Amtliches Verkündigrmgsblatt des Kreises Marbmg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Hl 81
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Marburg
SonnobM den 15. April
Ostermond.
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5UM 1922
Erstes Blatt.
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MMMmgeii in Senns.
Vertagung der wichtigsten Sitzungen auf Dienstag.
Berlin, 13. April. Wie die Blätter aus Genua melden, ist der Unterausschuß für Finanzsragen gestern Nachmittag unter dem Vorsitze Hornes znsammengc- treten. Dieser schlug vor, daß der Unterausschuß sich mit der Frage der Wiederherstellung der Währungen befassen solle. Die Frage des Kredits und der Wechselkurse solle ät einem weiteren Unterausschuß behandelt werden.
Hermes wies darauf hin, daß sich aus der Tren- snung der Währungssrage von den anderen Fragen Schwierigkeiten ergeben könnten: Hörne schloß sich dieser Ausfassung an. Vor allem komme in Frage die Notwendigkeit der Stabilisierung der Währungen. Das Nus und Nieder der schwankenden Valuten verhindere jetzt die kaufmännische Kalkulation und erschwere den Abschluß bo» Verträgen. Die Prüfung der Sachverständigen habe die Notwendigkeit ergeben, die Wägungen wieder rnf Gold zu basieren.
Hermes erwiderte, Deutschland könne auf den Loden der Londoner Sach verständig en kon- f« r e n z treten. Das Gleichgewicht sämtlicher Haushalte sei eng miteinander verknüpft. Die Wirtschaft nnrs jeden Landes hänge mit der des anderen zusammen, ind damit seien auch die Staatssinanzen abhängig von »en wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen anderer Kölker. Namenllich bei der Beurteiluna einer zerrütteten Währung .und Volkswirtschaft müsse man neben den inneren Verhältnissen auch die Beziehungen nach außen berücksichtigen... Die deutsche Abordnung werd«' sich gestatten, eine Anzahl formulierter Anregungen als weiteren Gegenstand zu überreichen. Diese Anregungen sollten nach der Auffassung der deutschen Abordnung Gegenstand einer Aussprache im Einzelnen bilden.
Ein russischer Delegierter erklärte, daß sich dir rnssischen Anschauungen mit den englischen deckten. Die Zahl der Soldaten sei von 5 Millionen auf 1450 000 hexabgegangen, die zum Schutze der Errn- zen dienten. Die militärischen Lasten bedeuteten aber 24 Prozent der Gesamtausgaben des Haushaltes. Ernste Sparsamkeit und Finanzreformen seien im Gange. Die Heilung erwarte er von der a l l g e m e i n e n A b r ü st u n g.
Genua, 14. April. Die heutige Sitzung des ersten allgemeinen Ausschusses, worin die Londoner Sachoerständigcndenkschrift erörtert werden sollte, wurde auf Antrag der englischen Delegierten auf Dienstag verschoben.
Nachmittags 3i/2 Uhr sollte der Unterausschuß des erst politischen Ausschusses, der sich mit den r'.!'st:<"/n Angelegeicheiten befaßt, zusammentreten.
ersuchen der russischen Abordnung wurde die Zusammenkunft abermals verschoben, um den kowjetoertretern Gelegenheit zu einer weiteren Prüfung der in Frage stehenden Probleme zu -eben.
Stefans bemerkt dazu erläuternd: Zn lkouf'-cnzkr isen werde erklärt, daß es sich hier um keinerlei Anzeichen für die cingeiretenen Schwierigkeiten, noch weniger um einen drohenden Bruch handele, sonder« daß der Aufschub gerade im Gegen-
Die Antwort des
MMkhlillnns niet Fndermen.
Berlin, 13. April. Der deutschen Kriegslastenkom- mission in Paris ist heut« eine Note des Entfchädignngs- ausschusses zugegangen. Es heißt in ihr im Wesentlichen:
Der Entschädigungsausschuß hat am 10. April die Mitteilung des Reichskanzlers vom 7. April erhalten. Er bat mit Ueberraschung und Bedauern fcstgestrltt. daß die deutsche Regierung die hauptsächlichsten Bedingungen. von denen der Ausschuß die Bewilligung eines Zahlungsaufschubs an Deutschland abhängig gemacht hat, bestimmt ab lehnt. Insbesondere erklärt sich die deutsche Regierung außerstande: 1. irgendeine neue Stauer neben den im Steuerkompromiß vorgesehenen Steuern zu schaffen, 2. die Zahlungen in fremden Devisen aus andere Weise als mittels einer äußere» Anleihe zn bewirken, 3. irgend eine Ueberwachung der deutschen Finanzoder Berwaltungsorganisatiouen anzunehme« mit.der Begründung, daß eine derartige Ueberwachung die Souveränität Deutschlands beeinträchtigen würde.
