Zweites Blakt
Sonnabend, 27. Mül
Arbeiterschichten scheitern würde.
teten
und selbst dritten In diesem mit llnter-
unzureichendes Mindestmaß üefch änst den Karabiner immer nur jedem *t n einer Hundertschaft gelassen.
*be ist die Polizei schon jetzt uwt
„ung der Reickswehr in der Lage, den Staat gegen größere Aufstandsbemegungen erfolgreich zu .schützen. Das bedeutet, daß die Re'ckswehr ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Erenzschnü, entzogen wird, und das Reich an seinen Grenzen jedem Uebergriff wehrlos p r e i s g e g e b e n ist. sobald im Innern die Gefährdung der Staatcord- nung das Eingreifen der Reichswehr notwend'g j macht. Ganz abgesehen davon aber würde auch die ! Reichswehr allein zur Niederwerfung eines all- j gemeinen, über ganz Deutschland ausgedehnren skommunistischen Aufstandes nicht ausreichm. Hat doch schon die Beseitigung der Kommunistenherr- chchaft in Bayern Vie Heranziehung von etwa 4() .>r0| iSBanrt Reichswehr notwendig gemacht. -Kleichwobli ! drängen die Franzosen auf eine «eitere Zerschla- sgung der Schutzpolizei.
I Der Friedensvertrag und die von uns angenom- 5 mene Rote von Boulogne geben ihnen zu diesem Borhaben keinerlei rechtliche Grundlage, denn danach ist lediglich die Zahl der Polizeimannschafien auf 150 000 festgesetzt und im übrigen nur das Verbot einer zentrale» Leitung der Polizei ausgesprochen. 3» feinen letzten Roten verlangt General Rollet die Rückkehr zur polizeilichen Organisation, des Jahres 1913. Er will jede im Jahre 1913 n>cht vorhandene Polizeiformation, insbesondere auch • Jebe staatliche Polizei, soweit ste damals noch ncht als solche eingerichtet war, aufgehoben wissen, so-
mantel, der allerdings nur über die Schultern gehangen war, Werner, und auf dem Rückteil des Wagens in einem Eittergestell, das sonst Kälber und Hammel beherbergen mochte, standen Bilderblendrahmen, teils bespannte, teils unbespannte, sowie Staffeleien, ein paar mächtige Koffer aber waren an die Rückwand festgebunden.
Als die Pferde standen, knallte der Kutscher zwei-, dreimal mit der Peitsche und endlich öffnete sich die Tür des Wohnhauses. An der Kette der Hundehütte zerrte indes ein magerer Köter unter wütendem Gekläff. Zm Türrahmen stand Frau Selma Leuthold in blauem Nesselkleid, eine graue Schürze darüber. Werner sprang vom Bock und ging der Stiefmutter entgegen. Er überragte die mittelgroße Frau um mehr als Kopfeslänge. Als er sich zu ihr neigte und herzlich sagte: „Ich freue mich sehr, Mutter, Dich und die Heimat nach so langer Zeit wiederzusehen," wandte sie ihm eine der hageren Wangen hin, die er küßte. Von ihren Lippen aber kam beinah« zögernd: „Sei willkommen, Werner."
Auf das Peitschenknallen und das Hundegebell, das auch jetzt noch nicht aufhörte, waren aus den Stalltüren ein Knecht und zwei Mädchen getreten. Ihnen wandte sich Frau Leuthold zu.
„Christof, Dörte, Lene, mal anfaßen —, in die Giebelstube."
Dann begann die von Werner Leutholl) selbst be- anfsickLigte Arbeit. Als übel und eng alles »Er- gebracht war, fuhr der Wagen vom Hofe, der gelbe Köter kroch erschöpft in seine Hütte und Werner stieg die Holztreppe hinab und trat in die Wohnstube.
Dort war der Mittagstisch zugerichtet.
Schlickt, ohne jede Abweichung gegen sonsch es fet denn, daß man das eine Besteck mehr als solche ansehen wollte. Kein Glas zum Willkommentrunk, keine Blume zvm Gruße. Ihn fröstelte. Etwas anders hatte er sich die Heimkehr des SohneS ins Elternhaus doch gedacht. Aus einmal empfand et, hier lebte für
chn kein Vater und feine Mutter mehr, er war ein Frtmder.
