Einzelbild herunterladen
 

H Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher knrhesiische) Oberhessen

Ur. 117

Die ^OberhejfilL« 3«ttua< erscheint ietbsmel-dentlich. Lezngrvrei» monatlich 19 Mk. Für ausfoflenb« Rimmern infolge Streik» cott elementarer Ereigntsi« kein Ersatz. Verla, von De. E. Hl nero ttz. Druck der Univ^»Bn<bdnrck«r«i von 2oh. Lug. Loch. Markt 2128. Nernlvrecker 55, Posifcheckwnto: Nr. 5015 Amt Frankfurt «. Main.

Marburg

War,, dm 19. Mal

«ar$3Hät

Der Anzetgeiwrei» beträgt kür 6h 9 gefv. Zeil« oder deren 'Raunt 1 M. für bei Milli­meter, amtliche und aueivärtiae L30 Ml. Andere Spaltenbreite, »ach entiprecheuder Verechaung. Spät et,lausend« oder den Raum über */« Sette einnehmend« An­zeigen hab wir bered)tigt, nach der Te;tlvaltenbreit« ,u fetz«, und zu berechne«. Sogen. Reklamen berechnen wir die Tol.-Zetle mit 9.00 Mk. Zeder Rabatt gilt al» Barradalt. Bei Äntunft durch die Deichäftsllelle und Bermtttiuag bet Ange­bot« 1 SRI Sondergebüdr.

57.3M 1922

3

verWer Stilstoi.

v- 21ö. Sitzung vom 18. Mai.

/ Der Entwurf über den Schutz de» Urheber- >,rch t i von Angehörigen der Bereinigten Stauten auf der - Grundlage der Gegenseitigkeit wird in allen drei Lesungen gggenommen.

Die Eiuzelberatung de» Haushalt» deö Reichsarbeits- WinisteriumS wird sodann fortgesetzt. 8« Erledigung kommen zunächst die Entschließungen, welche sich aus dir Jugendfürsorge beziehen.

Äbg. Schreck (Soz.) fordert rin Gesetz, wonach Ja- gxndliche und Lehrlinge unter 16 Jabrrn täglich nicht Lher sechs Stunden, Jugendliche und Lehrlinge über 16 Fuhren nicht über acht Stunden arbeiten dürfen. Pslicht- fchule und Aufgabearbeiten sind in d«e Arbeitszeit eia- gurechnen. Der Samstag Nachmittag muß frei bleiben tzömmerurlanb muß gewährt werden.

Abg. Biener (Deutschn.) will mit den Antraz- Mtern ein Stück Weges zusammengchen, soweit e« sich gchAich um Jugendschutz handle. Jugendsang mache er mcht mit Er fordere deshalb ein Gesetz über die Sh* titdung der Jugendlichen in allen Wirtschaftszweige». Bei Abzug der Schul- und Freizeit bliebe« den Lehrlinge» -gerade 20 Stunden wöchentlich Arbeitszeit. Damit sei feine Ausbildung zu tüchtigen Menschen unmöglich. Auch die Abschwächung der verantwortlichen Stellung der Lrhrberrn sei ein Krebsschaden. Die heutige Jugend sei ^wieso schon zuchtlos genug.

I Abg. Frau Wurm (llnabh.) protestiert gegen die über­mäßige Arbeitszeit der Mädchen im tzauSbakt und gegen die LehrlingSausbentung, an der nur die Lehrmeister die Schuld trügen. *

Abg. Esser Wtr): Die Forderung de» Sechsstun- dentagrS für Lehrlinge ist lächerlich, ebenso die Forderung, die Lehrlinge unter die Tarife und Arbeitsgerichte zu Hellem Mr lehnen jedes Rütteln an den Grundsätzen des Lehrverhälinisses ab.

Abg. BeytHirn (D. Bvt.1 dankt den Sozialdemo­katen dafür, daß sie endlich dem Sandwerk die Augen darüber geöffnet haben, wie wesensfremd sie ihm gegenüberständen. Wir hätten alle Berans^,'ung. d«S Gute auS der alten in der neuen Zeit zu erbalien. Quali­tätsarbeit lasse sich nur durch bessere Ausbildung der Lehrlinge erzielen. Seine Partei lehne die Entschließung «tschieden ab.

