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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheUche) Oberhessen ,

Die »Dbeti)eifijd>e Sei tue < erfttzeint ieSseial wöckentlit. — Dezuqsviei» monatli* 19 ML Für ausfallend« Rummeru infolge Streiks ooer elementarer Gteigitiiie lein Tri atz. — Verlag von Dr.T. Hiderotd. — Druck ver Unio.-Bucdvruckerei non Sah. L,g. Jted). Markt 2188. — Senuoteäet 55, Postscheckkonto: Rr. 5015 Lmt Stanhutt a. Mair»

Marburg

5wM, len 27. Mai

Der 'Snseigenntei» beträgt für die 9 zesv. Zeile oder deren Raum 1 ML für bee Milli­meter, amtliche und auswärtige 1.30 ML Ludere Spaltenbreite« nach en sprechen der Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum flbet l/t Seite ein rehmende Ln- ,eigen find wir berechtigt, nach der leittpaltenbreite ju fetzen und »u derechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die LoL-Zeile mit 9.00 ML Zeder Rabatt gilt als Larradatt. Sei Laskunfi dar« die Lejchäftsitelle und Vermittlung der Ange­bote 1 ML Sondergedübr.

57. Ä'

1922

n,

! Erstes Blatt.

1 LW 8mgk rthtL

V? London. 26. Mal In Beantwortung der Re­tzen Robert CecilS, Asquith und anderer Abgeordneter tagte Lloyd George in einer zweiten Rede. Cecil habe eine seiner charakteristischen Reden gehalten. Er tätige die Genneser Konferenz, aber die Methode» »dSren alle schlecht gewesen. Das deutsch-russi­sche Abkommen habe Cecil richtig als ein sehr töricht es Dokument bezeichneL aber daS Do- tzunent sei in Genua nicht gebilligt worden. ES sei »orberkitet gewesen, bevor die Konferenz überhaupt »egonnen habe. »Ich war bestrebt", fuhr Lloyd George f»rt, »nichts zu tun, waS der deutschen Regierung Schwierigkeiten machen könnte. Deutschland wurde sogar aus der Grundlage vollkommener Gleich­heit mit den anderen Möchten in die wichtigen Pott­aschen Kommissionen und Snbkommissione» eingereiht. Mvei oder drei Dage aber, bevor daS Werk der Kon- strenr sich überhaupt entwickeln konnte, schriebt Deutsch­land hinter unserem Rücken mit den Ruffen -kin Sonderabkommen. Will irgend seman» sagen, »aff 'das gerechtferttgt war durch irgend etwa«, was auf tzer Konferenz geschah, nachdem, Deutschland auf de» Standpunkt voMommener Gleichheit auf der Konferenz gestellt war? Cecil fragte: »Hat es keine privaten Ust terhaltungen über den Völkerbund gegeben?" Wenn eS keine gab, so würde daS sehr ins Gewicht Men; aber ich wäre überrascht, wenn keine privaten Besprechungen stattgefunden hätten Ich kann nicht tzersteben. datz eine Anzahl Männer zusanunenkommi, im ohne aufrichtige Besprechungen ein Geschäft avzn- schlietzen. Darauf kann ich nur sagen: Hat der edle Lord niemals über den Völkerbund private Be­sprechungen mit dem Präsidenten Wilson ee= tzäktt? Selbstverständlich hatte er private vesprewun- gcn und zwar unausgesetzt. Er tat recht so. Private Besprechungen hatte auch General SmutS. Man me^ne die Konferenz in Washington, icne Konferenz rtzötte niemals ,» solch glänzenden Beschlössen komme* können, wenn Lord Balfour, Hughes'und.der japanische Delegierte nicht andauernd Besprechnnoen imiteinander gehabt hätte», bevor fie vor das Plenum -tzer Konferenz ginge«.

