Zweites Blatt
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Der Kampf um die Schule
decke herabhingen, auf.
(Fortsetzung k!gt.)
mit den Achseln zuckten. Santos die Rede war: hieß es — „bas ist auch
wollte; aber eine den Mächten und fchtedcne Gewitter
viele, die geringschätzig wenn von Henrika dy „Filmschauspielerin" — was Rechtes .. "
dis köstliche
Speise-Schokolade!
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nissen emporzurecken und an ein Auferstehen zu glauben. Mit alter Güte, die nimmer aufhört, umschmeichelt sie jetzt die Osterbotschaft von dem, der durch Eethsemaneleid und Eolgathatod in ewiges Leben einging, der alle Fesseln zerbrach, ’v.r ieghaft und stolz in das Frühlingslicht schritt, der in den Herzen seiner Jünger, die in Grauen und Pein untergehen wollten, Kraft und Trost weckte, daß sie im Glauben an den Gott, der als heiliger Wille über dem Eidenjammer und aller Ungerechtigkeit lebt, als die Gezüchtigten und doch nicht ertötet, als die nichts inne hatten und doch all s hatten, als die Armen, die doch viele reich machten, in die Welt hinauszogen. Osterlicht glänzt auch uns: Menschen, die aus der unbändigen Kraft ihres Innern leben, Menschen, die unverwüstliche Zu wr- icht in sich tragen und mit innerem Bebxn an die großen Aufgaben, die ihre Seele hat, gehen, die regen über Tod und Teufel, die schaffen eine neue Zukunft. Osterlicht glänzt auch uns: Ich sehe wohl das tausendfache Leid, ich sehe die Not, ich sehe den Haß und die Zwietracht, aber wenn mich der Ekel in der Kehle würgt, wenn die Gemeinheit des Tages mich in die Stille locken möchte, dann steht der Auferstandene mit seinen fordernden Augen vor mir und zwingt mich in den Dienst der andern, überflutet mich mit der Kraft seiner Liebe am Schaffen für Brüder und Schwestern, auch wenn sie mich nicht begreifen und mich schmähen. Osterlicht glänzt mich uns: Erlösung kommt nur von denen, die des Karfreitags Minne zum Ziel haben, durch deren Seele das große Mitleid rauscht, das sich nicht verbittern läßt.
Draußen singt wie einst die Amsel ihr Frühlingslied, obwohl der Schneesturm über sie geht, sie w-iß, daß ein neues Blühen werden will. Laßt «ns nun auch mit hoffnungsfrohen Augen durch die Nächte schauen und jene inneren Werte schaffen, auf deren eiserner Kraft die Zukunft beruht. Nicht Wirtschaftsordnung und Tarifverträge zaubern besseren Zeiten. Die großen Zauberer bleiben innrer die Menschen, in deren Seele loderndes Feuer glüht und die unzerbrschen vom Kummer immer wieder die heimlichen Könige sind, die übrr die anderen herrschen. Laßt uns lebensstark und aufrecht durch der Tage Dunkel in. einen neuen Morgen schauen, voll unzerbrechlichen Glaubens: Auch für deutsches Land und Volk will ein neues Blühen werden.
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Die „Oberhest. Zeitung" brachte in 9?r. 29 und 31 vom 3. und 5. Februar d. Js. einen Artikel „Der Komps um die Schule", unterzeichnet Er war recht sachlich geschrieben und bewies, daß der Verfasser auf dem Schalgebiete gut unterrichtet ist. Nach 8 W o ch e n schreibt der Pressen usschuß des Kreislehrervereins in Nr. 78 und 84 der Zeitung vom 1. und 8. April „als d i e S a ch - verständigen in Schulfragen" eine Eittgrgnimg, um die breite, Oesfentlichkeit in dieser Sache auszuklären und jenen Artikel zu widerlegen. Meines Erachtens ist die Widerlegung recht schwach und bringt keine Klarheit.
