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1922

M» 1Q4 ketn Erlatz. Verlag non Dr. C. Hitzero td. Druck der U«ip.»PuS>druckerei nmr ' zll* 30f). Ung. Koch, Markt 21.28. Ättitwtethet 55, PoMck>e«konto: Rr. 5015 Amt

Rronfiett a. Main.

Fünfjähriger Zahlungsaufschub für Deutschland?

London, 1. Mai. Der diplomatische Bericht- »rstatter derDaily News" berichtet aus Genua, drei der ersten Bankiers Europas, alle drei Mit­glieder des Finanzausschusses, erklärten, die Mel­dung über fortgesetzte Erörterungen über eine neue internationale Anleihe an Deutschland, müßte mit Kroßen Zweifeln ausgenommen werden. Maß-

Marburg

Dienstag, den 2. Mal

Hermes am Dienstag vor den Parteiführern bei Reichstages über die Lage in Genua sprechen wird. Voraussichtlich wird Hermes am Mittwoch im Haupt» ausschutz des Reichstage- gleichfalls Ausführungen über Genua machen.

DieOberbeififche Zeltun-" «totint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 19 Mk. Für ausfallend« Nummer« infolge Streits oder elementarer Ereiqnill«

Die Mreise Barthous abermals »erschoben.

G e n u a, 1. Mai. Infolge der russischen Schwie­rigkeiten hat Barthou seine Rcise nach Paris »bermals aufgeschoben. Man hält es für möglich, daß er, wenn die Stockung andnuert, erst kn einigen Tagen fahren wird. Jedenfalls wird Barthou erst abreisen, wenn die Denkschrift für Rußland fertiggestellt ist.

Der Papst für di« englisch-italienische Politik.

London, 1. Mai. Der Sonderberichterstatter desDaily Chronicle" schreibt zu dem Schreiben des Papstes an den Kardinal Staatssekretär Gaspari: Der Vatikan tritt vollkommen für die englisch-italienische Politik edr europäischen Versöh­nung ein. Wenn schon die erste Erklärung des Papstes zugunsten der Genueser Konferenz ärger­liche Kritiken der französischen Chauvinist« her­vorgerufen habe, so würde diese neue Erklärung einen noch größeren Sturm erregen.

Rorgen Bovfitzung.

Genua, 1. Mai. Mittwoch »ot mittag wird eine Vollsitzung der Konferenz stattftnden. Hierbei werden Berichte des Finanz- und Transportaus- fchusses vorgelegt.

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MtSmtltrtni lmAmlimWe d Sm «em?

Einladung Poinear4s durch Lloyd George.

London, 2. Mai.Evening Standard" ver­öffentlicht folgende Depesche aus Genua: Llond George hat Vorschläge über die Regelung der öst­lichen Grenzen Europas verfaßt. Er hat Poincar^ eingeladen, sich mit ihm und den Signatarmächten des Versailler Vertrags in San Remo zu treffen

London, 1. Mai. Earvin kündigt an, Lloyd George werde vielleicht Genua in der nächsten Woche verlassen, wenn PoincarS nach seinen Bespre­chungen mit Barthou auf einer Politik bestehen sollte, die das Scheitern der Konferenz bezwecke.

Der MMMt MM.

Tschitscherin an Barthou. Der friedliche Charakter des deutsch-russischen BerttageS.

Genua, 1. Mai. In einem ausführlichen Schrei­ben, das Tschitscherin gestern an den Präsidenten der französisch« Abordnung, Barthou, richtete und das dieser dem politischen Unterausschuh vorlegte, weist der Führer der russischen Abordnung nachdrück­lichst alle Gerüchte zurück, nach denen der mit Deutsch­land abgeschlosiene Verttag von Rapallo irgend eine Spitze gegen eine andere Macht habe oder irgend eine Geheimklausel politischer, militärischer oder anderer Natur enthalte, Tschitscherin betont bei dieser Gelegen­heit, dah der Verttag nur bezwecke, zwischen zwei Staaten, die miteinander im Kriege standen, im eige­nen Interesse und im Interesse der Menschheit, fried­liche Erziehungen herzustellen. Russland sei übrigens bestrebt, auch mit anderen Staaten, nament­lich Frankreich, derarttge Verttäge abzuschsiehen. Das Schreiben ist in entgegenkommendem und versöbn- lichem Geist gehalten und bestättgt die feierliche Er­klärung, die bereits vor einigen Tagen der Reichskanz­ler entgegen gewissen Berdächttgungen über den In­halt und den friedlichen Charcckter des Derttages ab­gab.

