Amtliches Verkllndigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurheflifchej Oberhessen
Dt« JDberiKlftjdx Zett», edtbelxi ledwnal U)öd)entlt<6. — Bejugsptet» monatltch 19 Mk. Für aesfan«nw Rümmer» infolge Streik» ooet elementarer Lreignlss« fein Trlatz. — vertag do« Dr. L. Hiherotd. — Druck der Unto^Bmbdruckeret non 2oh- Bug. Roch, Markt 2125. — Kernwrecher W. Posticheckkonto: Rr. 5015 fimt ffrowffuit a- Mal«.
Marburg
Srtilag, de« 12. Mai
Der »«eigeiwret» beträgt fix bU S geht. Zeile ober beten Raum 1 Mk. ffit be« Millimeter, amtliche «nb auswärtige 1.30 Mk. Ludere Soaltenbreite« nach entsprechend« Berechnung. Spät einlaufenb« ober bex Raum über */, Sette einnehmende Anzeige« and wir berechtigt, nach der leftipaltenbrette zu fegen und n berechne«. Sogen. Reklamen berechnen wir die Lol»Zeile mit 100 Mk. Zeder Rabatt gilt al» Larrabatt. Bei Auskunft durch die Defchäftrltelle und Semittlung der Angebote 1 Mk. Sondergebühr.
57. m
1922
üenllitr SeiflM
207. Sitzung vom 11. Mai. Sie Lage der Sisendahne«.
- Fortsetzung der »weiten Lesung der Han-balt» der HkeichSverkehrSminifteriums.
Abg. Dr. Qua atz (D. Bpt.) teilt den Opttmi-mu- des Minister- nicht. Gewiß hätten sich die Leistungen der Eisenbahn im letzten Jahre gebessert, aber ihre eigent- sich« Ausgabe, die Güterverteilung am rechten Orte und zur rechten Zeit, habe sie nicht erfüllen kSnnen. Dies gelte besonder- von der Kohle. Außerdem fei der Personalbestand der Eisenbahn im Verhältnis zum Rllck- yang der Kilometerleistung ganz enorm gestiegen: nämlich von 740 000 aus 1380000 Beschäftigte Der Ausbau de- Eisenbahnnetze- sei dringend erforderlich, »nd der kaufmännische Geist müsse stärker als bisher betont werden. Auch für da- Kleinbahnwesen, das sich namentlich in Norddeutschland in An em gerader» bejammernswerten Zustande befinde, müsse mehr getan werden. Der Redner waridte fich dann noch in scharfen Worten gegen die Tarifpolitik deS Ministers. Früher hätten die Beiräte bei den Tarssverhaitdlnnaen »och mttaewirkt. heute würden diese Beiräte nicht mehr gewählt. sondern ernannt, und somit laufe da- Ganze lauf die Präfeften-Wirtschaft hinaus, wie man sie in Frankreich gehabt habe. Das sei ein Räcsschritt im Zeitalter der Demokratie.
