Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (das früher kurheMche) Oberhessen
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Die Genuesev Krise
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London, 9. Mai. Repington schreibt im „Dailv Telegraph", Lloyd George erwäge für den Fall eine« Scheitern? der Genueser Konferenz und damit auch seiner russischen und europ'ischen Pläne dir allmäh'ichr Zurückziehung Englands von der unndankba^en Nolle des Friedensstifter- und die Rückkehr zu einer Politik die der der Dereiniglen Staaten und der britischen Vorkriegspolitik näher stehe. Bon einem lieber- tritt in das deutsche Lager könne in keinem Augen- blick dir Redr sein. Wenn sich ein Uebereinkommen mit Rußland al- undurchführbar erweise, dann sei ein allgemeiner Vertrag weder wünschenswert noch nölig.
Ein englisch franzvllscher Dchutzvertrag?
Paris, 9. Mat. Der Sonderberichterstatter
Y«nn der Versailler Vertrag «tnb der Artikel 10 VötkrrbundsvertraMs sähen aller vpr.
zurückgeb«.
für Lloyd George.
der Vertreter deS Reuter- Lloyd G.wrge heute abend
nd« att. dr» letji ie» tot« )tne
der btS auf das Jahr 1919 varthouS Zeugnis Genua, 8. Mai. Wie 'chen Büros erfährt, erhielt
Tie «Oderdeistitde Zeit»»'' ettothrt ledtttnal wödwntüdi. — Bemgovret» mnnotH» 19 Mt. FLr aorialleod« Summern Infolge Streit» oder elementarer SteigntOe kein Eriatz. — Verlag een Dr. C. Kigerotd. — Druck der Unto.-Ba<ddrirckeret ooe 2»b. Heg. Koch, Ä«ft 2L23. — Rnxlptetbet 55, VoRföetfhmte: Mr. 5015 Hat Rteeliurt a. Mate.
„Matin" in Genua erNürl, tn den privaten Unterbot- tungen zwischen Italienern und Franzosen beginne sich ein politischer Gedanke durchzusetzen. Um die öffentliche Meinung tn Frankreich zu beruhigen, wolle man sich italtenischerseitS um den Abschluß eine- eng- lisch-sranzölischen SchutzvertrageS bemühen, tn den Italien eingcschlossen werd«. DaS sei ein Gedanke.
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die Hände ab. Natürlich kennt die Gegenwart — die Zeit der angeblich hoch entwickelten „Kultur" — derartige Grausamkeiten nicht mehr. Dafür hat sie, wie uns der Vorgang des Versailler Friedens und dessen Nachwehen lehren, ganz andere und in ihrer Art viel gefährlichere Vernichtungsmittel gebracht. Der Versailler Friede nahm uns die Ehre,' denn wir mutzten wibe- bester Ueb.-r- zeugung das Eingeständnis der eigenen Schuld am Weltkriege oblegen, die gar nicht besteht. Dann wurde uns der zehnte Teil unseres Landes und Volkes in West und Ost genommen, unsere Kolonien geraubt, die Wehrkraft gebrochm der Handel zerstört, die schwarze Schmach dem Rheingebiet auferlcgt, eine ungeheure Schuld en - und Steuerlast uns aufgebürdet, die IleberwachunZ eingeführt, Strafen für die geringste Nichtausführung der fürchterlichen Bedingungen angedroht und auch ausgeführt.
Dunkel liegt die Zukunft vor uns. Es 'st klar, datz ein Wicderhochkommen Deulfchlands gar nicht möglich fein wird, wenn glle Bestimmungen des Versailler Erdrostelungssriedens durchgeführt werden. Aber er hat noch eine weitere Folge, die auf die „Siegerstaaten" — wenn wir diesen Ausdruck gebrauchen dürfe» — zurücksallen mutz. Er läßt die Welt als Ganzes nicht zur Ruhr kommen und ist überhaupt kein Friede, sondern die Fortsetzung des Krieges, zwar nicht mit den Waffen, wobl aber mit Lähmungserfchetnungen, die das Völkerleben treffen und gar nicht anders enden können als mit einer furchtbaren Entladung in Gestalt neuer Kriege, über deren Verwüstung und Wildheit wir uns jetzt ebenso wenig einen Begrtfs machen können wie über den schließlichen Ausgang.