Die Prüfung de» Vertrag« durch den EntschädigungS- ausschutz.

Paris, 1. Mai. Die suristtsche Abteilung des Entschädigungsausschusses hat, wie der ,Temps" mit­teilt, den Bericht eingereicbt über die ihm aufgettagene Untersuchung der Frage, ob und inwieweit der deutsch­russische Verttag von Rapallo gegen den Vettrag von Versailles verstösst. Der Ausschtttz wird unverzüglich über die Schlussfolgerungen des Berichts beraten. Das .Journal des Döbats" ergänzt die Nachricht durch die Mitteilung, dass wahrscheinlich morgen der Ausschuss Beschluss fassen und fofort der deutschen Regierung hierüber Mitteilung machen wird.

Dr. Hermes in Berlin.

Berlin, 1. Mai. Es bestätigt sich, dass der gestern in Berlin etugettofsene Reichs Minister Dr.

Die neuen MeiWenetn im 3aire 1921

Bon cand. ter. Pol. Hans Trefzger.

Dor kurrzem bat der Deutsche Reichstag 1s neu« Steuergesetze verabschiedet. Das wichtigste und schwer­wiegendste Steuergesetz. die ZwangSanleihr, wird in Kürz» dem Reichstag vorgelegt werden.

Die neuen Steuerlasten gehen Über das erttägltch« Maß weit hinaus. Die Sterwrn werden im Jahre 1922, wie ein führender deutscher Industrieller in den vergange­nen Tagen auSgeführt hat, bei den iuristischen Personen ' Aktienaesellschasten, G. m. b. H., Genossenschaften) mehr als 10 Prozent des Vermögens und über die Hälfte vom Gewinn bezw. Ertrag wegsteuern, ganz abgesehen von der außerordentlichen Belastung des Umsatzes durch bi« allgemeine Umsatzsteuer (2 Prozent) und die neuen Ver­brauchssteuern. Auch die Einzelpersonen kommen dabei nickt viel besser weg.

Die erhöhte Belastung durch di- neuen Steuern haben wir in erster Linie der Reparationskommission zu ver­danken, die in ihrer jüngsten Note di« deutsche Steuer­schraube noch weiter anziehen zu können glaubte, btt die Zwangsanleihe gar zu gern zur Dauereinrichtung machen möchtel

Da, sogen. Manielgesetz (Gesetz über Aenderunge» im Finanzwesens, das am 4. April vom Reichstag angenommen wurde, bestimmt, daß eine Zwangsan­leihe in Höhe von einer MMarde Goldmark erhoben werden und gleichzeitig damit 14 weitere Steuergesetz« entwürfe in Kraft treten sollen.

Dir Zwangsanlcihe wird in den ersten 3 Jahren un­verzinslich sein und ist in Reichsmark zu entrichten. Ms Stichtag kommt voraussichtlich der 31. Dezember 1922 ni Frage, an welchem Tage zu« erst« Male auch die neue laufende Vermögenssteuer veranlagt werden wird. Um aber den Erttag aus der Zwangsanleihe schon »ter diesem Zeitpunkt dem Reiche zu sichern, soll« Vorauszahlungen bis zum 31. Juni mit einem Diskont (Abzug) von etwa 5 Prozent belohnt, Zahlung« nach dem 1. Oktober d. I». aber mit einem Zuschlag 6* legt werden. Der Kurs, zu dem die Anlcibestückc aus« gegebrn werden (EmmissionSkurS) wird 100 Prozent betragen, der tatsächliche Kurs will» aber infolge der UnvrrzinSlichkeü in den ersten 3 Jahr« erhebllch niedllzer sein. Man rechnet mit einem KurS von etwa 20 Pro«1 Knt (!), so daß die restlichen 80 Prozent nichts änderet! als ein nochmaliges Reichsnotopfer in verbesserter Ank» lag« wären. Der Sterortarif wird 210 Prozent del steuerpflichtigen Vermög«- betragen, und zwar wich i letzteres nach den Vermögenssteuergrundsätzen bewertet.! Der Zinsfuß wird nach d« ersten 3 Jahren 34 Prozent betrag«. Von der Zwangsanleihe werden sowohl itttr< stische Personen als auch Einzelperson« betroffen.

