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£ie Parlamente. Genua.Versailles und Sevres. Die drei Internationale«.

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Die Parlamente sind nach einer längeren Tagungs- zett in die Ferien gegangen, nachdem noch in dieser Woche umfangreiche und wichtige Sitzungen stattge­funden habe», vor allem sämtliche Steuervorlagen dom Reichstag angenommen worden sind. Die Regie­rung bat nach Genua ein Vertrauensvotum mit auf den Weg bekommen, hinter dem eine Front von Strcsemann bis Scheidemann steht, die sich allerdings wohl um ihren rechten Flügel verkürzen würde, wenn Wirth und Rathenau das Schwergewicht ihrer Politik Son dem Rein gegenüber der Steuer- und Kontroll- sordernng auf die grundsätzliche Beibehaltung ihrer gescheiterten Ersüllungspolitik verschieben würden. Jedenfalls mutz man abwarten.

Die Berichte aus Genna werden sicher und berechn tigterweise mit grötzerem Interesse gelesen werden als die Reden und Vorgänge in den deutschen Parla­menten. Die Oeffentlichkett bekommt von diesen nur mehr oder weniger kurze Auszüge vorgesetzt, was im Hinblick auf manche ausgezeichnete Rede aewitz zu be­dauern ist. Aber der neue Parlamentarismus (und die kommunalen Körperschaften glauben dahinter nicht zurnckstehen zu dürfen) hat solche Redessuten gezeitigt, hast eS technisch gar nicht möglich wäre, in der Presic darüber ausführlich zu berichten. Ausserdem steht die Bedeutung sehr vieler Parlamentsrcdcn im ungelehr­ten Verhältnis zu dem heuttgen Papierpreis, und, wie der Abg. v. Kardorff richtig bemerkt hat, man könnte er oft gar nicht wagen, den Leserndas Zeug' anzu- dteten. Es ist eben Tatsache, datz das Ansehen der heutigen Parlamente im Volke erheblich gesunken ist,, mögen die Herren in Berlin noch so stolz auf ibren Parlamentssitz und noch so überzeugt von dem Wert ihrer Tätigkeit sein. Das Niveau, auf dem die neu­deutschen Parlamente stehen, hält keinen Vergleich aus mit dem der Vorkriegszeit.Interessant' mag es ja jetzt vielfach sein, so wenn es allerband keineswegs parlamentarische Rufe hagelt, zu bewegten Szenen komint, mit Gegenständen geworfen wird, der Präsi­dent sich gegen tobenden Lärm nicht anders als durch Abbruch der Sitzung helfen kann. '?as deutsche Volk Will und braucht aber sachliche, au,bauende Arbeit und verlangt, daß Störenfriede mit Hilfe der Ge schästsordnung ferngeballen werden. Kann das nicht erreicht werden, so darf man sich nicht wundern, wenn Im Volke der lebte Rest von Achtung vor der VolkS- dertrcttmg verschwindet und bei Neuivablen sich eine immer gröfterc Wahlmtidigkeit gellend niacht.