1. Was den ersten Punkt anlangt, so ist «8 offenbar nnumgänglich, daß die Gesamtheit der von der deutschen Regierung in deutscher Währung zu bezahlenden Ausgaben (sei es für die Reparationen, sei eS für andere Zwecke) mittels der wirklichen Einnahmequellen des deutschen Volkes ohne erneuten Rückschritt auf die Inflation bezahlt wird. Der Entschädigungsausschuß ist, wie er im Schreiben vom 21.3.1922 ausgeführt hat, voll- komm.'n geneigt, im Jahre 1922 die Bezahlung eines beträchtlich?» Teiles dieser Ausgaben mit Hilfe einer inneren freiwilligen oder Zwangsanleihe in Betracht zu ziehen. Die deutsche Regierung selbst Lieht die Möglichkeit, in der BwangSanleihe bie MieW zu Süden, um die Gesamtheit des Defizits zu decken, nicht ist Betracht. Offenbar besteht aber we nig Hoffnung, daß der Kredit der deutschen Regierung bei ihrem eigenen Volke genügend wieder hergestellt ist, um ihr die Durchführung einer freiwilligen Anleihe zu ermöglichen, bevor sie einen übrr- .zengenderen Beweis von Tatkraft auf steuerlichem Gebiet geliefert hat als denjenigen, der sich aus den Vorschlägen des Steuerkompromisfes ergibt, beispielsweise hinsichtlich der Besteuerung, der derzeitigen Gewinne von Handel und Industrie. Der Ausschuß bleibt daher überzeugt. daß eine sofortige beträchtliche Vermehrung der Steuer über die im Steuerkompromiß in Betracht gezogen« Vermehrung hinaus im Interesse Deutschlands selbst unumgänglich ist. Infolgedessen kann er zurzeit nur die Bedingungen hinsichtlich weiterer Steuern voll aufrecht erhalten, wobei er sich indessen bereit erklärt, jeden Vorschlag zu prüfen, den die deutsche Regierung mit dem Ergebnis uiachen könnte, eine befriedigende Regelung des gesamten Fehlbetrages des Haushaltes herbeizusühren.
2. Hinsichtlich des zweiten Punktes ergibt sich nickt weniger klar, daß sehe Hoffnung für Deutschland, im Ausland« eine Anleihe von erheblicher Bedeutung auf- zunehmen, Chimäre bleiben wird, solange Deutschland nicht ein« sehr ernste Anstrengung zur WiHerherstrllung des Gleichgewichts seines Haushalts gemacht hat. Die Antwort der deutschen Negierung aus die beiden ersten Punkte in der Gesamtheit betrachtet, kommt also einer Weigerung gleich, irgend einen wirrli'chen Versuch
zu machen, sich die notwendigen fremden Devisen sür die Bezahlung der EntsckLngungen zu beschaffen.
