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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

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Anzeiger für (das früher kurheUche) Oberhessen

DieOderhessyche Zeitun 1" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugsorrir monatlich 17 Mk. Für ausfallend« Nummern infolge Streik» oder elementarer Lreignill« kein Ersatz. Verlag von Dr. T. -itzerotd. Druck der Univ.-Buchdruckerei von J»h. Zug. Koch, Markt 2123. Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Smt Frankfurt a. Mai«.

Marburg Mmtz. len 26. itpril Opermond.

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57. m 1922

Wmm; Midnde.

- Dieamtliche Warnung" an Deutschland.

Paris, 24. April. DasJournal des Du­bais" erklärt, PoincarS habe in maßvollen und festen Zügen die Grundlinien einer Politik gekenn- geichnet, die man in der Folge durchführen müsse. Diese Politik sei vollkommen inspiriert von der An­wendung des Friedensvertrags. Die nationalistische Liberty" nennt die Rede PoincarSs einen Akt der Entschlossenheit. Er benachrichtige feierlich die Ver­bündeten und Deutschland, daß Frankreich nicht die «Waffen seiner Hand entfallen lasse, die es aus Einern Vertrage herleite, der von allen Siegern gegengezeichnet sei. Die Warnung sei nunmehr Amtlich erfolgt. Der Vertrag gebe den Verbün­deten das Recht, Zwangsmaßnahmen anzuwenden. Frankreich werde sie allein anwenden, wenn die Verbündeten versagten. Die Gelegenheit biete sich «m 81. Mai. Deutschland sei nur einer Entschei­dung gegenübergcstellt, die mit Strenge angewandt werde.

Englische Presiestimmen.

London ,25. April. Die Red« Poincares in Lar-Ie-Duc findet in der Presse große Beachtung. Während dieTimes" schreibt, die Erklärung sei frei t>on Drohungen, nennt dieWestminster Gazette" die Rede eine an Deutschland gerichtete Drohung. Der Daily Herald" überschreibt seinen Lcitaufsatz über die Rede mitKaiser Poincare" und gibt den euro­päischen Staattsmänncrn der Rat, Poincare zu igno­rieren und ihren Weg weiter zu verfolgen. Wenn Poincare seine Stellvertreter aus Genua zurückziehen tvolle, sollten sie um Himmels willen gehen. Sie seien dort nur eine Plage, Poincare sei eine Ges a h r, «weil er ernst genommen werde. Sobald sein Blu ff enthüllt sei, werd« er aufhören, Europa zu verpeste». Daily News" schreibt, Poincare rede wild von Maß-. nahmen, die, wenn nötig, allein zu treffen seien, bm Deutschlands Kassen zu leeren. Das bedeute, daß w wisse, Großbritannien werde ins Ruhrgebiet nicht einmarschieren. Es bedeute aber auch die moralische Isolierung Frankreichs, die für alle offenkundig . sei.Daily Chronicle" schreibt in eineinPoincares Säbel" überschriebenen Leitaussatz, die Rede euch rlte die Drohuung, daß Frankreich die Verbündeten un­berücksichtigt lassen und den Säbel allein schwingen werd«, wie es ihn in Frankfurt a. M. geschwungen habe. Die Verbündeten Frankreichs könnten nur ant­worten, was sie damals sagten, nämlich, daß Frank­reich, wenn es bei seinem Verfahren gegenüber Deutsch­land seinen eigenen Weg gehe, es eine weite« Unter- ßützuug Englands nicht erwarten könne.

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Weitere Reden.

Varis, 24. April. Der französische Botschafter beim Vatikan, Senator Jonnart, der gleichzeitig Vor­sitzender des Generalrates des Departements Pas de Lalais ist, bat in Arras di« Tagung des Generalrats mit einer Rede eröffnet, in der er u. a. sagte, die Wabrbeit sei, daß Frankreich abrüsten möchte, ober nicht könne. Deutschland möge endlich guten Wil­len bei den Slbrüstuucisniaßnahmen und bei der Zah­lung der Entschüdigü"->en zeigen, die es Frankreich schuldig sei, und in ganz Frankreich werde man einen ungeheuren Seufzer der Erleichterung und Freuden- rnfe vernehmen bet dem Gedanken, datz endlich nach so dielen Erschütterungen das Land entschloffen den Weg der Abrüstung beschreiten könne.

