Amtliches Verkiindigungsblatt des Kreises Marburg
Änzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Nr. 93
i
Vor der deuWn Mlvort in (Benito.
t
des
trag von Rapallo den Rechten und Privilegien Enischädigung-ausschusses Abbruch tun kann.
57.3M
1922
Bto @110* du EntWdMW-AurlWtt.
Paris, 20. April. (Havas.) Der Entschädigungsausschutz veröffentlicht folgende Note:
Der Entschädigungsausschutz hat seine Aufmerksamkeit dem in Rapallo am 16. April von Dr. Rathenau als Vertreter der deutschen Regierung und von Volkskommissar Tschitscherin als Vertreter der Sowjetrepublik unterzeichneten Vertrage zu- gewendt. Im Laufe einer heute abgehalt men Sitzung hat der Ausschuss beschlossen, 1. von der Kriegslastenkommission eine offizielle Kopie des Vertrags von Rapallo zu fordern, 2. eine juristische Abteilung zu beauftrag-», sofort und ohne das Eintreffen der erwähnten offiziellen Kopie abzuwarten, die Frage zu prüfen, ob und in welchem llm- fange der Vertrag von Rapallo die Bestimmungen des Vertrages von Versailles berühre, für den allein der Enlfchäbigu igsavsfchuh zuständig ist und insbesondere, ob und in welchem Umfange der Ver-
Sie rnWe Mott.
Prüfung im Ausschuß.
Genua, 20. April. Havas meldet, datz morgen der Unterausschuss für die russischen Angelegrn- heite« eine offiziöse Sitzung aübalten soll, an der außer den Vertretern der fünf einladend n Machte die Vertreter von Spanien, der Schweiz, Polen und Rumänien teilnehmen sollen. Die deutschen und russischen Vertreter seien nicht dazu cinqeladen worden. Man werde an eine ernste Prüfung der russischen Antwort ferantreten und beschliessen, ob die Verhandlunaen mit den S»wjetdcl'g°ertrn fort- eesetzt werden sollen oder nicht. Im Laufe des Nachmittags werde sich der gleiche Uuterau-s*uss in offizieller Sitzung versammeln, und zwar mit den Russen, falls ihre Zulassung^was nach Havas wahrscheinlich ist, genehmigt wird.
Die russische Antwort zählt alle Schäden auf, die Rußland durch den von den Verbündeten unter- stützten Bürgerkrieg und durch die Blockade erlitt: Insbesondere wird auf den Verlust Bessarabiens und auf die Verwüstungen im Gebiet von Archangelsk birgcwiesen. Die Antwort meldet den Anspruch au? Vergütung dieser Schäden an. Rußland gibt jedoch andererseits die Verpflichtung zu, seine Borkriegs- schnlden zu bezahlen, verlangt aber zu diesem Zweck Stundung bis 1937. Die Forderung, d'e in den Bestimmungen der Londoner Sachverständigen v-tn Ausdruck kommen, werden als unerfüllbar.^ erklärt, da das russische Volk die geforderte Summe nicht bezahlen kann. Alle Schulden und Ansprüche an? und nach dem Kriege (Sozialisierungen) sollen von beiden Teilen gelöscht werden. Rußland ici'b die Gründung ausländischer Industrie« und Handclsunternehmuugen mit 70 und 80 Prozent ausländischem Kapital und unter ausländischer Leitung in Rußland oesta ten. Die fremde Einmischung in russische Angel genbeilen könne nicht erlaubt werden. Da? russische Recht würde neu geschaffen, und in diesem Rechte sei d'e p rij:> liche Freiheit der fremden Staatsbürger geschürt. Die Ausstellung eines gemischten int ruationalen Oierichts- hoses oder mehrerer Gerichtshöfe verstoße gegen das bestehende russisch« Recht.
Die Deutschen und Russen völlig im Recht.