8. Hinsichtlich des dritten Punktes vermag der Ausschuß in den durch sein Schreiben vom 21.3. gestellten Bedingungen nichts zu erblicken, was die Befürchtungen der' deutschen Regierung auch nur im Geringsten zu rechtfertige» geeignet wäre. Der Ausschuß hat in keinem Punkte in das Recht der Jnitiattve oder in die Verantwortlichkeit hinsichtlich der ©teuern oder Ausgaben der deutschen Regierung oder der gesetzgebenden Faktoren Deutschlands eingegriffen. Er hat sich darauf beschränkt, in erster Linie zu forbern, daß Deutschland alle allgemein erforderlichen Maßnahmen ergreift, damit die Ausführung der Entschädigungsverpslichtungen im Vorrang vor nickt unumgänglich gebotenen inneren Ausgaben sichergestellt wird, in zweiter Linie, daß bi« deutsche Regierung, soweit es von ihr abhängt, Mittel gibt, daß diese allgemeinen Bestimmungen von der deutschen Regierung richtig und genau angewandt werden. Die deutsch« Regierung hat keinen Grund zu Beschwerden, di« sich auf den Vertrag oder auf dir von den verbündeten Regierungen gegebenen Versickerungen stützen könnten. Die deutsche Regierung darf überdies nicht vergessen, daß sie um einen Aufschub der ihr durch den Vrrtvag und durch den Zahlungsplan auferlegten Verpflichtungen nachgesucht hat, und daß durch di« Gewährung dieses Aufschubs der Ausschuß berechtigt war, alle Bedingungen zu stellen, die ihm notwendig erscheinen konnten. Die Bedingungen, welche der deutschen Regierung durch das Schreiben vom 21. 3. für die Gewährung eines vorläufigen Aufschubs gestellt worden find, find nach ernster Ueberlegung festgelegt, und der Ausschuß kann demnach nur hoffen, daß die deutsche Regierung sich davon Rechenschaft ablrgen wird, daß die starrsinnige Haltung, die sich auS der deutschen Note ergibt,
ohne recht« Erwägung der Folgen angenommen ist, welche sie nach sich ziehen muß. Der Ausschuß wünscht keineswegs, der deutschen RÄierung oder dem deutschen Volke eine unmögliche Aufgabe zu stellen: im Gegenteil, er fordert nur ein Zu- samnnnwirken bei den notivendigen Maßnahmen zur Wicberherstellung der wirtschaftlichen und sinanziellen Lage Deutschlands. Aber eine unumgängliche Bedingung für ein derartige- Zusammenwirken ist die Be- ackttmg nicht nur bft Grundsätze, sondern auch des Mechanismus des Vertrages von Versaille s. Wenn die in der Note des Kanzlers angenommene Haltung aufrecht erhalten wird, ist jede weitere Erörterung zwischen dem Ausschuß und der deutschen Regierung osfenbarunmöglich. Aber wenn nach Neber- legung die deutsche Regierung davon absieht, daS Recht des Ausschusses, ihr seine Entscheidungen aufzuerlegen, zu bestreiten, so ist er bereit, jede praktische Anregung zu prüfen, die vo» der deutschen Regierung zur Lösung der Schwierigkeiten,. in denen sie sich befindet, vorgcbracht werden könnte.
Diese Erklärung darf keineswegs in dem Sinne ausgelegt werden, daß der Ausschuß inzwischen dir Ausführung der Entscheidung vom 21. März oder der in dem Schreiben vom gleichen Tage auserlegten Bedingungen zurückmmmt oder vorläufig außer Kraft setzt.
g«z.: Dubois. Salvago Ragi. John Bradburh.
A. Bemelmans.
teil auf Jbie Möglichkeit einer Einigung hin- 3«ute, die sich durch einen vorherige» privaten Ee- rankriiaustausch zwischen den Führern der verschie- jenen Abordnungen, der übrigens bereits im Gange fei, Herstellen lasse.
Nachmittags um 4 Uhr trat im Palazzo Reale der Finanzausschuß zu einer Vollsitzung zusammen.
Er beschloß die Einsetzung von Unterausschüssen sür di- Fragen der Kredite r nd Wechselkurse.
Der Unterausschuß für Geldumlauf beschloß, einen Ausschuß aus den besten bekanntesten Wirtschaftlern, die sich zur Zeit in Genua befinden, ein- zusetzen und ihn mit dem Studium über das ein- |d)lägige Material zu betrauen. Er soll im Anschluß daran praktische Vorschläge machen und möglichst bis Samstag darüber berichten.
Der Ausschuß von Wirtschaftlern trat um 10 Uhr vormittags zusammen. Zhm gehört Präsident Havenstein an.
Heute Vormittag hat feie erste Sitzung des geschäsls- sthrendcu Ausschusses des Verkchrsausschnsscs strtt- gefu'.iden. Don deutscher Seite nähmen SlaatLsekre- ttr Stieler mit mehreren Sachverständigen darin teil. "
Ministerpräsident Facta wird die Osterfeierlrgr in Rom verbringen und am Dienstag zurückkehreu.
28 Staaten vertreten.
Genua, 13. April. Gegenüber widersprechenden Meldungen ist festzustellen, daß in E.nua 28 europäische Staaten vertreten sind. Zn Genua selbst wohnen die Abordnungen des Deutschen Reiches, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Englands, Japans und der Schweiz, in Nervi die Abordnungen Albaniens, Oesterreichs, Bulgariens, Polens, Portugals, Spaniens uns Ungarns, in.