Minister Dr. BraunS geht zunächst auf die blS- Hengen Reden ein und dankt für die Anerkennung, die dem Ministerium gezollt wurde. Dem Ab,. Karsten gegenüber betonte et, daß man eine fchemivlche Gleich stettung der Arbeitszeit in der Praxis ni*t durchführen könne. Beispielsweise sei eine änderte Arbeitszeit der HauSgehilien und der Krankenpfleger eine Selbstvcrftärch- Lchkeit. Wenn die Freunde KarstenS internafouale Strei­tigkeiten durch Sch-edSgerichte beseitigen wollten, wäre Wj auch im wirtschaftlichen Kampfe ein solches Ber- stchrra durchaus vernünftig. Der Minister protestiert daun gegen den Abg. MoLenhauer. der bte volle An-rkeu- des Rationalverbande» deutscher Gewerkschakeck verlangt habe. Der Verband sei doch nicht« weiter als dir Fortsetzung der alten gelben Bewegung, die trotz ihres Namens gar nicht als Gewrrlschast au,»spreche« sei. (Zuruf bei der Deutschen BolkSpartei: Unerhört k> Andere Gewerkschaftsvertreter würden mit dieser Or­ganisation gar nicht gemeinsam »erhandeln. Wenn die Koalitionsfreiheit etwas GuteS sei. waS auch die Deutsch: Tolkspartei anerkannt habe, könne auch der Zwang unter Umständen nicht verwerflich sein. (Großer Lärm recht«.) Die Entschließung über das Lehrtingswesen sei zur Zett bedenklich, da ein Gesetz über die berufliche Ausbildung der Lehrlinge in Aussicht genommen sei.

Die Resolution Schreck (Soz.) ü6et das Lehr- ^«gswesen wE nunmehr gegen die Stimmen der sozia- Kstischrn Parteien abgelehnt.

Darauf beginnt die Aussprache über da- Sozias-- Versicherungswesen.

Abg Kaiser (Soz.) führt au«, daß wir uns, foteme Aue gründliche Reform zur Vereinheitlich«« de« 83er- stcherung«wesens noch nicht möglich sei, nti einzelnen Novellen begnügen müssen. '

Abg. Lambach (Deutschn.) tritt für die Erhaltun» der Angestttltenversicherung ein. weil die Angestellte« befürchten, daß durch ein Ausgeheu in andere Kassen ihre ierechtigten Ansprüche nicht befriedigt werden können

Beim KapitelArbeiterschutz" forbert Abg. Dirbig (Soz.) Durchführung de« Acbtstulchentagre für dir Gla«arbetter und technische Maßnahmen, welche Ne Gefahren ihre« Berufe« vermindern können.

Nachdem Minister Dr. B r a u n s ein Eingreifen wegen der Nichtbeachtung des Achtstundentage» in der Glas­industrie zugesichert hatte, wird eine Entschließung M ol­de n ha u e r (D .Bpt.) über Derbeiiühri.», einer gr- »winsamen Beratung zwischen Glasberussgenosscnschaf- fat und Vertreter der beteiligten Arbeitgebor- und Ar- Kitnehmerorganisationen zur Verminderung der Unfall«- »fahren in der Taselglasindustrie angenommen.

Beim KapitelTarifwesen und Arbeiter* tesht" spricht sich ?lbg. Ro/emann lllnabh.) gegen das Bergarbeitszeitgcsetz au«, wenn es nicht die sieben- stöndige ArbeitSzett für die Bergarbeiter enthalte.

Abg. Brey (Soz.) lehnt namens der Arbeiter- und Klngestelltengewerkschasten den neuen Entwurf der Schlich- dvig-ordnung ab und fordert, daß angesichts des Kumpfes A» Zementgewerbe ein ernste« Wort mit den Arbeitgeber-- vrganisationen gesprochen werde.

s Abg. Schimmelpseunig (Deutschn.) verweist dar- «wf, daß die pommersche Arbeitnehinergruppe des Land- .bunde« zum Nationalverband deutscher Bcrussvcrtretux- !Uu gehöre, gegen welchen der Minister vorhin srwrtichst («Uuug genommen hab«. Durch diese Stelkinguahme

sei ungeheure Erregung entstanden. Wenn der Mini­ster den Kamps haben wolle, so solle er ihn haben. Der Minister habe au« der Koalitionsfreiheit Koali­tionsunfreiheit gemacht und anS der Freiheit den Zwang. (Lachen link«.) '

Im weiteren Verlaufe der Aussprache gibt Abg. Dr. Moldenhauer (D. Vpt.) seinem Befremden über bte Stellungnahme deS Ministers zum Nationalverband deutscher Gewerkschaften Ausdruck. Die Bezeichnungoelbe Organisation" sei für die Mitglieder des Dauses, welch: Vertreter dieser Organisation seien, eine Beleidi­gung.