Aus einem Nebenzimmer trat die Mutter. Sie sagt«, was sie schon einmal gesagt hatte: „Es wird -ng trerben, Werner," und dabei klang mehr ein Bedauern für sie selbst als für den Gast heraus."
Cie f.-l-te sich und legte vor, tote eS immer gewesen war, seit sie das Hauswesen leitete. Dabei fing sie einen fragenden Blick auf.
„Tu wunderst Dich, wo Heinrich bleibt?" sagte sie, die Suppenkelle zurücklegend. „Er hat oben in der Holzfchkeife zutun und wollte^ daß ich ihm sein Essen warmstrlle."
Werner ahnte nicht, daß das Zusammentreffen mit Absicht vermieden wurde. Für Mittig hatte et sich ang-meldet und kurz zuvor war Heinrich nach der Holzschleise aufgebrochen. Die Mutter wollte den Stiefsohn erst allein haben; Heinrichs heftiger Unbedacht konnte manches verderben. Werner war ihr als rin weicher, schwärmerisch veranlagter Phantast bekannt, er hatte sich draußen in der Well nicht sehr verändert, das lehrte sein überflüssig sentimentaler Brief. Wer den Städtischen richtig nahm, mochte gut mit ihm fertig werden.
Von solchen Gedanken bewegtz saß die Mutter, den Gegenstand ihrer Betrachtungen unauffällig, aber unablässig beobachtend. Ihren Jdeenfaden spann sie zu Ende, indem sie plötzlich sprach: „Uebrigens saht Ihr Euch ja schon, Heinrich erzählte mir davy.r."
„3a, gestern."
„In der Heidemühle?"
„Ja, ich war mit einem Jugendfreunde dort."
„Einem Freundes Die Muller sah gespannt auf den Sprecher. „Einem Freundes
„Gewiß. Mutter mit Otto von Kerstruau."
„Dem Landrate?"
jawohl, dem Landrate, und ich hab'- ihm sogar versprochen, hier cm Wort zum Guten zu reden."
„Mil uns?"
JEU Sät Muttes denn Du allem Hatz ja hier
Bon unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.
Die Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie in Hamburg hat sich auf das eingehendste in.den Referaten der besten Sachkenner mit den Schwierigkeiten unserer gegenwärtigen Wirtschaftsund Finanzlage, beschäftigt. Die Erundstimmung war im nllgemeinen recht trübe, nicht so sehr wegen der Unsichertzeit der l^vorstehenden internationale« Entscheidungen, als wogen der stark verschlechterten Eeschaftxkonjünkiur im gesamten Warenverkehr. Der Referent über die internationalen Finanz- Probleme, der Hamburger Finanzmann Max
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einerseits Handel und Wandel mit Rücksicht auf bit Unsicherheit des weiteren Entwicklungsganges der Wirtschaftskonjunktnt zum Stillstand gebracht we« den, andererseits aber die innere und äußere Ja» flation, wie sie in der Preis- und valutagestaltung zum Ausdruck kommt, noch immer weiter fortschreitet. An äußeren Kennzeichen hierfür fehlt es nicht. Kein Tag vergeht mehr, an dem nicht irgend ein industriell« Verband eine weitere Preis« erhöhung sein« Erzeugnisse anordnet oder eine Aktiengesellschaft eine Kapitalserhöhung vornimmt. Vergeblich hat Warburg wohl gemahnt, mit de» Neugründungen und Kapitalserhöhungen ein Ende zu machen. Der wirtschaftliche Zwang ist, wie immer, viel stärk« als die beste Einsicht und die schönsten Vorsätze. Daß es ht einer so kritischen Zeit in Süddeutschland zu einem lang andauernden und erbitterten Kampfe in der Metallindstrie kommen konnte, beweist nur, wie wenig noch immer die Massen in Deutschland sich von wirtschaftlichen Er« wägungen leiten lasten, und wie gering d« Einfluß bet weiterblickenden Gewerkschaftsführer auf die ausschließlich parteipolitisch gerichteten Mitglieder ist. Man vergleiche damit das Verhalte» der Arbeiterschaft in England, wo im gegebene«