Rapallo die Abordnungen der Tschechoslowakei, Estlands, Finnlands, Griechenlands, Lettlands, Litauens und Rußlands, in P e g l i diejenigen Dänemarks, Luxemburgs, Hollands, Norwegens und Schwedens, in Santa Margherita die Abordnungen Südslawiens und Rumäniens. T-
M AWtUWftM.
Barkhou bittet um Instruktion, ---x"'
Paris, 14. April. Nach feem „Oeuvre" hat Barthou persönlich Poincare telegraphisch mitgeteilt, cs könne jeden Augenblick die A b r ü st u n g s f r a g e aufgeworfen werden, und er werde es wahrscheinlich nicht verhindern können, daß diese Frage erörtert werde. Barthou habe für diesen Fall um Instruktionen gebeten. Ein Kabinettsrat hab: sich darauf mit feer Angelegenheit befaßt und sich mit S immenmeheheik dahin entschieden, daß feie französische Regierung vorläufig feie Fortsetzung der in Genua angeknüpsten Aussprache wünsche. Tie Mehrheit der französischen Minister, sagt das Blatt ,habr empfunden, daß es dem Vertreter Frankreichs unmöglich wäre, durch dauernde Halsstarrigkeit einen europäischen Sian bat hervorzurufen.
Barthous Klage über das „militaristische" Deutschland.
Genua, 14. April. Havas meldet: Barthcu empfing englisch-: und amerikanische Journalisten, denen er seine Verwunderung ausdrückte, daß das Wort Frankreichs jedrsinal angezweifelt würde, wenn es seinen Friedenswillen verkünde. Barthou wies auf die Mäßigung Frankreichs hin, das i)ie Militärdienstzeit um die Hälfte vermindert habe. Die Entschädigungsfrage gehöre vor den Entfchädi- ckungsausschuß, der interalliiert sei. Wen» dieser
seine Ansicht kundgebe, würden die Regierungen die zu ergreifenden Maßnahmen in Erwägung ziehen. Diese Angelegenheit sei nicht Sache der Konferenz von Genua. Hinsichtlich der Entwaffnung bemerkte Barthou, Frankreich könne unmöglich die Augen schließen vor Zwischenfällen, wie es der von Elei- witz sei, bei dem zwanzig französische Soldaten um- gekonnnen seien. Solche Zwischenfälle enthüllten die Absichten des militaristischen Deutschlands. Solange Deutschland Höllenmaschinen gegen den Friedensvertrag baue, werde Frankreich die Entwaffnung auf einer internationalen Konferenz nicht besprechen können.
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Paris, 14. April. Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Washington wird dort von einer Anzahl fremder Diplomaten die Ansicht vertreten, daß die europäischen Staatsmänner an Amerika appellieren werden, um die Konferenz von Genua vor ein em Fehlschlag zu retten. Man wird möglicherweise die Vereinigten Staaten ersuchen, eine zweite Abrüstungskonferenz für die Einschränkung der Landrüstungen einzuberufen. Zn der Haltung des Präsidenten Harding gegenüber der Konferenz ist jedoch, nach dem Blatte, keine Aenderung zu erkennen.
Di« 18 Millisnen-Rat« bezahlt.
Paris, 13. April. Nach dein „Temps" hat die deutsche Regierung heute den Entschädigungsausschuß wissen lassen, daß sie die Zahlung von 18 051 079 Eoldmark geleistet habe, die für den 15. April im Stundungsplan vorgesehen ist.
Bit joWtn Mete in BitrIWn.
Berlitz, 13. April. Von zuständiger Stelle Wird (tn Bestätigung unserer letzten Meldung) mitgeteilt, daß aus Oberschlesien besorgniserregende Meldungen einlaufen. Der deutsche Vertreter in Oppeln wurde angewiesen, die Interalliierte Kommission ernst ich darauf aufmerksam zu machen, daß sie für die Ruhe und die Ordnung verantwortlich ist. Die polnische Presse ' hetzt systematisch, und feie polnischen Organisationen entfalten eine lebhafligc Tätigkeit. In dem deutsch' werdenden Gebiet bestehen die polnischen Geheimer« ganisationen weiter und geben sich unverdächtige Namen, wie Arbeiterverein „Heilige Hedwig" und dergleichen. Zahlreich« Deutsche in fee» polnisch werbenden Gebieten erhielten Drohbriefe, die sie veranlaßten, das Gebiet zu verlassen. Unerlaubte Verbindungen werden zwischen Polen und der obcrschlesischen G«enz« hergesiellt. An einer Stelle wurden 63 Polen verhaftet, die über feie Grenze wollten. Die noch bestehenden Flüchtlingslager der Polen werden ,w Mittelpunkt fees arbeitslosen Gesindels, sodaß ein fttit» Mischer Kommissar eines dieser Lager aufheb.