Kriegsminister M a g i n o t hielt in Belfort auf dem Kongreß der Vereiniaong der Kriegsverstümmelten und früherer Mitkämpfer eine Rede, in der er ausnihrte: Das Schicksal unseres Landes ebenso wie die Realisierung der Rechte, die aus dem Kriege herrühren, hängt zum großen Teil von unserer.militärischen Stärke ab. Nichts würde gefährlicher sein, als die Wirllichkeit zu verheim­lichen und das Land glauben zu machen, daß es nnter dem Vorwande dieses Sieges di« nötigen militärischen An­strengungen vernachlässigen darf. Man muß Opfer brin­gen, man muß sie sich auferlegen können im Interesse des Laiches selbst, um den Sieg zu retten, der uns so teuer in stehen kommt.

Kolonialminister Sarrauth, der als Abgeordneter der radikal-sozialistischen Partei angehört und Vorsitzen­der des Generalrates des Departements Aube ist, hat bei Eröffnung des Generalrates u.a. erllärt, Frankreich könne nicht zugeben, daß man verzichte auf di« berech­tigten Ansprüche, die" Frankreich aus den feierlichen Friedensverträgen zustehen oder durch die Abtretung dieser Ansprüche neue Opfer zu denen hinzufüge, mi: denen es seinen Sieg bereits zu teuer bezahlt habe. Tie Gefahr für den Weltfrieden würde Darin bestehen, baß dir Schwäche der Nation diejenigen unbeachtet ließ, die , bereits einmal den Krieg entfesselt hätten, und denen ihre Straflosigkeit den Mut gebc, es zum zweiten Male IM tun in der Gewißheit, daß sie nichts riskieren.

, Ei« französischer Ministerrat.

Parts, 25. April. Die in Paris anwesenden Vlintster haben sich heute unter dem Vorsitz Poincares N einem Minlsterrat versammelt. Der Ministerpräsi­dent gab feinen Kollegen Kenntnis von den letzten Telegrammen der französischen Vertreter in Genua. Ter Minister des Innern teilte die von den General­

räten geäußerten Wünsche mit, die eine allgemeine Billigung der Regierungspolttik bedeuten.

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AMlWmn In km».

Genua, 25. April. Gestern fand eine Sitzung des Unterausschusses des Finanzausschusses für Kredit­fragen statt. Minister Hermes stellte für iie deutsche Abordnung den Antrag, in die Ueberschrift zu dem KapitelKredite" di» Worte aafzunehmen: »ein­schließlich langfristiger Anleihen", und dort, wo von der internationalen Korporation die Rede sei, ergänzend klar­zustellen, daß an wichtigen finanziellen Transaktionen auch internationale Finanzsyndikate beteiliat sei« sollen. HermeS führte hierzu aus, Dentschland habe schon im Febnmr einer internationalen Korporation seine Mit­arbeit zur Verfügung gestellt ES erwart«, daß die Arbeiten einer solchen internationalen Korporation <ufi alten Gebieten der europäischen Wirtschaft und der europäischen Finanzen von Erfolg begleitet sein wür­de». Die deutsche Abordnung glaube daher, daß bei finanziellen Transaktionen von solcher Bedeutung, wie sie die Lösung der gegenwärtigen Probleme mit sich briiige, anch aus bi« Rnonzgruppen Angewiesen werden sollte, denen die Durchführung dieser großen Trans­aktionen entweder in Verbindung mit der internationalen Korporation oder unter Umständen auch Mei» obliegen könnte. ES erscheine nicht gerechtfertigt, bßche Gruppen hier zu übergehen, im Hinblick auf die au^rmdentliche Rolle, die sie beim Wiederaufbau Europas zu spielen Berufen sein würden, lieber diese deutschen Anträge soll in der nächsten <Atzung eine endgültige Entscheidung getroffen werden.

In der UnterauSichußsitzung des Wirtschaftsausschus­ses wurde der Entwurf einer Entschließung vorgelegt, in der es heißt, daß der wirtschaftlich« Wiederaufbau nur unter der Mitarbeit der Hand- und Kopfarbeiter aller Völker erfolgen könne, daß aber deren Mitarbeit besonders in den valiftaschwachen Ländern durch die Teuerung stark gefährdet sei, sodaß die Produktion und die Konsum­kraft vermindert würden. Diesen Zustand könne nur die Wiederherstellung deS finanziellen und wirtschaftlichen Gleichgewichts zwischen den Böllern beende«. Es wird in dem Entwurf deshalb vororschlagen:

1. beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit

a) die vorhandene Arbeitsgelegenheft im Stege der rationellen ArbeitSvermittelun g auSzunutzen und zwccks Ausgleichs deS Arbeitsmarktes »wischen den Ländern Entgegenkommen zu zeigen,

6) die öffentlichen Arbeiten für die Arbeitslosen- fürsorge auSzunutzen,

c) die Mittel der Erwerbslosenfürsorge für die Be­reitstellung neuer wirtschaftlich wertvoller Arbeiten zu verwenden;

2. durch Vermittlung deS internationalen Arbeitsamtes die gesammelten Erfahrungen auszut«rsche» und gegen­seitig nutzbar zu machen.