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Genua siebt vor der Tür. Wenn man nach der Zahl der dort vertretenen Länder und der Tcilnehnrer urteilen wollte, mühte man der Konferenz einen Rie­senerfolg Voraussagen dürfen: leider aber mutz man sich heute schon mit dem Gedatcken abfinden, datz das Ergebnis im umgekehrten Verhältnis zu dem gewal­tigen in Bewegung gesetzten Apparat sichen wird. Einer der matzgebenden Teilnehmer hak auf die Frage, wie lang« wohl die Verhandlungen dauern würden, zu" Antwort gegeben: Eine Woche, wenn nichts beranSkommt mindestens vier Wochen, wenn ernsthaft verbandelt wird und ein leidliches Ergebnis zu erwarten ist. Wenn man nach dem heutigen Stand der Dinge prophezeien will, dann wird die Konferenz kaum länger als eine Woche in Anspruch nehmen. Die französische Regierung verfolgt unentwegt die klar zu­tage gettctene Absicht, Deutschland politisch, militärisch und wirtschaftlich zu zerschmettern. Als Zweck der Konferenz von Genua ist die Herstellung gesunder, wirtschaftlicher Verhältnisse in der ganzen Wel' be­zeichnet worden. Wie soll man an die Erörterung und Lösung dieser Frage herantreten, ohne auf den Sardinalpunkt, den Berttag von Versailles und die Deutschland auferlegte Last, überhaupt zu berühren? Poinear6 und die französische Regierung droben un- ausbörttch, sofort die Konferenz zu sprengen, wenn von den in Boulogne getroffenen Abmachungen abgewicken wird. Vielleicht hofft Llovd George, der ja häufig und gern eitle Hintertür benutzt, darauf, das:, sich doch irgendwie eine günstioe Gelegenheit bieten wird, das zur Sprach« zu bringen, was tbm am Her- zeil liegt. Vielleicht rechnet er aus Unterstübung durch die neutralen Länder. In Holland, den Skandinavi­schen Staaten und in Spanien ist die Erkenntnis von der wirklichen Sachlage und den einzigen Heilmitteln am weitesten vorgeschritten und es scheint, als ob sie

versuchen werden, in Genua dennoch die Fragen zur Sprache zu bringen, über die eine offene Aussprache nun einmal unabweisbar notwendig ist. Möglicher­weise ist das die Gelegenheit, die Llohd George er­wartet. Sollte sich diese Voraussetzung erfüllen, dann wird sich sofort zeigen, ob Frankreich daran die ganze Konferenz scheitern lassen wird.

* III.

Inzwischen hat sich ein anderes Ereignis vollzogen, dessen mittelbare Auswirkung Wohl noch nicht in Genua, aber doch in späterer Zeit merkbar sein wird. Unter tätiger Mitwirkung Frankreichs ist einer der verschiedenen Fr'edcnsverträge, und zwar der von SevreS, vollständig aufgehoben worden. In dem stil­len Krieg, den Frankreich und England nm die Vor­herrschaft in Kleinasien geführt haben, ist vorläufig Frankreich Sieger geblieben. Mit diesem Schritt bat die französische Regierung, Wohl ohne sich dessen Tragweite voll bewusst zu werden, die Anerkennung ausgesprochen, datz die mannigfachen FriedenLvcrträge keineswegs ein unabänderliches Dogma, sondern wie alle irdischen Tinge der Ände­rung oder der völligen Aufhebung unterworfen sind. Mit vollem Recht wird man darauf Hinweisen können, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen worden ist, der auch für den R krag von Versailles seine Geltung haben mutz.

' IV.

Wie zu erwarten war, sind die drei Internatio­nalen, die in Berlin in den letzt:» Tagen gemeinsam beraten haben, Nicht unter einen Hut gekommen. Der einzige positive Erfolg der mehrtägigen Beratungen besteht dariir, dass ein Ncnnerausschutz die Abhaltung weiterer Konferenzen dieser Art abhalten soll. Nach den Ersabrungett, die man mit der ersten Konferenz gemacht bat, wird aber dieser Ausschuss voraussichtlich nur ans dem Papier stehen. Der Berliner Kongress sollte eine Einheitsfront des gesamten Proletariates berbeifübren. Die einzelnen Gruppen aber, die dieses Proletariat vertreten, sind feindseliger und uneiniger auSeinandergeqangen, wie sie es vorher schon waren. Es handelt sich dabei nm den alten Richtungsstreit unfruchtbarer Theoretiker, von denen jeder seinDogtna fflr das allein Richtige hält. Das Einzige, was an diesem Kongress für den außenstehenden Beobachter Interesse batte, war die gegenseitige Entlarvung der angeblich brüderlichen internationalen Sozialisten. Radek bat den Engländern und Belgiern nachgewie­sen. dass sich diese Sozialisten kein Gewissen draus ge­macht haben, bei der Unterdrückung ganzer Völker durch die sogenannten Friedensderkräge von Ver­sailles, St. Germain usw. hilfreiche Hand zu leisten. Die deutsche Sozialdemokratie hat dabei eiue klägliche Rolle gespielt. Sie hat auf dem Fünfländer Kongress in Frankfurt zu allen Anschuldigungen Deutschland? und zu der leserlichen Bekräftigung de? Versailler Friedens Ja und Amen gesagt. In Berlin haben auf dem alllozialisttschen Kongretz Radek und seine Anhänger die Rolle übernommen, die die deutsche Sozialdemokratie eigentlich spielen müsse. Der .Vor­wärts' übt in seiner Schlussbetrachtung über den Kongress an den Sowjet-Vertretern schärfste Krittk. ES könnte aber nichts schaden, wenn die deutsche So­zialdemokratie in dem einen Punkte etwas von dem bolschewistischen Bekennermnt besäße.

