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Amtliches Verkllndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhesfische) Ol>sryesten

9t. 112

rte JDtettiejfildK Zeitull ' etirtteint ie<b»mul roSAextlidu L*n»s»vrei, moeadidi 19 Mk. Für anstaüenhe Hummern infolge Streik, coet elementarer Sieigniite kein (Erlas. Serlaa non De. S. f>t se t o tb. Ttnd 5er Uxiv.-Bucddriukerei non 2oh. Lug. Hoch. Markt 5.3. Serninretfiet 58, PoBLechkouto: Str. 5015 Lmt Frankiert a. Main.

Mavburg 5oümW, ien 13. Ma!

Ter In^eigenntei, beträgt für Sie 9 geb. Zeile ober deren 'Raum 1 Mk. für den Milli­meter. arntlime und auswärtige 1.30 Dtt. Ludere Spaltenbreiten nach extiotetbenber Berechnung. Spät einlaufenbe ober den «aum über */, Seite elnnebmenbe Ln- ,eigen hnb wir bere»tlgt, na» der Tertipaltenbreite ju je?" und ,u berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die LobZeile mit 9.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al« Sarrabatt Sei Snstunft durch ble kkeichäftsitelle und Vermittlung der Luge» bote 1 MI. SonbergebübL

Erstes Blatt

SeM» ShSsIob.

- 0 8. Sitzung vom 1 2. Mai.

Auf bet Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.

Abg. Dr. k> er, felb (Komm.) ftaei nach betn Erlaß eines AmnestiegefetzeS.

Ein RegierungSvertreter erwidert, bei birst Frage erst erörtert werden könne, wenn im Saufe bei Juni die Nachprüfung der Urteile beendet fein werde.

Auf eine Anfrage bei Abg. v. Schvch (T. Bvt) erwidert ein Negierungsvertreter, daß sich der Ueberßill eines marokkanischen Soldaten auf die b2jäbr:ge Ehefrau bei Wachtmeisters Lehrt in Frriendietz in b-t Weist ab­gespielt habe, daß die Frau in bet Nähe bei Wassrtturms bet Eisenbahn von einem Marokkaner miederg-schlagen. wurde, der sie zu vergewaltigen versuchte. Von deutscher Seite sti sofort bei der Besatzungsbehörde Anzeige er­stattet worden. Der Täter habe jedoch bisher nicht er- unttekt werden können.

Auf eine Anfrage bei Abg. Gräf (Deutschn.) wegen bet großen Anzahl von Juden unter den beutschen Ver­tretern in Genua wird erwidert, daß bei der Auswahl her Herren die Religions- und Rafstnzn^hörigkeit des einzelnen nicht geprüft worden sei.

Auf eine Anftage des Abg. v. S ch o ch fS. Bvt), was He Neichiregierung zu tun gedenke, um bst ständig ptnrfcmenbe Beschlagnahme von Wohnung-u und vo» neu erbauten Wohnhäusern im besetzten Gebiet aus ein er- ^äglichei Maß zurückzuführen, erwidert der Regierungs- ^Vertreter, daß entsprechende Verhandlungen mit bei Rbc-i -landkomMission schweben.

Eine weitere Anfrage bei Abg. v. Schvch (D. Bvt.) betrifft Borfall, der sich am 12 M« bei Landau joba-fviell dar, wo eine Touristengesellschaft von fran- jzöstschen Kriminalbeamten angehalten und geteg-ntlich der iAuiforderung, die Pässe vorzuzeigen, gftHogen und en- geschossen worden ist. Die ganze Gestlüchiist sei später verhaftet und in das Milftärgefän,nii abgrsührt worben, i Die Antwort bei Regierung»r-^:trrirrS geht da' », daß über den Vorfall amtliche Erhebungen cingelrnet wurden, deren Ergebnis noch nicht vorliegt.