Augenblick eine wesentliche Herabsetzung der Löhne vorgenommen werden konnte, was bann eine Besserung b« gesamten Wirtschaftslage und eine Herabsetzung der Steuern und Tarife zur Folge hatte. Leider muß gesagt werden, daß in DEfch- land, wenn hier eine Lhlü iche Lage ähnliche umwälzende Wirtschaftsmaßnahmen nötig mache« vllte, das wahrscheinlich an bet Einsichtslosigkeit »er nicht von wirklichen Wirtschaftsführern geleit
etn er nicht im einzelnen Fall eine Genehmigung zur Beibehaltung erteilt. Diese Forderungen laufen darauf hinaus, daß der Franzose die jetzige Polizei überhaupt aufzulösen und an ihre Stelle Einzel- revierbeamte zu setzen beabsichtigt. Mit Recht ist von deutsch« Seite in bem Notenwechsel mit der MilitärkontrollkommWon darauf hin-
Das gefährliche Alter tn der Entwicklung des KindcS sind die ersten Lebensjahre, wo der zart« Organismus zu seinem Gedeihen und keiner Erstarkung noch der verständnisvollen Nachhilfe und Unterstützung durch eine zwecknmtzige Ernährung bedarf. Als Nährmittel dieser krilischen Periode, das sich bisher zuverlässig bewährt dal. empfehlen die «er?« Nestle'S Kindermehl. Jllustrierle Broschüre über die Pflege des KtndeS kostenlos erhältlich durch -Linda - Gesellschaft «. 6, jk, «Mts » 67, CZ21»,
Warburg, warnte zwar ein«feits davor, die Mark noch weit« als öertmefi« zu benutzen, da sie dazu wegen ihr« heftigen Schwankungen «n- brauchbar fei, ab« « «klärte es auch für unmöglich, irgend eine andere stabil«« Valuta zu schaffen, da dadurch «st recht die größte Verwirrung hervor- gerufen werden würde. Warburg ist d« Ansicht, daß mit uns trotj weitersteigender Inflation auf die Neuerscheinungen der Geldknappheit werden einrichten mästen. Damft wird aber Deutschland immer abhängiger vom Auslandskapital. In d« Anleihefrage hält Warburg eint« Betrag von 10 Milliarden Goldmark für nötig, um Deutschland zunächst eine wirkliche Atempause zu verschaffen. Das ist viel mehr, als Amerika bisher auch unt« den drückendsten Bedingungen zu gewähren für möglich erllä t hat.
Aber bedenklicher noch als diese Anleihesorge klang die Feststellung des Vorsitzenden des Präsidiums des Reichsverbandes, des Abgeordneten Dr. Sorge, daß die deutsche Industrie nunmehr in wichtigen Zweigen die Weltmarktpreise erreicht habe In erster Linie ist es wohl die Textilindustrie, in der die Preise den Weltmarktstand selbst bei dem heutigen schlechten Markstande vielfach schon über- schritt- n holen. Der Stillstand des Geschäfts ist als notwendige Felge dieser Preisentwicklung bereits cingetrctcn. Die Kauflust der Ausländer hat wesentlich nachgelassen. Der Exporthandel Nagt über zahlreiche Abbestellungen ausländischer ' Aufträge.
stltzer es scheint, als ob sogar die billigere Lebens« Haltung in Deutschland den Ausländer nicht mehr lockt, weil auch hier der Unterschied und damit der Vorteil für die Ausländer schon bedeutend geringer geworden ist. Die deutschen Bäder und Erholungsorte hatten sich bekanntlich für diesen Sommer auf einen Mastenbefuch von Ausländern aus den valutastarken Ländern eingerichtet. Vielleicht wird der Umschwung der Preislage, der inzwischen-ein-' getreten ist, auch ihnen manche Enttäuschung bereiten und zum mindesten den Ausländerstrom wesentlich abflauen lasten. Für uns Deutsche hat das bann vielleicht den Vorteil, baß wir bie Stätten unserer Sommererholung wenigstens nicht alle von Auslänbern besetzt finben unb baß wir zwar hohe, aber keine unsinnigen Preise zu bezahlen brauchen, wenn wir gegen Uebervorteilungsversuche von vornherein entschieden Stellung nehmen. Allerdings wirkt hier die Konkurrenz der inländischen Valutagewinnler nicht weniger ärgerlich und preisverteuernd als die der ausländischen.
