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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Änzeiger für (das früher kurhessische) OSerhessen

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TieOberhefsische 3eitun<" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugsvreis monatlich

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Franksurt a. Main.

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Marburg

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Sie «mim ibn die «lote an SaWonb. j © e n u a, 29. April. Der politische Unterans- schutz hat heute mit der Prüfung des gestern von ; dem Redaktionsausschutz aufgestellten Entwurfes der an die Russen zu überreichenden Denkschrift be­gonnen. Die Einleitung, die sich mit der Notwen­digkeit der wirtschaftlichen Wiederherstellung Rutz- lands beschäftigt und di« Frage des Finanzkonsor- tiums behandelt, wurde angenommen, ebenso Ar­tikel 1 in folgender Fasiung:

Gemäß den Bestimmungen der Entschließung von Cannes, wonach alle Völker sich verpflichten sollten, sich jeder umstürzlerischen Propaganda -gegenüber anderen Ländern und gegenüber den politischen Systemen, wie sie in anderen Ländern bestehen, zu enthalten, verpflichtet sich auch die Eowjetregierung, in keiner Weise sich in d'e inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen. Sie wird sich jeder Handlung enthalten, die bestimmt ist, einen territorialen und politischen Statusquo des anderen Staates zu be­unruhigen. Die Sowjetregierung wird ferner ieby Versuch vermeiden, revolutionäre Bewegungen in anderen Staaten zu unterstützen. Die Sowjet­regierung wird ihren ganzen Einfluß aufbieten, um )ur Wiederherstellung des Friedens in Kleinasien beizutragen und wird eine Haltung strikter Neu­tralität gegenüber den Kriegführenden einnehmen.

Weiter wurden die beiden Fragen erört'rt, die die größten Schwierigkeiten bilden, nämlich die Frage der russischen Schulden (Artikel 2) und die "Drage des Privateigentums in Rußland (Artikel 5). Zwei RedaktionsausschüM sollen die französische tz, tmb die englische Fassung diseer beiden Artikel zu einer einheitlichen Fassung vereinigen. Man hofft, daß diese beiden schwierigen Punkte in einer letzten Sitzung des politischen Unterausschusses gereg'lt werden. Die Verhandlungen über den Rest der Denkschrift werden dann nur noch sehr kurze Zeit ht Anspruch nehmen.

In der Einleitung heißt es: Die französische Regierung habe trotz der Opfer, die sie für die ver­wüsteten Gebiete bringen müsse, in Cannes die Grundsätze für eine Beteiligung an dem geplanten internationalen Konsortium angenommen. Es seien bereits Vorbereitungen getroffen, um Ma­schinen und technisches Personal nach Rußland zu senden; ferner könne Frankreich liefern: 1200 Loko­motiven, 25 000 Güterwagen sowie 3500 Personrn- und Gepäckwagen; endlich könnten die französischen Industriellen ihre Niederlassungen in Rußland wieder in Betrieb setzen. Italien beabsichtige eine beträchtliche finanzielle Beihilfe für die Wiederauf­nahme des Handels mit Rußland zu gewähren. Die japanische Regierung habe, um den Handel mit Rußland zu ermutigen, einen Kredit von 8 Mil­lionen Pen an die Russisch-Japanische Handels­gesellschaft bewilligt. Die belgische Regierung habe einen besonderen Kredit von 250 Millionen genekft migt, um die Ausfuhr zu erleichtern, und sie werde bfm Parlament auch einen Gesetzentwurf vorleg m, der den belgischen Finanzleuten die Teilnahme an dem internationalen Konsertium ermöglichen soll:.

Keine befristete Rote.

E e n u a, 30. April. In Konferenzkreisen wird erzählt, daß von einer befristeten Note an die rus­sische Abordnung auf Wunsch der Neutralen >b- gesehen worden sei, jedoch dürfte im Laufe der kom­menden Woche der fertiggestellte Entwurf der ge­meinsamen Note mit der Bitte um Stellungnahme, aber ohne Festsetzung einer Frist der russisch:n Abordnung zugehen.

Die Möglichkeit eine« englisch-russischen Sonder« vertrag«.

Genna, 30. April. Nach demCorriere belle Sera" soll Lloyd George betont haben, England sei fest entschlossen, unter alten Umständen am Wieder­aufbau Rußlaichs teilzunehmen. Wenn die Konferenz von Genua nicht zu einem allgemeinen Ab­kommen mit Rußland führe, fei es Har, daß sich an Hand der hier geführten Verhandlungen mehr #13 ein Staat, und darunter auch Großbritannien, fühlen würden Sondervertrige mit Rußland ab­zuschließen. , * *

Die Frage der russischen Schulden vor ein Schieds­gericht?