In der Sitzung deS zweite« Unterausschusses be8 Wirt­schaftsausschusses wurde ein von der deutschen Ab- ordnung eingebrachter Antrag zur Erörterung gestellt, der sich auf die Behandlung ausländischer Firmen und Einzelkaufleute im Inlands bezieht. Dem Antrag liegt der Gedanke zugrunde, daß alle Staaten die Ausländer in» allgemeine» und in gleicher Steife zu Handel und Gewerbe zulassen rote btt Inländer. Auch sollen die danach zugelassenen ausländischen Kaufleute in steuerlicher und anderer Hinsicht grundsätzlich auf gleichem Fuße mit den Inländern behandelt werben. Der Grundsatz der Gleichbehandlung soll ferner für die Schiffahrt gelten.

Z» einer eingehenden Verhandlung kam eS nur über die auch in dem Londoner Sachverständigenvorschlage be­handelten Frage der Besteuerung. Dabei entstanden lebhafte Meintlngsverschiedeuheiten über die grundlegende Frage, ob die Zulassung etwaiger Ausnahmen von der steuerlichen Gleichbehandlung der Ausländer mit den Inländern an die Voraussetzung geknüpft werden sollte, daß derartige Ausnahmen allen Nationalitäten gegenüber gleichmäßig angewendet werden und daß also eine unter­schiedliche Behandlung der Angehörigen der einzelnen fremden Staaten ausgeschlossen ist. Diese Boraussetzung wurde schließlich von der Mehrheit als notwendig an­erkannt. Mit Deutschland stimmte« dafür England. Japan, Oesterreich und Spanien; dagegen nament­lich Frankreich, Italien und Rumänien. Die Beratungen über die wetteren Punkte des deutschen Antrages sollen morgen fortgesetzt werden.

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Sine Mole on die Seifen.

48stündiges Ultimatum?

« erlin, 25. April. Wie dieVosi. Ztg." aus Genua meldet, wurde in Besprechungen mit den Hauptdelegierten der Verbündeten nach französischer Qselle gestern Nachmittag beschlosien, an die russi­schen Delegierten ein Schreiben zu richten, in dem eine sofortige Antwort auf zwei Fragen verlangt wird, 1. ob Rußland sämtliche Schulden bedin­gungslos anerkennen wolle, und 2. ob es für die bedinguntzsiHr Herausgabe des nationalisierten Privateigentums einstehen wolle. Die Besprechung der Verbündeten befaßte sich weiter mit der For­mulierung der Entschließung über den europäischen Frieden. Eine Einigung über den Wortlaut konnte noch nicht erzielt werden. Die Beratung darüber soll fortgesetzt werden.

Paris, 26. April. Aus Genua wird gemel­det, daß die Verbündeten den Text eine» Ultima­tums an Rußland aufgestellt haben. Die Verbün­deten verhandeln heute über diesen Text, der heute oder morgen ausgehändigt wird. Die Rusien wer­den 48 Stunden Zeit haben, um ihre Antwort auf die politischen Bedingungen abzugeben. ,

Die Antwort Lloyd George;.

Genua, 25. April. Der politische Sekretär Lloyd Georges Sir Edw. Grigg erklärte Presiever- tretern gegenüber, die Rede Poincarös stelle eine sehr ernste Erklärung dar, bezüglich der die Ver­bündeten nicht befragt worden seien. Alles, was der Ministerpräsident über das Zusammen­wirken der Verbündeten gesagt habe, werde jedoch durchaus gebilligt. Seine Worte, daß Frankreich eine Aktion gegen Deutschland unternehmen würde, auch ohne die Verbündeten, seien jedoch in keiner Weise geeignet, die Zusammenarbeit zu sichern. Grigg widerspricht dann der Darstellung, daß Eng­land eine Politik bei den Verhandlungen mit Ruß­land verfolge, die den Jnteresien Frankreichs zu­widerlaufe. Grigg fügte hinzu: Wir hegen keine Besorgnis vor einer deutschen oder russischen Dro­hung in Europa und find entschloffen, die beiden Länder davor zu bewahren, auf die Schlachtbank geführt zu werden.

Lloyd George sagt in einer aus Genua an Eng­land gerichteten Botschaft, die Rede Poincarös sei eine sehr ernste Erklärung. Sie sei nicht dazu angetan, das Zusammenarbeiten der Verbündeten zu beffern. Großbritannien sei entschloffen, zu ver­hindern, daß Europa wieder ein Schlachthaus werde.