Eine weitere Anfrage bei Abg. v. Sch » ch bringt einen Vorfall zur Sprache, der sich in Wahn Ende März dieses Jahrri ereignet bat

Nach der vom RegstrimgSvertrrter Gehrimrat Mäher ^ergebenen Darstellung waren abends zwei französische Soldaten in der Mrtschast von Baum erschienen und hatten erst Bier und Zigarren, später aber Wein ver­langt . Bstr und Zigarren wurden verabreicht. Sein verweigert, da keiner im Hause sei. D er als Gast an­wesende Bauunternehmer Küster, b-T etwas Frannzöfisch konnte, setzte dai den aufgeregten Soldaten auieinander. ks entspann sich noch ein weiterer Wortwechsel, in dessen 8-l-uf der eine bet Soldaten immer o afferent et wurde sodaß Küster mit ihm hinausging, um ihn zum Weggehen tzvzureden. Unmittelbar darauf hörte mau Küster rufen: »Ich bin erstochen?" Ali man hinauikam, liefen die Sol­daten davon. Küster hatte einen Stich in der Brust und starb sofort. Küster ist Vater von fünf Kindern und genoß in bei Gemeinde den besten Ruf. Die Untat wurde fefort bei der örtlichen Besatzungsbehörde gemeldet, die eine Untersuchung einleitete, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist.

Auf eine weitere Anfrage der Deutschen BolkSpattri wird von dem Regierungsvertreter Dr. Mayer mitge- trilt, daß am 31. Januar dieses Jahres ein betrübet Gendarm in der Gastwirtschaft von Fein in Duisburg die Personalausweise der Anwesenden revidierte Auch ein deutscher Schntzpolireibeamter mußte sich ausweifen. Ali er um Rückgabe bei Ausweises bat, wurde er von dem belgischen Gendarmen zu Boden gestoßen. Ali der deutsche Beamte dai Lokal mit einer anderen Person ver­ließ. Mete ihnen der Belgier, kam aber dann in Vas Lokal zurück und verlangte mit vorgehoftener Pistole von dem Wirt einen Kognak. Darauf forderte er von bet 13jährigen Tacktet bei Wirtes ebenfalls einen Ausweis. Ihm wurde erwidert, dai Mädchen brauche keinen Aus- weis, da ei noch keine 14 Jahre alt sei. Der Belgier fuchtelte dovauf weiter mit der Pistole herum. Tie Mutter schickte die Tochter in das Obergeschoß. Ter Bel­gier zwang jedoch die Mutter mit vorgehaltener Pistole, die Tochter wieder herunterzuholen. Dai Mädchen kani herunter und hängte sich angstvoll an die Mutter. Plötz- Äch krachte ein Schuß. Der Belgier hatte das Mädchen fa den Leib getroffen. Er zwang dann die Mutter, das Kind zu entkleiden, um die Wunde sestzustellen. Im Krankenhaus mürbe die Wunde als lebensgefährlich ftstge stellt und eine Operation vorgenommen, an bereit Folgen das Mädchen starb. Die Untat wurde sofort der Be- satzungsbehörde gemeldet, die den Täter zu einer mehr­jährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die 'Eutschädigungs- frage wird weiter verfolgt.

Die Beratung des Haushalts des R e i ch S ver ke h r S- 'Ainisteriums wird nunmehr fortgesetzt.

Abg. Di. Quessel (Soz.) erklätt. die Soziald-mo- Itotie werde unter keinen Umständen bie Reichseiseitbahnen Sner Aktiengesellschaft von Privatkavilalisten auslicscrn, felbst wenn sie nach ihrem vollen Wett bezahlt würden. Der Roichsverband der Industrie verlange aber in feiner Denkschrift sie Reichseisen bahnen geradezu geschenkt. Der Hauptübelstand bei der Eisenbahn fei der große Perjouen- «ud Materialverbrauch. Technische Verbesserungen müß- den den Kohlen- und Oelverbrauch herabiesen Tie kommu- chstüche RedenSatt von den gepeinigten Lohnsklaoen bei sEtstnbahn würde schon dadurch widerlegt, daß von Ljtern

Pfingsten 100 Milliarden zur Lujdesjerunr bei

Beamtengehälter bewilligt worden seien. Mehr könne man den <Äeuerzahlern kaum zumuten. Was den Per­sonalabbau anbetrifst. so dürste nicht nur die Arbeiterschaft beschränkt werden, es müsse auch bei den Beamten unter voller Wahrung der erworbenen Be- arntenrechte ein jährlicher Abbau erfolgen. Der Redner schließt mit der Erklärung, daß an dem gesetzlichen Achtstundei.tag unbedingt sestgehalten werden mfife.

