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Amtliches Verkündigungsblqtt des Kreises Marbmg.

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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

Mr. 121

Tie ^Oderhejsilch« 3ettun* wtAtint fe&Muti wStbentli». «e$ugw»teis monatlich 19 Mk. Für ausfallenoe Xemmetn tnkolg« Streik oder elementarer «retgniüe kein Ersatz. Verlag von De. T. k»«r»ttz. Ttatf bet Unh>.«Pu<bbni4eret von Soft. Äug. Aotfj, Markt AN. Ker»!or«ber », Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Fran klirrt a. Main.

Marburg

RIÜmA, htn 24. M

DerÄn^tgenvrei« beträgt für die Saesp. Zeil« oder deren Nau« 1 Mk. für den Milli­meter, amtliche und auswärtige 1.30 Mk. Ändere Spaltenbreite» »ach rntfprechender Berechnung. Eoät einlausend« oder de» 'Raum über !/, Seite einnehmende An­zeigen find wir berechtigt, nach der Tertlpaltenbrette «» fetze» und z» berechne». Sogen. Reklamen berechnen wir di« Tol^Zetle mit 9.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Bei ÄuMunft durch die Sefchäktssteüe und Swnttthwg der Ange» - bote 1 Mk. Sondergebuhr.

57. Ml 1922

IMßkk 9Wat

217. Sitzung voui 23. Mai.

Auf bet Tagesordnung sieben zunächst Anfrage«. Auf eine Anfrage der Kommunisten wegen AuslieferRNg bes iw.liemschen Kommunisten Boldrini »nb der 8er- iaftung der Italiener Ghexzi und Bachi wird regierungs- fettig erwidert, die Auslieferung sei aufgrund d.'S wtH Italien bestehenden AuslieferungSv'rtrage» wegen Mor­des erfolgt. Die Frage, ob eS sich hier um ein Politische? Verbrechen handele unb Boldrini da? Astzlrecht zu ge­währen sei, sei nach eingehender Prüfung verneint wor­den. Die Schweiz nehme übrigen? den gleichen Stand­punkt ein und habe deshalb den Durchtransvvrt gestattet. Die Verhaftung von Ghezzi und Bachi sei richtig. Ob da? Auslieferungsbegehren begründet sei, werde die Prüfaag ergeben.

Nach Erledigung weiterer Anfragen, wird die Beratung des Wirtschaftshaushalts fortgesetzt in Berbindnng mit den Interpellationen über den Warenverkehr au? dem besetzten, ins unbesetzte Gebiet und über die Regelung des LehrlingSwesenS im Handwerk.

Absi. Simon-Franken (U. S.) meint, wenn c? fo schwer sei, Lehrlinge für da? Handwerk » bekommen, so liege da? daran, daß das Handwerk immer neeir zuürckgehc und für die Zukunft keine rechte E;ite»z mehr biete: g-he ja auch die Zahl der Gehilfen ständig zurück. Der Redner wendet sich dann gegen den Ruf nach ter freien Wirtschaft. Schon jetzt seien alle Befürch­tungen hei weitem übertroffen. Da? Getr-ide habe den stöfachcn Stand de? Friedenspreises erreicht, und bei allgemeine Ausverkauf treibe uns der Katastrophe u«so schneller entgegen. Augenblicklich habe daS Steigen de? Dollars sie noch einmal aufgeschoben, ab« sie kommt mit Sicherheit, und dann versinke alle?, vvr allem die Arbeiterschaft tn einem Meer von Elend. Die Annahme, man könne unsere Pro­duktion durch Verlängern der Arbeitszeit r*tten. sti ein Irrwahn. Der Redner protestiert schließlich gegen da? Urbeitrzeitgesetz im Bergbau und fordert dessen Sozralr- sstrung.

Abg. Gilde meister (D. Vpt.) bek«fi, daß man sich den wirtschaftlichen Problem'« gegenstber nvcEt-rn und sachlich auf den Boden der Tatsachen stellen müsse. Auch die Regierung der Erfüllung müsse «it der Tat­sache rechnen, daß unsere wirtschaftliche Entwicklung rückwärts gehe und nahe den, Bettelstvb seien Die Riesenzahlen unserer Ausfuhr seien trügerisch; wir seien gerade in erster Linie ans den Export angewiesen.

