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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

Die .Obrrhessijch« Zritun V erscheint sechsmal wöchentlich. Dezngspreis monatlich 17 Mk. Für ausfallend« Rümmer« infolge Ctreils oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. T. Hineroth. Druck der llniv.-Dnchdr«ck«rei von Iah. 8ug. Koch, Markt 2123. kternsprecher 55, Postscheckkonto: Rr. 5015 Amt fsrankkurt a. Mai«.

Marburg

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O'trrmsud.

Der Anzeigcnvreis veträzt für die 9 gesv. Zeile oder deren Roum 90 Pfg. für den Milli­meter, amtliche und aurwärtiae 1.20 Mk. Ändere Svaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät cinlaufende oder den Raum über */, Seite einnehmend« An- seteen sind wir bereäiiigi, nach der Tertipaitenb:eite zu setzen und zu berechnen. Te le.:. Reklamen berechnen wir die Eol.-Zeile mit 9.00 Ätk. Zeder Rabatt gilt al» Barrabati. Lei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Dermittlunq der Ange« boie 1 Mk. Sondergebühr.

57. Mn.

1922

Jlt.84

Erstes Blatt.

Abktilr Md) 6enM.

Berlin, 7. April. Der Reichskanzler reiste heute Abend tont Anhalter Bahnhos zu kurzem Aufenthalt noch Freiburg. Er begibt sich von dort nach Beuna.

Wien, 7. April. Bundeskanzler Schober und Bundesminister Grünberger sind heute Abend nach Genua abgerrist.

Budapest, 7. April. Heute sind die Mitglieder der ungarischen Abordnung für Genua unter Führung des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen abgerrist. ' Paris, 7. April. Lloyd George und Schatz­sekretär Horne sind nachmittags in Paris angelouimen. Sofort nach ihrer Ankunft hatten die beiden Minister eine Besprechung mit Poincare und Barthou. Um Vs<? Uhr reisten die englischen Minister nach Genna weiter.

Lloyd George für 10 Jahre RüstungSpaufes

London, 7. Tlpril. Man glaubt, daß Lloyd George die Verminderung der Land­rüstungen zu einem der hauptsächlichsten Punkte der Genueser Konferenz machen wird. Es heißt, daß rr für eine zehnjährige militärische Ruhe­pause eintreten wird.

Eine Vorkonferenz der verbündeten Hauptmächte.

Paris, 7. April. Es soll nunmehr fcststehrn, daß die fünf verbündeten Großmächte ohne Heranziehung der Mächte der kleinen Entente vor Eröffnung der Genueser Konferenz eine Zusammenkunft haben werden, Lei der drei Punkte geprüft werden sollen: 1. Welches sind die Staaten ,bie der Einladung Folge geleistet haben, die der Oberste Rat beschlossen hat? 2. Welche Antwort haben sie hinsichtlich der Bedingungen er­teilt, die gestellt wurden? 3. Was soll unternommen werden, damit diese Bedingungen auf der Konferenz erfüllt werden? .

Die franzöfischen Anweisungen.

Paris, 7. April. Der Kabinettsrat hat die schristlichen Anweisungen genehmigt, die Poincsr« für die französische Abordnung auf der Genueser Kon­ferenz ausgearbeitet hat. Den Anweisungen liegt die bekannte Denkschrift PoincarLs vom 31. Januar zu­grunde

Die Haltung der Schweiz.

Bern, 7. April. In Erledigung einer Inter­pellation im schweizerischen Nationalrat erklärte Bun­desrat Motta über die Stellung der Schweiz zur Konferenz von Genua: In die Fricdensverträge mi­schen wir «ns nicht ein. Wir würden es begrüben, wenn dem Völkerbund die Durchführung der Be­schlüsse übertragen würde. In der russischen Frage werden wir eine loyale Haltung einnehmen. Der nndesrat wünscht, daß die Konferenz von Genua eine neue Aera des Friedens und der Gerechtigkeit ein- lette.

Japan und die Rätcregierung.