Paris, 20. April. Der Herausgeber des „Oeuvre" sagt: Nachdem die erste Erregung verflogen war, habe man nach und nach entdeckt, das; weder die Deutschen noch die Russen über ihr Recht htnausgegangen seien, dost es eben dos Reckt der Völker sei, über ihre Sympathien frei zu verfügen. Was man ihnen allenfalls vorivcrfcn könne, sei, datz sie den Zeitpunkt schlecht gewählt hätten, oder dass sie ihn mit einer zu schwerfälligen Schlauheit gewählt hätten. Schließlich gebe man zu, datz das deutsch-russische Abkommen niemanden etwas Neues sagte und nichts auch nur im geringsten ändere. Die Konferenz gebe weiter, und Foch bkclüt zu House.
Kein Leutsch-russisches Militärbündnis.
Berlin, 20. 3Iy:L Zu der Behauptung des „Daily Telegraph", es stände d'e Unterzeichnung eines deutsch-russischen Militärabkommens bevor, wird von zuständiger Stelle gesagt, datz der mitgeteilte Text des deutsch-russischen Vertrages vollständig ist. Es gibt dazu weder Eeheimklauseln noch Geheimabkommen. Don einem Militärbündnis ist keine Rede. Der englische Bericht ist in vollem Umfange erfundea.
Di« „Oveihessych« Zellun ' eriteint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 17 Mk. Für ausfallend« Summern infolge Streiks ooet elementarer ErrignM« kein Ersatz. — Setlag von Dr. E. Sinerotv. — Druck der llniv^Bnckdruikerei von Jod. »ug. Äe6, Markt 2t2S. — $temiptetbet 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankiurt a. Main.
keinerlei künstliche Mittelchen gesörderl zu werden brauchte. Er entspringt oen wirklichen Bedürfnissen mit lebendiger Draft und sollte deshalb eigentlich keine Sensation bedeuten. Wenn er es trotzdem geworden ist, dann liegt es nur an der Enttäuschung derer, die am liebsten aesehen hätten, daß die Deutschen und die Russen sich zu Gunsten der Wünsche und Begehrlichkeiten der Entente oon ihren natürlichen Lebensinteressen abdrängen ließen. Diejenigen, die nun nicht wissen, wie sie Rußland in die Zwangsjacke stecken sollen, sind enttäuscht. Sie haken das Recht, zunächst einmal $u schimpfen und lick zu überlegen, wie sie sich über die selbstbcreitete Ent- :äuschung hinweghelfen sollen. Für Rußland und Deutschland ist das. was Genua brachte, eine geschichtliche Tatsache, die sich in ihrer Größe und Bedeutung erst später ausgestalten wird.
Man ist zu mündlichen Verhandlungen nach Genua 'ekonimen, und man schickt sich Roten, ganz als ab man meilenweit v->n e'nander säße und m:t Deutsch land eins der üblichen Hühnchen zu r»p'en habe. 11 "b Deutschlands Vertreter erwidern darauf mit einer No'e die nng'rechtfertigte Vorwürfe znrückwr'st und Deutsch lrnds Rechte wahrt. War es n3.ia> Vertreter aus allen Teilen der Welt nach Genua zu rufen, wenn man sich den Erttschöd gungsanSschnss und-f ine V rk h 's iitten wm Mustr nehmen wollte? Man trif't m't dieser Frag: den Kern der Konferenz von Genna. Der Pyrase.,schle'er, mit dem man am Eröffnungstag der -Konferenz das ro^r* Gesicht der Genueser Verhandlungen verdecken wollte, erwies sich ja damals schon als etwas unzureichend. Inzwischen 'st aber durch die Entwickelung der russischen Frage das Wesen der Konserenz Zug um Zug an das Tageslicht gekommen, und die rasch entsch'-s'ene Tat des deutsch-russischen Wirtschuftsverlrag-s hat die letzten Schle'er z-rri'sen. Genua hat sich keineswegs als die Völkertagung enthüllt, in der alle von edlem Willen beseelt und als Gleichberechtigte nekeneinandersitzen, sondern es erscheint im Lichte des Notenwechsels als das was es ist Als eine verkappte Konferenz der Verbündeten, zu deren Beschlüssen di« übrigen led'g'ich Ja und Amen zu sagen haben. Wenn es sich wi^kl ch nur um etwas derartig s handelt, so ist die Konferenz völlig zwecklos und die Ki sten nicht wert, die sie dem Reiche verursacht.