MMMEr MchMMt..

Don unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

Bon dem ungeheuren Umfang, den die Geldinflativn in Deutschland angenommen bat, hat der Jahr-Sbcricht der Rcichsbank für 1921 ein lehrreiches Bild entworfen. Der Umsatz wird hier nicht mehr nach Milliarden, sondern bereits nach Billionen beziffert. Im Jahre 1920 betrug er 12. int Jahre 1921 bereits 20 Billionen, das sind 20 000 Milliarden Mark. Man kann sich von solchen Ziffern kaum noch eine Vorstellung machen. Von dem Gesamtgewinn der Rcichsbonk, der diesmal 9,8 Mil­liarden Mark beträgt, erhält das Reich 500 Millionen. Der Hanptbetrag mutz zur Deckung von Verlusten ver­wendet werden, die infolge von Garantien für Ausland?» krcdite cnisr-andcn sind. Der Bericht bei Reichsbauk» präsidenten führt zum Beweist dafür, daß die lebhafte und vom Ausland fälschlich al? ein Aufblühen des Wirtschafts­lebens betrachtete GcschäftSkonjunktur in Wirklichkeit nur eine Scheinkonjunktur ist. die Tatsache an, daß ioeder die Produktionszisstrn noch di« Außenhandelsziffern einen Fortschritt aufzuweifen haben. Dicst Beweissüh»

Verkannt.

Roman von Hedda den Schmid.

51. Fortsetzung.

Irmgard händigte Frau Kunstmann den Brief ein und drückte ihr ein Zwaiizigmarkstück als Reise­geld für Fritz in die Hand.Er soll noch heute ab­reisen, sorgen Sie dafür, Frau Kunstmann, und sich in Berlin sofort bei Herrn Delarue meld«». Wenn er sagt, daß er mit einer Botschaft, die Herrn von Strodtmann beträfe, käme, so wird er sogleich vor- gelassen werden. Herr Delarue wird ganz bestimmt für Fritz sorgen."

Als Frau Kunstmann unter reichlichen Dankes- versicherungen gegangen wat, sank Irmgard auf den ersten besten Stuhl.

Hatte ste im Impuls recht gehandelt? Za denn Fritz' Mutter durste hier nicht weiter herum­tragen, daß Harald schuld daran war, daß ihr Sohn stellenlos geworden.

Irmgard sagte sich, daß Harald, ohne Rücksicht auf die (»einigen zu nehmen, seinen eigenen Weg gehen würde.....Für sie war er verloren. . . .

Er würde ,richt wiederkommen. ... Er gehötte einer anderen und ste sie mußte ihn vergessen: sein hübsches, schmales Gesicht, seine Stimme, die sich so sehr in ihr Ohr und ihr Herz geschmeichelt hatte, sein jungenhaftes Lachen, seine leichtherzige Art, auf die ihr Vater so sehr schalt, die sie aber um so mehr an ihm gern hatte. ... Sie konnte seltsamerweise ihrer Rivalin nicht zürnen, ein ge­heimes Band der Sympathie spann sich von ihr zu jenem Mädchen, das außerhalb der Kreise, in denen sie, scheinbar vom Schicksal dadurch bevorzugt, lebte, stand.

»Menn er nur glücklich wird" dachte Irmgard »nb ,chlug in ausbrechendem Schmerz beide Hände er 'hr blasses Gesicht.