Warum hat der Presseausschutz nicht sofort aufgeklärt, als die Leser noch den fraglichen Artikel Nachlesen und selbst nachprüsen konnten, wer wohl recht hätte Hotte ■nm 8 Wochen Zeit nötig, um die Widerlegung zu bringen? Wie viele Leser dieser Zeitung wissen noch etwas von den Ausführungen des „K.", um sie neben die Entgegnung • halten und zu prüfen?
Der Schreiber dieser Zeilen fennt den Verfasser „K." nicht, will auch hiermit seine Verteidigung nicht rühren, das wird er selbst viel besser können, muß aber bemerken.
de Facta hat sich als sehr geschickter und entschlosiener Verhandlungsleiter einen Namen gemacht. Sein Minister der Auswärtigen mit dem deutschen Namen Schanz er bat entschloffen die bisher reckt wankelmütige Politik Italiens in die Bahnen Lloyd Georges gelenkt und diesem damit eine wertvolle Rückendeckung verschafft. Zwar ist Amerika amtlich nur durch seinen Londoner Botschafter Harvey in der Rolle eines Zuschauers vertreten; aber vielleicht verwirklicht sich die von Lloyd George ausgesprochene Hoffnung, daß Amerika noch rechtzeitig Genua entdecken und sich unmittelbar an den Verhandlungen beteiligen werde. Unverkennbar befindet er sich in völligem Einverständnis mit den Vereinigten Staaten, und das mag mit den Ausschlag dafür gegeben haben, daß Italien auf eine Seite getreten ist. Da Lloyd George bemüht ist, Rüglands Wiederaufbau unter Anerkennung der Sowjets anznbahnen, hat er eine Gefolgschaft, gegen die auf die Dauer Frankreich schwerlich aufzukommen imstande sein wird. Das ist in kurzen Zügen der Aufmarsch der.feindlichen Streitkräfte, tote er sich bisher in Genua vollzogen hat.
Dabei steht neben dem russischen Problem als erstem und der Abrüstungsftage als zweitem das der deutschen Zahlungen als drittes Problem im Hintergrund. Zwar darf nach den Abmachungen von Boulogne und dem Willen der Franzosen auch hiervon offiziell nicht gesprochen werden. Aber eS läßt 'sich jetzt schon Voraussagen, daß die Erwartung, Lloyd George werde eine Hintertür finden, um auch das zur Sprache zu bringen, sich bewahrheiten wird. So birgt heute die Konferenz von Genua Keime der Entwicklung, aber auck Keime der Zerstörung in sich. Mit gespannter Aufmerksamkeit wird die gesanfte Wen dem Laus der Verhandlungen dort folgen. Es wäre verfrühter und unangebrachter Optimismus, wenn mau jetzt gleich protze Fortschritte für die Beruhigung und Wiedergenesung der kranken Welt erwarten Klärung der Beziehungen zwischen eine Reinigung der Lust durch ver- diirfte sich doch wohl erzielen lasten.
Aerzte. Ihr Organ hatte zwar seinen Wohlklang behalten, mußte aber außerordentlich geschont werden. Sch'.mmelchen, die sofort zu Henrika geeilt war, welche die in bet ersten Zeit nach der Genesung fast apathische junge Frau zu sich nach Hamburg genommen hatte, schrieb in der bedrängten Lage, in der sie sich befanden, .an Hei.no ©eitern nach Amerika, der postwendend Empfehlungen an einige Filmgesellschaften in Deutschlaid und Skandinavien sandte.
„Es muß fein. Vorwärts — ich will auch auf diesem Gebiet etwas erreichen," hatte sich Henrika dy Santos damals gesagt.
Die Episode ihres Lebens, wo sie in echter Schwachheit des liebenden Weibes ihren Willen dem Harald Strodtmanns untergeordnet, wo sie ihm zuliebe sogar dem ihr so teuren künstlerischen Beruf entsagt hatte, war für sie vorüber. Ebenso wie damals, als ihre Rolle der Braut aus Kanada in der Eröningschen Familie ausgespielt gewesen, wo sie sich impulsiv dem Theater zugewandt hatte, warf sie sich jetzt mit einer wahren Leidenschaft auf das Studium ihrer neuen Aufgaben.