Reichsverkehrsminister Grüner sichert zunächst für bic Zukunft eine schnellere und regelmäßigere Erstattung der Geschäftsberichte zu und betont, daß er sich von seinem Optimismus nicht abbringen lassen toetbe. Er habe in Ne Angestellten, Beamten und Arbeiter der Eiienbahnver- Pallung das unbedingte Vertrauen, das sie ihn unterstützen werden, die Eisenbahn wieder vorwärts zu bringen. Zweifellos sei der ganze Avporat der Eisenbahnverwaltung jetzt nicht in der Lage dem Balut.rgüter- verkehr voll zu genügen. Industrie und Handel sollten fich aber nicht der Eisenbahuverwaltung als Gegner gegenüberftellen, sondern sich gemeinsam mit ihr bemühen, den Uebelstand zu beseitigen, tote es beispielsweise die Hamburger Kaufmannschaft in dan'ensw'rter Weise grian habe. Das Defizit von 1920 in Höhe von 15,6 Milliarden drücke noch heute auf unsere Verwaltung. Als das Defizit schon auf etwa 5 Milliarden herabgemindert war, kam die neue Valutawclle und ließ eS etwa aus 11 Milliarden ansteigen Das laufende J«hr werde aber wesentlich günstiger abschließen. Solange aber Arbeiter» löhne und Materialpreise das Ergebnis der Eisenbahn weiter als
Schraube ohne Ende beeinflussen, sei eine ruhige Entwicklung nicht möglich Gröner geht dann auf die Personenpolitik ein und mehrt, daß diese in erster Linie von der Wohnungsfrage abhänge. Im übrigen müsse der Grundsatz „Dem Ttch- tigen freie Bahn" ohne Rücksicht auf das Dienstalter güten. Eine Uebernahme der Mitropa und der Reifebüros auf die Reichseisenbahnverwaltung ist noch nicht denkbar. Die Verhandlungen tnit den Gewerkschaften über die Dienst« und Ruhezeit würden in diesen Tagen »u einem befriedigenden Abschluß kommen. Was bas Streikrecht angehe, so seien die Beamten noch kurz vor dem Eisenbahnerstreik darauf hingewiesen worden, daß ein solches ihnen nicht zustehe. Die für bic Disziplinierung der am Streik beteiligt gewesenen Beamten herausgegebenen Richtlinien würden loyal gehandhabt. 105 Fälle seien auf dem Disziplinarwege erledigt worden, weitere 40—50 Fälle seien noch in der Schwebe, «nb 168 Kündigungen seien ausgesprochen worden. Dfese geringe Zahl fiele gegenüber den etwa 100 000 am Streik beeil ligt gewesenen Leuten kaum in» Gewicht. Bei den Beförderungen kämen allerdings die Disziplinietten nicht in Frage. Im übrigen werde aber der Streik von der Verwaltung als etwas Vergangene- angesehen, um das Vertrauen zwischen Beamtenschaft und Verwaltung wieder herzustellen.
Abg. Wieland (Dem.) sagt: Die Eisenbahn müsse ivieder zum Rückgrat unserer Finanzen werden. Die Ausschußanträge bewegen sich in dieser Richtung. Dr? Arbeitszeitgesetz muß die bestehenden Mißstände befeitijen. Es geht nicht länger an, daß die Norddeutschen weniger arbeiten als die Süddeutschen. Andererseits darf gegen He am Streik beteiligt gewesenen Beamten keine Nadel- stich-Polittk getrieben werden. Wie steht e» mit 5er Wagengestellung? Vor allem mit der Versorgung Süd- beutschlands? Jedenfalls müßte die Tarifpolittk in enge» *er Fühlung mit den Privatwirtschastskreisen, besonders Süddeutschlands, geführt werden. Gemischt-wirtschaftliche Betriebe wären die für die Reichsbahn geeignete Belriebs- form.
Berkehrsminister Gröner: Da- Gutachten des AeichsverbandeS der Industrie schätzt den Personalbedarf 1« niedrig ein. Wir sind aber bemüht, das Personal aus das notwendige Maß zu vermindern. Die Kohlen- Versorgung soll in Küt^e sichergestellt werden, lieber bie Schwierigkeiten der Wagengestellung sind wir jetzl hinaus, jetzt müssen auch die Gruben mit allen Kräften fördern. Die Haldenbestände sammeln sich nichi allein wegen Wagenmangel an, sondern es müssen auch die Arbeitskräfte zum Verladen vorhanden fein. Seit dem 1. April sind die Haldenbestände auch wesentlich zurück Begangen. Die Kriegsschäden an den Lokomotiven werden bis zum L April 1923 vollständig beseitigt sein. In der Frage' bet Tarifpolitik wird der neue Reichs- Eenbahnrat seine Beratungen am 1 .Juli aufnehmen Die auf niedrige Haltung der Personentanfe gerichteten wünsche werde ich wohlwollend prüfen. Für bestimmte begrenzte Aufgaben bin auch ich ein Freund gemsich:- wirtschaftlicher Betriebe. Wie weit dies aber auf die
Die russische Antwort.
privatwirtschastlicheu Gesichtspuntten unter Bermeümnß behördlicher Eingriffe abgeschlossen werde«. Zur Bekämpfung des wilden Kartoffelauflaufes erklärte» sich die Spitzenverbände übereinstimmend für eine Verschick' fung der geltend« Konzession-vorschristen.