Reben der Zwangsanleihe wird in diesem Jahre btil Reichsnotopfer abgewickelt werden. DaS Notopfer soll überhaupt nur zu 33V, Prozent (was meistens bereits geschehen ist), bei Vermögen über 1 Million Mark z» 40 Prozent erhoben werden. Bei diesen größeren Va- möaen wären also noch etwa 7 Prozent nachzuholen, soweit nicht mehr als 331/, Prozent gezahlt find. Die juristisch« Personen, die allgemein 10 Prozent vom Ver­mögen als Notopfer zu entticht« hab«, sollen im Iah« 1922 nochmals die Hälfte vom Notopfer, also 5 Prozent an daS Reich abaeb«. Die Nachzahlungen haben je zur Hälfte am l.Mai und am 1. November b. 38. zu erfolgen.

Die Reichs-Einkommensteuer ist unverändert geblieben, dagegen ist die Körperschaftssteuer (Einkommen­steuer der juristischen Person«) wesmtlich verändert wor­den. Ab 1. Januar 1922 werden erhob« vom Gesamt­gewinn 20 Prozent (statt wie bisher 10 Prozent) und 15 Prozent vom au-geschütteten Gewinn (bisher 2 bis 10 Prozent).

Die KavitalertragSstener ist bis auf die Be- fteuerung der sogen. Schachtelgesellschaften in der Haupt­sache unverändert gebfieben.

Von großer Bed«tung ist die Umsatzsteuer- Novelle: Rückwirkend ab 1. Januar d.Js. wurde di« Umsatzst«er von V/i auf 2 Prozent erhöht.

DaS Reichsstemvelgesetz ist von der neuen Kapital- vetkehrsstcuer ersetzt worden. Letztere enthält eine Gesellschasts-, Wertpapier-, Börsenumsatz- und Aufsichts- ratsst«tr: die vorgesehene Gewerbeanschaffungssteuer iS gestrichen worden.

Neben dies« (Steuern ist dann noch eine weitere Reihe von (Sonterfleumi, namentlich Verbrauchssteuern, neu geregelt worden So sind z. B. die Leuchtmittel-, Zündwaren-, Bier-, Mineral- und Tabaksteuer erhöht, bezw. umgestaltet worden. Ferner werden eine Kraft- fahrzeugsteuer und eine Steuer aus Versiche- rnngen eingeführt. Ferner sind das Süssstossgesetz und das Zuckersteuergesetz abgeändert worden; auf je einen Doppelzentner Zucker komm« danach 50 Mark als Steuer.

D« Kohlensteuer ist von 20 auf 40 Prozent, mit Milderung für gewisse Bezirke, heraufgesetzt worden. Das Branntweinmonopolgesetz ist eben­falls an manch« Stellen abgeändert worden. In Zu­kunft können auch die Gemeinden Brannlweinst«er er­heben. Die Schaumwein st euer beträgt jetzt 30 Prozent. Den Schluß berneuen Finanzresorm bildet das Gesetz über die Erhöhung von Zöllen.

Für das Jahr 1922 werden also die Steuerzahler neben den Vorauszahlung« auf dir Einkommen- tzen«r,Lö.rp«rkAaftrk»<z^r nab Ä«fafcfteB«t

Paris, eine Kundgebung veranstaltet. Um b Uhr nach­mittags wurde der Rückmarsch nach der Stadt angetreten, wobei sich ein Zwischenfall ereignete. In der Avenue St. Ouen hatte sich eine Gruppe gebildet, die ei» Kom­missar mit etwa 30 Pollzistrn am Weitermarsch verbin­de« wollte. Plötzlich fiel ein Schuß, und eS soll« zwei Polizisten im Rücken leicht verwundet Worten fein. Der Täter ist verhaftet worden. Trotz lebhafter Kund­gebungen gegen die Wiederaufnahme des Krieges sollen sich weiter keine Zwischenfälle ereignet habe».