Ätiiit Z'MzjMW hs deütslh-Mlhk» VrckrM.
Berlin, 20. April. Wir von zuständiger Stelle mitgctrilt wird, ist die geflissentlich verbreitete Meldung von Uncin'igkritrn in der deutsche» Abordnung falsch. Die Abordnung ist vollkommen einig. Tie Verhandlungen über die Einrenkung der Situation gehen weiter. Die Aurück- Ziehung des -rutsch-russischen Vertrages kommt nicht in Frage. Hierin find wir mit den Russen einig.
Tic Meldung, daß die deutschen Vertreter bereit wären, auf den deutsch-russischen Vertrag zu verzichten, hat sich also, wie anzunehmen war, nicht bewahrheitet. Etwas Kläglicheres und Blom be eres hät e es auch nicht gegeben als ein- selche Kapitulauon, die selbst den neudeutschen Staatsmännern nicht gut zuzutrauen ist.
LliO 6eow Ker die Memg du ZMeM».
Kein Abbruch der Konferenz.
Genua, 20. April. Vor einer Versammlung von Journalisten hat heute Lloyd George erklärt, er hoffe, daß der Zwischenfall anlässlich dg deutsch- rnssischrn Vertrage» erledigt sei. Tie wahrscheinliche Lösung werde jein, daß Deutschland an den Sitzungen dr» 1. Ausschusses nicht mehr teil» nehme.
Eine aussührlichere Meldung über die Erklärung Lloyd Georges besagt:
Der englische Premierminister hielt zunächst eine kurze Rede und beantwortete hierauf eine Reihe an ihn gerichteter Fragen. Er sagte u. a.: Die Konferenz ist noch am Leben und an der Arbeit. Es gibt zwei Arten von Leuten, die einen wünschen der Konferenz Erfolg, die anderen das Gegenteil. Den letzt'ren habe ich nichts Ermutigendes mitzuteilen. Wir arbeiten uns durch die Schwierigkeiten hindurch. Der durch den Abschluß des deutsch- russisch-m Vertrages berbe'aefö^rts Zwischenfall ist, wie ich hoffe, erledigt und wird keine ferneren Schwierigkeiten mehr machen. Die Mitteilung von dem Abschluß des Vertrages war eine * völlige Ueberrafchung für mich. Es gibt jetzt für di« Deutschen meines Erachtens zwei Alternativen, entweder auf den Vertrag zu verzichten oder an den Sitzungen des 1. Ausschusses nicht mehr teilzunehmen. Ich glaube zu wissen, datz die Deutschen zu letzterem bereit sind. Ich denke deshalb, datz die Sache beigelegt ist. Der Vertrag war hinter dem Rücken der anderen Konferenzteilnehmer geschloffen worden. Wenn alle so handeln wollten, müßte die Konferenz zusammcnbrechen. Wenn auch die Gefahr einer verhängnisvollen Störung der Konferenz grotz gewesen ist, so ist doch keine Rede davon, daß die Russen oder die Deut- ichen den Vertragsabchlutz in der Absicht vollzogen haben, die Konferenz zu Fall zu bringen.