„In der Beschränkung zeigt sich «»st bet Meister", dar war dar Leitwort, vn*”t dem Bismarck den Frankfurter Frieden schloß. Vom Versailler Frieden aber gilt die Wahrheit: „Nein, eine Grenze hat auch Tyrannen- macht." Wie der Frankfurter Friede einen <3- jährigen Friedest erzeugte, so mutz der Versailler Friede eine neue Welle von Blut und Tränen erregen; denn wer Bosheit und Kampf sät, der erntet Unglück. Für uns Deutsche ist der Erinnerungs- tag des Frankfurter Friedens ein Tag der Trauer aber auch der Tröstung. Damals standen wir aus der Höhe der Macht, heute hat uns die Schmach be* Versailler Friedens in die Tiefe gezwungen. Wie der Weg für uns nach aufwärts gehen wird, ist zur Zeit verhüllt. Datz er aber doch emporsteigen wird, dafür bürgen die inneren Eigenschaften des deutschen Volkes, wenn es stch aus dem Taumel bet ungesunden Gegenwart zu den frischen Höhen einer besseren Zukunft emporgearbeitet haben wird — nicht mit Betrachtungen und Redensarten, sondern durch die scharfe Arbeit an sich selbst.
F. 2-
i Bit MklmMW m Mut nnö Moides.
Am 10. Mai 1871 schloß Bismarck als der V-r. tötetet des jungen deutschen Reiches zu Frankfurt den Friedensvertrag mit Frankreich ad. Zwei Tage spater sagte er im Reichstage über das glücklich vollendete Friedenswerk: „Zch kann nicht annehmen, datz diese Abmachungen jeden einzelnen persönlichen Wunsch befriedigen werden, aber ich glaube, daß hiermit dasjenige erreicht worden ist, was wir von Frankreich vernünftigerweife und nach den lleberlieferungen, die anderen Friedensschlüssen z«grunde lieg»n, verlangen konnten. Zch schließe mit der Hoffnung, datz dieser Friede ein dauerhafter und segensreicher sei, und taß wir der Bürgschaften, deren wir uns versichert haben, tun gegen einen wiederholten Angriff geschützt zu fein aus lange Zeit nicht bedürfe» werden." Da, waren Sorte der politischen Ruhe, Mäßigkeit, ritterlichen Gesinnung, Vornehmheit dem geschlagenen Feinde gegenüber. Frankreich war seit Jahrhunderten - ■ • erbitterte Feind und der raubgierige Vlünderer dc-- fchwachen Deutschen Reiches alter Art gewesen. Seit 200 Jahren bat es den Deutschen 30 mal den Krieg erklärt, uns die wertvolle Westmark nit ktraßburg geraubt, die Pfalz verwüstet, unter der - napoleonischen Herrschaft uns geknebelt und mißhandelt, endlich durch die Kriegserklärung vom Juli 1870 aus Neid und Mißgunst, angeblich als „Rache für Sadowa", was die Franzosen auch rein -te^ar nichts anging, die Deutschen herausgeferdert. ■^JRitn waren w i r die Sieger und konnten Bedin-
Marbrrrg
RUM, den 18. Ma!
-reT Hmeigenorei» oetrögt für die 9 gelt». Zeile oder deren Manm 1 M. für den Milli» intter. amtliche und auswärtige 1.39 Mk. Ändere Soaltenbreite» »ach enUvrecheuder Berechnung. Spät eininufende oder den Raum über */, Seit« einnedmende Ha» Ktgrn und wir verechtigt. nach der Tertioaltendreit« *» fetten und « berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Col-Zrile mit 9.00 Mk. Jeder Rabatt gilt alt Sorrabati. Bei Lustunft durch di« «»eichliftsiteU» und Vermittlung der »»geböte 1 Mk. SonbetaebüOt.
L'M Emsts MImW'sn.
Daris, 9. Mai. Der Sonderberichterstatter de? ..Echo de Paris" spricht in einem Telegramm <tn$ Seltne von den Plänen, die Lloyd George habe, um die Konferenz toieber flott zu machen. Er habe die Absicht, Frankreich und velgien für die russische Denkschrift zu gewinnen und dir Beratungen mft den Russen dadurch zu ermöglichen, datz man Artikel 17 beseitige und einfach erkläre, datz die Frage de» vrivaten Besitzes zwischen Moskau und den intrr essierten Reg'erung'N direkt verhandelt werde. Dir in Genua vertretenen Staaten sollen ansg fordert werden, einen FrichenSverfrag zu unterzeichnen, der nur fünf Jahre in Gültigkeit sei und der den Vertrag von Versailles unter dem Vorbehalt enthalte, daß die neutralen Staaken nickt bereit seien, sich an diesen Vertrag zu binden. Unterzeichnen könne diesen Vertrag wer wolle. Tie anderen Staaten hättm zu wählen zwischen dem erzwungenen Vertrage und der Isolierung. WaS die Entschäd'guugen onbetresse, so werde man Frankreich den Plan einer internationalen Anleihe unterbreiten. Tank dieser Maßnahme basse man. einen genügenden Druck auf Frankreich ausüber zu können, damit eS jede selbständige Handlung nach dem 31. Mai unterlasse.