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Leipzig,!. Mai. Bei der Leipziger Maifeier kam es heute gegen Mittag vor der Universität auf dem Augustenplatze zu einem blutigen Zwi­schenfall. Die Arbeiter begab« sich nach zahl­reichen Versammlungen in den verschiedenen Stadt­teilen in geschlossenem Zuge nach dem Augusten­platze, wo eine gemeinsame öffentliche Kundgebung aller sozialistischen Partei« stattfand. Auf der am Äugustenplaße befindlichen Universität war nach Anordnung der sächsischen Regierung die Reichs- flagge gehißt. Als die Kundgebung gegen 12 Uhr ihr Ende erreichte, wurde plötzlich, anscheinend von Studenten, auf dem llniversitätsgebäude die Reichsflagge heruntergeholt und dafür die Univer­sitätsflagge auf Halbmast gehißt. Dieser Vorgang rief unter d« Kundgebenden große Erregung her­vor. Die Menge versuchte in die Universität einzu­dringen, deren Tore jedoch geschlossen waren. Ob­wohl einige Arbeiterführer auf die aufgeregte Menge beruhigend einsprachen, gelang es doch einigen Arbeitern, durch ein Seitentor in das Uni- oersitätsgebäude einzudringen und auf das Dach zu gelangen. Von den Eingedrungenen wurde die Universitätsflagge vom Maste gerissen und auf de Straße geschleittiert, wo sie von den Demonstranten zerrissen wurde. Als die in das Universitäts gebäude eingedrungene» Arbeiter sich wieder auf die Straße zurückbegeb« wollten, wurden sie im Innern der Universität von Schutzleut« angehal­ten. Es kam dort zu einem Handgemenge, wobei die Schutzleute von der blanken Waffe Ge­brauch macht« und eine Anzahl der Arbeiter zum Teil schwer verletzten. Die Verletzt« wurden in ein neben der Universität befindliches Kaffee ge­bracht und verbünd«. Der Zwischenfall hat große Erregung unter der Arbeiterschaft hervorgerufen. Tine große Menge vor der Universität versuchte, sich der an dem Zwischenfall beteiligten Schutzleute und Student« zu bemächtig«.

Berlin, L Mai. Die »Deutsche Ztg.' meldet, dass tn J«a gelte« zwischen kommunistisch« Arbei­te« und einer studentischen Verbindung eine schwere Schlägerei entstand, wobei das Verbindungshaus der Burschenschaft Germania von dm Arbeite« gestürmt wurde. Einige hinge Füchse dieser Verbindung hat­ten ein Schild mit der Ausschrist .Freibier' zum Fen­ster des Hauses berausgehängt. Die Kommunist« drang« in das Haus ein und schlugen auf die Stu­denten mit St.cken ein, wobei zahlreiche Personen verletzt sein sollen. Schliesslich wurde das Haus von der Polizei in Schutz genommen.

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Ueberreichung ''Ute.

Genua, L Mai. Ein amtlicher Bericht besagt'

Die Vertreter der einladenden Machte, Polens, Rumänien« und der Schweiz traten heute Vormittag unter dem Vorsitz des Her« de Facta zusammen, um die Prüfung des Entwurfs für die an Rußland DU übersendende Denkschrift fottzusetz«. Vor Er- öffnung der (Erörterung über die Tagesordnung wachte Echanzer ten Delegierten Mitteilung von der Rote Tschitscherins, die dieser em 28. Avril versandt hat, und von bet Antwort, die Minister­präsident de Facta dem Vizepräsidenten der russisch« llbordnung am 29. April übersandt fcat. Barthou tzrrlas seinerseits einen Brief, ten Tschitscherin ihm jnn 30. April gesandt hat, und in dem er sich gegm die Beschuldigung verteidigt, daß das ?'bk»mm« von Rapallo eine gegm die Interessen Frankreichs gerichtete Handlung fei, und daß es von gebet»« militärischen und politisch« Klauseln begleitet sei.

