Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg. -
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Anzeiger für (das früher kurhefiifche) Oberhessen
Ur. 119
Di« ^Oberheifiiche Seitenv" etfeeint fetbeeal wömentltch. — Sejagsnteis monatfid 19 ML Für ausfallend« Nnmmern infolge Streiks ooer elementarer Ereigniii« kein Ersatz. — Verlag von De. T.Hi«rer«th. — Drnckderllniv^Buckdruckerei von Sei). Ang. Äed), Markt 21.23. — ^ermerecher 55, PostiSeckkont»: Nr. 5015 Amt Frankiert a. Maie.
Marburg
MsÄsg, des 22. Mai
Der Lnzetgennreis beträgt für die 9 gejx Zeile oder deren 3tanm 1 Mk. für den Millimeter amtlich« und auswärtige L30 ML Andere Svaltendreite» »ach entfprechender Berechnnna. SvLt einlaufend« oder den Na am über >/, Seit« «tnncbmmrt« An» zeigen Ree wir berechtigt, »ach der Tertfvaltenbreite $n I«*» enb za tete6n«L Sogen. Reklame» berechnen wir di« Tol.-Zeile mit 9.00 ML Zeder Rabatt gilt als Larrabatt. Bei Ansknnft dnrch die Gelchättsftelle und Vermittlung »er Angebot» 1 ML Sondergebübr.
57. m
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Deutschlands Ernahrungslage
Kill LnM FmkkM «af 1M885- Mroimen.
Auch bei Fehlen eines Einveeständniffe» mit de« Berbündeten nicht.
! Jin englischen Unterhaus hatte auf die Frage tzes Nbg. Kennworthy, ob man von der französischen Regierung genaue Einzelheiten darüber echalten habe, baß Frankreich bei einem Vorgehen gegen Deutschland nach dem 31. Mai die Verbündeten verständigen roiK. Lhamberlai« erwidert: „Nach der Besetzung Frankfurts am 30. Dezember 1920 hat die französische Re-- gitrung bet englischen mitgeteilt, daß Frankreich in Zukunft in Men interalliierten Fragen, die aus brr Durchführung der Versailler Vertrages entstehen, nnr in lieber ei n stimmu ng mt den Verbünd ten vn-- gchen würde. Darauf hat der Abg. Klotz, ehemal'ger Finanzminister im Ministerium Clemens«« unb.einer der Unterhändler bei bea FriedeuSverhandlungen in Haris, an den Ministerpräsidenten P o i n e a r ä eine« Brief geschrieben, in dem er der Ansicht Ausdruck gibt, haß es sich hier um ein Mißverständnis handele, bas eiligst beseitigt werden- müßte. MinPerpräsident P o i n c a r ä hat darauf an den Abg. Klotz geantwortet, daß die französische Regierung niemals auf irgmd welche Rechte, die sie aus dem Vertrage von Versailles herleitet, verzichet hat. ES habe sicher keinen Auge»- blick int Gedanken der englischen Regierung gelegen, einen derartigen Verzicht zu verlangen, ebenso wenig Wie eS der französischen Regierung möglich g-tm-fe« wäre, ihn lmszusprechrn. ES sei wahr, daß im Monat Aprii 1920 nach der Besetzung von Frankfurt a. M. And vier anderer deutscher Städte ein Meinungsans- tausch zwischen den Kabinetten von Paris und Loudon stattgrfunden hat. Aber damals habe eS sich um eine Maßnahme gehandelt, die Frankreich „im Interesse des Völkerrechts" allein durchgcführt habe und die nicht ausdrücklich im Friedensvertrage von Versailles vorgesehen war. Wenn am 31. Mai dir R parat'ons- dmmissiou ei« beabsichtigte« Verfehlen Deutschlands festgestellt und wenn gemäß § 17 des Anhanges 2 und des Abschnittes 8 des Vertrages b< interalliierten Regierungen damit besaßt wurden, Knuten sie dann nach dem Wortlaut deS Z 18 daS Recht herleiten, notwendige Zwangsmaßnahme« zu ergreifen. Die Regierung habe die Absicht, sich mit ihreen Verbündeten ins Benehmen zu setzen, und fie werde alles tun, was von ihr abhänge, um ihre Mitwirkung bei einer Handlung zu erzielen, die die Haltung Deutschlands notwendig machen Bunte. Bei dem Fehlen eines Einverständnisses werde sie die Rechte aas« chterhalten, die die g§ 17 «nb 18 ihr und jeder der beteiligten Regierungen zuerk- fcur.en, und auf biefe Rechte werde fie nicht verrichten.