AtWmWmg OtlotittL
Genua, 11. 9Ra£ Die Antwortnote der russsschen Abordnung auf die Denkschrift der Verbündete« vom 2. Mai polemisiert ht eingehender Form gegen die in der Denkschrift ausgesprochenen Auffassung« und läuft dann auf folgende Schlußsätze hinan»:
Die russische Regierung hat ihre Vertreter auf Me Konferenz von Genua geschickt in der Hoffnung, hier mit den ander« Staat« zu einer Einigung zu gelangen, bie, ohne an dem al- Folge der Revolution tntb der sieg- reich zurückgewiesen« Jnterv«tton« aufgestellt« sozial« und politssch« Regime zu rühren, nicht za einer Erschwerung, sondc« zu einer Erlei^ernng de» teilt» schaftlich« und finanziellen Lage Rußland- führ« und gleichzeitig den Weg zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage Europa- frei mach« würde. Aber diese- Ziel sehe voraus, daß die fremd« Mächte, dir die bewassnete Intervention in Rußland organisiert haben, darauf Verzicht« würden, zu Rußland im Tone eine- Siegers gegenüber einem Besiegt« zu sprechen.
Rußlatck bleibt, um zu einer Einigung zu gelang«, bereit, den fremd« Mächten ernsthafte Konzeffionen zu machen, aber durchaus nur unter der Bedingung, daß diesen Konzesflonen gleichwertige Konzession en des ander« Teiles zu Gunsten des russischen Volke- «t» sprechen. DaS russische Volk würde kein Abkommen an- nehmm können, in dem nicht die Kouressiou« durch wirkliche Vorteile aufgehoben würd«.
®n anderer durch dir Schwierigkeit« der Eitnatton nahe gelegter Ausweg wäre eine gegenseittge Annnllie- rung der auS der Vergangenheit zwisch« Rußland und d« ander« Mächten entspringenden Ansprüche nnt Gegenansprüche. Aber auch in diese« Falle ist dir russische Regie«ng noch entschlossen, die Interest« der Kleinbesitzer zu acht«.
Falls aber die Mächw sich doch noch mit der Lösung der zwischen ihnen und Rußland anhängig« finanziellen Streitpunkte beschäftigen woll«, so könnte, da diese Fragen ein gründliches Studium der Art und der Ausdehnung der an Rußland gerichtete« Ansprüche und ein» gerechtere Erwägung der Rußland zu gewährenden verfügbar« Kredit« erfordern, diese Aufgabe einem von der Konferenz ernannt« gemischt« Sachverständige naus- schuß übertragen werden, dessen Arbeiten zu einer Zeit und an einem Orte beginn« würden, der durch gemeinsames Abkommen ;« bestimm« wäre.
Die russische Delegation stellt fest, daß daS große Hindernis, da» ben Fortgang der Konserenzarbeiten bisher gehemmt hat, auf dem Umstand beruht, daß die oben ausgesprochene Idee der Gegenseitigkeit noch immer nicht von allen Mächten hinreichend geteilt wird. Die russische Delegation kann jedoch nicht umhin, zn betonen, daß die Be^rechung«, die stattgefunden haben, einer engeren Annäherung zwischen Sowjetrußland und bex fremden Mächten den Weg geöffnet hab«. Die russisch; Delegation gibt daher der Ansicht Ausdruck, daß bei der
Reichseisenbahn Anwend«ng find« kann, bleibt sehr zu überleg«.