Paris, 80. April. DemNew S)ork Heralo" wird aus Genua ltrichtet, Lloyd George labe den Vorschlag gemacht, man solle einen Schiedsrichter «nrufen, den der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu ernennen hätte, um den Betrag der Herab­setzung der russischen Kriegsschulden und der russischen Gegenforderungen zu bestimmen. Man habe auch bvrgeschlageu, sich an einen Ausschuß zu wenden,

Eine ruMe MtMst.

Die Beratungen ohne die Rusten. Kredite alS Vor­bedingung für ei« Einvernehmen. Zurückgreif« auf die Denkschrift der Rusten.

Genua, 29. April. Tschitscherin richtete an den italienischen Ministerpräsidenten ein Schreiben, in dem es heißt:

Die russische Abordnung wäre dankbar, wenn Sie ihr die Ursache über die Nichteinberufung der ersten russischen sowie des politischen Unterausschusses, sowie den Zeipunktt, zu dem diese beiden einberufen werden sollen, mitteilen würden. Die G-rüchte., wo- nach einzelne Unterausschüsse ohne die Teilnahme der Russen einberusen worden seien, können zweifellos nicht der Wirllichkeit entsprechen, da Rußland doch an den Arbeiten dieser Ausschüsse vollkommen gleich-' berechtigt teilnimmt. Tie Einberufung des ersten Unterausschusses ist um so wünschenswerter, als die bisher von der Konferenz eingeschlagenen Methoden für die russische Frage nicht geeignet sind, diese Arbeiten zu einem glücklichen Ende zu führen. Dies entspricht auch gar nicht der Entschließung von Tannes, die als eine der ersten Zwecke der Konferenz hinstellt, daß Wie derausbau getrieben wird, und daß die schwachen Länder von den finanziell stärkeren unter- stiitzt werden. Zu meinem tiefen Bedauern muß ich bei d-'eser Gelegenheit Mitteilen, daß eine genaue Mit­teilung über die Kredite, die für Rußland zu ge- wahren notwendig sind, bei der russischen Abordnung dis jetzt noch nicht eingetroffen ist. Aber die Zu­wendung solcher Kredite wurde von der russischen Ab- ildnung als eine Vorbedingung hingeftellf, die notwendig ist, damit ein Einvernehmen zustande kommt, wie dies in meinem Briese vom 20. April an den englischen Ministe-präs de,.ten ausgeführt ist. Wenn meine Vorschläge heute nicht mehr diu Grund­lage für die Erörterungen bilden sollten, so wäre auch die russische Abordnung nicht mehr durch meinen Bries gebunden, und sie nähme wiederum die Haltung ein, die in der russischen Denkschrift ang führt wurde, eine Haltung, di« der Ausdruck der Grundsätze bleibt, die Rußland als gerecht ansieht, obwohl es tatsächlich, um zu einem Einverständnis zu gelangen, große Zu­geständnisse machte. Diese Zugeständnisse wurden aber nur unter gewissen Bedingungen gemacht, ohne deren Erfolg sie nicht in Kraft treten würden. Da diese Möglichkeit heute besteht, so gestatte ich mir, der Konferenz die russische Denkschrift zu überreichen.

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Petroleumkonzeffionen im Kaukasus.

P ar i s, 30. April. Der Sonderberichterstatter desOeuvre" in Genua will von Krassin selbst er­fahren haben, daß in Genua augenblicklich Ver­handlungen der Sowjets mit englisch-holländischen so­wie mit belgischen und deutschen Gesellschaften wegen der Konzession der Peiroleumquellen von Baku und Grosnj geführt würden. Die Amerikaner schienen sich bis jetzt nicht um die Petroleumquellen des Kau- kasus zu kümmern.

den der Völkerbund bestimmen sollte. Die ganze Frage sei schließlich an die ftanzösischen, englischen, italienischen und japan'schen Sachverfländ gen zurück- verwiesen worden, die nun einen Entwurf aus arbeiten feiten.

Ironischer Wortwechsel zwischen Lloyd George und Barihou.