Hierauf wurde Artikel 2 des Entwurfes spprüft. Dieser Artikel, ter sich auf die Kriegsschulden bezieht, wurde nach einem kurzen Meinungsaustausch angenommen. Bezüglich des Artikels 5, ter das Privateigentum in Rußland z»m Gegenstand hat, wurden von Jasper-Belgien und Barthon- Frankreich Abänte«ngsanträge gestellt. Es wurde beschlossen, dem Beinen Redaktionsausschuß der in brr Sitzung vom Samstag gebildet worden ist. die Aufgabe anzuvertrauen, einen neuen Tert dieses Artikels vor zubereit«. Hieraus wurde die Sitzung aus Nach­mittag vertagt.

In bet Nachmittagssitzung wurden die sämt­lichen Artikel durchberaten und angenommen. Der Vorschlag Jaspars betr. die Rückstellung des privaten Eigentums wurde abgelehnt. Desha'b unterzeichnete der belgische Delegierte das beschloß s«e Protokoll nicht. Barthou stimmte dem Pro­tokoll zu, allerdings unter der Voraussetzung, daß die ftanzösische Regierung den Vorschlag billige.

Die Denkschrift wird voraussichtlich morgen Nach­mittag der russischen Abordnung zugestellt. Eine Frist föx die Beantwortung ist nicht gestellt.

gebende Persönlichkeit« seh« die einzige Hoffnung für die Wiederherstellung Deutschlands in einem fünfjährigen Zahlungsaufschub.

Der 31. M« als Verfallstag.

London, 2. Mai. In Beantwortung einer Anftage sagte Chamberlain im Unterhaus«, die vor­läufig vom Ensschädiaungsausschuß der deutschen Regierung angebot«« Bedingung« würd« am 31. Mai hinfällig, und für diesen Fall würden die Bestimmungen des Londoner Abkommens in Kraft tret«. Die britische Regierung sei zu keiner militärischen Maßnahme in Verbindung mit Frankreich gezwungen, um die im Londoner Abkommen vorgesehenen Zahlungen einzutreiben.

In B«ntwortung einer anderen Anfrage sagte Chamberlain, die Frage der Kriegsbeschul­digten bilde noch ben Gegenstand von Bespre­chungen zwisch« d« beteiligten deutschen Re­gierungen.

Tschitscherins Rotemoechsel.

Genua, 1. Mai. Zn einem Schreib« an Tschitscherin beantwortet der Präsident der Kon­ferenz Facta den letzten russischen Protest über die Handhabung der Beratungen des ersten Ausschusses und fordert Aufklärung über die Anspielung« Tschitscherins, daß die russische Abordnung even­tuell auf die frühere russische Denkschrift wieder zurückkommen würde.

Tschitscherin richtete an den Präsidenten der pol­nischen Abordnung Skirmunt einen B-ief, in dem er die polnische Auffassung über das Protokoll von Riga widerlegt. Die Haltung Pol«s erleichtere nicht die Wiederaufrichtung Rußlands und bedeute den Bruch der Bestimmungen des Protokolls.

MWem.

Berlin, l.Mai. Die Maifeier ist ruhig verlaufen. Geg« 10 Uhr vormittags marschierten trotz des kalten und stürmischen Wetters in langen Zügen unter Voran­tritt von Musikkapellen und Mitfüh«ng roter Fahnen die Mitglieder der drei sozialistischen Parteien nach dem Lustgarten. Auch der Schloßplah und die angrenz«den Straßen und Brücken waren dicht besetzt. Es versammel­ten sich etwa 200 000 Personen beiderlei -Geschlechts und jeglichen Alters. Zahlreiche Redner hielten Ansprachen, die mit Hoch«s« auf die Partei oder die Internatio­nale aufgenomm« wurden. Aus mttgefübrt« Schilde« bas man u.Nieder mit der Kapitalistenbande in Genua l",Nieter mit dem Verttag von Versailles!", Nur ter Bund des russischen und deutschen Proletariats kann uns Rettung beingen!" Kleine Betriebe arbeiteten: ebenso waren die Geschäfte geöffnet. Eisenbahn, Hoch­bahn, Äraßenbahn und Omnibusse waren in Betrieb.