Weiter wird von den Vertretern der äußersten Linken eine weitere Herabsetzung der ArbeitSzett für den Berg­bau aus sechs Stunden gefordert.

Es sprechen noch die Abg. Maltzahn (Komm.), Winnefeld (D. Vpt.), I a n s ch e ck (Soz ). T e se r l (D. Bpt.), Oettinghau« (Unabh.), Adams (D. Vpt.) und Schmidt« Köpenick (Soz.).

Gegen SUHr wird dann das Kapitel Tarifwesen an­genommen und der Gesetzentwurf ft5er di: Arbeitszeit im Bergbau an den Ausschuß verwiesen.

Morgen Vormittag 11 Uhr: Anfragen und Weitrr- beratunL

------

Sie WMWWfMk.

Unterbrechung der Pariser Verhandlungen.

Paris. 18. Mai. Nach demTempS" sind durch die Vorschläge de» Reichssinanzministers Dr. Hermes die Bedingungen der Neparatiouskommission vom 21. März nicht erfüllt worden. Hermes sei ersucht wachen, andere Vorschläge zu machen. Die Verhandlungen seien bis zum Eingang neuer JnstruKionen au? Berlin unterbrochen worden. Man werde mit den deutschen Vertrttnrn erst dann toüb r verhandeln, wenn die deutschen Vorschläge sich einer Prüfung lohnten.

Ministerpräsident PoinearS hat gestern nachmittag den französischen Delegierten bei der ReparationS- kommission. DuboiS und den Vorsitzenden des Ga- rantieauSschusseS Manclere im Beisein deS Finanz- Ministers empfangen. Die Unterredung galt den Vee- Handlungen, die Finanzminifler Dr. Hermes mit den Mitgliedern der Reparation«kommissio» führt.

Ein Berichterstatter desEcho de Pari«" will ans guter Quelle erfahren haben .daß die Drkumeuten- t'.ernng, die Minister Dr. HermeS vorgebracht habe, um die ReparationSkcmmisiion von dem guten Willen DcutschlandS, seinen inneren Haushalt auSzngleichen, zu überzeugen, die Mitgleider der Reparatronskom* mission schlecht beeinflußt hätte.

Nach demPetit Journal soll Herme« auigefurder! worden sein, nähere Angaben über die schloebende» Fragen bet Reparntionskommission zu überbringen.

DerMatin" glaukt mitteifen zu können., die Mit- glirder W3 Ausschusses seien davon überzeugt, daß da» von Dr. Hermes übermittelte Dokument ix seiner Gesamtheit die Forderungen der NrvarationSkommis- sion nicht befriedige. (Von einer derartigen Stel­lungnahme der Mitglieder de? ReparationSausfchnsieS ist der deutschen zuständigen Stelle bis jetzt, Donners- tag früh, nicht» bekannt geworden.)

DeeMatin" berichtet noch, die ReparattonSkom- misstsn. habe sich tatsächlich entschlossen, sich sehr fest zu zeigen. Es Knuten keinerlei Konzessionen gemacht werden e

Amerika zur deutschen Anle.he.