Bis zu dieser letzten Stunde jetzt hatte sie noch immer im geheimen ein Glück für sich erhofft, das ihr von Harald kommen würde. . . . Cie hätte ihm alles verziehen: feine Leidenschaft für Hen­riette Sauten, die so viel Staub in der Welt auf- gewirbelt hatte seinen sonstigen Leichtsinn. So wie er war, hätte sie ihn, ohne sich zu besinnen, ge­nommen, batte ihrem Vater ganz bestimmt gesagt: Harald Strodtmann oder keinen, Papa! Liebe läßt sich nichts vorschreiben. Wenn du willst, so kannst dp mich enterben, wenn dir dieser Schwie­gersohn nicht recht sein sollte."

Nun aber war alles, alles, was ste en seligen, heimlichen Träumen ausgesponnen hatte, zu Ende. Sie wußte ja nicht einmal, wo in der weiten Welt sie Harald Sttodtmann suchen sollte. Sie glaubte nicht recht daran, daß et nach England gegangen war, et hatte feine Fährte verwischen wollen mit jenem spöttischen Leichtsinn, den er immer auf sein Schild geschrieben hatte, sein Lebensschifflein flott und verwegen steuernd, ohne die Folgen seiner Handlungen zu überlegen. .... ,

Der Schnellzug. ans Calais kommend, elfte durch stockfinstere Rächt dahin.

Im reservierten Abteil erster Klasse lag Harald Strodtmann, bleich, mit geschlossenen Augen.

Auf dem Polster ihm gegenüber saß Henrika, hatte sich zu ihm geneigt und hielt seine schlaff hetabhängende Rechte mit ihren beiden Hand- flächen umspannt.

Anfangs hatte ein kaum merklicher Gegendruck seiner kaltfeuchten Finger ihr bewiesen, daß ihre Liebkosung ihm wohl tat nun gab et jedoch kein Zeichen von Bewußtsein, et schlief seine Brust hob und senkte sich in leisen Atemzügen. Seine Stirn bedeckte ein mit Kölnischem Wasser durchtränktes Taschentuch.

Zweites Blatt

Nr. 84

Sonnabend, 8. April

Oftermond

1922

rung wird durch bi« inzwischen bekannt gegebenen Ziffern für di« deutsch« Außen ha ndelsstatissik bestätigt. Der AusfuhrWerschnß ist zwar auf 2,5 Milliarden Mark im Februar gestiegen, aber nicht infolge einer vermehtten Ausfuhr, sondern weil sich unsere Einfuhr von 13,7 Milliaichcn Mark im Dezember ans 12,7 Milliarden Mark im Januar und auf 12 MilliarbenMark im Februar vermindert hat. Der Mett bet deutschen Aus­fuhr ist in den letzten Monaten vollkommen stabil ge­blieben. Er betrug 14,5 Milliarden Mark monatlich. Da­bei ist aber zu berücksichtigen, daß die Preise in dieser Zeit wesentlich zurückgegangen sind. In Wirklichkeit ist also die Ausfuhr zurückgeMngcn. Erne noch viel stärkere Einschränkung hat freilich die deutsche Einfuhr erfahren, nnd zwar sowohl dem Wette lote der Menge nach. Der Rückgang betrifft zu einem erheblichen Teile landwirt­schaftliche Erzeugnisse. Dir ungeheure Geldentwcttung zwingt eben werte Kreise unseres Volke? ihren Verbrauch zrr vermindern und das trifft natürlich in erster Linie bie am meisten verteuerten ausländischen Nahrungsmittel. Es gibt nur noch eine schmale Schicht in unserem Volke, die sich jeden Genuß ohne Rücksicht auf den Preis ge­statten kann. Di« erdrückende Mehrheit und diese reicht hoch hinaus in die Reihen derer, die vor dem Kriege als die wohlhabenden Kreise galten muß sich Ent­behrungen aller Art aufeclegen.