Im Gegensatz zu früheren Gelegenheit« versagte der Ordnerdienst vollständig. Es tourten ost große Ver- kehrÄteuznngen sür 20 bis 25 Minuten gesperrt, sodaß die Straßenbahnen. Automobile und Geschäftstvagen war­ten mußt«. Leiter wurden auf Seit« der Ordner die Ausschreitung« gewisser unverantwortlicher Elemente nicht verhindert . Die Straß«bahner und Drosch- k«kübrer wurden auf das gröblichste beschimpft.

Köln, 1. Mai. Die Maiumzüge, toortnt sich zahl­reiche weibliche und männliche Arbeiter beteiligten, ver­lief« bei schönem Wetter ohne Zwischenfälle.

München. 1. Mai. Die sozialistische Maifeier ans der Theresienwiese verlief «hig . Die Straßenbahnen ver­kehrten tote an den übrig« Tag«. Vormittags mar­schiert« die Züge von ihren Standquartieren nach ter Tberefientoiese. Die schwarz- rtt-golten« Fahnen über­wogen. Als Redner sprach der französische Sozialist G«mbach. Nach ter Feier auf ter Theresienwiese zogen die Teilnehmer zum Ostfriedhos zur Enthüllung de? Denkmals für die während ter Revolution Gefallenen Die Gesamtzahl bet Teilnehm-r dürfte etwa 20000 er­reich«. Bei der Post und Eisenbahn wickelte sich der Berkebr normal ab.

Wien, l.Mai. Die h«tige Maifeier ter sozml- temokratischen Arbeiterschaft verlief ohne Zwischenfall. In ter groß« Versammlung vor dem Rathaus wurde eine Entschließung angenommen, in ter die Treue zur Republik ausgesprochen »nb bie Erhaltung ter politisch« und wirtschaftlichen Er«ngenschaiten der Arbeiterklasse als Hauptanfgabe des Proletariats bezeichnet wird Auch die getrennt davon abgehaltene Maifeier ter kommunisti­schen Pattei verlief ohne Störung. Nach den bisherigen Meldungen ist auch in ten Ländern die Ruhe nirgends ge- stött worden.

Paris, l.Mai. Die Maifeier wurde nach ten am späten Nachmittag in Paris vorliegenden Meldungen in ter Provinz in der üblich« Weise begangen In den Fabriken wird nur teilweise gearbeitet. In sämtlich« Industriezentren habe» Umzüge und Kundgebungen statt- gesund«, die sich in ter Hauptsache für die Entwaffnung einsetzten. Es werden keine Zwischenfalle gemeldet. In Paris verkehrt die Untergrundbahn, jedoch ist der Verkehr ter Kraftdroschken voll eingestellt. Die Straßenbahner feiern: jedoch werten die Arbeiten von Schülern ter Tech­nischen Hochschule verrichtet. Am Nachmittag fanden Volksversammlungen statt. Dies? sind jedoch auch nach ten bis jetzt vorliegend« Nachrichten ohne Zwischenfälle verlausen. '

Nachmittags hoben die ftanzöffschen Gewersschaften Moskauer Richtung in St. Du«, einer Vorstadt von

mein amtliche unD auswärtige 1.30 Mk. Andere Spaltenbreiten nad) entlpred>enbet vn Berechnung Spät einlautende oder den Raum über Seite einnehmende Sn» d/. ysiljlg. rtlaen nnv wir berechtigt, nach der Tettwaltenbreit- zu letzen und zu berechnen. ----

^oaen. Reklamen berechnen wir die Tol.-Zeile mit 9.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Scrtaboi Bei Auskunft durch die Geichaftsitelle und Vermittlung der Ange­

bote 1 Mk. Senbeigebübt.

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen