Seite Oft
Amtliches Verküt^igungsblatt des Kreises Marburg.
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Anzeiger für (das früher kurheMche) Oberheffen
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T\e JDbet&eiRitoe Zett»« erscheint i«bemal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 19 Mte Für ausfaUeebe Nummern Infolge Streits oeet elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag oo«Dr.T. Si««rot». — Druck bet Uaiv^Bucddrackrei von Job. Lüg. Koch, Markt tL«3. — ^etntoxedxr 55, vostschecklonto: Nr. 5015 Wart RteeRurt a. Mot«.
Marburg
Dienstag, Hen 39. M
Der äwetgenutels' beträgt für »le 9 gesv. Zeile ober beten Raum 1 Ml. für bee Millimeter. amtlldK na» «eeroättlg* MO Mt. »«»ete Spaltenbreite« nach enllvrechender Berechmncg. Spät einlaufenM ober H« Raum über Sette etnnebmenbe 3n« «tgn ne» mir berechtigt, naA Mr Tertlpaltendrette zu setzen unb z» berechnen. Soge«. Reklamen berechnen mit »le Tol^Zelle mit 6.00 Mk. Zeder Rabatt gilt al* Barravatt. Lei Huttunft »««• »le »etoäftsftette und Vermittlung der Änze» bot« t KL Sonbergebübt.
57.3M
1922
M Mit MM ftffltW.
Paris, 29. Mat. Die KriegSlastenkommifsion hat heute Nachmittag ber ReparattovSkommission bie U«tsch» Antwortnote überreichte
Preffestimmen.
Nach einer Berliner Depesche des „Petit Parisien" stimm« die Antwort überein mit dem AbkommtnS- tzlan, ben Hermes von Pari» mitgebracht habe, enthalte aber boch Einwenbunge« praktischer Art, bie das Kabinett Mrth glaube machen zu «üffeu.
DaS Matt ist ber Ansicht, daß die Entschließungen Deutschland» al» der Beginn einer Internat to n ale n Entspannung bezeichnet werden Bnnten, insbesondere im Hinblick aus die englisch- französischen Beziehungen. Andetetset» werde die sich v- Vorbereitung befindliche Lösung bet Fragen. Inb-m tnan inter«aHe»ate Kredite bewMg«, bie Reparation au feinen ganz neue« Weg führ,«. Es fei die internationale Finanz, bie nunmehr di« Lestnnq her Angelegenheit in die Hand nehmen werde, ein Umstand, ber durchaus feine Abdankunq der Politik «rsordere. sondern bie» werde im Gegentell der Augen- ilick fein, eine Politik zu treiben, bie nicht theoretisch, sondern praktisch sei. Mit ben international-'N An- kelhefragen werbe m.an bie „Psandscciq-n" erscheinen scheu, und mif-bie Frage der Höhe der Kriegsentschädigungen. Die Revision der Kriegsschulden toin^e bann nottoendigrnv:ift auch erfolge t. Di« Liquidationen würden uttvermeiblich sein, aber die Rechte Frankreichs müßten dabei gewahrt bleiben.
Obwohl die deutsche Antwort nach ber Anffpssuna ber Reparationskommiffion fein reine» Ja darstellt. ^aubl man nach dem „Jntransigraut" allgemein, das-, dieses Ja mit Vorbehalten bie Fortführung der Verhandlungen ermöglichen wird. Man meint, daß uuiunchr von einer Befthung.^xS Ruhrgebiet» kaum «och gesprochen werden könne, diese» wäre nur dann geschehe«, wen« die Rote Deutschland» die Sanfter» kovserenz beunruhige unb die Re-arationskommisfion ßezwungen hätte, die Angel-egenh:it dem Obersten Rat »brr den verbündeten Regierungen zu übergebe«.
Zur deutschen Antwortnote schreibt die „Sibert#", die tzon der ReparationSkommission verlangten Neuern bättrn RS zum 31. Mai angeordnet sein sotten und wären tl «icht, obwohl, der Reichstag mehr als zwei Monate Zeil gehabt habe, um darüber nachzudenken und sich z« ent- schsießen. Wie auch die deutsche Antwort anSfallcn «tSgr, in diesem Punkt seien die Anordnungen der Repa- rotisnskomMiffion nicht befolgt wotde« «flb die ftom« «ttfftou hätte, wenn sie Nrenge walte» lasse« wollte, schon einen Grund, eine vorsätzliche Verfehlung festzustellen.
Das „Journal" weist darauf hi», daß eS der enlli'che Delegiert« Bradbiirv war, btr ben Entwurf be? Kompromisses auSarbeitet«. Die erste Folge werde nun sein, daß bis Sanktionen beseitigt werden.
Der nationalistische „Sefait" ist der Ansicht, daß selbst jie sachverständigen unb mächtigsten Geschäftsleute in ber Angelegenheit der internationalen Anleihe nicht daS fetzte Wort haben könnten, den« «s handfe sich um Leben tztzer Tod des f-»rizösischen Volkes. Niemand habe Drigens auch daS Recht zu übersehen, daß die Deutschen «inen Rachekricg vorbereitete« (!). Selbst Lloyd George, der bis setzt die deutsche Gefahr abgelcuguet habe, höre heute schon das dumpfe Marschieren der germanisch- rufsischen Legionen (!), aber da er fürchte, die Deutschen «ur Verzweiflung zu treiben, wolle et etwa abroorten, bis daS Deutsche Reich Antwerpen und Calais verlange, «m zu verstehen, daß die Zugeständnisse nur immer die »ermanische Wildheit und Gier gesteigert hätten? (!)
«cnerttanlsche Bankiers flfflen die Besetzung de» ---i -4» znuptBCvlTM».
Rrwvork, 29. Mate Unter dem Titel .«mett- Smlfche Bankier» gegen die Rubrbesetzung" veröllenl- IVfit das .Wallstreet Journal" einen mtsführflwen Ar- Hfef gegen die Besetzung wetteten dentfchen Sebkete» mit der Begründung, datz dadurch die tzentfch« Wirtfchatt wettet gefchwScht und der internationalen Anleihe die sachlichen Unterlagen entzogen Würden. Die Beteiligung an einer Anleihe von amerikanifchet Sette fet daun undenkbar, «utzerdem würden die Stoffen tüt Mt neuen Befatzungstruppen das Budget Frankreichs derfchiechkem und auch die amerifanifche Stimmnng «awtetlig betlnfiufTett, da erneut enorme Summen für Unproduktive Zwecke vergeudet würde«.
Deutschland und der Bölkerbund.
Part», 29. Mai. Der französische Vertretet im Völkerdunde, Abg. Nobfemaite, hat gestern in Lyon fet der französischen Gesellschaft für den Völkerbund «tote Rede gehalten. In der er darauf hlnwleS. bah Deutschland baldigst in den Völkerbund ausgenommen werden müsse unter der Bedingung, datz eS beginne feinen guten Willen und feine Loyalität zu beweisen. Am 31. Mal habe Deutschland eine prächtige Gelegenheit, ben Beweis feiner Lovalilät zu geven, und im Dezember bei der Generalversammlung werde Frankreich seinen Gegnern die Antwort daraus geven. Deutschland müsse aber zuerst entscheiden und so wre- Wen, tote es sich schicke.
London, 29. Mat. Die.Time»' meldet: ES besteht Grund zu der Annahme, datz der Bölkerbund bei feiner Tagung im September pufaeforben werde, die