Es wurden wahrlich nicht wenig Ansprüche an sie gestellt, je höher sich diese schraubten, um so mehr wuchs ihr enorm starkes Darstellertalent. Ihre Stimme — das merkte sie jetzt — war eigentlich bloß eine Beigabe zu ihrem früheren Könnrn gewesen — ihre dramatische Kunst war das höchste bei ihr. Die Tollkühnheit, die sie unter Umständen bei Filmaufnahmen entwickelte, die großartige kör. perkiche Gewandtheit, die kolossale Geistesgegenwart, die sie besaß, kamen ihr trefflich zu statten. Binnen verblüffend kurzer Frist hatten die „Santos-Films" sich einen Ruf erobert, auf den Henrika stolz fein durfte. Es gab ja natürlich sehr
ging nicht anders, sie mußte ertragen werden, und zum Glück hatte sich Thea mit einer großen Gelassenheit gewappnet. Die Zetten, in denen sie von Erfolgen als Bühnenkünstlerin geträumt, waren ja schon lange vorüber. So wie alles eben war war es gut. Thea Eröning gab sich Mühe, nicht weiter hinaus zu denken. Das Heim des Schwagers, in dem sie so ruhig und sicher waltete, dre Sorge um die beiden Kinder war ihre Welt, aus der sie nicht hinausstrebte.
Und doch — im Ernstfall hätte Henrika nicht mit Thea Gröning tauschen mögen. In ihr war oft eine seltsame Unrast. Sie vermied es so viel als., tunlich, an ihre Zukunft zu denken. Als sie C:ö- nings vor Jahren verlassen hatte, war ihr Weg, den sie beschritt, in ein ungewisses Dunkel gehüllt gewesen — nun ließ sie sich von der Woge des Triumphes, den sie als Filmschauspielerin erntete, treiben — planlos — ziellos. . . .
Die Filmgesellschaften rissen sich um Henrika dy Santos. Nun war sie für einige Zeit in Dänemark kontraktlich verpflichtet. Damals nach der furchtbaren Eisenbahnkatastrophe, als ihr allmählich das volle Bewußtsein der Geschehnisse aufgedämmert war, hatte sie heiß gewünscht, nicht am Leben zu bleiben.
Sie hatte in jener Unglücksnacht ja zweierlei verloren: den jungen Gatten, der sie auf Händen getragen hätte, und ihre kostbare Stimme. . . .
Was sollte sie, mittllos wie sie dastand, be- cinnen? Sie verzweifelte an allem. . . . Der Erlös des Schmuckes, den Harald ihr an ihrem Hochzeitstage geschenkt hatte, reichte dazu hin, um eine Zeitlang ihren Unterhalt zu bestreiten. Innerlich empört hatte sie dis Summe, die Fred für sie im Hospital hinterlassen hatte, zurückgewiesen, hatte dieses Geld den Hinterbliebenen des verunglückten Zugpersonals^ zukommen lassen.
Für das Schauspielfach würde ihre Stimme auf die Dauer doch nicht ausreichen, versichertest ihr die
doch letzten Endes ebenso tote nicht berufsmäßig geschulte Staatsmänner in ihrer Polittk die Charafter- etgenschasten des betreffenden Volkes toiederspiegeln. Das trifft, nebenbei bemerkt, auch auf die deutschen Vertreter in Genua zu. Reichskanzler Dr. Witth hat zwar anscheinend eine leidlich gute Presse, aber zwischen den Zeilen kann man doch lesen, datz sein etwas philisterhaftes Auftreten gerade keinen durchschlagenden Erfolg gezeitigt hat. Und datz unser Auswärtiges Amt trotz aller Wandlungen noch immer das alte geblieben ist, zeigt fich dattn, datz es wiederum wie von jeher so auch diesmal in der Behandlung der Presse vollständig versagt.