Laut.Time»' deuten alle tn Washington sichtbaren Anzeichen darauf hin, daß in der russischen Frage dle vereinigten Staaten am liebsten eine Ähnliche Stel­lung etnnebmen würden, wie in der Frage der vor- getofatenen Internationalen Anleihe für Dentschianv. Piervont Morgan besuche Europa, um mit anderen Bankier« über diese Fragen zu beraten. Er vertrete nicht die amerikanische Regierung, sondern die Banken der vereinigten Staaten und durch sie die Saufleute und KaviialSanteger. Während Morgan einerseits In keiner Weise die mnerikanische Negierung irgendwie verpflichten könne, würde es andererseits ebenso unmög­lich für ibn sein, in dem unwahrscheinlichen Falle, vas; er es wünsche, irgend einem Versabren zuzustimmen. daS Wakhingion für unerwünscht hält. Denn wo in­ternationale Finanzfragen in Betracht kommen, würde keine Bank und kein Banksyndikot in den Vereinigten Staaten ohne vorherige Beratung mit der Leitung deS S'natS-- und Fittanzdcparlemen's bandeln. Morgan werd derTime«' zufolge trotzdem in wirksamer Weif? die Stimme der Vereinigten Staaten vertreten. Er gehe nach Europa, um als größter amerikaxischrr Bankier und a<8 klassischer Finanzmann und Wirt­schaftler zu erklären, was bereits von mehr al« entern Mitg'iede der amerikanischen Regierung Lngedeu'et oder offen mlsg-drückt wurde, daß nämlich k-ixe deut­schen Anleihen auf dem amerikanischen Marne unrer- pebracht werden tflnuen, wenn nicht gewisse Beviugun gen geichafsen werden, und daß diese Bedingunaen die sind, welche Hoover tn seiner gestrigen Red« auS- einandersctzte.

Der RcichsbnudSchwarz-weiss rol" ruft eie Ge- rceuekt der alten Rcichssarben auf mitzuarbeitex, um einen Volksentscheid über die Floggenfrage ber- beizufsichren. Er sucht an allen Crten freiwillig- Mit­arbeiter. Der Bund dient keiner Partei und löst sich nach erso'gtem Volksentscheid auf. Tie Hauvtgeschästs- sielle ist in Liegnitz, Reue Goldberger Str. 67. Frei­willige Beiträge zum Cre»nHation5fonb5 werden er­beten auf das Konto .Dcbwarz-weitz^ot" der Prodi»- zial-SenoisenschaftZ Bank i» Liegnitz.

M Sanger ftonittenj Mell.

Ser $»rolTieiieMi«trai.

Genua, 18. Mai. (Amtlich.) In bet heutigen Sitzung der Unterkommission der ersten Kommission, an der die Telegiettcn Italiens, Großbritanniens, Japan«, Polens, Rumäniens, Rußlands, Schwedens und brr Schweiz teilnahmen, wuchm folgende Beschlüsse gefaßt:

Es soll eine Kommission ernannt werden, um nochmals die Differenzen zu prüfen, dir zwischen der russischen Sowje tregier«ng und den anderen Regierungen besteh n- und nm mit der russischen Kommission, die dasselbe Mandat hat, zn- sammenzuwirken. Spätestens am 20. Juni werden die Namen der in der nichtrussischen Kommissi»» vrr- trctmen Mächte und die Nam ul der Mitglieder d leier Kommission der Sowjetregleruxg und umgekchtt die Namen der Mitglieder dcr russischen Kommisiion den Vnderen Regierungen mitgcteilt werden. Die Vox diesen Kommissionen zu behandelnden Fragen werden alle vorhandenen Fragen über die Schulden da« Privateigentum und die Kredbe umfassen. Dir Mit- glieder der beiden Kommissionen sollen am 26. Juni 1922 im Haag anwesend sein. Die beiden Kommissi­onen werden sich bemühen gemeinsame Empfehlungen bezüglich der die Schulden, daS Privateigentum xxb die Kredite betreffenden Fragen zu erreiche». Um zu ermöglichen, daß die Arbeit der Kommissionen ix aller Ruhe vonstalten geht, und um das gegmseisi-.' Vertrauen wieder herzustellen, werden zwischen der russischen ScwjetregierltNg verbünd'ten R.'gierungen einerseits und den anderen tcilu-hmetcden Regierungen andererseits Abkommen geschlossen, wonach sie sich aller aggressiven Handlungen gegen die g-geuseit'g-n Gebiet: unb jber umstürzlerischen P ropa ganb a zn enthalten haben. Die Ver­pflichtung von allen aggressire» Handlungen Abstand zn nkhmen. roirb begründet sein auf der Beobachtung des grgenwättigen statu« qu» und wird in Kraft bleiben während einer Periode von vier Monaten nach Abschluß der Arbeiten der Krmmiff'on. Die Verpflich­tung bezüglich der Propaganda wird die 'Regierungen dazu verbinden, sich in Kiner Form in die inneren Angelegenheiten bet anderen Staaten eiuznmischen und in dem eigenen Gebitt Versuche zn unterdrücken, die daraus gerichtet sind, gewaltlätige Handlungen m anderen Staaten hervorzurufen oder solche Hand­lungen, die bezwecken, de» terdteciaten und politischen statns guo zu stören.