Cecil sprach dann, so fuhr Llovd George fort, von Frankreich. Ratürttch ist et» ernsthaftes Ritzversiänd- «B mit Fnmtteich eins der verhängnisvollste« Ereig- Me, »velche für den Frieden Europas eintreten könn- ten. Die Zusammenarbeit mit Frankreich V. wie ich in Genua sagte, einer der P f e i l e r d e « «riedenst empelS In Europa. Ader was deuktstch denn der edle Lor»? Hören wir ibn, so müs­sen wir unsere eigene Pottttk treibe», aber dürfen Niemals Streit mit Frankreich habe». Wir dürfen Nichts tun. waS Frankreich wünscht. Wir müffen selb- Mndig vorgehen, aber dürfen keine» anderen Weg Gehen alS Frankreich. Wir dürfen kein Abkommen mtt Frankreich treffen und müffen die Reparationen berab- fttzen, welche Frankreich von Deutschland erzwingen möchte. Ist eS aber wirklich ebrenbakL den Frcmnrse« N erklären: Wir haben nur die Absicht, mit Euch zu wgeudciner Mihhelligkeit zu kommen, wenn wir in Mrserem eigenen Herzen entschloffen sind, nicht zürn- stimmen, sofern etwa Frankreich Vorschlägen sollte, die Reparationen zu erzwingen oder wenn Frankreich ein Abkommen Vorschlägen sollte zur V e r - »eidiaung «feiner Grenzen, oder wenn wir wtschkoffen stnd, Frankreich nicht zu unterstützen, son- tztrn ihm Widerstand zu leisten, wenn er verlangt, dall bas Geld, daS Deutschland ihm schuldet, bis zum letz­ten Psennia bezahlt werden mutz? Ist das wirklich kwe ehrliche Politik?

Weiter stellte Lloyd George an Cecil die Frage, ob er Amerika zur Haager Konferenz bringen könnte und Sete hinzu: Wenn er daS kann, so werden wtr ent- Nickt fein, denn wir wünschen Amerika dort zu leben.

Dann ging Llovd George auf die Rede AfanilvS ein undsagte: Asquith habe alle»verdammt. waS die Regierung getan habe. WaS würde er, Asquith, getan tzaben? (Ironische Zurufe: Wait and see? d. b. ad- warten (der Liebltngsausdruck Asquiths). Er würde natürlich Amerika auf seiner Seite gehabt und znr ittben Zeil die Reparationsfrage geregelt tzaben, würde überhaupt alles und sedeS ta Ordnung lebrarfn haben, ohne Zweifel! Aber WaS meinte Asquith? Amerika sei eingewden worden und wöre Nicht gekommen, Frankreich hätte stch geweigert, die Ne- tzarattonsfrage zn diskutieren? WaS würde denn Asquith getan haben? (Kennworthy unterbrach: Er tefirbe ohne Frankreich vorgegangen sein!) »So', ant­wortete Llovd George, »so, er würde die Beratung ver ReparationSfrage also ohne Frankreich dntgesetzt haben. Das ist in der Tat eine Pottttk der Aufrechterhaltung der Entente, Frankreich dorthin etn- rukaden und damt zu sagen, man würde auch ohne eS »srwär'Sgeben. DaS ist allerdings der richtige Weg. *xt das Bündnis und die Frenndschasi mit Frankreich » verstärken (Beifall): daS ist wirklich charakterillikch Bb das Gerede, das hier umgeht (lauter Beilall). Vor allem werden wir verurteilt, well wir auS ein« leuchtenden Gründen mit gewiflen von Frankreich gc- toachten Vorschlägen nicht überetnstimmen. Frankreich Ai ein unabhängiges Land! England ist es auch! Wir dtüssen jeder unsere eigenen GesichtS- tzunkte ohne Furcht vortragen.

Llovd George fuhr fort: »S<6 bin ganz und gar für die Regelung der ReparationSfrage, aber man tarn die ReparationSfrage nicht regeln, »bne die Zustimmung Frankreichs auf seiner Seite zu haben. Ich möchte mit der französischen Demokratie zusammen- • rb eiten und wünsche sehr ernsthaft, datz Frank­reich und England überhaupt zusammenarveitcn soll- ien, aber wir müssen für den Frieden Euro- Aas zusammenarbeiten. Rach diesem Grundsätze und Hr diese Ziele sollten wir mtt ganzem Herzen ebenso

mit der sranzösischen Demokratie zusammenarbctten. wie wir zusammenarbeitcn bei der Verteidigung Europas gegen den Angriff DcutjchlandS.' (Lauter Beifall.)