III.
Sehr beachtenswert ist das Verhalten Italiens und Amerikas. Der italienische Premierminister
Henrika hätte bloß gelächelt, wenn jemand es gewagt haben würde, ihr das ins Gesicht zu sagen.
Sie wußte zu gut, was das bedeutete, so viel erreicht zu habeil, daß man ihr den Beinamen „Die Filmprinzessin" gegeben hatte. *
Fred Delarue saß an einem Nachmittag tnt November in seinem Arbeitszimmer.
Für ihn war es — „noch vor Tisch", da in feinem Hause englische Tischzeit herrschte.
Der sonnenlose Tag hatte in einem echt Berliner Restennebel sein Ende gefunden. ?
Das große, im englischen Stil eingerichtete Zimmer lag fast im Dunkeln. Fred liebte diese „Never- gangsmomcnte vom Schatten zum Licht", teilet die Dämmerstunde nannte. Für seine kostbare^ Mt bestand sie ja auch nut an? Augenblicken. In iynen überdachte er gern wichtige Angelegenheiten. Ihm war es bann, als arbeite sein Geist schärfer, wenn seine Sehkraft durch nichts Helles abgelenkt wurde.
Es hatte für ihn fo viel Beruhigendes, dieses. Gran und Schwarz,, das sich wie ein weicher Mantel um seine Sehnerven legte.
Ein Vocben an her Tür wurde laut.
„Herein," sagte Fred und bcrühtte den Knops der elektrischen Leitung. Hell stammte das Licht in de« Birnen, die in einem Bündel von der hohe» Zimmer«
daß er jenem Artikel von ganzem Herzen zusrimmt. Wrs ihm aber die Feder in die Hand drückt, sind die Verschleierungen, Irrtümer und schiefen Darstellungen der Sachverständigen. Diese drei Stücke dürfen nicht unwidersprochen bleiben, denn sie geben ein schiefes Bild der Schule, die man so sehnsüchtig erwartet und erkämpfen möchte. Als Sachverständiger will ich hier nicht auftreten, doch glaube ich ,den heißen Schulkampf bis heute so genau verfolgt z« haben, nm auch ein Urteil fällen ju können. Auf dreierlei möchte ich Hinweisen:
1. Was ist die erstrebte Gemeinschaftsschule und welcher Unterschied ist zwischen ihr und der alten Simultanschule?
2. Wie liegen die Verhältnisse in unseren höheren Schulen, die leider auch fimuttan im alten Sinne sind?
3. WaS sagt der von den Sachverständigen erwähnte Religionslehrplan, der von der Arbeitsgemeinschaft Bc-s- fauer Lehrer ausgestellt und in unserer Gegend außerordentlich stark verbreitet ist?