Genua, 18. Mai. Heber die VormittagSsitzung der ersten Kommission verlautet noch: Der Burg- friedenSpakt wurde nicht unterzeichnet, sondern nur in Form einer Resolution ange­nommen. Jeder Staat verpflichtet sich darin. Den Pakt zu trspekt'eten. Der litauische Vertreter verlas eine Erklärung bezüglich der Haltung Polens gegen­über Litauen. Eine Diskussion über diese Erklärung erfolgte aber nicht. Von italienischer Seite wurde mitgeteilt, daß die italienische Regierung »ine Antwort auf daS Telegramm Hughes gesandt habe. Darauf­hin sei heute eine neue Mitteilung der amerikani­schen Negierung ein getroffen, wonach sich die Verrinigten Staaten ihre endgült'ge Enisch.idung be­züglich einer Tmlnahme an d« Sitzung der Sach- verstär.digenkvmmisswn im Haag Vorbehalte», bis die Situation llarrr geworben sei.

Genua, 18. Mai. Tie erste Kommission trat heute vormittag un er dem Vorsitz de Faetas zu einer Valls'.tzuug zusammen, um dir gestern der Unter­kommission in der Frage keztzgiich Rußlands ge­faßten Beschlüffe zu erlrd'g.n. Die Sitzung htt nur eine Stunde gedauert. D»r Joanzosen und Belgier waren nicht anwesend.

« * <

Genua, 18. Mat. Vor Beginn >tr geMgen Radinittcgitcnferenj batte Schanzer eine tänaeie Unterredung mit Bartvou und Jasper, um Velde v»m Verlauf der Vsrmlttagrsi»ung zu unterrkbie». Beide erklärten sich mit vem verlaus bet Verhand­lungen einverstanden.

Anlatz zu einet Diskussion gab die Wahl des Orte 8 für die Sommlssionsvertzandiungeu. Tschi­tscherin bestand hartnäeklg darauf, datz Rustand nicht nach dem Haag geben töxwe. Tck'llezllch gab der balländliche Minister Patiine dem Präsideuten die Er­klärung ob, datz die Russen im Haag von der bolläu- biieben Regierung In der gleichen Welse bebandelt würden, wie die anderen Delegierten und datz auch für die persönltetz« Siwerbeil der Russen In wei'est- getzeudem Matz« gesorgt würde. Erik nach längerem Zögern liefe Tichltsch-rin den Antrag auf Verlegung der Kommlistox lallen und ernärte sich mit dem Haag einverstanden. Eine weitere Debatte «ttspaim sich wegen der Frage des tzriedenspak- t es und der umftür;ieri!ck>en P r o p a g a n d a. Wei­terhin beantragten die Russen, datz der Pakt auch ge­gen die Bande» schützen müsse. Pole» und Rumänien gaben detuhisende Zusicherung«» ad und wiese» da­

raus hl», daß ble Gefahr tu dieser Bettehung ben russischer Sette größer sei, al« von Rhret. Dennoch wurde beschlossen, bte Bestimmungen tx« Fttevru«- pattes tn weitestgehendem Sinne au« zu legen. Mtt dieser ErNärung beruhigten sich die Russen und be­schlossen envttch, in den Gottesfrieden ana> die mti Russland Verbündeten e oto 1 e t r eg ub I tten, Weissrufeland, die Ukraine, ble Republik de« fernen Oft en« und ble drei kaukasischen Republiken einznbe- ziehen. Schanzet etNStle, baß bet Fttedenspaki tu keiner Welse die Frage bet be sute-Anerkennung bet Sowseltepnbllken pröludtziere. Der schweizettsSe De« legierte Motta machtt ben Vorschlag, bte Satter bei FrledensPatteS von bret Monaten auf ebt Jahr p» verlängern. Schanzet dagegen verlangte einem Frte- densvatt von unbegrenzter Tauet. Schttesslich tourtte bestimmt, dass der Gotte« friede bU auf bte Dauer von toter Monaten nach Schluss btt KommU- stonsarbeiten ausgedehnt werden solle, sodass er tee ganzen sieben Monate umfassen kann. Auf Grund dtefer Verhandlungen foll nun bet Text des FrtedmspakteS endgültig redigiert werbe».

Smit ewosffls.