London, 6. April. Die$tmc3* berichtet aus Tokio, daß der sapanische diplomatische Rat mit Be­zug aus die Teilnahme an der Konferenz von Genua beschlossen habe, die Anerkennung der Sowjetregie­rung nicht zuzustimmen, bevor die russischen Ver­pflichtungen an Japan in Höhe von 200 Millionen anerkannt seien.

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Gerechtigkeit und Gewalt.

Brüssel, 6. April. Während der Aussprache über die Einnahmen und Ausgaben des Staatshaus­halts in der Kammer antwortete der Minister des Aeutzern mehreren Rednern:G3 ist nicht wahr, daß wir Gewalt angewandt haben, um Deutschland zum Zahlen zu zwingen. Deutschland hat, nachdem es den Vertrag unterzeichnet batte, die Schuld am Kriege ge­leugnet und sich erst zum Zahlen entschlossen, nachdem wir ihm gezeigt haben, daß hinter der Gerechtigkeit unserer Sache nötigenfalls die Macht stehe Wir stehen nicht einem Volke gegenüber, das seine Ver­pflichtungen einhäkt: denn Deutschland denkt heute nur daran, wie es die Ergebnisse unseres Sieges in Frage stellen kann. Deutschland muß fühlen, daß ihm nötigenfalls die Gerechtigkeit durch einige Völker auf» gezwungen werden kann."

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Ein WilMMvntz dtt teüÄn?

Der Londoner Korrespondent des ..New Dort Herald" meldet: Am Vorabend der Konkeren; von Genna haben die Engländer die Absicht, eine» Wirtschaftsbuch mit Amerika abzuschließen, um auf dieser Grund- kage dem Wirtschastssrieden der Welt künftighin die Richtlinien zu weisen. Die Konferenz von Genua würde gegenüber dieser Tatsache zu einem Ereignis zweiten Mrngcs herabsinken. 9h;fgebaut ist dieser Bund aus den Forderungen der Washingtoner Konferenz sowie auf den Forderungen, die der amerikanische Kongreß so ost rrwog, daß eine Herabsetzung der Rüstungen einen Ausgleich zwischen den Einkünften und Ausgaben der einzelnen Staaten sowie eine Gesundung der gesunke­nen Valuten herb-nsühren müsse.

Lloyd George wird dem Londoner Korrespondente!! des Blattes zufolge mit zwei mächtigen Waffen nach Htzmua gehen: Tie erste wird darin bestehen, daß er «klären wird, ein Mrlschastswiederartfbau Europas sei

ohne die Vereinigten Staaten nnmöglich. Tie Ver­einigten Staaten hätten aber bestimmte Bedingun­gen gestellt, die England anzunehmen bereit sei. Die zweite Waffe würde in der Erklärung bestehen, daß eine Wiederausrichtung der europäischen Wirtschaftslage auch ohne die Teilnahme Englands unmöglich sei. In« iolgedesse» habe dieses ei» Recht, sein« Bedingung«» za stelle».

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?tkMvi>MAsKW MAlltmMt.

Berlin, 7. April. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages trat heute zusammen, trat die Richt­linien der Antwort auf die EntschädigungSnote zu erörtern. Der Reichskanzler und der Außenminister sowie der Staatssekretär v. Simson gaben Erklärungen ab. Es äußerten sich dann Heisser ich (Dull), Stresemann (D. Bp.), Deicnburg (Dem), Gotheim (Dem.), Tauch (D. Bp.) und Stinnrs (D. Vp.). Von der Reichsregienrag waren äußerem anwesend Vizekanzler Bauer und der Reichswirtschafts- minister.

Wie dasB. T." schreibt, erkkärtk sich der Aus­wärtige Ausschuß int allgemeinen mit der Antwort­note einverstanden. Wie das Blatt weiter hört, begab sich' der Bankier Melchior auf Aufsorderung nach Paris zu finanziellen Besprechungen mit dem Ent- schädigungsausschuß.

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MkMWtzM ha «wi EkMhlSW- MMk.

Um die Getretdcumlage.