Mit dem Ende bet günstigen Geschäftskonjunktur .tgirb ggch bas Problem der Arbettslosig- leit wieder bremunb. Der Gesamtvorstand des Verbandes sächsisch« Industrieller hat bereits öffentlich erklärt, daß ein Konjunktur-Umschwung utnb damit eine Krise mit größer« Arbeltslchigkeit vorauszuseben sei. Auf diese Gefahr hat auch die sächsische Regierung bereits in einet Denkschrift bmgewiesen und Vorbeugungsmaßnahme« über bie künftige Arbeitslosigkeit vorgeschlagen. Aber es d sich nicht bestreiten, baß heute bie staatlichen Behörden einer auch nut einigermaßen umfang» -eichen Arbeitslosigkeit wegen ihr« finanzielle« Ohnmacht viel hilfloser gegenüberstehen, denn je. Das einzige, was wirklich helfen könnte, wären Maßnahmen zur Hebung bet Produktion. Ob ab« nach Hefei Richtung gangbare Wege offen stehen, ist sehr bie Frage.
Unsere industrielle Erzeugung steht zweifellos wieder einmal an einer schroff in eine neue Rich- tuig einbieg enden Entwickelungskurve. Diese Tatsache wird vor allem dcckurch gekennzeichnet, daß
etwas z« bestimmen. Ab« nach Tische wenn es Dir recht ist, eS wird Zeit beanspruchen."
„Gut, ab« sonst trafst Du niemanben außer Heinrichs
9? rin —, halt doch! Ich habe mich sehr gefreut Detter noch mal, Mutter ist aus d« kleinen Tont Hackt ein hübsche» Mädchen geworden."
„Mit Heinrich. Die Sache ist «Sgemacht zwifche« Hardt und mir."
„Unb doch wohl auch zwischen den H'aupt- 6ririligten?"
„Jsr "das nötig? Die sind sehr jung. We solle« noch warten."
Wied« beobachtete die Mutier und wieder las sie ht diesem offenen Blicke, dem jede Verstellung fremd wat, in diesem harmlosen Gesicht, das nichts verbergen wollt«. Sie las Erleichterung, Hoffen. Und der gute Junge sprach auch unbefangen ans. toal er dachte: „Also vorläufig ist es nur ein Plan. Wenn sie sich beide gefallen. Nicht nur sie ihm, sondern er auch ihr."
„Tai kommt von selbst, die Sache ist abgemacht Weil Du vorhin von der Toni sprachst, dacht« ich eS wäre gut wenn ich Dir das sagte. Ihr Malek seid ein leichtes Bolh Ihr denk, was schön tfc; wat' Euer. Deshalb hab' ich Dirks gesagt
,Lch danke Mr Mutter".
„Und wirst Dich danach richten?"
„ (Fortsetzung folgt./
Nachdruck verböte«
Das Wasser kommt!
Roman von Arthur Winckler-Tannenberg.
8. Fortsetzung.
„Äinbsföpfe, bie Ihr seit», alle beibe. Als ob es auf Euch allein ankäme. So neumobifch sinb w't rin Euntersbach noch nicht. Noch haben mit bie gute alte Sitte, baß die Eltern bestimmen. Wirst's mal zu schätzen wissen, wenn Du selbst Kinder hast und die Toni dann auch. Jetzt bäumt sich bas auf ^rvie'n störrisches Pferb. Wirb zahm, wenn man die Zügel festhält."