Berkehrsministrr ®röner betont nochmals, daß bae finanzielle Ergebnis bet Eisenbahnen in diesem Jahre wesentlich günstiger sei als im Vorjahre. Vorbereitungen für bte Abwehr eines Streikes bei der Eisen­bahn würden mit aller Energie betrieben. Uebricens sei die Eisenbahn an dem Attienkapital der Schla^w.igen- gesellschaften stark beteiligt . Außerdem beschösse sie auch trichseigene Schlafwagen. Reue Reichsbahnen würden zur Zeit nicht gebaut, vielmehr nur die von den Län­dern begonnenen Bauten vollendet. Der Löwenanteil dieser Bauten falle auf Badern, tonte re Disziplinar- «xwsahren aus Anlaß des Streikes würden nicht mehr ringeteitet werden.

Abg. Geißler fD. Bbt) betont, daß leider die gesamte Link» einschließlich der Mehrheilssozialisten. cffo eine Regierungspartei, dir Auffassung ncrtrrte. daß den Beamten das Strrikrecht zust'he. Auch werde in jenen Kreisen die Gewerkschaft als Selbstzweck betra :tet. deren Interessen fe-gar den @teet8intercffen vorgehen sollten. Mit solchen Anschain'.ngen könnten wir nie ein pftlckit- -vtreweg Eisenbahnpersonal erhalten. Als Vorsitzender des Aftz-BundeS gesteht Abg. «nsbäuser (Unabh.) den ihm unterstellten Beamten kein Slreikrecht z«. Als die An.vstellt-u des der «fa «ngeschloss.men Werkmeisterver- bände« streiften, hat et sie auf die Straße werfen lassen. Welch «'n Unterschied »wischen Theorie und Prapis' Auch bte Regierung ist nicht ohne Schuld am Streik. Wirum hat sie ihr Versvrechen, die Lokomotivführer den Assistenten gleich zn stellen, nicht gehriten? Die Satz» -innen der Gewerkschaften, welche alle pew-rkschastlich-n ktz-Mvftmttel vorsehen. allo auch da« Streikrecht. hät- ten dem Minister vora-len-n. Die R-gtentri erkennt ja nach di- wittschastSfriedl'chen Verbände, welche aus daS Sterilrecht verzichten, garnicht als Gewerkschaften an Subern hat der Minister ausger-chn-t Herrn Menne Bvrsidenden bet ReichSgewerkschast »um Dienste kör Sefe Gewerks-bast beurlaubt, obwohl Sen Menne 1919 Führer des EisenbahnvutscheS in Ersntt war. Der Mini­ster hat sich so im gewissen Sinne mitschuldig am Eisenbabnerstreik gemacht. Die Sozialdemokratie al» Re- aternngspartei ist nock höheren Grades mitschuldig, denn ihre Führer bejahen da» Beamtenstreikrecht. Wir er- suchen deshalb Regierung, bei Durchführung der Richtlinien doch die größte Milbe gegen bie <m ttreil Beteiligten walten jn lassen.

Während her Abg. Breunig (Unabh.) noch d-t- schiebenen böheren Beamten vorgeworsen hat. daß sie zn cnee Fühlung mit der Schwetindusttie genommen bat­ten, forderte Abg. Seid ert <D.Bpt.). daß in In- kunft wieder nur handwerksmäßig «mSgebichete Low- motidführer eingestellt werden.

Da» Gehalt» Ministers wirb bewilligt. An­genommen weckten ferner eine Entschließung bet Unab­hängigen auf Bernrbntng der Fürsorge für erhöhte Be- triebssicher heft int Interesse M fabmtben Publikums, sowie eine Entschließung be« Zentrums, LicsernngSver- träge möglichst ans der Grundlage bet sogenannten atet* tenben Preise abzuschließen unb schließlich auch die Aus­schußentschließung über Einführung des Vorortverkehrs in den Industriegebieten. Eine Anregung des Abg. Koch (Dm.). Kindersahrkatten bis »um 14. Lebensjahre ans- tugeben und bis »um 6. Lebensjahre freie Fahrt zu gt> wäbren, wird dem Hauptetusschuß ttbcrrviesen.