Abg. Wieland (Dem.) fordert Abb»», mindesten? aber eine vernünftigere Handhabung der Anßenhanüel»- bntrolle. Er wünscht außerdem erhebliche Steigerung ter Kohlenprodnktion, schnelleren Abtransport der Lager- testönde von Kohlen und Koks. Ansammlung von Lager-- vorrnten in Süddcutschland und Verbesserung der O.uali» tät der Kohlen durch Verringerung des Stein- und Nchengehalte?. .

Abg. Karkhau? (Ztr.) beklagt die Blindheit. Bitt der dir Masse des Volkes unserer elend« wirtschaft« faben Lage grgenüberstcht und- die es verhindere, daß eine ivirtfchastliche Einheitsfront zustande komme. Der Redner wendet sich gegen den Einfluß der Kartelle und Syndikate ans die Preisbildung. Die Großhandel?- fcnbifntr wirkten wie eine private Zwaugswirtschaft. Redner protestiert gegen die Forderung der Zuckerwirt- schastsstelle, den AuSlandszucker zu besteuern, da im gleichen Augenblick aller Jnlandszucker zu AuslandS- Hirfcr werden würde. Der Redner bespricht die Kredit- Not des gewerblichen Mittelstandes, bedauert den Rück­gang de? deutschen Knnslhandwerks und kommt dann auf die Lehrlingssrage zu sprechen, die er nicht politisch, sondern rein erzieherisch zu behatcheln bittet. Der Lehr- ing soll sich als Le hrli n g fühlen, nicht als Mitglied eines Diskutierklubs. (Lärm links; Beifall bei den Mehrhcitspartcien.)

i Abg. Fülle»« (Komm.): Die Arbeitslosigkeit der ftklt wird immer weiter um sich greifen, wenn der Menschheitsstandpunkt nicht auch im Wirtschaftsleben zur Geltung kommt. Der einzige Hinderungsgrrmd ist aber ter Kapitalismus. Auch für die Rot der Presse ist nichts geschehen. Der Papierpreis ist um da? Doppelte ge­stiegen

< Abg. Btcner (Deutsch«.) begründet Ne Interpella­tionen der bürgerlichen Parteien, dem sich auch das Zentrum angeschlossen hat, über daS Lehrlingswesen. Gefordert wird Erhaltung der Meisterlehre, Ausbau der ZnnungSbefugniffe, Handwerks- und Gewerbekammeru Und paritätische Beteiligung der Gesellen bei der Rege- fang der Lehrlingswesens. Die Interpellationen sprechen sich g e g en die Versuche einer tarifvertrag lichen Regelung tes LehrlingswesenS auS.

' Staatssekretär M ü r s ch: Die Reichsregierung begrSß' hie Maßnahmen der Selbsthilfe, dir der gewerbliche Mit trlstand getroffen hat und wird sie unterstützen. Da? ®e- sttz will das LchrverhAtnis und die Beschäftigung iugend- kicher Arbeiter regeln. Der Lehrlingszüchterei soll ent- »egengetreten werden. Erzieherische Beeinflussung des stehrherrn muß in Anlehnung an die heutigen Anschauun­gen gewahrt bleiben, jedoch darf körperliche Züchtigung Uicht möglich sein. t

Nachdem eine Reihe einzelner Kapitel angenommen falb, vertagt da? Haus die Weiterberatnng auf morgen Nonnittag 11 Uhr. Außerdem: Finanzhaushalt.

Der Arbeitsplan bis Pfingsten.

Berlin, 23. Mai. Der Aeltestenrat des RetchS- fageS beschloß, daß der Auswärtige Ausschuß am Breitag und Sonnabend Sitzungen zur Besprechung &er Konferenz von Genua abbalten wird. An diesen reiben Tagen soll im Plenum die zweite Lesung des Haushalts beendet werden. Tie große politische Aus­

sprache im Plerrum wird voraussichtlich am Montag und Dienstag der nächsten Woche ftattfinden, bet der auch der deutsch-polnisch« Vertrag üder Oberschlesten und der dünische Handelsvertrag erledigt werden. Am 31. 5. soll die dritte Lesung des Haushalts im Plenum ftattfinden.

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kmWkr Enltoi.

142. Sitzung vom 23. Mai.

Die kürzlich ivegen Beschlußunfähigkett bei Hauses abgebrochene Beratung bei Gesetzentwurfs wegen des Großkraftwerks Hannover wird fortgesetzt. Die na­mentlich« Abstimmung Ober den grundlegenden H 1 er­gibt mit 246 Ja gegen 5 Bein bet 3 Stimmenthaltun­gen die Annahme.

Nach längerer Aussprache wird der Titel deS Ge­sches so avgeSndert: Gesetz bett, die weitere Versor­gung des Gebietes an der mittleren und unteren We­ser mit elektrischen Strom. Hierauf wird das Gesetz in zweiter Lesung ganz angenommen und die Be­ratung deS JustizhanShalts fortgesetzt.

Abg. Meyer (DVP.) kommt auf die Vorfälle in Neubaldenslebe» zu sprechen, die er einfach akS Land­friedensbruch bezeichnet. Er protestiert gegen die Be­kämpfung der schwarz wetteroten Fahne. Er ist da­mit einverstanden, daß der Strafvollzug der Einwir­kung der Staatsanwaltschaft entzogen werde, kann aber nicht finden, daß der heutige Sttafvollzug die Be­zeichnungmittelalterlich' verdient. Jedenfalls müs­sen auch die Gefangenen vroduktive Arbett leisten, na- türktch gegen Bezahlung.

Abg. Bock (Komm.) protestiert gegen die Klaflen- lufth über die in Mitteldeutschland Verurteilten.

Abg. Menzel (Komm.): Solche Grausamkeit, wie sie beute in Gefängnissen getrieben werde, sei nicht einmal unter dem Sozialistengesetz zu verzeichnen ge­wesen.

Ministerialdirektor Klein ersucht den Vorredner sein Material vorzukeaen, damit den Beschwerden nachaegangen werden könne.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) fordert daS Be­kenntnis zur Republik alS Vorbedingung zum Rtchter- amt

Abg. Dr. Dolezvck (DRatl.) verlangt, batz die Gefangenen nicht zur Konkurrenzarbeit für daS Hand­werk deranaezogen werden können.

Nach ireitereit Bemerkungen wurde die allgemeine Aussprache beendet. Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr. Kleine Anfragen, Fortsetzung und Volkswohlfahrt.

GlW und dft stimWk Mt> WM.

Frankreichs BesetzungswNnfche und das Anleihe. Problem.

Haris, 23. Mai. Eine Persönlichkeit aus brr Umgebung des Vorsitzenden des von der Reparafien?- kommissisn eingesetzten AulecheausschusseS, deS bel­gischen Degelietten Delaeroix, erklärte einem Re- baftenr der9te Nouvell«":

Wenn Frankreich inS Ruhrgebiet einmarschiert, ist die ganze Arbeit der Finanzkonferenz umsonst. Wir müssen unS darüber klar sein, dost die ameri­kanischen i:nd neutralen Geldgeber Deutschland nur dar« leihen to-rben, ivenn sie das Gefühl haben, daß ihr Geld nicht in Gefahr schwebt. Die ausländischen Geld^ber werden ihre Bedingungen stellen und Pfänder verlangen. Die Franzosen und Belgier müssen sich endlich endgültig entscheiden für e:ne der beiden Methoden, entweder die Mitwirkung bet Welt bei der Wtederaufttchtung unserer Ruinen zu erreichen ober allein Expeditionen zu unternehmen. Trotz des begreiflichen nick berechllgten Wunsches, den die Belgier und Franzosen empfinden mögen, sich der großen Zentren Deutschlands zu be­mächtigen, ist es heute an der Zeit, die Vorteile dieser Operationen genauer zu besehen, denn es wurde berechnet, daß die Besetzung des Ruhrgebi-ts uns nur einen belanglosen Nutzen lassen würde. Die Besetzung kann sogar zum Unheil aus^chlagen. wenn England eS wkll. England hat den Kohlenmarkt in der Hand. Es kann die Preise herabseLen, und die Ruhrkohle wird verkäuflich. Llber noch mehr. Die Mark wird sinken. Wenn sie auf einen Centime fällt, wird das Problem nicht nur ncjch unlösbarer, sondern unsere Länder werdet, auch unmittelbar in Mitleidenschaft gr^tr« Privatpersonen und Staaten, insbesondere der belgische Staat besitzen ungeheuere Mengen von Mark, die dann nichts mehr wert sein würden. Der Gewährsmann des Blattes kommt dann auf die Garantiefrage zu sprechen und sagt: Die Alliierten müssen auf die General- Hypothek des Versailler Vertrages zu Gunsten bet aus­ländischen Geldgeber verzichten. Werden sie das wollen? Die ausländischen Gechgeber werben aber noch mehr verlangen, als daß Frankreich aus die Besetzung des Ruhrgebietes verzichtet. Sie werden "ohne Zweifel verlangen, daß die Alliierten sich ver- pflichten, in Zukunft niemals mchr g gen D ittsch land militärische Sanktionen zu ergreisen. Ohne Zweifel könnten wir in diesen Verzich: für drei ober vier Jahre einwilligen, d. h auf so lange Zeit, als wir sichet wären, daß Deutschland dank dieser aus­wärtigen Anleihe uns Zahlungen leistete. Nach dieser Zeit aber müßten angesichts eines von neuem zahlungsunfähig werkenden Deutschland

Handlungsfreiheit haben, und gerate bas ioetbtn die ausländischen Geldgeber nicht zugeben wollen, weil sie noch auf lange Jahre hinair- die Zinsen ihrer Anleihe zu bekommen haben.

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London, 23. Mai. Bei einem unter dem Vorsitz von Lord Derby vetanstatteten Essen der Vereimgtcn englisch-französischen Gesellschaften führte Bonar Law in einer Rede auS, es würde eine fast undenkbare Tra­gödie sein, ivenn eine Schwächung der englisch- französischen Freundschaft und eine Locke­rung der Gnteirte stattfinden würde. Dies würde etn großes Unglück für England und eine Katastrophe fiir Frankreich bedeuten, sowie eine Bedrohung des künf­tigen Weltfriedens. Undenkbare Dinge seien jedoch schon vorgekommen. Wenn die enteilte aufrecht er­halten werden solle, müsse aus beiden Seiten des Ka­nals nicht nur Sympathie, sondern auch Verständnis aus Seiten der einen Nation für die Gedanken und Gefühle und die Bestrebungen der anderen Nation vorhanden sein. Seiner Ansicht nach sei die Verken­nung der Verhältnisse Großbritan­niens in Frankreich noch größer als die Ver­kennung der Gefühle Frantteichs in England. Bonar Law legte sodann dar, daß er bei seinem sechsmonati­gen Aufenthalt in Frankreich Tag für Tag in den französischen Blättern gelesen höbe, datz England aus dem Kriege viel gewonnen habe und crfiärtc, England habe eine Steuerlast zu nagen, die schwerer sei, als die der anderen Nationen.

Bonar Law fuhr fort, wenn er andererseits in England persönliche Angriffe aus den französischen Ministerpräsidenten lese, die bedauerlich wären und nicht durch ähnliche Angrifie auf den englischen Pre­mier gerechtfertigt seien, fo sei dies schlimm genug. ES gäbe jedoch noch etwas SchlmmereS, wen» er lese, daß man vom französischen Militarismus bedroht werde. Er glaube das nicht. Ei« Land, das vor fo kurzer Zeit über VA Millionen der Besten seiner Bevölkerung verloren Babe, kenne keinen Wunsch, der fo statt sei wie der F r i e d e n s w u n s ch. ES fei nicht Milita- ttSmuS, eS sei Furcht: und daS fei kein Wunder, denn während der Lebensdauer fetzt lebender Menschen fei Frantteich zweimal von demselben Volke überrascht und verwüstet worden. Aber die Franzosen wützten wie die Engender, daß, wenn der Krieg vorüber sei, Friede sein mttffe.

Bonar Law fuhr fort: .Ich würde gerne über ettte andere Seite dieser Frage ein Won sagen. Während einer ganz kurzen Zeit nach dem Kriege hat man sich in England einer Täuschung hingegeben. Jedermann, den man getroffen hat, sprach davon, datz Deutschland die gesamten Kriegsschulden zahlen müsse. Die Deutschen können die gesamten KriegSkosten nicht bezahlen, ste können je­doch einen großen Teil davon bezahle». Jedermann muß sie bezahlen, und eS ist nur gerecht, daß die Deut­schen bezahlen, waS sie bezahlen können. Ich habe be­reits erklätt, daß Großbritannien den Frieden mit den früheren Feinden will und ich wünsche, nichts Miß­fälliges über sie zu sagen. Aber to glaube nicht, daß irgend eine Nation gerne zahlen will, wen« sie eS ver­meiden kann, und ich bin sicher, daß dies mich die deutsche Nation nicht will: und die Leute, die in Eng­land oder Frankreich sind, haben Recht zu sagen, daß sie zahlen können. Ich habe in den Blättern den Bries PoinearäS gelesen, ln welchem der französische Mi­nisterpräsident die Möglichkeit erwähnt,' daß Frankreich eine Aktion unternehmen könne, um allein den F r t e - nensvertrag bon Versailles zu erzwingen. Wenn einer der Alliierten berechtigt sei, etwas allein zu unternehmen, fo sei ein anderer Alliierter berechtigt zu sagen, daß er nichts damit zu tun baden wolle. Ein solcher Vorgang würde direft im Interesse der früheren Feinde liegen, und er würde Cenait das Mit, waS Deutschland tröffe. Ein größeres Unglück für England oder Frankreich alS dieses könne es nicht neben, könne nicht aeschehen und dürfe auch nicht ge­schehen. Er bezweifle, ob die Regierungen wüßten, wieviel Deutschland bezahlen könne, ebe sie bett Bericht von der Revarationskommission erhielten. Darüber dürften sedoch keine MeinunaSverfchiedenbeiten herr­schen, datz Deutschland daS.waS eS zahlen könne, zahlen müsse.

Englische Stimme«. Die Unterhaullanssprache.

London, 23. Mai. Wie die Blätter melden, ist Llovd George beute auS EbequerS wo er sich feit Sonntag aushielt, rurückgekebrt »ob bat vormittags kitte erste KablnettSsit-ung feit der Rückkehr von Genua abgeßalten. Wie verlautet, wurden die irische Frage, die Genueser Konferenz und die am nächsten Donners­tag stattfindende Unterbaubebatte erörtert. »Ball Mall and Globe' meldet, daß die Genueser Debatte am Donnerstag im Unterhanse eine der aller bedeutengsten seit Ende deS Weltkrie­ges sein werde. Lloyd George werde in seiner Rede die MSpltchkeften behandeln, die in den Drohungen der französischen Regierung, daS Ruhrgebiet zu be­setzen. enthalten sind und werde die Bolitik Groß­britanniens in dieser Frage darleaen. Groß­britannien widersetze sich der geplanten krag,ssischen Aktion im Interesse Frankreichs selbst und Europa? atS Ganzem. Die Debatte werde am Montag fottgesetzt, und in der Zwischenzeit werde (M<>Ti»cf»tbett rebabt haben, die Rede Llgdd Gcoroes zu lesen und dazu Stellung zu nehmen. Da? britische Kabinett besinde sich bezüglich d-r Politik des britischen Reiches in völliger Nebereinstimmung. und in gut unterrichteten Kreisen haste man die Nnterstsstz- ttng deS Parlaments für voll gesickert. In einem Lei'artikel schreibtPall Mall Gazette", die französische Regierung würde gut tun, der gestrigen Rede Bonar LawS ihre Aulmerkfamkeit zuruwenden. AlS Vertre­ter der konservativen Richtung In England nehme nie­mand eine maßgebendere Stellung ein alS Bonar Law. Wenn Frankreich in das Ruhrgebiet einmar« schiere, würde dies Frankreich wahrscheinlich mehr

k o st e«, alS eS einzudringe» in der Sage sei. nutz je gleicher Zeit würde dies zu einer Spaltung tn bet Entente führen, die man vor der Welt nicht verheim­lichen könne.

London, 23. Mai. Im Unterbaute erfffirte Chamberlain tn Erwiderung auf verschiedene Anfra­gen, die Debatte Ober die Genueser Konferenz werbt am Donnerstag stattfinden. Sir EvanS werde btt Erörterungen seitens der Regierung eröffnen und etnt allgemeine Erklärung abgeben. Der Premierminister werde auf die Kritik Watten, ehe er weitere Dattcgun« gen geben werde. Sein Blaubnch bezüglich der Genue­ser Konferenz würde vorbereitet und befände sich augenblicklich im Druck. Da? Dlanbuch werde all« notwendigen Akten, jedock noch nicht die Aufzeichnun­gen über die verschiedenen Unterredungen in Genu« enthalten. Worthington Evans könne besser die Dar­legungen der in Genua erreichten Abmackungm geben als der Premierminister. Chamberlain erklätte weiter, er wolle dem Hause nickt verheimlichen, der Premter- minifter wolle die Art der Kritik beobachten, die man gegen ihn richten würde, bevor er sein Reckt, zu spre­chen. in Anspruch nehmen werde.

London, 23. Mai. Wie die Blätter melden, hat olodd George heute seine erste Kobinettssitzttug seit der Konferenz von Genua abgehalten. ES wurde in be< Hauptsache die Genueser Konferenz erörtert.

London, 23. Mai. LautEvening Standard^ sehen die hiesigen Finanzkveise dem Ergebnis der Be­ratungen deS Nnterausschusses der Reparationskom­mission zur Erwägung der Frage, eine Reparations­anlethe an Deutschland zu gewähren, mit ungewöhn­lichen. Interesse entgegen. Wenn beschlossen werden sollte, Deutschland eine Anleihe zu gewähren, könne es als sicher angeschen werden, daß die gesamte eu­ropäische Sage ehre Wendung zum Besseren nehmet» werde, jchoch sei das weitere Fallen der Mark keines­wegs erfreulich. Dies sei wahrscheinlich auf laiwn zurückzuführen.

Die Opposition In der französischen Kammer.

PartS, 23. Mai. Die Kammer hat heute ibreJHfr beiten wieder ausgenommen. Im S3erlauf der Sitzung erklärte Abg. Lacotte, Minister Borthou habe sich hx der Peleroleumfrage von England ins Schlepptau neh­men lassen. Frantteich solle direkt mit Amerika ebne die Vermittlung von England verhandeln. Hieranf ergriff Tardieu daS Wort und erklärte, die Ver­handlungen. bk- bibber zwischen den Alliierten und Deutschland geführt worden seien, hätten die Rechte verminde«, die Frankreich auS dem Vertrag von Ver­sailles hätte erwarten können. Schlietzfich habe ma» sich in Genna an die gleiche Tafel mit den Vertreten! der Sowjets gefetzt. DaS könne nicht so weiter gehen. Bei jeder diplomattschen Verhmtdlung werde daV französische Reckt und die Gegenleistung verstümmelt. Auf weitere Angriffe TardienS erwiderte Potn- cat6, baß bie französische Regierung vollkommen frei sei, nach dem Haag zu gehen. Ohne die Zusiimnmn« deS Parlaments werde ste nichts unternehmen.

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Henner in Paris.

Paris, 83. Mai.Petit Parisien" schtribt: Die Berl-andlungen zwischen dem ReichSminisser Dr. - Hermes und den Mitgliedcttt der Reparatlonskom- Mission sind gestern vorgefühn worden. Aui diesem Meinungsaustausch wie au» demjenigen, der zwischen den Mitgliedern der Kommission selbst stottg'sundefi hat, scheint sich zu ergeben, daß sich die Standtunfte etwas genähert haben, jedoch wucke ein Einverständnis noch in keinem Punkte erzielt. ES darf übrigen- nicht vergessen werden, daß, selbst wenn ein derartige- EinverstäudniS festgestellt wird, dies nur als ein An­zeichen aufzusassen sein würde, da die Vorschläge und die Verpflichtungen nut von der Berliner Regierung gemacht werden können, die ebensowenig Wie die Re- paratinnskommission selbst durch die im Gange be­findlichen Verhandlungen verpssichtet ist.

Die Meldungen der Blätter über die Besprechungen des ReichsfinanzministcrS Dr. Hermes in Paris lauten Weiter günstig. DieDeutsche Alig. Zeitung" 6e» richtet, daß berechtigte Hoffnung auf Einigung in den wichtigen Fragen (Finanzkontrolle, Kapitalfluchtgesetz und JnssationSbeschränstrng) vorhanden sei.

Wie dasEcho National" schreibt, sei ihm im Ministerium des Auswärtigen auf Befragen erklärt worden, daß der optimistische Eindruck eines gestrigen Abendblattes über die Verhandlungen, die Dr. HernuÄ führe, nicht bestätigt worden sei Man habe g-antWortrt, bis jetzt gestatte nichts, aus eine günstige Lösung zu hoffen. Die Verhandlungen würden fottgesetzt, aber ma» könne daraus noch keine Schlüsse zichen.^

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Die Veralurrgen in Berlin.

Äcue Jnllrutttouen für HermeS.

Berlin, 23. Mai. TaS Reichskabrnett trat heute Vormittag zur Fortsetzung der gesmgen Beratungen zusammen, die sich auch aus die Pariser Verhand­lungen erstrecken. Die Sitzung wurde gegen 1 Uhr mittags geschlossen. Im Anschluß an die Kabinetts- be^prechung empfing der Reichskanzler die Zenlrums- abgeordneten Marx, Spahn und Becker, um mit ihnen die Lage zu besprechen. Nach oen Führern deS gen» trums empfing der Kanzler die leitenden sozialdemok«- tischen Fraktiorrsmitglieüer.