Noch bedenklicher aber als der Rückgang unserer Nah- rungsmitteleinfuhr ist der von Rohstoffen, di« für unsere Produktion unentbehrlich sind. Da? weist auf eine Verminderung unserer Erzeugung hin, die diese aus­ländischen Rohstoffe unbedinat braucht. Schuld ist nicht etwa eilt Rückgang des Absatzes oder der Nachfrage. Allerdings wird mit einer Einschränkung des inländischen Warenbedarf? bis zu einem gewissen Grade gerechnet werden müssen. Dir kaufkräftigen Kreise de? Volkes halben mit Rücksicht auf di« befürchteten weiteren Preis- stoigcrungen auf längere Zeit hinaus ihren Bedarf gedeckt. Andere 6rtiic Volkskreise haben ihr« Kauf­kraft infolge der Geldentwertung zu einem erheblichen Teile eingebüßt. Das. gilt besonders wieder für den Mittelstand bis in die Rethen der Intellektuellen und gttftigcn Arbeiter. Aber beit Hanvianlatz zu den Pro- tiuktionIetnschränkungen bürftr tro'ehern vor allein der Mangel an ausreichenden Betriebskapitalien geben. Dir Geldentwertung int Verein mit den gewaltigen Steuer­lasten, die der Produktion auferlegt werden mußten, haben dazu geführt, datz beute ein vervielfacht ? Kapital dazu gehört, tun die Betriebe in dem alten Umfange sort- zusühren. fjn diesem Betri-bskapital mangelt eS aber heute allenthalben, trotz der hohen Verdienste, die immer» hin mit den Preissteigerungen der Rohstoffe und der BetBebsun kosten nicht Schritt gehalten haben. Dir Kr- ditnot hat bereits einen erheblichen Umfang angenommen. Die großen Aktiengesellschaften wissen sich bis zu einem gewissen Grade durch Ausgabe neuer Aktien und In­anspruchnahme von Bankkredit zu helfen. Aber di- kleineren und mittleren Unternehmungen leiden beute bereits an einem erheblichen Kapitalmangel und klagen über Krcditnot. Sic schränken notgedrungen ihre Pro­duktionstätigkeit ein. Dazu kommt dann noch die Un- qenüßhcit der zukünftigen PrciSentwickelung, die jeden Robstoffeinkauf zu einem erheblichen Rist?» gestaltet.

Produklionseinschräntung aber bedeutet für jede Volks­wirtschaft rückläufige Entwickelung, Verarmung und Ver­elendung. Die Hoffnungslosiakeit, mit der man der Konferenz von Genna gegenübersteht, die Gefahren, die uns aus den unerfüllbaren und daher abgelchnkn Zahlungs-, Kontroll- und Steuerfordenmgen erwachsen können, alles das lähmt den Uniernehmungsgeist und gibt dem Wirtschaftsleben tote auch den Börsen das Ge­präge der Unsicherheit und der Gefchastsunlust.

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PrenWn Landing.

130. Sitzung vom 7.Aprik

Abstimmungen zum GestüishaushaÜ: Im Hammel sprung toird ein Antrag der Unabhängigen auf Streichung aller Unterstützungen für Pferderennen mit 121 gegen 111 Stimmen abgelehnt.

Auf Antrag des Abg. P o r s ch (Ztr.) werden die wei­teren Abstimmungen bis «ach den Osterferien vertagt.

Der Antrag aller Parteien auf Erhöhung der Entschädigungen für die Mitglieder und da? Prä-

Schon auf dem Dampfer, bei der Uebersahri aus Dower, hatte Harald das beginnende Kopfweh, das ihn bis zu halber Bewußtlosigkeit brachte, ge­spürt. Er hatte vergeblich dagegen angekämpft.

Seit heute früh war er Henrika dy Santos Gatte.

In England bedurfte es keiner großen Forma­litäten, um rechtskräftig getraut zu werden.

Beide er sowohl wie Henrika waren mündig. Die nöttgen Papiere waren beschafft worden und in Ordnung gewesen. (Es war alles vollkommen korrekt vor sich gegangen, ttotz des Stichs in das Abenteuerliche.