Genua, 29. Avril. Wie die Blöter melden, kam es in der gestrigen Sitzung des polittschen Unteraus- schustes zu einem ironischen Wortwechsel zwischen Lloyd George und Barihou, wobei der englische Pre­mierminister die .literarische Qualitäten" des franzö- schen Entwurfs lobte. Barihou erwiderte, der engNsche Entwurf habe einen direkt religiösen Charakter. Schließlich griff der polnische Vertreter ein und schlug vor, beide Denkschriften miteinander zu verschmelzen. Für die Neutralen sprach Malta fit demselben Sinne. Da es dann zu einem Wortgefecht zwischen Lloyd George und Barihou kam, schlug Schanzer vor, einen besonderen Redaktionsausschutz zu ernennen, was auch geschah.

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Weitere Verschiebung der Reise Barthons. .

Genua, 30. April. (Havas.) Da Varthou Genua nicht vor der enbgiltigen Annahme der Denkschrift für die russische Abordnung verlossen kann, wird seine Abreise von Genua nicht vor nächsten Dienstag stattfinden.

Wie die Pariser Blätter melden, soll Lloyd George in einer Unterredung mit Barihou erklärt haben, er hoffe, daß die Abwesenheit Barthous aui vorübergehend sein werde und daß man nicht werde sagen müssen, auf zwei aufeinanderfolgenden Kon­ferenzen sei der führende französische Unterhändler durch seine Regierung desavouiert worden. ,

AMMngN! I» S«M.

Deutsche Vorschläge zur Bekämpfung der ArbeitSlofigkett.

Genua, 29. April. Der Unterausschutz für Ar­beiterfragen beriet den ersten Stell der deut­schen Vorschläge zur Bekämpfung der Arbeits­losigkeit durch unmittelbare Einwirkungen aus den Ar- beitsmartt. Polen wünschte hierzu in einigen Punk­ten eine abweichende Fassung, die fich enger an die Empfehlungen der Konferenz von Washington an» schlössen. Für Deutschland erklärte Geheimrat SB et- gert, datz man durchaus im Geiste der Beschlüsse von Washingwn fortwirken wolle.- Seither seien aber zwei Jabre vergangen, die gerade im Bereiche der Str» beitSlosenfürforge wertvolle Erfahrungen gebracht hät­ten. Man könne an diesen Erfahrungen nicht vorüber- geden, zumal auch die betroffenen Bevölkerungsschich­ten Wohl etwas bestimmter zu hören wünschten, was für sie geschehen solle. Die deutschen Vorschläge hätten daher einige inzwischen erzielten Erfahrungen anzuwerten versucht. Der Vorsitzende F a g u o t, der Präsident deS ftanzösischen ZentralarbeitSamles, un» terstrtch diese Ausführungen nachdrücklich. Belgien bezeichnete die deutschen Ausführungen alS sehr über­zeugend und schloss sich ebenfalls dem deutschen Stand­punkte grundsätzlich an. Belgien schlug dann vor, einen Redaktionsausschutz zur endgültigen Fassung der deutschen Vorschläge zu bilden.

Die Frage der Abgaben für Rohstoftaussuhr.

Genua, 29. AprU. Unter dem Vorsitz des fran­zösischen Delegierten S e r r u y s hat der erste Unter­ausschuss des Wirtschaftsausschusses gestern die Be- ratung der Londoner Denkschrift fortgesetzt. Artikel 45 fleht möglichste Freiheit der Rohstofsausfuhr von Abgaben vor und bestimmt, datz jede unterschied­liche Behandlung zwischen den Bestimmungsländern bet der Ausfuhr vermieden werden soll. Zu diesem Artikel lag ein italienischer Zusatzantrag vor, der die völlige Freiheit der Robstoffausfudr von jeder Art Gebühren oder anderen Abgaben bezweckt und dem Ausfuhrlande untersagen will, auf dem inneren Markt niedrigere Breite als aus dem Auslandsmärkte zu nehmen. Nachdem zunächst der englische Vertreter ge­gen diesen weitergehenden Antrag Bedenken geäußert hatte, sprach sich StaatSseftetär Hirsch ebenfalls sehr lebhaft gegen ihn auS und erklärte, Deutschland sei auS drei Gründen autzerstände, diesem Anträge zuzustimmen. Einmal sei er durch die Beschlüsse deS EmschädigungsausschusseS verpflichtet, auf ge­wisse Ausfuhrartikel Abgaben zu erbeben. Diese seien zudem in ihrer Gesamtheit verpfändet. Aber auch wenn dieser Zwang nicht vorliege, würde die Fi­nanzlage Deutschland dazu zwingen, einen Un­terschied zwilchen den Inlands» und Auslandspreisen fflr fiskalische Zwecke nutzbar zu machen. Schlietzlich seien bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutsch­lands und bei der flnkenden Währung solche Abgaben notwendig, um einen übermässigen Abfluss der Roh­stoffe nach dem Ausland und eine allzu schnelle An­passung des Inneren Preisniveaus an das äussere zu verhindern. Der französische Delegierte glaubte, so­weit die Ausfuhrzölle einen rein fiskalischen Zweck hätten, könne nichts gegen sie eingewendet werden. Es seien aber Fälle bekannt, in denen solche Ausfuhrzölle dazu benutzt würden, andere Länder in der internatio­nalen Konkurrenz schlechter zu stellen. Eine solche unter­schiedliche Behandlung in der Produttion der einzelnen Länder müsse verhindert werden.