London, 9. Mai. Der diplomatische Bericht- erstatter der „Daily RewS" meldet auS Genua: Llond George habe die deutschen Minister und auch den holländischen Minister van Karnebeek aufgefordert, vorläufig «richt abzureisen.
MHt Wert m teil MMimmmsM
Berlin, 10. Mai. Wie d« Blätter Heren, wird die Antwortnote der Reichsregierung aus die Rote des EntschädigungSausschusseS vorn 13. April, in der sich der Ausschuss bereit erklärte, jede praktische Erwägung zu prüfen, die von der deutschen Rc- tritrung zur Lösung der Schwierigkeiten, in der sie sich befindet, vorgebracht wechen könnte, tjente überreicht wtrden. Tie deutsche Antwortnote, die den Blättern zufolge, einen Weg zu weiteren Verhandlungen eröffnet, war gestern Gegenstand einer Besprechung her Parteiführer in der Reichskanzlei. Minister Dr. Hennes erklärte in großen Zügen die Antwortnote.
ES wird erneut die Bercilwilligk.it der deutschen Regierung zur Balanziernng des Haushalts zum Aus- bru ckgebracht. Andererseits werden die Forderungen nach 60 Milliarden neuer Steuern sowie diebcab- sichtigte Einrichtung einer Finanzkontrolle abermals abgelehnt. Im großen und ganzen ist die deutsche Antwortnote als eine Fortführung der im Gange befindlichen Unterhaltungen zu betrachten.
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Aus dem Reichsrat.
Die Keiwrbmme der Beamtrnbefoldim».
Berlin, 9. Mai. Der Reichsrat nahm den (Er- gänzungshauShalt mit der Neuordnung der Beamten- befoldungen unverändert an. Insgesamt wird der Haushatt mit 15 Milliarden mehr belastet, wovon 7,5 Milliarden auf daS ReichSverkebrsministerinm, 4ch
Milliarden auf daS Reichspostministeriuin, 3 Milli
arden auf die allgemeine Finanzverwaltunz enfalle.t
Der zuletzt genannte Betrag soll durch höhere
Steuererträgnisse gedeckt werden, während die
Mehrausgaben der Betriebsverwaltungen von diesen
selbst aufzubringen sind; das hecht durch neue Ta
inen Brief Barthous, worin es heißt: „Sie fordern mich auf, Zeugnis abzulegen über unsere Unterredung vorn Samstag, die so viele Kommentare hervorgerufen hat. Hier ist meine Antwort: Sie haben nicht erhärt, datz ■er Verband zwischen Großbritannien und Fronkreich zn Ende sei, auch nicht, datz Ihre Berater Sie drängten, zu einer Verständigung mit Deutschland zu gelangen. Sie sprachen nur von den Schwierigkeiten, denen die Beziehungen zwischen unfern beiden Ländern uterliezen aber sie haben nicht ein einziger Wort gesprochen, das so ausgelegt werden könnte, als wollten Sie bamit die Abllchi
um Ausdruck bringen, die Freundschaft zu brechen, die unsere beiden Länder eint"
Varis, 9. Mai. Die Pariser Abendpresse, soweit sie sich mit der Konferenz in Genua beschäftigt, bläst merklich zum Rückzüge.
Die Opposition »egen Lloyd George.
London, 9. Mai. .Daily Mail' berichtet: Heute Werden stch hn Unterbaute koniervative ParlamentS- mitglteber zutammenflnven, um gegen die ^llottttk Llovd George» gegenüber Frankreichs Einspruch zu erheben.
TllWg bts Lottjikg Motes Im 3nnL
Paris, 9 Mai. Der „Matta" glaubt zu wissen, >er belgische Ministerpräsident TheuniS sei vollständig unverstanden mit Poinearä, den Obersten Rat nicht vor dem 31. Mat einberufen zu lassen, d. h. bevor Deutschland dem EntschädigungSausschutz offiziell geantwortet habe. TheuniS Standpunkt sei derselbe wie der Po in-
nräs. Ministerpräsident Theunis glaube jedoch, datz -S
unerläßlich sei, daß nach dem Verfalltag am’31. Mai.
nachdem Deutschland geantwortet habe ober nachdem e?
sich geweigert habe, die Verbündeten zusammentreten und
gemetnlam beraten möchten. Der „Malin" glaubt also.