Von Paris aus beabsichtigte Harald, seiner Mutter und seinem Bruder seine Vermahlung mit- zuteilen, für seine Heimlichtuerei Verzeihung zu erbitten und Ihnen klar zu mache«, daß es so am allerbesten war, wie er es eingeleitet hatte. Der Kampf, der sich andernfalls zwifchen ihnen ent­spannen hätte, wäre möglicherweise die Veranlas­sung zu einem nie gutzumachende« Bruch geworden.

Harald hatte sich wiederholt gesagt, daß er ja ein Mittel hätte anwende« könne«, das bet seiner Mutter und wähl auch bei Fred unfehlbar gewirkt habe« würde. Doch er hatte darauf verzichtet. . . Es war ja auch ««denkbar, daß die Mutter ihrem Liebling^oh« gegenüber unversöhnlich sein würde, weil et eine Frau geheiratet hatte, die ihr nicht nach dem Sin« war.

Cs war z« fatal, baß ihn nun unterwegs und noch dazu an feinem Hochzeitstag diese un­erträgliche Kopfpein, die sich in den letzten Wochen Jo erschreckend verschärft hatte, befallen mußte. Das narkotisch« Mittel, das er stets in seiner Tasche ttug, hatte ihm nun endlich Linderung verschafft. Langsam schwanden ihm die Sinne. . . . Freund­lich«, lichte Bilder gaukelten vor seinen Augen, führten ihn sanft in das Reich der Träume hinüber.

Er sah seine Mutter, die mit «lsgebreiteten

sidium d«S Landtag» wird in allen drei Lesungen an-' genommen. Danach steigt die monatliche ©ntfiäbt*, tzung der Abgeordneten auf 5000 Mark, für die M' Berlin anfässigen auf 4500 Mark. f

Bei der Fortsetzung der zweiten Beratung dcS Domä-' nenhaushalt» erklärt Landwirtschaftrmimster Dr. Den-' d o r f f, da» Ministerium sei bestrebt, die Domänenpachte» der Geldentwertung anzupassen. Bisher sei dies aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich gewesen.

Rach weiteren Reden der Abg. Jürgensen (U. S.), Kilian (Komm.). Westermann (Dem.) und Weiß» ermel (Deutsch».) toird die Beratung geschlossen. Die Abstimmungen werden vertagt bis nach den Ostrrfcri-u.

Um 4'/, Uhr nachmittags schloß Präsident Lcinett die Sitzung mit guten Wünschen für die Feiertage.

Die nächste Sitzung soll am. 3. Mai, stattfinden.

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Sie MMM its MM«.

Letzten Endes siegt der Gedanke über das Schwert", bat der auf St. Helena gefangene Napoleon I. kurz vor seinem Ende gesagt und damit gewissermassen seherisch der Meinung Ausdruck gegeben, datz schlietzllch die Einigung zwischen den Völkern den Stieg vermeid:» werde. Hundert Jahre sind seitdem vergangen, allein Napoleons Ansicht bat sich nicht bestätigt und der Lauj der Geschichte bis auf diese Stunde bewiesen, daß wir von demewigen Frieden", den Moltkeeinen Traum und nicht einmal einen schönen Traum" nannte, beute mehr denn je entfernt sind. Damals, vor hundcri Jahren, nach den Befreiungskriegen, schlossen vielt Fürsten, an ihrer Spitze Kaiser Alexander I. von Russ­land, Kaiser Franz von Oesterreich, König Friedrich Wilhelm III. vonPreutzen, dieHeilige Allianz" in der Ueberzeugung, datz künftighin alle Streitigkeiten zwischen den Völkern durch sriedliche' Verständigung auf den Grundlagen der religiösen Ueberzeugung auS- geschaltet werden könnten. Bezeichnenderweise iral England damals der Allianz nicht bet, weil der rein auf praktische Ziele gerichtete Geist der englischen Poli­tik an die Schwärmerei nicht glaubte, die im Begriff des Völkcrfriedcns für alle Zeit lag. In der Tat siel die Heilige Allianz von selbst auseinander, schon lange bevor die Kriege der nationalen Einigung in Deutsch­land und Italien die Beweiskraft lieferten, dass die großen Dascinsfragen der Völker nicht durch Kou- fercnzbeschlüsse, sondern einzig und allein auf dem Schlachtfeld« gelöst werden können, Bismarck prägte damals das zwar viel geschmähte, aber darum doch unvermeidlich richtige Wort vomBlut und Eisen', den letzten entscheidenden Mitteln im Sein oder Nichtsein der Völker und Staaten.