Zu den Verhandlungen mit R u h l a n d sagte Lloyd George: Ich hoffe, daß beute die russische Antwort cirtlaufen wird, und ich würde sehr erstaunt sein, wenn sie nicht so lautet, datz sie die Fortsetzung der Konferenz rechtfertigt. Morgen wird der politifche Ausschuß zusammentreten, um die russische Antwort zu prüfen. Ich hoffe, die Konferenz wird zu einem vollen Ergebnis führen uni zur Wiederherstellung des zerstörten Kontinents beitragen. Auf die Frage, wer die Feinde der Konferenz find, erwiderte Lloyd George: Die Leute, die den Hatz in Permanenz erklären und sich über Konflikte zw'fchen den Nationen freuen. Ter Völkerbund wird die Aufgabe haben, das Werk der Konferenz fortzusetzen, aber erst wenn ihm nicht blotz wie gegenwärtig die Hälfte von Europa, sondern wenn ihm alle Nationen Europas angehören. Solange Deutschland und Rutzland außerhalb stehen, ist kein wahrer Weltfrieden möglich.
Der Umeigeitorets Beträgt für die 9 gelt». Zetir oder Deren Raum 90 Pfg. für beit Millimeter, amtliche und ausroartic« 1.20 Mk. flnBye Spaltenbreiten nach entiprechender Berechnung. Spät einlaufende oder oen Raum übet ss, Seite einnehmende Än» »eigen sind mir berechtigt, nach der lertioaltenbreite au ktien und au berechnen. Sogen. Reklamen Berechnen mit die Col.«Zeile mit 9.00 Mk. Jeoet Rabatt rill als Barradatt. Bei Auskunft durch die (SeiMftsitefle und Vermittlung Der Angebot« 1 Mk. Sonbetqebübt.
Marburg FMg, dni 2L AM Ojtermonb.
MmMm Mutt.
Teilweiser Verzicht auf Teilnahme an den Verhandlungen de» 1. Ausschusses.
Berlin, 21. April. Wie die Blätter ans Genua rneldcn, wird die deutsche Antwortnote heute überreicht werden. In der Rote wird den Blättern zufolge Verwahrung eingelegt gegen den Vorwurf der Heimlichkeit und Illoyalität 6:1 dem Abschluß des deutsch-russischen Vertrages. Die Rote betont, datz Deutschland auf die Teilnahme an d:n Verhandlungen des politischen Ausschusses über die Regelung -er russischen Frage soweit verzichtet, als dir durch den deutsch-russischen Vertrag bereits geregelten Punkte erörtert werden. Bei jenen Fragen, die über den Brre ch des Abkommens hinausgehen, insbesondere bei den Fragen des Wiederaufbaues und der künftigen wirifchafUchrn Gestaltung Rußlands, wird Deutschland nach wie vor Mitarbeiten. Von einer Rcv'siin oder gar Ruf^eb ng des deutsch-russischen Vertrages könne keine Rede sein. Der Vertrag verletze den VersaMer Vertrag nicht und wider- fvrcche auch nicht -en Brscklüfkn von Eannes. Deutschland frone, mit welchem Recht die Verbündeten Strasmahnabmcn gegenüber Deutschland unternehmcn wollten, wo doch die Verbündeten selbst das Beispiel gaben, datz fie mit Ruhland autzerhalb der Konferenz verhandelten.
Die Blätter fügen hinzu, datz diese Regelung mit-er Gegenseite eingehend besprochen word-n ist. Tie Einigung könne also als durchaus gesichert gelten.
Str MIMMt Strittig.
Bon Dr. Otto Hugo, Mitglied des Reichstags (D. Bvt.) und de» Reichstmrt schastSrats.