Berlin, 7. April. Im ReichsminHetinm für Ernährung und Landwirtschaft fand heute unter dem Vorsitz des Reichministers Fehr eine Konferenz mit den Vertretern her Landwirtschaft statt, die »ort zahl- reichen führenden landwirtschaftlichen Persönlichkeiten besucht war. Gegenstand der Verhandlung?» war die Gelreidebewirtschaftung im kommenden Wirtschaftsjahr. In seinen Begrüßtingsworten sprach der Minist r sein Bedauern darüber aus, daß bit Besprechung bis jetzt verschoben werden mußte, die für die Regelung ter wichtigsten Ern ahnt ngsfragen des kommenden Wirt­schaftsjahres von einschneidender Bedeutung sei. Es weide sein Bestreben sein, diese und die übrigen wich­tigen Fragen in enger Fühlungnahme mit der Land- wiri schäft zu regeln. Tie Konferenz mit den Er- nährungs« und Landwirtschaftsministern der Länder, die jüngst staitgesiinden habe, habe sich auf de» Stand­punkt gestellt, daß di« völlige freie Gelreidebewirt- schastung im nächsten Jahre nicht möglich sei. Tteset Siandpunft st'mme mit der Auffassung der Reichs« regier«ng überein. Darüber hinaus habe jene Kon­ferenz auch um Vorschläge und Material für die Rege­lung der Kartoffelverforgung gebeten. Hinsichtlich dir Ketreidebewirtschafiung hoffe er, in eingehenden fach« sachlichen Verhandlungen mit der Landwirtschaft zu einem ersprießlichen Ziele zu kommen. Hingegen glaube er nicht, daß man bei den Katroffeln mit der Um­lage oder einer sonst'gen öffentlichen BewtrtschaftnngZ- form zum Ziele komme, da hier weit größere technische Schwierigkeiten beständen und die Kommunalverb mide auch nicht in der Lage und bereit seien, das finan­zielle Risiko der Kartoffelbewirtschaftnng zu über­nehmen. Man werde an dem Abschluß von Liefe­rungsverträgen und die direkte Verbindung von Produzenten- und Verbraucherorganisaitonen denken müssen.

Die Begrüßungsworte des Ministers wurden von der Zlersammluiig beifällig rmfgntommen. Die sach- chc» Bcspvechungen wurden durch ei» Referat des Prä- fibenteil der Nrichsg tr.'idest.lle eingeleitet, der darauf aufmerffam machte, daß die Zuschüffe des Reiches im kommenden Wirtschaftsjahre voilkemmen Wegfällen und eine Verteuerung des Brotes schon hierdurch eintreten werde. Durch eine gleichzeitige Beseitigung der Erfassung bestimmter Mengen zu Preisen, die unter drm Weltmarktpreis liegen, werde die Möglichkeit ge­nommen, einen stabilen und erträglichen Preis zu schaffen.

In der Aussprache betonten die meisten Redner, daß eine Fortsetzung der Umlage für die Landwirt­schaft unerträglich sei, wobei insbesondere daraus verwiesen tourbt, daß hier eine ganz einseitige Belastung eines Berufsstandes vorliege, die einer Sondersteuer gleichkomme. Im ganzen ergab die Aussprache trotz des im allgemeinen ablehnenden Standpunktes der Landwirtschaft gegenüber der Um­lage, daß die Vertreter bereit sirkd, in Einzeletörte- rungrn «inzutrktc» und an Maßnahmen zur Scherung der Versorgung der Bevölkerung mit Brotgetreide mit- »uarbeiten. Es wurde ein besonderer Ausschuß einge­setzt der bereits in der nächsten Woche zusammen treten wird.

Bolschewistisch-japanische Zusammenstöße itt der Mandschurei. Die roten Truppen haben in der neu« traten Zone der Mandschurei die japanischen Streit- lräste angegriffen.

Zer WM öfter ftie M her Prelle.

BMooliiti Diih MnW MM.

205. Sitzung Dom 7. April.

Der Gesetzentwurf wegen der Versorgung der infolge des Ultimatum? der Verbündeten entlassenen Sol­daten der Reichswehr wird in 2. itnb 3. Lesung an­genommen.