Seit 1871 hat sich da? Deutsche Reich ehrlich und redlich, mehrmals sogar bis zur äussersten Selbstver­leugnung, bemüht, den Weltfrieden zu erhalten und der Mittelpunkt der Völkerverföhnung zu sein. Es ist uns schlecht gedankt worden: denn während wir Alles einsetzten, um den Weltfrieden durch Versöhnlichkeit und Nachgiebigkeit zu wahren, haben unsere Neider und Feinde sich zum Bunde znsammengeschlossen, deren Ergebnis unsere Einkreisung und der AuSbruch des Weltkrieges gewesen ist. Der Gedanke deS Zaren Nikolaus II., eine Einschränkung der Rüstungen vor­zuschlagen, versagte an der eigenen Politik Nußland­selbst. Als einzige greifbare, wenn auch noch fo be>- scheidene Frucht kam die sogenannte Friedens- konserenz zu Haag dabei heraus, die zwar ge­wisse Milderungen im Völkerrecht ergab, aber den furchtbaren Zusammenstoss des Weltkrieges ebeufa wenig verhindern konnte, wie sic die Schrecken des Krieges zu mindern vermochte. Im Gegenteil uie in der Geschichte aller Zeiten und Völker ist mH größerer Verntchtungswut und Zerstörungskraft ge­kämpft und schonungsloser verfahren worben als iw Weltkriege, der ein wilder Daseinskampf war uni schließlich jede Rücksicht auf Sitte lind Kultur zur Seid scho», als es galt, zn siegen oder unterzugehen. Dd Entente kannte keine Schonung.

Genau tote nach den Befreiungskriegen vor mehl als 100 Jahren gebt auch heute der Zug vomewigen Frieden' durch die Welt, freilich ans ganz anderen Grundlagen wir damals. Der heutige .Pazifis­mus' so lautet das unschöne Fremdwott vonl ewigen Weltfrieden geht von drei verschiedener Gnindlagen aus, die sich zwar in gewissem Sinn« streifen, aber doch wesentlich getrennte Gcdankengänge haben. Die erste Richtung beruht auf dem Gedanke» desVölkerbundes', die zweite* auf dem Ziel' MmimBWMBBBBK1 Armen auf ihn zukam er fühlte noch verworren den Druck von Henriktas lieben, weichen Hände« oh, er war so glücklich, wie noch niemals zuvor in seinem Leben. Er atmete tief und friedlich, wie ein schlummerndes Kind.

Behutsam löste die junge Frau ihre Hände aus den seinen. Unhörbar glitt sie hinaus auf de« Gang vor dem Abteil, ließ die Fenster dort herab und blickte in die Dunkelheit der ftemden Land­schaft, die der Zug in eilender Fahrt durchflog.

Hier und da blitzten die Lichter einer Ortschaft auf, zeigte sich, wie ein heller Punkt auftauchend und allsogleich wieder verschwindend, eine Halte« stelle.

Die laue Nachtluft tat Henrika wohl.

Sie sammelte ihre Gedanken. Im Laufe bet letzten Woche war unendlich viel auf sie eingestürmt. Wie in einem Traum war sie durch diese Tage dahingegangen, die Führung ganz und gar Harald überlassend.

Wie ein Traum erschien es ihr auch noch, daß sie nun Baronin Strodtmann hieß, die Schwägeri« des stolzen Fred Delarue geworden war. . . Wen« et das hätte ahne« könne«, als er sie vor Jahr« als Hans Grönings Braut aus Kanada herüber- gebracht hatte. . .!

(Fortsetzung folgt)

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x die köstliche y

| Speise-Schokolade!