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Die Blätter weisen darauf hin, daß infolge der Rede Poincarös die Möglichkeit der Zurück­ziehung Frankreichs von der Genueser Kon- ferenxin Genua und London eifrig erörtert werde. Wenn dieser Fall eintreten sollte, so würde Lloyd George nach London zurückkehren, um das Parla­ment um Unterstützung zu ersuchen, und die Ge­nueser Konferenz würde dann wahrscheinlich fort­gesetzt werden. Es sei nicht wahrscheinlich, daß Lloyd George diese Fragen durch Neuwahlen ent­scheiden lasten wolle.

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Wwen IWWns. .

Genua» 24. April. Tschitscherin hat einem Pressevertreter gegenüber erklärt, die großen Arbeiter- und Bauernmassen Rußlands feien von der Idee dnrch- bntttgen, daß der Grund und Boden und der große Jndustriebesitz nationales Eigentum seien. Die rus­sischen Volksmassen seien der Ansicht, daß der Land- unb Jndustriebefitz Privilegiert seien, ähnlich dem feu­dalen Recht vor der französischen Revolution und ähn­lich der Leibeigenschaft vor Alexander II. Diese ehe­maligen Privilegien seien aber ohne Entschädigung ak-geschafft worden, und so solle es au chftnit den heu­tigen Privilegien sein. Rußland könne in diesem Punkte nicht nachgeben. Tschitscherin bezeichnete cs als eine notwendige Vorbckingung für ein Ergebnis der Verhandlungen, daß Rußland Staatskcedite ge­währt werden. Die reichliche Anerkennung der Sotojet- rcgierung sei für die Sowjetrgierung keine Prestige­oder Formfrage, sondern eine den Handel interessierend« Angelegenheit.

Berlin, 25. April. Der Korrespondent des Berl. Tagebl." in Genua hatte mit Tschitscherin eine Unterredung, in deren Verlauf der russisch« Außeu- kommissar betonte, mit wie lebhafter Genuatunng bet Vertrag mit Deutschland begrüßt worden sei. Im Hinblick auf den Versuche einen Sitberruf Deutsch­lands herbeizuführen, sagte Tschitscherin: Rußland muß es als einen gegen seine Selbständigkeit und seine Souveränität gerichteten Eingriff betrachten, wenn von gewissen Mächten versucht wird, den Vertrag auf. zuheben oder zu verändern, den Rußland mit einem Dritten abgeschlossen hat. Jeder Abänderung des Ver­trages würde Rußland durchaus ablehnend ge- genüberstrhen.

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Scharfe Rote Tschitscherins an Pole«.

Genua, 25. Aprll. Tschitscherin bat eine sehr heftige Note an Polen gerichtet. Sie macht Polen da­rauf aufmerksam, datz zwischen Polen und Rutzland ein regelrechter Friedensvertrag bestehe, der Polen auf die de jure-Arterkennung der Sowfetregierung ver­pflichtet. Tfchttfcherin fordert von den Polen die Re- fpettterung deS'Rigaer Friedensvertrags und daß es an de» Verhandlungen des polftischen Ausfchusfes über die russischen Fragen nicht mehr teUntmmt.

Entsendung eines amerikanische« Kriegsschiffes nach China. Reuter meldet, daß et» amerikanisches Kriegsschifl ben Beseh! erhalten habe, sich Wege« der

Unruhigen Loge sofort «ach China pr begeb«,

W ite toten Mil.

I» Genua ist am Sonntag noch einmal feierlich erklärt worden: Der Zwischenfall des deutsch-russi­schen Wirtschaftsvertrages ist für die Konferenz all­gemein und endgültig erledigt. Aber niemand gibt sich wahrscheinlich auch nur der geringste» Täuschung darüber hin, daß die Art, wie man den Fall erledigt W, die Konferenz von Genua auf einen toterf Punkt festlegt, über den sie aller Wahrscheinlich- feit nach nicht mehr hinwegknmnt. Gegen Ende der zweiten Konferenzwvche waren die Aussichten noch nicht so trübem wie sie es inzwischen geworden sind.