Bei Beratung des Gesetzentwurfs über Aenderung der RrichSversichetungSordnung stellt Abg. Frau Behm (D.- Natl.) mit Genugtuung fest, daß alle Parteien ohne Ausnahme sich für die Einbeziehung der Heimarbei­terinnen in die Invaliden- und Unfallversicherung ausgesproc^n haben.

Der Gesetzentwurf wird in zweiter und dritter Be­ratung angenommen.

Präsident Löbe spricht keine Freude über bie ein­stimmige Annahme und darüber au5, daß dadurch ein iahrzehntelanger Wunsch der Hcimarb'iterinnrn in Er­füllung gegangen ist, für dessen Ausführung sich besonders Fran Behm in vorbildlichster Weise eingesetzt habe. (Lebhafter allseitiger Beifall.)

Es folgt der Antrag Löb« (Soz.l, der, von bett verschiedenen Parteien unterstützt, die Reichsregierung ersucht, mit möglichster Beschleunigung einen Gesetz­entwurf vorzulegen, durch den der

Not der Zeitungen

in wirtschaftlicher Hinsicht wirksam gesteuert wird. Dcc Reichstag erwartet den Gesetzentwurf so rechtzeitig, daß die Beratung unmittelbar noch seinem Wiederzusammen­tritt begonnen werden kann.

Mg. LLbe. (Soz.): Während das Wirtschaftsleben Deutschlands sich in einer^jubliite befindet, sind tu den letzten Monaten 120 deutsche Zeitungen und Seite schriften ein gegangen. Zumeist sind es kleinere und mittlere PrvviuKWter, lokale, bodenständige Blätter, die zum Teil auf eine lange Vergangenh-it zurückblickeu. Ich cnuiter« an den Tod desLaubaner Tageblatts" in seinem 150. Jahrgang, Diese Opfer find gefallen, timte rcnd her Papierpreis von 20 Pfennig im Frieden auf 7,80 Mark im März flieg, im April ober in einem Sprung auf 12,5-0 Mark erhöht wurde. Gibt es tritt Mittel, die Katastrophe abzuwenden, und wenn nicht, was muß dann eintreten? Dann ist e? nicht nur ixe Ptovinzprosse, die Ihren Untergang findet, nicht nur der kleinen Presse, sondern auch den größeren Organen drohen Gefahren. .Gewiß werden nicht alle eingchen. Aber bie einen werden ihren Charakter ändern und die anderen werden in ungeheuerlicher Weife verkümmern. Tie großen deutschen Zeitungsunternehmungen sind davon bedroht, daß sie zufammenichrumpfen, ihre kulturellen, volftischrn, geistigen, künstlerischen und literarischen Ziele rinschränken müssen. Die andere« Zeitungen, und das ist bas Schlimmere, werden zum Ncbenbetrieb frem­der Gewerbe erniedrigt. Sie werden von wirtschaft­lichen Konzernen aufgekauft. So werden diese Zei­tungen, deren politische Selbständigkeit und deren Eimm- art unser Stolz in Deutschland gewesen ist, nicht mehr Repräsentanten seübständiger politischer Gruppen fein, sondern als Anhängsel von Interessengruppen auftreten. Dazu kommt das ständige Eindringen ,