Genua, 18. Mai. Dir morgige Schlußsitzung bet Konferenz umfaßt folgende Punkte: 1. Genehmi­gung de« Protokoll» der zweiten Plenarsitzung bet Konf rrnz 2. Einbr ng nz bet Brr:t tngen bei brifen Krmmiffion, Wirtfchaft-fragen. 8. Einbringung bet Beratungen der ersten Kommiffion. 4. Einbringung de« Berichte« bet Kommiffion zur Prüfung bet Voll­machten. 6. Einbringung de« Entwurfes bezüglich der SanitätSkonfereuj in Warschau. 6. Einbringung eines Entwürfe« betreffend die Arbeiten d:s Roten Kreuzes in FriedenSzette». 7. Schlußreden.

Genua, 18. Mai. Die deutsche Delegation wird am Sonnabend die Heimreise nach Berlin antretnr.

London, 18. Mai. LautDaily Ehrvnicle" ist gestern ein Telegramm Lloyd Georges elnge- ttoffe«, in dem er mitteitt, baß er am Samstag oder Sonntag in London einzutreffen hoffe.

Wirth und Rathenau bei Lloyd George.

Wie die Blätter aus Genua melde», hat Lloyd George gestern nachmittag nacheinander Schanzer, Darthou, Motta und dann Reichskanzler Dr. Wirth mit dem Reichsminlster des Aeußern Dr. Rathenau. die beide von dem englischen Premierminister zum Tee eingeladen worden waren, empfangen. Der Besuch dauerte etwa eine Stunde. Unmittelbar darauf hat Lloyd George feine Vermittlungsaktion zwischenIlalte« und Südslawien fortgefetzt, deren Abordnungen zu diesem Zweck in der Billa d'Alberti erschienen waren.

Olren Ober Genua.

London, 18. Mal. Lorb Grey of Folledon hat ein Schreiben an ben Sekretär tot« mrttonaHiberaten BunveS geriet)tet, tn bem es helfet die Genueser Kon­ferenz habe eilt Beispiel dessen geboten, wa« vermie­den werben müsse. S« fei ble Genueser flottieren» ,» einer Art von politischem Internationalen Glücksspiele getrotfcen, und man habe Ihre Verbandlungen mtt wachsender Besorgnis und Furcht verfolgt. Enge« Einvernehmen mtt Frankreich und da« Wohlwollen der Bereinigten Staaten seien bet einzig richtige Be­ginn nnb ble einzig feste Grundlage be« wirtschaft­lichen unb finanziellen Wiederaufbaues sowie eines Friedens, an bem alle Rationen Anteil haben. Diele beiden wel-ntttchen Bedingungen seien durch die Genueser flonserenz erschwert, bezw. weniger wah.scheintlch gemacht worden. Wenn aber eine auf« richtige und verständige Politik, die Ermutigung und Entwirrung bes Völkerbundes verfolgt worden wa­ren. so wäre Deutfchlanb lebt Mitglied de« Völkerbund e« und Europa würde sich bmtrS ouf b#m Weae zur allgemeinen Beruhigung befinde», statt, wie e« setzt schien«, auf dem Beat zu bewaffne* ten. einander gegenüberstehenden Gruppen. E« fei a-cerding« trabt, bass die verewigten Staaten dt« Völkerbünde nicht beitreten wollten. In Europa bild» letzt bet Völkerbund bte tettte unb einzige AuSstcht »ne FSrdening eine« stetigen Friedens. Er (Grev) stt nicht bet Ansicht, dass diese Politik, den Perri ui er en Staaten weniger angenehm gewesen fei. als die Po­litik. ble tatwchlich verfolgt worden fet Rach einer kurzen T.oanbfung der Fraae der Svarfamktlrsmass- nahmen, bet Steuern fowle der irischen Frage kommt ntrefe zu bem Schlüsse, dass die Roa|trton8reglennig, dle zur Fortführung be« Krieges gebildet wat. lebt auslchlietzttch ein Grund der Unstetigkclt und Gelabt werde, trenn sie lange in der Seit be» Frieden» fort* gesetzt würde.

---w---

$05 WenMW Kabinett oot dm RiMA.

Wie die Blätter aus Wien melden, hat die Niederlage der Regierung im Finanzausschuß die seit langem latente Krisis des Kabinetts Schober zum Ausbruch gebracht. Mit dem Rücktritt Scho* b e r $ fei unmittelbar nach seiner Rückkehr Dt» Genua zu rechnen.