Abg. Aufhäuser lUnabh.): Der Dampf um die Reichseisenbahxen spiegelt deutlich bie wieder erstarkende Macht des Privatkapitals wieder. Der Reichsverband der Industrie arbeitet still, aber wirksam an der Urter- ffibnmg der Bahn« in Privatbesitz. Darüber lassen auch die Ausführung« Dr. Reicherts keinen Zweifel, und die Erllärungen des Ministers waren mehs als fimi. Die eigentliche Unterbilanz der Eifenbahn« hängt nicht mit der bürokratischen Verwaltung zusammen, sondern mit den Kriegswlgm. Die Personalausgaben fallen gegenüber den eigen« Materialpreifen kaum ins Gewicht. Eine stärkere Konttolle der Industrie mit Rücksicht auf bie Interessen der Allgemeinheit könnte die sachlichen AuSgab« wefmtlich zurückschrauben. Die Äizialifie- rvngskommission hat die richtig« Wege zur Entbürokratisierung der Eisenbahnen gezeigt . Erst wen« die Rohstoffquellen in staatlich« Besitz übersühri worden find, werden die Eisenbahnen die Erträge abwerfen, deren wir bedürfen. Der Redner behauptet bann, daß trotz aller Versprechungen die Betgeltungspolitik wegen des Streiks im vollen Gange sei, und daß infolgedessen die Privatindustrie ben Achtstundentag abzubauen beginne.
Abg Sauer (Bahr. Vvt.) wendet sich gegen jede Zentralisierung des Beschaffungswesens für die Eisenbahn.
Abg. B a a r 8 (Komm.) richtet heftige Angriffe gegen bie Verwaltung wegen der Maßregelungen der am Streik trittst« Eisenbahner und gegen das Arbeitszeitgesetz das einen Angriff auf den Achtstundentag darstelle.
Damit schließt die allgemeine Aussprache.
Morgen Mittag »Uhr: Etszetberatnng und Anfvagen.
Lösung der yvtschen ihr und den fvemden Mächte» anhängig« finanziell« Schwierigkeiten hervor tretende Mei» ttungSverschiedenheiten nicht hinde« dürfe«, daß die anbeten alle Länder interessierenden Probleme zu allererst für den wirtschaftlich« Wiederaufbau Europa» und Rußlands und die Festtgnng des Friedens in Genua gelöst werde« können und müssen .Rußland ist auf bie Konferenz mit versöhnlich« Absichten gekommen nud gibt sich auch wettet der Hoffnung hin, daß sein Streben t» dieser Hinsicht von Erfolg gekrönt fein wird,
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Frankreich droht mit Abbruch.
Sienna, 11. Mai. Lloyd George, Schanzet und Barthou find heute in später Abendstunde noch zusammengetret«, um übet die Maßnahmen zu berat«, die auf die russische Antwortnote ergriffen werd« soll«. Frankreich ist für sofortigen Abbruch der Verhandlungen, doch suche« Schanzet und Lloyd Geotg« zu vermitteln. Die Kleine Entente schwankt, auf welche Seite sie sich stel- l« soll.
Wie die Blätter melde», sehe man in itakieni- sch« und englischen Äteifen die durch die russische Antwortnote geschaffene Lage als günstig an. Die russische Antwort biete genügend Punkte zu weiter« Verhandlung«. Auf ttalienischet Seite glaub«, man, mil einet weitet« Dauer der Konferenz von einem Monat rechne« zu könne«.
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Sie Milmv Maden du Soolmiu.
Lloyd Georges Streb«« «ach einem Erfolg.
.London, 11. Mai. Dem Berichterstatter des „Daily Ehronicle" zufolge muffe die Genueser Konferenz erledig«: 1. das llebeteinkommen mit Rußland, 2. die Regelung der östlichen Grenzen und 3. den europäischen Vertrag. Der Versuch Benesch, unter allen Umständen die Friedensverträge in den europäischen Vertrag hineinzubekommen, sei gescheitert. Großbritannl« und die Neutral« hätten fich dem energisch widersetzt. Die Erledigung des Programms werd« vittleicht Wochen, vielleicht auch noch Monate bauere. Lloyd George beabsichtige jedoch, das W«rk zu Ende zu führen ohne Rücksicht darauf, wie lange es dauere und auch ohne Rücksicht auf die Schwierigkeiten. Lloyd George fei «tschloflen, das in Paris nut unvollständig errichtete Werk zu vollenden, zu verbessern und zu korrigieren. Er werde in Genua bleiben, bis das brittsche Parlament seine Rückkehr fortete. Lloyd George sei nicht allein in seinem Entschluß, sondern er habe die Führet des größten Telle» von Europa auf seiner Sette.