fremden ausländischen Kapitals in das ZritungLgewerbe. Parlament und Regierung müs­sen die ganze Tragweite dieser Entwicklung einsehen und ihr Einhalt tun. Wir dehnen die Entschließung aus auf di« Zeitschriften und wollen die Regierung ermäch­tigen, bis zum Wiederzusammentrritt des Hauses die bisher vorgeschlagenen Abhilssmittel in bie Form gesetz­geberischer Vorschläge zusammenzusassen. Mancherlei wurde vorgeschlagen, so eine A u s l a n b s s p e r r e für deutsches Papier. Nach Polen und der Tschecho-Slowakei gehen große Mengen Papier. ^Tie Papierindustrie be- hrup.et, ohne die Ausfuhr nickt existieren zu können. Vielleicht lassen sich die riesigen Anslandsgewinne für d« deutschen Zeitungen nutzbar machen. Ferner werde öffentliche Bewirtschaftung vorgeschlagen. Wer auch firine Mittel sind vorgeschlagen worden, an denen man nicht vorübergehen dürfe, z. B. bk Versetzung des Papiers in eine niedrigere Tarifklasse der Eisenbahn. Den wesentlichsten Teil der Gestehungskosten des Papiers bildet das Holz. Solange uns die großen Wal­dungen im Osten, in Polen unb Rußland, nicht erschlossen sind, muß vorzesorgt werden, daß dieses wichtigste Roh- ifroöuft für das Papier der Fabrikation unter erträg­lichen Preisen zugesührt wird Sachverständige haben uns glaubhaft versichert, daß schon dadurch allein zwei Mark je Kilo eingespart werden können. Dabei handelt es sich um Holz aus Privat- und Staatswaldungen. Es >'st begreiflich, daß die Einzelstaaten, denen heute soviel Einkommenquellen verschlossen sind, nur sehr zagend Herangehen, eine wichtig-: Einnahmequelle zu beschränken. Aber bei den exorbitant gestiegenen Holzyreisen müssen auch bie Einzelländer es sich überlegen, ob sie mit ihrer Politik nicht Raubbau treiben an einem Gute, das leicht unwiederbringlich verloren sein kann, wenn die Zritungen ringegangen sind. Diese Tatsachen sollten bie Verwaltungen zwingen, den Zritungen in ihrer Not brizustehen, und Länder und Reich, an die ich gleich­zeitig appelliere, mögen sie dazu veranlassen. Ti« Zei­tungen können sich über die schwere Zeit nicht durch Opfer am Leben erhalten. Sie werden auch leider nicht überall als unentbehrlich angesehen und können ihre Prrise nicht gleich denen für Rohstoffe erhöhen. Deshalb erheben wir unsere Stimme im Reichstag, Reichsregte-

rnng und Landesregierungen vor dem Untergang« eine- Stückes Volkstum zu warnen und bitten Eie, von dec Versicherung allgemeiner Teilnahme und Sympathie zu Handlungen überzugehen, nm dieses wichtige Gut in eine spätere Zeit hiiiüberzuretten. (Lebhafter Beifall tut ganzen Hause.)

Staatssekretär Hirsch gibt namens der Reichsregie­rung bk Erklärung ab, daß diese daS Schicksal der deut­schen Presse mit besonders lebhaftem Interesse verfolge. Sie sei sich der schweren Gesahr bewußt, ivelcke die neueste Preissteigerung für hie ganze politische und lute lutelle Entwicklung des deutschen Volkes bedeutet. Noch vor Einsetzen der jetzigen Preissteigerung seien im ersten Vierteljahr dieses Jahres allein eiiva 150 deutsche Zei­tungen ringegangen. Da? sei in drei Monaten rin Fünte n.ndzwanz-gstel der dentscheu Tageszeitungen überhaupt. Die Befürchtung sei nicht von.der Hand zu weisen, baß bei ««haltender Preissteigerung dieses Zugrnndegehen sich fertsetzen und noch steigern würde. Wohl sei b» Preissteigerung durch die neue Teuerung bedingt, und gewiß wissen die Verleger, daß die Leset srchaneine anderweitc Bemessung de? Bezugspreises g e w ö h ne n müssen. Dieser Ausweg sei aber für die deutsche Presse besonders schwierig, und die Reichs regicrung werde deshalb alles, waS angesichts der schwie« ritten Wirtschaftslage vertretbar erscheint, tun. um diesen Ausgang zu erleichtern. Die Regierung sei der Heber« zeugung, daß eine vielgestaltete, überall weit verbreitere Tagespresse eine