Nach der neuesten Entnückelung hat bit Sacht ein ganz anderes Gesicht gewonnen. Frankreich hat aus dem Zwischenfall eine Mach tsrdge gemacht und dadurch der Konferenz einen Schlag versetzt, der sich wohl als lebensgefährlich erweisen wird. Ank Sonnabend erschien hinter den Mühlen der fta«- zösischen Abordnung der Geist Poincares, und bal Ergebnis dieser Geisterscheinnng zeigt sich darin, daß die Konferenz von Genua ihre Seele wie eine eng­lisch« Zeitung treffend bemerkt nach zweiwöchiger Dauer ausgehaucht hat, wenn sie auch unter der Ein­wirkung energischer Belebungsversuche ihr äußeres Scheindasein noch tveitersührt Poincare wollte nickt dulden, daß Deutschland in dem Notenkrieg, der sich in Genua ciittottftft hatten seine Gleichberechtigung wahrte. Es sollte und mußt« ins Unrecht gesetzt werden, und die Welt sollte wissen ,daß auch t« Gtemia bet Besiegte zu schweigen habe.

Dir Schilderungen der heftigen AuseiumtdersetzaNg zwischen Lloyd George und Barthou haben alle Wahr­scheinlichkeit für sich. Frankreich macht sich in Genua ebenso tote in Washington gründlich unbeliebt, und die Spannung zwischen ihm und feinen Verbündete« wächst Trotzdem aber hat Barthou in Genua seinen Willen erreicht und damit der französischen Obstruk­tionspolitik zu einem entscheidenden Sieg über den Arbeitswillen der Konferenz geholfen. Ma» tyu# gewiß die äußere Form der Verhandlungen noch auf­recht erhalten, besonders nachdem die deutsche Abord­nung ihre bisherige aktive Politik durch eine Politik derEntsagung ersetzt und die letzt« Lügennote still­schweigend hingenommen hat. Aber mit der 'leere» Form wird man sich auch begnügen müssen. All die heftigen Auseinandersetzungen, die beleidigenden Wortq, die Frankreich gegen die deutsche Abordnung, gerichtet hat, die Drohungen und die wiederholten Sprengungs- snche, alles das lastet wie ein schwerer Ban» auf bet Konferenz, der sich auch durch den ehrlichsten Ar- beitstoillen nicht lösen lassen wird. Man hat zugv- lassen, daß Poincare durch Fernleitung de« Geist feiner Politi knach Genua verpflanzte. Danach kann eS sich nur noch um die Frage handeln, wie Lloyd George sich in der italienischen Konferenzstadt noch einen einiger­maßen erträglichen Abgang sichert. Der Konferenz­gedanke aber hat seit dem Tage, an dem der König von Italien seine Gäste begrüßte, sein Leben ausgehaucht.

Was erwartet mau nun von den Verhandlungs­tagen, die bis zu dem nahen Konscrenzende noch vor­handen sind? Bei der Beantwortung dieser Frage überwiegt der Pessimismus. Wie sich erwarten liefe bereitet die Verhandlung mit den Russen fast unüber­windliche Schwierigteiten. Poincare hat in seiner Drohrede als französische Fordening aufgestellt, daß man den Deutschen und den Russen kein« Zugestätck- nisse ntache» dürfe. Der Sowjet-Regierung gegen­über vertritt Frankreich seine Schuldforderungen, Iveigert sich aber, die Anerkennung auszusprechen, die die russischen Delegierten zum mindesten als Gegen­leistung fordern. Dieser Gegensatz ist ein unüberwind­liches Hindernis, und deshalb kann in der Russe»- frage in Genua kein allgemein gültiges Abkommen erzielt werdett. Es bleibt nur die Möglichkeit, daß ebenso wie Deutschland auch Englaick und andere Staaten ein Sonderabkommen mit Rußland treffen, i Zu diesem Zweck aber hätte man «ine Völkerkonft- renz nicht nach Genua einzuberufen brauchen; denn eine weltwirtschaftlich« Regelung setzt eine allgemeine Verständigung mit Rußland voraus. Scheidet aber die russische Frag« aus dem Verständigungzprogramm von Genua aus, so bleibt nur noch die Frage des 10- jährigen Burgfriedens, die dem englischen Mi­nisterpräsidenten besonders am Herzen liegt und für die man deshalb vielleicht auch eine Formel finben wird. Damit würde die Konferenz günstigensalleS ihre Krönung finden. Aber selbst das wäre ein falscher Glanz. Denn auch der europäische Burg­frieden soll nach Wunsch der Franzosen nur int' Schatten des Vertrages von Versailles gedeihen, d.h> jede kriegerische GewalthaMung gegen Deutschland, jede sogenannte Sanktion, soll auf Grurw des Versailler Vertrages nicht aI5 feindselige Handlung und nicht als Verletzung des Burgfrieaens gelten. Es ist möglich» daß sich Lloyd George damtt ab findet, um einen Scheinerfolg yt netten. Es ist auch möglich, daß bet Schluß üchac Apotheose v« M geht. 3» beide»