Das Haus sprach mit 235 gegen 26 Stimm-»» dem Ministerpräsidenten des Bertrauen auS. DI? niedrigere Zahl der Abstimmenden zeigt, daß sich vie'e Abgeordnete der Stimme enthalten haben.

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London, 26. Mai. Bei einem Frühstück im Hotel Cecils zu Ehren Lloyd Georges hielt der Premier­minister vor ungefähr 309 seiner Anhänger im Ober- und Nnterbause eine Rede, in der er erklärte, er be Haupte keiitcswegs, datz das Werk von Genua vollendet sei. Es habe begonnen, und einmal begonnen, Werve zu Ende geführt.

P » r i S , 26. Mai. Nur mentet Mrrqevblätter ändern Trfi z„r gcstrlo-m Rede Llovb Georges. Der Gau lots" schreibt: Die, Rede die Llovd George im Nut.'chauS oest-ru gehalten bat, ist nicht die. die man -rmariete. Er behielt sich tu der Frav d'r Nep-r-niionen nor, die Bettehnnoen zn Frankreich ft*ähr anzufchneihrn. DaS aber sind die einzigen Kegenstiinde. bi? uns für dc» Fntpmblick interessieren. .Der enakischr Prcmiermimste'^ sprach von den ErgeLm'ssen der Konferenz von Genna-z er tyollte sich klug zngen und hat sich besuch barmt* < l. '.kränkt, fast ausschließlich ein objektives Resume VVtrr die Nerbandftntaen zu geben. Er bat aus di» Gcü'b' der roten Armee hingewiesen, auf den russisch-devtslhen Bertraz, kurzum, er hat das gesagt, was wir yt wi der- bolen nicht ausgehört habe». Der „Figaro" schrubl. Lloyd George habe für seine eigene Sache plädiert, llu- ausgesprochen aber liege seiner Rede der Gedankt zu Grunde, das; Zugeständnisse, die man der Sowieftegie- Tag mache, bie Wiederherstellung Rußlands herbchMren könnten. Gerade das glaube die französische Regierung nicht. WaS die italienische Regierung anlauge io lasie ne ihre» Schisfahrtsgesellschaften Privil'gien im Schm.ic- zen Meer übertragen, ohne stch mit allgemeinen Äniitb« sStzen zu beschweren und ohne sich um das grork Ziel der Wiederherstellung Rußlands zu kümmern. Der „Ec- lai r" sagt, wenn man btt Rede Lloyd Georges lese, habe man den Eindruck, als ob die Unordnung die seinen Gedankengang beherrschte, dem Wirrwarr in Europa gleiche. Er schwimme in Romantik unb ersetze die Ueberleguug durch Formen.

Steife Poincar^'s »a h London.

London, 27. Mai. Im Gegensatz zu Pariser Ztitnngsmeldnngen meldet „Star", daß Poinearö am Samstag den 17. Juni in Begleitung des Marschall Petain nach London kommen wird.

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8wiWt Kauunrr.

Paris, 27. Mai. In der gestrigen Kammer- sitzung wurde die Inter pellationsaussprache fort­gesetzt. Der royalistische Abgeordnete Daudet erklärte, datz, wenn die Anschläge in Oberschlefien den Willen der deutschen Regierung, die eigent­lichen Absichten der dnftschen Regierung ofsen- barten, so zeige das Abkommen von Rapallo die Gefahr, die das französische Volk bedrohe. Als der Abgeordnete die Behauptung aufstellte, da, Blatt „Oeuvre" stehe in Beziehungen zu einer Bank, er­hob stch auf der Linken ein furchtbarer Sturm d^s Protestes. Der Abgeordnete Favre wies darauf hin, datz Llovd George die mittlere Linie der eng­lischen öffentlichen Meinung zum Ausdruck bringe. Frankreich dürfe nicht isoliert werden. Grotzer Lärm entstand bei der Erklärung des Abgeord­neten, datz ein Heer von 750000 Mann ein Jnstru- dent des Abenteuers in der Hand der R-gie- rung sein würde. Favre gab weiter seiner Be­fürchtung Ausdruck, datz die Besetzung des Ruhr­gebiets die Einberufung von Soldaten erfordere und sehr teuer zu stehen komme. Es fei im übrigen vorteilhafter, wenn Frankreich sofort eine geringe Anzahl von Milliarden einkassiere als in vielen, vielen Fahren eine größere Summe. Die Fortsetzung der Aussprache wurde auf nächsten Dienstag vertagt. Der Kammerpräsident kündigte an, datz gegen zwei kommunistische Abgeordnete ein Berlangen auf Strafverfolgung eingegangen sei. Die Abgeordneten sollen Soldaten zum Ung'horsam aufgefordert haben.

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Bus dem besetzten Gebiet.

Köln, 26. Mai. Der Wirtschaftsausschuß fü: das besetzte Gebiet legt scharfe Verwahrung dagegen ein, daß bie Reichsrrgiernng den Entwurf eines Gesetzes über die Zwangsanleihe dem Reichstag vorlegen will, ohne bie gutachtliche Pcuherung des vorläufigen Reichswirtschastsrats eingeholt zu haben.

Ter wirtschaftspolitische Ausschuß deS Reichswitt- ichaslsrats bat eine Entschlieknng angenommen, in der er sich einstimmig dagegen erklärt, datz für den ein» zusüürenden Zucker Zölle zu erheben sind. Der Ver­treter des ReichsernäbrungsministeriumS erklärte, datz ate Regierung die Erhebung eines Zolles auch nicht be^tzstchitoe.

Die Anleihe -Verhandlungen.

6er mrWWe» Lage JenWaith.

Paris, 26. Mai. Wie der „Demps" mltt-'kt, hat der internationale Anleiheausschutz heute Vor­mittag nicht getagt, ist aber heute Nachmittag 3 Uhr zusammen getreten. Die Arbeiten stnd nach dem Blatt noch nicht über allgemeine Auseinander­setzungen hinausgekommen.

V ar t §, 26. Mai. Die „Chicago Tribüne" will wissen. baS bet Anl-iheauss<lmß gestern Dr. Bergmann, brr ihm über die V-rhanblungen zwischen Deutschland unb her Revarationskoinmission betreffend bie Forderun­gen zum 31. Mai Bericht erstattet habe, batnn in K'vntniS gesetzt habe, baß er ebenfalls die Einstellung der beutichen Inflation unb die Herstellung M Gleichgewichts des Budg-ts fordern würde. Die deutsche Regierung müsse allo, ebenso wie Dr. Hermes >3 getan hab:, diese Forderungen annehmen. Die Mit- glleder -deS -L'NSschusses seien dann in die •.$rfifung : bet kommerziellen Lage Deutschlands ein- getreten, die sich nach folgenden Gesichtspunkten voll­ziehen soll:

1 Genauere Umschreibunq des deutschen Eigentums und bet deutschen Produktivität, Einstellung innerer nirtb äufi-rer Faktoren auf diese Produktivität.

2 . Beschreibung bet deutschen Zahluv.gsfähigkeit, nn» abhama v»m Londoner Zahlungsplan und anderen be- prhffibi’n Abmachungen.

3 Wirkung eines olliiettcn Eingreifens auf die deutsche Prsbuktivitöt durch Beibehaltung einer starken Heeres- macht im Rltcinlande oder Einleitung weiterer alliierte:'. Sanktiopen.

4 . ijhnfang bet Märkte für den Msatz heutiger Waren in der ganzen Welt unb Einfluß der Wechsel­kurse auf deutsön Werte und deutsche Produktionskostcn auf dielen Märkten

5 Bestimmung der Garantien, bie Deutschland im­stande sei, für die Anleihe zu bewilligen und b-'t alliierten Garantien gegen einen Eingriff in bie deutsche Produk­tivität.