Der polnisch: Oberst: Volksrat erläßt einen Ausruf, in dem es heißt: „Jn wenigen Wochen schon werten wir uns alle unter dem Zeichen des Weißen Adler» besinfeen."
Reue Verhaftungen.
Paris, 13. April. Im heutigen Kabineitsrtck hat nach einer amtlichen Mitteilung Präsident Poincarü Kenntnis gegeben von neuen Verhaftungen, die aus Anlaß der Zwischenfälle in Ober« schlesien erfolgten. Nach der „Liberts" soll e» sich um 60 Belastungen handeln.
Beuthen, 13. April. Infolge des Explofions- anschlages in Gleiwitz hat General le Rond eine Besprechung sämtlicher interalliierter Kreiskontrolleure abgehaltsn und diesen genaue Anweisungen gegeben, wie in Zukunft bei Wafsendurchsuchungen dvrck inferaHiierte Truppen verfahren werden soll. Es sollen künftighin sowohl deutsche wie polnische angesehene Bürger als Geiseln festgenommen und in die zu durchsuchenden Baulichkeiten mit hineingenommen werden.
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DeM-mlnUe Einigung in M.
Genf, 13. Avril. Nach feer gestern eingetretenen Wendung in den deutsch-polnischen Verhandlungen ist heute in der Liquidationsfraae eine völlig gütliche Einigung zwischen feen deutschen und polnischen Bevollmächtigten erzielt worden, sodaß kn der letzten Nuvde der Schiedsspruch b-’ Präsidenten Calonder vermieden werden konnte. In einer langen Nachtsitzung gelang es schließlich, einen endgültigen Einigungstext aufznstetten. Bis in die Morgenstunden aber dauerte der Kampf um die letzten Streitfragen, und zwar volle Verfügungsfreiheit der Großindustrie während der 15jährigen Karenzzeit, die Polen tun jeden Preis einschräuken wollte, während die Deutschen zähe rtn der Forderung nach völliger Freistellung fest- hielten, sowie auch um die von Deutschland geforderte Befreiung der Wohnsitzberechtigten von der Liquidation ihres Grundbesitzes. Erst als sich der deutsche Standpunkt in diesen Fragen völlig durchsetzt^ konnten kurz vor 5 Uhr morgens feie Verhandlungen!, als abgeschlossen gelten. Heute Nachmittag wurde dann der Text über die Liquidation von den beiden Bevollmächtigten unterzeichnet, worauf in der öffentlichen Vollsitzung, in der ursprünglich der Schiedsspruch mitgetrilt werden sollte^ Präsident Calonder die trotz alte« Schwierigkeiten erzielte direkte Einigung zwischen Deutschland und Polen verkünden konnte.
Die Einigung in der Liqnidationsfrage beweis^ daß eS in letzter Stunde feer deutschen Abordnung gelang, alle Forderungen durch zu setzen, die sie sür die Wahrung der deutschen Interessen und vor allem der Interessen der obcrschlesischen Bevölkerung für unumgänglich erachtete. Tatsächlich hat das Abkommen dazu geführt, daß feer ; otnische Anspruch, in Oberfchlrsien ebenso uneingeschränkt die Liquidationen j vorzunehmen, wie in Posen und Westgreußen, falle« gelassen wurde. Eine Liquidation findet nach dem getroffenen Abkommen vielmehr in ganz eng begren- tem Maße in der Großindustrie und dem Grundbesitz Anwendung und-fällt im übrigen vollkommen sor^ sodaß alles beweglich« Gut, Habe, Hausrat, Kostbarkeiten, Hypotheken, Aktien, Konzessionen ufw. wie der gesamte städtische Grundbesitz von jeder Liquidatjsn sreibleiben. 1
Aus dem besetzten Gebiet.
Hasteittlassung Habicht».
Brüssel, 14. April. Nachdem ein eingehende- Verhör de» Franz Habicht, der unter dem Verdacht der Ermordung de» Leumants Grass stand, und eine genaue Umersuchung seine» vorgrbrachken Alibis, besten Richtigkett ergeben hatten, wurde ft vorläufig au» der Haft entlass««. _