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MWWA WtlMiM.

Don unserem wirtschaftlichen Mitarbeiter.

Der amerikanisch« Finanzmann Banderlip

Das Haus des Geschreis.

Humoristische Skizze aus Ostafrika von Oberst Dr. Nigman «. Auf dem Bezirksamt des Küstenstädtchen»

„Bügelhos, Sie sorgen dafür, daß die Frösche bis morgen weg find. Es mutz nachts lautlose Stille fein!“

„V'fehl, Herr Bezirksamtmann!“

Nun war die Cache in besten Händen. Vügelhos schickt seine Polizeiaskaris in alle vier Himmels­richtungen, die alle „greifbaren“ Feld-, Wald- und Wiesennigger zusammentreiben. Nun begann unter den unglücklichen Fröschen eine fürchterliche und so erfolgreiche Razzia, daß Bügelhos seinem Chef die restlose Räumung des beanstandeten Teiches melden konnte.

Exzellenz traf am Nachmittag ein, wurde vom Herrn Bezirksamtmann nach dem Abendessen in sein Logierhäuschen begleitet, worauf sich der Be­zirksamtmann mit dem Wunsche für eine an­genehme Nachtruhe empfahl.

Am nächsten Morgen kommt Exzellenz, arg über- nachtigt aussehend, zum Frühstück.

„Darf ich fragen, wie Exzellenz geruht haben?“ ist eine der ersten Fragen des Bezirksamtmanns.

„Ach, mein lieber M., mit meiner Nachtruhe war es wieder nichts“, entgegnet ihm kopfschüttelnd der Gouverneur. „Wisien Cie, wenn ich frühe, hier bei Ihnen logierte, dann quakten di« Frösche in dem Teich nebenan so schön. Das war ein so r.unbet« volles nervenberuhigendes Konzert für einen armen aus der Unruhe der Hauptstadt kommenden geplagten Bürokraten; bei diesem idyllischen Kon­zert konnte man herrlich einschlafen. Ich hatte mich ordentlich wieder auf meine kleinen grünen Freunde gefreut, habe auf sie gewartet und ge- wartet, was natürlich nicht zum Einschlafen bei­trug, aber nicht einer meldete sich. Ich kann mir das gar nicht erklären.“

Die Herren hielten sich Taschentuch oder Ser­viette vors Gesicht, während der Bezirksamtmann sich interessiert über seinen Teller beugte.

Was nun tun? Bügelhos mutzte wieder ran. „Also. Bügelhos, die Frösche müssen wieder in den Teich!“

Bügelhos reitzt die Augen auf, daß sie ihm wie Murmeln aus dem Kopfe stehe».

lionen in Europa. Die Aufwendungen für Ar­beitslosenunterstützung schätzt er auf jährlich 12 Milliarden Eoldfranken, den Lohnausfall auf 25 Milliarden, den Produktionsausfall auf 20 Mil­liarden und den Kapitalverlust auf 34 Milliarden, so datz nach dieser Berechnung die Welt im vergan­genen Jahre eine Reichtumseinbutze von über 90 Milliarden Eoldfranken durch die Arbeitskrise er­litt. Die Schuld daran trägt in erster Linie die Zerrüttung der internationalen Währungen. Deutschland ist bisher unter allen Ländern der Welt wohl am meisten von der internationalen Ar­beitslosigkeit verschont geblieben. Es hat dafür Leiden und Plagen anderer Art In Hülle und Fülle zu tragen gehabt. Aber es scheint, als solle die Welle der Wirtschaftskrisen, die durch die Welt geht, auf die Dauer auch vor dem wirtschaftlich be­reits aufs äußerste geschwächten Deutschland nicht Haltmachen. Die Krise mutz in dem Augenblick die deutsche Volkswirtschaft ergreifen, in dem der Schutz, den die unterwertige Valuta uns bisher bot. in Wegfall kommt. Schon heute liegen die deut­schen Herstellungspreise der wichtigsten Ausfuhr­waren nicht mehr sehr tief unter den Weltmarkt­preisen.