i In den schleppenden Gang der Ereignisse von Genua flt eine politische Tatsache eingetreten, die wie eine nn- jjrüritre Sensation gewirkt hat, dir aber nur deshalb so wirken konnte, weil sie denen eine Enttäuschung bracht«, die in Genna mit den Russen unter ganz bestimmten Voraussetzungen fertig werden wollte«. Von Tag v Log trat es klarer hervor, daß Rußland nach Genua geholt worden war, um dort die Abrechnung mit den Untentemächten, insonderheit mit dem vorkrie"sgesch8oig- ien Frankreich in Ordnung zu bringen. Wer die russisch- Lragödie als daS sieht, was sie ist, bas Ke r n st Ü ck des Wiederaufbaues Europas, der fo,fte meinen, daß Mich in Genua das große Interesse auf die Frage eingestellt worden wäre, wie Rußlands zusammengebrochene Wirtschaft wieder auf die Beine gebracht werden kann «ld die nnendlichen Schätze dieses Landes toi'ber fruchtbar gemacht werden können, um dein verarmten Europa zu Helsen. Aber man dachte nicht in erster Linie an die Hilfe für Rußland, sondern an dessen Bindung, um r» ausbeuten zu können. Das Wort vom russischen Wiederaufbau bleibt im Munde der Drahtzieher von Genua eine hohle Floskel, wie man sie auch unS gegen» »ber so oft angewandt Hat, wenn man im Bearisf stand, «ns neuen Peinigungen auszusehen. F«n-s Sackwerstän- digenautackten von London, das zur Unterlage der Vec- bandlunaen mit Rußland in Genua gemacht werden sollte, ist ein Dokument krassesten Eigennutzes seiner Ver-
Wie sich die Verhandlungen der Verbündeten mit den Russen gestalten werden und ob es dazu überhaupt kommt, wenn die deutschen Vertreter tatsächlich ausgeschlossen bleiben, ist abzuwarten. V ellc'cht. bab-rn die nicht unrecht, die sagen, man solle sich damit cbfinben; denn der abgeschlossene Vertrag mit den Russen fei hundertmal mehr wert afs alle Aitsschutzoerhandlungen.
Wirts Sorbrrnnn nuf Btrlrogs- MWmg.
Paris, 20. April. Havas feilt mit: Ministerpräsident Poincarö hat in der gestc gen Mhnng d«S Kabinettisra'es Bericht über seine Schritte bei bett Regierungen der verbündeten Staaten und der Kleine» Entente erstattet. Diesen Regierungen ist eine Note zugegangen, in der sie ersucht roerötn, sich über eine an Deutschland zu richtende Aufforderung zu verständigen, daß der deutsch-russische Vertrag ansgehobett werden müsse. Poincare ist der Ansicht, i aß diese Maßnahme durch Verständigung von Regierung zu Regierung beschlossen werden tarnt, da nach seiner Ans« fassung der von den deutschen Vertretern begangene Fehler gewissermaßen über die Kompetenz der Konferenz von Genna hinausgehe. Der Wortlaut der Aufforderung an Deutschland soll von der Botschaft e r ko n fe re n z auf Anweisung der verbündeten Regierungen sestgelegt werden. Falls die Aufhebung des deutsch-russischen Vertrages in Genna nicht zu erreichen wäre- hätten auf diese Weise däl
lasser. Es ist darin zu lesen, was man v-n Rußland 6er» äugen will, was Rußland anerkennen soll an Zahlungen rnd Leistungen. Aber davon, was Rußland etwa geboten wird, um ihm zu helfen, ist wenig zu lesen.
Verhandelt wurde mit den russischen Delegierten über die Bindungen, die Rußland einzugehen bat, über die Nnerkennung der Vorkriezsschulden, die Anerkennung do? rivaten Besitzes aus der Vergangenheit und die Ent schrtd-qirng an den Vorbesitzer, Leist.mngen, die das wirt ' hässlich völlig ausgemergelte Rußland garnicht zu voll sngen imstande ist. Dazu die Hingabe wertvoller Kon» /fttonen, Fabrikanlagen ufto. an die Entente, die Aufgabe Atr finanziellen Selbständigkeit durch Einsetzung von Schuldenkommissionen und de» staatsschen Eigendaseins durch die Preisgabe der eigenen Gerichtsbarkeit rngunsten tzcr sogenannten Kapitulationen. Grw'ß sind die Rechts Zustände in Rußland heute nicht in einem Zu stand, der »o* Standpunkte des Ausländers au» erträglich wäre Aber die Forderung maß doch wohl dahingehen, daß Rußland sich wiederum schleunigst ein geschriebenes Recht pilegt. nicht aber dahin ,daß es seine Staaishoboif »hne Weiteres preisgibt wie ein Vasallenstaat. Und -dazu bann noch die Ausschaltungen, die diese?