Der Entwurf der Zwangsanlethe wird in dieser Woche dem Reichskabinett zugeben.

Lord CecU über einen Fehlschlag der Konferenz.

London, 29. April. Lord Robert Cecil er» klärte in einer Rede, der Fehlschlag der Genueser Kon­ferenz würde ein sehr ernstes Ereignis sein. Lloyd George sei zurm großen Teil verantwortlich für den vor drei Jahren geschlossenen Versailler Vertrag. DaS Zusammenwirken zwischen England und Frank­reich sei von grundlegender Bedeutung für den Frie­den Eurovas. Jede WirNich ernste und dauernde Eni- ftemduug zwischen Grotzbritannien und Frankreich sei von grundlegender Bedeutung für den Frieden Europas. Jede WirNich ernste und dauernde Entfrem­dung zwischen Grotzbritannien und Franfteich würde verbSngnisvoll sein nicht nur für England und Frank- reich, sondern für ganz Europa. Cecil sagte, er sehe vollkommen ein, datz ein hoher Preis für daS weitere Zusammenwirken zwischen Frankreich und England gezahlt werden müsste und könnte. Aber eine Er­neuerung der feindseligen Operationen würde ein zu hoher Preis dafür sein. England wolle vor allem Frieden, und es bestehe darauf, datz die brittscke Regierung und die Regierung eines Landes, mit dem es zusammenwirke, sich von einer Politik leiten lasse, die feindlichen Zielen mit friedlichen Mitteln ent- gegenstrebe. Lord Cecil gab seinem Bedauern Aus­druck, datz zur Regelung mancher Fragen der Völ­kerbund nicht berangezogen werde. Wenn die Genueser Zusammenkunft von ihm selbst einberufen worden wäre, so würde die Atmosphäre auf der Kon­ferenz besser sein.

Zu dem deutsch-russischen Uebereinkommen erklärte Cecil, er könne nicht umhin, zu glauben, dass das Uebereinkommen der erste Schritt sein könne zur Rückkehr zur tntemattonaten Politik vor dem Kriege und zu einer Gruppierung einer Reihe von Mächten, getrennt von einander. Lloyd George habe mit Recht gesagt, dass dies unvermeidlich sei, wenn gewisse Mächte auf einer bestimmten Art behandelt würden. Cecil bedauerte, datz man Deutschland und Russland noch nicht in den Völkerbund ausgenommen habe. Der demsch-russtsche Vertrag zeige deutlich, dass es unklug sei. irgend eine zivUlsterte Nation autzerhalb des Völ- kerbundcs zu halten. Deutschland müsse sobald tote mögüch te Völk«d«rtz ttujgejiojxuuea toflSflh

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Die deutsche Antwort. Das bedrohte Ostpreußen.

Berlin, 29. April. Die Gesandschaft der pa­nischen Repüblik in Berlin beschwerte sich bei deut Auswärtigen Amt über eine Rede, die der Ober­präsident der Provinz Ostpreußen bei bet Eröffnung des Provinziallandtages in Königsberg gehalten hatte und in der einige aggressive Stellen gegen Polen enthalten sein sollen. Auf diese Note hat daS Aus­wärtige Amt unter dem 25. April geantwortet:

Das Auswärtige Amt kann Euerer Exzellenz nicht beipflichten, daß in der Rede des Oberpräsidenten Ost­preußens aggressive Töne angeschlagen worden sind. ES ist keine Wendung darin enthalten, in der auch nur auf eine aggressive Stimmung »n schließen wäre, vielmehr be­tonte der Oberpräsident ausdrücklich den Wunsch Ost- vreußenS, mit den Nachbarvölkern in freundschaftliche, Wirtschaftsbeziehungen zu leben. Die Rede be» Ober- Präsidenten Siehr ist vielmehr lediglich der Ausdruck oon Besorgnissen, die in der ostvreußischen Be­völkerung. aber auch im übrigen Deutschland, verbreitet ind. Diese Besorgnisse lassen sich dahin zusinmnew» assen, daß polnische Elemente durch einen militä­rischen Gewaltstreich ober auf eine andere Werse zu gegebener Zeit versuchen würden, sich Ostpreußen t» enaerer oder loserer Form anzugliedern. Daß solche Besorgnisse entstehen konnten, bedauert da» AuS- wattige Amt außerordentlich, muß aber leider fest!» , stellen, baß die Haltung eines TrileS der polnischen Ocifentlichkeit den Grund zu solchen Besorgnissen gab.