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Pari-, 21. Mai. Der französische Botschafter in Berlin Laurant ist heute in Paris eingetrvfie«.
Nach einem Berliner Telegramm de- „TempS" feilen btt Vorschläge, die der deutsche Finanzmimster dem Wiedergutmachungsausschuß unterbreitete, auf folgender Grundlage beruhen: 1. Zwischen dem Wchergnimtch- vngsausschuß und der deutschen Regierung soll ein Abkommen getroffen werden über die Art der L-HU'. ntg der Einnahmen und der Verminderung der Ausgaben, sowie die Autonomie der Reichsbank, mit dem Zieh', den b?nb scheu Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen und der Inflation Einhalt zu gebieten. 2. Deutschland le hm dir Finanzkontrolle über das Reich ab, ist jedoch unter ßewifsen Bedingungen damit einverstanden, daß der Wiedergutmachungsausschuß eine Prüfung der Abrechnung vornimmt. 3. Die deutschen Vorschläge find ton dem Abschluß einer inneren Anleihe abhängig. Der -Iiemvs" fügt hinzu, dir Verhandlungen hätten nach richt zu einem endgültigen Ergebnis geführt.
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M Frage her AlMM-Wkuernng.
Auf die Forderung besondererBestenernug der Ausländer hat der Minister des Inneren ©etierlng grai-twortet, dir Anregung sei bereits Gegenstand eingehender Erwägungen. Diesem Griranken trage auch bereits eine starke Staffelung der Steuersätze der Beherbungssteucr bei den teueren Zimmerpreisen Rechnung. In welcher Art noch eine weitere Regelung dorzunehmen sein werden lasse sich abschließend nicht angeben. Doch werde voraussichtlich- das Recht der Gemeinden zur Erhebung indireller Stenern hierfür ausreichen. Die Stadt Leipzig wird die Fremden- steuer von 10 auf 20 v. H. erhöhen, für Ausländer um bas üfache.
Wie das „Achtuhr-Abendblatt" mitteilt, hat das vmerikanische Generalkonsulat in Berlin alle nach Deutschland kommenden Amerikaner au?g:forbert, in Deutschland keine W aren zu kaufen, da ihnen außergewöhnlich hohe Preise beredjnrt würden und ihnen auf der anderen Seite bei der Abreise große .Lliwieriaketten «utüeben. da Deutschland alle Waren,
für die eine Ausfuhrerlaubnis nicht vorhanden ist, beschlagnahme.
Dem Mitarbeiter des genannten Blattes erklärten Persönlichkeit:» aus den ersten amerikanischen Kreisen, daß im Prinzip lein Amerikaner irgend etwas da- gegen einzuwenden hätte, wenn die nach Deutschland kommenden Amerikaner von der Regierung mit einer besonderen Abgabe als Ausländer belastet würden. Heber dir Aufschläge, die jchoch die Kaufleute und auch die Hoteliers ihnen abnehmen, sei man in allen Kreisen Amerikas sehr ungehalten, da diese Gelder nicht dem Deutschen Reiche oder dem deutschen Volke zugute kämen, sondern lediglich einer gewissen Gruppe von Unternehmern.
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Zu« M Emm.
Berlin, 21 LNai. Die deutsche Delegation ist fr ute Nachmittag in einem Sonderzug ans Genua hier ein getroffen.
Berlin, 21. Mai. Der Reichsvräsident enivstna beute im Laufe des Nachmittags den Reichskanzler Dc. Wirth und den Reichsminister des Aeußeren Dk. Rathe- uau, die ihm über die Konferenz von Genua Bericht erstatteten. Bei dem Empfange war auch der Reichs- wirtschaftSministcr Schmidt anwesend.
Wien, 21. Mai. Bundeskanzler Schober ist beute Bormittag mit den Mitgliedern der österreichischen Dele- gation aus Genua hier cingetroffen.
Paris, 21. Mai. Minist-r Barthon ist «tit der französischen Delegation beute Mittag aus Genua in Paris eingetrvfse«. Er wurde heute Nachmittag van Millerand empfangen.
Paris, 20. Mai. Lloyd G-arge ist mit den Mit- oliedern der englischen Delegation heute Vormittag aus Genua in Paris auf dem Lyoner Bahnhof angekommen. Der englische Botschafter in Paris. Lord Hord Inge, bet den Premierminister auf der Weiterreise bis Calais begleitet. Der Salonwagen, in dem die englisch« Delegation Platz genommen hatte, wurde in Varis, ohne, daß e*ne Begrüßung stattgefunden hatte, nach dem Nordbahnho' umgeleitet, von wo die Weiterreise nach Talais erfolgte.