kulturelle Notwendigkeit

für die deutsche Entwicklung sei. Die heutige Preis­welle vermehre die Gefahr, daß, ähnlich wie in anderen Staaten, eine Uniformierung der ösfentlichen Mri- n.ung durch wenige große Unternehmungen eintreten könne, daß die öffentliche Meinung Deutschlands leicht dadurch in die Gefahr kommen könnte, einseitig den Interessenten dieser Unternehmungen dienstbar gemacht zu werden. Das gilt mich namentlich für die besetzte» Gebiete, wo nicht nur bi: Teuerung noch schneller vor sich geht, sondern wo die Presse ganz besonders große nationale Interessen zu wahren hat, die bisher von her überwältigenden Mehrheit der Press: im besetzten Gebiet nicht immer ohne Gefahr in vorbildlicher Wrire vertreten worden find. Die lontmeuden Somnrermonate sind für die Zeitungen die ivirischastlich schwierigste Periode. Die Reichsregieruug ist deshalb bereit, alles zu tun, was angesichts der allgenicincn Wirtschaftslage unb der Finanzlage irgendwie vertretbar ist. Sie ist ins­besondere bereit, aus den Boden des jetzt vorgelegten An­trages der Parteien zu treten und nach Möglich leit die Wirksamkeit der verlangter» gesetzlichen Maßnahmen in engster Fühluttg mit be» beteiligten gesetzgebenden Kör­perschaften zu prüfen und schnellstens zu fordern. Ferner-, ist bie Reicksregkrung darüber hinaus bereit, den Maß­nahmen, über die in den Ausschüssen schon eine gewisse Einigkeit erzielt wurde, insbesondere auf dem Gebiete bet Tarifpolitik und hinsichtlich der HiN'auziehung der Aiissu h rg eminite, nachziigehen. Angesichts bet gesamten wirtschaftlichen Entwicklung muß man in erster Linie zur wirlschastlicheu Selbsthilfe stehen. Soweit dies nicht au-reicht, sind Rricksre>iier!ing und bie gesetz­gebenden Körperschaften im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeit bereit, gemeinsam mit den Vertretern aller betriligten Berufskrcise durch geeignete Maßnahmen ba« hu'.zuwirken, daß bie Presse auch künftig in der Lage sein wird, ihre überaus wichtige, politische, kulturelle nnd wirtschaftliche Ausgabe in einer Weise zu fördern, welche die Eigenart ihrer bisherigen Entwickelung wahrt und erhält.

Der Antrag Löbe wirb bann einstimmig ange­nommen.

Es folgt die Weiterberatung des Haushalts deS Reichs­ministeriums des Innern bei dem Abschnitt

Schutzpolizei und technische Nothilste.

Wg. Berndt (Dentschn.) wendet sich gegen die Zer- setzungsanzeichen, die bei der Schupo zutage treten und macht den Leiter der Schupo Geheimrat Abegg dafür verantwortlich. Beim Eisrnbahnerstreik wie beim, Ber­liner Kellnerstrrik habe bk Schupo gemeinsame Sa ch e mit den Streikenden gemach! und selbst bk technische Nothilfe beschimpft. Disziplin und Gehorsam müssen wieder hergestellt werden. Stattdessen fordert die Entente die vollkommene Entwaffnung der Polizei. Sol­len wir uns mit Regenschirmen gegen bolschewistische und spartakistische Umtriebe wehren?

Abg. Auffhäuser (Unabh.): Die technische Rot­hilfe sei nichts als eine organisierte Garde gegen de» inneren Feind und sei, ebenso rott die wieder erstandenen gelben Gwerkschasten, dazu bestimmt, der Arbeiterklasse in den Rücken zu fallen. Dabei sei sie vollkommen über­flüssig und richte mehr Schaden als Nutzen an.

Inzwischen ist ein Antrag der Rechtsparteien «in« gegangen, in Sachsen bie Zuschüsse für bie Schutzpolizei vorzuenthalten. bevor dort nicht das Kommissarwefe» beseitigt sei.

Ein Antrag der Linksparteien will Bahern bk Zu­schüsse streichen, solange Bayernn nicht aufhöre, die Mörderzentrale zu sein.

Mg. Schreiber (Ztr.) bezeichnet bie Frage der Kommissare für die Schutzpolizei in Sachsen all tat­sächlich revisionsbedürftig. Preußen habe vier solcher Kommissare, Sachsen dagegen zwölf.

Mg. Maretzky (D. Vvt.) erklärt, in Charlotte», bürg unb Lichtenberg seien tatsächlich bei Streiks Schnp»»