Das Blatt nimmt an. daß diese Untersuchungen min­destens fünf bis sechs Wochen in Anspruch nehmen wer­den. Danach könnten die Bedingungen einer ober meh­rerer Anleibe:, für Deutschland festgelegt werden. Im Ausschuß wurde anerkannt, daß diese Anleihen, die Um­wandlung der deutschen Kriegsschulden ohne ihren ge- fährlich-n politischen Eharakter in eine reine Handels­schuld bedeuten würde. Die Berantworftrng für die Einziehung der Schuld werde tont den alliierten Ländern aitt die Geldgeber übergehen.

Keine endgültig« Entscheidung vor bem 31. «et

Patiö. 26. Mai. Tie »Etc Nouvelle" berbrettet unter aller Reserve das Gerücht, der Anletheausschutz werde keine endgültige Entscheidung vor dem 31. Mai treffen. Die Delegierten glaubten tatsächlich, daß es notwendig fet die deutsche Antwort abzuwarten.

Sie SksMmm in Ml. .

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Wirth «nd Hermes.

B « r l i» , 28. Mai. Wie die „Bofl. Ztg." mit- teilt, hielten der Reichskanzler, die Minister Ra- thenau, Hermes und Brauns bereits am Vormittag eine Besprechung ab, die in der Hauptsache dazu_ be­stimmt war, die Meinungsverschiedenheiten über die in Paris zwischen Hermes und der Wiedergut- machungskommiMon getroffenen oerläufigen Ver­abredungen zu beseitigen.

Ter Reickskanzler hatte vgchmit'ags die Fraktions- führcr der Regienrngspart-ikn in die ReichSkrn;^! gefeten, um ihren Standpunkt zu der ReparatimS- Vrage kennen zu lernen. Die Fraki-nsfsthrer er­statteten darauf im Laufe des Abends ihren Fraktionen Berichte. Die Fraktton der Deutschen Volkspartri beschloß die Beschlußsassung über bie Konferenz von Genua und die Reparationsverhanbluugen in Paris solange auszusetzen, bis daS Ergebnis der Beratungen des Auswärtigen Ausschußes dazu trrVegt.

Die „Germania" gibt l>eute zu, datz tatsächlich

Meinungsverschiedenheiten Innerhalb des Kabinetts vorhanden seien, betont aber, datz sie durchaus n cht persönlicher Natur sind, unb datz von allen Betei­ligten mit Sachlichkeit an ihre Beilegung heran- getreten und ein Ausgleich gesucht werde. Die Frage, die zur Erörterung steht, ist die: Wa» ist an den Wiedergutmachungsausfchutz auf Gründ der Berhandlungen, die Hermes in Paris gepflogen hat, nunmehr sachlich für eine Antwort zu geben?

Wie di« Blätter melde», ist der Gegenstand der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichskanz­ler unb dem Reichssinanzminister Dr. Hermes der Punkt der von Dr. Hermes in Paris vereinbarten Antwort auf di« Note de» Wiedergutmachungsons- schusies, der den 31. Marz als Stichtag für die Fest­setzung des Umfange» der schwebende» Schuld Deutschland» vorficht. Reichs langer Dr, Wirth

äutzerte dagegen schwere Bedenken, besonders ür den Fall eines weiteren Sinkens der Mark.

Dem „Verl. Lok.-Anz." zufolge soll nun durch Ver­mittlung des Reichspräsidenten eine Formel ge­wählt worden sein, in der erklärt wird: Deutschland ist bereit, den Papiergeldumlauf mit dem 31. März als Stichtag einzustellen unter der Voraussetzung, datz nicht weiter ein katastrophaler Rückgang des Kurses der Reichsmark erfolgt. Dieser Kompro- m i tz v o r s ch l a g soll eine Rückfrage nach Paris ocianlatzt haben. Staatssekretär Bergmann soll den Auftrag erhalten haben, bei dem Wiedergut­machung sausschutz anzusragen, ob Deutschland bei Annahme des Punktes über den Papiergeldumlauf die Erlaubnis erhalten würde, neues Papiergeld a,:szugeben, wenn es sein Bersprecheu, bie Jnfla- tion einzustellen, unter dem Druck einer höheren Gewalt nicht halten könnte.