Es müssen also Schwierigkeiten entstehen, sobald eine Aufwärtsbew.gung der deutschen Währung einsetzt. Eine solche erwartet man aber als Folge einer internationalen Anleihe, die Deutschland unbedingt braucht und die trotzdem leicht den An­latz zu neuen wirtschaftlichen Schwierigkeiten geben kann. Schon hat die Befürchtung einer grund­legenden Umwälzung unserer Währungsverhält­nisse infolge der erhofften Ausländsanleihe zu einem umfangreichen Kursrückgang auf den deut- 'chen Effektenmärkten geführt. Fast jeder Tag in der verflossenen Woche brachte bei fast völliger Ge­schäftsstille erhebliche Kursminderungen. Im Durchschnitt belaufen sie sich auf 20—30 Prozent der Hrchstkurse von Ende März. Aber eine ganze Reihe von Aktienwerten ist bereits auf die Hälfte dieses Kurses gesunken. Man befürchtet nicht mit Unrecht eine große Absatzkrisis, die sich kei­neswegs auf die Warenausfuhr beschränken b e, da auch der inländische Warenmarkt unter der Er- 'chopfung der Kaufkraft der breiten Bevölkerungs- maffen leidet. Diesen Sorgen der Industrie gegen­über bleiben selbst überaus günstige Geschäfts­berichte führender industrieller Unternehmungen ohne Einfluß auf den Kursstand.

Angesichts der wieder ziemlich gespannten K o h l e n l a g e ist ein Gesetzentwurf von Bedeu­tung, der die Arbeitszeit im Steinkohlenbergbau einer besonderen gesetzlichen Regelung unterziehen will. Der Widerstand, den die Bergarbeiterver- bände der so dringend notwendigen Wiedereinfüh­rung der Ueberfchichten im Ruhrbergbau entgegen« sehen, gründet sich hauptsächlich auf die Befürch­tung, datz hieraus eine dauernde Verlängerung der tariflich vereinbarten Arbeitszeit entstehen könnte. Durch Gesetz soll daher, um diesem Einwand die

»ar vormittags einige Aufregung. Soeben »ar ein Telegramm eingetroffen, daß Se. Exzellenz der Herr Gouverneur morgen Nachmittag mit dem Re- gierungsdampfer aus Daressalaam -intreffen würde und in L. einige Tage bleiben wolle, um die neuen, im Hinterlande des Bezirks L. entstan­denen Pflanzungen zu besuchen. Schon des öfteren hatte der Gouverneur den kräftig aufblühenden Be­zirk besucht, sein diesmaliges Kommen war asio .nichts Üeberraschendes, aber der Bezirksamtmann Hatte gewechselt; der alte Bezirksamtmann R. war ’am Fieber gestorben, und fein neuer, fchr eifriger 'und ehrgeiziger Nachfolger halte natürlich das Be- ■ Stehen, Se. Exzellenz in jeder Weife gut zu (empfangen und nett aufzunehmen.

2 Der Gouverneur war ein vortrefflicher, überaus skiebenswürdiger, allgemein verehrter Herr und eine außerordentliche Arbeitskraft. Allerdings hatte ifeine rastlose Tätigkeit ihm Schlaflosigkeit ein? 'gebracht, die durch den mehrjährigen Aufenthalt in .dem feuchtheißen Klima Daressalaam» — in dem es deshalb ohnehin allgemein mit de» Nachtschlaf shaperte —, recht böse geworden war.

' Die Unterbringung St. Erzellenz war einfach. iEr wurde, wie bei früheren Besuchen, in der IwDYumba va kelele" — „dem Haus des Geschreis“ -»n'tergebracht. Co nannten die Eingeborenen eine etwas abseits der Stadt gelegene kleine hübsche Billa. Es klingt paradox, daß der an Schlaflosigkeit .leidende Gouverneur im „Haus des Geschreis“ ein? Sortiert werden sollte, aber die Bezeichnung war nut eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Früher war nämlich in dieser Villa eine Anzahl junger Beamten des Bezirksamts untergebracht ge? wesen. Wenn dieje abends beim Whisky-Soda fidel beisammen ihre gemeinsamen Lieder sangen, '»der in noch vorgerückterer Stunde in erhitzten

der „Chicago Tribüne“ eine Studie über Arbeitslosigkeit in der Welt veröffentlicht. Er teilt darin mit, datz es auf der ganzen Welt zur Zeit 10 Millionen Arbeitslose gebe, davon 4 Mil»

Neben Genua und Paris tritt jetzt auch wieder <8 - n s et den Vordergrund, wo die neue Tagung des Bölker- liunbeS ihren Anfang genommen bat. Dort »erben pbie Länder zur Sprache kommen, die in Genua kein Gehör jfindcu konnten. Für uns ist dabei am wichtigsten die Abordnung des Saarlandes und eine neee Auseinander- Muug Danzigs mit V-lrn. Außerdem aber sind wir ra« iBnttelbar durch das oberschlelische Abkommen beteiligt.