daß der Oberste Rat im Juni, jedenfalls in der ersten
Off srorzMe öllldmll. |
Paris, 9.Mai. Hava» veröffentlicht folgende Haitz« amtliche Auslassung: In ossizlellen svanzösischen Streifen. in denen man auch weiterhin aufmerksam besorgt ist über die Ereignisse in Genua und ihre Rückwirkungen, hätte man gestern noch keine genaue Auskunft über bit von den Vertretern der Sowjetregierung erwartete Antwort. Gewisse Andeutungen jedoch gestatten die Annahme, datz die englische Abordnung in Genu« bemüht ist, die Verhandlungen mit den Delegierten von Moskap wieder auszunehrnen. im Falle, diese, wie eS wahrscheinlich fei, nicht mit einem kategorischen Nein antworten würden. Deshalb glaube man auch, datz die Verband« hingen noch 14 Tage oder drei Wochen dauern könnten. Auk alle Fälle aber sei die französische Regierung entschlossen, ihre Solidarität mit Belgien aufrecht »» erhalten. ES scheine, datz die Vorwürfe, die ein TeÜ her englischen Presse deshalb erhebt, wirllich übertriebe» seien. Tie Entente zwischen zwei Länder» habe uttuull die Unterordnung deS einen unter den anderen bedeutet« und in dem vorliegenden Falle hat Frankreich, indem eck sich nach Genua begab, nicht mehr als jede anbete teilnehmende Nation, beabsichtigt, seine HandlungsfreiheU' aufzugeben. Man darf sich allo nicht wundem, daß jegentrilige Thesen in Genua verbreitet und heim- iückisch von ausgesprochenen Gegnern Frankreich« nette« stützt wurden, aber man weigert sich tn Paris onpinehmen, datz sie auch nur im entferntesten die Gefühle heg britischen Abordnung widerspiegeln. Sollte jedoch dal Unmögliche wahr sein, und die englische Regierung etw derartige Stellung einnehmen, so glaubt man Allgemein daß die öffentliche Meinung in Frankreich sie oll absolut unannehmbar bezeichnen werbe und das umsomehr« al» während der Regelung der Orientsrage beispielsweise Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und England bestanden haben. Die französische Regierung habt Z weise ihres Entgegenkommens und guten Willens gezeigt und niemals zu Argumenten gegriffen, die einem Einschüchternngsversuch ähneln, damit ihr Standpunkt eingenommen werde Obwohl man von dem Ton einiger englischer Blätter berühsrt gewesen sei. bleibe man in politischen Kreisen überzeugt davon, datz die große Mehrheit des englischen Volkes der Entente corbiale tief ergeben bleibe. Man sei ferner der Ansicht, daß die demnächstige Reise König Georg» V. zum Besuche der britischen und französischen Soldatenfriedhöse, wenn auch keinen ofsi- ziellen Charakter trage, doch Gelegenheit bieten werd?, die Heiden Länder an die gemeinsamen Opfer zu erinnern, die sie miteinander verbinden.
Frankreichs Bonnarschmaftnabme».
8 o H b 0 n, 8. Mai. Der „Evening Standard" erklärt. eS sei trotz allen Ableugnens absolut wahr, daß Frankreich seine Wehrpflichtigen von 1918 für den Einmarsch in» Ruhrgebiet bereit» mobilisiere.
Die Antwort drr Men.
Annahme der Denkschrist nutzer Arttkel 1 und l
Berlin, 10. Mai. Wie bit Blätter an» Genua melden, war die russische Abordnung gestern mit der endgültigen Fertigstellung ihrer Antwort beschäftigt.
Rach einer Meldung deS .Lokalanz." soll die Note bereit» gestern dem Vorsitzenden der Konferenz überreicht worden jein und heute veröffentlicht werden, lieber den Inhalt berichten die Blätter, daß die Rote sehr entgegenkommend lautet sodaß sie die Möglichkeit zu weiteren Verhandlungen biete. Wie die „Boss. Ztg." meldet, nahmen die Russen sämtliche Bedingungen der Verbündeten mit Ausnahme der Artikel l und 7 (Propaganda und Wiederherstellung des Privateigentum») an. Sie verlangen einige Abänderungen bti Artikel» 7 und außerdem die bedingungslose Zn- sicherung einer Anleihe von 200 Millionen Pfund Sterling.