Was die erstrebte Gemeinschastsschule ist, beantwottet der Verfasser K.: Die neue Gemeinschaftsschule ist eine grundsätzlich nicht christliche, sondern religionslose Schale, in der der Religionsunterricht nur Anhängsel ist und die Sachverständigen des Presseausschusses beantworten die Frage mit den Worten: „Wir stellen fest: Die bisherige Siinultanschule ist nicht mehr und nicht weniger christlich als die neue Gemeinschaftsschule." Das ist ein großer Irrtum und eine Verschleierung der Tatsache. Um die neue Schule den Leuten schmackhaft zu machen, be- hauptet man, die Gemeinschaftsschule sei ganz dasselbe wie die alte Simultanschule, wie sie in Nassau, Hessen und Baden schon lange besteht, also gar nichts Neues. Der Schulgesetzentwurf sagt llipp und klar: „Die Gemeinschaftsschule steht grundsätzlich allen Schülern zu ohne Rücksicht auf ihr religiöses Bekenntnis." Sie umschließt also alle Religionen, Bekenntnisse, Ankchau- ungen. Bei ihr beißt demnach die Losung: „ob Jud, ob Heid, ob Christ, immer herein ,wer durstig ist." Dem entsprechend ist nach der amtlichen Begründung des Entwurfs das Lehrerkollegium zusammengesetzt ans evangelischen, katholischen, jüdischen, monotheistischen, bisst- denttschen Lehrern. Diese Gemeinschaftsschule ist eine Sammelschule, eine „M ischmaschschnle" für alle Kinder, in der jeder christliche Einfluß in Geist, Sitte, Zucht, Lehrplan ausgeschaltet ist. Religionsunterricht ist als besonderes Anhängsel noch als Lehrfach gestattet, ist noch angellebt, aber steht mit dem übrigen Lehrstoff nicht in Beziehung, ist also im gesamten Unterrichtsbetrieb ein Fremdkörper. Aus diesen Andeutungen sieht, doch jeder Laie, daß solche Schule etwas ganz anderes ist als die alte Simultanschule. Diese alte Simultanschule ist noch eine streng christliche Schule nut sür evangelische und katholische Kinder mit nur evangelischen und katholischen Lehrern. (Unser Ideal ist sie auch nicht und wir erstreben sie auch nicht, weil sie auch noch eine Schule der Zwiespältigkeit ist.) Aber an dieser alten Simultanschule konnte niemals ein jüdischer Lehrer angestellt werden, auch kein ausgesprochener atheistischer. An der neuen Gemeinschaftsschule wird aber in Zukunft jeder Lehrer angestellt, der jüdische, dissiden- tische, monotheistische usw. Folglich ist die Gemein« schaftsichule keine christliche, sondern eine weltliche Schule mit angeklebtem Religionsunterricht als Fremdkörper.
Wer dies bestreiten will, der lese nur die Begründung des Entwurfs in § 15. Dort heißt est „In den Ländern Baden, Hessen und Nassau bleibt die dort bestehende Simultanschule erhalten. Doch kann sie jederzeit durch Landesgesetz nach dem neuen Gesetz angeordnet werden". Hier ist die amtliche Bestätigung, daß Simultan- und Geweinschastsschule zwei ganz verschiedene Schulen sind. Die Darstellung der Sachverständigen ist also eine Verschleierung der Tatsache und ein großer Irrtum.
Auf einen Unterschied sei noch kurz hingewicsen.. In bie alte Simultanschule konnten auch jüdische, dissiden- tische, atheistische Schüler als Gäste ausgenommen werden, aber diese konnten nicht verlangen ,daß im Lehrplan, in den Lehrbüchern auf sie Rücksicht genommen würde. Sie sägten sich dem Geiste, der Zucht und Sitte der christlichen Schule. Anders ist es in der neuen Gemeinschaftsschule,, da können und werden sie fordern, daß im Lehrplan, in den Schulbüchern usw. aus ihre religiöse Anschau-
Nr. 89
Sonnabend, 15. Apr'l
Osterrnond
1922
MW-MM.
Der Aufmarsch der diplomatischen Streitkräfte in ilknua. — Barthou, Lloyd George und Tschitscherin.
— Keime der Entwicklung und Zündstofi.
I.
In der Woche, die den Anfang der Konferenz von "Genua gebracht hat, ist dieses Ereignis von so überfragender Bedeutung, datz'sich ein Wochenrückblick nur Damit beschäftigen kann. Es ist, als ob alle Kräfte, die an der Zetttörung wie am Aufbau der Welt tätig find, zurzeit in Genua tote in einem Brenuspiegel zu- sammengefatzt sind. Der Jnteresscnkarnps auf rein Politischem tote auf wirtschaftlichem Gebiet, der sich sonst über die ganze Erde erstreckt, hat jetzt Genua zum Mittelpunkt, und je konzentrierter der Kampf dort pusgefochten wird, desto heißer ist er.
Gleich der erste Tag brachte nicht, nur eine unerwartete Ueberrasckung, sondern es zeigte sich bereits, datz zwei Elemente fckross ttnanber gegenüberstchen. Ans der einen Seite finden wir das chauvlnMsch- uiilitaristifch imperialistische Frankreich mit seinem um drfäitlichen Ehrgeiz, das geistige Erbe Ludwigs XIV. „nb Napoleons anzutreten, auf der anderen Seite England, das vorläufig mit allen politischen und di- 'plomatiscken Künsten seines gewandten Lenkers die iEntfcheidung hinauszusckicben kuckt, bis eine güu- jstlgere Gelegenheit für den Austrag der an sich unüberbrückbaren Gegensätze zwischen beiden Muckten gekommen ist. Der Eröffnungstag von 'Genua bat grelle Streiflichter über die allgemeine choliiiscke Lage der Welt gegossen, die blitzartig die 'Eulwicklimg der nächsten Zeit Vorausschauen lassen. Die größte Ueberrascknng war aber wohl das unter« milteite Auftreten ^Rußlands, das sich anschickt, fetuc frühere Rolle in der Weltpoliiik wieder anzutre- ten, nachdem Revolution, Kommunistenherrfchaft und Anarchie es so vollständig auSoesckaliet hatten, »aß man kaum noch daran duckte. Riiszfanv wiederum aktiv Und aggressiv auftreten zu sehen. Trotzdem ist es mit einem Schlaue wiederum vom bloßen Obscft zum sehr beuchtlichen Subjekt im steilick recht unharmonischen Konzert der Großmächte geworden.
V IL
AnS den Ereignissen der Eröffnungssitzung und der Bildung der Ausschüsse läßt sich bereits klar ersehen, daß Frankreich zurzeit vereinsamt iss. Selbst die kleine Entente, die eigentlick eine franzö- siscke Schöpfung ist und die als Ergänzung der neuen Einkreisung Deutschlands in dessen Osten und Süden dienen sollte, hält sich vorsichtig zurück, weil ihre in allen Ränken und Schlicken erfahrenen Politiker in Kinlttv wittern, was da kommen könnte. Im Gegensatz zu dem schroffen Auftreten Frankreichs, dessen Wortführer Nartl> on glaubie, mit d^r Faust auf den Tisch schlagen zu dürfen, um alle Gegner ein tu« Nüchtern, ist offenbar Llovd George wieder auf der Höbe feiner ganzen Kunst augelanat. Er hat es mit großer Gewandtheit und Geschicklickkeft verstunden, die einen Augenblick lang unmittelbare Gefahr der sofortigen Sprengung der Konferenz durck den Austritt »er Fruntgfen zu bannen, indem,cr die Russen damit beiSiTfrtfltc, datz er ihnen sagte, unbedingt ntt'sse chicl AbrüstungSfrage auch auf der Konferenz noch zur iSrnacke kommen: denn ohne das würde ihre Arbeit jfruchtlos feilt; aber sie möchten ü-' gedulden, bis die iZcit für das Besprechen auch dieser Frage reif fei.
läßt deutlich erkennen, daß L'ovd Georges Plan »ehirt geht, durch die Besprechung anderer, ni»t fo fccrfäugltmcr Fragen eine ruhigere Stimmung zu fchaf- ffen und die Franzofen lanafant zu der Erkenntnis zu IfilbTcit, daß sie s°ch entweder dem Rahmen des Gan- fzen eiittnaen müssen oder Gefahr laufen, als die ein« fegen Störenfriede gekennzeichnet zu werden. Wenn Älso in der nächsten Zeit die Russcknbverhandlunae- finhe'-lick leidlich alutt perwnten werden, so ist dock Immer Zünd- und Sprcngfiokf aenna vorhanden, uw ■fahen Augenblick eine nette Krisis entstehen zu lassen. Mährend der Auskchnßverbandluwwn aber wird das jRänkesviel der widerstreitenden Parteien hinter den inen mit um tto größerem Eiker vor sich neben.
Am Schluß wird sich zeigen, auf welcher Sette die ar5 'fieren Meister sitzen: bet den Franzosen, bei Llovd teenwe oder bei den Russen. Tkwiischettn? Auftreten (erinnert lebhaft an das der rnfafaien Diplomatie in Steteren Zeiten: e? ist eine Mischung von B-nwM^ und Sentimentalität ' Auck hieraus ergibt stck. dost idle Diplomatie von Beruf trotz ihres äusseren Schluss
Bon Dr. Luther, M. d. 9L
Dte- linde« Lüfte wollen nicht wehen, herber Frühlingstag ist, und dunkle Schatten liegen über dem deutschen Land. In den Augen der Besten steht das Lcid. Wie Müde, die dem Versagen nahe sind wandern sie ihre Straße. Wohl klingt ihnen aus'vergangenen Tagen hin und her em Sang ron deutscher Herrlichkeit, und alte Sterne leuchten ruu grüßend durch die dunkle Nacht. Aber der Ton verklingt allzu rasch, und der Stern versinkt im Jammer der Tage. Deutsche Seele möchte wohl frühlingsfroh wandern, aber ihr lacht ja kerne schimmernde' Ferne, weiß sie doch immer wieder m Bitterkeit, daß wir in harter Fronarbeit für die Fremdlinge stehen, daß blütendustendes Land für die Andern reift, daß arbeitstreuer Hände Tun für die Andern schafftt Müde voll tieter Bitterkeit schleppen wir uns durch unsere Tage, und das Wort des Dichters klingt durch unsere Seele: „Ach, ich bin des Treibens müde."
Aber über Nächten glüht ein Morgenrot, und die Seele kann es nicht lasten, sich aus Finster-
(Nachdruck verboten.)
Beekanrrt.
Roman von Hedda von Schmid.
56. Fortsetzung.
Eie schaltefich feMmental, denn sie hatte eigentlich niemand in Deutschland, nach dem sie sich sehnen 3r ritte: Heino, ihr guter Freund, war in Amerika ;cuf einer Gastspielreise, und Thea, mit der sie jetzt pn ständigem Briefwechsel war, konnte sie, Henrika, dcch nicht in allem verstehen, begriff es zum Bei- sviel nicht, daß der Beruf einer Filmschauspielerin . sie so befriedigte. Früher, das wußte Henrika, hätte sie ihr Beifall gejauchzt, jetzt ging sie so sehr in der -Haendlerschen Häuslichkeit, in ihren Pflichten als iVizemama auf, daß sie es nicht fasten konnte, daß Henrika nicht lieber Anschluß bei den Verwandten iihres verstorbenen Verlobten suchte, nun sie ihre Mönck Stimme eingebüßt hatte und die Operetten- siwhne ihr verschlosten war. Sie aber hatte es vor- !g?zogen, zum Film hinunterzusteigen.
Henrika las Theas Urteil über ihre Person Zwischen den Zeilen ihrer Briefe — sie lächelte nachsichtig darüber, und doch gab es für die Slimmun- Ken, in denen sie Thea Grvning beneidete.....
Lolch stille HäuslichM barg einen wundervollen 'Zauber.....
■ Frau Eröning war vor kurzem gestorben. Sie chatte den Tod ihrer beiden ältesten Kinder nicht verwinden können, hatte seitdem immerzu gekrän- ^r[i. Thea hatte die Mutter aufopfernd gepflegt. Sfa-.te Liefe war nach Charlottenburg übcic siedelt ftuid f and offiziell an der Spitze des Haushaltes.
ging selbstredend nicht an, daß Thea, ohne daß 'eine Anftandsdame im Hanse war, ihrem noch so jugendlichen Schwager die Wirtschaft führte, die Leiden Knaben erzog.
| Ihr fiel es allerdings nicht immer leicht, mit 'Tante Liete zurcchtzukommen. Das alte Fräulein fvurde mit den Jahren iw.wer schrulliger, doch es