! MAU-MM:

Entente-Schreckschüsse. — Der Völkerbund. — Die Fälschungen des Schurken Anspach.

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Mr die Konferenz in Genua, die auch weiter den 'Hirttelpunkt des politisch-wirtlchaftlichen Jnteresser bildet (gut wen» man ihre positiven Ergebnisse nicht b)d> bewerten mag), war diese Woche eine der entscheidendsten lotccbl hinsichtlich der russischen Frage alS auch des Per- hältniffes Englands zu Frankreich. Während die Rnsieri btt Antwort auf die an sie gerichtete Denkschrift er pogen, wurde von heftigen Auseinandersetzungen zw' schcn Lloyd George und Barthou. von einem vollstind'gen Bruch der Entente und ähnlichem mehr berichtet. Lloyd Keorge und Barthou traten in der gesamten europäischen Presse und der der übrigen Welt zunächst in der Rolle er­grimmter Preisfechter auf. die sich den Degen nur ko um hie Köpfe schlagen und die Waffen schließlich einander vor die Füße werfen. Als diese Vorstellung vorüber v»r, hat sich dann Lloyd George von Barthou brief­lich bestätigen kaffen, daß sie sich in der friedfertigsten siSeise von der Welt unterhalten haben und daß sic beide garnicht daran denken, an der Entente zu rütteln. Sanz im Gegenteil! Wer die Art der Ententepolitik eini­germaßen kannte, der konnte wisien, daß zwischen b*n beiden Verbündeten Schreckschüsse grwechs lt wurden, die nicht lebensgefährlich wirken konnten. Mit dem Bnich der Entente hoben eS die Engländer und Franzosen »ich! s» eilig. England gibt die Entente schon deshalb richt ipern auf, well sie trotz aller Unvollkommenheit doch einem gewissen Grade immer noch ein diploinati-

Mittel bietet, um Frankreich zu zügeln. Ebenso- wenig aber wünscht man in Paris einen offenen und zollen Bruch mit England. Denn die französische Regie- «ng fürchtet trotz aller kraftstrotzenden Reden, die die französischen Staatsmänner halten, die Isolierung und tzeht deshalb ihren Borteil nicht so sehr in einer Tren­nen* von der Entente als vielmehr in einer Unterord­nung der Entente unter die Zwecke ihrer Politik. Bon Herzen ist weder England noch Frankreich dabei. Aber sie kämpfen beide noch für die Form, -«veil sie ihnen Vorteile verspricht. Und in dieser Politik der gegen­teiligen Uebervorteilung im Rahmen der Gnt-nte sind Episoden, wie wir sie in Genua wieder erlebt bal>en, N'chis Ungewöhnliches. Die Entente ist immer in Leb nsg fahr, aber sie ist ebenso ost auS der Lebensgefahr wieder ge­rettet worden.

Eine der stärksten Triebfedern bet französischen Politik bei dem Verbleiben der Entente ist zweifellos die Vte Ueverzeugung, daß ein endgültiger Zerfall zwffchen Frankreich und England die internationole Politik in Bahnen lenken müßte, die Deutschland wieder den Weg -n? Freie öffnen könnten. Gerade deshalb will» eie Entente von Frankreich nicht preisgegeben. Vi-Hr ist haS .hin und Her in der Entente noch immer über BeutschL»nd hinwegtgongen, und Deut'chland ist da? Opfer eine« jeden Kompromisses gewesen. Solin r Dm'tschland die geduldige Macht ist, auf deren Rücken man jede» Kompromiß schließen kann, solange wird «uck 'die Entente immer wieder geflickt werben. Wenn i ii -aber einmal zeigen, daß auS Deutschlands Haut keine Riemen mehr für die Entente zu schneiden sind, dann .wird die Lage ganz ander« sein. Denn dann wird sich :geigen müssen, wie weit England wirklich zu seiner Politik der Mäßigung steht und ob Frankreich die Entente- Semeinschaft biegen oder brechen lassen will. Bisber hat Deutschland eine solche Kraftprobe stets versäumt, und das bat die Entente bis jetzt immer errettet

das am 15. Mai in Genf verkündet werden soll. Es wird beabsichtigt, daraus eine große Haupt- und Staats- iktion zu machen, um die segensreiche Wirksamkeit des Völkerbundes in Helles Licht zu rücken, woran sich auch der spanische Minister Leon beteiligen soll. Hoffentlich lallen sich die deutschen Vertreter nicht darauf ein, zu ■iner solchen VerbrüdemngSseier die Hand zn reichen. Wir haben wahrlich keinen Anlaß, in dem oberschlesischen Schiedsspruch des Völkerbundsrats etwas Segen?reiche? zu erblicken, sondern nur das Gegenteil. Wir betrachten nach tote vor den „Schiedsspruch" alS eine grobe Ver- -ewaktigung von Recht und Billigkeit, dem wir uns nur eezwungenermaßen fügen müssen, weil wir machtlos sind. Die Unterzeichnung eines Abkommens mit Polen über die Uebergabe des unS entrissenen Teils von Cbei* chlesien und über die vorläusige Regelung wirffhaft sicher Fragen beeinträchtigt in keiner Weise unsere grund­sätzliche Stellungnahme und unsere RechtSverivabning gegen die Entscheidung, die für unS nur bindens sein kann, solange wir recht- und machtlos sind. Gerade diese Entscheidung steht unserem Beitritt zum Völkerbund im Wege, der von manchen ©eiten angestrebt wird. Für un» kann davon keine Rede fein, solange Völker­bund und Völkerbundsrat ganz unter französischem Ein­fluß stehen und alS eine Einrichtung zu betrachten sind, Se in ihrem ganzen Wesen zur Niederhaltung und Zer­stückelung Deutschlands bestimmt ist. Außerdem würde ine Beitrittserklärung Deutschlands zugleich eine aber­malige ausdrückliche Anerkennung deS Vertrages von Versailles bedeuten. Je klarer und unzweideutiger Deutschlands Stellungnahme in dieser Frage zum Aus­druck gebracht wird, desto besser ist eS für alle Teile.

HL

Die Berliner Polizei hat einen Streich enckgedeckt, der Ttoff zu einer politischen Komödie bieten könnte, wenn bet deutsche Hauptbeteiligte, ein Herr Anspach, nicht ein Schurke, und wenn die ganze Angelegenheit für unS nicht so traurig wäre. Dieser Herr Anspach fälschte in großem Stil urkundliches Material, daS den Nachweis tür finstere und heimliche deutsche Rachepläne bieten sollte. Er erfand die Listen von Stiidentenverbin. düngen, die mit der Schutzpolizei geheime militärische Ned- ungen abbielten, er erfand verkappte militärische Or­ganisationen, er erdichtete MobilmachungSvläne des ReichSverkehrsministerS und sä lschte Stammte Ken, die von den angeblich noch bestehenden Bezirkskommandos 'ür künftige Mobilmachungen g'sührt wurden. Mit die­sem gefälschten Zeug schmierte er die Vertretungen der Entente au. Einer der Hauptbftrogenen ist der ebernnhiie stainösische Kriegsminister Lesövre, der mit dem Ma­terial des deutschen Bolschewisten Anspach in der franzsft- scheu Kammer wiederholt Sensationen hervorricf. Man tnirb nicht fehl gehen, wenn man die überreizte Stim­mung der französischen öffentlichen Meinung wenigstens zum Teil auf die Fälscherft lachen zurücksühtt, die sich Herr Anspach natürlich sehr gut bezahlen ließ. Hosfent- Lch entgeht er bet verdienten Strafe nicht. Aber >amit ist dieser Falk keineswegs abgetan. Die deutsche Regierung müßte vielmehr die Erfolge, die dieser Herr Anspach bei seiner Entente-Kundschaft erzielte, sehr ernst­haft dazu benutzen, um Vorstellungen zu erheben. Man halte sich nur vor Augen, daß Deutschland mit Kon- rrollkommisfionen aller Art geradezu übersät ist. ES gibt keine mift'tärische Angelegenheit, in ine nicht irgendein französischer oder sonstiger Kontrolloffizier seine Nase steckte. Die Industrie wird aus. Schärfste über.rmcht, und neuerdings hat sich noch ein besonderer Nus'ckuß ^bildet, der darauf achten soll, daß die deutsche Flug- zeugindustrie sich in den engsten Schranken hält. Und trotzdem gelingt cL einem Herrn Anspach mit seinen vlumpen Fälschungen die gesamte Entente hineinzulegen. Da ist doch die Frage berechtigt, wozn wir eigentlich b't ungeheuren Kosten der Kontrollkommissionen bezahlen. Wenn eS einem plumpen Fälscher gelingt bet tuten! - die unmöglichsten Dinge vnrzuspiegeln, und wenn man in

QR solchen Unsinn «taubt, dann sollte wen wenig­stens schleunigst die särntlichen Kontrollkommission»« zn- cücktziehen. Denn Herr Anspach versteht « ia doch besser, als alle zusammen.

Wortgefechten mit jugendlich-kräftiger Lunge ihre gegensätzlichen Anschauungen über hohe und Kolo­nialpolitik ausfochten, dann schallte da» weithin durch die stille Tropennacht. So entstand der Name bei den Eingeborenen: „Nyamba ya kelele — „das Spcktakelhaus“. Das kannte jeder in L.

»6er, wie schon gesagt, das war früher einmal. Die jungen Leute waren inzwischen anderswo untergebracht, das kleine abgelegene Häuschen stand meist leer und wurde nur mehr als Logierhaus für Respektspersonen, die durchreisten, verwendet.

Also Exzellenz wurde, wie bei früheren Be­suchen, so auch jetzt, im Spektakslhäuschen unter­gebracht. Selbstverständlich sah sich der eifrige neue Bezirksamtmann genau die Unterbringung Sr. Ex­zellenz am Abend vorher an. Aber et bekam einen furchtbaren Schreck: Dicht beim Spektakelbäuschen war ein Derfuchsgarten des Bezirksamts, der einen kleinen Teich umschloß. In diesem lebten eine Un­zahl Frösche „jung und grün“, wie Wilhelm Dusch so schön sagt, und diese pflegten abends zu „singen“, wie die Mohren nicht minder schön sagen. Und die afrikanischen Frösche — deren Kaliber teilweise er­heblich über das ihrer deutschen Gevattern hinaus- geht —, können es noch viel bester als diese. Wie sollte der arme Gouverneur bei diesem Konzert schlafen,' das schon für einen gesunden Menschen kaum anzuhören war!

Was nun tun? — Da mußte Bügelhos Rat schaffen. Der ehemalige Sergeant der Schutztruppe, etzige Polizeiwachtmeister Bügelhos, der Herrscher über eine Schar von 25 altgedienten und meist schon etwas klappt'gen Polizei-Askaris des Städt­chens, war in allen schwierigen Fällen der Adjunkt des Bezirksamtmanns. Büaelhos war auch ein großartiger Mann; allerdings pflegte et nach wohgetaner Arbeit weniger feine Hose als seine stets bedürftige Kehle zu bügeln. Also Bügelhos wird geholt.

„Hören Sie mal, Bügelhos, mit dem Frssch- spektakel hier, das geht nicht. Da kann Exzellenz nicht bei schlafen.“

"V'fehl, Herr Bezirksamtmann!“

Zweites Dlatk^

1

Nr. 112

Sonnabend, 13. Mai

1922

Spitze adzubrechen, die regelmäßige Schichlzeit aat l'Vi Stunden festgelegt werden. Es ist durchaus berechtigt, daß die unter Tage tätigen Bergarbeiter bei ihrer schweren und gefahrvollen Tätigkeit eine kürzere Arbeitszeit fordern, als sie sonst in der In­dustrie eingeführt ist. Aber die Notlage, in der sich unsere Wirtschaft befindet, und die unerbitt­lichen Forderungen Frankreichs nach Abliesetüng eines erheblichen Teiles unserer Kohlenförderung machen eine Steigerung unserer Produktion not. wendig, die, wie die bisherigen Erfahrungen zei­gen, nur durch Ueberfchichten zu erzielen ist. Es st selbstverständlich, daß diese Ueberfchichten befotu ders gut bezahlt werden müssen. Die Preisf r tritt hierbei durchaus hinter der Frage der P. > buktionserhöhung zurück. Die oberschlesische Kohlen» förderung hat im April einen Rückgang von 3,2 auf 2,8 Millionen Tonnen erfahren, von denen aber nur noch 1,1 Millionen Tonnen nach Deutsch» land geliefert wurden. Umsomehr ist die deutsche Volkswirtschaft auf die Förderung des Ruhr« reviers angewiesen, und Vorgänge wie die jetzigen wilden Teilstreiks, mögen die Produktionsschädi» gungen auch zunächst nicht merkbar sein, bedrohen jedesmal den Lebensnerv unserer Gesamtwi.rtschafte

2. Sitzung vom 11. Mai.

Vor Eintritt in die Verhandlungen stellt Abg. v. Uslar (H.A.E.) fest, daß der Abg. Brill seiner Fraktion auf eigenen Wunsch wegen Arbeits­überlastung nicht in den Hauptausschuß gewählt worden ist.

Aus dem Bericht des Eingabcnausschusies inter­essiert die Bewilligung von 200 000 «M. für den Bau einer Tuberkulosen-Anstalt für Kinder im Rahmen des Philippinenstifts zu Immenhausen, deren Mit» Verwaltung durch den Dezirksverband nach Zusage des Landeshauptmanns v. Gehren vermöge Satzungsänderung herbeigeführt werden.soll. Die Ergänzungswablen — anstelle des Abg. v. (Brune* bus tritt der Abg. v. Uslar, anstelle des Abg. Stapenhorst der Abg. Wollenhaupt — werden anerkannt.

Eine längere Aussprache ergibt sich erst aus der Beratung des Entwurfs einer neuen Gefchäftsord» nung für den Kommunallandtag. Abg. Kreiß (H. St. ©.) wünschl schärfere Maßnahmen gegen die Ausnutzung der Redefreiheit durch Minderheiten und erreg* starke Unruhe auf der linken Seite des Hauses Arg. R e h b e i n fV. K. P. D) protestiert in scharfen Worten gegen den Vorredner und die ganze Form des Entwurfs und wird vom Land« tagspräsidenten v. Keudell auf den Weg bet fchriftlicken Eingabe verwiesen, den et auch be­schreitet. Inzwischen hat Abg. Häring (S.P.D.) betont, daß keine Geschäftsordnung gegen Aus» fchreitungcn schützen könne und im übrigen gleiches Recht für alle verlangt. Abg. fjarnier (H A. ®.) erklärt, daß die Aeußerungen des Abg. Kreis als persönlich aufzufasien seien. In der nun fol­genden Abstimmung werden die Aenderungsvor» schlüge d-s Abg. Rehbein gegen die sozialistischen Stimmen cbgelebnt

Sladj Genehmigung des Voranschlags der Ein­nahmen und Ausgaben des Landkrankenhauses Casiel entfpinnt sich wieder eine längere Erörterung bei der Prüfung der Frage der Aufhebung der

8—— BHmBM

„Ja, Bügelhos, Exzellenz liebt das Frosch­konzert; also sorgen Sie dafür, daß die Frösche wieder da sind. Heute Abend müsien sie wieder im Teich fein. Ich verlasse mich daraus!“ ~

„B'sehl, Herr Bezirksamtmann!“

Bügelhos war nicht der Mann, der Schwierig­keiten tonnte. Er greift sich sogleich einen Polizei- askari mit kräftiger Stimme. Der ruft auf dem Markt, im Eingeborenendorfe und an allen Der- fammlungsplätzen der fafhionablen farbigen Welt aus: „Jedermann, der einen lebendigen Frosch bringt, erhalt dafür einen Pesa!“ (3 Heller.)

Das war nach damaligen Dermögensbegriffen der Mohre« ein anständiger Betrag. Für einen Pefa konnte man sich bis an den Rand voll des ge­liebten Pombes, des Eingeborenenbieres, laufen taffen. — Im Umsehen war eine kaum zu bewäl­tigende Menge Frösche da, die sofort in den Teich einguartiert wurden.

Cei es nun, daß «diese aus allen Gegenden zu» sammengekommenen Froschherren und -Damen mit der gegenseitigen Vorstellung und Begrüßung viel zu tun hatten, sei es aus anderen Gründen, jeden­falls erhob sich am gleichen Abend ein derartiges Konzert, daß der Bezirksamtmann befriedigt war.

Erfreulicherweise war es auch Exzellenz, der bei dem nächsten Morgenfrühstück das In-Schlaf-Singen durch feine kleinen grünen Freunde gar nicht dank» bar genug rühmen konnte. — Allerdings rir und blieb ihm deren Schweigen am Tage vorher nach wie vor unerklärlich.

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i Q O O o $ o s o o o

die köstliche

Speise-Schokolade!