Jn der sich anschließenden Ein»elberatung bringen die einzelnen Redner Wünsche über öttkiche «ohnbauten vor. Die Anträge deS BildungSausfchufseS, bie Fohr- prrisetmSßigung für den Besuch des Religionsnutetrichts verlangen, wirb an ben HauvtauSichuß »urückvettmesen.

Die Weiterberatung wird um 7V* Uhr ans morgen Mittag 12 Ubt vertagt, außerdem Posthaushalt.

*-

MMksien.

Oppeln, 13. Mai. Der Borfltzenbe btf O-i- wärrig tagenden außrrorbentlichen Schwurgerichts Stadtgerick'tsrat Scholz au# Ratibor ist durch daS Jastizbepartement der Jnttallii rttn Kommission seine- Amtes enthoben worden weil er die Heraus- gäbe von Akten an den besonderen Gerichtshof ver- weigert hat. Wie dieOppelner Mer^enze.tuug" ton zuständiger Stelle erfährt, handelt eS sich um die An- klage gegen eine Oppelner FrauenS^rson wegen Man- eides, die einen in der dortigen Garnison liegenden englischen Soldaten gcheiratt hatte. Tie Leitung des Schwurgerichts ist ans ben ftrlrertretenben Vorsitzenden Landgerichts rat Kunze, übergegangen.

Der König von England lehnte einen Besuch bei Mtllerand ab.

London, 13. Mai. Auf der Rückreise von Belgien stattete König Georg den französischen Friedhöfen in Nordfrankreich einen Besuch ab. Da seine Reise privaten Charakter trug und der König sein Inkognito aufrecht erhielt, lehnte er die beab­sichtigte Begrünung durch den Präsidenten Mille- rand ab. Jn Begleitung des Königs befanden sich Marschall F-zch und Cuitelnau.

Sie WmtzM der ruWen Antwort

ZiilltiMg her $er6onMinotiL $röiono Io flBtaMÄ

Ser mglU'ItoiiezWe Stsidiimst.

London, 12. Mai. Reuter berichtet ans Genua, obgleich die russische Antwortnote nach einer vorläuf'gen Prüfung unbefriedigend zu sein scheine, werde sie doch vom britischen und italieni­schen Standpunkt aus betrachtet, als eine Note an. gesehen, auf Grund deren man weiter ver« handeln könne. In britischen Kreisen werde ungefähr folgender Standpunkt vertretene Es gebe zwei Aufgaben für die britische Politik: die eine sei der wirtschaftliche Wiederaufbau Ruf-lands, die andere ist die Schaffung des Friedens. Wenn Ruß­land bereit sei, auf Kredite zu warten, dann sei man auf englischer Seite geneigt, d:e Fragen, die die russische Note aufwerfr, weiter zu prüfen. Die russische Frage werde febr wahrscheinlich den Ge­genstand eines großen Streites bilden, wenn sie, wie dies wahrscheinlich sei, in diesen Tagen im politischen Unterausschuß zur Erörterung komme.

Genua, 12. Mai. Auf der Presiekonserenz von heute Vormittag teilte Sir Edward Grigg bezüglich der rrsfischen Antwort n^t: Wir halten die Antwort vom Standpunkt des russischen Volkes für ein ziemlich törichtes Machwerk, das anstelle prattifcher Vorschläge zur Verhandlung und einer prakiischen Behandlung des Problems eine Fülle von Propagandamomenten enthält. Wir wollen aber trotzdem nicht dem russischen Volk« den Frieden vorenthalten. Wir werden mit den Diskussionen über den Frieden fortfahren. Wir sind bereit, auf die russische Anregung, daß bie ökonomischen An- gelegenheiten dem Sachverständigenausschuß unter­breitet werden sollen, einzugehen. In der Zw'schen. zeit wollen wir die gegenwärtig bestehenden Gren­zen als de facto bestehend anerkennen. Mit dem Grundsätze, daß die Propagandatäiigkeit in allen fremden Landern eingestellt wird, find wir ein­verstanden. Im übrigen bedauern wir es im In- teresse des rnsfischen Volkes sehr, daß durch die rus­sische Antwort eine neue Verzögerungder end­gültigen Lösung verursacht wurde.

Genu«, 13. Mai. Schanzer erklärte vor Ver­tretern der intematiomalen Preffe über die russisch« Antwort, bie ttallenilche Abordnung sei der An- ficht, daß es sicher nicht angebracht^ wäre, die Der- Handlungen abzubrechen. Man könne e» nicht ablehnen, die Besprechungen fortzusetzen.

Die Rentralen, besonders die Schweiz, find mit dieser Lösung der russischen Frage durchaus nicht einverstanden, weil ste gern gesehen hätten, daß diese Angelegenheit in Genua restlos erle­digt worden wäre. Motta hat diesem Gedanken auch in einer Unterredung Ausdruck verliehen, die er mit Barthou hatte. Auch der Führer der hol­ländischen Abordnung, Karnebeek, äußerte sich in ähnlicher Weise. Man rechnet noch mit einer Dauer der Konferenz von 20 Tagen.

Sie AM 6»t Sroinflen.

Genua, 12. Mai. Ueber die Haltung der Franzosen gegenüber der russischen Antwort wird mitgeteilt, daß Frankreich über den stark polemi­schen Ton der russischen Note ungehalten ist. Es hatte eine bestimmte Antwort erwartet. Dennoch wird die russische Antwort nicht abgelehnt. Im Gegenteil dementieren Männer wie Picard. Barräre und Poncet energisch das Gerücht, nach dem die Franzosen in 31 Tagen abreisen würden. Das treffe nicht zu. Man werd« die russische Ant­wort in dem ersten Unterausschuß für russische Fragen, der auf morgen Nachmittag vertagt wurde, oorlegen. Dieser Ausschuß werde sich, wenn Zwi­schenfälle nicht eintreten, dahin entscheiden, daß die finanzielle Frage dem Eachverständ'genausschuß überwiesen wird. Damit ist nach Anficht der Fran­zosen das ttisfifch*' Problem vorläufig erle­digt. Die Konferenz kann sich nunmehr den anderen noch ausstehenden Aufgaben zuwenden

Paris, 12. Mai. Anläßlich der durch die ruf-- fische Antwort geschaffenen Loge ist nach dem Tcmps" für die französisch« Regierung folgende Politik geboten:

1. Frankreich, das am 2. Mai di« Denkschrift nicht unterzeichnet hat und seit diesem Tage nicht mehr an den Verhandlungen mit den Bolschewisten teilnahm, kann augenblicklich ebensowenig wie in Zukunft sich daran beteiligen. In keiner Form, aus keinem Umweg dürfen die Vertreter Frankreichs

fich zu neuen direkten ober indirekten Verhand­lungen mit der Eowjetregierung herbeilasien.

2. Wenn Frankreich fich an den Beratungen de« Ausschusses beteiligt, also den Beratungen übet die Frage der russischen Schulden, die Frage der ruf» fischen Anleihen und die Frag« des privaten Eigen­tums, wird es seiner ursprünglichen Absicht treu bleiben. Es muß aber ausgemachte Sache sein, daß die Bolschewisten im Gegensatz zu der in ihrer Ant- wort kundgegebenen Absicht nicht an den Sach- Verständigenberatungen teilnehmen.

3. Es ist die Rede von einem Abkommen, da» Rußland mit den Nachbarstaaten schließen soll. Tte Vertragschließenden sollen sich verpflichte«, auf jeden Angriff unb auf jede aggressive Propagand« zu verzichten.

Pari«, 18. Mai. Da«Echo be Paris" «t-mbt daS Urteil der französischen Regierung über bie russische Antwort dahin festftellen zu Bnnen. daß man diese für eine ironische, schwülstige Anklageschrift häU. bie alle? übersteig«, was man in dieser Richtung habe erwarten können. ES sei «ißerorbentlich, daß eine Regierung hierin die Grundlage für neue Verhand­lungen finden könne. Die französische Regierung könne sich freuen, der Denkschrift fern geblieben zu fein,* di« eine so impertinente Antwort auSgelöst hab«. Tie französisch« Regierung für ihren Teil finde, daß die Konferenz von Semras was die russische Angelegenheit betreffe, geschlossen sri. Wenn bie Konferenz noch einige Tage dauern könne, so sei ei wahrscheinlich daß man andere aufzuwerfrude aber nichtige Frage» studiere.

Ächte Mitarbeit an der Antwort.

Genna, 13. Mai. Barthou beriet gestern nicht mit Lloyd George. Da die französische 8b* ordngng die Denkschrift nicht unterzeichnet hat, wird sie auch an bet Antwort nicht mitarbelten, die Lloyd George auf die russische Note erteilen will.

Die Sitzung be» Unterausschusses.

Genua, 13. Mai. Die für heute in Aussicht genommene Sitzung be» Unterausschusses be» ersten Ausschusses zur Prüfung bet russischen Antwort auf morgen Vormittag 11 Uhr vertagt worden.

GW/WiW PreMiUMN.

Loudon. 11. Mai.Daily Chronicle" bezricbnct bh rusiiscke Rote «U sehr unbefriedigend nach allen Rich- , tungen, sie biete jedoch eine Grundlage für weitere Poo« bandlungen.Dmlv Telegravb" schreibt, das Doku­ment mache ben Eindruck einer glatten Weigerung, kaenb» welche Rechte des anderen Teile» anzuerkennen. Außev- dem zeige bte Rote die Absicht, baS ermübenbe unb aut« roriiüenbe Argumentieren, das bie Teilnahme Rußlands an der Genueser Konferenz bisher kennzeichnete, unbe­grenzt fortzusetzenDailys RewS" schreibt, bie russische Antwort schein« ein vollständig unmögliches Dokument »u sein. Sie werde Frankreich und der französischen Treffe sowohl in Paris als auch in London bie Gelegenheit geben, bte sie wünschen, um »u erklären, baß alle Ver­handlungen mit ben Bolschewistr* unmöglich feien; fte werde wahrscheinlich die Vertagung der Konseren, be­deuten, sofern genügende Vorkehrungen getroffen würden, um das Werk bet Konferenz in einet weniger erhitzte» Atmosphäre fortznfetzcn. TieWestminster Gazette" schrribt. die klare Bedeutung der russischen Antwort sei, baß die Sowjctregierung, obgleich bereit Zugestindnisse zu machen, nicht gewillt fei. etwas für nichts zu geben. Dv ihre Stellung politisch viel stärker sei als ihre wirtschaftliche Stellung, komme e8 ihr mehr darauf an, wirtschaftliche Unterstützung zu erhalten. Das liberale Blatt befürwortet bi« Streichung brr russischen Kriegs­schulden.Daily Mail" be»eichntt die Ankwart der Bolschewisten als eine unverschämte Ablehnung unb fordert bie britische Regierung auf, aus ber Fall« herauszukommen unb fest »» Frankreich unb Belgien $u stehen

DieTimeS" vttöffentlicht einen ausführlichen Auf­satz ihre« neuen Pariser Korrespondenten Sisley HuddleS- ton. Er nennt bie augenblicklich- Krisis bte ernsteste von alten. Tie Genueser Konferenz treibe einem offenen Bruch ber Entente zwischen England unb Frankreich »u. DieS bedeute, daß Rußland und Deutsch- tonb einander in bie Arme getrieben würden (Sine Allianz »wischen diesen beiden Ländern könne Frankreich die Stirn bieten, ben neuen polnischen Staat vernichten, die Rationen der Kleinen Entente bedrohen sowie die ge» samt« durch den Versailler Vertrag festgesetzte ettrv- väische Karte abändern. SBenn nicht einen neue» Krieg, so werde sie doch ein dauernde- Durcheinander aus dem Kontinent »ur Folge haben.

Pa ri«,'12. Mai. Soweit bie französische Presse sich bis jetzt zu der russischen -Antwott äußert, verhält fte >ich mit wenigen Lusnahmen abjolul abtebnenb. D« Petit Porisien" glaubt, baß Frankreich wahrichetauch nicht verweigern könne, gemrÜLfam mit )«uit» yerbinbd#