t Frau Leutholb machte eine Panse. Vom Fenster her kam aber keine Antwort unb so fuhr sie fort:
„Ich bin so leicht nicht zu haben, ich nicht. Mein s Wille gilt noch was unb ich will, baß bet Harbtho- unb bet Leutholbhof mal in eine Hand kommen, f in Deine Hanb, mein Junge. Da wirb nichts mehr , geänbert bran. Der Hackt unb ich stick auch einig. ' Am Sonntag vor vierzehn Tagen noch sinb wir aus ber Kirche zusammen heimgegangen unb ba hat er mir gesagt, baß er Dir unb Toni ben Harbtho gäbe unb ich solle hier unten wirtschaften, wie seit breizehn Jahren, aber er wollte Schultheiß und 'ein freier Iagdherr sein. Was zwei alte erfahrene Leute beschlossen haben, wird die Toni nicht um- stoßen und der „Städtische" auch nicht. Aber beim (Erbe da könnt' sich das Gericht emmengen. Junge, da hab' ich Sorge, da müßen wir ihm aufrechnen, daß wir gearbeitet haben, indes er in der Welt iherumfaulenzte."
i Eie seufzte tief auf. Nach einer Weile sagte sie: '„Es ist spät, laß uns schlafen gehen, Heinrich: i kommt Zeit, kommt Rat. Wir müssen ihm ordent- i lich aufrechnen."
"A Am folgenden Mittag fuhr ein wunderliches i,®efä$rt in ben Leutholbhof. Beim Kutscher itr itmer aufgesetzte« Bockbank saß m langem Loben-
zmlkM md die Mit SMmVi.
i Von Dr. Maretzky, M. b. R. (D. $?*.).
। Die französische Politik begnügt sich nicht bamlt, \>ie außenpolitische Machtstellung Deutschlands un- Igiittdbar zu zerstören, sie ist vielmehr auch bs- 'wüh t, bie inneren Erunblagen unseres Staatswesens zu zerschlagen, um auf bisse Weise die Vernichtung unserer Machtstellung enbgültlg unb bauernb zu machen. Daher beschränkt sie sich picht barauf, bie militärische Entwaffnung Deutsch- ilanbs bis ins kleinste durchz«führen, ben Bestanb junb bie Ausrüstung bes uns nach bem Friebens- pertrage gelaßenen winzigen Heeres immer mehr zu beschneiden unb unsere Industrie zur Verhin- tberung jeder künftigen Riistungsmitzlichkeit zu ^überwachen. Frankreich ist auch am Werke, die lAuslösung der im Friedensvertrage zugestandenen ldcv ischen Polizei zu vollziehen.
Ab« g«abe Deutschland, das eine Epoche ßchwerer politischer Erschütterungen durchlebt, ist für den Schutz seiner Ordnung auf eine leistungs- fähige und zuverläßige Polizei angewiesen. Noch immer sind gefährliche Bestrebungen, die Staatsordnung zu stürzen, an der Arbeit und warten nut auf den geeigneten Zeitpunkt inner« wirtschaftlicher Wirrnis, um ihr politisches Ziel, die Auflichtung der proletarischen Diktatur, mit Gewalt zu verwirklichen.
Wie ber vorjährige Aufstand in Mttteldeutsch- lanb, obwohl er nur ungenügend vorbereitet war, gezeigt hat, ist die Unterdrückung eines großen Aufruhrs nur möglich, wenn starke Formationen geschulter Polizeitruppen eingesetzt «erben können. Schon seit längerer Zeit haben die Franzosen bei deutschen Polizei die ausreichende Bewaffnung ge- ttommyt, insbesondere die Haltung von GeschStzm, Panzerwagen unb sonstigen schwere« Waffen »erboten, bie Zahl bet Maschinengewehre auf ein ganz
. . . IkMtt MW«.
SIS. Sitzung vvm 26. Mai '
Präsident Löbs eröffnet die Sitzung mit eine« Nachruf für ben plötzlich verstorbene» Abgeordneten Matten (Ztr.). ' ’i
Ein« volkspartriliche Anfrage behandelt den Fall der Studienassessor!» Wollin, bie als Studienrätin an da? Gymnasium Traben-Trarbach gewählt war und der von der französische« Militärbehöcke die Einreiseerlaubnis mit der Begründung verweigert worden war, daß Lente aus Pommern und Ostpreußen als der Entente gerä&i* lich anzusehe» seien.