Keine englische «nltthe für Rtlstland.
London, 11. Mai. Schatzkanzler Horne teilte unter Beifall im Unterbause mit, in Beantwortung einer Anfrage: Die brttttche Negierung bat vollkommen NarMftellt, daß fie nicht bereit ist, der Sowjet- regierunL eine Anleihe zu gewähr«.
Sie AuluaWe her irentlcheo Antwortnote.
Beginn der Verhandlungen In Paris.
Berlin, 11. Mai. Die „Voss. Ztg." meldet aus Paris, daß der Entschädigungsausschuß fich auf die Ansicht geeinigt habe, die deutsche Antwort gestatte einen Meinungsaustausch mit dem Reichsfinanzminister Hermes und dem Staatssekretär Bergmann, ohne daß vorher eine Rote an ole deutsche Regierung gerichtet werde. Der Meinungsaustausch soll zunächst nur offiziösen Cha- ratter tragen.
Wie die Blätter hör«, Hal Dt. H e r m e s seine Abrttse auf morgen verschoben.
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Manoni Mn die fiaitoWiroani.
Berlin, 11. Mai. Im Rrichsmintsterium für Er- nöbrong und Landwirtschaft bat laut „Deutscher Allz. Zig." eine Besprechung mit Vertrete« der Landwirtschaft, be? Handels und der Verbraucher statt. Hm die Schwierigkeiten und Mißstände der Karlosfelversorgung des Vorjahres ,« vermeid«, wurde einstimmig bie No^ Wendigkeit anerkannt, schon j e tz t die erforderlichen Vor- {errungen zur ausreichenden Eindeckung der Versorgung?- berechtigt« Bevölkerung mit Kartoffeln in dem kom- mtnbrn Wirtschaftsjahr zu treffen. Zwisch« dem Han- del «nd ben Konsumgenossenschaft« einerseits und ben landwirtschaftlich« Erzeugern andererseits soll« in möglichst großem Umfaugi Lieferung-Verträge »ach na
Das W im Prozri Fr-endch.
Die Fälschungen Eisner» erwiese«.
München, 1L Mai. In dem Beleidigungsprozeß des früher« Privatsttretärs Eisner«, Felix Fechenbach, gegen den Herausgeber der „Süd- beutfdien Monatshefte", Prof. Coßmanu, bei Schriftleiter der „Münchener Neuesten Nachr.", Emanuel Müller, d« Hauptschriftleiter deS „Bayrisch« Kuriers" Osterhuber und den Schriftleiter des „Bayrisch« Vaterlands", Dr. Adrlmaier, tourten durch Urteil des Schöffengerichts am Amtsgericht München dl« ersten drei Angeklagten von der Anklage freigesprochen, währ«d Dr. Adel, maier, bei dem das Serii^t die Absicht der Brleidi- gitng für erwies« erachtete, zu einer Geldstrafe von 500 Mark verurteilt wurde. Der Privatkläger Fechenbach hat Me Kost« des Verfahrens in der Richtung gegen die AngeNagt« Cvßmann, Müller und Osterhuber zu tragen, während Dr. Adelmaier die Kost« des Verfahrens gegen ihn zu übernehmen hat. DaS Urteil gegen Dr. Adttmaier kann der Privatkläger auf Kosten des Beklagt« im „Bayrische« Vaterland veröffentlichen.