Betresst die Schullwerpflichtungen und die russischen Borkriegsschulden crflärt die Rote, daß Rußland bedeutende Opfer gebracht habe. Rußland würde feine Verpflichtung einhatten unter der Bedingung, daß e» sofort Kredite erhalten und zwar von Regierung zn Regierung. Diese Kredite müssen in bar geleistet werden, den., die» sei für den Wiederaufbau unbedingt nötig Die Russen erklären weiter, daß e» ihnen unmöglich fein würde, einen allgemeinen Vertrag abzu- schließen, wenn man keine Garantie gebe, die die Bewilligung von ftrebiten enthalte.
Der russische Deleg:^ Rakowsky erklärte einem Journalisten, daß die Antwortnote der russischen Ao» ordnung sich aus durchaus prallifcheu Bahnen bewege und eine Grundlage für writ-re Erörterungen bi.de n werde. Allerdings müsse bie russische Abordnung die
Forderung Barthou» nach einem bündigen Ja eher
Nein ablehnen, denn die Konferenz von Genua
fei keine Friedenskonferenz, wo der Sieger
dem Besiegten seinen Willen diktieren
könne.
Man fei hierher gekommen, um auf gleichem Fuße zu verhandeln, und Rußland werde von dieser Formel
gungen stellen, aber wir bemaßen"sie mit der größten Schonung. Natürlich mußten die Franzosen Elsaß-Lothringen herausgeben, das sie ja geraubt hatten; dann hatten sie 5 Milliarden Franken zu zahlen und bis zur Erledigung dieser'Schuld rinc deutsche Besatzungstruppe aufzunehme«. Die fünf Milliarden waren, wie sich bald herausstellte, eine für den Reichtum des damaligen Frankreich sehr geringe Summe, die schon v o r der festgesetzten Zelt Hne Schwierigkeiten abgetragen werden tonn e. Die Besatzung benahm sich mustergültig und mit ausgesuchter Höflichkeit, war auch sehr schwach bemessen, kurzum Deutschland war ein milder Sieger, dem der wirkliche Friede am Hec-en lag. Frankreich behielt seine Waffen und Festungen, seine Kolonien und Schiffe, es konnte tun und lasse», was es wollte.
Was ist ans dem Frieden zn Frankfurt ent- stauden? Vor allem eine 43jährige Friedensdauer die der Welt von höchstem Segen war, namentlich uns Deutschen den Wollsiand und das Eede'hin ^gebracht hat. Man hat Bismarck oft vorgeworfsn, idatz er im Frankfurter Frieden viel zu milde mit den Franzosen umgegangen ist. Es wurde geklagt, datz er nicht auch Belfort genommen und statt der 5 Milliarden die doppelte Summe verlangt hätte. Es hat heute nicht den geringsten Wert mehr, hierüber rechten zu wollen; denn die Ge- sthichte steht fest und lätzt sich nicht mehr rückgängig machen. Wahrscheinlich hätten aber auch die genannten schärferen Bedingungen den Rachedurst und die Vergeltungswut der Franzosen nicht ab- fieminbert; denn sie sind ein hatzerfütttes Volk, wenn es sich um den Waffenruhm und die Ehrsucht -Frankreichs handelt.
Wie es zum Versailler Frieden vom M Januar 1920 und allen seinen Zusätzen von Spaa, Paris, London, Cannes gekommen ist, soll hier nicht näher dargelegt werden. Wir wissen salle, datz die ungeheure Ueberzahl der Feinde, Die !innere Erschöpfung Deutschlands, der Abfall der ^Bundesgenossen, aber leider auch die parteiliche /Zerklüftung unseres Volkes die Niederlage >und damit den Erdrosielungs- und Bersklavungs- ptieben gebracht haben, dessen Furchtbarkeit uns !»on Tag zu Tag in erschreckend gesteigerter Weise entgcgcngähnt. Frankreich, vertreten durch die Wut PoincarSs, war und ist der Führer im Sinns dieses Vermchtungsfriedens, seine Rachgier Wb seine Vergeltungslust wollen unsere Zertretung pis zur Ohnmacht. Englanb ist trotz aller Redens- («tten im Schlepptau Frankreichs; denn die Ge. jschichte lehrt mit überzeugender Beweiskraft, daß shie englische Staatsweisheit immer anders handelt als sie spricht. Datz die Polen und (Belgier, die Tschecho-Skowaken und Südslawen »m befolge der Franzosen gegen uns sind, wird täglich
trennbarer. Der Versailler Frieden mit seinen usätzen ist die größte Gewalttat der Ge-
ichte. In den Urzeiten liefe man die Befiegren
urch ein Joch kriechen und verkaufte sie bann in
e Sklaverei, die Römer zerstörten da» nieder
eworfene Karthago bi» auf den letzten Stein, im " ttelalter
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