Me Antwort des Reichsminister des Inner» stellt fest, daß die Rheinlandkommission sich durch Art. 4 ihrer Verordnung Nr. 27 daS Recht beigelegt habe, gegen die Ernennung icke« für das besetzte Gebiet bestimmten Knitschen Beamten ein Beto einzulegeu, falls sie diese Ärß- ■nabme iur Sicherheit der Streitkräfte für nötig fü!t. Die Rheinlondkommission hat in neuerer Zeit wieberiolt tton ihrem Beto gegen beamtete Lehrpersonen wep a ihrer Herkunft aus den ostpreußischen Provinzen gebrauch gemacht. Die ReichSregicrung ist fertbm.rrir bemüht, diese unberechtigten Eingriffe in die durch das Rheinlandabkomme» gewährleistete deutsche Verwalt »n» abzuwehren, lieber die Ablehnung der Studienrätin Wallin ist ber ReichSreqirrung ein Bericht noch nicht »»gegangen. Sollte sich dir Ablehnung bestätigen, ie wird auch dieser Fall bei den zur Zett schwebenden allgemeinen Berhaicklnngen über diese Angelegenheit et» örtert werden
Nachdem dann die Verlängerung ber Pachtschutzack- nung in allen drei Lesungen angenommen ist. folgt bit zweite Beratung des Haushalts des Reichstags.
Abg. HS Urin (Korn.) führt Beschwerde über de» Direktor de« Rrkchstags, bem er Gesinnungsschnüffelei »nb »ingebührliche Behandlung deS Personal« vorwirst.
Präsident Löör bedauert, baß der Redner Angriffe hegen einen Beamten gerichtet habe, der sich nicht verteidigen könne.
gewiesen worben, baß beim Ausbruch eines Aufstandes bie in Privatwohnungen untergebrachten Einzelbeamten bet Polizei sehr leicht überwältigt unb ihr« Waffen beraubt werben können, unb baß eine so organisierte Schutzpolizei bei einem Umsturzversuch eher eine Gefahr als eine Sicherheit für bie Ctaatsorbnung barstellt.
Zn bissen Tagen werben die Verhandlungen über die Forderungen der Franzosen zwischen ben Beauftragten ber Militärkontrollkommission unb den Vertretern Deutschlands geführt. Die deutsche Oeffentlichkeit hat allen Anlaß, über diese Verhandlungen beuirruhigt zu sein, weil gefürchtet werben muß, baß bei Vertreter bes preußischen Ministers bes Innern, bei bem als bem Leiter ber stärksten Lanbespolizei bas Schwergewicht ber beut- schen Verhandlungsführung liegt, von vornherein dem französischen Standpunkt in sehr weitgehendem Maße nachzugeben entschloßen ist. Wenn es richtig ist, baß ber preußisch-beutsche Vorschlag schon seinerseits auf bie Hälfte ber kasernierten Schutzpolizei verzichtet, so würde bas eine Preisgabe ber deutschen Rechte bedeuten, die durch nichts gerechtfertigt werden könnte. Es ist eine völlig unverständliche Zllufion, zu hoffen, daß man durch eine freiwillige Aufgabe des ursprünglichen deutschen Standpunktes die Franzosen veranlaßen könnte, ihrerseits irgendwelches Entgegenkommen zu zeigen.
- "- Der Franzose hat den feste« Willen, soweit er es irgend durchsetzen kann, Deutschland jedes staatliche» Machtmittels zu berauben. Dieses Ziel gibt er natürlich untet feinen Umständen deswegen auf, weil Deutschland sich entschließt, von v^nherein vor den französischen Forderungen unerwartet schnell und weit zurückzuweichen. Eine solche Widerstandslosigkeit bedeutet für ihn lediglich eine Erleichterung auf dem Wege zur völligen Durchsetzung seines Planes. Außerdem würde auch das persönliche Intereße, daß die Mitglieder ber französischen Kontrollkommission an ber Erhaltung ihrer lukrativen Amtsstellen laben, stets bahin drängen, über das hino.uszugehen, was Deutschland selbst z,'.gestanden hat.
Es ist daher unbedingt geboten, den jetzigen, von alten Sachverständigen für pnent-ehrNch g-chal- tenen Bestand unserer Schutzpolizei zu verteidigen und lieber die angedrohten Maßnahmen abzuwarten, als sich freiwillig gegen den Umsturz der inneren Ordnung wehrlos zu machen.