. < Noch keine Entscheidung.

V e r l n n,' 26. Mai. Wie der Sonderbericht­erstatter des WTB. erfährt, bilden die Vorschläge, die aus den pariser Besprechungen des Reichs- finanzministel^ i,ttvorgsgar.gen sind, gegenwärtig noch den Gegenstand von Verhandlungen im Reichs­kabinett. Es ist daher durchaus falsch, von gefaßte» Entscheidungen ober eingetretenen Krisen zu spre­chen. Die endgil ige Entscheidung des Kabinetts wird zweifellos in kürzester Frist erfolgen, da die Reichsregierung schon am Montag mit ihren Er­klärungen zur politischen Eesamtlage vor da» Plenum des Reichstages treten wird. .

Der BW der beuWn Astumt. '

Doch ne« Steuern?

B> rlin, 26. Mai. Das „Verl. Tagebl.- roei*; über den von Dr. Hermes dem Reichskabinett vor« gelegten Entwurf der deutschen Antwort auf bit Note der Wiedergutmachungskommisfion, in bet die Gewährung des Moratoriums von Tannes ab­hängig gemacht wurde von der Bewilligung vo» 60 Milliarden Mark neuer Steuern durch den Reichstag bis 31. Mai und von der Zulasiung einet Finanzkontrolle durch die Verbündeten mitzuteilen, bie Reichsregierung fei unter der Voraussetzung der Gewährung einer internationale» Anleihe an Deutschland bereit, das Defizit des ordentlichen und autzerordentlichen Haushalts unter allen Um­ständen zu decken und zwar vor allem aus etwaigen Mehrerträgnissen der bestehenden Steuern, ferner dadurch, daß die Ausgabe» bee Reiches auf ihre dringenden Notwendigkeiten nach- geprüft und gegebenenfalls vermindert werden. Wenn erforderlich, werde die Reichsregierung 31 Balanzierung des Haushalts innere larifriitif Anleihen aufnehmen. Wenn diese drei Matznahmn nicht ausreichetch sein sollten, so will die Reiche tegierung prüfen, ob neue St euer» zum Aus­gleich erforderlich stnd. Zur Behebung der Infla­tion soll bie Roten presse eingestellt werden. Als Stichtage für den Umfang des Notenumlaufs soll der 31. Marz 1922 gelten. Die seitdem aus- gegebenen Noten sollen wieder eingezogen werden.

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W AnÄmA kn AlMiktlm Mn$W

Berlin, 26. Mai. Der auswärtige Ausschuß des Reichstages trat heute Vormittag 10 Uhr zu der mit Spannung ertvarteten Sitzung zusammen, in der die Frage bet' Gcnukftr Konferenz, der Pariser 8er» fir.tblungen und drs Abschlusses der deutsch ^lnischci Verhandlungen erörtert werden sollte. In der Atzung waren be» Beginn von der Rrichsregicrung nur Vize­kanzler Bauer unb Wittschaftsminister Schmidt er­schienen. Der Reichskanzler und der Minister des Acvßerrn Rathenau waren noch abwesend, öa sie am Vormittag noch Besprechungen mit dem Reichsiinanz« Minister hatten. Auf den Wunsch M Ausschusses begab sich der Bizekanzler zu dem Reichskanzler, um kiffen um fein Erscheinen ia der Ausschußsitzang zu ersuchen. Bei dieser Sachlage wurde beschloisen. zu- nöchst in die Erörterung der ober sch lest scheu Fragen einzutreten.

Nach dem Bertrag be« Berichterstatters «bg. 2L Hoch sch (Dn.) und Dr. Gotheim fDem-f* berichtett Reichsminister a. D. Schiffer über die Berharchluvgen in Oberschlesien und Gens. Vom Lor- sitzenden «bg. M ü l l e r-Franken wurde ihm und allen seinen Mitarbencrn der Dank für die eisnzc und ersolgrriche Benretung der deutichm Belange »tuet bem SetfaU be« Ausschüsse« ansg.-sseocheu. ««h- »ittagt L Uhr trat ba Auöichnß ebe$=wU «0)5«**,