London, 20. Mai. Llohd George ist heute Abend hier einsetroffen und begeistert begrüßt worden. Der Dampfer war auf bet Kanalfahtt durch Nebel aaf- gehalten worden.
I« Laufe der. Erklärungen, die Lloyd George bei feiner Ankunft machte und bei denen er erklärte, daß er überall auf den glühenden Wunsch nach Frieden gestoßen sei. stellte ein Journalist die Frage: „Besteht dieser Wunsch sowohl in Frankreich alS auch in Deutschland 7" Llovd G n»e antwortete: ,^fch habe nicht den geringsten Zweifel darüber, daß die Mehrheit des französischen Volkes den Frieden will. Mle Franzosen. die ich getroffen habe, Baben mich dessen versichert." Als man Llotch George über die Bolschewisten befragte» ob diese auch einen wahren Wunsch nach Frieden hätten, sagte Lloyd George: „Ich habe diesbezüglich stnnerlei Zweifel. Ich denke nicht im allergeringsten daran, die Aufrichtigkeit ihrer Friedens- wünsche zu bezweifeln. Natürlich haben sie Schstvierig- kriten mit ihrer öffentlichen Meinung, wie sie die anderen Nationen auch empfinden."
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Wilhelmshaven, 20.Mai. Heule Vormittag traf der Reichspräsident in Begleitung des Reichs wehr- minifters Dr. Geßler, des Chefs der Marineleitung, Admiral Behncke und deS Ministerialdirektors Meißner hier ein, um die Besichtigung der neuen Reich-marine vorzunehmen. Ter Reichspräsident rouri-t durch ein Minensuchboot zu dem wieder in den Dienst gestellten Linienschiff „Braunschweig gebracht und unternahm auf der „Braunschweig" eine Fahri in die Iademündung. Auf der „Braunschweig" erstattete der Ehes der Marinestation der Nordsee, Vizeadmiral Zenker, Meldung. Nachdem der Reichspräsident die „Braunschweig" verlaffen hatte und sich wieder aus dem Minensuchboot nach dem Hafen zurück- begab, feuerte die „Braunschweig" einen Ehrensalut ab. Gleichzeitig besichtigten unter der Führung von Stinnes der preußisch« Ministerpräsident BrannS und Oberpräsident N o S ke die Hafen- und Werstanlagen von Wilhelmshaven.
Mittags sand tm Beisein des Reichspräsidenten auf der Marinewerft der Stapellauf deS Dampfers „Karl Legien" statt, der für die G.-G. Hugo StinneS gebaut worden war. Geheimrat Bücher vom ReichSverband der Deutschen Industrie hielt die Tausrede. Nach der Taufrede wurde das Schiff den Fluten übergeben. Anschließend daran fand ein Festakt statt, bei dem Stinnes eine Rede hielt, in der er u. a. sagte: Beim Stapellauf des Dampfers „Karl Legien" huldigen wir dem Gedanken der Arbeitsgemeinschaft der deutschen werktätigen Bevölkerung, d. h. dem Gedanken, daß in Zeiten der Not und Gefahr die häuslichen Meinungsverschiedenheiten zn rückzutreten hoben vor der Notwendigkeit erst einmal den Bau deS AaatShauses vom Fundament bis zum Dach zu sichern.
Ter Reichspräsident verließ nachmittags Wilhelmshaven und begab sich nach Oldenburg zu einer Le- sprechnng mit der dortigen Regierung. Abends kehrt der Reichspräsident wieder nach Berlin zurück.
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216. Sitzung des Reichstag- vorn 20. Mai. !
Der Gesetzentwurf der Reichsbank wird in 2.und 3 .Lesung angenommen. Ein Gesetzentwurf übet Miete rschutz und Mieteinigungsämter wird dem Ausschuß für Wohnnngs- und Siedlungswesen überwiesen. T-aun wird die 2. Lesung des Haushalts des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft fortgesetzt.
Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Prof. Fehr führte über di« Schwierigkeiten des Ernährungswesens u. a. aus: Mein Amts- vergänger hat die Mittel zur Lösung der Versor- gungsfrage auf dem einzig möglichen Wege der Förderung der Produktion gesucht. Seine Maßnahmen zur Aufhebung der Zwangs- wirtschast fast aller wichtigen Lebensmittel war von dem Gedanken getragen, den Schaffensdrang dos Einzelnen zu ecken, konnten aber natürlich nicht in kürzester Zeit Erfolge zeitigen. Dennoch find schon im laufenden Wirtschaftsjahr erhebliche Fortschritte in der Steigerung bet Produktion zu verzeichnen. Die gesamte landwirtschaftlich benutzte Fläche hat eine Zunahme erfahren. Dazu kommt eine gesteigerte Verwendung künstlicher Düngemittel. Die deutsche Landwirtschaft wird, wenn es gelingt, die ganze Produktionskraft zu entfalten, in absehbarer Zeit in der Lage fein, u n - seren Lebensbedarf in den wichtigsten Nahrungsmitteln zu decken. Selbstverständlich ist die Deckung des Bedarfs aus dem eigenen deutschen Boden nicht von heute auf morgen zu erwarten, mutz vielmehr das Endziel eines langen und anstrengenden Weges vorstellen. Deutschland ist von 120 Einwichnern pro Quadratkalometer auf 131 gestiegen. Dabei find
die vielen «alutastattze« Fremdlinge, die sich behäbig an unserem Disch breit machen, gar nicht in Berücksichtigung gezogen. Darum wird das deutsche Volk vorerst aus der eigenen Produktion auch bei stärkster Einschränkung noch nicht leben können, und di« Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln ist daher für uns eine Notwendigkeit. Der Abbau der Einfuhrverbote ist planmässig fortgesetzt worden. Die Kosten der Ernährung sind von 11,2- fachen im April 1920 bis heute auf das 43,6fache gegenüber dem Frieden gestiegen. Die Hauptursache der Teuerung liegt in dem starken Bedarf an ausländischen Nahrungsmitteln. Jedoch «ntz bemerkt »erben, bah eine nicht geringe Zahl Einzelner ans den Kreisen bet Erzeuger sowohl als auch bes Kandels die allgemeine Notlage des Volks und bie Knappheit bet Lebensmittel zur Brfriebi- gunz ihrer Geldgier ausnutzen, bamit bie Teuerung verschärfen n«b bie öffentliche Meinung ganz allgemein zu Unrecht gegen bie Erzeugerwirtschaft und den Handel aufbringen.
Die überaus großen technischen Schwierigkeiten, die sich aus der Zwangswirtschaft für die Kartoffeln, und wenn es sich auch nur um eine Umlage handelt, ergeben würden, widersprechen der Wiedereinführung einer derartigen Maßnahme. Vorsorglich wird schon jetzt versucht, die Belieferung der Hauptverbrauchsgebiete auf dem Weg' von Lieferungsverträgen zu sichern. Eine scharfe Konzessionierung des Aufkaufs ist in Ange gefaßt worden. Die Eetreide- umlage von 2.5 Millionen Tonnen ist bis auf geringe Rückstände erfüllt. Die Landwirtschaft hat mit dieser Leistung auch dann ein unstreitiges Riesenopfer gebracht, wenn man die mit der Erfüllung bet Umlage vielfach erreichte Eeld- einbuße nicht anerkennen kann. Die Verhandlungen über die
künftige Gestaltung bet Brotvetsorgung stehen unmittelbar vor bem Abschluß. Die Reichs- getreidestelle hat die Vedarfsmengen bis zum 31. August in der Hand und ist daran, di« Sicherung bis zu« 31. Oktober durchzuführen. Der nötige Zukauf von ausländischem Getreide macht uns in der Preisgestaltung vom Stand des Dollarkurses abhängig. Dt« Maßnahme, die gegen triefe Beeinflussung des Preises durch Verbilligung des Brotes mit Lebensmitteln getroffen war, muß künftig fallen, so daß es hn kommenden Wirtschaftsjahr leider nicht möglich setu wird, die bisherigen Brotpretfe zu halten. Der mit bestimmter Absicht in die Oeffentlichkeit getragenen Unrichtigkeit, die öffentliche Bewittschaftung, insbesondere die Tätigkeit der Reichsgetreidestelle, trage die
Hauptschuld an der Höhe des Brotpreises, muß «si gegengetreten werden. Auf das Pfund Stet bc rechnet betragen die Unkosten der Reichsgetreide, teile nur 1% Pfennig.
Ein recht unerfreuliches Bild zeigt sich in der Zncketoersotgung.