ES wird dann eine polnische Denkschrift erinnert, die am 8. Oktober 1918 dem Präsidenten Wils»» überreicht Worben ist und in bet erklärt wird, für bte ostpreußische Frage kämen nur zwei Lösung« i» Betracht: Entweder der Teil Ostpreußens, dessen Be­völkerung deutsch spreche müsse mit dem polnische» Staat auf der Basis einer Autonomie vereinigt werben, oder eS müsse eine unabhängige kleine Republik entstehen, die mit Polen durch bte Zoll­union verbünd« sei. Weiter heißt eS in bet brutsch« Anwotrt:

Daß bei solch« Anschauungen prominenter polnischer Kreise, zumal nach ben Vorgängen in Litauen und nach den Ersahrungen de» Korfanty-Ausstandes, bte Prov'N» Ostpreußen sich bedroht fühll, ist begreiflich. Dazu kommt, daß in der polnischen Presse bis in bte letzten -Tage fortgesetzt Nachrichten erscheinen, bte übet angebliche deutsche militärische Vorbereitungen in Ost- preußen sprechen. Auch Funksprüche desselben Inhalt, werden von Warschau ausgegeben. In der deutsche» Oeffentlichkeit wird hinter diesen selbstvcrstand.ich er­fundenen Nachrichten ein bestimmter Zweck vermutet, und es liegt nahe, daß die mißtrauisch gewordene ost­preußische Bevölkerung auf ben Gebanten kommt, eigene aggressive Absichten Polen- sollten baburch ver- s ch l e i e r t werben. Ich barf ferner Aufmerksamknt auf die Rede lenken, die der Ches deS polnischen Generalstabes, General Sikorski, am 29. März bei der Beratung der allgemeinen Wehrpflicht im Heeresausschuß deS Seim gehalten hat. Sikorski führte nach den Pressenachrick, ten au«, daß Deutschland sich mit seinen Ostgrenzen nicht abfinde, und es sei jeden Augenblick bereit, Zusammen­stöße deS bolschewistischen Rußland mit Polen herbeizu- fübrtn, um bei dieser Gelegenheit alS der Gendarm Europas aufzutreten und bet dieser Gelegenheit wenigstens den Danziger Korridor besetzen. DaS Auswärtige Amt bedauert diese Rede außerordentlich: denn sie m ncher nicht geeignet, die beklagten Besorgnisse in der Provinz Ostpreußen zu zerstreuen.

Die Antwort schließt, daS Auswärtig« Amt wnrse, wenn derartige Steuerungen verhindert werben-und wenn die öffentliche Meinung Polens über bte wahren Verhältnisse und Stimmungen in Ostpreußen ausge- klärt würde, dieS mit der Genugtuung begrüßen al« ein Mittel, um in Ostpreußen Beruhigung zu schaffen.

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Rettet Bandenüberfall.

Anionienhütte 29. April. In der Nacht Hal eine Bande von 60 bi3 100 Personen, bte mit französischen.russischen unb österreichischen Gewehre» gut bewaffnet war, ihr Unwesen getrieben. Drei a» der Hüttenstraße liegende Geschäfts barunter ein Gast- Haus und ein Fteischwarengeschäft, würben burch Hand- grauaten demoliert und ans geplündert. Haftungen konnten nicht vvrgenommen werden, da bte Wache zu schwach war, um ben Banditen entgegen- zutreten. Die tnteraüiate Kommission ist um Unter*, stützung gebeten worden, jedoch oh»« «tplfr

«attvwitz, BO. AprS. Der Deutsche Aus­schuß für Oberschtesien hielt hier geftern Stzung ab, fin der d« allgemeine politische Lage ans,tchv» lick besprochen wurde. Da» Ergebnis war «i» »o« schluh, einen Aufruf jm Beruhigung der^Se. völkerung zu erlassen, obgleich bte Aussprache S wütigkeit darüber ergab, daß i» btejer 3« der Vertretung des deutschen B-sKterung«-»» lajjener »ujcuj jetzt mißdeutet w«de»