In der Urtttlsbegründnng wirt hervorgehoben, daß die Veröffentlichungen EiSnerS al««ne Fälschung im wahren Sinne deS Settel zu betrachten fei«, was sich auch aus den Aussagen der verschieden« Sachverständigen ergebe. Auch Prof. Dr. Quibbe halte die Veröffentlichung« in höchste« Maße für anfechtbar. Die Veröffentlichungen EiSnerD feien eines der Hindernisse im Kampf gegen die Behauptung von Deutschland- Alleinschuld am Weltkriege, eine Behauptung, die auch der Privatlläget nicht aufrecht erhält. D« Besagten sei die Wahrnehmung be«cbtigter Jntevess« infofern zuzubssligen, als das Friedensdiktat von Versailles jeden Deutschen treffe. Die Aeußerungen CoßmannS. Müllers und Ostechtrbers fei« sachlich gehalten gewesen, während bet Dr. Adelmaier der Fall anders liege.
$05 $l5zWmMna gegen Heirat.
Dienstentlassung ohne Pension.
Berlin, 1L Mai. Hatte Vormittag begann in 1 Erfurt das Disziplinarverfahren gegen die beiden Vorsitzenden der RttchSgemerkfchaft deutscher Eisenbahn-! beamt«, Ernst Menne und LouiS Thieme, sowie ■ gegen den Vorsitzes« der Fachgewerkschaft IV (Tech- > nische Beamte) Diblik. Die Anklage legt den drei Beschuldigten zur Last, daß sie die ihn« als Beamten obliegenden Pflichten gröblichst verletzt, den Ansbruch deS Eisenbahnerstreikes verutfacht haben und für die Verlängerung de» Ausstandes eingetrrten .sind. Die drei Beschuldigt« geben zwar zu, am ©treife beteiligt gewesen zu fein, bestreiten aber de« Streif vorbereitet ju haben. Wie Menne in der Verhandlung erklärte, fei der Vorstand der Rachsgewerfschast von den Beamt« im Lande aufgefordett warten, den Streik zu organisieren, falls diese nicht selbst Teil« aktiou.en vornehmen sollt«.
Wie die „Thür. Allg. Zeitg." meldet, Hal tfeute Nachmittag die DiSziplinarkammer in dem Verfahren gegen bie Urheber des Eisenbahnerstveifs vom März d. I. das Urteil gefällt. Me Angeschuldiften, Eisen« bahninspektor Menn«, Lokomotivführer Thi«re nick Eisenbahnsekrttär Tiblif, wurden für schuldig befunden. Tie Tisziplinarkammer erkannte gegm fie auf Dienstentlassung. Bon der Gewähnrüg einer Tttlp«sion wird abgesehen, da kein Grund für ttne milde Benrtettung der Handlungswttie der Beschuldigten vorhanden fei und außerdem Aussicht bestehe, daß di« drei Angeschuldigten in Der Reichs« gewerkschaft der d«tschen Eisenbahnbeamten und Anwärter einen ausreichenden Lebensunterhalt finden. Die Frage, ob btt An geschuldigt« bei der Ausübung bex Tal Beamte gewesen seien, wird bejaht. Ein Streifrecht der Beamten gebe eS nicht.
. $it neuen 8thoil5nhöhmgto.
Berlin, 11. Mal. Der Hauptausschutz deS Reichstags hat daS Haushaltsgesetz und die darin enthaltenen neu« Gehaltserhöhungen beraten. Angenommen wurde die Regierungsvorlage. Danach beträgt bei Teuerungszulchiag zu den Bezügen der plan» mässigen und autzerpianmätzigen Reici'Sbeamten: a) vom 1.—30. 4. $u Grundgehalt, Diäten und Qriszu- schlägen, soweit btefe Bezüge insgesamt 10 (WO M nicht übersteigen, 60 %, im übrigen 30 %; b) vom L 5. ab zu Grundgehalt, Ttülen und Orc-zuschlägeu. soweit diese Bezüge insgesamt 10 000 M nicht übersteigen. 120 %, tot übrig« 65 %. Lutzerdem werd« dt« Kin- derzuschläge um 65 % erhöht. E togesügt w«v« ei» Paragraph, der bestimmt, datz Die Dienstznlas» M