Londoner Gutachten Deutschland ansinnt. Wer bk tznrtschaftlicken Verhältnisse Rußlands kennt, weiß, daß »nr Deutschland die unendlich mühselige organisatorische kibnierarbeit bei dem Wiederaufbau brr russischen Wirt- fchastsfnnktionen burchführen kann. Diese Mitwirkung dill daS Londoner Gutachten den Deutschen ver-- Ivehrett und den Russen damit die Auswahl dec »eeignetsten Kräfte zum Wiederaufbau, dir zugleich die «neigennühigsten sein würden, unmöglich machen. Es war von vornherein selbstverständlich, daß bk russischen Vertreter auf derartige Knebelungsversuche sich nicht «inlasscn konnten. Auch die größte wirtschaftliche Notlage Rußlands hätte solche Beugung vor dem Ententewillen in Genua nicht gerechtfertigt. Wenn trotzdem die Osterüberraschung der wirtschaftlichen Verständigung Zwischen Rußland uich». Deutschland in Genua wie eine Bombe bei der Entente einschlug, so lkgt darin nur ter Beweis, wie sehr man mit der russischen Kapitulation gerechnet hatte.
i Tas deutsch-russische Abkommen hat an sich mit Genua uichts zu tun. Es wär« nchtigerweii« schon früher geschlossen worden. Alles wa? es enthält, sind für beide Telle eigentlich Selbstverstänslichkeitrn, die sich an- der Nürdigung der gemeinsamen Interesse« von selbst «r- gebeu. Gerade wer an Ort und Stell« in Rußland den wirtschaftlichen Zuständen einmal auf den Grund ge- -angen ist, auf den wirkt das Gcmeinfamkeitsinieresse «l wirtschaftlicher Beziehnnz in so elementarer Weise, daß keine politische Betrachtungsweise den Sinn zur Skt» Kündigung beeinflussen kann. Wir sind das Land, das Blf die russische Eigenart hinsichtlich seines Produltions- bedürfnisses am besten eingestellt ist- Rund bk Hälfte der gesamten russischen Ftiedcnseinsuhr war brutschen Ursprungs. Die vielen Kräfte a» intelligenten Jn- •aiieuren und Arbeitern, die erforderlich sind, um die zufaiumengebrochene Jndustriewirtschast Rußlands wieder «mzurichten. wird kein Land auß"r Deutschland stellen Butten. Für viele Zufuhren ist die Kürze des Beförsc» lungsweges schon entscheidend. Die Auftichtung alter neuer Unternehmungen setzt ein derartiges Maß ten Entbehrungen und Hingabe an die Ausgabe voraus, teß sicherlich keine französischen, englischen und ameri- «nischeu Ingenieure sich dazu drängen werden. Nimmt teon hinzu, wie sehr uns nach dem Westen die Absatzmöglichkeiten beschränkt und erschwert werden, so lag *• in der Natur der Dinge, daß wir zu einer vSlligen wirtschaftlichen und biplomatischen BerstänbigüNg mit Vußtanb gelangten. Auf der anderen Seite hat Rußland tes größte Interesse daran, sich gerade mit Deutschland wirtschaftlich zu verständigen und alle überslüssigen Streik Entente auszuräurnen, weil schließlich di- deutsche «äbrung die einzige ist, an die Rußland hcranreicheu ■tun.
. Jedenfalls ist der deutsch-rufsische Vertrag der Aus- teuck eines natürlichen, gesunde« Gedankens, der durch