Entgegen der häufig vertretenen Auffassung, ba| Zucker ausgeführt fei, ist festzustellen, daß weder Zucker noch aus Jnlandszucker hergestellte Zucker« waren oder Schokolade ausgeführt wurde. Die bet« eiligen Zustände beanspruchen die größte Aufmerk- amkrit der Negierung. Die Verhältnisse auf bett Gebiete der F l eif chve rf org u ng konnten bi« n bett Spätherbst des vergangenen Jahres als befriedigend bqeichnet werden, aber die Verschlechterung des deutschen Geldwertes machte die Zufuhr aus bem Ausland mehr und mehr unmöglich. Di« tarke Preissteigerung wird erst dann gebesiert werden, wenn vom Sommer ab die Weidenmastgebiet« wieder mit ihren Lieferungen einsetzen. Auf dem Gebiete der M i lch v er sor g u n g hat der gänzliche Mangel an Futtermitteln während des Krieg« und die unglückliche Preispolitik, die ht der Zwangswirtschaft getrieben werden mußte, di« Abmelkwirtschaften, auf die sich die Versorgung der großen Städte stützte, zerstött. Im laufenden Wirtschaftsjahr sind 400 Millionen Mark zur Milche Verbilligung bereitgestellt worden. Dies« trifft weiter zu gewähren, verbietet unsere finanzpolitische Lage. Hingegen soll die dem gleichen Zie! dienende hochherzig« Aktion der Kindersprisuntz durch die amerikanische Kinderhilfsmisfion der Quäker durch unentgeltliche Hergabe von Mehl und Zucker weiter unterstützt werden. Die Ein« sührung der freien Wirtschaft auf fast allen Gebieten ermöglichte es, der Förderung des
Abbaues bet Jtriegßorganifationen Rechnung zu tragen. Dem Ministerium unter« standen bei seiner Einrichtung insgesamt 38 Kriegs« organifationen, jetzt nur noch 13; von den übrigen 25 Organisationen find 18 völlig aufgelöst und 7 als reine Abwicklungsstellen an das Reichsschatzamt abgegeben worden. Dia bet dem Ministerium noch verbleibenden 13 Organisationen befinden sich gleichfalls in der AuflHung oder Liquidation. Heber den 1. Juni hinaus wird lediglich di« Reichs- getreidestelle und die Heberwachungsstell« für Ammoniakdünger und phosphorfäurehaltige Düngemittel verbleiben. Mtt besonderem Nachdruck wirb das Ministerium dem Hilfswerk der deutschen Landwirtschaft, dieser vorerst geistigen Aktion, Aufmerffamkeit und Unterstützung leihen. Die gesteigerte Versorgung der Landwirtschaft mit künstlichen Düngemitteln war eine Hcwptsorg« bes Reichslandwirtschastsministeriums. 1921 ist es möglich gewesen, für die Landwirtschaft annähernd die doppelte Menge Phosphorsäure bereit zu stellen als im Jahre vorher. Kali wird wie bisher in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Gemäß dem Beschluß der Nationalversammlung ist beim Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein Ausschuß für Moorkultur urd Oed- landerschlietzung geschaffen worden. Zur Zeit wird eine umfassende Statistik zwecks einwandfreier Feststellung der im Reichsgebiet vorhandenen Moor- und Heideflächen vorbereitet. Es ist fit* langen, die Verluste der Hochseefischerei an Fahrzeugen während des Krieges auszugleichen. Leider war die Kohlenzufuhr unzureichend, so daß ein« volle Ausnutzung nicht möglich war. Es werden aber alle Mittel zur Hilfe eingesetzt. Die Frag« des Fortbestandes des Ernährungsministeriums be- antwortet fich im Hinblick auf die wichtigen Aufgaben für das Volksganze selbst. Tüchtige Arbeitskräfte sind nötig, wenn es gelngen soll, Verbraucher und Erzeuger zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen und die Kluft zwischen Stadt und Land zu überbrücken.
Bit Mrkrdnn.
Danach ergriff Abg. Thomsen (Deutschn.) das Wort und banfte bem Minister für die Anerkennung bet Leistungen der Landwirtschaft. Eine ihrer Verantwortung bewußte Regierung müsse alles daran fe&en, die Landwirtschaft auf der Höhe ihrer Leistungssägigkeit zu erhalten, damit wir vom Auslände unabhängig werden. Tahi« gehöre auch die Frage der Siedlung, und deshalb müsse daS Siedlungswesen dem Reichslandwirischafts- Ministerium untersteltt werden. Der Redner protestiert« gegen btt Absicht beä Ministers, das Getreid-um^agever- fahren auch für das kommende Jahr beizubehalten, nachdem Minister Hermes im Vorjahre ausrrückttch un» wiederhott gesagt habe, daß es damals das letzt« Mat jein feilte. Lurch dieses Versprechen war es möglrch.